Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 9 (1927)
- Issue
- Heft 3060 (6.9.1927)
- Date
- 1927-09-06
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
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M. 3000 GM « Mm, StafiOoff Frage ist, fönnan «Jvir aber diese politischen. Bedingungen ändern? Jabvtmfky sagt ja, ich glaube vorläufig nicht. Das ist unser Untevschie-d. Auch aus Grünbaums ganzer Rede habe ich nicht herauSgchört, wie man diese politischen Bedingungen in Vattftim» M ändern hätte. Ich habe noch nicht ein Mittel gehört, norch't einen Weg, der eine zehn Minuten lange Prüfung aushalten könnte. Noch niemand hat gesagt, hier ist etwas, das man prüfen soll, das kcuru zu einem Zweck führen. Jabotinffy beschuldigt die Exekutive, sipeziel mich, daß ich den Weg zu Forderungen an die Regierung obstruiere, indem ich immer behaupte, die politischen Beidirvgungen seien gute. Ich will nur etwas korrigiere!«. Nicht eine Rede ist von mir gehalten worden, in der ich nicht gesagt hätte: Zwar ist das Mandat noch lange nicht erfüllt, zwar Hatzen wir vöele Forderungen zu stellen, aller es Besteht kein Grimd, daß wir heule nicht im größeren Umfange arbeiten als bisher, weim wir grössere Mtttel hätten. Das ist die stets von mir formulierte Dhsse, und diese These ist das einzig Richtige in der jetzigen Situation. Ich glaube wirklich mcht, daß die Legion auch nur für einen Moment ein Mittel wäre, um die politische Lage zu verbessern. Die Legion ist ein Anhängsel gowoitden zu allem anderen, was Jabotinisty sagt. Der einzige Hebel, den man ansetzen konnte, um eine bessere politische Lage herzustellen, ist dir Gewinnung der öffentlilcheu Mernitmg, Mer welche Jabottrrsky so jounderbar gesprochen hat. Ich glaube, daß die öffentliche Meinung des enHiirfchen Volkes sicherlich ein bedeutender Faktor in der Situation ist. Aber die öffentliche Meinung eines Volkes, und insbesondere eines so differenizievten wie das Englands, .ist ein großes Er zie h u n g sw e r k, das nur langsam die Sache erkennen läßt. Wir sind überzeugt, wir alle, daß die ganze Palästina-Politik, die ganze Politik deS nationalen Heims i,n Interesse Englands Liegt. Mer England und die öffentliche Meinung Englands ist noch lange nicht davon überzeugt. Es gibt noch bedeutende Teile der öffentlichen Meinung, ganz gleichgültig, zu wacher Parten und zu welcher Klasse sie gehören, die an unserer Arbeit zweifeln. Reduer führt als Beweis seiner Behauptung die bekannten antizionistifchen S'ch ritte mancher englischer Parlamentarier an und verweist auf die a n t i z i o n i st i s ch e N e s o l u t.i o n des Hvuse of Lords im Juni 1922, wo der Zionismus den besten Verteidiger, hatte, den es gibt, nämlich L o rd Ba'lfour selbst. . Auch die englische Negierung hat ein empfindliches Ohr, und sie weiß, wie weit sie die öffentliche Meinung hinter sich hat. Allerdings ist zuzugeben, daß in vier Jahren die Sache sich geändert hat. Ich teile nicht die Meinung von Herrn Guedalla, daß England jemals sein Wort brechen wird. Je größer eine Natron ist, desto weniger kann sie sich erlauben, mit Dingen zu spijelen, die andoaen heilig sind. Wer wenn heute jemand vor dem englischen Parlament eine Anklage gegen die palästinensische Administration formulieren würde, mit allen Tatsachen, die Sie mrführen, und wenn dann die Regierung darauf antworten würde und es zu einer Abstimmung käme, dann bin ich überzeugt, idaß die überwiegende Majorität des Parlamentes entweder sagen würde: Scheren Sie sich beide zum Teufel, wir wollen davon nichts wissen, oder die Abstirnmung würde das Verhalten der Administration bestätigen Daraus folgt für die Leitung der Politik ein Prinzip, das sich aus zwei Teilen zrüsanunenfetzt: Sv lange eine Koinzidenz der Interessen vorhanden ist, können wir unsere Forderungen so wett treiben wir nur möglich. Ist aber keine Koinzidenz vorhanden, und das ist immer ein bedauerlicher Fall, dann müssen wir bedenken: Sind wir stark genug im Lande, daß unser spezifisches Gewicht diese Reibung überwinden kann, dann. werden wir vorwärts Kommen. Sind wir aber nicht stark genug, dam: werden wir keinen. Erfolg haben. Die politische Leitung der zionistischen Bewegung ist nicht dafür verantwortlich, daß in Palästina solche Verhältnisse sind, Jute sie eben existieren. Wir sind nicht dafür verantwortlich, daß in Palästina so und s oviele Araber sind. Wir sind nicht dafür verantwortlich, daß Palästina k lein ist. Wir sind nicht dafür verantwortlich, daß in Palästina derJordan fließt und nicht der Rhein, uivb daß dort Berge sind und keine Täler. Wir sind nicht dafür, verantwortlich, daß man uns 2000 Jahre lang von Palästitta ferngchalt-eit hat. Das fittb politische Bedmgungien, die gegeben sind, und dilejenügen, die das nicht so nehmen wollen, tato es ist, sind nach Uganda gegangen. Wir aber, die wir nach Palästina gegangen sind, wissen, daß wir uns mtt dieser: Verhältnissen atzfinden müssen. Es ist hart, und ich habe inuner gesägt: Es gibt keinen h c r e ch hä m e l e ch n a ch P a I ä st i n a. Keiner tvivd für Sie oder für mich diese Arbeit rnachen, sondern wir Müssen schon selbst diese politischer: Bedingungen schaffen. Schnlanfantf: Kinder-Westen.S 8*50 Kinder-Pnllover.S 8*50 Jamper*Klei8er.S 35*—, 48’—, 85*— Spetlftlhaus lUr StricKmoden JO. JColzer VI,, MarffdllllefSlr, M (naben Fiottcnidno) n., Tabordtt. 18 (Hofei National) KARLSBAD, Alle Wiese. Wenn der zukünftige Leiter der zionistischen PolMk die Verhandlungen Mit der englischen Regierung führen wird, so wird er es entweder so tun, wie wir es tun, vielleicht besser, vielleicht auch schlechter, oder s e i r: e V e rhandlungenmrtdemEolonialOffrcewerden nur eine Stunde dauern. Als Jabvtrnsty vor die schwere Prüfung gestM war, eine schwere Prüfung für uns alle, das Weißbuch zu unterzeichnen» da hat er nicht die Rede gehalten, wie er sie hier gehalten hat, sondern er hat rmterseichidet. Er hat eben anders gar mcht können. Und wir werden lange arbeiten müssen, bis aus dem Weißbuch ein Mau-' Wsitz-Buch werden wird. OS das also Psychoseist, -vs^übertasse ich dem Urteil der meisten von Ihnen. Aber wahrscheinlich wird in rttcht M ferner Zeit ein anbprie Richter über «ns allen sitzen, vielleicht ei»: noch nnpartzettschewr Richter als dijesew Kongreß. WaS immer aber man auch sagen mag: die zionistische Bewegung ist aus Null während des Krieges zu einer achts am en, respekt: e rt e n Größe angewachsen. Wir haben bei Jveitem und noch lange nicht alles erreicht, aber sieben Jahre sind für Völker eine fahr kurze Zeit. Wir haben eine sehr lange Fwnt zu verteidigen, und unsere Aufgabe ist komplizierter vielleicht als die mancher ovgaltisierter Staaten. Wir sind eine freiwillige Bewegung ohne Exekutivgewalt, rein auf die innere Disziplin und moralische Kraft aufgebaut. Das ist ungeheuer schwer und, weiß Gott, ich habe den größten Preis gezahlt. Und das ist die Qualifikation, die ich von Ihrem zukünftigen Komitee verlangen werde, daß es diesen Preis voll und ganz zahlt. Dann werden Jvir als .Gleicher zu Gleichen reden. Es ist ganz natürlich, daß int Opposition den Tod .des Polizisten ziittevt und nicht die positiven Dinge, die inzwischen geschaffen wurden. Und doch sind in Palästina Dinge geschehen, die von schwerwiegender politischer Bedeutung sind. Wir waren auf hem ganzen Gebiete der Kongjeffimtan, das von großer politischer mch ökonomischer Bedeutung ist, erfolgreich ans Grimd des Malndatos. Das ist etwas, was wohl mehr auswiegt als nrmrches, was hier so. rmsgeschlachtet wird. Nunmehr einige Worte zur Frage Jewrsh A g e r: c y. Ich hoffe, sie wird endlich aufhören, dieSeeschlange zu sein, zu der sie sich allmählich ausgetvcrchsm hat. Wir haben die Priorität auf Palästina nicht cmfgegeben, und die anderen hatten sie nie angenommen. Denn wenn sie es getan hätten, dann wäre eine J ewish Agenchnicht nötig. Deswegen verhandeln jvir ja mit diesen Leutem Ich war gezwungen, wie ich so oft gezwungen bin, nicht aus freien Stücken das zu tun, was ich getan habe. Und ich hatte >den Mut, es auf mich zu nehmen, in der Hoffnung, daß meine zionistischen Freunde in Amerika, rniit denen ich jahrelang aufs innigste zusamrnengearbeitet habe, es verstehen und weiter mtt mir arbeiten werden. Und das ist auch geschehsn. Was die Agency selbst anbelangt, so ist es rnöglich, daß sie gewisse Gefahren in sich schließt, aber ich kann, mich nicht ins Bockshorn jagen lassen, auch wenn man den Teufel an die Waird malt, und kann mich auch nicht der naivetr Auffassung anschließen, daß Jvir mtt den Nichtzionisten zwar in allen ökonomischer: Dingen zusamt en arbeiten sollen, abernicht in den politischen. WissenSie dem: nicht, daß die ökonomischen Dinge in Palästina aufs innigste .mit dem politischen Zusammenhängen? Hat nicht Fatzottnsky selbst feinte Einstvllmrg ganz cvitf ökonomisch-polittscher Grundlnsje aufgebant? Diese Meinung vor: der geteilten Arbett ist eben nur eine Höflichkeitsphrase. In Wirklichkeit schaut die Sache so aus: Euer Geld wollen wir gerne haben, ab e r so nst m i scht eu ch in nichts h i ne rn. Es geht wiMch nicht, das eine von dem anderen zu trennen. Wenn es gelingen tvivd, und ich glaube es, großeSummen nachPalästinazu bringen, dann werden die Nichtzionisten die .von ihnen investierten Summen mit noch größerer Energieauch politischverteidigen, als manche andere es tun. Ich k«me viele solche Beispiele. Geehrter Kongreß, Sie haben die Jewish Agency beschlossen, aber Sie sind souverän und kötmen jederzeit den Beschluß annullieren. Ich ratze Ihnen aber, dies nicht zu tun. Hatzen Sie ihn einmal beschlösse::, dam: geben Sie der Sache eine & ©dpfeHrtOw 188? I Chance, tmb harren Sie erst der Auswirkung. Ein» Diskussion über diese Frage hatte nur vor dem Beschluß einen Sinn. Also ändert enttviedor den Beschluß oder geht vorwärts. Ich werde m ei ne Politik nicht ände t tt, iatb ich werde mich nicht hineinjagen lassen i n e i n c n D ruck, irgendwie auf andere ome Pression ausznüben, die ich nicht für gut halte. C'ost a prendre ou a laisser. Auch in Zukunft werden uns noch weitere Krisen bevorstehen. Dies ist nur eine natürliche Erscheinung in einer sehr schwierigen Arrfgabe. Aber die Exekutive hat diese Krise niemals mvterschätzt und hat ihre ganze Kraft aufgeboten, um sie zu lindern. Mer jetzt ist für den Kongreß eine große Aufgabe Vorhänden, die uns all« vereinigt: nur halbwegs den Versuch zu machen, die Krise zu beseitigen. Ich glaube, das übersteigt nicht die Kraft des Kongresses. Und inuner wieder Joevde ich sagen: Wenn Sie diese temporäre Sache beseitigen, hat alles, was in Palästina gemacht, worden ist, Hand und Fuß. Sorrst werden wir es zerfetzen, sonst werden Sie es selbst in Grund und Boden kritisieren. Die schwersten Anklagen gegen Palästina kommen aus Palästina. Ussischkin hak schon vor vielen Jahren auf Genf und Berlin hingewiesen, aber es glibt eine Nedestolle, iric alle anderen Sollen überragt, und das ist Tel Awiw, wo alles, was Palästina betrifft, aufs schwärzeste gefärbt wird. ES fft gleichsam e i n s a d,i st i s ch e s V e r g n ü g e u, .uns das Schlechteste des Schlechtesten zuzuschreiben. Es ist schn'cr ^t arbeiten, wenn man fortwährend gegen cknon Strom von Zwischenträgerei zu kämpfen hat. Das mrrß aufhören. Die Krise ist auch ein Stück Psychose. Mair kann sich ins Feuer hineinreden und man kann seine Nerven im ' Zaume halten, und das ist jetzt Gebot in dieser schweren Stunde. Alles andere ist Nebensache. Das ist ^das letzte, tvas ich dieisem Kongreß in dieser Stunde zu sagen habe. Wir haben das Schwere aus uns genommen. Wir sind auf die Wanderung gegangen, jahraus, jahrein, Jrnr suchen viellülcht im rückjvärtigen Teil der Front Ordnung zu schaffen, und es ist Sache desjenigen Teiles, der in der vordersten L'in>ie der Front steht, mutig zu sein und weiterzugehen. (Langandauernder Applaus. Der Kongreß erlhxbt sich und stimmt die „Hatibwah" an.) Schluß der Sitzung 1 Uhr 30 Minuten. . . f-H'- Scho» Msder die Abttetum de? PaMinammdates. Diesmal an Deutschland. Pw-ag, 4. SeptemSeir. Das „Prager TagMaÄ" läßt sich aus London berichte«: , . - Die Erklärung auf bm lZkouistönLongveßj, Wonach! das SiMungÄverk in Palästina eine stinanzielle Krise durchwache, bedeutet e ine Seufation für London, da die englischen Berichterstatter aus Palästina wirtschaftliche Schwierigkeiten des «mMchjen Man- , datsgebietes verschwiege«. Da man in Londoner Fmanzkveisen nicht glaubt, daß die Zionisten insstande sind, wettere Mittel aus eigener Kraft aufzübringen, ist nur ■'eine Anleihe unte r englischer Garantie oder unter Garantie des Völkerbundes möglich. In England sind neuerdings sogar Erörterrmgen über die Abtretung des Pälastinamandates an Deuts chland in Gang gekommen, Jveil Deutschland als Nachbar Aegyptens für England weniger bedrohlich ist als Frankreich oder Italien, die sonst Anwartschaft auf die Uebernahme des englischen Marrdates hätten. * Es .ist leider unbekannt, wer der Erfinder dieser!Meldung M Main Mühte chjm oh seiner durch keim Kenntnis getrübten Phantasie die Hochachtung aussprechen. Sett Jahr urä> Tag kennt lEngland die Finanzkrisis in Palästina aus der: Berichten der zionistischen Exekutive, der Banken und der Handelskammern. Eine Ueberraschung kann man sich da gar nicht vorsMen. Es ist auch bekamit, daß England selbst eine Anleihe für Hafenbau und Eisenbahn-Jnvestitton ausgeschrieben hat, die vom Parlament bereits bewilligt jvinrde. Es ist ein beneidewsroerter Optimismus,..der eine M- 1 tretung an Deutschland für möglich hält Und sich zu diesem Zweck sogar bereits Erklärungen erdenkt. Der 15. gionlfteukongreb im Film. . Wie bereits mvtgeteitt, 'hat -das Zionistifche Lan-deskomitee für Oesterreich das Recht zur Verfilmung des Kongresses erhalten. Alle wichtigen Bogebe-nherten des Kongresses, d>le historischen Stätten des 1. Kon.greffes, die Jubilüumsfe'.er im Sta-dtkastno, die Führer und Landsnmn'nschaften wurden ststgehalten. Ausführliche Begloittexte ergänzen den Film. Anfragen wegen Bezug von Kopien oder Entlehnung für einzelne Anfsühruilgen sind an das Zionistische La.ndeskom'.'tee siir Oesterreich, Wien 1. Bezirk, ÄÜrntnerstraße 26, ab 6. d. M. zu richte^ c Las neue Problem: An teure» Telegromm ober et» billiger onoMkllSer LultvoWiel? Ei» Telegramm nach Polenir kostet für gehn Worte £74 Schtllülg, ein Expreßbrief 1.10 Schilling; der Luftpostbrief, tztt in einigen Stunden nach Aufgabe in Wien dem poMßtzii: Adressaten zugestellt wird, nur —.60 Schilling. Ausgabe Det allen Postämtern; arn Apllugstage büs 7 Uhr 20 Min. morgens beim Hauptpostamt.