Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 9 (1927)
- Issue
- Heft 3063 (9.9.1927)
- Date
- 1927-09-09
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
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•Seite - Wiener MorgenzerLung 9. September lk>27 Nr. AM Wien. >vr-.' Dir Deklaratisnen der Rasikaien und Revisionisten. — Zabotinikye Mitteilungen Wer dsr Weißbuch. 1-ori'iiv. in 17, ix’ricijk't, wurden in bvr fi<{>t'ii;cn >e;|,uin.] öc£ Mtua)ve)jtS (-VioiUoi] obcno-5) (ivfiäniin^'n der oppositionellen Gruppe» ntn VU>- idykijK' 'der Eeueraldebaiie 0gepöben. "Vir lassen imiunehr oicse Erk'Iäruinpni an der -Gand de? öfFi.yicHcit Bullet ins folgen: Für die Fraktion der radikalen Zionisten gab Delegierter Dr. 3 ülo iü c it s di t! die folgende Erklärung ab: Die jRH'i Jahre nadi dem letzten Kongreß haben den Z n ft a 11 d der Kr ist, in dem sich die Zionistische Organisation seit Jabren venndct, in anßcrordcntlidwin Maße v e r s di a r f t. Alle Gefahren, die lvir seit langem als die unvcrmcidliwcn Konsequenzen des gegenwärtigen Kurses der zionistischen Politik voransgcsagt haben, haben sieb in diesen zwei Jahren in dollem Ausmaße enthüllt. Äugenpolitinb hat unsere politische Leitung es u i di t p e r st a n d c u, die in hohem Grade unbefriedigende Beziehung der palästineiuischcn Administration zu unserem Aufbauwerk in Palästina zu vcrbcsscru. 3fait in konsequenter und systematischer Arbeit auf eine grundsätzliche Aendcrung der Politik der Mandatarmacht im Sinne eurer aktiven Unterstützung unseres Kolonisationsmerkes zu driltgen, hält die Exekutive fest an ihrem System der völligen j| "7 eckung der Politik der Administration in Palästina. Sic erweckt durch ihre daucrud mrrichtigc Darstellung der politischen Lage als befriedigend schädliche Illusionen in der Ocssentlichkeit, schwächt unsere politische Stoßkraft und macht jede durchgreifende Aendornng der politischen Lage im Sinne der Durchsetzung einer Politik der aktiven Mitwirkung durch die Mandataruracht unmöglich. I n n e r j ü d i s d) hält die Exekutive trotz aller Mißerfolge und Rückschläge an ihrem Kurs einer unbedingten Kompromißpolitik gegenüber dem antizionistischen Judentum fest. Die Versuche zur Erweiterung der Jcwish Agency durch Auslieferung der lv i ch t i g st c u Völkerrechtlichen P 0 siti 0 u der Zionistischen Organisation an Nichtzionistcn hat trotz vierjähriger Bemühungen zu keinerlei positiven Erfolgen geführt. Hingegen hat in Verfolgung dieser Politik Dr. W c i z m a n n den begonnenen Kampf des amerikanischen Zionismus um die Anerkennung der Priorität Palästinas verhindert, hat in seinem, die Würde der Zionistischen Organisation verletzenden Briefwechsel mit Marshall den amerikanischen Zionismus und seine Fi'chrer desavouiert und damit die beivußte und kämpferische Zionisicrung der jüdischen Massen Amerikas für eine Reihe von Jahren unmöglich gemacht. DaS Vorgehen des Präsidenten Dr. W c i z m a n n in Amerika war das deutlichste Symbol für die demoralisierende Wirkung dieser Kompromißpolittk, für den Verzicht auf die Hegemonie des Zionismus im jüdischen Leben und dainit für die unvermeidliche Erschütterung und allmähliche Zerstörung der Grundlagen der Bewegung. Ter fortschreitende Verfall der Organisation und die Schwächung des Bewußtseins ihrer historischen Bedeutung in weiten Reihen selbst der Zionisten, ist die unvermeidliche K 0 nsequenz dieser verfehlte re Politik. Aus wirtschaftlichem und finanziellem Gebiet hat die Exekutive ebenso versagt!vie in politischer Hinsicht. Obzwar sic seit Jahren den sogenannten ökonomischen Kurs propagiert, die Entpolitisierung der Bewegung und die Konzentration aller Kräfte auf die rein ökonomische Aufbauarbeit predigt, hat sie auch in dieser Beziehung völlig versagt. Ihre Hilflosigkeit gegenüber der vierten Alijah, die schwierige Lage vieler unserer Institutionen, die Defizite der Exekutive und das katastrophale Budget, das sie diesem Kongreß vorgclegt hat, zeigen, wie wenig unsere Exekutive in der Lage war, die ökonomischen und finanziellen Probleme der Aufbauarbeit zu lösen. Nichts berechtigt zu der Hoffnung, daß diese Exekutive, die die jetzige Lage verschuldet hat, fähig sein soll, durchgreifende Reformen dnrchznführen, so viel auch davon die Rede ist. Aus alle«: diesen Gründen geben tvir unserer stärksten Unzufriedenheit mit der Tätigkeit der Exekutive in den letzten zwei Jahreil Ausdruck und machen sic in der ersten Reihe verantwortlich für die s ch w i e r i g e u >r d kritische Lage der Bewegung im Galuth und in Palästina. Dos Programm, das der Präsident der Organisation und der Präsident der Exekutive dem Kongreß vorgelegt haben, bedeutet die Fortsetzung des bisherigen, auf atfen Gebiete,: ^scheiterten Systems der herrschenden zionistischen Politik. Wir lehnen dieses Programm in seinen wichtigsten Richtlinien ab und werden gegen die Wiederwahl der beiden Präsidenten und ihre Betrauung mit der Leitung der zionistischen Politik stimmen. Im Namen der revisionistischen Delegation Mb Delegierter Richard L i ch t h c i m die folgende Erklärung ab: Wir spreche», der jetzt zurücktretenden Leitung bezüglich ihrer Tätigkeit auf den Gebieten der äußeren Politik» der wirtschaftlichen Arbeit in Palästina und der innerjüdischen Politik unsere Mißbilligung für das "Vergangene und im Falle ihrer Wiederwahl unser Mißtrauen für die Znklnrft aus. Delegierter I a b 0 t i u s k y v c r l i e sl die l g e n d e p e r s ö n l i d) c Erkl ä r 11 n g: De. W e i z in a n n hat ii: seiner Rede folgenden S-atz gevraudck: „Als Jabotinsky vor die schwere Prüfung gestellt ioav, wie lvir alle, das W e i ß b u di zu ttntc rzeichne it, da hat er nidst die Rede gehalten, lvie er sic hier gehalten hat. Waruni hat er nicht da versucht, vor den Premierminister Englands oder Var Samuel oder vor den Külonialsekretär hinzntreten und diese Rede zu halten, die er hier gehalten hat?" Dazu habe ich folgendes fcstzustellen: Am 17. Juni 1922, um 4 oder 6 Uhr nachmittags karn idi aus Amerika, wo idj seit acht Monaten Kercn-Hajcssod-Arbeit geführt hatte, naä) London. Ein Sekretär, der midi am Bahnhof erwartete, sagte mir, td> solle mich sogleich in das Bureau der Exekutive begeben. Im Bureail zeigte mir Dr. W c i zm ann das Memorandum, datiert vom 3. Juni, welches wir jetzt das Weißbuch nennen, und teilte mir mit, daß die Regierung die Zustimmung der Exekutive zu diesem Dokument verlange und daß diese Zustimmung schon am nächsten Morgen, den 18. Juni, in Händen der Negierung sein müsse, sonst drohe man uns mit einer drastischen und schwerwiegenden Aendcrung im Texte des Mandates zu ungnnften der Zionistischen Organisation. Dr. W c i z m a n u versicherte mir dabei, daß seitens der Exekutive die c n c r g i s ch c st e n S eh r i t t c unternommen worden seien, um die Negierung von dieser Forderung abzubringcn oder wenigstens gewisse Stellen des Dokumentes zu mildern, daß aber nichts geholfen habe und das Colonial Office auf seinem Ultimatum bestehe: entweder Zustimmmtg am nächsten Morgen oder Aenderung des Martdatstextes. Die Sitzung der Exekutive, verstärkt durch cmgetadcnc Aktionskomitee-Mitglieder, mußte also am Abend stattsinden und vor dem nächsten Morgen ihren B e s ch l u ß s a s s e n. Es ist klar, daß ich unter diesen Umständen nicht mehr die Zeit oder die Möglichkeit hatte, selbst irgendwelche politische Schritte zu unternehmen oder, wie Dr. W e i z m a n n cs in einer ihm besser gefallenden Form ansdrückt, an den Premierminister von England eine R e d e z u h a l t e n. Es blieb mir zwar noch die sehr verlockende Möglichkeit. rnich von der Beteiligung an dem bevorstehenden Beschluß zurückzuzichen, jede Verantwortung für denselben abzülehncn und gelegentlich in der Exekutive zu resignieren. Ich hatte aber die Empfindung, daß es meine sittliche Pflicht war, mit meinen, Kollegen, auch die Schmach einer Niederlage zu tragen, obwohl ich an der in meiner Abwesenheit verlorenen Schlacht leinen Anteil genommen und von ihr vor wenigen Stunden überhaupt nichts gewußt hatte. Daher beschloß ich, die Darstellung Dr. Weizmanns nicht nur als subjektive — was selbstverständlich ist — sondern auch als objektive Wirklichkeit zu nehmen und ihm und den anderen Herren der Exekutive das volle Vertrauen zu schenken, daß sie tatsächlich alle möglichen Schritte zur Bekämpfung des Ultimatums unternommen hätten, und mich an der schweren Verantwortung nleiner Kollegen loyal zu beteiligen. Heute, nachdem ich die oben zitierten Worte Dr. Weizmanns gehört habe, bcdaure ich diesen Beschluß. Loyalität ist eine Sache, mit der man, wie ich jetzt sehe, sehr sparsam fein sollte. Wäre die Lage umgekehrt, hätte ich die Schlacht verloren, und ein anderer hätte im letzten Moment von mir die Sachlage erfahren, und meine Darstellung mit vollem Vertrauen ohne Prüfung angenommen und mir seinen Namen gegeben, um meine Niederlage m i t z u t r a g e n, dann hätte ich cs diesem Manne nie im Leben vorgeworfen, und ivenn ihm ein Dritter diesen Bor-tourf gemacht hätte, dann würde ich anfstehen und erklären, datzich dt e Verantwortung trage. Herr Dr. Wetzmann denkt anders, was ich mit großem Bedauern konstatiere und dem Urteil der Ocssentlichkeit überlasse." Ich will nun von unserer Tätigkeit in Kanada berichten: Dort gibt es nur eine kleine Anzahl von Juden, 120.000 Seelen, und es gibt dort keine jüdischen Millionäre. Und doch ist es dem Direktorium des Keren Kajemeth in kurzer Zeit gelungen, dort eine große Verpflichtung zu einer Summe von emer Million Dollar zu erreirhen, von der bereits 300.000 Dollar eingezahlt worden sind. Es wird möglich sein, mit dbejlrm Betrage 50.000 Dunam Boden für das jüdische Volk auszulösen. s % ümere Lage Palästinas. In der Samsmg Sitzung (6. Septemberkam -X'r Leiter der Palästina-Exek'Nti-v«., Eolanel F. H. S!' i? cf), zum Worte. Auch ihm hielt dann Wel-zmaiit, cei-5 Schlußwort. Colonel Kisch führt« unter anderem aus: Für die Situation, in der tvir uns befinden, ist das Wort K r i s e eigentlich nicht recht Verlvendbar. Eine Krise stellt einen Tiefpunkt tvirtsdjastlicher Depression dar. Dis Lage aber, die man so häufig mit dem Wort „Krise in PU« lästiua" bezeichnet, besteht in Wirklichkeit darin, daß einige tausend Menschen keine Möglichkeit p r 0 d u kt i v e r Beschäftigung gefunden haben. Diese Lage haben lvir zu beseitigen. Es lvar das von der Exekutive andauernd verfolgte System während der letzten fünf Jahre, mit den uns zur Verfügung stehenden Mitteln mid durch ständigen Druck auf die Behörden die inimstrielle Tätigkeit zu intensivieren. Allerdings ist uns n i ch t a l l c s g e l u n g e n, und in bezug auf den bereits erwähnten syrisch-palästinensischen Vertrag haben wir leider einen Mißerfolg gehabt. Leider wird der Vertrag wahrscheinlich in der Ihnen bekannten Form r at r f i z i c r t werden, und es ist kein Trost, daß uns die Regierung mitgeteilt hat, sie lverdc die ganze Situation neu prüfen, Ivenn der Vertrag ein Jahr in Kraft gestanden hat. Es besteht aber noch eine gewisse Möglichkeit, daß wir im letzten Augenblick die Konzession erlangen werden, daß die Regierung denjenigen unserer Industrie- Produkte, die beim Transport von Palästina nach Syrien dem syrischen Zoll unterliegen werden, eine Exportvergüinttg oder Prämie zuerkennt. Unsere Verhandlungen mit der Regierung b c z ü g l id) der Indnstrie haben in den letzten Jahren in weitent Umfang Erfolge:, erzielt. Wir erreichten die völlige Zollbefreiung für jede Art von Seiden-, Baumwoll-, Schafwoll-, Hanf- und Jutegarn, soivie Rohbaumwolle, so gut wie alle für Textilindustrie 'erforderlichen Rohstoffe. Andere Artikel, die auf unser Ansuchen vom Zoll befreit wurden, sind das gesamte Rohmaterial''für Ae Gcrbereiindustrie, ferner sämtliche landwirtschaftlichen und industriellen Maschinen, endlich D r u ck e r t y p e n und -Maschinen. Bezüglich der letzteren können wir behaupten, daß die Produktion der hebräischen Literatur eine natürliche Industrie Palästinas ist. Ich möchte nicht auf all die besonderen Institutionen und Unternehmungen, die in der Diskussion erwähnt worden sind, eingehen, aber über die Anspielungen des Herrn Jabotinsky betreffs der Fabriken von Delfiner Md Bloom kann ich nicht mit Stillschweigen hinwcggehen. Es ist nicht richtig, den Schluß zu ziehen, den Herr Jäbotinsky gezogen hat: „Was für eine Art Negierung ist das, die eine Konzession für industrielle Unternehmungen verweigert und die Konzession dann ein paar Wochen später erteilt, wenn das Unternehmen seine Tätigkeit eingestellt hat?" In allen diesen Fällen ist die Aufhebung des Zolles im Prinzip bewilligt worden, ehe die Fabrik geschlossen worden war. Ein wenig Geduld nur, und es wäre nicht nötig gewesen, die Fabrik zu schließen; denn dies hat vielleicht nur bewirkt,, daß die Ankündigung des bereits gefaßten Beschlusses befchlennigt worden ist. bezüglich der Industrie möchte ich noch den erfreulichem Fortschritt erwähnen, der in den letzten zwei Jahren innerhalb der Beziehnngerr zwischen Unternehmern und Arbeitern t gemacht worden ist, um diese Beziehungen auf eine befriedigende Grundlage zu bringen und für die verschiedenen Teile der Bevölkerung interne Bestimmungen zu treffen, dir diese Beziehungen regeln sollen. Ich hoffe, daß lvir in der nächsten Zeit in der Lage sein werden, die B e e n ix:-* g u n g dieser Verhandlungen bekanntz u g eb e 11. Ich glaube, daß cs richtig ist, Unternehnier mit Kapital und technischem Wissen dazu zu ermutigen, nach Palästina zu kommen. Ich sage dies auf Grund der Ansicht von Experten, lvie Sir Robert Wäley C 0 h c n, Felix W a r b it r g. Sir Alfred Mond, Dr. Lee K. Frankel u. a. Ich hoffe, daß wir bald die Möglichkeit haben werden. — ich habe gerade ein diesbezügliches Telegramm erhalten — Ihnen mitzuteilen, daß der Erwerb desBodens bereits erfolgt ist. Diese Leistung der kanadischen Zionisten ist an sich sehr wichtig, aber sie ist noch viel wichtiger, wenn man sie nicht als Episode betrachtet, sondern als den Ansang eines Systems. Wir haben heule iiirDirektorium beschlossen, die kanadischen Zionisten ins Goldene Buch einzutragen, und zwrv als di« Ersten des vier! » Buches. Ich glaube das Recht zu haben, dem Präsidium des Kongresses vorzuschlagen, einen Dank des K on » grosses a n die t n n n d i s ch e Föderativ n z n senden. illion Dollars für den Rattoualfonds. kin 8rfo!g der kanadischen zioniften. — Mitteilnnge« Usiilchkins in seinem Kongrebreserat. In der Nachtsitzung des Zionistenkongvesses vom 5. September erstattete, wie 'bereits wiehrsach erwähnt, der Direttor des jüdischen NationalsondS. Herr M. Ussischkin fern Rbferat. Er machte u. a. die folgende Mitteilung: