Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 9 (1927)
- Issue
- Heft 3061 (7.9.1927)
- Date
- 1927-09-07
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
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Wien, Mittwoch Wiener Morgenzeitimg 7. September 1927 Nr. 3061 Jas Paliistma-Weitzbuch khurchAs. z« den Mitteilungen WeizmaMS v»d gäbvtinftys aas dem AioniAenlongriO. Durch das Revrduell W c m a ii_iv- JuvoC.i n i*tt) ist intv ChuEUjchc Palüskina-WeiFbuch näeder irr den Bordecgrrmv des Interesses gestellt worden. JabvtinsQ) Kat cr^kkirt, er sei nur 1-7. Juni 1922 in den RachmMugssirmden nach einer acüjtntouatiflen Propaganda-reise ans vJl'n;:cri£a MruckgcMrt unb direkt zu Mizmann beschicken NTvrden. Dort sei chm das Töeißbrrch tÄrgelegt würden, U-m dein er früher nichts gewußt habe. WeiM-anu habe chm er- Mrt, nt.'NN das WeiMmh nicht bis Mn 18. Juni, das ist am nächsten Dag, in den Morgeicstundcn der cngUMeir Regierung WcrgrMn sei, so trete ein lllttnmtiwr drr'-etM tischen Regierung m Kraft, w>o na ch d-a-s M a ndcrt g.eä N de r t n» c rde. Unter die sein Zwang nnd in dem Bewußtsein, gemeinsam mit seinen Kollegen eine Schlacht zu Verlieren, habe Jabotjnsfv nach den Zttsichernngeit WeiH- Mauvs, daß alles Erdenkliche gcscheli-en sei, das WeMmh mitunberfchri e de u. Dieses vielgenannte Weißbuch ist ein Totirmrent,.welches der llnterstaatsjekretär I. E. Shnrkbnvgh um! 3. Juui an die Exekutive sandte. Irr de ne Begleitschreiben mar benrerkt, es n'äre Mr. Cliurchill (dem Staatssekretär für die Kolonien) am gen chm, „von Ihnen eine form elbc Znr-mrrg zu erhalten, daß 5chrc Organisation diese Politik akzeptiert und daß sie berert ist, ihre eigene Tätig- Ifcit in Uebereinstiimnung Damit gilt führen". Eine Befristung wukde in diesenr Schreiben nicht ausgefprochcit. Das Weitzbnch ist rmch einer Beratung ntit dem Ober- Poimmissür Sir Herbert Sanutel zustande Mkomnien und saßt, ums zu seiner BeurteiliM'" iticht unwesentlich ist, Vre Korrespondenz zusammen, die Mischen lMurchill und der mühamnredanisch-christlrchen Delegation, die such damals in London auM/alten hatte, «geführt unotbeu war. Irr dem Weißbuch wird in bezug aus die Stellung des jüdisch» Elements in Palästina ausgcfikhrt: Die Spannung, welche von Zeit zu Zeit in Palästina Mage getreten ist, ist hauptsächlich aus gewisse Befürchtungen zurückzusschren, welche Te rle der ara-^bürsich«an umD Ter de der jüdischen Bevölkerung hege rl. Was -die Araber anlangt, so gründen sich diese Befürchtungen zum Teil auf die ü bevtr i-e-chewe Amsl-agnng des Sinnes der namens der Regierung Sr. Majestät am 2. November 1917 erlassenen Deklaration, welche die Errichtung einer jüdischen nationalen Heimstätte in Palästina begünstigt. Unautorisierte Erklärungen wurden abgegeben in deni Sinne, daß das beabsichtigte Ziel die Schaffung eines vollkommen jüdischen Palästina ieü Wendungrn wurde« gebvaucht, Wie die, daß Palästina „so jüdisch werkten soll, wie England englisch ist". Sr. MrMtät ReWrurrg erklärt jedoch solche Ernmrtrmg für undurchführbar und hat keirro solchm Ziele im Auge. Sie hat and) niemals, wie dies die arabische Delegation zu befürchten scheint,, das Verschwinden oder die Unterordnung der arabischen Bevölkerung, Sprache oder Kultur in Palästina beabsichtigt. Sie möchte die Aufmerksamkeit auf die Tatsache lenken, daß die bezüglichen Stellen her Deklaration nicht besagen, datz Palästina als Ganzes in eine Müsche nationale .Heimstätte vorwandekt wer den soll, sondern daß rsino solche .Heimstätte in Palästina begründet werden soll. In diesem Zusammenhang wurde mit Befriedigung zur Kenntnis genommen, daß bei der Tagung des Zionistenkongresses, der obersten leitenden Behörde der Zionistischen Organisation, welcher im September 1921 in Karlsva-d abgehalten wurde, eine Resolution zur Annahme gelangte, welche als die offizielle Feststellung der zionistischen Jele -die Entschlossenheit des jüdischen Volkes ausdrückt Mit dem arabischen Volke in einem Verhältnis der Einigkeit nnd der gegenseitigen Achtung zu leben, und 'zusammen mit ihm die gemeinsame Heimat zu.einem blühenden .Gemeinwesen zu entwickeln, dessen Aüfbau jedem seiner Völker eine ungehinderte nationale Entfaltung sichert". Es ist auch, notig, daraus hinzuw-Äfen, .daß die Zionist Commission, jetzt die Zionistische Exekutive in Palästina, niemals einen Anteil an der allgemeinen Verwaltung des Landes verlangt hat und auch keinen fokchen Anteil be- M. Auch die besondere Stellung, welche der Zionistischen Organvsation in ArtÄel 4 des Mandatsimtwmßes für PlÄästina zugomsklsen wird, schließt komerkei solche Fmrttiowm in sich. Dßosv besondere Stellung bezdcht sich aus ich: Maßnahmen, ditr in Palästina hinsichtlich der Müschen Bevölkerung zu trtesfen sind; sie sieht vor, dlch-LSr Organisation an der MgsmeSnen Entwicklung des Landes mittvirksn soll, aber sie berechtigt sie nicht, irgendwie an der Regierung teilzunehme-n. Ferner ist vorgesehen, daß die StaatsbürgersWcnfÄ aller Einwohner Palästinas nach dem Gesetze Re pcckästinensische fein soll, und es war niemals beabsichtigt, daß sie oder irgend ein Test von ihnen eine andere rechtliche «Stellung besitzen sötten. Was d'i e j ivd i s ch-e B eww«l7.terauit,g P a l ä- Mrn-a-s anlangt, so scheint ein Teil derselben zu be» MHten, daß Sr. Majestät Regierung von der in der Deklaration von 1917 zum Ausdruck gebrachten Politik abgehen könnte. Es ist daher notwendig, nochmals zu be- MÜMN, daß diese Befürchtungen unbegründet sind und daß diese Deklaration, welche in der Konferenz der wichtigsten Mächte in San Rvmo und dann wieder m Bertoag von Seores von wonom bestätigt worbe« ist, nicht geändort wenden kann. Wenn-gefragt wird, was matt unter -der Entwicklung tyxt hiiibr sch^nl «nationalen H c i m statt e i'n ßküKWMÄva-pvrKHt, so kann geantwortet werden, dap. damit nicin die Anszttüilgllktg einer jüdischen Nationalität für die Eitnvohrror Palästinas iin ganzen gemeint ist, sondern die WWemntwickümg der bestehsnbon jüdischen Gerwernfchcht mtt Mfe der Jndrdl Sa EÄvchn WelttMeu, damit es zu ei-nent Zentrum -wird, an «welchem das jüdische Volk m feiner Gesamtheit ans religiösen nnd stammesmützigen Gründen mit Interesse und Stolz teilnehinett kann. Aber damit di-ese Gemeinschaft die besten Aussichten für eine freie Entwickümg hat und dem jüdischen Volk die-volle Möglichkeit bietet, seine Fähigkeiten zu entsakert, ist es nächtig, daß es das Beumtztstckr hat, von Rechts wegen und nicht aus Dttldumy in Palästina zu fein. Ans diesem Grunde ist es notwendig, dich der Bestand der jüdischen nationalen Heimstätte international garantiert imd baß formell anerkannt wirb, -atz sie auf alter lsifstorischor Verknüpfung (conneetion) beruht. Dies also ist die Interpretation, die Sr. M^Sstäl Regiernng dcr Deklcrration von 4M7 gibt, nnd der Staatssekretär ist der Ansicht, daß sie so verstandon n-i-cht.s on-1härl.t, wwS di e a^r.aibd'ch-e Bew ö l k c r-nm?g P?wcklä'st.l.na's b»etUm-r-nWtMem o*d vr die e-Tr^däMs'ch-e-n kHm-wk-e. Me Antwort der MnMschM Exekutive. Das vor: Weizmann und JcckoLinKy. Merte Antwortschreiben wurde, wie man setzt erkWrt, am k6. Juni irberrx4iht -und lautet: j Anoden Herrn Nnter-Staatssekretär -! Coklmia^nOMoe Downing «Street, SW-1- Unter Byzugnahwe -aus Ihr Schreiben vom 3. Juni (4dr. 25 4947S22), dessen Empfang bereits bestätigt wurde, habe ich die Ehre, Ihnen mitzuteilen, daß die Exekutive der Zionistischen Organisation die Erklärung bezüglich der Politik Seiner Majestät Regierung in Palästina erwogen hat, von der Sie ihr eine Mschrist. freundlrchst zngehen ließen, und daß sie die folgende Resolution angenommen hat: „Die Exekutiive der Zionistischen Orgamjat>ion Ijat Kenntnis genommen von der Erklärung bezüglich' der britischen Politik in Palästina, die ihr vom Colonial Office unter dem 3. Juni 1922 übermittelt wurde, und versichert Seiner -Majestät Regierung, daß die Tätigkeit der Zionistischen Organisation in Uebeveinstimntung mit der darin dargelegten Politik geführt werden wird." Die Exekutive bemerkt mit Befriedigung, daß Seiner Majestät Regierung bei der Erklärung ihrer Politik nt Palästina nochmals Gelegenheit nimmt, -die Deklaration vom 2. November 1917 wieder zu bestätigen, und daß sic es als eine Frage von internationaler BedWMmg erklärt, daß das jüdischst Volk wissen soll, daß es von Rechts wegen in Palästina ist. Die Exekutive bemerkt weiter, daß Seiner Majesknt Regierung als eine Folge dieses Rechtes auch die- Notwondigkoit anerkennt, daß die Juden imstande sein sollen, ihre Zahl in Palästina durch Eimvnrrdkttmg zu «ergrüMn, und ste entnimmt der Erklärnng fy# Polgtik, daß dtzr Umfang dieser Einwandstrvng durch div jeweilige wirtschaftliche Kapazität dös Lmrdes zur Ausnahme neuer Einwanderer bestimmt werben soll. Wrs immer für Vorkehrungen hinsichtlich der Regelung, Meser Immigration getroffen «werden sollen, so vertraut die Exekutive zuversirchtlich daraus, daß sowohl Seiner Majestät Regierung, wie die Bevwaltung Palästinas in dieser Angelegenheit von dem vorstehend erwähnten Prinzip geleitet werden wird. Die Zionistische Organisation hat zu allen iZeiten-den anfrichtigen Wunsch zu-r harmonischen Zmseamt menarbeät m it -aiktt Te ilen der SB** v'ökkeru ng P alä.st i nas gehabt. Sie hat wiederholt in Wort und Tat zu erkennen gegeben, daß ihren Bestrebungen nichts ferner liegt, als auch nur im geringsten Maße die bürgerlichen oder religiösen Rechte oder die materiellen Jntereflen der -nichtjüdischen Bevölkerung zu schcMgeu. Me Znmrstrsche Organisalron wird sortsahren, ihrerseits 'keine Anstrengung zu scheuen, um den Geist des Entgegenkommens zu pflegen, auf den Seiner Majestät Legierung Mngewiesen hat als auf die ülnMe sichere Gmmdlage für boS Gedeihen Palästinas. Die Exekutive hofft ernstlich, daß die Erklärung der Politik, welche Seiner Majestät Regierung zu vevbjsentlichm beabsichtigt, ei-n für allemal die Mußve-rständnisis-e zerstrett-ett wird, sowe i t f olche n och bestehen und daß sie, rvenn sie von allen betroffenen Parteien l oy.nl ausgenom me.n wird, den Beginn einer neuen Aera friodlkchen Fortschritts bezeichnen wird. Ich habe die Ehre ufw. (gez.) Eh. We i.z.m a tt'U. I Zrri Kongreßreden. Gründmim. — Jäbot-insky. WeiMonn. Grünbamn setzte fort, wo er vor Kongreßbegilln feinen Kanipf gegen die Politik der Exekutive unterbrochen hatte. Er setzte fort und setzte voraus, daß seine Einstellung jedermann bekannt ist. Es war ein Resume, und die Anffordernng au die Leitung, znrückzutreten, war in ihrer «Schroffheit nicht geitügcnd motiviert, die ^rUchkeit, die familiäre Derbheit, der Mut der Uebcrzeugung, der ihn nicht verstattet, Anklagen zu verzuckern, seine Argumenta in aller Ehrlichkeit und Rcvercttz zu präsentieren, taten größere Wirkung, als die Anklagen und Argumente selbst. Erst bei der Lektüre des Protokolls erkennt man, daß die Argumente stark, die Anklagen wuchtig, die Forderungen schlWg sind. » Jabotiusky sprach vom Herzen. Ein starkes Hepz strömte über, schämte sich nicht seiner Liebe für die von ihm bekämpften Männer der Exekutive und suchte den Burgfrieden, indem er nicht die Aufgabe der Agency- Politik, sondern bloß ihre Aen-dernng beantragte, —allere dings eine, die der Liquidierung des jetzigen Kurses in bezug auf die Agencyfrage gleichkommt. Fand in allen Stücken das Werk zuknnftslsicher, deklarierte sich als heller^ sroher Beja-Her — allerdings unter der nicht unwesentlichen, heute die Kernfrage bil-deitden Bedingung: -daß einige führende Märmer abdanken. Enge versantmelt er den Saal um sich. Und es komrrtt ein Augenblick währetbd seiner Rede, da cs leine 'Landsmcmnschaften und Fraktionen mehr gibt. Alle hängen an sÄ-nem «Mmde, sind i-n seinem Banne. Jabotinskys Kasfandrarnse erschrecken, Jabvünsichs Anklagen Wiegert schwer, Jabotirtschs Glaubensartikel, vorgebrvcht in bargen, gemünzten Sätzen: ,^ch glaube, ich glaube, ich glaube...wirken wie ein Evcmgelmm und sind Labsal für die besorgten Gemüter. Er ist der größte Redner dieser an vortrefflichen Rednern reichen VerstmrmLmrg. Der größte Meister, Weizmann, aber ist der kul» Uvierste. Zu seiner Kunst, jene Angrrsse des Gegners zu den entscheidenden zu stempeln, die er überlegen, aus «dem Handgelenk, absertigen wird, gesellt sich der Humor des Litwak, die scharmante, anmuttg-vornehnre Debatttermethode des staatsmännischen Parlamentariers. Diesmal entscheidet er, daß der K-nallcssekk von Jabot!nskys Opposttionsrede der V-ergleich mit der griechischen Anisiedlung war. Er gibt bekümmert zu, daß die Exekutive einpacken nmß, tvonn richtig ist, ivas Jaüotiusky vorbrachte. „Aber was tut Gott, es ist nicht wahr.'" fügte er lächelnd hinM, der: Saal in Heiterkeit und erwartungsvolle Aufmerksamkeit versitzend. Und wenn es Gott tut, daß auch die von Weiznraun vorgebrachten Berhältnisziffern Mischen Wirtschaftlichkeit, Umfang, Erfolg der beiden Kolonisaüonswerko nicht durchaus stimmen, so wird man es jedenfalls erst in der «neuen Kongreßperiode merken. Und bis es sich offenbart, wivd das Argument des Staatsmannes und Menschenfreundes: „Wir kolonisieren mit einem Minimum an menschlichem Leid, und das ist teuer," das ausschlaggebende Argument geworden sein. Die aus der Provinz Griechenland drohende Gefahr ist endMtig beseitigt. Wie er die Generalabrechnung vorzubereiten, seitte Goschosie allmählich zu schärfen, mit wachsender Wucht zu entsenden weiß! Dieser Debatter könnte minutenlang von einem Satz zum andern schweigen, die Männer im Saal (und erst die Frauen) wittern den Gestor, der sich alles erlauben darf, und harren in Spannung des nächsten Satzes, den er ihnen gönnt. Und ein kleiner, kräftiger Faustschlag aufs Rednerpult kündigt den Uebergang vom Berteidtgungskatnpf zum Angriff an. Ein Meister. Er macht es den Gegnern nicht leicht, aber die Anhänger machen es ihm auch nicht immer; seh r le icht. e Was soll denn, du lieber Himmel, diese Festillmnmation des Saales bedeuten, das Ansflammen aller Lichter, wenn der Borsttzende in der Gen-eraldebatte Weizmann das Wort erteilt? Reinhardtsche J-nszenierungS« effekte auf dem Zionistenkongreß im Jahre der schwersten Palästinakrtse? Ihm zur Ehre: Dieses servile Bedürfnis, dem FÄhrer die Folie zu geben, paßt schlecht zum Wesen dieses Mannes. Präsident Weizmann, verbitten Sie sich diese Liebedienerei! Nach Weizm-anns Rede besiegelte die Majorität der Anhänger seine Wiederwahl, l-n«dem sie die Tikwah sang. Es war eine Demonstration. Nach der Gedenkversammlung für den 1. Kongreß ün Kasino spielte die Orgel die Tikwah und keiner sang ntft. Es war ein strrmmer Schwirr. Otto AG-ell-e.. AeWifche« Msndate tm Agramer Gemeinderal. A^va'itt, 6. September. Wie bereits kurz gemeldet, hat dte jüdische Liste bei den am Sonntag durchgesührtett GemleindetvaWn drei Sitze erzielt. Es wurden im ganzen 19.300 Sttmwien abgegeben, der Wahlkoeffizient betrug 360. Mr die jüdische Liste stimmten 80'! Wühler, die dreg Mandate erhielten. Es tvurden getoü^U: Rechtsanwalt Dr. Hugo K vm, Rechtsamvalt Dr. Marth H,vkvn und Oött» raM'iner Dr. t^avro S'chma-vK. iHiamHi aaMTirr---.-