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Wiener Morgenzeitung · 1927-09-04 · Heft 3058 (4.9.1927) · p. Seite 6

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
9 (1927)
Issue
Heft 3058 (4.9.1927)
Date
1927-09-04
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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Seit. 6 Wien, Sonntag £=r-rr,-z=-.. ..:.: Dabei glitt i h r das j ü n g st c Li i n d v o in dl r in irn 5> f t c l i n d v-n r c k ß c. n d e u tvlu ß. In ihrer Verzweiflung st ü r l e s i ch d i e Frau f c X b ft in die Flulen. Auch i h r ä l teste s K i n d sprang der Mutter naeb. Die limsteheudeu versuchten sic zu retten, doch konnten sic nur die M n t t c r recht z eiti g au das Ufer ziehen» träbrend die beiden Kinder ertranken. An neuer Szeanflug. Plymouth—Azoren. - Neufunvland-Nem sorl. Plvmorrtli, 3 September. (Router.) Der englische Flieger C o u r t n e y ist um 6 Nhr 26 Mmnten früh zum Flug nach den Vereinigten Stauten via Azoren gestartet. Courtnch wird von zwei Kameraden begleitet. Er führt ein aus Metall bestehendes Wasserflugzeug. Die Flieger werden m Horta auf den Azoren landen und von dort ihren Flug nach Neufundland und New Bork fortseben. Der Gegeiminv. Lond o n, 3. September. (Reuter.) Eine dvahtlosc,Meldung besagt, das; der englische Flieger E o u r t n c y gegen La Corona steuert, da «die Gegenwinde zgewaltig seien, um die Äzoren zu erreichen. Zer Flug Windsor—Windsor. N ewyo r k, 3. September. (Reuter.) Das Flugzeug «pRoyal Windsor", das am 1. September zu einem Fluge nach Windsor in St. John ausgestiegen mar und wegen schlechten Wetters dort nicdergehcn mutzte, ist heute von neuem zum Fluge nach England gestartet. Lie Weltflieger. Bagdad, 3. September. Tic Flieger Brock *iub Schlce sind ans ihrem mit pem;.,StoIz von Xetrott" unternommenen W.eltflug gestern aus Konstantinopel hier eingetrosscn und heute früh zum Flug nach Bender!Albb-as (Persischer Golf) misgestiegen. Dort sind sie, nach den letzten Meldungen, bereits a n g e k o m m c n. London—Johannesburg im Kleinflugzeug. Lyon, 3. September. (Haoas.-) Der englische.Flieger Da n t l c y, der einen Flug £ o it b o n—F o h a n n e s bürg vn Südafrika aus e i n e m K l c i n s l u g z e n g unternimmt, ist heute um ,11 Uhr 54' Minuten in der Richtung nach Pisa aufgestiege' „St- Raphael" verloren? London, 3. September, lieber .das Schicksal des vermißten Ozc-auflugzeuges „St. Rafael" mit dein Piloten iSKKit ch i n und seinen zwei Passagieren liegt bis zur otunoc: keine Nachricht vor. Es steht zu besii'"^" ' ' -M das Flugzeug verloren sei. GelWet! St. John (Neufundland), 3. September. (Reuter.) Nach hier eingetroffenen Meldungen ist das Flugzeug ,ßt. Raphael" auf der Höhe von Labrador gesichtet worden. Die Regierung hat alle Funkstationen, Lcuchttürme und andere Stellen angewiesen, über ihre Beobachtungen zu berichten und Nachforschungen anzustellen. Man fürchtet jedoch, daß, falls das Flugzeug in das so gut wie unbewohnte Innere von Labrador gelangt, die Lage der Flieger hoffnungslos ist. Selbstmord oder verbrechen? Das Verschwinden des Ingenieurs Jacobi. Wie berichtet, war seit dem 15. .August der 38jährige Stadtbauoberkommissär Ingenieur Theodor Jacobi unter seltsamen -Umständen abgängig. Er >var unverheiratet, der Mutter einziger.Sohn, und hat als tüchtiger Beamter, sowie als lebenslustiger, sympathischer Mensch gegolten. .Der Donaukanalinspektion zugeteilt, hatte er im Gebäude der Inspektion am Nußdorfer Spitz seine Dienstwohnung. Ingenieur Jacobi hatte seinen Urlaub in.Golfern verbsacht und war .am 15. August von dort zurückgekehrt. Am 16. August früh hätte er seinen Dienst autreten sollen, ist aber nicht mehr inr Amt erschienen. Bel einer Nachschau in der Wohnung ergab sich, daß fein Revolver fehlte. Nun, wurde die greise Maliter, die ,in Kaschau lebt, derständiigt; sie taki nach Wien. Gestern wurde nun das Sicherheitsburecm aus Györryü in Keliartnis gesetzt, Hatz dort die Leiche eines etwa '-40jährigen Mannes aus dci.n Wasser gezogen wurd«, beiweim man .Briefe amt der Adresse „Theodor Jacobi" fand. Es unterliegt feinonit,Zweifel, daß die Leichs di-e des vermißten Jilgenieurs .ist. An der'Stirne hatte der Tote eine Wunde, die wie eine Schutzwarnde aussieht, vutb im Nacken war eine zweite Wunde, offenbar die Ausschutzwunde. Tckiigemäß kann verniutet werden, daß sich Ingenieur Jacobi *iu Donauufer erschossen hat und ins Wasser gefallen ist. Die Erhebungen werden fortgesetzt. Her neue Reinitz-Prozeß. Am rv. smemver m srntninr. Aus Szatmar wird uns berichtet: Der Massenmörder Reiuitz, der, wie bekannt, wegen Ermordung des Gastwirtes Groß aus Nagybanya zu lebenslänglichem Kerker verurteilt wurde, wird auch der Ermordung des Kauf mannes Eugen Rosmarin beschuldigt. Die Verhandlung über diesen Strassall findet hier am 20. September statt. Reinitz hat seinen früheren Advokaten in Großwardein brieflich gebeten, auch diesmal seine Verteidigung gn übernehmen. Er behauptet nach wie vor, unschuldig zu sein. Wiener Morgenzsiturrg Stryj überschwenunt! Die Not ist großl Stryj er Familien werden gebeten, zwecks Entgegennahme von Berichten und Beratung heute Sonntag, halb 8 Uhr abends, im Klublokal des Cafe Atlashof (!., Ecke Franz Josefskai, gegenüber der Aspernbrücke) zu erscheinen. Dr. Zwi Diesendruck Dr. Joachim Ellner Elias Katz Dr. Tulo Nussenblatt Wolf Neustein Dr. M. Wiindermann oooooQOOQOoooocx)oooooooooooooooooooooo Letzte Sportnachrichten. Nie kurotmmeifteMasten in Bologna, zritzl AM Srltte Wer 100 Meter. — Untat» gewinnt ile WaffervatmelfterWst. — Mvlter nnn viMerger unplnklett. Dcr gestrige Tag brache mehrfache - EiUschej.vu.agskämpfe, deren Resultat für den österreichischen Schwimmsport darin besieht, daß w bloß der Hak oahner in. Fritz i L>öwy gelang, im Freistil über 190 Meter sich in österttichischer 4. September 1027?v. 3058 Rekordzeit (0,21) als Dritte zu placieren. Tie Resultate waren: 100 M c t c r Frei st i l f ü r D a tu c n: Etster Borloui: i. Covper (England) 1.14,1; die Lefterreicherin Mod) nmrec Fünfte in 1.25,5. Zweiter Borlauf: 1. B i e r d a g (Hol lattd) 1.14,4; Fritzi Lölvy wurde hier Vierte in 1.21,2. 100 M e 1 cr Frei st i l für Damen, En.tscheidu.ng: 1. Braun (Holland), 6.11,8, 2. Laverty (England), 6.13,6, 3. Löwy (Lesterreich, Hakoah) 6.21 (Oestcrreichischer Rekord), ■I. Erlciw (Deutschlands 6.27,8, 5. Meduk (Belgien) 6.12. B i c r in a I 100 -Meter-Staffel f ü r D a m c n : 1. England 5.1.1, 2. Holland 5.11,3, 3. Deutsch.and 5.13,8- 1. Oesterreich 5.34. •100 Meter Freistil für H crrc u (F in. ale): 1. Arne Borg, 5.08,6, 2. Heinrich (Deutschland), >5.15,8, 3. Antosch (Tschechoslowakei), 5.16,2, 4. Fcher (Ungarn), >5.28,8. 100 Meter Freistil für Herren: Erster Borlauf: 1. Ba ranh (Ungarn), 1.04; Kvritcr Borlaus: Werner (Schweden), 1.04,8. Der Grazer Rödiger wurde hier Vierter in 1.07,2. Dritter Vorlauf: I. Arne Bo r g, 1.03,6; der Hakoahner Goldberger wurde Vierter in 1.08. 100 Meter Rückcnstil für Herren: Erster Verlaus: 1. Kippe (Deutschland), 1.15,2, 2. Bicskcy (Ungarn), 1.16,6; Rödiger wurde Fünfter in 1.22. Den zweiten Vorlauf gewann der Deutsche Fröhlich in 1.17,1?. Der Ocswrreicher Dwornk wurde hier Dritter in 1.18,2. Das Turmspringen für Damen gewann die Eng«- länderin Wippe Die Wasscrballentschcidung sah die Ungarn siegreich, die Frankreich 3:1 <1:0) - schlugen und somit-zum zweiten Male die Europanieisterschaft gewannen. ,Jn einem Freundschafts-spiel schlug Sch-w-vden. Oeste rreich 4 :2 (3:2). _ Persönliche krinnenmgen M Herz!. Bon Ludwig Bauer. Berns und Schicksal haben niich mit vielen bedeutenden oder doch nur berühmten Menschen zusammengesührt; ich habe Mahlers Dämonie erleben dürfen, den Dichtcrkavalicr Hosmannsthal, saß neben deni alten Ibsen in Christiania und neben Masaryk im Hradschin — kein Mensch aber auch unter den Großen steht so^ stark, so einleuchtend in seiner Größe in meiner Erinnerung als Th eobvrHc'rz'l. Ein Vierteljahrhundert ist seither voräbergeflofsen, es hat von jenem Bilde nichts verwischt. Niemals vielleicht noch hatte die Natur einen Menschen so sehr für seine Aufgabe legitimiert, ihm für seinen Geist den Körper gegeben >vie Theodor Herzl. Wenn man ihn sah, so fühlte man vor seiner ebenmäßigen, edlen und fürstlichen Schönheit die Geirißheit, daß dieser Mensch bedeutend sein mußte. Die schlanke Gestalt wirkte eher größer, als er war, Füße und Hände waren aufs feinste gebildet, die hohe Stirne und die kühne Nase wie modelliert, der schwarze Bart umrahmte das königliche Antlitz, aus dem große blaue Augen' Geist strahlten und doch umschattet schienen wie von tiefer Trauer um sich und um sein Volk und um die Menschen. Seine Vornehmheit war so unwidersprvchlich und bezwingend, daß es ganz unmöglich schien, einen solchen. Menschen zu übersehen oder gering zu schätzen, und dieses Bewußtsein seiner Wichtigkeit und Einmaligkeit war ihm ausgeprägt. Es mag vielen, die ihn nur oberflächlich kannten, Hochnmt geschienen haben, doch ihm war es Bewußtsein seiner Sendung, I Küchen, Vorzimmer I Kinder-». Mädchenzimmer Spezialist 8 MÖBELHAUS WE8SS VII., Neubaugasse fit| die von ihm unzertrennlich war. Es war etwas in ihm, das die Menschen zwang, ihm zu dienen; doch er nahm ihre Dienste nur darum mit königlicher Selbstverständlichkeit hin, iveil er ties in sich fühlte, daß erein Mann der stimmung sei. Auch er diente und gab sich hin, Gut, Geist, Leben, ohne Zögern und Gedanken, diesl könnte anders sein. Es war nicht der Zionist Herzl, zu dem mein Weg mich führte, sondern der Schriftsteller, einer der feinsten Meister der deutschen Sprache, Ehre und Stolz aller Zeitungsschreiber. Aber solche ^isterschaft galt ihm, der in die Fernen sah und in einem Volke wirken wollte, wenig. Eher reizte ihn die Verführung des Theaters, und es >var ihm Schmerz, daß seine Feinheit, die Kunst seines Wortes nichts von jener handfesten Roheit besaß, tvelche die Massen herbeizerrt. Er stand zu einsain, zu fest in sich, als daß er den. einzelnen Menschen so liebevoll betrachten und gestalten konnte, ivie dies dxs Dichters Aufgabe ist. Er sah mehr die Menschen als den Menschen, und wenn, er Kinder schilderte, wie in seinen bezaubernden Mnderfeuille!- tons, so waren es seine Kinder, Landschaften, so war es eine Beivegung in ihr, Künstler und große Menschen, so war es, wie er sich in ihnen abspiegette. Aber ivas egozentrisch scheinen konnte, das war bei, ihm durch'seine Größe und seine Reinheit legitimiert. So anmutig und tief er für seine Zeitung schrieb, es ivar für ihn doch nur eia Nebenbei, ein Gebundensein, eine Fessel, die dieser von Natur aus königliche Mensch nicht ertrug. Und je älter er wurde, und er starb jung, eine Flamme, die sich selbst auszehrt, desto lästiger wurde ihm die Pflicht, so auch noch der geistreichste Wortkünistter, in der deutsch geschriebenen Tagespresse zu sein, desto völliger füllte ihn fein Schicksal aus, den Juden eine Heimstätte wnd, was Mehr rwch vielleicht ist, eine Aufgabe und den Stolz einer Aufgabe zu geben. «Damit die Geduckten wieder aufrecht gingen, Schimpf nicht mehr verspürend, ihr Judentum nicht mehr versteckend, sondern es frei bekennend. Das Werk wuchs über ihn hinaus, und der 15. Zioniftenkongreß in diesem Basel, das den Großen sah, seine Gestalt und seinen Adel, ist heuteein Beweis für ihn und seine Unvcrgänglichkeit. Feierlich grüßt von der Wand des Kongresses sein stolzes Gesicht. Dieser Stolz-machte aus dem jüdischen Journalisten mitten in den Ländern eines triumphierenden undungeistigen Antisemitismus eine unwiderstehliche menschliche Macht. So sagte er mir auf einem der langen Wege, auf denen ich von der Wiener Fichtegasse, aus der >Mitte der Stadt ihn in seine Wohnung weit draußen am Ende der Stadt begleiten durste: Ich habe mit Plehwe gesprochen-de Puissance a Puissance. Und ich fühlte: dies war eine Ehre Nur für Plehwe, eine unverdiente Ehre wohl. So hatte er mit dem Sultan und dem Papst, mit Fürsten und Kaiser verhandelt; nochl stand nichts hinter ihm, er war damals nichts anderes als ein Ideologe und Projektenmacher, und dennoch öffnete sichjedes Tor, wenn Theodor Herzl eintrat. Denn dies war kein Mensch, den man äbweisen konnte; sein Gesicht und Körper, seine Stimme und seine Gestalt erzwangen sich Aufmerksamkeit. Wohl niemals hat ein Mansch gleich ihm ein so vollendetes, so künstlerisch gearbeitetes Deutsch gesprochen; bei anderen hätte es affektiert geklungen, bei ihm war es ganz natürlich, wenn er antiquarische Wendungen eines kostbaren Buchdcutsch anwendete und Worte in die 'Höhe hob wie alte Edelsteine aus einem edlen Schrein. Noch erinnereich mich, wie er einmal sagte: Dieser große Mensch, der da Jöe Chamberlain hieß. - - Dieses „da" war mit feinstem Stilgefühl gesetzt, es hob den starken Engländer heraus, und. unmittelbar danach folgte eine lange Periode, beherrscht, gebaut, und gestaltet wie ein mächtiger Bau : es gab darin. Seitenflügel und krönende Kuppel. Vermutlich war er der einzige zunu Königsein bestimmte Mensch, der seit länger Zeit gelebt hat, und damit soll natürlich nicht gesagt sein, daß er nüt dem Königstitel spielte oder an ihn gedacht hat; aber dieses-angeborene Beherrschen dep Menschendieses sie sich unterovanen, sie ans ihren Platz stellen, sie begeistern können, das ■ war das Königliche. Er hatte seine feinste ^Diplomatie, seine Kunst, Eitelkeiten und Gegensätze nusspielen zu. können, aber niemals übte er sie für sich selbst, sie sollten dienen, um die unausdenkbaren Schwierigkeiten, Haß, Lächerlichkeit, Z>veifel zu besiegen, alles war ihm Waffe und Werkzeug für sein Werk. Wenn er herrschen wollte, so war es, um sein altes Volk emporzuhebon, das er, innen und'außen, adelig und geistig sah, und was ihn gegen jene aufbrächte, die sich« versteckten und sich nicht zu erkennen geben wollten, gegen die Assimilanten, die er in propagandistischer Ucbertreibung als „Mansche!" zusammönfaßte,. das war eben sein natürlicher Stolz, der auch für sein Volk Stolz war und das Unterschlupfen, Ducken und Vermumnien als unwürdig und unmännlich enipfand. Kein eAufgabe auf der Welt schien schlvieriger und aussichtsloser zu sein, als die seine, ufo> nur eben er mit dem Bewußtseeiu seines Wertes und seiner Sendung konnte sie überwinde«. Der Weltgeist hatte sich in ihm für diese Aufgabe das wunderbar geeignete Jnstrilment geschaffen. Schwierigkeiten? Oie schreckten ihn nicht, sie. reizten ihn nur. Er hatte den ungeheuren Willyn der großen Men-' schenbehorrscher, zu denen stets Liebe für alle und Ver- --j*.

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