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Wiener Morgenzeitung · 1927-09-06 · Heft 3060 (6.9.1927) · p. Seite 5

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
9 (1927)
Issue
Heft 3060 (6.9.1927)
Date
1927-09-06
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 3060 Men, Dienstag Wirrer Morgenzettmrg 6. September 1067 Seile 5 9m Attentate wegen Sotto «nd Nonzetti. Bombenexplsfimt I« Broottini. gcmaht isi und rein anderer." Im übrigen chäl: «r dafür, das; ^e i n bißchen Familicnkrach in der Eintönigkeit de.' Ehelebens gar nicht so sehr schadet, wie imta allgemein ■ '-'•.'"ih" Nun, er wirdwohl wissen. B r-o-v-LLym, 5. September. Um 2 Uhr früh erfolgte hier eine Bombenexplosion, durch welche das Gebäude d^s L-a n >d ge richte § und das Archiv leicht beschädigt wurden. Sämtliche Fenster sind zertrümmert. Die Polizei v e rch a s t e t e zgv e i M ä n-m e-r, die zu flüchten suchten. Jer amerikauische KonfulaissekretSr in Dresden anoeschoffen. Dw-^s'd e n, 5. September. (Wolfs.) Der amerikanische Konsulatssekretär S de g e r, der sich in Begleitung^ sÄner Frau und eines Freundes auf einem Spaziergang auf den Röchnitzer Höhen befand, wurde ungefähr IVO Meter unter der MsmarcksNnke von einem plötzlich qustauchenden Unbekannten durch Revolverschüsse verletzt. Eine Kugel drang Steger in den Micken, wo sie unterhalb des Herzens eingedrungen war und nur Weichteile 'verletzte. Lebensgefahr besteht nicht. Die alsbald alarmierte Movdkonlmission nahni sogleich eine Absuchung des Geländes vor; e i n P o l iz e ih-und verfolgte die Spur bis zur nächsten Straßenbahnhaltestelle. Auf der Flucht ist der vermutlich ortsunkundige Täter in eine Lehmgrube gestützt, ans der er sich bald wieder herausarbeitete. Konsul-atssekretär Steger war vor dem Krieg Vizekonsul in Ghemnitz. In seiner jetzigen Stellung hatte er w-e-g-en der Hinrichtung von Sacco und Banze ttR mit zahlreichen Abordnungen zu verhandeln. Ae Penftoosverftlyeruug. Ae «well«,,, »er SerMnimmiWseii. Amtlechi wird Verlautbart: Das Bureau der österreichi- Wn Verrechnungsstelle für Pensionsversicherung, 5. Be- Blechturmgaffe 9—H (im Gebäude der Hauptanstalt für Mgestelltenverftcherung) hat seine Tätigkeit ausgenommen. ötfttfc Verordnung-des Bundesministers für soziale Ver - waÜuW haben die Pensionsversicherungsträger, die am Ü8. Juni 1924 oder zuletzt vor diesem Zeitpunkte ihren. (Wohnsitz) in der Republik Oesterreich hatten und vor der Staatentvennung auch. Versicherte im jetzigen Gebiete der Tschechoslowakischen Republik hatten, die Gesamtbeträge der Prämienreservcn und Deckungskapitalien, die auf die Versicherten, Rentner und Ausgeschiedenen entfallen, die ihren letzten Dienstort, bezw. (bei freiwillig Versicherten) ihren Wohnort im letzten Beitragsvormonat ver dem 1. Jänner 1919 auf den: Gebiete der tschechoslowakischen Republik hatten, mit den von der Verrechnungsstelle aufgelegten Vordrucken bei dieser anzumelden. Die Vordrucke sind im Drucksortenverschleiß der Staatsdruckerei, 3. Bezirk, Remvweg 12 a, und bei der Verrechnungsstelle erhältlich. Die rechtzeitige und richtige Erstattung der Anmeldungen liegt im Interesse der beteiligten Pensionszwischenstaatlichen Verrechnung verbundenen Vorteile vcrvtkersjstcheru/njgssräger, da sie sonst der mit der lustig gehen. Ueberdies werden durch die Verordnung die Unterlassung der fristgerechten Anmeldung sowie die ErstattuW unvollständiger, und wahrheitswrdrigev Anmeldungen mit Geldstrafen bis zu 500 Schilling bedroht. Ae Herbftmeffe. Der> zweite Messetag brache in allen Abteilungen kbeL-ha'fE-e.n Verkehr und güte Abschlüsse. Besondeoem Interesse begegnete die japanische Sonderausstellung- Tier iGeschäfLsgang hat bisher die Erwartungen erfüllt. Gegenüber den Messen der letzten Zeit kann eine gesteigerte Kaufkraft sowie ein erhöhter .Muswille konstatiert Werden. D«k Wische GemeinderSte in «gram gewllhlt. Ag-r<a m, 5. September. Bei, 'den gestvigen Gemeinderatswahlen hat die jüdische Liste drei Mandate errungen. Me ' öda-d-i c - Pa-räEri hat eine schwere Niederlage erlrwon. Die Sauierimg der »rümer Maschiueafabrikr- «.« Brü-nn, 5. September. Das Abkommen zwischen der Brunner Masch'mensabrikS-A. G. und der Newho-cker Bankflvma Li ßman n u. Co. ist heute nrvterzeichmet worden. Der Rückkauf der Anleihe erfolgt zu 80 Prozent des Nominales. Die Wien sollen im.Verhältnis 10:1 zusanrmengckegt und das Ak t ien kapital auf 20 Millionen Kronen gemacht werden. Die Einberufung der GenemloersamTnilung soll ehestens evfalgon. Snglaud und Auftraiieu durch Radio verbunden. Kur-wellige Sendungen. Aus London wird gemeldet: Am Sonnbag konnten, zum erstenmal Musik ünd Reden aus Australien im englischen Rundfunk gehört werden. Dieses Ergebnis ist die erfolgreiche Krönung des Versuches australischer Ingenieure, nach Großbritannien mit kurzen Wellen zu senden. Kommunistische Demouftratione« lu Pole«. Warschau, 5. September. .(Wolfs.) In Warschau und in anderen Städten kam es anläßlich des kommii» nistischtn Jugendtages zu komnmnistischen Denwnstvatiouen, in deren Verlauf in Warschau 160 Persianern, verhaftet wurden. In Wilna mußte die Polizei blank ziehen, wodurch einige Personen leicht verletzt wurden. PolttWe GeldfSlscher. Ein Georgier und RasputinS Sekretär. Berlin, 4. September. Wie eine hiesige Korrespondenz berichtet, ist es der Polizei gelungen, in Frankfurt am Main den Säkretär Basilius SadaHieraschwili, einen gebürtigen Georgier, zu ermitteln und zu verhaften, der gefälschte ruMche Ein-Tschervoneh-Noten, wie mehrere i n B e r 1 i n im vergangenen Monat aufgetaucht waren, nach Deutschland gebracht hatte. Er tourde nach Berlin üb e r firh r t. Sadathieraschwili gab zunächst an, daß er diese Noten als echte von Landsleuten erhalten habe. Seine Aussagen waren jedoch unglaubwürdig, da das ihm gehörige beschlagnahmte Gepäck unbenutzte Klischees u'sllv. für Tschervenetznoten enthielt. Der Verhaftete erklärte schließlich, doch er aus politischen Gründen zum Notenfälfcher geworden sei, da fein in Georgien ansässiger Vater von den russischen Behörden ungerechterweife eingekerkert worden fei. Die Polizei entdeckte später die FalschmüWerwerkstätte in Frankfurt am Main, in der die Noten gedruckt wurden und wo ganze Ballen, angefangener Scheine vovgefunden wurden. Dian nimmt an,, daß Sadachieraschwili mit Falschmünzern im Paris zusammengearbeitet hat, insbesondere -mit dem früheren Sekretär Raspn -- bi ns, Simanowrbsch. IfllFIR^ Jas Pfefferminz ■ ■ w ■ ■■ hflhlt Mund und Iföppip Dari der Man« die Fra« schlage«? Aus Landl on wird geschrieben: Maar sollt« es nicht für nryglich halten, daß inan sich jetzt. in England mit der sonderbaren Frage beschäftigt, ob 'der Mann das Rocht habe, seine Frau zu bestrafen, das heißt gü schlagen. Zahlreiche englische Blatter stellen jetzt feierlich fest, daß ein. solches Recht nicht besteht und protestieren gegen den Ausspruch eines Paris-o.r Ehes-chridungsg « richtes, wonach dem Mann ein solches Recht Wohl nicht ausdrücklich zuerkannt, jedoch /ausgesprochen wurde, daß das Gericht im konkreten Halle es erklärlich finde, wenn der Manu seine Selbstbeherrschung verloren und gegenseine FtM Schläge geführt hat! Das Gentljemangefühl des Engländers empört sich selbst gegen eine derartige Suggestion und will auch die schwerste Berfehlmig man seiten der anderen iHIchalfte nicht M Mtschuldigung für etzre solche Beleidigung der Fraumüviürde gelten lassen. Ein englischer Advokat lerklLrt vor dem Forum. der Qeffent-, lichkeit: „Unter den alten englischen Kirche-ugesetzen hatte der Ehemann tatsächlich ein verbrieftes Recht, seine Frau bei schweren ■ Verfehlungen gegen die eheliche .Treue zu züchtigen. Diese Gesetze bestehen aber heute nicht Mehr, und sollte sich heute ein Ehemann erdreisten, gegen seine Ehefrau einen Schlag zu sichren, fei es aus welchem Grunde immer, so kann diese den Mann beim Polizeigericht anzsigen. Meine Erfahrungen in Ehescheiduugssachen bestätigen, daß die Arau sich im allgemeinen sehr Wohl zu beherrschen vermag und es der Ehemann ist, der sich vor seiner „kleinen" Frau eher fürchtet, als daß er Hand an sie legen würde."- Natürlich haben die Frauen nicht die gleiche Meinung, denn sie sind für den Einzelfall mehr eingenommen. 'Line solche kleine Ehefrau, mon einem Jnterviewvr jüber ihre Meinung befragt, leugnete entschieden, daß sie imstande wäre, ihren Mann gehörig in Zucht zu halten oder auS ihm gar einen Pantoffelhelden zu machen. „Natürlich, ich muß mich behaupten,"> sagte die „kleine" Gattin, „aber alles, was ich mache, ist das Beste für uns beide. Atem Gemahl ist invielen Dingen ein großes Baby, aber ioeuii er zur Schlafenszeit mit mir metaphysische Unterhaltungen will, so glaube ich, wird mir niemand das Recht absprechen, zu protestieren. Dreine Freundinnen sagen mir, das sei jetzt bei den Männern ein beliebter Trick." Aber auch der starken Ehehälfte steht das Recht zu, sich in „persönlicher Sache" zu äußern, und da behauptete einer: „Jawohl, meine Frau nlöcht« regieren, aber das ficht mich ivenig an. Ich weiß, tvcr der Herr ist, und wenn sie trotzdem glaubt, sie kann ihre eigenen Wege gehe», gut, ich laß sie gewähren!" Ein anderer Durchschnittsgeinahl meinte, daß er sich als Pantoffelheld sehr wähl gefalle. | Es beweise nur, daß die Frau sich für den Mann besonders I interessiere, und es sei ein Glück dabei, werrn es ebe» der Ehe- W^em, 6. September. Das Wetter. Gestern herrschte wicoer «armes Schvmvetter. Die Voraussage lautet: V e rä ivd e r l i ch, stellenweise nEßige Nicderschi läge. Ein jüdischer Antisemit. Am Samstag abends hat es vor eineur Prater-Cafe eine Demonstration gegen den Dentschmerstermarsch gegeben. Die Sache ivar so geringfügig, daß der Poltzeibericht davon nicht einmal Notiz genounnen hat. Ein gewisser Otto Schläger begeistert sich an diesenr Vorfall zu einem Hetzartrkel gegen die „ostfirdischen Jünglinge", die ihren, wie er sägt, grenzenlosen Haß gegen alles Oesterreichische und Wienerische an den Tag legen. Dieser Otto Schläger scheint ein jüdischer Antisemit zu sein, wenigstens beruft er sich auf „Kreise des bodenständigen, bürgerlichen und ordnungsliebenden Judentums", die angeblich einen öffentlichen Ausruf vorbereiten, um die jüdische bürgerliche Intelligenz in einem Kulturverband zu samnieln. Die Vorbereitungen hiezu trisft dieser Schläger. Sie bestehen in der Pogwmhetze mit Hilfe hakenkrenzlerischer Aran^"-^ Der Stragenbahnzusammenstost in Ottakring. Zn dem am Sonntag abends aus der Kreuzung der Habichergasse und Herbststraße erfolgten Zusammenstoß zwischen einem von Mariahilf kommenden Zug der Lime „9" und einem zur Stadt fahrenden Zug der Lmie „48" wird ans dem Rathaus noch mitgeteilt: Die Haltestelle der Linie „9" vor der Herbststraße liegt in ein-em großen Gefälle. Der Fahrer des Zuges der Linie „9^verantwortet sich damit, daß die B t c m j c versagt hat und der Zug deshalb mit großer Geschwindigkeit die Haltestelle durchfuhr. Der Zug sprang aus dem Geleise und erfaßte den Berwagen des zur Stadt fahrenden Zuges der Linie „48". Durch den außer» ordentlich starken Anprall wurden auch die beiden Wagen des Zuges der Linie „48" aus dem Geleise gehobeu. Insgesamt wurden 68 Fahrgäste, davon aber nur einige erhMich, verletzt. Die Wagenbeschädiguüg erwies sich als eine sehr schwere. Trotzdem wurden nach dem Unfall Bremsproben vorgenommen, wobei eine gute Wirkniig der Bremseinrichtung festgestellt wurde. Die grün^s?<be Untersuchung der Bromseinrichtungen ist im Zuge. Die Kunstuhr des „Anker". Während der Messe wird täglich, mittags 18 Uhr, die Figurenparade mit Orgelbeglertung vorgeführt werden. Mends Beleuchtung. Tödlicher Unfall beim Automobilrennen in Berchtesgaden. Beim Salzbergrennen des Bayrischen Automobilklubs in Berchtesgaden ereignete sich ein tödlicher Unfall. Der bekannte Kitzbüheler Rennfahrer (Graf) Schlick startete mit seinem Rennwagen, in. welchem auch seine Gattin, eine geborene Gräfin La mb erg, saß. Etiwa 70 Meter nach dem Start fuhr Schlick in einer starken Kurve an den Straßenrand an. Seine Frau wurde herausgeschleudert und erlitt einen komplizierten Sch-ädelbruch, dem sie nach tvenigen Minuten erlag. Jüdisches Realgymnasium, Wien, 2. Bezirk, Castellezgasse Nr. 35, Ausnahmen in die 1. bis 8. Klaffe täglich zwischen 9 und 12 Uhr in der Direkttonskanzlei. Freie Afststentenstelte tm> Kranrenhaus Krr Stadt Wien. Im Krankenhaus der Stadt Men in Lainz wird an der Esten medizinischen Abteilung die Stelle eenes Assistenzarztes besetzt. Die Bezüge eines Assistepzavzites betragen 349 Schilling mvnatlich. ,Hiezu kmntznt ein mionaMcher Wvhnungsgeldzuschuß von 22.4 Schilling, der im Falle der EinräMfilNg einer. Dienstwohnung als Entgelt für Behettung, BeleucktuW und Bedienung abgezogen wird. Gesuche um diese Stelle, die mit den entsprechenden Personaldokumenten und BevwendnnMeUMissen belegt sein müssen, sind spätestens bis zum 17. d. M. im Bureau der Verwaltungsgruppe I, Men, 1. Bezirk, Neues Rathaus, einzubrrngen. Eine 50 Zonttmeter lange Zigarre ivurde anläßlich der Dabakaiusstellung in London von Haoanna« Importeuren dem Lord Birkenhead spendiert. Der Lovd ist lerdenschafilicher Raucher und setzt seinen Ehrgeiz >darein, nur echte Havannas zu rauchen. Das llangste Fovma-t betrug bisher 30 Zentimeter. Mit der Hal'bmeter-Mgarre ist auch dicsj- Rekord gebrochen. Gerichtssaal. Auirag auf Wiederaufnahme de» Verfahre«« gegen Relltz vrosaverr«. Rechtsanwalt Dr. Hans Gürtler, der Rechtsbeistand der Mutter, Tochter mü» Schwester des erschossen«» Staatsopernsäugers Trchan Grosavescu hat beim Wiener Landesgericht einen Antrag ans Wiede-raufnähme des Wer fahren s geg«n Fr an Nelly Gros ave s-en überreicht, der Mit dem Hervorbommen von neuen Tatsachen, die in der Verhandlung irichi bevücksichttgt werden konnten, begründet wird. Der Antrag verweist darauf, daß sich neue Momente ergeben hätten, wonach Nelly Grosavescu die Tötung ihres Aalten planmäßig vvrbereitat und ausgeführt habe. Zur Begründung sagt der Antrag, Frau Grosavescu habe trotz ihres in der Schwurgerichtsverhandlung, tzemachtm Versprechens Memoiren erscheinen lläffen; bei Zutressen der darin behaupteten Tatsachen habe Frau Grosavescu vor Gericht Komödie gespielt, es seien ihr also auch 'nicht jene Umstände zu glauben, auf Grund ivelchen die Geschworenen Srnnesverwirrung im Zeitpunkt der Tat angenommen ha'ben. Der Antrag stellt unter Beweis, daß Nelly Grosavescu bald nach ihrer Heirat mit 'dem Sänger geäußert habe: Man werde sehen, die Ehe werde kein gutes Ende iiehinen, der Revolver werde e nt s ch c i d e u, und dann komme sie toieder zu vhvsm ersten Aänni zurück. Für diese Aeußerung tverdsn rumänische Zeugen geführt. Zu ihrer Schwägerin habe sie kurz vor der Tat gesagt: ,Habe ich nichl das Recht, einen Menschen, der mir das Leben verbittert, zm töten?" Die Schivügerm hübe «p ihrer Aufiegung vor Gericht dieses wichtigen U-mstandeS nicht Cr »vG.nung getan.

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