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Wiener Morgenzeitung · 1927-09-09 · Heft 3063 (9.9.1927) · page 1

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
9 (1927)
Issue
Heft 3063 (9.9.1927)
Date
1927-09-09
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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f Polen: 25 groszy Wien: Zum Abholcn indct Expedition, II., Taborstr. 1-3 oder in einerVerschleißstolIe (Trafik) naonatl.5 Schilling Straßen vorkauf in Wien durch die Kolporteure der Firma Goldschmied. f I., Wollzeile 11 Mit Postversand für Wien und Oesterreich monatlich 5 Schillin« T s c h e c h o Slow a k o i*. Mon. K 22. Jug o sI a w i on: Mon. Din. 60. Polen :Mon. 6 Zloty Deutschland: Mon. Qm. 4. F r a n k r e i c h, Dolgien: Mon. Pres. 35 KongreßaBsilabc Wiener orgemettung [ Preis g0 g finglan d:Mon.4Schilling Italien: Monatl. 20 Lire Rumänien: Mon. 170 Lei B u 1 g a r i o n: Mon.IOOLewa. S c hw c i z und das übrige Ausland monatlich Pres. 5 Redaktion, Administration*. Wien, II., Taborstr. 1 Telephon: 44-0-38, 43-3-19 Ab 6 Uhr abends: Telephon Nr. 31-0-86 VH., Lerchenfelderstraße 1 (Druckerei „Inva1“) Nachzahlungen oei Preisxrhfthangon Vorbehalten. Oesterreichisches Postsparkassenkonto Nr. 150.693 Nr. M8Z Wien. Freitag, 9. September ISS? 9. Fahrgang gm redaktionellen Teil enthaltene entgeMiche Mitteilungen sind durch ein vomngesctztes P gekennzeichnet. TZ? Abrüstvngskrieg. K« zionistisches Konttollamt errichtet. Tie Rachtfltzangen der ziouiftenkongreffes. — klar Kampfabftimmmig. — Tie Anleihetommissio». - Sie neue PaliistinaSrekutwe. (Bon unserem Berichterstatter.) —y, Wien, 9. September. Die bviiu.v;.: Klausel ist vorgestern einer juristischen Kommission der Völkerbund-Großmächte ü&cr.uicfeu worden. Das Resultat ist, daß aus der Chamade eine Fanfare geworden ist. Polen hatte geschrieben: Der Krieg ist und bleibt verboten, alle Mittel sollen für die Regelung intcrnationaler Streitigkeiten angewendet werden. Die Juristen inach>en daraus, daß, der Angriffskrieg verboten wird und > alle friedlichen Mittel anzuwenden sind. Der llnterschi-ed springt iit Hc Auge t. De ', polnische Antrag — welcher . ankengang immer hinter ihm stehen, mag, ist jetzt irr - levant — war die einfachste und klarste Fassung des Problems; der zweite Satz sollte die moralische, aber auch materielle Sanktion aussprochen. Führt ein Staat Krieg, so möge er daraus gefaßt sein, daß die Gemeinschaft der Nationen sich gegen ihn wendet und kein Mittel unversucht laßt. Dies würde freilich bedingen, daß dieser Gemeinschaft irgendeine Exekutivgewalt zur Verfügung steht, und* da für diese die Mithilfe sämtlicher Staaten notwendig ist, so würde eine kriegslustige Regierung in eine Peinliche Lage kommen. Sie geriete in eilten offenen Zwiespalt mit dem Völkerbund. Das ist sicherlich keine einfache und durchsichtige Sittiation, aber sie wäre der Anlaß zu einer weitläufigen Auseinandersetzung über Art und Ziel des Konfliktes. Die Juristen des Völkerbundes haben in der polnischen Diktion so lange gestochert, bis cs ihnen glücklich gelungen ist, detr Kriegsfall so zu präparieren, daß er für jeden Abenteurer griffbereit wird. Was ist ein Angriffskrieg? Die Frage r,r von den diversen Abrüstungskommissionen zum Uebcrdruß ventiliert worden. Blättert man in irgendeinem Geschichtsbuch, so kommt lnatr zu dem Schluffe, daß es eigentlich einen Angriffskrieg noch niemals gegeben hat. Im schlimmsten Falle ist das Rezept Friedrichs des Großen maßgebend: Man fängt den Krieg an und überläßt es dann den Professirm, einen Grund zu finden. Der preußische König hat das ausgesprochen, was alle getan haben, und sich anschicken, noch zu hm. Es wäre ein amüsantes Studium,die Kriegsmanifestc aller Körnige zu i lo.i.. Immer ist da ein puchloser Feind, der das Vaterland und die heiligsten Gütcr bedroht, immer will der andere einen U eberfall ausführen oder/die Religion, das Kulturgut, das Absatzgebiet antasten. Die Griechen, finb nach Troja gezogen, nicht um zu rauben, sondern weil der Paris die Helena gestohlen hatte, und sie fanden dann auch noch den Künder, dieser Untat, den blinden Homer. Unsere Kriegssängcr von heute sind nicht blind, aber sie sind so begeistert lvie er für die Schönheit und Ronlantik der Walstatt und des männermordenden Krieges. Die nackte Wahrheit sprechet! sie im wohlverstandenen eigenen Interesse nicht aus. Wer sich unterstanden hätte, anno 1914 zu sagen, daß dis Schlacht von Tcmes-Kubin erlogen war, wäre einrückend gemacht worden. „Wir" waren überfallen, wir und Deutschland ttnd Rußland und Frankreich. In Wirklichkeit war nur Belgien überfallen worden, uild just dieser einzige Casus ist aus dem Gedächtnis geschwunden, daß ihn auch die Jltristen des Völkerbundes nicht bedenken. Denn gerade hier könnten vom Standpunkt des Militarismus gesehen — friedliche Mittel kaum anztlluctiben sein. In allen übrigen Fällen nrüßte der Angriff, die Llüsicht des Angriffes, nachgewiesen werden. Wie ist das tnöglich in einer Welt, die wider ihre Bündnissysteme und Allianzen konstruiert? Mlo sind in irgendeiner 'Weise Partei in einem solchen Streit, alle haben außer ihren Sympathien und Antipathien auch noch Wiertschaftsinteressen, und man vergesse nicht an die so eminent pazifistische 'Kartellorganisation der Rlistnngsindustriellen. Anno 1914 wurde in Wien und in Berlin und in Petersburg den Zeitungen diktiert, daß nur die gerechte Sache es gebiete, das Schwert zu ziehen. Damals hat Lord Grey alle friedlichen Mittel erschöpft; aber er scheiterte an der europäischen Konstruktion: Hie Dreibund (der nur Zweibund war), hie Tripelallianz. Wie ist denn das heute? Gewiß, es ist auch der Völkerbund da und er hat schon einmal in dem bulgjarisch-griechischen Konflikt gezeigt, daß es möglich ist, einen Brandherd zn dämpfen. Aber schon in dem Streit Italien kontra Griechenland versagt die Kraft. Kiste und zwölfte Atzung, 8. September abends. 0. a., Ba s el, 8. September. (Telephonisch.) Am Schlüsse der gestrigen Nachtsitzung hatte der Präsident Motzkin dem Obmann des Permanenzausschusses, Herrn Blum c tt f e I d, gegenüber in Anwesenheit des Kongresses die Hoffnung ausgesprochen, daß die Vorschläge des Ausschusses bezüglich der Wahl der Exekutive ehestens erfolgen werden; der Kongreß werde nicht geschlossen werden, ohne daß er vorher eine Exekutive wählt, wie dies bei dem Wiener Kongreß zu so peinlichen Situationen geführt habe. Trotz dieser Mahnung ist ap eine ordentliche Wetterführung der Tagung des Plenums einstweilen kaum zu denken, weil die elf Kommifsronien noch tief in der Arbeit stecken. So konnte die heutige Sitzung, die zwölfte, erst mittags eröffnet werden. Die G e s u n d h ei t s k o m m i s s i o n hatte ihre Resolutionen verhandlungsreif gemacht, und Sr. Katzenelson legte die Vorschläge dem Kongreß vor. Die Palästinaexekutive wurde einstimmig beauftragt, r auf diesem Gebiete eine völlige - Einheitlichkeit unter Initiative des Jischuw herzuMlen. Es ist 'die eventuelle Uoblsrnahuw der Leitung dies Sanitätswesens durch den Jischuw vorzubrmiten. Weiters wird die Anteilnahme der Regierung an der finanziellen und praktischen Sicherung des Gesundheitswesens sowie die Herstellung einer ständigen Kooperation gefordert. Der Vertrag zwischen der H a d a s s a h und der Palästinaexekutive, welchen Weizntann befürwortet und Arlosoroff bekämpft hatte, wurde vom Plenum zur Kenntnis genommen, jedoch nur als Provisorium. In der erfolgten Vereinheitlichung der palästinensischen Krankenkassen erblickt der Kongreß einen Fortschritt zur Konsolidierung der sozialen Fürsorge int Lunde. Der Kongreß sprach sodann an Nathan und Lina Strauß den Dank für die Errichtung des Gesundheitszentrums aus. ' Mangels Arbeitsstoffes wurde die Sitzung auf Nachmittag vertagt, und um 5 Uhr begann dann die dveiAehntv Sitzung zwecks Behandlung des Berichtes der finanzpolitischen Kommission. Der Referent, Dr. Rottenst r e i ch, der Vorsitzende dieser Kommission, begründete eine Reihe von Resolutionen. In seiner einleitenden Rede wies er auf den steigenden Ueberschuß der Palästinaregierung hin, der, wie die Regierung selbst, anerkannt hat, nur der jüdischen Einwanderung zuzuschreiben ist. Trotzdem habe die Regierung keinen Schritt unternommen, um das Einströmen ausländischen Kapitals zu ermöglichen. Unabhängig von unseren Bestrebungen müssen wir die Palästinaregierung veranlassen, das Aufbauwerk auch in dieser Richtung zu unterstützen. Die Zionistische Organisation mutz alles tun, um döe Arbeit imd das Ansbautömpo anzusachon. Es wurde sodann im Prinzip die Wahl einer Anleihe- Die Anregung Polens ist modifiziert worden und es hängt jetzt viel von Warschau ab, ob die Regieruttg auf ihrer Fassung besteht. Leider ist in dem Rummel gattz überhört worden, was der holländische Außenminister und nach ihm gestern die Vertreter Schwedens, Estlands, Finnlands und Litauens an klugen und warmen Worten zu der Kernfrage der Angelegenheit $u sagen hatten. Sie wiesen darauf hin, daß die Oeffentlichkeit bei der Fortdaucr solchen unwürdigen Spieles das Vertrauen zutn Völkerbund verlieren müßte. Aber wer der Diplomaten und Juristen schert sich um die Oeffentlichkeit? Wenn es einer Regierung fl) paßt, Nnrd sie den Verteidigungskrieg zu beweisen wissen. Die Formel, die dem Völkerbund vorliegt, ist der Patriotismus. Sie ist für den Ernstfall. Marsdllaise plus Wacht am Rhein: Aux armes, citoyenh! Der Schwur erschallt, die Woge rinnt. k o nt|iff i o tt mit >dem Sitze in Europa und einer Subfontmtfljton in Palästina beschlossen. Der Personalvorschlag kann jeovch erst auf Grund der Beratungen im Permanenzausschuß erfolgen. Die Resolutionen wurden angenommen. Beim letzten Pnitkt, der das Verbot vvn Soüdclvvc^ sammlungen ausspricht, kam cs zu elmt Kampfabstiwmung, bei welcher dieser Beschluß mit dem Amendement zur!Annähme gelangte, daß vott dem Verbot die bereits bestehenden Sonderfonds ausgenommen sind. Dafür stimmten 116, dagegen 97 Delegierte. Des weiteren wurde ein sehr wichtiger B eschluß, betreffend die Er Achtung eines Kontrollamtes gefaßt, für welchen sich, insbesondere Delegierter Stricker in der Kommission und auch im Plenum eingesetzt hatte. Dieses Amt soll einer obersten Rechnung^ lammet gleichkommen. Der Bericht lautet: Der Kongreß errichtet ein Kontrollanrt zum Zwecke der Kontrolle all/er mit Einnahmen und AusgMn verbnntlbnon zionistischen oder von der zionistischen Organisation abhängigen oder ihr vemntworttichen Institutionen. An der Spitze dieses Kontrollamtes fAht der Kontrolllour. Zu den Agenden dieses 'Amtes gehört die Gewährleistung einer korrekten Geschäftsführung, die Sicherstelltyrg der Durchführung der Kongveßbeschlüsss, die Gewähr für ein reibungsloses Zusammenarbeiten, ferner Vereinfachung und Verbilligung des Gesamtapparates. Hierauf trat der Kongreß in die Behandlung der Berichte der politischen Kommission und der ErzichnngskoMmission ein. j Der Permanenzausschuß ist Mit seinen Arbeiten Ndch nicht wettergekommen. Der Kongreß wird wahrfcheinM bis Sonntag früh beisammen bleiben. Steephan W i s c hat die an ihn gerichteten telegraphischen Ersuchen, nach Basel zurückzukehren, negativ beanwortet. Sie PMstiKa-Sxekrttlve perfekt? Die Palästina-Exekutive soll bereits perfekt sein. Sie dürfte sich aus folgenden Personen zusammensetzen: Cotonel Kisch, Frau Szold und Sacker sowie van Bries» land als ernannten Schatzm f Mer. PlMstiiienfische AMsdürgerschast s8r rhemall ) Isterreicher. I e r u s -a l e m, September. „Haarez" meldet: Oesierre-ichische Staatsbürger, welche die Staatsbürgerschaft M .Palästina erlangen wollten, bedürfen hierzu keinerlei besonderer Bewilligung von seiten der österreichischen Regierung. Die Erlangung der palästinensischen Staatsbürgerschaft bedeutet für sie die automatische Aufgabe ihrer früheren Staatszugchörigkeit. Das Blatt gibt,nicht an, votr welcher Seite es diese für österreichische Juden, die nach Palästina auswandern, so wichtige Information erhalten hat. Yzdrtfackpts. f 98 aur echffäriv^en Na/jpalcvfer Retiontmicfk Ymm V

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