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Wiener Morgenzeitung · 1927-09-10 · Heft 3064 (10.9.1927) · page 1

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
9 (1927)
Issue
Heft 3064 (10.9.1927)
Date
1927-09-10
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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1 Pole«: SS gfoszy | Wien: Zum Abholen in det Expedition, II., Tabors tr. 1*3 oder in einerVerschleißstelle (Trafik) monatl.6 Schilling Straßenverkanf in Wien dtnrch die Kolporteure der Firma Goldschmied, I., Wollzeile 11 Mit Postrarsand für Wien .und Oesterreich monatlich 5 Schilling Taoheoho-Slow akei: Mon. IC 82. Jugoslawien: Mon.Din.60. Polen :Mon. 6 Zloty Deutechland: Mon. Gha.4.Frankr eich, Belgien: Mon. Pres. 85 N»oh*mhlmnga» bei Preie« ethOhmacen retbeheitea. Kongrefiamitabe. . Wiener Ltlorgeiyeilung 1 Preis gQ g| England: Mon. 4 Schilling Italien: Monatl. 20 Lire Rnmänien: Mon. 170Lei 8nlgarisn:Mon.l00Leva. 8 c hv e i z and das übrige Ausland monatlich Frcs. 6 Redaktion, Administration: Wien, II., Taborstr. 1 Telephon: 44-0-38, 43*3-10 Ab 6 Öhr abends: Telephon Nr. 31-0-86 V1L, Lerchenfelderstraße 1 (Druckerei Jnva“) Oestorreichischos Postsparkassenkonto Nr. 150.693 Sir, 3661 Me». Samstag. 10. September 1927 9. ZaHrgang Me poWchen Beschlüsse g des SioniftenkoWesies. Sine Resolution gegen die Mandatsmacht. — Bewegte Abstimmungen. Me Zewifh Agencd- — Heute Nacht wahrscheinlich Kongretzschlich. (Bon unserem Berichterstatter.) Sie Provokation. —y, Wien, 10. September. 'jök Türkei, d-ie sich europäisieren will, schreibt in dieser Mficht von Erfolg KU Erfolg. Sie hat jetzt eine mrMi/lsche Bewegung; Verlauf,'Symptome pud Ziel könnten ganz gut aus .irgendeinem Münchener ober 'Budapester Handbuch des Pogroms abgeschrieben sein. Es werden jüdische Personen belästigt und bedroht, es wird das Juden-' tum als Ganzes des.Hochverrats angeklagt und es werden legislatorische Maßnahmen verlangt, die die Auflösung.des jüdischen «Gemeindewesens bezwecken. Mchts ist neu daran und die nationalistische türkische Jugend erweist sich , als getreuer Schüler Europas, an dessen Lehrstätten sie .sich ausLildet. Sie erhält als «Geschenk den Haß gegen die jüdische Bevölkerung, und die Art, in der er sich manifestiert, ist immerhin'bin ,Novum -in dem Zusammenleben zwischen Juden und Türken. Me TrMtion der türkischen Nation war feit langen Jahren solchen Erscheinungen nicht günstig, und die Toleranz ivurde nur selten verletzt, niemals aber nr dieser exzessiven Form. Und auch wenn man die Erfahrungstatsache berücksichtigt, daß junge oder 'junggeworbene Völler national «in einer gereizteren Atmosphäre leben, ist es doch auffallend, mit welcher' Raschheit der Chauvinismus auch in 'der Türkei den Ort des geringeren Widerstandes gefundsen hat «und wie er alle Parolen und Methoden sich zu 'eigen gemacht hat,-dna in Europa^Inhalt der Rechtsbruchpolikik geworden find. ' Es ist selbstverständlich .-unnötig, n rchzutveifen, daß.die jüdische 'B-eVölkenlnh' in her Türkei' weder, wirtschastlich nych^ politisch-4m - Gegensatzzum 'Staate steht. . Tiefen i gen, die dies m der Türkei verbreiten, wissest, sehr. Wohl um die 'Lüge. Äas Handwerk des Mrleumdens gehört heute überall zum politischen System und in der jüdischen Geschichte der Testen Iahte ist auch Konstantinopel wiederholt genannt worden. In dieser Sticht hat ein russischer Flüchtling zuerst die „Protokolle hfer /Weisen von Zion" in Umlauf gebracht, und die 'Forderungen, die jetzt ausgestellt werden,- stammen geistig aus dieser Sudelküche. Sie sind in Smyrna erhoben worden und wer,an die Leidensgeschichte der Juden gerlade nt diesenr Teile Kleinasiens denkt und an die Bedeutung, die sie dort für die Entwicklung und Aufrechterhaltung der Wirtschaft bewiesen haben, der sieht die Erbärmlichkeit dieser Kampagne. 'Aber es geht auch in der Türkei nicht anders 'als in Europa. Tie Hetze wird so suggestiv geführt, daß ihr auch die amtlichen Krei)e unterliegen und daß die Volksvertretung sich dein Treiben anschließt. Die Angora-Kammer hat.den Staatsanwält in Bewegung gesetzt und die Regierung hat den Inden die Freiheit des Verkehrs «in das Innere des Landes entzogen. Die Personen, die sich zu solchen Maßregeln verstehen, haben, wie num sieht, nicht vergebens in Europa'studiert. Der Anlaß zu diesem'Vorgehen ist, wie man weiß, die Ermordung der schön/ein Elsa Niego durch einen türkischen Genieralstabsoffizier. Daß die Wische Bevölkerung Koirftantinopels die unglückliche Schwester zu Grabe geleitete, gilt als Provokation.!Das ist so widersinnig, daß sich daraus mrr 'die Absicht chevaushören läßt, sich für provoziert zu halten. Viwem Tanzlustigen ist Md gepfiffen, und wemn man keimen anderen ^Grund M, so tut's ein "Leichenbegängnis auch. Und das ist um so verwunderlicher, als das Judentum in der Türkei es nicht gerade <rn BejivÄsetr der 'Selbstentäußerung hat fehlen «lassen. Me Judenschaft hat doch vor zwei Jahren feierlich mtf die ihr nach 'den Verträgen von Sevres uird Lausanne izusteyenden Mnorrtätsrechte verzichtet. Sie ist dem Beispiel der ungarischen Inden gefolgt und hat dieselben Früchte «geerntet. Sie ist wie' in Ungarn von ihren Notabeln zu diesem verhängnisvollen Schritt verleitet worden und hat damit jede Möglichkeit beseitigt, im gegebenen Falle an «ein höheres, den Einflüssen! der Straße und des Parbeiwesens «entzogenes >Forum zu appellieren. Die Argumentation der Rotabeln ist in diesen Fällen immer die gleiche. Wenn das Jich'entum sich als eigene Nation Merrehule und sünfzehute Sitzung. o. a., Basel, 9. September. (Telephonisch.) Der Kongreß konnte wie voranszus-chen war, heute seine Beratungen nicht abschlreßen. Er wurde vor Sabbateingang vertagt und nimmt erst morgen abends seine Beratungen wieder auf. Er muß aber, wie M o tz k i n verkündete, aus technischen Gründen svime Arbeiten in der Nacht auf Sonntag unbedingt beendigen, hat also in wenigen Stunden ein riesiges Arbeitspensum zu bewältigen. Heute abends erschien Weizmann im Plenum, während der Abstimmung über die Resolutionen der Organisationskommission zum Iwecke der Wahl der Exekutiv e, da die diesbezüglichen Vorschläge des. Permanenzausschusses bereits vorliegen. ' Aber noch während er sprach, hatten sich hinter dek Kulissen neue Schwierigkeiten ergebech^iemjOsbesöndere von den Misracht äusgingen. Weizmann mußte sich nochmals zu ,Wort melden, und erklären, daß die Wahl der Exekutive erst am Samstag abends erfolgen könne. . Er ersuchte die Delegierten,'nicht abz-ureisen. 23. Amerikaner und eine nicht unbeträchtliche Zahl anderer Delegierter haben bereits vorgestern und gestern Basel verlasien. Die heutige Nachmittagssitzung, die vierzehnte des Kongreßes, begann mit der Wahl der Anleihekommission. Der Kongreß war nicht gewillt, diese Angelegenheit dem nächsten Aktionskomitee zu überantworten, wie dies der Permanenzausschuß gewünscht hatte, und nahm die Wahl der zehn Mitglieder dieser Kommission sofort vor. Unter den Mitgliedern befindet sich S t r i ck e r. Sodann begann die Beratung über die Resolution«» der politischen Kommission. Bemerkenswert und für die Situation bezeichnend ist die vom Kongreß akzeptierte Präambel der politischen Resolutionen. Sie stellt unter anderem, fest, „faß div Täügkkit der Paläftruaverwaltuvg in ihrem passiven Verhalt«« zmn Jrschmv und zu. den Leistungen des jüdischen Volkes weder dem Geist noch dick» besonderen Bestimmungen des Mandates entspricht." fühlt und die Minoritätsrechte .reklamiert, so gibt das dem Nationalismus das Stichwort für das Hochverratsgeschvei. Nlln haben sie verzichtet und nun ist der 'Hochverratswahnwitz da. Und es ist mich damit in der'Türkei nicht anders, bestellt wie in anderen Ländern. Mese.Führer der jüdischen Gemeinschaft leiden nicht selbst unter der Situation, sie'finden'immer Mittel, sich den Wirkung«: zu entziehen. Mer der kleine 'jüdische Händler, der mittelständische Intellektuelle und die jüdische Proletarier find die Opfer einer Mffimilationspolitrk, die nicht nur den Stolz zerbricht, sondern die Existenz der 'Wehrlosen ruiniert. Es gibt leider keinen jüdischen iGepichtshof jAr diese Verbrechen an der Natron. Im redaktionellen Teil enthaltene entgeltliche Mitteilungen sind durch ein vorangesetztes L gekennzeichnet. Die Präambel begründet diese Feststellung sehr ausführlich und fordert' bestimmte Laxativ a u f g e z ä h l 5« Reformen. Sehr benagt war die Debatte über die I e w i sh Agency. Nachdem der Kongreß die bereits in Wien beschlossenen zionistischen Bedingungen für das Zustandekommen der Agency als unabänderliche Bedingungen erklärt hatte, begründete Dr. Nahum Goldmann namens der Minorität zwei Resolutionen. Die erste bedauert Weizmanns Pakt mit Marshall durch welchen die amerikanischen Zionisten desavouiert und der Anspruch des Zionismus auf die Erlangung der Hegemonie im Wischen Leben in seinen Grundlagen erschüttert wurde. Lipsky erwiderte, die amerikanischen Zionisten seren mit Weizmann solidarisch. Bei der Abstimmung wurde die Resolution abgÄehnt. Delegierter Stricker: Die Majorität des Kongress ses lehnt den Primat Palästinas ab! Die zweite Resolution forderte, daß vor der endgültigen Konstituierung der erweiterten Jewifh Agency der Kongreß einzubernftn sei, um die endgültige Beschlußfassung über die Konstruktion und die Kompetenzen der erweiterten Jewish Agency vorzunehmen. Diese Resolution wurde in namentlicher Abstmmnmg Mit 66 gegen 66 Stimmen abgelehnt. (Größe Bewegung im ganzen Haus.) Jabotinsky verlangt das Wort und erklärt, seine Partei werde die absolute Gegnerschaft gegen jeden Versuch einer Teilung der politischen Funktionen mit irgendwelchen NichtzümisteN 'aufrechterhalten. Das Resultat dieser Abstimmung hat auf dem Kongreß eine sehr gedrückte Stimmnn.g hervorgerufen. Man bedauert die Ablehnung der zweiten Resolution Goldmanns, weil sich aus diese Weise der Kongreß selbst seiner wichtigsten Befugnisse begeben hat. Diese Stellungnahme, welche unter dem Druck der Exekutive erfolgt ist, wird kaum sehr gute Fruchte tragen. Am.Nachmittag hielt der Kongreß seine fünfzehnte Sitzung ab, in welcher der Bericht der Organisonskommission in Verhandlung gezogen l^edetfacken f 98 mfedttforigeii Na/jpalafer Renommierfe tmm R <??äe B<?dv?\wü& Yvbtilc ffaLeJetJdde\di*a^ IkmWtAdv^m. K$ori?]lai3ß.l)Q aller Stoffarten zu bekanntbilligsten _ Preisen bei der vi„ mariahilferstrasse 8 SN-------------------- . . .. V - . . ...= RESTEllvERHnUFSGESELLSCHSFT

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