Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 9 (1927)
- Issue
- Heft 3061 (7.9.1927)
- Date
- 1927-09-07
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
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'JIr. 3061 Wik», Mittwoch Markus Loew gestorben. Der Präsident ÄeS Metro-Goldwyn -Koiutrns. Ein Telegramm aus Ncwyork »nelvet, daß dort. de" Prä- ,ii:.ent des Metro GrldwhuckKvnzernS, Markus Loew, gcsiorbtn ist. Mit Markus üocsr, der eilt Atter von nur 57 Jahren erreicht hat, scheidet ein Mann ans dem Leben, dessen Werdegang als Musterbeispiel einer typisch amerikanischen Mammntkarrieve gelten llann. In arntlich'rrn Verhältnissen als Kind e i n g e w ander t e r j ü d i s eh er Eltern in N e w y o r k im Jahre 1870 geboren, begann er in frühester Jugend als Zeitungsjunge sein Brot zu verdienen. Als er16 Jahre alt toar, verwandelte er sich aus eiikenl Zeitungsjungen ütt seinen Zeitnirgsherainstgeber. Er 'gründete den „East Eide Mvertiser^', ein kleines Vorstadtblatt. Bald darauf lernte er einen gewissen David Warficld kennen^ mit dcni zusammen er ein kleines Kabarett in Brooklyn er-- öffnete. Die beider jnngcn Leute waren damals Ungefähr 22 Jahre alt. In der Folge betrieb dann Loew zusamnren mit Adolphe Zukor,,d >em nachmalieen Präsidenten der „Paravount", ciu P'lzeeskhLs'ii. Sehr bald erkannte Loctvdie uirgehpuren Entwirklungsmöglichleiten, die die Erfindung des Kinematographen in sich barg. Ec und Zukor verkauften das Pelzgeschäft, um mit dem Erträgnis zusammen mit Warfield p,m Jahre 1900 das erste amerikanische Filmnittcrnehmen, die Nun längst historisch gAvordene „Mute skop" zu gründen, aus der dann bald die ,Mograph hervor-- gegnitgeit ist, bei der bekanntlich Griffith die ersten großen Filme ii-szeuieri-e. Loüv und Warfield haben dann bald angefangenst Kittvthoatrr zu erbauen. Die „Biograph" nahm einen ungcheurett Aufschwuttg und schließlich ist aus sjhr in langsamer, stetiger Entwicklung das Riefenunternehme't der Loew Metro GoldtrHu Mayer Corpjoration hcrvorgegangen. Loew als Präsident besaß in der letzten Zeit in den amerikanischen Staaten selbst nicht' weniger ja ls 4 0 0 Kinotheater und in Europa und in Südamerika 70 Kinopaläste. Markus Loew hat vor drei Jahren auf Lang Island ein Palais, das Peiilbroke Castle, erworben, für dessen Grund allein er fünf Millionen Dollar gezahlt hat. Dieses Palais bewohnte er mit seiner Frau und mit den Familien seiner beiden verheirateten Söhne Artur luud David, deren cesierer mit Mildrcd Zukor, die Tochter des Präsidenten dev Pavamouut Film Corporation, verheiratet ist. Markus Loew war dar typisch amerikanische Emporkömmling im guten Sinne des Wortes. Er war von immensem Fleiß. Kein «einziger der ungezählten Verträge seiner Firm 'st je gemacht ü'orden, den er nicht persönlich gesehen und unterschrieben hatte. Wiewohl der reichste Mann des amerikanischen Films, war er bis zuletzt -ein unerinMicher Arbeiter. Im Vorjahr machte er eine Europa reise, auf der gr sich in London, Paris, Prag und Karlsbad cnifh-clt. E' in de i leiMn Jahren leidend gewesen. Wie die Eowjetregierung von anslSndische» Fnden Geld erlangen wist. Der Herausgeber' des „Anrerieaii Heb re w", Beruard Edelherz, der gegenwärtig '.n Rußland weilt, . hatte eine Uniorwdu-ng mit dem Sorvselpräisidertten Kakönin über die Lage der jüdischen Kolonisation in Rußland. „Die Sowjetrrgierung"'— erklärte Kalium — „tvird die Kolonisierung von Inden sovbseßeit. Sie tvird weitere Bodenstrecken für Ko Ionisation s-wecke bestlm-men und durch Transporlerleichteriruge-n und andere Mittel! die Kolonisation fördern." Für jede Million^ Dollar, tvelche in Amerika oder anderswo für die Ztvecke der jüdischen Kolonisation in Rußland aufgebracht tvird, werde die Sowjetregierung eine Viertelmillion für -denke'!beit Zweck a-uSsehen-.' Aüan sieht, Kalm'.-n versteht sein Geschäft — und die im Dienste der jüdischen Kolonisation in Rußland stehende amerikanisch-jüdische Presse macht ihm die Mauer-. CBEBBBBSaBBSBBaiiaBBBSBSRBBflHBBBBBfiBBflBBBBI Soeben erschienen: „Was nicht im Baedeker steht.“ Wien und Budapest von Ludwig Hirschfeld. Mit Orig.-Zcichnungen von Sipos und Gedö. „Das lustigste Buch der letzten Zeit.“ Geb. 8 6 — bei R. LÖWIT, Buchhandlung, Wien, l., Rotenturmstraße 22. — Telephon 71-4-25. «8* Wiesi in Bildern. 100 größtenteils unveröffentlichte Photographien von Br. Reiffenstein. In Kupfertiefdruck herausgegeben von Dag. Frey. Mit erläuterndem Text und historischen Hinweisen. Elegant gebunden 8 MD —. WwKm&fkvn&s jPffesse-Jfnden&evi? Zu beziehen in der Buchhandlung R. Löwit Wien, I., Rotenturmstraße 22. Wiener Morgerrzeiturig Anwänder« an« Patststina in Mepko ausgeschlossen. Wie aus Rrivyvrk berichtet wird, hat das Etntvanderungsdepartement in Washington dieser Tage die Mitteilung erhalten, daß di« Regierung von Mexiko eine Verordnung erließ, wonach „Einwanderer palästinensischer Absiammung" nicht nach Mexiko hineingelassen werden. Begründet tvird diese .Verfügung mit dem Bestreben, „die Einheitlichkeit der nationalen. Wirtschaft zu schüfen und die Ueberflutung großer Städte in Mexiko durch kompakt« Massen zu verhindern". Demselben Einreiseverbot unterliegen auch Arbeiter aus Syrien, Armenrin, Arabien, drc Türkei und dem Libanon. Der neue „Posttng" in PMftina- Aus Jerusalem wird uns geschrieben: Bisher war der sogenannte Posttag für Sendungen nach Europa der Mittwoch. Am Mittwoch kamen in her Regel die europäischen Postsendungen hier an und am Mittwoch war auch der letzte Ausgabetag für Postsendungen nach Europa, da das Schiff Donnerstag zeitlich früh wieder in See stach. Jetzt ist der Posttag um einen Tag von Mittwoch auf Donnerstag verschoben toovdon,- fcr;tf die Post schiffe „Vienna" und „Helouan" um einen Tag später von Palästina ab fahren, so daß die Briefe aus Palästina um einen Tag später als bisher sin Europa ankommen weckten« Dementsprechend werden auch die Briefe aus Europa um einen Tag später aufgegeben tverden können. Bialik ans dem Verband hebräischer Literaten anrgetteten. Wir berichteten seinerzeit von drm Konsti-kt, der anläßlich des Etnpfanges der jüdischen Dichter Schalom Asch und Pevez Hirsch dein im Verband der Schriftsteller und Literaten aus Tel- Zlwiw zwischen Biailik-Fischnlann einerseits und dem Kreise der jüngeren Schriftsteller Wegen Biäliks Haltung zur Frage des Jiddischismus ausgebrochen war. .Das Organ der jungen Schriftsteller ,Mttuwim" griff Bialik und Fischmann seitdem ständig in heftiger Weife an, Bialik reagierte auf diese Angriffe nicht. Bor kurzenr hielt Bialik einen äußerst instruktiven Vortrag über den Rhythmus irr der hebräischen Dichtung, der von der gesamten hebräischen Presse außerordentlich gelobt wturde? Bloß das Organ des Schriftsteller Verbandes schwieg den Vortrag t-ot. Diese Brüskierung veranlaßte Bialik und mit ihn: einen ansehnlichen Teil der Verbandsmitglieder, ihren Austrittaus d i e s e r O r g. a n i s a t i o n anzumelden. Die Folge davon dürft« eine Reorganisienrng des Verbandes fein. Alte Jokamrnte im Budapester Mifcheu Museum. ' Ein. Bu d-ape sier jüdisches Blatt weist in einem .Artikel seiner letzten .Nnnnner iwrauf hin, daß in Budapest fett 15 Jahren ein reichhaltiges jüdisches Museum besteht, von dessen .Existenz selbst die Budapester Juden kaum eine Msiumg haben. -Das Museum befindet sich im ersten Stock des Hauses Hold-Utc« 23, gegenüber dem Palais des Kultusministeriums, und hat in drei großen Sälen ein ungeheures Material aufgeschichtet, das fast ausschließlich «aus Widmungen der ungarländischen Juden zust'mrdegebvacht wurde. Unter den Dokumenten ist eines aus dem Jahre 1280, wohl das älteste geschriebene jüdische Dokument zur Geschichte der Juden in Ungarn. Es ist eine Bestätigung aps der Zeit des ungarischen Körrigs Ladislaus darüber, daß der jüdische Comes (Kmniiwrgraf) Fredurann, wie vom Grauer Hanptkapitel ausdrücklich bescheinigt wird, dem König 300.000 Mark geliehen habe, wofür er zwei Dörfer erhielt. In einem anderen, aus dem Jahre 1611 stannnenden Dokument erklärt der Jude Hirschl, daß die Erben des Grafen Hardegg alle seine For-- dcrungeni beglichen haben. Das Museum besitzt auch die Proklamation von Hayna u und Windischgrätz, mittels welcher die Pester und Ofner jüdischen Rebellen zu Millionen strafen verurteilt werden. Wertvoll sind auch dre Handschreiben des Generals Görgey und des Dichters M a u r u s I o k a i an die ungarischen Juden, in tvelchjen die Haltung der Inden im Freiheitskrieg vorn Jahre 1848 lobend gerühmt tverderr. Der Erlaß des Kaisers Jose f, durch rvelchen die Juden des Landes ausgefordert werden, deutsche Familiennamen arrzunehmen, iveist aus den Ursprung jüdischer Familiennanrcn in Ungarn hin. In einem besonderen Saal findet sich die Sammlung jahrhundertealter Kultgegenstände, Dhorarollen usw. Interessant in diesem Saal ist eine den: letzten Weltkrieg staumrende, aus einem Granatstück hergestellte „Ewige Lampe", die die Inschrift „Monte San Michele 1917" trägt. Sehenswert ist auch die nrmnsmatische mrd Plakettensannnlung des Museums. Für die Geschichte dev jüdischer! Kultur von Bedeutung ist auch, daß die Leitmrg des jüdischen Museunrs die jüngere jüdische Künstlergeneration durch Erwerbung ihrer Bilder, bzw. Skulpturen, im Mnseunr zu Worte korstinvn läßt. Der Direktor des Museums ist Rabbiner Dr. Max Weiß, während ein junger Arzt des jüdischen Spitals, Dr. Friedrich' Kirschu er, als Kustos wirk. Ae Aalethe der Budavester israelitische» Gemeinde. Wie bereits gemeldet, hat die Pester israelitische Religioasgemeinde die Durchfiihrung eines großen Banprogrammes befrf-foffcit. Tic Ij.ü zur Deckung der Baulo'trn ein?lmorti'ationsdartehien in der Höhe vvn rinec Mllion Dollar, das 'sind 200.000 V.-'.r.tJ TwrUug, rwn der Prudential 'Lebensr«r^icl^/^rungs^^ese^lsch7.fr, beziehnngsiveise von der British Overseas Bank Limited in London ausgenommen. Dir Bedingungen sind: Der gange 7. September 1887 Sette 7 Betrag von 800.000 Pfund Sterlir^toird auf ein mal slLssigemacht. Rückzahlung in 70!hasbjährigen Raten, Zinsen mit Amortisation 6.70 Prozent. Die Transaktion wurde am 1. September effektuiert und die Religion-Sgemenide Hit, da die Bevwendang des Betrages nur sukzessiw erfolgt, de« vollen Betrag bei ersten Bankerr placiert. Die projektierten Bauten sind: der Ban von drei TeMp c l n, die .Vollendung des Knaben- ,und iMLdchengymnafiums, der Ausbau des jüdischen Spitals, zwei Zinshäuser und die großairgelegte Bebauung des Grundstückes in der Wesselenyi-utca mit dem Kur patais und Schulpalais, inmitten dieser Gebäude das von Professor Rona projektierte .Denkmal der im Weltkrieg gefallenen! jüdischen Svldate - Henry Ford rieht sein Gnch nicht zurliki? Die antisemitische deutsche Presse bringt die folgende, offenbar vmr Dhevdor Frits ch, dem deutschen Verleger Fords, inspirierte Notiz: Die Presse meldete, daß Ford Auftrag gegeben habe, sein Buch aus dem Buchhandel zurückzuziehen. Me nunmehr «Uf Grund eines Briefes des amerikanischen Verlegers deS Weckes „Ter internationale Jude" an den Hammer-Verlag feststeht, trifft dies wenigstens für die deutsch: und spanische AuSgab« nicht zu. Die Verbreituirg des Buches „Der internatimale Jude" kann demnach auch in Zukunft stattsinden. Sin Kremaiorinm im Warfchaner Mische» Friedhof. Ans Warschau wird uns berichtet: Große Erregung herrschte in der letzten Sitzung der Budgetkommissiion des Warschauer jüdischen Kultußrates, als das bundistische Vorstandsmitglied Patt beantragte, auf dem jüdischen Friedhof ein Kvematoriunr zu errichten. Dem Antrag folgte eine erregte Diskussion, im Verlauf welcher die Redner darauf hiwviesen, daß die Leichenverbrennung ein unjüdischer >Akt str, der weder in der jüdischen Religion noch im ^Natioiralbewußtsein begründet erscheint. Der Antrag wurde schließlich mit allen gegen zwei Stimmen abgelehnt. Alte Mische Goldmünze« in Manen gesunden. Nach einem Bericht aus Kowno hat ein Bauer in der Umgebung von Kvwn>o, >nls er sein Feld beackerte, eine große Anzahl aber Münzen gefunden, «unter denen sich auch jüdisch: Goldmünzen aus der Zeit des zweiten Tempels sowie alte litauische, britische und römische Goldmünzen befanden. De« gesamte Fund wurde Von der Regierung beschlagnahmt. Serichtssaal. Atzsettigung bei sreiwwigem Lienstaustritt steurrsrei. Dem fricheren. Direktor der Alpine 'Montangefellschast Henrick Back ft r ö m wurde aus Anlaß seines freiwilügen Dienstaustrittes von der Gesellschaft eine ernmalig« Äbfe-rtignug von 5000 Pfund m drei Jahresraten ausgezahlt. .Anläßlich, der Bemessung dev Einkommensteuer erging an ihn der Vorhalt der Steuerbehörde, in dem es hieß, daß die Auszahlung einer Abfertigung mit Rücksicht auf die lange Dienstzeit und auf die ratenweise Auszahlung wenig glaubhaft erscheine. Backström erwiderte, daß er durch die Bestellung eines Generaldirektors in der Person des Dr. lA p o ld in den, Hintergr.ind gedrängt wurde und aus Prestigegründen den Abschied nehmen mußte. Hätte er dies nicht getan, so wäre ihm gekündigt worden und dies hätte seinen Ruf in der Kaufmannswclt schwer geschädigt. Die ratenweise Lluszahlung der ihm freiwillig gegebeiren Abfertigung sei nur mit Rücksicht auf die finanzielle Lage der Gesellschaft erfolgt.. Die Alpine Montangesellschaft teilte auf die Anfrage der Steuerbehörde mit/ daß Direktor Backström tatsächlich freiwillig ans dem Dienste der Gesellschaft geschieden sei und deshalb keinen Anspruch auf Mjertigung gehabt Habs. Trotz dieser Bestätigung wurde die Abfertigung von 5000 Pfund in die Besteirerung einbezogen und der dagegen ergriffene Rekurs abgewiesen, weil der freiwillige Dienstaustritt nur eine in seinem Interesse bewilligte formale Konzession an Stelle der KüMgnng, die von der Gesellschaft ausgehen sollte, gewesen sei. Es liege daher ein Mfertigungsanspruch vor, der steuerpflichtig sei. Der dagegen ergriffenen Beschwerde an den Berwaltungsgevichtshos tvurde Folge gegeben und die angefochtene Entscheidung als ungesetzlich aufgehoben. In der Begründung wurde ausgeführt, daß der Beschwerdeführer, tute einwandsr.i festgestellt wurde, selbst gekündigt habe und dadurch jeden Anspruch auf Abfertigung verivirtt habe. Welche Motive ihn zn dem' fteiwilligen Austritt veranlaßt hätten, sei für die StcucrBehörde belanglos. Da ein Rechtsanspruch ans die W^ii<v<ng nicht bestand, sei diese besteuert Worden. Abreiben von Wahlplalaten — keine boshafte SachbeschSvignng. Bor dem OBGR. Dr. Neubauer hatten sich gestern Anton Klein, >ZÄois Kototz und Mojs Stvckhammer ivegen boshafter Sachbeschädigung zu verantnwrten. Sie sollen in der Nacht vom 23. auf den 24. April auf dem Währingergürtel Wahlplakate der Einheitsliste abgerissen haben. Di« drei Beschuldigten stellten die bchauptete S«hbeschäd^rng.iu-M^d>s «sPMSNe «tsie Per-