Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 9 (1927)
- Issue
- Heft 3064 (10.9.1927)
- Date
- 1927-09-10
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/2979076-2981905-2982152--31246-3019545- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Wi?n, Sam-Man Wiener Morgenzeitnng ‘ 10. September lSS7 Nr. 3004 Seite 2 wurde. Das Mitglied der Erelutrvc Dr. R o s e n b l ü t h > führte auses müsse ein neuer geistiger Kamps .zwisÄen der Organisation und den Antizionistcn beginnen und die ideologische Auseinandersetzung wieder ausgenommen werden. Als wiclnigstc organisatorische Mastnabrnc nmrdc gemäß einem schon in Wien gefassten Beschluß die Bildung der territorialen Arbeitsgemeinschaft aller .stonistischen Gruppen innerhalb eines Landes beschlossen. Ein Antrag des linken Zentrums, der die Uebertragrmg des Budgetrechtes an das Aktionskomitee fordert, tourde unter demonstrativem Beifall mit großer Majorität a b g c l e h n t. Präsident Weidmann ist mit den Vertretern der Opposition in Verhandlungen getreten, um sie dafiir zu gewinnen, daß die Palästina-Exekutive einstimmig gewählt, lvcrdc. Es wurde geantwortet, daß man gegen c i n 3 y st c m, aber nicht gegen Personen kämpfe und daß man darum alle von den Verantwortlichen Vertretern dieses Systems vorgeMagencn Personen a-bl ochn e n muffe. Jur Jemifsion Wifes. Der «mW in irr »nlitilA» «mwllWv. Base l. 9. September. Zur Vorgeschichte des Rücktrittes Stephen Wiscs berichtet die I. T. A.: .In der politischen Kommission kan: es a m Dienstag zu ernsten Meinungsverschiedenheiten, als Ts ulin (Amerika) von Stephen Wise unterstützt den Antrag stellte, in London eine Sonderkommission einzusehen, die Über die fundamentalen Beziehungen zwischen der Mandatarmacht und dem Jüdischen Nationalheim, eömso Über dir adäquate Tätigkeit der Palästina-Negierimg zn wachen hätte. Die Kommission so« di« Befngnis haben, unter Führung von Dr. Weizmann dirett mit den Regierungen zu verhandeln. Dr. Weizman n erklärte, für die Exekutive sei eine solche Kommission nicht tragbar, sic werde einen B es ch l u h. sie zu schaffen, alS ein Mißtrauensvotum a n f f a s s c n. Charles Co h c n erklärte i m R a m e n der a m er i k a n i s ch e n Delegation den Vorschlag von Wise und Tjulin als nicht annehmbar; die Antragsteller repräsentieren nicht die amerikanische Delegation. Stephen Wise erklärte, er sehe in der Mitteilung Cohens eine Desavouierung und ziehe die Konsequenzen. Dr. Wise legte den Vorsitz in der Kommissicm sowie sein Kongreßmandat nieder. Auch Tjulin legte sein Mandat in der politischen Kommission nieder und behielt sich die Niederlcgung seines Kongretzmandates vor. Dr. Weizmann sandte an Wise nach Wiesbaden ein Telegramm mit der Aufforderung, seine Demission zurückzuziehen und zum Kongreß zurückzukehren. ES liege nichts als ein Mißverständnis vor. Die amerikanische Delegation rrahm in einer Sondersitzung Stellung zur Resignation von Doktor Wise. Cs kam zum Ausdruck, daß Charles Cohen nicht die Vollmacht gehockt habe, Dr. Wise zu desavouieren. Es wurde beschlossen, ein Telegramm an Wise nach Wiesbaden abzusenden und ihn zu bitten, zum Kongreß zuruckzukehren, wobei die Hoffnung auf ein harmonisches Zusammenarbeiten ausgesprochen wird. Steschen W ts e hat, wie wir berichteten, diese Aufforderungen negativ beantwortet und kehrt über Paris nach Amerika zurück. Die Finanzpolitik der zionistischen Ärgnaisatlon. Ae Resolutionen der Kommifflon au de« Kovgreß. Der Ziönistenkongreß hat vorgestern die Resolutionen du finanzpolitischen Kommission nach einem einleitenden Referat des Senators Rottenstreich angenommen. Diese Resoluttonen lauten: 1. Der Kongreß erklärt, daß die Finanzpolitik der Zionistischen Ovganffatton auf den folgenden fundamentalen Grundsätzen beruhen mutz: a) Die für irgendein Jahr bewilligten Ausgaben müssen sich st x c n g innerhalb der Grenzen einer vorsichtigen Schätzung der für dieses Jahr zu erwartenden Einnahmen halten. b) Angemessene Vorsorge für die Beendigung und Konsolidierung bereits begonnener Arbeiten muß der Vorsorge für Neue Unternehmungen vorangehen. c) Es muß dauernd danach gestrebt werden: einen steigenden Teil des Budgets für produktive Zwecke, insbesondere für landwirtschaftliche Kolonisation zu verwenden. d) Der Vertoaltungsapparat der Zionistischen Organisation muß ständig beaufsichtigt werden, um dafür zu sorgen, daß die angewcndeten Methoden in jedem Falle zu vorteil hafte st er Ausnütz ungder verfügbaren Einnahmen und zur Ausschließung jeder Form von Doppelarbeitund Vergeudung führen. , 2. In Uebereinsiimmung mit den vorstehenden Prinzipien und mit den vom Aktionskomitee auf seiner Sitzung im Mai 1927 angenommenen Beschlüssen erKart der Kongreß, daß die Budgetbesttmmungen für das kommende Jahr nicht über das zu erwartende Einkommen des Keren Hajessod gemäß der von der Exekutive und dem Direktorium des Keren Hajessod gemeinsam ausgestellten Schätzung hinausgehen dürfen. Der Kongreß nimmt zur Kenntnis, daß die gemeinsame Schätzung der Exekutive und des Direktoriums für das kommende Finanzjahr 422.000 Pfund beträgt und erklärt diese Schätzung als bindend und verpflichtend. 3. Der Kongreß erklärt, daß die auf Grund seiner Ermächtigung für jeden der Budgethauptposten festgesetzte Summe als ein nicht überschreitbares Maximum zu betrachten ist, nicht aber als ein fester Betrag, den voll auszugeben die Exekutive bindend verpflichtet ist. Die Exekutive soll jedoch das Recht haben, innerhalb jedes Hauptpostens die Detailziffern zu erhöhen oder herabzusetzen, wenn dadurch der Gesamtbetrag des Hauptpostens nicht überschritten wird. 4. Der Kongreß fordert die Exekutive auf. sich nach besten Kräften zu bemühen, um Kredite auf gesunder sinanzieller Bastzu beschaffen, womöglich in der Form einer langfristig c n yinlcif) e, um Mittel für Ausbauzwecke, vor allem für Am elioratiirnsarbeiten in unentwickelten Landwirtschaftsbezirken, zu beschaffen und so weitere Möglichketten für die Verwendung jüdischer Arbeiter zu eröffnen. Bei ihren Schritten zur Beschaffung dieser Kredite wird die Exekutive aufgefordert, der P a l ä st i n a t eg sie - rung entsprechende Vorstellungen zu machen, damit diese ihr alle mögliche Hilfe und Unterstützung gewährt. Die Exekutive wird-ermächtigt, die ihr wünschenswert erscheinenden Vereinbarungen in Verbindung mit der Beschaffung dieser Kredite zu treffen, selbst wenn diese Vereinbarungen Abänderungen des beschlossenen Budgets mit sich bringen, immer unter der Voraussetzung, daß die Exekutive bei der Behandlung jeder wichtigen Frage der Finanzpolitik, die in dieser Verbindung entsteht, im Einvernehmen mit dem Aktionskomitee Vorgehen und etwaige Vorschläge des Aktionskomitees befolgen wird. 6. Der Kongreß fordert die Exekutive auf, sich nach besten Kräften zu bemühen, um ' weiteres Kapttal für die verschiedenen Bankinstitute zu beschaffen, die, jedes in seinem Bereiche, bestimmt sind» die Errichtung des jüdischen nationalen Hermes zu fördern. Der Kongreß nimmt jene Stellen im Bericht der im Oktober 1926 in London abgehaltenen Palästtna-Wirtschastskonscrenz zur Kenntnis, wo empfohlen wird, daß sofortige Schritte unternommen werden fallen, um das Kapital des Jewish Colonial Trust, der Anglo Palestine Company mrd der Allgemeinen Hypothekenbank zu erhöhen. . 6. (In KrmrPfaLstimmung angenommen.) Der Kongreß erklärt, daß die Sammlung besonderer Fonds durch irgendwelche zionistische Gruppen oder Körperschaften, die auf dem Kongreß vertreten sind, zugunsten von Institutionen, für welche im Budget Vorsorge getroffen ist, verboten wird, ausgenommen solche Fälle, in welchen die Exekutive eine derartige Sammlung ausdrücklich genehmigt, nachdem sie sich die Sicherhett verschafft hat, daß sie die bestehenden zionistischen Fonds nicht schädigen wird. (Bereits bestehende Sonderfonds bleiben von dem Verbot unberührt.) KommissionsbeschlM über dm Budget. Basel, 7. September. (I. T. A.) In der Sitzung der Budgetkomnrission beantragte Dr. Ed-er im Namen der Exekutive, für das Erz-lehungswesen in Palästina ein Jahresbudget von nur 48.000 Pfund festzusetzen. Die Budgetkommission nahm diesen Antrag an. Die Jmmigrationskommisston beschloß, ein Budget von 17.000 Pfun-d für die Jmmigrationstättgkeit in Palästina und in Europa zu normieren. Es ist dis Einwanderung von etwa 1500 EHaluzim im nächsten Jahre vorgesehen. Ne Zewish Agemh. SKMlA tttttfinmgen ffieijnuHuu. B-a s e l, 9. September. (I. T. A.) In der politischen Kommission erklärte Dr. W-eizm ann, daß der amerikanischen Gruppe der Jewish Agency auch Personen angehören werden, die außerhalb der MarschaN- Gruppe stehen. Mit Bezug auf die finanziellen Leistungen der Nichtzionisten sagt Dr. Weizmann: Die Marshall-Gruppe hat sich bisher fife* dießsn Punkt nicht ausgesprochen, vorläufig ist nur bas Bankprojekt von Lev K. Fr an kiel besannt. Falls ich Erweiterung der Jewish Agency in absehbarer Zeit nicht finanzielle Rosultaw zugunsten des jüdi» schon Natronalhrsims erbringen wird, «erbe sich das ganze Agetzrcy-Syftem als nutzlos evwkchen haben. Die Kolonisation in Au« ton »elkrat MW». Zn der ersten Sitzung des Zionistenkongresses lNachtsitzung vom ö. September) hat Dr. Artur R up pin senien Bericht über die Grundprobleme des Palästina-A-usbanes vorgelegt. Unser -o. a.- Nericyterstabter hat einen Auszull mitgeteitt. Dem offiziellen Bulletin entnehmen wir d:-e Äeußemngen Ruppims Über die auf dem Kongreß visllfach ftecte Repatriiert! ng der griechischen IÄch 1 -linge aus Klei nassen. Wir rechnen in Palästina einschließlich öcS Bodens mit AnsiedlungSkosten von 1100 Pfund pro Siedler, und ich bin sicher, daß wir diesen Betrag aüf 1000 Pfund oder noch etwas weiter herunterbringen, könnten, wenn die Ansiedlung in einem großen Maßstab und mit bretten Geldmitteln erfolgt. In England, Kanada, Südafrika und Australien kostet die Ansiedlung nicht nur 1100, sondern 1200, 1600 und sogar 2000 Pfund. Ich kenne nur zwei Beispiele einer großen Kolonisation, in denen die Ansiedlung billiger ist. Das eine ist die griechische Kolonisation, das andere die neue jüdische Kolonisation in SÜdrnßland und der Krim. In G r i e ch e n l a n d, dessen Siedlung ich im Jahre 1928 besuchte, werden außer dem Boden für die gesamten Ansiedlungskosten nur 126 Pfund erfordert. Nun bin ich wett entfernt, die Leistungen der Refugees Settlement Cornmrssion in Griechenland ycrabzusetzen. Sie hat eine gewaltigeLeistung vollbracht. Aber sie ist mit unseren Aufgaben in Palästina deshalb so schwer zu vergleichen, weil 1. die Regierung den Siedlem sofort Land im Werte von LLMillionen Pfund überlassen konnte; 2. die Ansiedler seit Generationen Landw irte waren; 3. weil eS Familien mit vielen und gelernten Arbeit S k r ä f t e n (Kindern und MeN) sind, während unsere Siedler in der Regel nur 1 bis 2 Arbeitskräfte haben; 4. weil sie in Griechenland genau dieselben Landwirtschaftsmethoden befolgen konnten, die sie von ihrem früheren Aufenthalt in der Türkei gewohnt waren und nicht nöttg hatten, wie wir in Palästina, neue Metho-den zu suchen; 6. weil sie keinen europäischen, sondern von Kleinasren her einen orientalischen niedrigem starr dard of Xif c haben, weil sie ferner 6. zu einem großen Teil in die von den Türken verlassenen Farmen hineinkommen konnten. 61.000 solche Farmen im Werte von etwa 12 Millionen Pfund waren für die Ansiedler unentgeltlich zur Verfügung. Die landwirtschaftliche Kolonisation in Griechenland war also nicht wie bei uns ein Ansiedlungs-, sondern mehr ein UebersicdlungsproLlem. Dazu kommt noch 7», daß sie nicht nur die aktive Unter st ü tz u n g d e^r g r i c ch i sch e n Re g i erun q u.it b des Völkerb u n d e s, sondern auch die S y m p a t h i e n d-e s g t * samten griechischen Vol k e s auf ihrer Sette hatten. Letzterer Umstand drückt sich z. B. darin aus, daß außer den Kolonisten, welche die Refugee Settlement Commission für die Ansiedlung der Flüchtlinge ausgegeben hat» die griechische Regierung für die Flüchtlinge in den Jahren 1912 bis 1626 noch extra 17 Millionen ausgegeben hat, davon 7 Millionen allem in den Jahren 1922 bis 1926. Diese Summen sind in den Ausgaben der Settlement Commission nicht enthalten, ebenso nicht wie die allgemeinen Ausgaben für Wohlfahrtszwecke des griechischen Staates, von denen die Flüchtlinge in hohem Maße Nutzen ziehen. Wenn man alle diese Ausgaben zusammenrechnet, so werden sich die Ansiedlungskosten erheblich höher stellen, als sie nach den Berichten der Settlement Commission erscheinen. Die Billigkeit der griechischen Ansiodlung hat auch eine ernste Kehrseite. Die Sterblichkeit an Malaria war eine ungeheure, weil die Ansiedler infolge der notwendigen Eile auf nicht assaniertem Boden angesetzt wurden. Zehntausende sind hiedurch zugrunde gegangen. Im Jahre 1923 starben in Mazedonien auf 1000 Flüchtlinge 33, während nur 10 geboren wurden. . Wir sind dagegen gerade auf diesem Gebiete, allerdings mit großeir Aufwendungen, vorbildlichvorgegangen und haben mit unserem Menfchenmalerial hausgehalten. Wenn man die wirtschaftliche Lage und die Renta-i bilität der griechischen Ansiedler in Betracht zi«cht, so sehen wir hier vorläufig genau dieselb en Schwierig ktiißn wie in Palästina. Ein erheblicher Teil der Siedler ist in einer sehr unbefriedigenden Lage. Auch die niedrigen AnsiedlungSkosten in der Krim etwa 300 Pfund pro Familie sind deshalb nicht mit Palästina zu vergleichen, weil in Gsidrutzland Baumaterialien, Holz, Vieh, landwirtschaftliche Maschinen, viel SiMger sind als in Palästtna. Die Regierung gibt das Holz für den Bau der Häuser gratis und hat den Transport auf der Eisenbahn für den Siedler auf ein Minnmum herabgesetzt. Die Wirtschaft des jüdischen Siedlers in Südrußlnnd ist eine viel einfachere als in Palästina. Sie bericht ausschließlich auf dem Getreideüa u, benutzt d i e e ins« ch e n M e t h o b e n d e s r-usssische'N Bauern und strnn infolgedessen mit viel geringeren Investitionen auskowmen^ Ein Vergleich der RentMlttät kommt nicht in Frage, weil die Sledluktgen selbst noch jung und noch nicht zur Stufe der RentaMtät.aufgeskiegen-smd.