Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 9 (1927)
- Issue
- Heft 3057 (3.9.1927)
- Date
- 1927-09-03
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
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Seite Wien, Samstag Wiener Morgenzeitung 3. -September 1W7 Nr. 3W7 AMMjeüUche Komplotte in Rußland. Agenten der Großsiirften Nikolai Rlkolalewitsch verhaftet. artige äußere Unt'tände zu einem Wvrtbrutt) veranlaßt •.reiben fönn-e. Es sei jedoch sehr fraglich, ob vm englischer zionistischer DelogttMor bernsvn sei. Englands Politik zu verteidigen. Die Sitzung wird sodann abgebrochen, um den Kongreßdelegi-erten die Möglichkeit zu geben, an dem Leich e n b e g ä u g n i <? de-egestern in Basel verstorbenen bessarabischen Delegierten Zakvb W affe r- ■tt a u n teilzunehmen. Der Leichenzug ging an dem Konxreßaebr'inde vorbei und Ussischkin hielt eine (Gedenkrede. Von den österreichischen Delegierten gehört Dr. Sch al i t dem Permanenzansschuß an, D r. G oldst a in m er ist in der Erziehimgskommission und Stricker in der finanzpolitischen Kommission. Morgen abends wird die Generaldebatte abgeschlossen werden. Das Schlußwort wird Wc izm a n n halten. Die Abstimmung über das Absolutorium wird am Sonntag vormittags vorgenommen werden. Re Zusammensetzung des Kongrefisr. 237 Deleglette, 66 Ärmsten. Aus Idcm von Rechtsanwalt Gr o II c m a n n namens des Kongreszgcrichtes vorgcwgtcn Bericht ergibt sich das folgende B:ld des Kongresses: Am Kongreß ieU&undljmcu sind berechtigt: Me Mtgliedec des MtionZkomitces, 11 Mitglieder der Exekutive, 3 Vertreter der Institutionen rmd 2 Kongreßjuristcn ohne Stimmrecht, zusammen 66, ferner 237 Delegierte auf Grund der Wahlen. Wer nicht alle diese Sitze sind besetzt. Für die emzclnon Länder ergibt sich: Auf Grund der E i n h. e i t § l i st e sind auf dem Kongreß vertreten: Amerika mit 53, Kanada 6, Jugof-la-- wien 4, Südafrika 8, Transsylvanien 5, Ungarn 1, Chile 1, Gstland 1, Skandinavien 1, Singapore 1. Getrennt nach Parteien ergibt sich folgendes Resultat: Argentinien: Allg. Zion. 2, Hitachduth 1. Belgien: Allg. Zion. 1. Vesiarabien: Allg. Zion. 1, Hitachtdutih 1. Bukoivina: Allg. Zion. 1. Bulgarien: Allg. Zion. 2, Revisionisten 1. Deutschland: Allg. Zion. 4, Misrachi 4, Poale Zion 3, Radikale 1. England: Allg. Zion. 6, Misrachi 2. Frankreich: Hitachduth 1. Qstgakitzien: Allg. Zion. 5, Misrachi 3, Hitachduth 4. Westgalizren: Allg. Zion. 6, Misrachi 1, Hitachduth 1. Holland: Misrachi 1. Lettland: Revision. 1, Hitachduth 1. Litauen: Allg. Zion. 1, Poale Zion 1, Hitachduth 1. Oesterreich: Allg. Zion. 1, Radikale 1. Palästina: Allg. Zion. 6, Misrachi 4, Porrle Zion 10, Revision. 2, Hitachduth 6. Polen: Allg. Zion. 4,'Misrachi 7, Poale Zion 3, Hitachduth 2, Radikale 2. Rumänien: Allg. Zion. 3, Hitachduth 1, Radikale 2, Revision. 1. Schweiz: Allg. Zion. 1. Syrien: Allg. Zion. 1. Tschechoslowakei: Mg. Zion. 5, Misrachi 1, Radikale 2. Tunis: Revision. 1. Ungarn: Allg. Zion. 1. Chile: Radikale 1. Rußland: Hitachduth 2. Gvuppe Straßburg-Wilna: Mg. Zion 1. Mland-Skandinavien-Singapore: Mg. Zion. 1. Danzig-Aegypten-Danger: Poale Zion 1. Hiezu kommen auf Grund der Welttvahllliste: Allg. Zion 1, Misrachi 3, Poale Zion 3, Hitachduth 1, Revisionisten 4. Außerdem wurde beschlosien, je drei Vertreter der Hitachduth und der Poale Zion als russische Delegierte, aber nur mit beratender Stimme unter gewissen Beschränkungen zuzulassen. Dies soll jedoch kein Präzedenzfall sein. Eine innere and eine äußere PaliMna- Anleihe. Bache l, 1. Septencker. (I. T. Ab) Die Exekutive der Zionistischen Organisation setzte eine Sorrderkomrmission ein, die konkrete Vorschläge bezüglich der Auflegung einer i n n e r j ü d i s ch e n A n l e r h e sow ie einer lAn-lerha auf dem Kapitals'm.ar-k-1 auszuarbeiten haben tvird. Jhvamttervlüsiou in Jerusalem. Gin Attentat gegen die Klagemnner? Berlin, 2. September. Die „Boss. Zeitung" meldet aus Jerusalem: Gegen die KlagemmM der Juden war ein Attentat geplant, das Mach ohne Erfolg geblichen ist. Man hörte plötzlich im südöstlichen Viertel der alSen Stadt eine heftige Explosion; ein arabisches Haus gerade gegenüber der Klagsmauer war vollständig zerstört worden. Vater den Ruinen fand man noch eine MenKe nicht «gplodierüm Dynamits. Das Haus war während der Ex^ofion unbewohnt. Driei verdächtige Personen uurden Verhaftet. Ne Gerächte über die Filchner-ftrpedition. Peking, 2. September. (Reuter.) Eine aus Batang in Tibet kommende Nachricht aus fremder Quelle verweist auf die Möglichkeit, daß es sich bei den Fremden, die kürzlich in Sctschuan von tibetanischen religiösen Fanatikern ermordet' worden fein sollen, unter Umständen nicht um die Herren Mathews o tt, den amerikanischen Missionär P l y m i r e und den deutschen Forschungsreisenden F i l ch n e r handelt. Eine andere Expedition, der eine amerikanische Familie namens D u n c a n und eine kanadische Familie namens M c. Load angchörten, ist, wie sich jetzt herausstellt, in der Nähe von Bmma von Räubern ausgeplinrdert worden. Moskau, 2. Scplemver. (Wolfs.) Die Telegraphenageutur der Soiojetuntern meldet: Das Kollegium der Staatlichen P o I i t i s ch c u V c r w a l t -u n g (0i. P. U.) vcröff-cutlicht eine Mitteilung, in der es heißt, daß i a L e n i u g r a d tu der letzten Zeit in-chrere erneute Versuche, terroristische Mte in der Sotvjetunion zu organisierett, vereitelt wurden, wobei durch die Untersuchung über diese Anschläge die näheren Umstände dar Bmnbenexplosion, die in dem G e s chäfts klnb in Lenin grad am 7. Juni erfolgte, vollkommen aufgedeckt werden konnten. An: 26. Juni tourden bei der Ileber'fchreitung der k e ttische.n Grettzc drei bewaffnete Person ett verhaftet, die als die ehemaligen Offiziere Samoiloiv, S t r o j e w und A d e r k a s festgestellt tmrrden. Sie waren nach ihrer cigemm Anssage von der Pariser Zentrale der russischen Monarchisten (Anhänger deö chetnaligcn Großfürsten Nikolai Nikolajewilfch) zur Organisienmg terroristischer Akte gegen einzelne Vertreter der Kommunistischen Partei und der Sowietgewatt nach Leningrad entsandt worden. Die Verhafteten' gestanden, daß sie b e r u f s m äsz i.g.e Spione seien. Ferner wurden am 23. August in dem Dorfe S ch u j a, Kreis Petroßlwodsk, die Terroristen. B a lmassow, ein Kapitän der Wrangolarmee, und der finnische StaatZangehörige und Spion des finnischen Generalstabcs, S o I s k i, der Enkel des Vorsitzenden des Reichsrates des zaristischen Rußland, verhaftet. Bei den Verhafteten wurden viele Waffen und Sprengftof'f gefunden. Drei Tage vor der Verhaftung wurden in. derselben Gegend die Terroristen S o l o w j c w, direkter Mittäter an der Explosion im Gefchäftsklub, und ein gewisser Scho rin, ehemaliger Offizier, russischer Emigrant und Monarchist, ermittelt. Während der Schießerei wurden Solowjew, Schorn: sowile ein Bauer getötet und drei Rotgardisten verletzt. Nunmehr wurde festgestellt, daß beide Gruppen, sowohl die Gruppe Solist:-Bälmassoiv, wie die Gruppe Solotchew-Scharm von dem Vertreter der monarchistischen Organisation in Helsingfors mit unnnttelbarer Unterstützung von sotten von den: smnländischen G^reralstab anWhörondeir Personlan rmch der Sowjetunion entsandt worden waren. Die f i nnische Grenzwache beförderte die Terroristen über die Grenze. Sprengstoffe und alles zur Herstellung von Bomben Nötige erhielten die Terroristen mit Hilfe von Personen, die dem finnischen - Generalstab angehörten. Den beiden Gruppen war der Auftrag erteilt worden, eine Reihe terroristischer Akte gegen Mitglieder der Sowiet» regiernng zu verüben, ZeitungSredaktioiwi: und Bezirksparteiversamullnuget: in die Luft zu sprenget: und Vergiftungen in ösfeut-- lichen Sperseanstalten und Arbciterspctschallen herbeizuführcn. Balmassow und Solski machten e r sch oft f e i: Aussagen über Vorbereitung und Durchführung der Explosion im Leningra'der Geschäftsklub, die sich mit den Ergebnissen der vo>: der Leningrader staatlichen politischen Verwaltung vorgenommenen Untersttchung deckten. Beide Terroristen- und Spiortagegrnppen werdet: d e nr n ä clsist vor Gericht gestellt.' Mne Schießerei in der Warschauer rusiischeu Gesandtschalt. Wenn m itt der Warschauer russischen Gesandtschaft einen Patz braucht. Aus W a rs ch a u wird gemeldet: Im Lokal der Sowjet-Gesandtschaft geriet ein russischer Emigrant, der ein Visum für die Rückreise nach Rußland -verlangte, in einen Wortwechsel mit den Amtsdienern der Gesandtschaft, wobei er einen derselben mit einem Mess er bedrohte. Der Amtsdwner zog in Notwehr einen Nevolvör und schätz den Emigranten nieder. Der -Leiter der Gesandtschaft benachrichtigte das polnische Ministerium des Aeußern von dem Vorfall und ersuchte um Entsendung einer Ger ich t s -k o m m i s s i o n. Nach Feststellung des Tatbestan-des wird ein amtliches Communiqne Mer diese Angelegenheit veröffentlicht werden. Es war bisher nicht möglich, den Namen des Emigranten festzustellen. Wie -die weiteren Erhebungen ergaben, hat der russische Emigrant, der Josef Trajkowicz heißt, im Jahre 1907 zu Wilna gebürtig und griechisch-orthodoxer Religion ist, während seines Streites mit dem Angestellten der rufsilscheu Paßstelle, Schläfer, der ihm die Ausstellung eines Visums verweigerte, ein Messer gezogen und den Schl-ätfer durch einen Stich ins Gesicht v e r le tz t. Als Trajkowicz nach seiner Tat die Flucht ergriff, wurde er von einem Funktionär der sowjetrnsstfchien Gesandtschuft niedergeschoffen. Der Vorfall hat in Warschau große E r re-g-u n g hervorgerufen. Das sowjetrussische Gesandtschaftsgebäude, vor dem sich eine z-a h l r ei che Mensch e n m e n ge a n g e s a m m e l t hat, wird von starken Poliseiposten Be totr-ift ocx>oocxx»oooocxxxxxxxxxxx?oocxxxooooooocxxxxxx>oQoooooooooooocx»oot30ooooooocxxx»o und.es wird nun für möglich gehalten, daß diese Expedition zum zweitenmal das Opfer eines räuberischen Uebcrfalles geworden ist. Ser Bölkerbundrst. Die erste öffentliche Sitzung. Ge ruf, 2. September. Die ztveite Sitzung des Bölkerbundrates, die als Geheilnsitzung begonnen hatte, rm:rdc um 11 Uhr vormittags als öffentlich erklärt. Sie begann mit einer Beileidskundgebung für den verstorbenen König von Rumänien. In Anwesenheit des Präsidenten der vor kurzem abgehattenen P-re ssekon ferenz des Völkerbundes, Lord Bnrnham, wurde der Bericht über diese Konferenz nach längerer Debatte angenommen. Ferner wurde eine Reihe von Berichten, so über die Verwendung der Danziger Anleche, Mer die Tätigkeit des Wärtsch>a-ftskom itteos, über das' Jn^tti-tut für geistig e Zusammenarbeit usw. angenommen. Mmdirff — PrSlwe« der BSllelbllMerlammliing? Genf, 2. Septencker. (Schw. Dep.-Ag.) Nachdem verschiedene südanrerikatüsche Mächte die Möglichkeit eirrer Kaw didatur?Dr. Guanüs (Uruguay) für die Präsidentschaft der achte:: Völkerbm:dversammlut:g wenig günstig cmfgenom> tnen habet:, wird zurzeit bei det: bereits anweseräeü.Delegationen die Frage erwogen, ob nicht dem Führer der'ö sterreich i s ch e n Dclegatiot:, Meusdorfs, welcher vor dem Kriege österreichisch-ungarischer Botschafter in London loar und der seit der Ausnahme Oesterreichs in den iVölkerbund eine bedeutsame Rolle in der VölkerbuMversaMmLung gespieÄ hat, eine Kandidatur für diesen Posten anzutragen'sti. W oQsetneinee Slichtonsrlstsvakt? Pawt s, 3. September. (Havas.) .„Petit Parkjiien" meldet aus Genf, daß die polnische Regierung am 7. c^er 8. September einen Entwurf zu einem allgemeinen Nichtangriffspakt vorlegen werde. LouAr üverföyrt einen Ravsatzrer. Paris, 2. September.Als Loucheur gestori: abends von Genf zu einem Diner fuhr^ zu demihn Dr. mann mü> dessen Gemahlin eingetader: hatten, überfuhr sein Chauffeur eine:: Radfahrer, der schwor verlecht ivurde. Loucheur ließ den Radfahrer in seinem Krasttvagen ins Hospital bringen, wv der Verletzte heute, g-e - st-0VL«m rL Fmveuels Nachfolger beim VöllLkbunV. Parts, 2. September. (Havas.) Der Winistermt hat heute der: Vorsitzenden der Schatzkonmrission für auswärtige Slngelegenheitet:, Lucien Hubert, an Stelle des Sektors de Jouvenel, der zurückgetreten ist, pan Mitglied der französischen Delegation beim Völkerbund ernannt. Ter volttW-lttanWe Grenzkonslitt. kine angeblich befristete Farberung Polens. K o w n o, 2. September. Wie der litauische Go. neralstab offiziell mittoilt, überreichte eine polnische Deliqgation imSer Führung des Wilnaer Präfekten Lukafiewicz dom Chef de-r litauischen Grenzpolizei an der Demarkationslinile im Dorfe Skirmanisky ein Ultimatum, binnen 48 Stunden drei polnische Mlitärperfonen freizulassen, die zufälligerweise die litauische Grenze überschritt^ hatten und uerhaftet wordm seien. Für den Fall, daß den polnischen Forderungen nicht nachgükommen würde, droht Polen, die Konsequenzen zu ziehen. Das Ultimatum hat in politischen und diplomatischen Kreisen Litauens große Erregung ausgclöst. Im Zusamu^onhang mit dom pölmischon Ultimatmn hat heuto die litauische Regierung an sämtliche brr ihr akkreditierten diplomatischen Vertreter eine Z i u k n larnot o übersandt, worin auf die polnische Aktion hingowiefen wird. Polen dementiert. Wa r.f ch^ u, 2. September. (P. T. Ar) Die Mel. dungsn auswärtiger Blätter über ein Uck t-i m a t u m Polens an Litauton infolge eines Gronzvorfalles ent. b^hr«m j ede r G rmn dlage. Ser Solkvettehr zwischen Lekerreich und der Tschechoslowakei. P ra.^, 2. September. Das Finanzministerium hat zur iBes ch le u n i g u n g des Z o llverke h res an der österveichisch-tschechoslowakischen Grenze die Errichtung eines Zollamtes zweiter Klasse in E tan kau gestattet.