Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 9 (1927)
- Issue
- Heft 3057 (3.9.1927)
- Date
- 1927-09-03
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
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Seite 4 SBfeit, Samstag Wiener Morgerrzsitmrg 5. September 1887 Nr. 3W7 Klililir-!,»,, k«»sr-rslHs, Nsniil-reiu« s« der Bukowina. BmEar-erst, 2. September. Infolge der Harten, Regengüsse der letzten Tage sind der Prusch und die Bistritz über die Ustr getreten. Der Wasserspiegel des- Prnth ist tcilaveise auf drei Meter gestiegen. Große Ueberschwennnungen werden aus K i m p u l u wg, D-orn awatra und Umgebung, so)nie den Vororten von Cz>ertt’Oitü i tz, wo die Prnkhbnlcke bedroht ist, gemeldet. D4c Städte W-aschkrutz und Wizmtz stehen vollkommen unter Master. ElsenblchnstreUen sind mehrfach beschädigt und der B-e rkehrzwischenKimpulungn n d D ont aw<rt t a ist unterbräche n. Es wurde großer Sachschaden angerichtet. Es sind mehrere M e n s ch c n o p fe r zu beklagen, darunter sechs Grenzsoldaten, die von den Fluten überrascht wurden. Me sasciftischen Jugendorganisation«« in Prag aufgelöst. Prag, 2. September. (Tsch. Die Poliz-ei-Korrcspondeuz nretdet: In der Strafsache des Ueberfalles aus > Dr. Vorel sind bei der Untersuchung Umstände zutage getreten, die den begründeten Verdacht erweckten, daß die Jugendorganisationen der Fascistengiemeinde in G-r oß-Prag "die Bestimmungen des 'Gesetzes znm Schutze der Republik übertreten. Infolgedessen wurde die Tätigkeit der Jugendorganisationen der nationalen fascistischen Öemcmbe Grvß-Prag vym Prager Polizeipräsidium mit dein heutigen Tage eingestellt und die Strafanzeige erstattet. n unerreicht grosser Aoswabl za auflergevrohßlfeh bilHgen Preisen ttarin den » SeMenhttusem wnumn Wien, 1., Tuchlauben 8, und I., Bauernmarkt 2a s 1«.-, IS.-, 0.80 S 4.80, 3.90 Schwere Mantel-Seide ...... Brokat-Seide (Fail Eclair) .... Crepe de Chine, alle Farben... Crepe de Satin, alle Farben ... Crepe Mongol, alle Farben .... Seideü-Kleiaer-Georgette.. £ Crepe de Chine (Brache), alle Farben. . Toil de Soie (Crepe de Chine-Ezsatz) . . 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"Dieser Ausweis würde in jenen Fällen von Staatenlosigkeit in Betracht kommen, wo der Nansen-Paß, der bestehen bleibt, nicht gewährt werden kann. Nicht in Frage käme jedoch die Erteilung des Ersatz-Passes in Fällen, wo, zum Beispiel aus politischen Gründen, jemand sein Heimatland mit dessen Paß in Widerspruch zu den heimischen Gesetzen verlassen hat und wo ihm deshalb die S t a a t sz u g e h ö r i,g k e vt aberkannt worden ist. Er hat daraus mit einem "Gedichte geantwortet, das bis heute das letzte geblieben ist: „Meine Seele beugt sich bis zum Boden unter der Last eurer Liebe. Wch mir, daß ich die kleine Münze in einem leeren Berckel geworden bin, die so viel Lärm macht. Warum seid ihr zu mir gekommen? Warum habt ihr meine Ruhe gestört? Ich bin hin Dichter. Ich bin kein Prophet. Ach bin ein Holzhacker. Meine Axt ist nicht mehr so scharf, wie sie früher war, Md der 'Abend kommt. Ist heute die .Zeit, daß ich zu euch >reden soll und ihr mir Beifall .klatscht? Wer wird Ms morgen schützen und für uns arbeiten? Geht nach Hause. Jeder soll vor seiner Seele und vor seinem >(^Äoissen sich verwarten." So weit geht heute das Ende der Parabel in der Anwicklung dieses Dichters, die ich beschreiben wollte. Wir alle keimen einige Literaturen. Mer ich bezweifle, ob wir noch irgendwo ctu Beispiel finden könneir von solchen'Liedern und solchem Schweigen, wobei das Schweigen selbst ein Lied ist, vielleicht das tiefste und erschütterndste von allen. Und diese Lehre sollte an uns nicht vorübergehen, weil zu uns ein Mensch gekommen ist, wie ihn ein Volk nicht oft bekommt, und von uns wieder weggegangen ist, und uns gesagt hat: Ein .Volk wie ihr hat noch kein Recht aus mich. Es ist umsonst. Ihr dürft euch den Luxus, einen Dichter zu haben, nicht leisten, weil der Ort eines Dichters, eines von tausenden, dort ist, wo auch die tausend sind. Tort, wo er ruft, und wohin die anderen kommen. — Wir haben den Misheach, den Mar dieses Dichters, zerbrochen. Ich glaube, daß wir Bialik schon verloren haben. Er kommt .nicht mehr zurück. Mer für die 'Zukunft möchte ich Ahnen sagen: Wahrscheinlich tverden Dichter dadurch geschaffen, .daß es Menschen gibt für die einfache Arbeit des Holzhauens. Wahrscheinlich liegt das Geheimnis aller Dichtung in uns, «die wir keine Dichter sind und nichts von .Dichtung wissen. Nun wissen wir, tvie inan sin nächsten Geschlecht das Volk reif macht für solche Dichter: Wir, wir im'iffeu die harte Arbeit, das kleine Schassen auf uns nehinen. Und das letzte, was aus der Dichtung Bialiks und aus seinem Schweigen zu uns kommt, ist ein Ruf an die Jugend. Die Jugend ist die letzte Hoffnung. Die Jugend, die irrBiallks Tagen jung war, hat ihn vertrieben. Ein Dichter M Auswanderer im Wasser geworfen. Ei« Irma ans dem MeiilcheaschMMrl. New Park, 1. September. Aus einem Bericht der Polizei in Havanna vernimmt man eine furchtbare, schier unglaublich klingende Schreckenstat, die sich vor einigen Tagen aus der See zwischen Kuba und den Vereinigten Staaten zugetragen hat. 650 Auswanderer, hauptsächlich Gw ve chen und Pollen, die sich in Kuba gesammelt hatten, um irgendwie nach Nordamerika zu gelangen, waren von einem Schmu gg lerschiss ausgenommen worden, das sie angeblich sicher und ungesehen nach -den Vereinigten Skullen bringen sollte. Unterwegs kamen nun kubanische und amerikanische Polizeiboote in Sicht, die Miene machten, das Schmugglerschiff auszubringen. Da entschlossen sich die Piraten zu einer gräßlichen Tat. Sie warfen 300 der Emigranten über Bord, die alle elend ums Leben kamen. Nur 350 der Auswanderer, die sich zur Wehr gesetzt hatten, erreichten ihr Ziel. Nicht« Thayer geisteskrank? Nach einer Agenturmeldung aus Newyork wird aus Worcester (Massachusetts) berichtset, daß Richter Th «her, der bas Todesurteil über Sacoo und Bantzetti gefällt hat, wegen ernster Krankheit (man spricht von einem Nervens cho-ck) das Zimmer hüten müsse. Sein Zustand sei nicht verzweifelt, aber die Gerichtstagung, in der er den Vorsitz führen sollte, Mußte verschoben werden. geht, wenn er keine Antwort bekommt. Ich« will hoffen, daß die neue Jugend diese Lehre verstehen wild- und mit ihrer Hände Arbeit den Boden vorbereitet für einen neuen Dichter. Es ist nicht ratt die Frage des Ächters, es ist die Frage von all den unzähligen Kleinen, die heute einen Ruf, irgendeinen Ruf, von Stadt zu Stadt tragen, und alle mit einem kleinen Altar kommen, und es sich gestatten, Worte zu benutzen, in denen sich ein Abglanz des Bjalikschen Wesens Ausdruck bricht. Und die sich auch oft fragen müssen: Für wen arbeiten wie? Und jeder Zehner in einer Schule, jcder dieser IMenschen ist doch auch nur ein Vertreter dieser Bialik, Herzl, Jehuda, der hier in ihrem Namen Arbeit leistet bei diesen Kindern, die morgen junge Menschen sein werden. iMetne Freunde: Arbeit, 'Arbeit! Auf jeden Ruf mit eitlem Stück Leistung antworten. Das ist nicht nur eine Pflicht, nicht nur das, aber es ist die Hauptbedingung, damit ein Volk seine großen Menschen haben kann. Es ist nicht vielleicht der Flchrer, der die Armee schafft, sondern die tausend IMenschen, die arbeitend die Tribüne errichten für ihre führenden Männer. Eine Tribüne ist zu früh errichtet worden und das hat Bialik vorausgesehen. Er sagt: „Die Bäume im Walde haben vergessen, die Sonne zu erwarten" Und er sagt: „In diesem Walde höre ich plötzlich das Lied einer Nachtigall." 'Waisenlied nennt er es, ein einsames Lied, ohne Zuhörer. So verstand der 17jährige Jüngling seine Rolle. Ich wünsche uns allen, daß es in der nächsten Gerteration nicht mehr so sein soll. Du, arbecke, arbeite dagegen oder arbeite dafür, aber arbeite! Das ist nicht der Ruf eines Agitators. Ich bin einer von euch» wie ihr und wir alle. Und ich habe einen Dichter verloren, und ich fürchte, daß wir so wie ihn vieles andere noch verlieren werden. Und ich möchte nicht, daß das jüdische Leben» dessen wir ein Teil sind, tvie ein Wald wird, dessen Bäume nicht mehr auf den Frühling tvarten. Wir sind arm geblieben, wir sind nackt geblieben, aber wir sollten es nicht bleiben, weil rvir in uns noch vieles haben, das wir der Welt und uns zeigen können. Wir können noch einmal den Völkern geben, wie toir ihnen schon gegeben haben. Aber das wird nicht von den Großen getan. Die wer^ den nur gestaltet aus dem Leben, aus dem, was wir Kleinen in täglicher Arbeit schaffen. (Aus einer Rede im Nationaltheater in Munkarz.) Ser Paris—Bordeaux-Avreß entgleist. Ser LokomttAlthrer tot. — Kein Reljevder verletzt. Pa vis, 8. September. (Havas.) Der Exp re ßzug Paris—Bw rdeaux ist bei Tou r-s entgleist. Der Maschinfüchrer fand Hiebeiden Tod. Die Eisenbahngesellschaft Paris—Orleans teilt mit, daß keine Reise rriden verletzt wurden, Der Sachschaden ist bedeutend. Die wegen der Entgleisung des Zuges eingelcitete Untersuchung hat ergeben, daß es sich um einen Sabotageakt handelt, da die Schienen gelockert worden waren. Die Lokomotive, der Tender und der Packwagen sind mngeworfen worden, wahrenddis fünf Pullmannwagen nur aus den Schienen sprangen. Zu dem'Attentat auf den'Buxllszug Paris—'Bordeaux tverden» noch folgende Einzelheiten bekannt: Die meisten Passagiere lagen im tiefen Schlafe und wurden von einer unbeschreiblichen Panik ersaßt. In dem entgleisten Pullmannwagen befandsich eine ganze Reihe bekannter Persönlich kercken, darunter der amerikanische'Bankier Lehmann und der Sekretär des französischen Außenmrni- J sters Briawd. Ein Lokalaugenschnn hat ergeben, daß ans einer Strecke von 82 Metern die Schraubenbolz-eü von den Schienen ent fernt worden ivaren. Außerdem wurden die M-ele-i'sP verbogen. Der Anschlag muß sich zwischen 1*1' Uhr und Mitternacht ereignet haben. Sine Mette zugsentgleisung. Me Agence Havas berichtet über einen neuerlichen Zugsunfallin iMontauban, Iwv gestern abends der Personenzug Toulouse—Bordeaux knapp nach dem Verlassen des Bahnhofes offenbar infolge falscher Weichjenstellung gegen einen Prellbock stieß, der von der Maschine zertrümmeä wurde. Der Zugssührer wurde getütet, ein Heizer und ein Wagenschaffner leicht verletzt. SchweresllnMck bei einer Stuenfiung Elk Arbeiter getötet. Nach dem ,Mffeler Dagblatt" wurde in einem Basaltsteinbruch in der Nähe von Z i m m e r « r o d-e durch vorHeitige Explosion eines jSprengs chusis-es eine Anzahl Arbeiter von den umherfliegenden Gestei«smassen tödlich getroffen. 11 Arbeiter, zumeist Familienväter, fanden nach den bisher vorlijeyonden Meldungen den Tod. Frau SnMr Glück und Ende. Der Zusammenbruch ver reichsten Frau der Welt. Aus London wird geschrieben: Es steht nunmehr fest, daß durch die Stützungs-, beziehungsweise Liquidierungsmcrßnahmen der Regierung von dem phantastischen Reichtum der FrauSnzuki, die als die reichste Frau der Welt galt, immerhin ein ansehnlicher Teil erhalten bleiben wird. Durch die mißglückten Spekulationen des Rieisenkonzerns der Frau Suzuiki war im April d. I. die halbstaatliche Bank of Taiwan (Formosa)I in Schwierigkeiten geraten. und diqse Fallisements führten zu einer allgelrneinen Bankenlkrise in Japan, die sogar die Adelsbank nicht verschonte, zum Sturz des Kabllretts führte, schließlich aber die Rettung der beidrohten Barllen mit Negierungshiffe zur unumgänglichen Notüvondigi'keit machte. Die Bank of Taiwan wurde gestützt, muß aber fernerhin ihren Wirkungskreis einschräniken. Die aktiven Unternehmungen des Suguiki-Konzerns werden selbständig gemacht, die passiven Gesellschaften werden liquidiert. Es zeigt sich, daß der Madame Suzuki demroch ckn Privatvonnögen von etiva 400 Mlliou«r Neu (200 Millionen Dollar öleiben wird. Auf diesem Neichtrtm liegt aber der Flirch der Armen, imd Fmu SuMki lebt daher zurückgezogen unter falschem Namen im Innern des Landes. An der BankenkrisL war sie nur indirekt schuld, denn diese wäre wegen der schlechten GeschästspolitA der Banken, die in guten Zeiten den Gesarntgewinn als Dividende ausgezahlt hatten, ohne an Rücklagen zu denken, und außerdem auch imch der Katastrophe des Erdbebens und der Weltwirtschaftskrise, früher oder später eingetreten. Hingegen hatte sich Frau Suzuki schon vorher den Haß der VoMmasfett zugezogen, da sie gigantische Neisspekulatiorterr unternahirr uird dadurch das w i ch t i g st e 9! a h r u n g smittel des Volkes verteuerte. Es kam so weit, daß eines Tages Frau Suzuki vor dem Zorn des Volkes aus Tokio s l ü ch t e n mußte, da man sie sonst erschlagen hätte. Madame Suzuki steht derzeit im 70. Lebensjahr. Ihr Aufstieg begmln nach dem Tode ihres Gatten, eines unbe« deutenden Zuckerfabrikanten, im Jahre 1907. Die gesrhäft»« tüchtige Frau war damals 47 Jahre alt. Frau Srrzll'ki verkaufte die Fabrik und begann einen Oirosrhairdel int Reis, Getreide und Zucker, der ihr vor allein wiihreitd des Woltkrveges ungeheure Gewinne abwars. Auf der Insel Focmv'sa errichtete sie die Zentrale eines ---- -kt: