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Wiener Morgenzeitung · 1927-09-04 · Heft 3058 (4.9.1927) · p. Seite 7

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
9 (1927)
Issue
Heft 3058 (4.9.1927)
Date
1927-09-04
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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Kr. 30öS Men, Sonntag Wiener Morgerrzertimg 4. September 1927 -eite 7 achtung jedes Ernzelschicksales gehören, auch des eigenen. Bei ihm ging dies sogar biA zur Verachtung des Todes. Auf seinem Sterbebett in Edlach frägt er, während das Herz nicht mehr will, seinen Arzt, dem treuen Jünger Marmorek: Wie lange noch? Vielleicht zwei Tage. . . Schön, er hat seiner Mutter etwas Wichtiges zu sagen, ihr feinen Willen für später aufzulegen, es gilt Frau und Kinder, er läßt sie telegraphisch zu sich bitten, es dauert wohl einen Tag oder zwei, doch er, Theodor Herzl, darf nicht früher sterben, will nicht früher sterben, und also stirbt er eben nicht früher. Noch Kämpfer! ,Mer i,mj Wesentlichen ist es sein Wille, der siegt. Die alte Frau; kommt endlich, sie ahnt nicht, daß er im Sterben liegt, er spricht ruhig, scherzend, zärtlich zu ihr, verlangt von ihr jene Zusage, die sie ihm geben soll, hat ihren Schwur, sagt ihr, wohl die Lüge wissend: «Auf Wiederschen! Sie geht, er wendet sich lächelnd zum Arzt. Eine Flasche Champagner, ich habe si.'. mir wohl verdient. Man bringt sie ihm, füllt ein Glas, er leert es langsam, ruft, es an der Wand zerschellend: Evviva die ganze Kumpanei! Dreht sich zur Wand und stirbt. Unvergeßlich, wie er begraben ivurdc, wie hier sein Wille noch nachwirkte, wie er alle^Mäubigen des Zionismus bindet und zusammenballt, Wirkung und Zwang durch di: Worte seines Testamentes siegreich voraus berechnend. Der Sarg in die Zionsfahne gewickelt, das schöne Totengesicht gegen Jerusalem gewendet. Und wie der Brettersarg in die Grube fährt, da ist es ivie ein leidenschaftlicher Schrei Ln den dielen Taufenden, die rings sich drängen, die Mütter aus dem Elendsghetto recken hoch ihre Kinder empor: Verlaß uns nicht! Die alten, würdigen, ehrenwerten Männer, die von überall her aus Europa herbeigcrüst kamen, aus «Ulen Städten der Diaspora, sic schluchzen, heulen, es ist «in Anblick von Erregung, welcher die Reichen und 'Armen, die Gebildeten und Ungebildeten einigt, ist ein besinnungsloser Schmerz, Krampf und zugleich Gelöbnis, und die Journalisten und Dichter, die auch da sind mit ihren Kränzen, sie können sie nicht niederlcgen, die dichte, tobende, kreischende, verzweifelte Menge, diese Juden Theodor Hcrzls, die er er stgelehrt hat, Juden zu sein, Freiheit sich erobernde, ihrer Würde bewußte Menschen, sic versperren den anderen, die den Journalisten, den Kritiker, den Dichter ehren wollten, den Weg. Heimlicher König, Wegweiser, Zionsstern, so steht -dieser große Mensch, der damit den Tod für sich überwunden hat, über ihnen. Nicht wegzudenken aus unserer Erde, auf d:r er kurz, aber gebieterisch und erfüllend gelebt hat. (Aus der Baseler „Nationalzeitung".) Die Lehre von der neuen Raffe md vom neuen Welttehrer. Vortrag der Frau Dr. Annie Besaut Die Dheosophie kann ihre Anhänger nicht nur erleuchten, sie kann sie auch verwirren. Beides tat sich im gestrigen Vortrag der^Frau Annie Besaut, «der Präsidentin der theosophischen Gesellschaft, kund. Eine ungewöhnliche. Frau jedenfalls, Mt ihren 80 Jahren energisch in Haltung, mit weichen, sympathischen Gesichtszügen, eine Halskette umgeian, an der das Swstrka-Zeichen, jenes uralte asiati/chc Symbol, der Ahnherr des Hakenkreuzes, hing, sprach sie völlig frei in ein Publikum, das aus überzeugten Dhevsophen, Neugierigen, Snobisien und skeptischen Rationalisien bestand. Sie legte das theosophische Glaubensbekenntnis ab, das ihr.mehr bedeutet als ein Patent, ein aktivistisches, sozusagen kämpferisches Bekenntnis: Menschheitsvevbrüderung, Studium der Philosophie, Erforschung.der unerforschten Naturgesetze und der im Menschen schlummernden Kräfte, Liebe und — Glaube. Das sind die idealen Ziele einer Bewegung, die einer zerrütteten, 'irreligiösen, materialistischen Wett not tun. Diese Lehre baut sich auf einer Rassenlehre auf. Von einer Wuvzelrasse in Indien sollen die anderen Rassen herstammen, die nun auf theosophischen Pfaden gebessert werden enüssen. In Kalifornien ist bereits ein solch höhergezüchtetes Geschlecht im Werden, mit theosophischen Rassenmerkmalen, mit Kolmen einer bereits veredelten Nasse. Frau Besant verwechselt aus dem Bestreben, ihre Wettheitslehre zu begründen, ethische Vollkommenheit mit anthropologisch ja charakterisierenden Typen, aber sie hat etwas Gutes: den völkischen „Rassefovschern" zu beweisen, daß ihre tangschädeligen, hochgezüchteten Edelprodukte noch nicht von allen als letzte Blüte auf dem Baum -der Menschheit betrachtet werden. Der neuen Rasse muß ein neuer Weltlehrer erstehen. Der theosophische Meltlehrer soll als Byasa nach Indien (60.000. v. Ehr.), als Hermes (40.000 v. Ehr.) nach Aegypten, als Zoroaster nach Persien (26.000 v. Ehr.), als Orpheus nach Griechenland (7000 v. Ehr.), als Buddha nach Indien (600 v. Chr.) gekommen sein. Nun ist fein Medererscheinen fällig. In Krishuamusti kündigt er sich an. Der Einfluß dieser neuen Religion wird die Welt besser .machen, seine Wirksamkeit für das tägliche Leben wird unermeßlich sein. Man soll dieser Welbbeglücktheiit in Demut entgegenleben. In ethischem Sinne ist die von Frau Besant propagierte Lehre nicht zu unterschützen, wenn auch die meisten Forderungen unklar sind, das Programm zu umfangreich. Und man fühlt: ohne solch eine energische, schwärmerische, rednerisch ausgezeichnete Persönlichkeit ist eine Bewegung wie die Dheofophie nicht denkbar, wenn ihr auch der. uiwertilgbave Hang der Menschen zum Mystischen entgegenkommt. Bon einem neuen Messias läßt sich jeder gern erzählen. Das Pnbl.i'kum unterlag «der Suggestionskraft .der ausgezeichneten Rednerin, und im Konzerthaus sah es aus, als würde man dem Blak Bottom Ade sagen und dem neuen Weltlchrc-r sinnend entgegengehen. o. r. | Abschied vom Barlete. Das Schlußprögmmm im „Apollo". Die Direktion des Apollolheatcrs macht einem den Abschied recht schwer. Die Bühne, auf der irr zwei Wochen die Revue ihre Herrschaft antreten wird, wartet noch vor Torschluß mit einem Dutzend „Nummern" aus, die der Tradition dieses Unternehmens alle Ehre machen. Das ganze Repertoire 'des Varietes zwischen Exzentrik und Jllnsion ist hier hervorragend vertreten. Unter Darbietungen, die alle Niveau haben, einige Schlager: Die Tanzkünste des Paares Marthe Krueger und Ladiskaw Karnecki, der drollige Fransky, der schon im Vormonat amüsierte, und vor allem der Eleu des Abends, Okiio, der Zauberer der chinesischen Wunderwelt, ein Beherrscher von Trick und Wissenschaft, ein weiser Gaukler. Geschmack und Auswahl dieses Programmes im Apollo lassen das Aussterben des Genres in Wien 'bedauern. E Die österreichische Tabakregie nimmt an der XIII. Internationalen Wiener Messe in eigenen Pavillons im Hose des Messepalastes und aus dem Rotundengelände teil, in welchem sic ihre sämtlichen Tabakfabrikate in neuester Ausstattung sowie auch entnikotinisiertc Fabrikate fEntni-katinisierungsanstalt August Falk) zur Ausstellung und zum Verkaufe bringt. Im Rotundenpavillon wird die Erzeugung der egyptischen Zigaretten, III. Sorte, verbesserter Qualität, die hiet zuerst zum Verkaufe gelangen, in natura vorgefühhrt. Diese Modenhaus Syiiia eeeeaeeeaoeeeeeeeoeeeoaeeooaeaeeaeeaeoj SIEGM. KORNMEHL GROSSFLEISCHHAUEREI Zentrale: IX. Bezirk, Berggasse 19, Telephon 17-3-99 u. 16-9-34 Lieferant für Heilanstalten Abteilung für ")®5*Fleisch unter Aufsicht des Ehrwürdigen Rabblnats der Isr. 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E Seinem Priuziv getreu, stets nur das Beste zu möglichst billigen Preisen zu foteteit, bringt das populäre Leopoldstädter Warenhaus Brüder Schö:s,st« mann auch diesmal zu Beginn der Hecbstsaison Außerordentliches. Trotzdem die sprunghafte Steigerung der Baumwollprei.se am Weltmarkt eine wesentliche Verteuerung aller Textilwaren bedangt, ist dieses Kaufhaus zufolge lausender Riesenabschlüsse in der angenehmen Lage, alle Herbstneuheiten zu den bekannt billigen Sensation speisen abzugeben. Als besonderer Saisonschlager gelangen in der ' kommenden Woche Prima Sport-Flanelle in >den modernsten Dessins zum Preise von S. —.90 per Meter zum Verkauf. 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Petra liegt, obwohl nur 90 Meilen vom Golf von Malba entfernt, in' einem der verlassensten "eile Arabiens. Der Golf von Malba, eine Einbuchtung des Roten Meeres, gehört seit Jahrhunderten zu den am wenigsten befahrenen Wasserstraßen der Welt. Zwischen der Stadt und dom Meer dehnt sich die Wüste. Unmöglich ist es, einen Zug nach Petra ohne Führung und bewaffnetes Geleit zu unternehmen. In dieser Stadt nun hat ein Beduine ein äußerst sonderbares Abenteuer erlebt. Während er Zwischen Tempelruin cn schleuderte, sackte plötzlich ein Stein unter seinen Füßen fort. Der M a mv fiel in einen Abgrun d, und als er wieder zum Bewußtsein kam, hatte sich die Oeffnung.über seinem Haupte geschlossen. Lange dauerte es, bis es dem Beduinen gelang, in dem Gewölbe einem Gang zu entdecken, der ihn vielleicht wieder anden Tag Zurückbringen.konnte.. An Händen und Füßen kroch er vorwärts. Plötzlich schienen sich die Wände zu weiten und der Beduine gelangte in einen Raum von großen Abmessungen. Boi dem flackernden Licht einer improvisiertcin Fackel entdeckte er Schätze von Edelsteinen und goldenem Zierat. Der Mann wüßte nun nichts Besseres zu tun, als möglichst viel hievon in seinem Kopftuch Zu verbergen und feine Befreiungsversuche fortzusetzen. Nachdem er sich durch eine Reihe von gewundenen Gängen hindurchgetastet hatte, gelang es ihm dann wirklich, aus dem unterirdischen Gewölbe h i n a u sz u k o m m e n. Die Schätze, die er mit sich genommen hatte, fanden ihren Weg zu den Händlern in der heiligen Stadt Mekka. Merslkundige, denen sie zu Gesicht kamen, schätzten das Alter der Schätze aus Tausende von Jahren und behaupteten» daß sie aus der Zeit der Pharaonen stammten. Dieses Erlebnis des Beduinen, phantastisch wie ein Erlebnis nur sein kann, wurde von vielen in das Reich der Fabel Vevwiesen. Wie es aber scheint, trägt sich das Britische Museum mit denr Plan, eine Expedition a.uszurüstyn, unr an Ort und Stelle die Forschungen aufzunehmen. Als Leiter ist der ans dem Kriege bekannte Kolonel L tt wr e n c e anserfehen. Dieser studierte 1914 Archäologie, meldete sich, als der Krieg ausbrach, in das .Heer und wurde nach Aegypten geschickt. Petra ist, ob nun das Erlebnis des Beduinen auf Wahrheit beruht oder nicht, e.ine Stadt voll von Merkwürdigkeiten. Die Stadt liegt in einer tiefen Bodensenkung hinter hohen Felsen. Eine nur wenige Meter breite Spalte gestattet den Zugang. Unmöglich ist es, aus 'Maherem SBccte bineinzugelangen. Steht man m-üreserAelsspalte, so bietet sich als erster Anlblick ein TeiMel"r^"grie-. chisch-römischem Stil dar, der offenbar aus dem FelsmaWV herausgchauen wurde. Die Avaiber nennen dieses Bauwerk „el Kazneh", „die Schatzkammer", weil sich oben auf den Säulen eine ungeheure Urne befindet, die öle Schätze der alten Pharaonen enthalten soll. Solange diese Legende besteht, haben die Araber danach getrachtet, die Urne zu zerstören. Das Gesäß ist Dutzende Male durch Ge», wehrkugeln getroffen, doch nie nennenswert beschädigt wovden. Me Tenrpel, Gebäude und GrMammern find in Pe-. tra aus dem G e st e i n ge h a u en und zeigen äußerlich wenig Spuren von Verfall. Die Farbe des Gesteins war von einem prächtigen milden Rosa, durchädert mit Orange, Gelb, Weiß und Safran. Zu den großen Merkwürdiglkeiten gehört öer Opf erbeog, der das ganze Tal beherrscht und auf dem sich noch zwei weitere Altäre befinden. Hinter diesem Felsen, steht auf einer niedrigeren Erhebung die Ruine einer Burg, die zur Zeit der Kreuzgüge errichtet wurde. Etwas weiter entfernt leuchtet auf einem andren Berg ein Weißes Grabmal. . Die Amber glauben, daß es der Berg ist, auf denr Aron, der Hohepriester der Jirdcn.seine Angen geschlossen hat. Ueberall stößt man in dieser Gegend aNf 'UcberblMfel und Erinnerungen an einesehw alte Zert. Wer die ersten Erbauer der Tempel waren, weiß man nicht. Bereits zur Zeit des Auszuges der Kinder Israels anZ Aegypten war die Stadt unter dem Namen Sela bekannt. Spuren alter ägyptischer Kultur sind in Mengen anizutreffen. Hier haben die römischen Legionen unter Hadrian gelegen, und die Kreuzfahrer haben dann 'mr 12. Jahrhundert mehr als eine Burg errichtet. Nach der Besiegung Saladins geriet die Stadt in Vergessenheit, bis vor ettva hundert Jahren ein Schweizer, Johann B u r ck m. a n n, der die Erzählungen der Araber von einer „rqscnroten Stadt, beinahe so alt wie die Zeit" vomommen hatte, sie wieder entdeckte. Nur wenige sind dort gewesen. Anr langsten der Engländer Lawrence. E Handelslehranstalteu des Gremiums der Wiener Kaufmannschaft. Wiener Hand^lsarademte, I., Mad«niestmtze 12: v.evjährige HandeLsakadenrie für Knaben, MKtuvientenLtrfe und einjährige FachLwse für Herren und Damen. — Handelsakademie für Mädchen^ H., Hollmrdstraße 4: vie>rWvige Handelsakademie, KveMaMge Handelsschu'le und einjähriger Fachkurs für Mädchen. — Gro mral - akadem're, NI., EWPlatz 2; vierjährige HondoEavadomie delsschäcke für Knaben und für für Mädchen. — Na-« e VUL, Hamevlü naben i Fachdrrsi: enkurse rÄlasiige Abiturrente Damen. chen, t _ , „ w.. . frtaitäm AtrYth A Ma .1^1 . „ ArgMtz 6/6: «für Knaben und >für Mädchen, und einjährige Fachkurse für Herren und HandeWhule für Knaben und 'für MüdüÄc für Mädchen, r->

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