Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 9 (1927)
- Issue
- Heft 3063 (9.9.1927)
- Date
- 1927-09-09
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
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Smte 4 Wien, ftrdtcfl Wiener Morgenzettung 9. Sepßember 1987 Nr. AM Auf Grund der neuen Instruktionen anS W n r * 'rimit wird der polnische Delegierte Lokal eine modifizierte Abrüftungsresolution vorlegen, die das Maximum an Konzessionen darstellt, welcher die polnische Regierung machen könne. Wird bicfV Resolution nickt angenommen, so bat Lokal den Anftraa, d-.n n r s P r i'i ngiiche n polnii ch e n E n t io u r f des Nichtangriffspaktes zu unterbreiten. Wie verlautet, ist die französische Delegation mit den Warschauer Modifikationen einverstanden, während C h a in b e r l a i n m -e lj r e r e (5 i n w e n d u n ge n erholen staben soll. LenWl^Rd in der Mandatskommission. r^cit f, 8. Levlembcr. Heute ^ielt e:r Vollvrbuuvrat nach längerer Zeir nnceer .eine öffentliche Sitzung ab, in der er Om Bericht über die Arbeiten der M ander tsl o m in i s s i o u geuelunigte. Er hat «auch bannt die Erweiterung der Mandatskommission um cm zehntes Mitglied deutscher Staatsangehörigkeit te* schlossen. TaZ neue s-eutsche Mitglied der Mirudatskonnnisfion wird von! Bölkcrbundrat in gehe inte r Litzung cmtaunt werden. Ter Rest der heutigen öffentlichen Sitzung des Ratest n<ar Dairzigcr Fragen und der von einein finnischen Delesierteui angerckrrittencn .Frage der Nichtgewästrstng , o u A n! ' ' - u an kr ieg f ii h r e n de Staaten ge-' nrion-et. Achd George über die Friedensvertrüge. London. 8. September. (Wollf.) „Daily Mail)" veröffentlicht ein 'Schreiben Llo^'d-Ge orZes an den ungarilch^n Korrespondenten Jö i D i a k. das das Blatt „Enn Staatsdokumcnt von äußerster Bedeutung" nennt. Es,heißt darin, die brr^sche Ocfsentllchkeit erkennt voll an. dag weder die Haltung des ungarischen Volkes noch sein Prennermllnister für die Katastrophe im Jahre 1914 verantwortlich waren. Lloyd-G-eorge erklärt dann nachdrücklich, daß der Urheber aller Verträge vom Jahre 1919 niemals für diese einen solchen. Grad der Vollkommenheit beansprucht hätten, daß sie für unabän dcrlich anschen. Wir alle fassen durchaus die Möglichkeit ins Auge, dag gewisse Klauseln und Be st'.mmmigen der Verträge einer Erörterung und einer m ö glichen Revision seitens des großen Tribunals, das in der ersten Klausel dieser Verträge errichtet wur.de, .nämlich des Bchl-ke-rlbu nd e s, un-temorfan iverden können. Rememeau nicht ertrankt. P-a r-i s, 8. September. Die Meldung, daß Elle m « u e e a u schwer erkrankt sei, bestätigt sich nniefpt. La» urve rnmiknische Kultusgeseh. GLeühstellung aller Konfessionen. Bukarest, 8. September. Der rumänische Kultusminister Lapedatu äußerte sich über das demnächst dem Parlament vorzulegende neue Kultusgesetz dahin, daß im ersten Teil des Gesetzes der Rahmen umschrieben werde, innerhalb dessen jeder Kult gehalten ist, die Grün,d lagen der Vcrsassungzu achten. Der zweite Teil behandelt das Verhältnis der einzelnen Kulte zum Staat, wobei der. Grundsatz völliger Gleichheit gilt. Der dritte Teil ordnet das Verhältnis der Kulte untereinander. Manöver mit Gasbegleitung. Aus London wird berichtet: Bei den jetzigen Manövern der englischen Armee werden zunr ersten Male auch Gase angewendet. Man hat zu diesem Zweck die Giftgase des Krieges durch harmlosere Gase ersetzt. Zur Anwendung konunen eine leichte Form von Senfgas und eine Sorte Tränengas. Die Truppen, die die angenehme Aufgabe haben, für ihren Sold sich diesen Attacken auszufetzeu, sollen dabei lernen, die Schutzmaßnahmen, wie Gasmasken und Apparate für künstliche Atmung sachgemäß nnzuwenden. Zer Nalionalrat. WMWlvliA am 1K. September. Heute wird die offizielle Einberufung des N a t i o n a l r a t c ä verlautbart werden. Ms Termin wird tvahrscheinlich der 16. September fixiert werden, also zwei Tage früher, als uuspri'mglich beabsichtigt war. Es geschieht dies auf Verlangen der sozialdemokratischen Opposition, die ihre sozialpolitischen Wünsche noch vor der Verabschiedung des Zolltarifs vor das Haus bringen will, um ans diese Weise die eine o d e r a n d e r e F o r d er u n g d u r ch setze n zu tonnen. Bon einer O b st r ui e x u n g der I o l l t a r i f n o v e l l e ist die Opposition trotz aller scharfen Reden Bauers im Ausschuß bereits a st g c k o m in e n. eine russische Spende litt die Spier Ser IS. Juli. Der Zemralverbano der russischen.Getverkschaslen hat beschlossen, für die proletarischen 'Opfer der Julitagr ei"?u Betrag von 3500 Schilling ,ut überweisci!. Dar antisemitische Gift in der Türkei. Andauernde anttsüdische Propaganda. Der tragische Liebesmvrd in Kvnstantinopcl, über den wir seinerzeit ausführlich berichiet haben, ist zmn Ausgangspunkt einer planmäßigen Hetze gegen die Juden nicht nur dieser Stadt, sondern der ganzen Türkei geworden, wie sie bisher nie bestanden hatte. Wie noch erinnerlich, ijt die junge Spaniolin Elsa N i e g o von einem angesehenen Türken ermordet worden; die massenhafte Beteiligung der Inden an dem Begräbnis des Opfers wurde nun — offenbar auf höheren Wink — von den türkischen Nationalisten als antitürkische Demonstration anfgefaßt, und verschiedene kleine Reibereien zwischen den am Begräbnis teilnehmenden Juden und türkischen Zuschauern führten zu Verhaftungen von Juden. Nunmehr hat, wie I. T. A. aus K o n st a n t i n o pe l berichtet, am 7. September vor dem dortigen Gericht dre Verhandlung gegen .zehn angesehene Juden von Konstanlinopel begonnen, die au dem Begräbnis de>r Elsa N i c g o t e i l g e n o m m e n hatten. Sie werden beschuldigt, durch Rufe das Türkentum geschmäht zu haben, was nach deni kemalistischen Gesetz Landesverrat bedeutet. Bomerllensmsrt ist, daß dös Nationalversammlung in Angora den Staatsanwalt zur Erhebung der Anklage > ermächtigt hat. Der Prozeß ist noch im Gange und es wird befürchtet, daß sein Ausgang zu einer weitere-n Verschärfung -des Verhältnisses zwischen Juden und Türken Anlaß geben wird. Ueberdies hat gleich nach dem Mordfall in Konstantinopel in der gesamten.türkischen Presse eine Kampagne gegen die Juden eingesetzt, die bis heute andauert; an diesem Feldzug beteiligt sich auch die Provinzpresse, und die Hetze hat bereits ihre Früchte getragen. In Smyrna, wo über 25.000 Juden wohnen, kam es zrr einler großen lmtijüdischien Kundgebung, bei der die versammelten Türken, besonders die Jugirnv, Provokationen schärfster Art verübten, durch die Straßen zogen und die Bevölkerung aufforderten, gegen die Indien vorzugehan, die Schilder von jüdischen Geschäften abrissen, Gebündr jüdischer Jnstitltttomn besudelten und dergleichen. In Smyrna wurde auch eine Konferenz von 600 türkisch«! Lehrern abgehalten, die der Regierung einen Protest gegen das angeblich antipatriotischc Verhalten der Juden übersandten. Die Forderungen der in Smyrna demonstrierenden türkischen Jugend an die Regierung enthalten folgende Punkte: l. Die jüdische Presse in der Türkei ist zu verbieten; 2. jüdische Schulen sind zu schließen; 6. die Gemeindeorganisntion ist auszulösen und die Rabbiner sind -des Landes zu verweisen; 4. ausländische jüdische Zeitungen und Bücher dürfen nicht ins Land kommen. Den tuspirickten Charakter dieser antijüdischeu Bewegung vnp, was ihn zugrunde liegt, läßt am besten die soeben erlassene ReMrmrgsverorbmmg erkennen, welche die bis jetzt für Griechen und Armenier bestehende Vorschrift, daß zur Reise in das Innere der Türkei eine besondere Erlaubnis einzuholen sei, auch auf die Juden ausdehnt. Dies hat unter den türkischen Juden Entrüstung hervorgerufen. Reue Verhaftungen von „Verschwörern". K o n st a n t i n o p e l, 8. September. In verschiedenen Städten -der Türkei wurde eine Anzahl von Personen unter dem Verdacht verhaftet, einen A n s ch l cug gegen Ke mal Pascha geplant zu haben; einige haben angeblich bereits gestanden, sie hätten den Zug, in dem Kemal nach Angora reiste, in die Luft sprengen wollen. „Re ihnen den Weg zeigten." Zer letzte ziinllpriiltz der »sitz Slow". ,S' ondo n, 8. September. Einer der letzten ,MUukspvüche der „Old Glory", deren traüviges Schicksal nunmehr besegelt erscheint, da sämtliche Mchforschütugeu, die akf Grund des ,S. O. S.-Rufes angestellt worden waren, ergebstislos blieben, teilt unt, -daß die Flieger östlich von Neufundland einen Kriauz ins Meer geworfen haben,'der die Worte trägt: „Berhaud, Hills, Poayne ihqon Kameraden Nungjeffer und Coli, die-ihnen den Weg zeigten." 83.080 Dollars als Preis ausgesetzt. New York,. 8. September. Ter Verleger Heaoft, der den Flug der „Old Gloch" finanzierte, hat lden' Betrag von 96.000 Dollars als «Preis für die Aat fsii-M)Mwg des F l u g z e u ge s ansgesetzt. Roch ei» Flugzeug vermißt. London, 8. September. Bis heute mittags lagen von dem Flugzeug „Sir John Carling", der Flieger Tully und Metcalf, das zwischen 10 Uhr und 11 Uhr die Westküste Irlands hätte überfliegen müssen, noch keine Nachrichten vor. Es herrscht bereits Beunruhigung über das Schicksal dieses Flugzeuges, da es nach den letzten Meldungen in eine d i cht e^ N-e-b eckz o n e hineingeraten ist. Ser Flug um die Welt. L o n d o n, 8. September. Die beiden amerikanischen Weltflieger Brook und Schle-e haben heute Rangoon um 6 Uhr 16 Minuten Ortzeit zum Weiterfing nach B a N'g k o k verlassen. 6in russisches Flugzeug in Wieu. Das russische FluMug^Proletcrri" ist aus, einem Rnndflugjg estern um 17 Uhr 15 lMinuton nachmittags von Brünn nach Wien, ausgestziegem und hier uw IR Wr 3iMmrten glatt gelandet. tzin Wahustuulger im kisenbahnzug. Aus Paris, 8. ds., wird gemeldet: Eine furchtbare Bluttat ereignete sich heute nachts im Schnellzug P a r i s — A ui i e n s. Ein Reisender stürzte sich augenscheinlich in einem Anfall von Wahnsinn, mit einem langen Messer bewaffnet, auf einen seiner Mitreisend eu und verletzte ihn durch zahlreiche Messerstiche derart schwer, daß dieser kurz darauf starb. Der Rasende verteidigte sich mit seinen: Messer gegenüber den übrigen Reisenden, die sofort die Notbremse zogen. Als der Zug seine Geschwindigkeit verlangsamte, s.p rang der Mörder ab und versclüvand in der Dunkelheit. Bomben «n einem Sanziger Bahnhol. Warf ch a u, 8. September. In der vergangenen Nacht haben unbekannte Täter in die Lokomotivhalle des Bahuhoses Koszierzyn in: Bereiche der Danziger Eisenbahndirektiou eine Bombe geschleudert, die glücklicherweist nicht explodierte. Eine zweite Boinbe wurde in die W o h ii li n g d o s V erwalter s der Lokomotivhalle geschleudert, die aber ebenfalls nicht explodierte Ter Kriegsschatz des weißen Terrors. 33 MAionvn Schilling in einer jopmiffchm Bank oingelltgt. Aus Tokio wird gemeldet: In den Safes der P o k o h a m a S p e c i e Bank liegen seit s e ch,^s Jahren GoMarven im Worte von einer M i l l i vn Jen, deren rechtmäßiger Besitzer nicht gefunden werden kann. Obwohl sich bisher nur einer um die herrenlose Mllion bemüht, will doch die Bank das Gold nur auf ein Urteil des höchsten japanischen Gerichts hin herausgebon. Dieser einzige, der sich darum bemüht, der Hetm an Semen ow, hat aber gerade jetzt in der; zweiten Instanz seine Sache verloren. Die Goldbarren wurden vor sechs Jahren bei der Bank van der «damaligen antibolschewistlschen sibirischen Regierung eingeliefert, deren Oberhaupt Semen o w war. Die Einlieferung erfolgte durch den früheren zaristischen Militärattache in Tokio, Generalmajor P o t i a g i n; die Bank sollte dafür die Garantie für Hoeresaufträgo für die „weiße" sibirische Armee übernehmen. Daraus ist aber niemals etwas geworden, weil die sibirische Regierung zusammenbrach und die weiße Armee vernichtet wuvde. Semenow ist seit einiger Zeit in Japan, um den Prozeß selbst durchzusechten. Er hat alle berühmten japanischen Anwälte mobilisiert, die jedoch geteilter Ansicht sind; eigentlich glaubt keiner, daß Semenow der rechtmäßige Besitzer sei. ‘ In der zweiten Instanz hat der Prozeß durch die komrnissarische Vernehmung des Generals Potiagiu, der inzwischen nach Paris übsvsiedelt ist, eine interessant« Wendung genommen. Potiagin erklärte, das Gold gehöre nicht der sibirischen, sondern der ehemaligen zaristischen Regierung, woraus das Gericht die gewiß nicht erwartete Folgerung gezogen hat, daß als rechtmäßiger Besitzer also auch de rem R e ch t s n a-ch-- so'lgerin, d ie Moskauer Sowje tr e gietun g, in Frage komme. Semenmv hat jetzt an das höchste japanische Gericht appelliert :md hat zugleich seine ProzeßtaMk geändert. Er behauptet jetzt, e>r sei der Recht Zn ach folg er der Zaren regle rung und ex brauchte di« Millionen nur für neue Regicrungshandlungen, nämlich die . U-u s r n st u n g ei n e s aut ib ol s ch e w i ft t s ch e n E x p « d IH om s k o rps in der Mandschurei. Broßseuer i« Kailer-bbersdors. ' Gegen halb 4 Uhr iwchmüüPs bmch gsfdeen tu Kü.isWlLboredorf m zwei ein FeMn: aus, das flir W mlgrenzeiidtit Wvhjnhäiissr ein« grv>.h«e bildet^. Wg Bewohnetder meisten Maser des Ortes weilte» gerade cms den Felder,i, als ein kleines .Mädchei: di« NachpW Von dem Brande brachte. Di« JentzrjPch-: ward« sofort alarntiext und rückt« bald mit niohrereu LösWgen unter dent Kommando des Branddireltvrs Wagner ans. Me «Weunen, die mit Getreide, He» und Stroh angyDllt waren, gattsn von vor-chercin als verlöre ». Die Femwoehr mußte sich darauf beschränken, den Brand zu lokalisieren, ivas ihr mch mMvoller Arbeit gelang, trobei die herrschet W i n-stille zu Mfe kam. Um 6 Uhr nachinittags tüar der Brand bereits g e l ü s ch t. Das 'Feuer dürste durch unv-orsichüigcs Hantieren mit ßsnerg efährlichen Gegenständen entstanden sein, weshalb eine g-er i ch t l i ch e U n t c r s n ch u n g eingoldtet wlrrde. Der schade ist sehr bedentoild. Auf dem Brandplatz hatten sich ft# särntliche Bew'chner von Kaist^Ebersdqrf «ängefund^tr, um jd«U!