Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 9 (1927)
- Issue
- Heft 3061 (7.9.1927)
- Date
- 1927-09-07
- Page
- Seite 8 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite S Wien, Mittwoch 7. September *927 Nr. 9081 ii {• r" ■ *: r,v '?ncntzern^chslttng Vorlieben. Der Wachmann, der sie erhalten. hatte, gab jedoch als Zeug? an, daß er die Ta^e iit aller Bestimmtheit erkenne. Trotz dieser unter Diensteid i'gelogten Aussage trat der staatsanwnltschaftliche Funktionär Dr. Hecht bit der Anklage z u rück. Es liege keine llebcrtrctung der boshaften Sachbeschädigung vor, da ja; die Plakatierungsanslalt. in diesem Falle oie .Wipag", im Augenblick, als das Plakat afsjchiert wurde, b-ereMs e n t s ch ä d i g t gewesen sei und infolgedessen durch das Abreißen keinen Schwaden erlitten habe. Die affichiermbe Partei habeaber :mr einen ideellen Schaden erlitten, es könne daher inangcls jeglicheniMaterialschadens von keiner boshaften SachbeschadrMnN gesprochen iverdeu. Das Verhalten der Beschuldigten sei rvohX unschün^jidoch ' nMnt st r a fb-ar. Der Richter verkündete hierans^hxn FwePspwn ch, er^ÄhüwderBWLndrmgÄcn^^WauHlrhrUNyen-'des stlnttsanwaXt^astsWvn FrrnktionE-anschloß- ÜIW «StfaMwiB IfllWtWtll UMVtlVI« LintiHermann, Horizontder Liebe.. Einieidenschaftlteher'Eiebesroman aus dem heutigen Paris. Keüer Raul, Die Heimat. Roman aus den schlesischen Bergen. Zobeititz Fedor, Die Ruferin. Ein Künstlerroman von heute. Godwin Cather., Das Hotel der Erfüllung-. Die groteske und humorvolle Geschichte eines gigantischen Hotelbetriebes. Oester en-Fr. W., Frau Petra und ihre Tochter. Vier schöne Flauen und ihr wechselreifehes Schicksal stehen im Mittelpunkt der Handlung. Grarie, delie M. E., Das Buch der föebe. Ein spannender Eheroman, die Eeicfensgescmchte einer jungen Frau. 3trad nm Telephon 71-425. Telephon 71-4-25. Seteine, Bortriige imd BersammKmgea. Sprachkurse an de» Wiener Bottshochschulen. Die -deutschen, en-gü-schen, sränzöfisihen, italienischen, tschechischen,- russischen, kaieirckschlÄr und ariech-Wen Sprachkurse an -den Wiener Voltshochfchuilen, 2. Bezirk, Zrrkusgaffe 46, 3. Bezirk, Kundmann- <)asse 22, 5. Bezirk, StöbWgasse 13-15, 10. Bezirk, Jrrqdgasse 40, 11. Bezirk, GottschaNM-sse 21, 10. Bezirk, Lu-o-Hartmann- Platz 7, 20. ©eghft, StrmNstrahe 78, 'begännen Montag, den 19. September. Einschrerbu-ngen in -den Kanzleien an allen KmÄagen. Der Mibg.Iiiodsbertrng von S. 6.— jährlich (zahlbar auch '.n Raten) und ein Anschlag von S. 2.— jährlich für jede moderne Sprache berechtigen zum nnentgettlächen Besuche aller Sprachkurse. — Die Zerchenkursausstellung, 2. Bezirk, AirkusgcHe 46, rft.-tähWo-von - 6 -bis- 9 Uhr-abenös geöffnei. (Antritt ÄpGraschen. Aechtsmmwltsmrd Notarsangestellte Oesterreichs. AeröandAag am 11. September um 9 Uhr vormittags -im großen SötzuMMurl der Kammer für Arbeiter und Angestellte, Wien, I. B^rrk, iGbe-ndorferstraße 7. Bühne und Kunst. ..Atte, «r «« mtft Kamu«rft»hele. Ae^Fruge. stellt der totgefagte Gatte. an-seWen^DachstZgLr. Der „Selige" ist nämlich bei einem MsenbahUUngMk tadsächM - nicht gestorben, sondern hat mit den Papieren ejnxS getönten. Passagiers, der mr seiner Statt begraben-wurde, einige Fahre lang ein Doppelleben geführt. Ans der .Hypnose erwacht, will , er feine legitimen Rechte in Anspruch nehmen. Um den.Konstrkt ^zunächst zu beseitigen, wird er 'vom Arzt drS Stückes wieder - " in den Tranttznfiari» versetzt, um zum Aktschluß doch strntzn.' -> angestammten Platz eiunetzmnr zu lünnon. Der k«me«r>irgs neue . Einsall der Autoren Mivaude imd Monegy-Gon ist Mehr derb . als amüsant verarbeitet. Der Dstüog erscheint härchg recht gewöhn!^ und grob eindeutig. Ja einer Komödie fehlt den 'btöi"- Akten die Eleganz; und der Bhivankwlrbcl ist mehr auf Kouw deS gutspieleirden Ensembles zu fetze». Wirklich-erqittcktznd gibt .-Harald Pau-ls etr'den Mann mit-dsm^Doppelleberr, gut-afWrert von den Herren Griog, .Hendrühs und Kurt Lang, indes Herr Lome mit einer grotesken Mpifodsrfigirr sfehr t&jeügct. Die Damen OvmHoff^Waguer, Frank-Witt, Z^ferer-mrdiPappe-chÄke^ ' mit» denübrigen-- di^Lacher<kruftW)a?Mite. Akkf Die KouzertverettrhstU»g „WieNk-r DtaatLopernchm' veranstaltet in der Saison 1927/28 drei Konzerte unter der künstlerischen Leitung des Direktors Prof. Franz Schalk. Das erste Konzert am 26. Oktober d. I. mit .Lisracs tu A^gvp-te n" von Händel, das KvÄte Konzert ale Schachert-Zentenarseier am W. Jiinner 1939 mit der „Girr»fleh Messe in Es" von Schubert und „Mirtznns Stzigesgesang", das dritte außerordentliche Konzert an- -6. April 1R8 Mt der „Matthäus-Passion" tarn Back). Zvm> 400. Male „Die ZirkusprrnzLssiu". Unter allen äußeren Anzeichen eines Sensationsersolges ging Montag dtd Kalnmnpche Operette „Die Zirkusprinzessin" zum 400. Male in Szene. Betty Fischer, Richard Walocntar, Mizzl Zwereuz, LizB Holzschuh und Harry Payer, nichst zu Vergessen HanS Moser wurden Von dem dankbaren PMiMn' unzählige Male gerufen und die BMv ' ttenrnndelte sich-in -einen BlwnienMnl. Aus den Theater«. Geor-gM-aa-t« t. Morgen, V:S Uhr, .Keoarck-e". (Adon- '■ Mcnnnö, 4. Ormpped AEad« m toty-eiLä e -r. iBLorge-n, >4? Uhr, ,,Vprdc-l H» ' S chA och". (Abonnement, 2. Gruppe.) Raimumbtheater. Das Olmützer Tschechische Schauspiel bringt heute O. Scheinpsluqovas Komödie „Der Ers-chilage^ne", morgen R. Gignoux', I. Dherys mrd M. MaureyS Ärstfpiel ,-U -n t e 6 fe Frucht c" und Freitag Hermann Dcchrs KomSdie „Die Kinder". Rr><and bühne. Montag, den 1L. Ä. M., findet die Erst- ..auWhrung ider Novität „Das Weib", 4 boshafte Szenen aus ^dem Leben der Frau, vmr Weda, Neuhavd und Felicitas, stakt. Apu0-lk»L'he«rt e-r ,^ady X" ist der TÄ-el der demnächst .zur Nransifüh-rrurg gelangenden omerilanischen Jazz-Operette ' von Ludwig Herzer.' Musik von George Edwards. ooooooofsooooaoooQOOOoooaoaoQooeooooooooooaoooooooQooooaoQooaaoQQQOQOOQooexxxsooö Ke IMarismwelle. Ae-A^lMMtte lmzollausWltz. — LasMützkeskartell. Gestern hat das Plerrmn des Zollausschnsses seine wahrend der Sommerpause unterbrochenen Arbeiten wieder ausgenommen. In der Zwischenzeit hat der ZollunterauZschutz einige in du str i-ell e ZolLp-osvti-one n durchberaten und Wer einige L ob en s mi-tt^eTZ ö IT>e Enqueten abgolhalten, während die heitzumstrittenen ag r a rischen Po s stt i o n e-n im Unterausschuß n i -ch-t koer üch r-t wurden. Gegen diese wird sich jetzt wohl der Widerstand der Opposition richten, wogegen die übrigen Vorschläge kaum ernstlich werden bekämpft werden. Der Urrterausschuß hat die Vorlage der Negierung emer eingehenden Besprechung urrterzogen. Neue Anträge betrafen insbesondere von agrarischen Positionen Bäume und Sträuchec, Schtoeine, Ncchm und Eier, von i n d u st r i e l'l e n Positionen Margarine, Gpeisesette und Speiseöle, die HarFproduikte, Zement, Eisenlkonstruktionen, Preßlustwerkzeuge, Taschenmesser, Eisentschffse und Wagen. Die Besprechungen, die Wer die Regierungsvorlage und Wer diese Anträge im Unterausschuß güsührt wurden, zeigten, daß eine Reihe von Positionen, insbesondere Bau mwolle und Ab fä lle, Baumw-olI'w-a tche, Spiegel- und Tafelglas, Kryolith und Kitte, einem W-Dd e^r-st-cvmd a n s k e i u-e-r Se i t e begegnet. Bei einer Reihe anderer Positionen, und Atvar für Sö'irt'iier, für die neuibeantragben. Zölle für Margar»ime, ^p-e-ts-L-s-e t t e und Sp csts.c ö-l-e, ferner für den neWeantragten Zoll auf Zenrwt, war der Unterausschuß der Ansicht, daß eine genügende Klärung der Frage der Zollerhöhung und der gleichfalls in diesem Zusammenhang geforderten Preisbindungen nur nach Anhörung von Vertretern der Produzenten und Konsmuenten dieser Branchen erfolgen könne. Diüse Enqueten haben im Unterausschuß am 31. August und 1. d. M. stattgefmrden und haben dazu gesi'chrt, daß aus Grund der dort gewonnenen. -Eindrücke die Regierung ersucht wurde, nach den in den Diskussionen des Unterausschusses gelwonnenen Gesichtspunkten P r e i s b i l d u n g s f o r m c l n für Margarine, Speisefette, Speiseöle und für Zement -zu entwerfen, die dem Zollausschuß als Basis für die weiteren Beratungen unterbreitet werden. Zwecks Hintcmhckltung einer spekulaKven SWerrmg her Zollsätze für Getrjeüw urrd Mehl durch-Boranmabdung>nach den Bestimmungen Wer den Wer-, tenden Zoll wurd e beantragt, den Art. 2 durch die Vorschrift zu ergänzen, daß mit Inkrafttreten der fixen Zolle die Voranmeldungen ih re G-ü l'brgck-eiä b*ceon lie-r e-n sollen. (8. Fortsetzuntzi-) PlcSis erster fasttag. 4ns den Jagenderinnerangen des alten Professors, Von Bi^amin Segel. Auf einer iAnhöhe, gegenüber, scheinbar -ganz-nahe, aber mindestens eine Viertetmeile eirtfernt, ragte hie katholische Kirche mit den unz,ählrgen Türmchen, und dahinter dehnte sich der christliche Friedhof. Tief unten im Tal zog sich die Landstraße dahin, ein paar schwarze Pünktchen! bewegten sich daraus, so groß wie Käfer . . ach, das war Moses Feder, der soeben vom Friedhof sortgegangen rrar; ein Nachbar hatte sich zu. Hm gesellt. Wiel winzig und zierlich schien alles dort unten, die Häuser und Hügel urrd erst die Menschen, die Tiere, die Bäume, von hier aus gesehen, wie Kinderspielzcug sahen sie aus unter der mächtigen Himmelskuppel, die sich über dem unermeßlichen Raum wölbte, an deren höchster Spitze die Sonne einsam stand und ein Meer von Licht über die Welt - ausgvß . . . Unter der Linde, die mitten im Friedhof ihre weißen VWenkegel durch das dunkelgrüne Laub schimmern ließ, setzten wir uns alle im Halbkreis nieder, unser. Lehrer in der Mitte, und er sing an, nach altem Brauch Geschichten und Märchen zu erzählen. Unser Lehrer wußte davon eine Unnrmge aus alten Bhchern und aus mündlicher Ueberlieferung, und er besaß die Kunst, sie reizend vorpitragelr.. Die Sagen von Elijah dem Propheten und die l>on den sechsn^idoreißig Gerechten, die verborgen unter ten üptenschen ivandeln, in niedriger Gestalt, als arme Taglöhruw oder HaWivertcr, von allen gering geschätzt, kun keiner ahnt, daß sie es sind, um deren Gerechtigkeit and Frönnnigtcit nulleir die Welt bestehen bleibt, und nicht jusannrwnbricht unter dorn Zorn Gottes, lvegen der vielen Sünden, von denen, sie voll ist. Dann erzählte er uns von kn wunderbaren Schicksalen der Weisen und Frommen der riteu Zeit, \mc sie schwere Kämpfe und Hcimsuchnngen Ml ics^heu hatten, bis sic sieh durch ivrrndcrbare FügungM psr Klarheit und Aevcheit durchgxmsvt. Dieser nüchterns. strenge Verstandesmensch, Rechner und Astronom, schien sich bei diesen Erzählungen in ein gläubiges Kind zu verwandeln. Er flocht von Zeit zu Zeit Bemerkungen ein, daß alle diese Wundererzählungen nicht wörtlich zu nehmen, sondern nur als Symbol oder Parabel zu verstehen wären. Aber diese Proteste klangen schwach. Wenn ich jetzt daran zurückdenke, lvird es mir klar, daß er irgendwo in einer geheimen Falte seiner Seele an die! Wundergeschichten wirklich glaubte oder wenigstens wünschte, sie buchstäblich und nicht nur symbolisch nehmen zu können. Seine Stimme klang weich, lauschig und sogar wehmütig. Großmütterchen saß neben mir, den Ellenbogen auf meine Knie gestützt, das Köpfchen auf den Arm gelehnt und horchte mit brenneWön Augen und ttopfeildem Herzen. Erst als unser Lehrer auf die Wundergeschichten des Baal Schem und seiner Nachfolger, der „guten Jüden", zu sprechen kam, nahm er allmähliche einen ausgesprochen satirischen Don an. Er kannte alle diese Erzählungen ausgezcichjnet, an den schönsten von ihnen übte er unbewußt, was man heutzutage historische Kritik nennt, indem er nachwiies, daß jedesmal eine ältere, im Volke umlaufende Wundergeschichte von Elijah, dem Propheten, oder von den sochsunddreißig Gerechten, im chassidischen Sinne umgedeutet und der Zaddik in den Mittelpunkt gestellt wurde. Das war nicht besonders rühmlich für die Ehassidinr und ihre „guter: Jüden", Reb Chajkel ärgerte sich weürlich, machte ohnmächtige Einwendungen, konnte aber gegen unseren Lehrest nicht aufkommen. Dieser verweilte mit besonderem Behagen bei jenen Gcschiichten, iw denen der Zaddik einen Urrgläubigen oder Widerspenstigen bestraft, indem er der: Fluch des Himmstls ans ihn herabfleht, was in der Sprache der Chassidim „maanisch sein" hieß. Das war eine sehr heikle Sache, da es zrv'ar den großen Einfluß der Zaddikim! bei den hiMmWhen Mächten bezeugte, aber auf ihre Frömmigkeit kein günstiges Licht warf und dem Naren Mbelwort widersprach, welches da lautet: „Das Strafen geziemt sich nicht für den Zaddik." „Das merkrvürdigste Wunder dieser Art," fuhr unsere Lehrer fort, „ereignete sich in Belz. Da saß einmal der dZaddik Rab.br Sarkom Rokeach, gesegnet sei fein WÜtzes Andenken, am Sabbat-Nachmittag im Kreise seiner Ehassidim und sagte Thora*). Bon der Glut der Thora bekamen sie alle Durst, aber der Met war ausgegongen. Die Chassidinr Xieben es bekannntlich nicht, mit twckener Kehle düznsitzen. Der Zaddik schickt also seinen Lerbdiener znm benachbarten Schankwirt hinüber, um zehn Flaschen!Met zu holen. Geld kann er nicht witnchmen, denn es ist Sabbat Der Schänkwirt ist über ein Unglärrbiger und verlangt ein paar silberne Löffel als Pfand. Das ist eine Nichtswürdigkeit, dem Rebbe einige Flaschen!Met nicht kreditieren zu wollen! Der ZWdrk ist empört und spricht zu seinem Leibdiener: ,Geh^- hin Und sprich ^Werl das Hans in meinem Namen den Flnchj aus, daß es noch in dieser Nacht ernstürze.'- Der Diener geht, kehrt aber bald wieder: ,Rabbi, das Herz bricht mir bei dem^ Gedanken an die vielen iMenscheu, die dabei unrkommen können/- ,Dn hast recht/ sagt der Zaddik besänftigt, ,es soll Hm diesmal geschickt werderr. Lauf rasch hin und sprich in meinem Namen, das Hans solle stehen bleiben/- Der Diener laust, spricht das Wbrt und das Haus bleibt >stehen. Es steht bis aus djen heutigen "Lag, ich häNtö selber gesehen:" . , Alle lachten, sogar MrsHmüttorchen lachte mit, ohne-M Nüssen, warrtm. Reb lWWl liH verdrossen die Nase hängen. „Wir Lehrer. „Gehen wir nach Hauset" Wir stiegen auf anderem Wege die Anhöhe Wrrab. Großmütterchen hatte sich aus Blättern und Feldblumen einen riesigen!Kranzl geflochten, unter dem ihr fMnet 2eib fast ganz verschtvand. Sie hatte sich bei mrserem Lehrer den Stock ausgebeten und schritt Majestätisch, ckls HrrtengSttin, an meiner Seite daher. bin schrecklich durstig," sagte sie plöWch, ihr« Würde ganz vergessend. ,^Jch möchte gern einen Schlckck Wasser."' , „Du mußt schon-warten, M >wir^^Hb»se sind, - kann 'nur nocheme Viertelstunde dauern:" 'lrngeMnr^me hmmlMche AMOK.