Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 9 (1927)
- Issue
- Heft 3057 (3.9.1927)
- Date
- 1927-09-03
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Polen: 8S gfosjty; iion^reß«M»iiqbc. —;Q||||aHnia||||||a^^ | Preis 20 g Wion: Zum Abholen.in dei Expedition, II., Taborstr. 1-3 oder in einerVerachleißstelle (Trafik) monatl.5 Schilling Straßenverkauf in Wien durch die Kolporteure der Firma Goldschmied. i., Wollzoile 11 Mit Postversand für Wien und Oesterreich monatlich 5 Schilling Tscheche Slowakei*. Mon. K 22. Jugoslawien: Mon. Din. 60. Polen : Mon. 6 Zloty Deutschland: Mon. Qm.4.Frankr eich, Belgien: Mon. Pres. 35 H&chxahlmngen t»e< Preis srhohaogen Torbehalten. . Wiener Morgemenmm England: Mon. 4 Schilling Italien: Monatl. 20 Lire Rumänien: Mon. 170Lei Bul gar ien:Mon.lOO Lewa. S c hw e i z und das übrige Ausland monatlich Pres. 6 E Redaktion, Administration: Wien, II...Taborstr. 1 Telephon: 44-0-38, 43-3-19 Ab 6 Uhr abends: Telephon Nr. 31-0-86 VH., Lerchenfelderstraße 1 (Druckerei „Inva“) Oesterreichisches Postsparkassenkonto Nr. 150.693 Rr. 3987 Wien. Samstag. 3. September 1937 9. Fahrgang Zabotiuflys Krim auf den Simisteakongreß. Sie Administration in Palöstina. — Sin Memorandum des Verbandes der Mischen Industriellen gegen den englisch-syrischen HMdelsderttW. Ae Jewish Wentv. — Heute RachtsttzKW. (Bon unserem Berichterstatter.) o. 2., Bas el, 2. September. (Telephonisch.) Fünfte Sitzung. Freitag vormittag«. Im redaktionellen Teil enthaltene entgeltliche Mitteilungen sind Lurch ein oorangesetztes P gekennzeichnet. Ae Resultate «et Söricher Konferenz. Von Professor Simon Dubnow. Wie bekannt, hat der jüdische Historiker Professor Simon Dubnlow an der Wischen Rechtsschutzkonferenz in Zürich t^ilgenommen. Er wurde auch in den Rat gewählt. Der Vertreter der Jüdischen Telegrapheu-Agentuv wandte sich an Professor Dubnow mach dessen Rückkehr nach Berlin mit der Bitte, sich Wer die prinzipielle Bedeutung und die Errungenschaften der Züricher Konferenz zu äußern. Die prinzipielle Beideutung der Konferenz, an der sich jüdische Vertreter aus Europa, Amerika und Palästina beteiligt häben,liegt darin, daß sieschon allein durch ihre Existenz d i e n a t i o n a l e E i n h e i t d e s j ü d i s ch e n BoIkesi> n d e r g a n z e n Welt proklamiert hat. Dies bedeutet einen indirekten Protest gegen jenes falsche Prinzip, das in Westeuropa in den letzten 120 Jahren — seit dem Pariser Synhedrion vom Jahre 1807 — vorherrschend war: die Juden in den verschiedenen Ländern seien Bestandteile der sie umgebenden Völker. In Zürich traten die jüdischen Vertreter als Bürger ihrer Länder aus, zugleich aber als Kinder der jüdischen Nation. . .Die Konferenz hat d i e Basis des Rechtskampfes für die jüdischen nationalen Minderheiten verbreitert. Indem 'öte Wische Minderheit' in.jedem' Lande für. die wirkliche Gleichberechtigmig mit parlamentarischen Mitteln kämpft, hat sie jetzt auch die Möglichkeit, an den Völkerbund als den Garanten für alle Minderheitsrechte zu appellieren. Zu diesem Zwacke wurde der Council on the Rights of Jewish Minorities geschaffen. E Unsere Gegner in Westeuropa, die im Nmnen eines kleinen Teiles assimilierter Juden (und dazu noch ohne jede Vollmacht) sprechen, haben sich aus prinzipiellen und taktischen Gründen an unserer Konferenz nicht beteiligt: sie sind Gegner einer jüdischen nationalen Politik und eines .offenen Kampfes für unsere bürgerlichen und nationalen Rechte. Wir hoffen, daß die besseren und jüngeren Kräfte des Westjudentums nach der vollständigen Diskreditierung der Wffimilationspo'litik zu uns kommen werden. Die „Agudas Jisroel" verfällt in den Fehler jeder klerikalen Organisation: sie sieht nicht das Volk außerhalb der Kirche; außerdem vermag sic es nicht, sich von servilen Methoden frei zu halten. Sie hat aber eine Alternative vor sich: sich entweder von dom gangen dynamischen und progressiven Judentum abzusondern, und in der neuen säkularisierten Welt langsam dem Tode entgegenzugehen, oder sich allen frischen Kräften der ansilebenden jüdischen Nation anzuschließen und für sich die echt religiöse (nicht aber klerikale) Farbe des Judentums zu betvahren. Was den sozialistischen „B u n d" anlangt, der ebenfalls der neuen Organisation nicht beigetreten ist, so erklärt sich dies durch seine blinde Dogmatik, die eine Antithese schafft zwischen Klassenkampf und Klal-Jisrael- Politik. Zum Unterschiede von anderen sozialistischen Gruppen haben sich die „Bundisten" noch nicht zu jener großen Synthese emporgerungen, die es möglich macht, innerhalb der Arbeiterinter nationale und gleichzeitig innerhalb der großen interpar- : erlichen jüdischen Internationale der I j a n 3 e ti SB e 11 tätig zu sein. Mit der Zeit werden sie sich I aber entscheiden müssen: entweder außerhalb der die Ideale! des Völkerbundes verkörpernden pazifistischen Bowegung zu! bleiben, oder in jene Bewegung einzutreten, die die ganze! Welt, mit Ausnahme der militaristischen . Re- ' aktion, umfassen mutz, und ferner mi-jzuhelfen an der s internationalen Lösung der jüdischen Frage. In Fortsetzung der Generaldebatte sprach heute vormittags zunächst der palästinensische SlrbeitevdsliggSerte Glusko namens der I e m e n i t e n. Er wirft der Exekutive vor, die Beschlüsse des Wiener Kongresses bezüglich der Jemeniten nicht eingehalten zu haben. Die Jemeniten fordern die Gründung einer Einwandcrungskommission i n Aden, ferner genügenden Boden vom Nationalfonds und gleiches Recht zur Arbeit in allen Zweigen.. Der nächste Redner ist Jichotinsky. 'Seine oppositionelle, in 'der Form mähvolle und herzhafte Rede, die auf den ganzen. Kongreß, außerordentlich tief gewirkt hat, ist bisher der Höhepunkt der Verhandlungen gewesen. Jabotinsky nimmt das Wort Sokolows auf und unterstreicht es: „Rühren Sie sich nicht von hier weg, bevor d erKrise nicht abgehoben i st." Eines der Mittel zur Abhilfe wäre die Unterbringung der Arbeitslosen in der hoffnungsvollen palästinensischen Industrie, die von der Regierung feindlich behandelt wird. Jabotinsky verliest ein Memorandum der palästinensischen Industriellen, in welchem es unter anderem heißt: „Die zionistische Politik ist hier ohne jeden Einfluß auf die wirtschaftlichen Maßnahmen der Regierung, welche ausgesprochen antizionistische Tendenzen habe." Es wird weiter erklärt, daß der kürzlich zwischen der englischen Regierung und der französischen Mandatsvevwaltmrg in Syrien abgeschlossene Vertrag eine Schädigung der jüdischen Industriellen bedeutet. In der palästinensischen Schutz truppe, sagt Jabotinsky, sind nur mehr einzelne Engländer und ein paar Juden, die erdrückende Mehrheit aber besteht aus nichtjüdischen Eingeborenen. „Ich w ill v on Euch Männern der E x e >k u t i v e n i ch t h ö r e n, daß ihr nicht wißt, was dieser Zustand bedeut e t." Und nun komme man und erkläre, trotz der Steuerlast, trotz der schikanös-en Behandlung der Industrie und trotz des polizeilichen Zustandes inlmer wieder vor aller Oeffentlichkeit, daß -der politische Zustand in Palästina befriedigend ist. Wer auf Sparsamkeit drängt, muß vor allem dafür sorgen, daß die Wirtschaft nicht von der Mandatsuracht erdrosselt wird. Man muß das Danaidenfaß von unten schließen. Jabotinsky fragt den Kongreß: Sind die eingestandenen zehn Millionen Pfund, die innerhalb der. letzten zehn Jahre nach Palästina geflossen sind, wirklich eine so karge Mitgift der 72.000 Einwanderer, über die die schwere Krise kommen mutzte, und tragen da wirklich die Juden die Hauptschuld, weil sie zu wenig Opfer brachten? Verlassen wir nicht diesen Saalbevor wir nicht unsere eigene Obstruktiv« gegen das Palästinawerk inhibiert haben. Auch wir Revisionisten sind für die Zusammenarbeit mit den Nichtzionisten, aber nur auf ökonomischem, nicht auf politischem Gebiet. Das Rezept 50 : 50 (in der Zusammensetzung der erweiterten Jewish Agency) muß ja ehrlich befolgt werden, und das bedeutet das Ende des zionistischen Parlaments. Der Burgfrieden ist möglich durch Errichtung eines Zweikammersystems in dem Sinne, daß die politische Funktion in den Händen der Zionisten bleibt. 'Jabotinsky schließt mit den Worten: Wtir glauben fest an den Judenstaat und an die Macht unseror gerechten Sache. Mr glauben fest an das englische Volk und seine öffentliche Meinung/ wir glanbpn an die Macht des jüdischen Volkes, an die Verlätzlichkeit unserer Partner und an die Ehrlichkeit Englands. Mr haben nur kein Vertrauen zu einigen Menschen und das kann der Kongreß ändern. Der nächste Redner ist Delogierter Dr. Meier Ebner für. die Bukowinaer. Landsmannschaft: Im Gegensatz zu Grünbaum und Jabotinsky rufen wir Weizmann zu: Gehen Sic nicht! Die Kongretzwcchlen haben mit überwältigender Majorität für Weizmann entschieden. Unser Vertreter ist kein Leisetreter und hat nichts unterlassen. Auch Jabotinsky müßte Wasser in seinen Wein gießen, wenn er die Leitung übernehmen sollte. Heute ist das zionistische Weh nur aus einem Punkte zu kurieren: Aus dem Geldpunkt. Wir Zionisten haben nicht die Kraft, Erez Israel allein aufzubauen. Die einzige Möglichkeit, Geld zu beschaffen, ist die erw eiterte Agency. Wir votieren dem Führer das Vertrauen. Sein Name ist in der Geschichte nicht kleiner als der Name Herzks. Sechste Sitzung. 3. September nachmittags. Die Generaldebatte ist heute bei Sabbateingang abgebrochen worden und geht morgen abends weiter. In der Nachmittagssitzung hielt Dr. Ostas Thon (Allgvmorne Zionisten) eine'bemerkenswerte Rede, die ein warmes Bekenntnis zu Weizmann. darstellte. Weizmann spricht zur englischen Regierung bestimmt so energisch, wie Jabotinsky hier am Kongreß. Ich liebe Jabotinsky als Kronprätendenten, aber nicht als K.önigsmacher. (Diese Aeußerung bezieht sich aüf eine Wendung Jabotinskys, in der er auf die Bedeutung Stephen Wises hingewiesen hatte.) Sehr scharf wendet sich Dr. Thon gegen den offiziösen deutschen Zionismus und übt scharfe 'Kritik an der „Jüdi- ( scheu Rundschau", die den jüdischem Staatsgodanken gerad«.M begrabe und frevelhaften Defaitismus treibe. Der englische Delegierte Guedalla sagte, wenn man soviel und so häufig von Englands Wortbruch spreche, so könnte es dazu kommen, daß England tatsächlich sein Wort bricht. Daraufhin erhebt sich. Stephen W ise von seinem Platz im Plenum und sagt englisch, er habe eine viel zu hohe Meinung vom englischen Volk, als daß es durch derausnahmslos zu unerreicht billigen Preisen nur bei Kann & Fried VI., Linke Wienzeile 40 L-M