Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 9 (1927)
- Issue
- Heft 3056 (2.9.1927)
- Date
- 1927-09-02
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Men, Freitag 2. September 1M7 Sette 6 M. NM Wiener Morgenzettnng Tie Ueberschwsmmungskatastrophr in gstgalizien. Acht Bahnlinien eingestellt. — PetroleumschSchte mttrr Waffsr Lemberg, 1. September . Von der Ueberschtvemmungskataftrophe wurde das ganze Kavpatlhenvorlcmid betroffen. Die Zahl der Todesopfer im Ueberschwermnungsgebiet wird bisher mit 39 angegeben. Nach andeven Meldungen sind im Bezirk Kos s»w allem über 100 Todesopfer zu verzeichnen, im Bezirk Stan iS lau wird die Zahl der Todesopfer ans mehr alS 200 geschätzt. Taufende von Menschen find obdachlos. Vieh und Ernte find von den Wüten weggerissen. Der En^e n b <r h n v e r kehr ist auf acht Linien ein g e -- stEl^t. In Bvry.slaw wurdest sieben größere und mehrere kleinere Häuser von den Wüten wcggerissen; sämtliche Einwohner wurden unter den Häusern begraben. In dm Petrolcumgrirben wurde beträchtlicher Schaden angerichtet, da viele Schächte unter Wasser stehen, Boryslaw ist ohne Licht, da die elektrischen Leitungen zerstört sind. In Przemyfl wurden im südöstlichen Teil der Städt durch das Hochwasser große Zerstörungen hervorgerufen. Die Ortschaft Mgamkowice bei Przemyfl steht ganz unter Wasser. Die Stadt Ku-ty ist überschwernmt; der Fluss Biala Ezeremos, an denr Lkrrty liegt, hat seinen Lauf geändert und sich ein neues Bett durch die Stadt gebahnt. Die Regierung hat für das Hilfswerk 5 Millionen .Zloty angewiesen. Iw Hochwllffer seht zurA. Aus den Ueberschwemmungsgebietm wird heute abends das Au-fhören d er h efiti-ge n Reg e-ngüss e und ein w e i t e r e r Rück gan-g d-e-s H o ch w a s s e rst anders gemeldet Die Unwetter ln RamSnlen. B-uck-a r e^t, 1. September. Durch die Gewitter und Stürrne sind im Altreiche die meisten Tvlephonlrnien beschädigt wovden, so daß Bukarest eitle Zeitlairg von der Außenwelt isoliert war. In den Vorstädten Bukarests, wo jede Kanalisierung feflj&t, rief das Unwetter eine grosse Panik «hervor, da die Straßen binnm einigen Augenblicken unter Wasser gesetzt wurden. Das Wasser drang auch in niedriger gelegene Wohnhäuser ein. Mehrere kileine Häuser der Vorst-ad-t fssmrd e-ingesst ü r-z t. . In Moreni schlug der Blitz in eine Petrolmmsonde ein. Das Oel fing Feuer und brannte tittt einer 30 Meter hohm Flamme. Durch den Brand erscheint auch das übrige PetroKnnngeSiet gefährdet. bahnkommissärs Dr. Gal di nicht decken, weshalb eine neuerliche Einvernahme Dr. Eald.'is arrgeordnet,nmik. Frau Low, die das Ehepaar Erdelyi in Millstatt kennen geiernt hat, suchte, soviel verlautet, Erdelyi möglichst zu cirtlwsten. Der umfangreiche Striasakt wurde bereits dem UntDrfluchsungsrichter übenntttelt, in dessen Händen ^etzt die jStvaftmtersuchung liegt. Das Verbrechen des Mattenlmordes, dessen Erdelyi bezichtigt wird, ist in Ungarn inrit der Todesstrafe bedroht, doch jtaitit diese Strafe über Erdelyi nicht verhängt werden, weil das Delikt in einem Staate begangen wurde, jiit dem die Todesstrafe ab geschasst ist. Auf diese mildere Strasbcdrohung hat das ungarische iGeuicht Mcksicht zu snehmen, so daß Erdelyi nur mit lebenslängli chean Kerker bestraft werden kam:. Tie Polizei hat auch einen jungen Mann einvernommen, ,an den Erdelyi am Todestage seiner Frau ein Telegramm richtete. Der junge Mann hat die 'Depesche bereits vernichtet, wußte sich aber zu erinnern, daß sie folgender Wortlaut hatte: „Verhindert ^en Protest der Wechsel, Anna gestorben. Melde meinen «Anspruch' bei der Assekuranz an." Nach einer Blättermeldung soll das bei der Polizei nnt Erdelyi aufgenommene Protokoll interessante Einzelheiten enthalten. Erdelyi soll u. a. gesagt haben, er habe /Anna Forgacs nach zweijähriger Bekanntschaft geheiratet. Eure Liegenschaft im.Werte von ,70 Milltonen Kronen sei die Mitgi'ft gewesen. Me es in dem Protokoll weiter heißt, gab er an, daß er am Todestage seiner Frau um 5 Uhr früh ausgewacht sei. Seine Frau mar wach, schlief aber wieder ein. Er kleidete sich au und ging weg. Um ,3/^1 Uhr,.«als er vom Tennis zurückkehrte, hörte er, daß seine Frau gestorben sei. Die Zeugen in .Millstatt dagegen Häven, wie bekannt, erklärt, daß Erdelyi beim.Todeskmnpf seiner Frau allein,mit ihr im Zimmer gewesen sei. ( Kne neue GrWe. Hochverraisanklage gegen eine» Schriftsteller in DentMand. Verlchn, 1. September. (Wolfs.) Der ^OÜerreichsanwxrlt hat jetzt, tvie eine Berliner Korrespondenz meldet, die,Anklage gegen den Schriftsteller Johannes R. Becher erhoben. Sie lautet auf Vorbereitung zum Hochverrat, Teilnahme an einer staatsfeindlichen Verbindung, Peschimpfung der republikanischen Staatssornr und.Gotteslästerung. Die Grundlage bildet der Roman „Levisit oder der einzig gerechte Krieg", die Gedichtsammlung „Ter Leutnant auf dem Thron" und schließlich ein Gedicht „An Hrndenburg". Becher richtete vor kurzem durch den Schutzverbauddeutscher Schriftsteller und durch feine Verteidiger an den Reichsanwalt die öffentliche Aufforderung, ihnr 'Hurch Erhebung der Anklage Gelegenheit zu.geben, für sein Werk persönlich vor Gericht einzustehen. Sozialdemskratische Mederlnze bei den Grazer PMzeiwahleu. Das „Grazer Volksblatt" meldet: Die Wahlen in -die Personalkommission der Polizeidirektion Graz, brachten einen überwältigenden Sieg der unpolitischen Gruppe, die von 471 Stimmen 302 Stimmen erhielt. Auf die sozialdemokratische Liste entfielen 167 Stimmen. Es erhalten sonach die unpolitische Gruppe 8 und die sozialdemokratische 4 Vertreter in der Personalkommission. Die Sozialdemokraten haben bei dieser Wahl fast zwei Drittel ihrer «Stimmenzahl bei «den letzten Wahlen eingebüßt. Es scheint, daß die Täter einer gutorganisierten internationalen Fälscherbande angehören. Die Polizei hat einige Juweliere einvernommen, die mit den Fälschern in Berührung kamen, doch konnten diese nichts Positives aussagen. Sine Entlaftungszengi« für Erdelyi. -Die H.auptzeugin in der Kriminalaffäre Fo r goir-s- Erdelyi, Frau Zvltan Löw, ist gestern in -Budapest eingetroffen und wurde einem Mehrstündigen Verhör unterzogen, über dessen Inhalt i hm st r e n gste s S t i l X f «chw e igem -aufgetragen wurde. Mau fmtrtte nuv soviel erfahren, daß irch ihre Aussagen mit den 'Depositionen des StaatZ- K o nstanchi woch-eÄ, 1. .September. Die Flieger Bro ck und S chlee waren entgegen ihrer ursprünglichen Absicht, sofort nach Ausfüllung ihrer Benzintanks den Flug fortzusetzen, gezwungen, in Konstantin opel zu übernachten, um gewisse notwendige Formalitäten zu erledigen. Sie haben dadurch einen Ta-g verloren. Heute um 6 Uhr früh haben« sie Konstantinopel in der Richtung nach Aleppo verlassen. > «In ^(Nwgban d tritt seit einigen Pagen eins neue Art .der -Grippe epidemisch Elf. Die .Symptome sind ähnlich wie die der Trunkenheit. «Der.-Patient findet es unmöglich, in gerader Richtung zu, gehen. Wenn sein Kopf auch dar ist, so versagen Hm -doch die Beine den! Dienst. Die «Aerzte erklären diese Grippe,für eine neue Krankheit, die vor «allem die Nerv en A en t rön, die die Bewegungen kontrollieren, in Unordnung bringt. Sie tritt sehr plötzlich «auf und ist von Schwindelanfällen, Knochienschnerzen und Uebeilikeit begleitet. Das einzige Mittel, sich der Krankheit zu erwehren, ist das, solange srrs Bett zu gehen, bis sie vorüber K Diese «Grippe wirb in England mit denr schönen Namen „Staggers Flu" bezeichnet, De Hat sich bis jetzt .nicht «als 'gefährlich'erwiesen, arrsgenormmn für dm StÄz der ,Abstinenzler. schwer fallen, denn unter den MüNKto-wem der an ihn eiugelan-gten Bries e und 100:000 Trell-eg-DwM^ nvem befinden sich mehrere tlmfendHeiratsanged^e. Sollte Linidibergh aber die Einsimckeät -Vorgehen, «so stchen ihm drei Einladmrgen, den Mond verwittrlls'emes Raketenflugzeuges zu erreichen, Mes «Negt! Sie WeWieger haben eine» Tag verkors». Geschobene Akten und geMchte GerichtsbefchWe. Aus B-erlin wird > uns berichtet: Vor kurzem wurde über die meMvüMgen Zustände berichtet, die eine Untersuchung der Geschäftsräume des Schokoladefabrikanten Kaufs mann zutage gefördert hat. Inzwischen ist ein Haftbefehl wegen Konkursverbrechens und Wenbefeitigung ergangen, da Kauffmann die Men vom Zivilprozeß, an denen er interessiert war, beseitigt hat. Außerdem hat er, als er wegen einer Mietschuld verNlagt worden war, einen Gerichtsbeschluß gefälscht, nach dem das Verfahren eingestellt sein sollte. Weitere Verfehlungen dieser Art sind festgestellt worden. Die Hausdurchsuchung bei Kauffmann hat übrigens alle möglichen gerrchtlich>en imd sonstigen anttlichon Formulare zutage gefördert. Nach dem großen Brand in den Fabrikräumen Kauffmanns «weigerte sich die VersiHerungsgesellschaist, die verlangte Entschädigung zu zahlen, weil die Entstehungsursache des Brandes verdächtig war. Es kmn zu einem Zivilprozeh der Bevsicherungsgesellschast gegen Kaufftnann. Ein Teil der auf diesen Prozeß bezüglichen Mten ist v-e r» s-chw-undon. Man vermutet, daß Kauffmann diese und andere Prozeßakten beiseite gebracht hat. Edelfteiusiilscher. Die Budapester Polizei stellt Nachforschungen nach einer int-er nationalen F ä ls ch e rban d e an, die in Budapest sehr gut gelungene EdelsteinsDI schungen in Vevkchr gebracht hat. Die Anzeige wurde von einer Budapester Leihanstalt erstattet, wo ein Mitglied der Bande sich gegen Verpfändung eines gefälschten Brillanten, der erst später als gefälscht erkannt werden konnte, ein Darlehen von 1000 P e n g ö aus- Wßlen ließ. London—London, Windsor—Windsor. Montreal, 1. September. In London im Ontario (Kanada) ist heute früh der Eindecker „Sir John Carling" zum Flug nach London in England ausgeftiegen, der vor einigen Tagen infolge Regens und Nebels aufgegeben urer-den mußte. Zugleich ist in Windsor, in der kanadischen Provinz Ontario, der Eindecker ,/Royal Windsor" zum Flug nach Windsor m England gestartet. London—KOMM. L o n d o n, 1. September. Der Fliegerleutnant W e n t l e y ist heute morgens von London zum Flug nach Kapstadt (Südafrika) aufg-estiegen. Der vermißte Brastiienflieser. New d o r-k, U September. „Preß Association" erhielt aus Para eine unbestätigte Meldung, -wonach der auf dem Fluge Nordamerika—'Brasilien verschollene Flieger Red fern bei Alenquer am Amazonenstrom in Brasilien g-e la n d e t sei. 8er Flug der Zankt Raphael. BesorgnUe I» Amerila. New Tork, 1. September. Nach Meldungen aus Neufundland ist das Flugzeug „Sankt Raphael" bisher noch nicht gesichtet worden. (Es ist am Mttwoch rn England aufgestiegen.) Man beginnt in Amerika bereits Befürchtungen auszusprechen. Lindberghs Post. Amerikanisch« Narrheit. Im New Aorker „Populär Science" veröffentlicht Lindberghs Sekretär eine Auslese der cm Lindbergh ergangenen Angebote, darunter ein Angebot von einer Million Dollar für den Fall, daß Lindbergh die Filmaufnahme seiner Heiratszeremonie gestatten wolle. Die Brauttvahl, heißt -s in der Notiz wm-de Lindberab nicht zur Verfügung. Die an Lmdbergh gerichtete Post enthält außer 5000 G e dich t e n nicht weniger als 10.000 Dollar an beigeftigteur Rückporto. 14X100 Personen dankten durch Geschenkpakete. Unter den Brreffchreibern überwiegen Frauen und Mädchen. Lindbergh beantwortete einige tausend Briefe handschriftlich, den Rest ließ er in den Papierkovb wandern. Re Atkmüs der Mffees geftmde«. Atlantis gefunden? Dr. Wlbevt Herr«mann, Priva«tdozent für histovssche Geographie an der Be Muer Universität, hat zur Ergänzung seiner Studien über die Irrfahrten des Odysseus, unterstützt von der Mtgenveinschaft der deutschen Wisienschasten, d'e tunvsische Ostküste von Kelibia bis Zarzis bereift. Es wurden allem «Lei Zarsis eine «Reihe von ehemals -bewohntenjetzt meist zerstörten Hohlen entdeckt, die ganz den Erwartungen über die Zyklopen höhle entsprecherr. Da e§ sich zugl-e'.ch besiät'gte, daß die beiden anderen Stationen des Odysseus auf seiner Ar-Jrvsahrt Dhrmakria «und der Phäaken- Sta-dt, don pelasgkschen Inseln und der alten Schild-Stadt bei Kelibia entsprechen, so dürfte «damit der älteste Teil der Odyssee «geo^raphPH «festgeilegt und ols poetischer Niederschlag einer wirklichen Enidecknngsart erwiesen sein. Aus Beobachtungen in dem 21 Kilometer breiten Wüstengürtel zwischen «dem Schott-el-Djevid und der kleinen Syrte glaubt Herrmann, wie er i«n der «von ihm hera-usgegebenen Zcittschvift der Gesellschaft für Erdkunde zu Berlin schreibt, schließen zu dürfen- «daß in geschichtlicher Zeit nicht mir eine Flußverbindung durch das heutige Wadi-el-Me-lcch bestanden hat, sondern daß damals der SchM 12 KA-omoter weiter nach Oste« reiste. Da zugleich Spuren eines alten Kanals darauf hinzu« deuten scheinen, daß die östlich angrenzende Oase Ondres früher viel reicher bewässert und wie eine Insel überall von Wasser umgeben war, «so g«laubt Herrmann, wie die „Antiquitäten- Rundschau" berichtet, m Ondres die Insel AtlantiZ, Ae Phöarsn« Stadt der sinteren Odyssee-<FHmrK sochNr.M.W ' ..