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Wiener Morgenzeitung · 1927-09-08 · Heft 3062 (8.9.1927) · p. Seite 4

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
9 (1927)
Issue
Heft 3062 (8.9.1927)
Date
1927-09-08
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Seite 4 Wien, Donnerstag Wiener Morgerrzettmrg 8. Septem^r 1927 Nr. Z06S fdvaft Erd-ewis sei öfter ein elegant gekleideter Herr ge' wesen, mir dem sich Erdelvi in ein Le per ree zurückgezogen habe. Ws 'nun vor einigen Wochen der berüchtigte internalio.'.aie Hochstavlcr und Lcheckiälscher Melchior Hor va t ft in Wien verhaftet nnir?c. hat ein illustriertes Matt die Plwtogravlfte Horvaths verössentlicht, irr der der chasvr.irt sofort das Bild jenes Herrn erkannte, der mit Erdelni, im Separee so oft Oheime Verhandlungen geführt hatte. Die Budapest-er Polizei leitete auf Grund dieser Mitteilung sofort di-: umfassendsten Ermittlungen ein, da sie es nicht für ausgeschlossen hält, daß Erde lyi ALdr Bande des gefährlichen inte rna tiowalen H vch-stap l e r s gehörte. Attilas Grab entdeckt? 'Aus Budapest wird gemeldet: Nächst der „Zeifelmühle" bei Oe de nburg stießen Arbeiter, dir an der gulierung eines Baches tätig sind, auf einen großen römisch e n F r i c d h o f mit reichen Funden. Römischy Müu zcn und viele römische Kampfinstrumente, wie Schwerter, Lanzen, Sporen, ferner Amphoren und verschiedene Hanshaltungsgcgenstände wurden gefunden. Ta unter dem Volke mich hier die Sage verbreitet ist, daß sich das GrabAt - tilas in der Hegend des Torfes Agfalva (Agcndorf) befinde, wollten die Arbeiter durchaus 'Attilas Grab entdeckt haben und arbeiten mit fieberhafter Tätigkeit an der Bloßlegung des römischen Grabes. Mn »nmtosnmns awgegrabm. Aus Paris wird gemeldet: Im Flußbett der Meicrthe s bei Nar,c - haben Llrbeiter ein ungeheures Skelett ausgegraben. Es ist gut erhaltm und dürfte einem Bronto-- saurus angehören. Her Flug von Amerika nach Ztaüea. „Ad Glory" verloren. New Kork, 7. Sepüember. (Reuter.) Dir Dmnpfer „Carmanifl" und „Lappland" mewen, daß sie dkahtlofo Notfi<purLr drr „Old Glory" aufgefangen haben, dis zulbtzt über Kap Br «ton (Nemfchottland) gesichtet umrdc. Der Daurpßer „Transylvania" hat ein Notsignal der „Old Glory" erhfrilte-n, die sich wahrscheinlich unter 45 Grad 50 Minuten nördlicher Breite rmd 41 Grad 15 Mmnton westlicher Länge befand. < Die „Old Glory", mit zwei Piloten und einem Passagier an Bord, ist an, Dienstag um 1^2 Uhr nachmittags vom Flugplatz in Maine ausgestiegen. Die Route sollte über Bordeaux und Marseille nach dem nördlichen Korsika und dann nach Rom gehen. Die gesamte Flugstrecke umfaßt 4100 englische Meilen, womit Chamberlins Distanzrekord um 200 Meilen überboten wäre. Die Flieger nahmen als Proviant mit: einen Liter Erbsensuppe, einen Liter Orangensaft, 25 Sandwichs, 20 Liter Wasser, ein Dutzend Eier, frisches Obst, Konserven, Kangnmmi und Nochroviant für eine Woche. Ins Flugzeug ins Wasser gestürzt? NewUork, 7. Septeinber. Es wird hier befürchtet, daß die „Old Glory" einer furchtbaren Katastrophe zum Opfer gefallen ist. Der Dampfer „Pennsylvania" erhiÄt um 8 Uhr früh das letzte SOS-- Zeichen. Das Flugzeug gab den Ort an, an dem es sich zu dieser Zeit befand, und teilte mit, d a ß e s s i ch n o ch über Wasser halte. Der Dampfer nahm sofort Kurs auf die angegebene Stelle und erreichte sie auch. Doch kannte er von dem Flugzeug keine Spur mehr finden. Seither fehlen alle Signale. Es herrscht hoher Seegang. Man befürchtet, daß die „Old Glory" ins Wasser gestürzt ist. Am besten sind doch die Ceschka-hüte VH., KjfsertfraSe 123 WIEN JX„ AlsenfraBo Nr. 6 ein neuer Lzeanfing. New Vor>k, 7. September. Der kanadische Eindecker „Sir John Cnrbimg" ist heute um 10 Uhr früh in Harbourg Graee (Neufundland) zum Flug nach London gestartet. . Rund um die Weit. Bomba y, 7. September. Die Flieger Schckee und Brook sind auf der „Pride of Detroit" in Rangoon (Hinterindien) eingetrofsen. Internationale Kriegsteilnehmerlonserenz. Do sehr der Krieg aus der einen. Seite den Hast d«r Nationen gegen einander geschürt hat und die Psyche der Völker verivildern ließ, so hat er doch auch anderseits den mächtigsten Anstoß zu internationalen Gebilden gegeben, di« sich in detzn von der sthweren Krankheit des Krieges heimgesuchten Körper der Kulturivelb wie schützende 'Antitoxine entwickelt haben. Es existieren allein unter den Kriegsteilnehmern drei große -internationale Bovbände. Es sind da: 1. Die „Fidae" (Federation des aneiens combattants) mit 30 ihr angeschlossenen Verbanden in U. 0. A., Belgien, FranSreich, England und Dominions sowie Kolonien, Italien, Polen, Rumänien und Tschechoslowakei. Sitz des Bundes ist in Pari/ (ruc de l'urriversites 96). Ziel der Fidac ist die Hbrüberführung der Kriegskameradschaft in den Dienst des Friedens. Der alljährlich stattfindende Kongreß tagt dieses Jahr am 18. Oktober in Bukarest. Der gegenwärtiger Präsident ist der svauzüsischr Abgeordnete Marcel Hera-ud. 2. Die „Ciamac" (Conference Internationale des Associations des Mutikes et d'Amiens Eombattarrts). An der Spitze des EeneralsÄretariats in Genf, Borte postalg 290, Mont Blanc, steht Albert Tirirer. Die Vereinigung umfaßt 15 Verbände mit 1,700.000 Mitgliedern, die sich auf Bulgarien, Deutschland, Frankreich, Finnland, Oesterreich, Rumänien, SüdMvien und die Dschechoskowakdi verteilen. Der diesjährige Kongreß ivird im September in Wien tagen. Auch die Tendenz der Gimnac ist dem-okratisch-pazifistisch. 3. Die „I. A. C/' (Jmernationale des Ancierrs CombaUattö) mit vier Organisatümen in Frankreich, Deutschland, Rußland und der Tschechoslowakei. Die I. A. C. ist kommunistisch orientiert. An ihrer Spitze steht .Henry Bambusse. LLOYD TRIESTINO Rascheste Verbindung zwischen Europa und Palästina über Aegypten mit den Expreßdampfern „Vienna“ und „Helouan“ FAHRTREKORDE t Triest (Venedig) -Alexftndrien . . 3 Tage Brindisi—Alexandrien.3 Tage Ferners LU- und Fostdampferverbindangen nach Griechenland, der Türkei, den Schwarzen Meor-Hftfcn, Serien. Palästina, Indien and dem fernen Osten. Herrliche und dabei billige Erholungsreisen zur Seo! Anskfinfta t Pasaagebnrnau des Lloyd Trieattno, Wien, I, KBrntnerrlng 6. }~j Telephon 60-0-58 |«J iaHBSSHHSBSSBSE □ □an Sin geheimnisvolles U-Boot Im Stillen Ozean untergegmigcn. Aus Tokio wird geschrieben: In den letzten Monaten tvar in den Ilferstaatcn des Stillen Ozeans eine förmliche Legende von einem geheimnisvollen Unterseeboot verbreitet, das da und dort unvermutet auftauche und über dessen Tätigkeit die wildesten Gerüchte erttstanden. Es ivar wiederholt gesehen worden und wieder für lange spurlos verschwunden. Daran, daß es ein deutsches U-Boot sei, das hier im Stillen Ozean eine geheim« nisbolle Existenz führte, zweifelte kaum jemand. Jetzt hat die Geschichte von dem mysteriösen U-Boot im Stillen Ozean doch ihre Aufklärung gefunden. Schneller als erwartet. Der Dampfer „Liberator" von der American. Pioneer Line, der das U-Boot gesichtet hatte, ist in Yokohama angekonunen, und der Bericht des Kapitäns läßt keinen Zweifel mehr, daß es sich tatsächlich um ein deutsches, und zwar mn eins der an Japan ausgeliefer te n den tschen Unterseeboote handelt. Der amerikanische Dampfer traf es treibend am 6. August 1692 Seemeilen nordwestlich von Honolulu, hielt und bestieg es mit einigen Mann. Die Einsteigluke wurde geöffnet, aber ein Ingenieur wurde beim Versuch ins Innere einzudringen durch Gase oder stickige Luft halb betäubt und mußte alle weiteren Nachforschungen aufgeben, zumal inzwischen die Dunkelheit hereingebrochen war. Alles deutet daraus hin, daß die Maschinen und Batterien entfernt und das Boot für eine Schleppfahrt zurechtgemacht war. Gezeichnet war es „O 2", Größe etwa 600 Tonnen, Länge etwa 200 Fuß. Beweise genug, daß es das deutsche U-Boot war, das in pinet stürmischen Dezcmbernachtdes I ah res 1926 auf dem Wege von Dokosuka nach Kure sich von seinein Schlepper losriß und seitdem spurlos verschwunden war. Die japanischen Marineoffiziere erklärten damals, das Boot sei so schwach gewesen, daß schon der erste Sturm es sicher zerschellt habe, und nun hat es doch noch 20 Monate lang dem Toben der Wellen getrotzt. Damit cs der Schiffahrt nicht gefährlich werde, hat nun aber der Kapitän des „Liberator", als er mit seinen Leuten von Bord ging, die E i n st c i g l u k e nicht w i e d e r schließen lassen, und so hat das deutsche U-Boot nun endgültig seine Ruhe gefunden in der Tiefe des Stillen Ozeans. überschritten Hanen, wurden verhaftet, in Basel verhört und einige k-es Plünderns Ueberwiesene aus Verlangen nach dem Ersaß ansgeliefert. Die marcchaussee generale de l'Msace unter Leitung eines außerordentlichen Kommissärs hatte nicht weniger als 107 Straffälle zu behandeln. Drei Airgeschuldigte wurden zum Tode durch den Strang verurteilt, bauptsächlich wegen der Uebersälle auf die Schlösser des Adels, eine größere Zahl erhielt mehr oder weniger lauge Kerkerstrafen, 38 wurden wieder in Freiheit gesetzt. Die Mildtätigkeit Basels hatte damals nah und fern beträchtliches Aussehen erregt. Wie dankbar und anerkennend diese tzunrane Handlungsweise insbesondere von de,r Juden Deutschlands und Frankreichs aufgenonunen wurde, beweist unter anderem der Inhalt eines von bttn neuhebräischen Dichter Hartwig Wessely, einem Schiiler Moses Mendelssohns, zu Ehren Basels verfaßten und veröffentlichten, auch sprachlich wertvollen jüdischen (Gedichtes. — Noch int gleichen Monat August 1780 ließen die Juden des Elsaß in der Offizin von Wilhelm Haas dem Sohne (in hebräischer und deutscher Sprache) ein Gebet drucken, welches, lvie sein Titel besagt, „ein jeder Vorsinger an jedem heiligen Sabbath nach dem Gebctt für den König... für die Wolfart der Löblichen Stadt Basel und ihrer Angehörigen mit Andacht zu betten hat", und loovin die durch die Stadt Basel ihnen erwiesenen Wohltaten verherrlicht werden und (Lottes Segen für Regierung und Bevölkerimg erfleht wird. Wir lassen das interessante Gebet hier int Wortlaut folgen. „Ach, Herr, Gott AbvahamS, Jsaks und Jakobs! Ichbitte dich, laß doch deine Barncherzigkeit, anftrallen über dein Volk und über die Schaft deiner Wude: denn deine Kinder sind der Geburt nahe gc-onnn"", cs in aber keine V"nü oa, zu gebühren. Ist lvohl alrcs, nxu mu begegnet, jemcus gehöret worden? Thränen rinnen von unser«: Llugen, und Wasserbäche fließen von unfern Augenlidern wegen der zerstöhreaden Plage der Tochter unseres Volks tind rvegen allen denen Beschwerden, die uns betroffen; denn plötzlich hat uns die Hand des Herrn geschlagen, so wie das Haus unsers Gottes mit Fmer verwüstet worden. Er hat Jakob der Plünderung und Israel den R'äubern übergeben. Fürwahr^ dieses ist vom Herrn geschehen, denn wir haben lvider ihn gesündiget. Aber gelobet sey der Herr, der seine Huld und Treue Uns nicht gäntzlich entzogen, sondern uns Gunst, Gnade und Barmherzigkeit verschaffet bey den Erlauchten und Weisen Häuptern Und Vorstehern, bey den Professoren und Pfarrherren, bey den Vornehmen und Geringen, bey den fromünen Frauen, bey den Jünglingern und Jungfrauen der hochberühmten Stadt und. Landschaft Basel, lvelche der Mlerhöchste fest gründen wolle, Amen! Unschuld und Rechtschaffenheit ist vor ihrem Throne; Gnade und Barmherzigkeit vor ihrer Majestät. Wenn wir es auszusprechen, unternähmen, würden wir es nicht erzählen können; denn sie machten sich auf, ims zu helfen in der Kraft, die Gott den Starken verleiht; sie öfftieten uns ihre Friedcnshüten und retteten uns autz der Hand aller, die auf uns lauerten; sie nahmen uns auf in ihre Höfe Palläsie; ihr Gold «und Silber ließen sie den betrübten Armen und Dürftigen ftzufließen; ihr Brod gaben sie den Hungrigem und Durstigen nüt holdem Blicke; sahen sie Nackende, so bekleideten sie dieselben; die »rüden Hände stärkten sie und befestigten die wankenden .Knie. O Herr, unser und unserer Väter (jwtt! laß dir solches ivohl gefallen; das Allinosen und das Gute, so sie uns erwiesen, komme vor dich; siehe auf sie hernieder aus dem Himmel, deiner heiligen Wohnung; überschütte sie mit Segen ans deiner crtzabenen Segensfülle, m'it dem Tha» des .Himmels »ich der Fettigkeit der Erde, mit veichein Vorrathe gn Korn und Wein; cs gelinge ihnen durch dich alles, was sie vornehiuen; laß sie ihre Tage ivohl und ihre Jahre angenehm zubringen; würdige sie samt ihren Weibern, Kindern und allen ihren Angehörigen des reichen Gluten, daS den ^Frommen 'auf ewig bestimmt ist; befreye und erlöse sie von aller Noth und allen bösen Krankheiten! Ja, der Herr loes Himmels sey' ihre Stütze zu aller Zeit und Sttmde! Nrnr jalso sey es sein Wohlgefallen und Wir sprechen Amen!" Ein anderes Gebet tmrrde bereits am '4. August von dem Lehrer der Buschweiler Inden verfaßt, zweifellos, als dieser noch selbst als Flüchtling .in Basels Mauern lveitle. Noch jetzt sind zwei Dankschreiben im Baseler Staatsarchiv aufbelvahrt, das eine aus Versailles bon Cerf Berr, dem Damals bedeutendsten Vertreter der Elsässer Judcnschaft, und ein zweites aus Straßburg, >letzteres won Miarx Berr im Niamen der Syndics des >Jujfs d'Alsace unterzeichnet, in denen diese beiden prominenten Vertreter der dcuna- Kgen Inden der Baseler Regieritiig offiziell ihr Dankgesühl in den herzlichsten Worten ausdrücken: «pour les marques cl^humanitß et de charite. dönt vousavez combl6 les pauvres luifs d’Alsace... Vous leur avez donnö aziJe et des secours de tonte esp6ce avec une noble urbanitd et une sainte hospitalite qui out penötrö nous cocurs de la plus grantle reconnoissance et que vous assure celle de notre Posteritö.» Und die Nachkoinnlen dieser Flüchtlinge von 1789? Viele von ihnen wohnen heute in dieser selben Stadt Basel, doch nicht mehr flüchtig, aus ihrer Elsässer Heünat veo» trieben, sondern als freie, gleichberechtigte Bürger eine» freien Staiü. M

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