Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 9 (1927)
- Issue
- Heft 3056 (2.9.1927)
- Date
- 1927-09-02
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Sette S Wien, Freitag Wiener Morgeirzo. nng 2. September 198'/ Nr. 8066 Die SHÄera im Sr«!- uf« { g m, 30. August. (I. T. A.) Jur Irak .avisiert iWie bereits genrelbet. Die Mt>.) eine Choleraepid-emre. Die RegienrruM von Palästina, .Trnnsjvrkimien, Syrien Mki> LlegMen herben beschlossen, «ulen aus diesem Gebiete eintceffenden PsrsEN «ine f-ünfLcrgihe ^)uautit t.ä-n « .mtfzrrrrl-AM. Irr AZsstavd der Lrprakrimten. In Za o Pa ul o ha! sich Ende Juliet:: Aufit-.inv erebgnrr, üer ebenso ungewöhnlich wie furchtbar in seinen Folgen tvar. In der Ausstttzigeirkvlonü: Prndamonhanga rotteten sich die icpra kranken Männer zuÄmnrcn, um an der Bevölkerung, von der sie höchst kümnreMch durch Almosen erhalten wurden, furchtbare Rache zu neürnen. Sie zogen in -das Stadtinmrs und drangen in die öffentlichen Lokale, Cafes und Restaurants ein, mn in möglichst enge Berührung mit der gesunden Bevölkerung zu kommen. Ms diese die Absicht der revoltierenden Aussätzigen erkannte, bemächtigt« sich ihrer erne ungeheure Panik. Nun begann eirre erbitterte Berfol-gurpg der Kranken, -die sich in alle HirnMolsrichtungen zerstreuten. Ein Teil floh auf der Lmrdistraße, die von Sao Pa-u'lo nach Rio de Janeiro führt. Bei der Wucht der Unseligen ereignete sich ein grauenhafter Vorfall, der die Bevölkerung von ganz Sao Paulo mit Entsetzen erfüllt hat. Einer der Aussätzigen ritz ein ahnungslos vor der elterkttcheu Wohnung spielendes Kind an sich, biß das ung.lÄck Ische Geschöpf und rieb die frische Wunde an seinen schreMcheu Geschwüren. Ehe die BaKswut ihn erreichen konnte, tvar. der Rrchscke verschulden. Wch^n, % Septemve-r. DM^WrrVerHWMriU. Snt Seitavtffiel der g^ftrigerr Rrnrrmer „AuMrrung und Verständigung" ist in der dritten Spalte (Zesle 10 Von unten) richtig Zu lessnt ,Me die anfimgjkich fern d Ist che Stimnnma aWaute." Das WeÄer. Der gestrige Dag brächte nach bangerer Ponse wieder sopÄnerkstd Schörrwettzer. Die Voraussage Mndigt zwneWöende B e m ö tk u n g und leichte Nieder? chlü g e an. Der Stand der Arbtttslosigreit. Der Stand der rurterstützten ArtbeiiZlosen ln Wien ist m der zweiten Hülste - des Mmrats August -um 1181 aus 74.225 zurnckgega ngen. Damit -ist der Stand u-m 9347 niedriger als nu Borsahr. Mevrrt Bnese werden in Oesterreich ^fördert? Auf Gmind des statistischen Materials wurde festgestellt, daß der Postbetrieb in Oesterreich im Jahre 1924 an Briefsendungeu .für das Inland 497,500.000 Stück, für das Ausland 137,460.600 Stück abzusertigen hatte, im Jahre 1925 .für das Inland 534,2304)00 Stück, für das Ausland 149,081.900. im Jahre 1938 für das Inland 634,480.000 Stück, für das Ausland 160,409.000 Stück. Postanweisungen wurden abgefertigt im Jcchre 1924 um die runde Summe von 180,000.000 Schilling. 1925 um 308,600.000 Schilling, 1926 um 394,500.600 Schilling. Die Paketpost betrug'im Jahre 1924 12,787.000 Stück, 1935 15,410.00 Stück, 1926 16,452.900 Stück. An Post-, Telegraphen- und Fer-lrs'prechangestellten gab es im Jahre 1si21 37.531, 4m Jahre 1924 27.987, :m Jare 1925 24.747 und im Jahre 1926 24.974. Außerordentliche Universitätsprostssoreru Der Bundesprasident hat mit Entschließung vom 11. August d. I. cm der Universität in Wien dem Privatdozenten für innere Medizin Dr. Julius Donath, dem Privatdozenten für WnderheiMlnde Dr. Ichdolf' Ne u ra th, -dem Privatdozenten für Geschlechts- und Hautkrankheiten Dr. Haus Königstein, dem Privatdozenten für Urologie Dr. Rudolf Paschkis. dem Privatdozentsn für medizinische Radiologie Dr. Martin Haudek, dem Pri-vatdozenten für Zahn Heilkunde Dr. Mbm Oppenheim, dem Privatdozenten für Chirurgie Dr. Sigmund Erd heim, dem Privatd ozenten für allgemeine und experimentelle Pathologie Dr. Msd. et Phil. Bruno Busson, dem Privatdozenten für Chirurgie Dr. Durghard Br e itne r und dem Privatdozenten für Histologie Dr. Vikvor Patz eilt den Titel eines außerordentlichen Universitäts- Professors verliehen. Ferner hat der Bundesprasideni den ordentlichen Professor «für Geognvsie an -der Hochschule für Bodenkultur Dr. Alfred Himmelbauer zum oroentlichen Professor für Mineralogie und Petrographie an der Universität in Men ernannt. Der DüenMann mit dem- Mertromobrt. M Montag werden die ersten Dienskmänner mit Elektro m obi £sen für den GepäckKtransport ausstestnttet fein. Der erste Standplatz befindet sich auf dem Franziskanerplatz, weirere Standplätze werden au Bahnhöfen und an Verkehrsneichen Punkten eingerichtet . werden. Der M enst mann ist mit diesem Fahrzeug inrstande, Waren und Gepäck bis 1000 Kilogramm zu transportieym. Der FahrMtomxter wird mit 60 Groschen berechnet, das aufgegebene Gepäck ist bis zum Werte von 300 SchilliW versichert. Wird eln Täenstmann,zunr Elektrotranspoxk benötigt, so ist entweder der nächste erreichbare Drenstmann zu verständigen ode* die Nummer 78-106 änzurusen. Das Elektromobil holt Gepäck pder Ware vvn der Wohnung, dem! Geschäft äoer vom Bahnhdf ab. LebieusmEn'. Der 26jährige Vertreter Hersch T. jagte sich gestern in feiner Wohnung in der Daborstratze aus einem Revolver eiste Kugel ln die Schläfe und wurde von dev RettungsgeseWschaft iuS Spital der Barmherzigen Brüder gebracht, wo er bald darauf starb. Tter Verlust eines größeren Cjeldbetragies soll ihn irt den Tod getrieben h.chen. — Die 15Mrige Irma L., 10. Bezirk, Laxenburgierstraße wohnhaft, sprang gestern vormittags in eintn Ziegelteich rn der Nteilreichgasfe. Feuerwehr konnte sie nach halbstündiger AÄbieir bergen; allein dije Nettungsgesellfchas't stellte nur mehr d^n Eintritt des Todes fest. Ursache der TÄ soll häuslicher Zwist sein. — Die MMrige Hrlssarbeioerin Hermwe F., 17. Bezirk, Rötzergasse wohnbaft, nahm Verona! und starb bald daraus im AllgemelNeu Krankenhaus. Me Ursachen der Tat sind Krankheit und rchglückliche Liebe. — Arn 31. v. M. wurde nächst dem Gerrsetdespeicher des Städtischen Lagerhauses die 'Leiche ernes älleren Mannes aus der Donau gezogen. Sie wurde als die des 80jährigen Teppichhändlers Isaak A. aus Widiu in Bulgarien erkannt, der zuletzt im Hotcl Wieninger iTt dm Sentperstratze gewohnt hat. Der Mann war fett vgei Lägen Vermißt und hat lvahrscheinlich wegen schwerer Krankheit und urtgttnstig-r finanzieller VerhaltrrPe Selbstmord beganas» Ein verfchlvustdener Scheck. Ein Hiebes Bankhaus gab anr 1Ä. v. M. im Postamt Wcrdertorgassc unter der Nummer „R 3730" einen rekomnmndierten Brief an die Banque Franco-Belge de Bulgarie in Sofia ans, der den Scheck Nr. 61418/10453 auf 17.618 Reichsmark (ungefähr 30.000 Schilling, gezogen auf das Bankhaus A. E. Wassernrann in Berlin, enthielt. Wie Nunmehr ftstgesteM wurde, ist der Brief init dem Scheck an seinem Bcstinrmnngsort nicht cinaelangt. Der Brief war hier ordnnngSinätzig vorn Postamt Werdertiorgasse zum Postamt Nr. 76 (Ostbahnhos) weiüergeheitet worden und rst inr versiegelten Brieffack am 19. v. M. im Postamt angekommen. Vorn Ostbahnbos ist der Brief dann abgegangen. Wo der Diebstahl verübt wurde, ist noch nicht festgestellt. Der Scheck wurde telegraphisch gesperrt. Großer Kaffeneirrvruch tn »er Jnmwen Staidt. Gestern nachts nmrde bei der Getreidehandelsfirma Braun u. Lustig, 1. Bezirk, Postaafsle 1, ein Kasselreinbru ch verüb5, bei dem den Tätern 24.000 Schilling in die Hände fielen. Die Täter haben sich w-ahrfch.sinlich Mittwoch abends vor Torsperre eingeschlichen und sind in die Bureauräunre eingedru»vgen. Die "Hausbesorgerin hat zwei verdächtige- Minner beobachtet, deren Personsbeschreibung sie angeben konnte. Die Täter konnten bisher nicht arrsgeforscht werden. Mafsemrergiftung vnrch In Brieg in SckMficn ^rkraEetl 30 Personen unter schweren Vergistuirg-ceciinungen nach dem Genüsse von Fleisch- und Wurstwaren, die eine oberschlesische Hausterxrin verkauft hatte. N e u n Personen wurden in ved»nklichem Zustand in das Kran^nhaus gebracht. E Wchtrge Mitteilung. Zur bcAinneu.den Hevbsfiaison bringen die Mvei bestbekännten Seioenhäuser S. Muheim, 1. Bezirk, Durylauben 8, und 1. Bezirk, Bauernmarkt 2 a, schon jetzt die allernoueston Ssidervstoffe in enormer Auswahl zu cmtzergewöhnklich billigen Preisen:. Crepe Mongol 16.80, Crepe Satin 16.50, Marokain 17.—, Sriden-Georgette 11.—, 7.80, Crepe de Chine, alle Modasarben, 11L0, 9.60, 6.50, Seiden-Bvokate (iFail'eclairs 3.90, schwere ManteifÄde 15.—, 9.80, Toll de Soi (Crepe de Chine-Grsatz) 6.80, Japan Pongis 2.90, Engl. Kleidevsamte 9.80, HuLamte (Silkina) 4.80, 3.90. Seide nreste werden zu -halben Preisen abgegeben. Die lebende Uhr. Die Gabe, genau zu wissen, wie spät es ist, ohne daß m<.ui nach der Uhr sieht, ist nur wenigen Sterblichen geschenkt. Ein solcher Bevorzugter ist der englische Uhrmacher B. Penney, dessen merkwürdige Fähigkeit.kürzlich von der Brvtisehen Medizinischen und Physikalischen Gesellschaft näher untersucht wurde. Wahrend ander-« Sterbliche sich bei der Zeitangabe gewöhnlich nm eine halbe Stund« und ineh-r irren, gib-t Jenirey die ricyti Zeit bei Tag und Nacht bis aus eine halbe Minute an. Er i; ■in feinem Benrfe zahlreiche Uhren aufz-uziehen, nnd er glau^ ldatz seine Gabe entstanden ist ans der Notwendigkeit, immer genau zu wissen, wie spät es ist. Be: den Prüfungerr suchte man Jenney auf jade Weise zu zerstreuen und abzulenkeir: man führte ihn in ein aufregendes Theaterstück, setzte ihm ein ausgezeichnetes Essen vor und gab ihm visl Alkohol zu trinken. Aber 6ic größte Abweichung von der richtigen Zeit, die man bei seinen Angaben feststeilen konnte, war nur V\ Minute. Jenney glaubt, daß die Exaktheit seiner Aussage non seine'.n GesundheibSznstand abhängt; an nranchen Tagen geht diese „lebendige Uhr" eine halbe Minute vor, an anderen eine halbe Minute nach, aber so etwas pasiiert ja auch bei anderen Uhien- Der Hmrd im Flugzeug. Die Leitung der deutschen Staatlichen Zucht« und Abrichte, anstatt für Polizeihunde ließ kürzlich mit einer ihr gehörigen Schäferhündin ein interessantes Experiment durchführen. D.e Hüirdin wurde i-m Flugzeug von Berlin über Dresden und. Prag nach Wen geschafft; der Zrveck war, sestzustellen, wie sich Polizeihunde bei und nach einem Flug ve-ryalten und hierbei ein Urteil darüber zu gewinnen, ob eS möglich ist, diese Hunde nach einem Flug ohne weiteres zu ihrer gewohnten Nusttärungstätigkeit zu verwenden. Vor dem Abflug, auf deu Zw'ischenlondeplätzen und nach der Anklcnft wurde das Tier sorgsälÄg auf Puls, Temperatur und allgemeinen Kör.perzustand untersucht. Änschlietzend wurde die Hündin in Wien für verschiedene Versuchsaufgaben angesetzt, lieber den Gei'amterso'g soll seinerzeit noch Bericht erstattet werden. % m linÜPPlSC—ES tCBEÜia Me MsÄlmdenmsrtzrMuugen in Polen werven ausgehove». Zu unserem gesrrigen Bericht über dis schckanöstu Auswandererprüfungen in Polen wird uns nah ans Warschau gemeldet: Es handelte sich in den meisten Fälieu um Frauen, deren Ehemänner in Amerika bereits das Bürgerrecht erworben haben und die nunmehr ihren Gatten nach Amerika folgen wollen. Unter dem Vorwand, daß es sich mn die Feststellung handle, ob die Frau im Vollbesitz ihrer gjrrstigen Kräfte ist, wurden an die Frauen die unglaublich.reu ^cageu gestellt. Das Außenministerium, auf dieses sonderbare Verhalten der amerikanischen Konsulate aufmerksam gemacht, konnte bei seiner energischen Intervention beim amer'ckanischrn Gesandten in Warschau auch darauf Hinweisen, daß solche undenkbare Prüfungen von den amerikanischen Komsulatsbechörden in keinem arideren Lande vorgenommen werden. Auf Grund dieser Jnte-» vcntiorr wurden nunmehr die amerikanischen Konsnlarämter in Polen beauftragt, die bearrstaudeten Prüfungen einzustell^n. sine Wische Lelrgrmnm-Z.atW. Einer von der Western Union Telegraph Company in Newyork soeben auf Grund vieljähriger Erfahrung herauSgogebeneu Statistik entnehmen wir die interessante Feststellung, daß die freundschaftlichen Beziehungen zwischen Juden in Amerika intimer sind als bei den übrigen nationalen Gruppen. Die Statistik untersuchte die Zahl der Telegramme rrichtgeschlirftlüchen Charakters, welche in Amerika aufgegeben werden, und kam zu dem Schluffe, daß Begrüßungs-- und GlückwunsAtelegramme von Juden viel oster gesendet werden als von Angehörigen anderer Nationen. Es gehört zu den gewöhnlichen Vovkommmssen, stellt dies« Statistik fest, daß ein jüdisches Brautpaar mehr als JX) Telegramme am Hochzeitstag evhält. Auch Geburtstage und Bär Mitzwah>Fests bieten den Anlaß zu zahlreichen telegraphischen Beglückwünschungen. Bei Trauevodar UnglückSfüllen stehm dis Inden in der Zahl der Teilnahmsdepesthen an erster Stelle. Auch zu nichtjüdischen Festtagen, wie Nsujchr ufw., bedienen sich Juden in höherem Mähe des Tolegraphen, jedoch anläßlich des RoschHa-- schanah-Festes, des jüdischen Neujahrstages, wird ein Rekord erreicht. Biele zchntausen.de Telegramme haben die Aemter um diese Zeit zu befördern, «ud es gehört nicht zu den Seltenheiten, daß bekannte Rabbiner und arrgesehene Juden zu diesem Feste 600 bis 600 GlüÄvunschtelegramme erhalten. Die Zahl solcher Depeschen rst so groß, daß die Western Union Telegraph Company schm seit Jahren für diese Zeit alljährlich einen speziellen Dienst einrichtet «nd sogar chgene Telogvanmr- I formulare ausgsg^ebeu hat. | -i- Ae Ml der gudru in Welßrußlmid. Aus M v s k n u Nteldet die I. T. Al: Die zentrale statistische Kommission veröffentlicht socken das Reftrltat der letzten Volkszählung in Weißrußland. Die Gesamtzahl der Eintvohner beträgt 4,983.190, die der jüdischen Einwohner 407.025. Danach bilden die Inden 8.17 Pwzent der Gesamteinwohnerschaft; in der Hauptstadt Minsk leben 53.659, in Witebsk 37.086, Ln Hvmel 37.740, in Bobrutsk 21.561, in dNohlieiv 24.265 Juden. In den Städten bilden die Juden 40.13 Prozent der Gesamtbevötkernng. Me WMerrevMtron an? dem Warfchmer jSSische» Kriedhss. Aus Warschau wird uns geschrieben.: Auf dem jMschen .Friedhof der Borstadt Praga besteht seit vielen Jahren die Sitte, daß fromme Frauen vor dem Verlassen des Friedhofes auf einem unbenützten Platz gegenüber der Kanzlei der Fri«dh-rfverwaltung Keine Steine oder Stücke Zstgsl nicderlegon Es ist das ein alter Brauch, imrch welchen die Betreffenden gewissermaßen wie mit einer .Visitkarte bekunden wollen, daß sie da» güvesen sind. Während der Wochen vor den hohen Feiertagen, in' denen die Gräber auf den jüdischen Friedhöfen gewöhnlich sehr stark besucht werdeu, häufen sich diese steinernen. .Disitkartvlr auf dem leeren Platze vor dem Verwaltungsgebäude zu ganzen Hügeln, die erst nach dem Laubhüttenfest, Ufötn der Gräberbefuch wieder abslaut, tveggeführt zu werden pflegen. Dieser Sitte liegt eine Legende zugrunde, wonach auf jenem unbczeichneten Platz« die „unbekannte Rebbezrn", sin« Rabbinersfrau,. bestattet sein soll, die sich bei Lebzeiten durch große Frömmigkeit und viele Wundertaterr ausgezeichnet habe. Vor einigen Wochen nun begann in der .Vorstadt Praga «ins unter dem Spitznamen „Chawele die Gabbctin", eine Frau mit einer übrigens recht stürmischen Vergangenheit, eine Mion zur Sammlung eines größeren Betrages, um auf dem Grabe der „unbekauntsn Nebbezirll^ ebn würdiges Denkmal zu setzen. Di« Sammelaktion hatte Erfolg, daS Grabmal hnn&e fertiggestellt und Chawele wandt« sich an den Friedhofvsrwaüier mit devr Ansuchen um Erlaubnis, das Grabdenkmal aufst'ellen zu dürfen. Der Friedhofvertviakter wies das Ansuchen, mit der Begründung zurück, daß in den Friedhofbüchenr und Gräberverzeichnijfen keine Spur von einer solchen „Rckbrzin" zu finden sei, da der Platz niemals für Gräber verwendet worden sei. Chawele ruhte jedoch nicht. GS gelang ihrem Drängen, von edlem Rabbiner der Vorstadt Praga ein Schreiben an den Verwalter zu erhalten, er möge doch den Grabstein aufstellen lassen. Der Friedhofverwalter hinwieder lehnte es ab, sich lächerlich zu machen. Mer Chawe läßt sich nicht so leicht abseitigen. Am letzte» Somltag marschierte sie an der Spitze einiger hindert jüdischer Frauen, die von der Frömmigkeit CcBcu, auf dem Friedhof auf urck traf Anstalten, den Grabstein, den. sie mitgebvacht hatte, feierlich aufzu stellen. Der Friddhosverwalter stellte sich der lärmenden Weiberschar mannhaft entgegen. Es entstand «in großer Wirbel, der schließlich damit endete, daß Chawele mit ihrer ganzen Weiberschar unverrichteter Dinge abzieWr umßte und dt« Ailgelegvnheit nunmehr vor das Rabbinatskoklegium von Warschau bracht«, welches nun in dieser inte» essankm Streitfrage zu entscheide» Habs» wird. Maimouides in englischer Uebersehung. Dieser Tag« ist in Nüvyork der von der Mainwniües Publi» shirrg Company herairsgegebene erste Baird der englischen liebersetzung von Moses Maimoir „Jad Hachasala zur Mischna" erschienen, Die Uckersetzung stammt Uwt dem bekannten Gelehrte» Simon Glaser, der dreißig Jahre lang an diesem Werk gearbeitet hat. Die Uckersetzung bedeutet ziveifellos eine wovt- Volle Bereicherung der judaistischen Literatur in ellglischer Sprache. JuLelstier des israelitischen Stiftes in Königsberg. Das israetttislche Stift in Königsberg lärm in diesem Jahre auf sein 78jähviges Bestehen zurückblicken. Es ging aus einer Stiftung der C'hewra Kadd'.icha hervor, die sich tin Jahre 1850 bereit erklärte, ihr bisher alz Krankenho-us benutztes Gebäude ttt Wr Synagoaervstraße ohne Entschädigung zur Ausnahme bcdürftiger Ge.me'inuenci.tgii<'der zur Bevsügung zu stellen. Das Sti-ft wuvde am 1. April 1852 voir >den ersten Jlsiassen bezogen.