Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 9 (1927)
- Issue
- Heft 3056 (2.9.1927)
- Date
- 1927-09-02
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 4 Wim, Freitag Wiener Morgerrzettrmg 8. September J&87 m. 3ÜÖÖ einzuzahlen, damit die von der früheren Leitung vorgenonr 4<tfrr^lUM OaTYI- Re Gedenksitzung im Basel« Stadtkastno. o. 3., Basel, 1. Scptcmder. 'sin Saale des Baseler Etadtkasmos auf dem Barfüßeler Platz versammelten sich deute um IO IHr vormittags 'diejenigen Delegierten, die vor 30 fahren Mitglieder des ersten Kongresses gewesen :varen. Ans der restlich geschmückten Tribüne hatten achtzehn Delegierte Platz genommen. Nack einem Orgelspiel eröffncte Präsident Werg m a n n die Sitzung mit einer Ansprache, in der er sagte: yl*mt dieser Triln'mc sind heilige Künrpfe geführt worden. Wir sind feit damals gewachsen und nähern uns vielleicht schon der Zeit, wo wir nicht mehr eine Fraktion im Judentum sind, sondern das Judentum selbst." Es folgten Ansprachen Solo'lows, Uffischkins, Jaffes, FarvsteinS, Motzkins, Tenpkins,Dr. Echalits, Rosenhecks, Dr. Alkalaps, Dr. Meier Ebners und Coivcns. Den Höhepunkt der Feier bildete die Ansprache, die der Vizepräsident des Kongresses, Motzkin, hielt, und die in den Wunsch ausklang, die nächste Jubiläumsfeier möge nicht in Basel, sondern in P alä st i n a stattsinden. Die Versammlung beschloß, die Stadt Basel in das Goldene Buch des Nationalfonds cinzutragcn. Die Delegierten deS 16. Kongresses hatten im Pariert und auf den Galerien Platz genommen. Die Sitzung macbte ans alle Teilnehmer einen tiefen Eindruck. Ser Permaneur-Ausschuß. o. a., Base I, 1. September. Heute abends ist der VcrmancnzauSschuß zu einer Sitzung zusammengetr-etcn, in welcher Wcizmann sein politisches Pr og r a m m entwickelte. Iss ArbeitspenfUM der «schßte« Lage. Prstefte gegen eine vorzeitige Wahl der Exekutive. 0. 2., Basel, 1. September. Der heutige Tag war für das Plenum des Kongreßes sitzungssrei. Am Nachmittag traten Äe Kommissionen zusammen, mn die Referate entgegenzunehmen. In der politischen Kommission referierten Colonel K if ch, D r. Eder und Dr. Viktor Jakobson; in der Ko lo uisa t i o n s kom m is-s i on die Herren Josef Sprinzack und Ing. Kaplansky; in der Budget! o m m i-sstiw n Colonel K ifrch und Dr. K aft e l ia n sE y; in der O r g a n i s a t i o nscko-m w i-s sti o n referierte Herr-Felix-R o-f e rwb'-bü t h; in der E-r zchaharm-.^sckwMan'iF^r'o -n Herr Dr. I. L-o u-r-i-e; in der JM-mä^rerch-.vom sÄw--manäWiom Pro-- feffor^ D-r. P/vck. In der' finanzpolitischen Kommission erstatteten die Mtglieder des Finanz- und WirtstHaftsrates ihre Berichte. Morgen vormittags wird der Kongreß di e Generaldebatte fortsetzen, die programmgemäß am .Nachmittag noch vor Eintritt der Sabbatruhe abgeschlossen werden soll. Es ist geplant, in dieser Sitzung auch die Abstimmung über das Absolutorium vorzunehmen.. Samstag abends soll dann der Permanenzausschutz die Wahl der neuen Exekutive beantragen. Doch machen sich sehr große Widerstände auch in den Reihen der Mehrheit gegen diesen Vorgang bemerkbar. Es wird erklärt, daß es Meckdienlicher wäre und auch der Autorität des Kongresses besser entsprechen würde, wenn die Wahl der Exekutive erst nach der Entgegennahme der Kommissionsberichte durch den Kongreß erfolgen würde. Vdan rechnet für Samstag mit einer sehr lange dauernder! Nachtsitzung, dagegen sollen der Sonntag und Montag ausschließlich den Kommissionen Vorbehalten sein. Das Plenum des Kongresses würbe erst am Montag abends wieder zusammentreten, um die Referate der Herren D r. R u p p i n und Ussisch bin entgegenzunehmen. Ser Aufmarsch der Parteien. Basel, 30. August. (I. T. A.) Die Ländergruppen )er Allgemeinen Zionisten fetzten ein Komitee ein, welches diejenigen Punkte sestsetzen soll, in denen die Allgemeinen Zionisten aller Länder Zusammengehen und StimmpsIicht üben sollen. Im Prinzip wurde beschlossen, daß in grundlegenden Fragen die Allgemeinen Zionisten einheitlich stimmen sollen. Die Revisionisten und die Radikalen waren aus dieser Konferenz nicht vertreten. Angesichts der Einigung der bürgerlichen Zionisten beschlossen auch die Arb ei t er fra kt i oneu, in den Hauptfragen des Zionismus und der praktischen Arbeit in Palästina einheitlich vorzugehen und geschlossen zu stimmen. Mn Ausruf der russischen gloniften. Basel, 30. August. (I. T. A.) Die vereinigte Organisation der zionistischen Jugend in Rußland („Hechawer", „Histadruth", „Kadimah") hat an den 15. Zionistenkongreß einen Aufruf gesandt, in dem es unter anderem heißt: „Aus den tiefen und dumpfen unterirdischen Kerkern, durch die eisernen Gesängnisgitter und aus den entfernten und namenlosen Orten der sibirischen Verbannung sendet die zionistische Jugend Rußlands ihre heißglühenden , Glückwünsche dem 1b. Zionistenkongreß in Basel. ... Unj endlich groß ist der Schmerz und tief die Trauer, daß ein Ziveig des Baumes des Judentums, ein Teil, der unter den Ersten war, die dem Rufe Hcrzls folgten, der jahrzehntelang als Reservoir der geistigen und materiellen Kräfte der zionistischen Weltbelvegung diente, auf dem 15. Zionistenkongrcsse nicht vertreten ist. Seiner nationalpolitischen Rechte beraubt, leidet das russische Judentum aus allen Gebieten sei wes nationalen nnd kulturellen Lebens unter dom schweren Druck eines ummfhSrlrchcn Terrors. ...Und doch Lebt der Zionismus in Rußland." Es wird geklagt, daß die zionistische Weltorganisation die Opfer des russischen Judentums nicht anerkennt und nichts unternimmt, um der Not entgegcnzuwirken. Vom Kongreß wird eine eindringliche Analyse der Lage des russischen Judentums erwartet, eine Weltprotestaktion gegen Sowjetrcgierung und Jewsekzia empfohlen. Der Ausruf schließt: „Es lebe das freie Judentum Rußlands, die Bahnbrecher des Zionismus! Heil dem 15. Zionistenkongreß!" Forderungen der sephardischen gudeuschaft an den Kongreß. B a s e l, 1. September. Das Aktionskomitee der Weltvereinigung der sephardi-schen Juden, die im August 1925 in Wien begründet worden ist, hat an den 15. Zionistenkongreß ein Memorandum gerichtet, in welchem eine Reihe von Forderungen erhoben wird. Die Denkschrift verlangt die Organisierung der sepch a irdischen Einwanderung nach P all äst i n <r durch Gründung von Palästinaamtern in den orientalischen Gemeinden, ferner die Einordnung der sephardischen Immigranten in produktive A r b e i t und die Schaffung, a g r i k u l t u r e l l e r Slle d l u-n g e n für die orientalischen Juden. Schließlich wird die Unterstützung der Kolonie H a rt-u w und d er Sa-l on-iker Fstsch^r, die in Mo wohnen und a rg-e R-ock leiden, verlangt. Re Konferenz der WeltverbmÄes zisniWh« Fronen. Sie Resolutionen. Bafel, 31. .August. Die Konferenz des Weltverbaudes zionistischer Frauen hat eine Reihe von Befchklüsfen gefaxt, " von denen die wichtigsten besagen: Die Konferenz begrüßt die Schaffung einer Ex-e kn-- t.ive der Wizo in Palästina, die aus svlgenltzn iMitgliedern bestcht: der Palästina-Exekutive der Wizo, den Experten der Zionistischen Organisation und solchen Körperschaften, die sich der Wizo angeschbrssen haben und gewillt sind, auf der Basis der Wizo zu arbeiten. Die Palästina-Exekutive ist nur berechtigt, Arbeiten ian Eimv-arständnis m"üt der Londoner Exellm-- tA-'ve durchzuführen.! Die Weltorganisation der MmstWen Frauen gründet zum 'Avecke ihrer Aufbauarbeit in Palästina erneu F^owds, an dessen Aufbrrngung die neutralen urü> zionistischen Verbände bei gleichen Rechten und Pflichten teÄuehmeu. Die Galuth^-Exekutive hat ihren Sitz in Lo wd o n und übernimmt die V e r a n t.w v r dün g für die Aufbringung des Fonds, zu welchem sich die Landesföderationen verpflichtet haben. Die Konferenz billigt die Bildung einer Ar b eits g-em ellnschaft der kontinentalen Verbände. Schalom Asch Kongreßgast. B-a s el, 1. September. Unter den zahlreichen Gästen, die aus aller Welt zum Baseler Kongreß * zusammengeströmt sind, befinden sich viele Persönlichkeiten des jüdischen Geisteslebens; auch der berühmte jüdische Dichter Schalom Asch wohnt dem Kongreß als Gast bei. Zum Kongreß sind außer den Delegierten 1300 Gäste ein getroffen. 260 Zeitungen, zumeist emglli siche wn-d am er i kanrstche Bll-ät'pe-r, haben ihre Vertreter entsendet. Reorgauistemug der UomCommoueM. Wiederholt wurde über die Krise berichtet, in -Molche die vor neun Bahren von amerrkcm.i'jchen Juden zum Zwecke praktäsch-ew I nL>est-ätn on on in PaLästtiwa ins Leben gerufene Z r o n - C o -m rns nw-e. cv ll' th geraten ist. Man sprach sogar von einem völligen Zusmnmienbruch, und es ist deshalb von Wrchtigk-e.it, zu Horen, daß es dem Präsidenten der Zionistischen Organisation in Amevika, Louis Lips-ky, vor seiner Abrerse zum zionistischen Kongreß gelungen istz eine Reorgamsierung dieser Ovganisatron durchzuführen und auch die Interessen der Dodenkäufer zu sichern. An die Spitze der neuorganisierten Leibung wurde ehrenamtlrch der Ehicagver Nechtsanwalt Nathan de Kaplan berufen. Die Zion-Eom-monwealch hat seit ihrem Bestand die Kolonien Balfouria, Herzlia und Afuileh gegründet, etwa 1L6.000 Dunam Land erworben und sich auch an der Erwerbung des 600.000 Dunam Land umfassenden -Bodenkomplexes der Haifa finanziell beteiligt. Die Schwierigkeiten ergaben sich' zunächst aus der allgemeinen -Krise und dann arlch aus der Tatsache, daß die bisherigen Mhver der Gesellschaft sich mit Bodenkäusen überladen hatten. Mit dem Abflauen der Einwanderung hatte dann auch der Bodenverkauf zu leiden. Die Teilhaber waren mit ihren Bodenanteilen, die nicht voll eingezahlt waren, plötzlich ..eingefroren", unb da sie nicht selbst Mer das nötige Bargeld verfügten, geMungen, Kredite in Anspruch zu nehmen. Auf-i-ckbe der neuen Leitung ist es nun, die Organisation-- die als Volks unternehmen ohne Spekulation auf (Gewinn auch die inoralifche Untevstützung der ziomstifchen Executive genießt, aus dm Kreditschwierigkeiten heraus^ubringen. Die neue Leitung geht llun daran, die Anteilbesitzer dazu zu bewegen, die Rückstände allmählich | die -praktische Investsticmsarbcit wieder austgcnvnvmen svev den körne. Ser Bolkerbllnürat. Geyelmfltzung. Genf, 1. September. Die 46. Ratssitzung des Völkerbundes wurde heute vormittags, 11 Uhr, mit einer eineinhalbstündigen, nicht öffentlichen Sitzung unter dem Vorsitz von Villegnrd (Chile) eröffnet. Neben der Festsetzung der Tagesordnung nnd der Regelung einiger administrativen Fragen hm die Sitzung vorwiegend einigerr Anträgen Danzigs getvidmet, darunter der Frage -der H a f e n P o l i z e i. Dieser Punkt tvurde zlvecks Einholung eines Sachverständigengutachtens von der Tagesordnung der gegenwärtigen Session a b g e s e tz.t. Dir nächste Sitzung ist für Freitag, 10 Uhr vorinittagS, angesetzt. Sie wird gleichfalls zunächst nichtöffentlich sein. Ae nWftäu&lgen Aatssitze. iGvnf, 2. Sepieniber. (Schweiz. Dep.-Ag.) ,Unter bm> Persönlichkeiten, die für die Wähl zunr Präsiöenten dM Moirtag zusanrmentrcteirden achtet: VölkerbundversanritrliMA in erster Linie in Betracht konmren, tmrd der Pariser Gie« sandte der Republik Uruguay, Dr. Gar-an y, genamll. Unter den« drei Staaten, deren Amtsdauer im Bölkerbundrat im September abläuft, befiudet sich auch Belgien, das im Rat durch Außenminister Banderv ebde vertreterr ist. In verschjiedenen politischen Kreisen wird dlie Möglichkeit erwogen, Bel-gü-em fofv rt z-wr W-ied-erwachl vvrzuschlagen. W» VslnW'ltttmrscher Srem- Mschenjall. -WW-rchichdevu, 1. September. Wie „Kurier,Warszaivski" - aus Wilira meldet, wurde nr der Nacht vmn 30. fjtimj > 31. August «n Mschmtte von Dubiejko eein Soldat der . polnischen.Grenzwache von den Bolschewiken.v e rf ch l e p p t. Nach.anderen Meldungen soll au^der polnisch-litmüschen Grenze die litamsche Gverrzwache den polnischen Oberlen t man t Zelig-owski voni 21. Grenzbatäillon ve rschleppi Haben. Trotz Jritervention der polnischen BehÄ:den fei der Oberleuttrant nochicht äusgeliefert worden. > Rothemeres Vaiffe-Mms. Prag, 1. September. Ungefähr sechs englisich-e ' Fi na n z-grmpp e n verhandeln gegenwärtig über die Placierung von Anleihen in der tschechoslowakischen Republik, mit der Absicht, chre freien Kapitalien in einigen tschechoslowakischen Untermehmungen unterzubringen. Da die Aufnahme ausländischer Kredite in der Tschechoslowakei durch die Politik des Finanzministers im Interesse des Schutzes der gesamten tschechoslowakischen Wirtschaft auf -das gerirrgste Maß reduziert ist, sind die englischen Unternehmer gezwungen, -die Vermittlung t s ch e ch oslo-wakischer Finanz in st itute in Anspruch zu nehmen. Me eine Korrespondenz erfährt, beschuldigen fetzt die englischen Unterhändler Lord Rothermerp, sie mn die Erfolge ihrer mehrjährigen Unterhandlungen durch seine Aktion gebracht zu haben, da bestimmte private tschechoflowakische Kreise infolge der Kampagne Lord Rothermercs die weiteren Verhandlungen unterbrochen haben. Wie die Korrespondenz aus gut informierter Quelle erfährt, sind namentlich zwei englische Fdranzgruppsn betroffen, von denen die eine 35 Millionen Kron-o-n bei Beteiligung an großen tfMe ch o f l o w a -kis ch e n B ä d e ru, die , andere 60 Millionen -bei der Beteiligung an sehr ausgedehnten wirtschastlich-industriellen Betrieben der Sll o-waE-e i placieren wollte. Amerika verbietet die Waffenausfuhr nach Rußland. Newy-Vwck, 1. September. Tie Sotvjetregierung hat vor einiger Zeit bei einer amerikanischen Wässenfabrik' 150.000 Jnfanteriegewehre gekauft. -Das amerikanis che Muße womit hat nun -gegen die Mieserung dieser Waffen Veto eingelegt. 6uza r« der Bukowina abgeMtzt. Cz ernowitz, 1. September. -Für den 29. August hatten .bic Cuzisten eine Landeskonferenz Jtadj Dorna-Batra einberufen, um, wie es hieß,- „gegen die jüdischen Angriffs Stellung zu nchrnen". In den Flugzetteln wurde die Lüge erzählt, daß die Studerrten, ivelche, wie seinerzeit genreldet wurde, in Dorna-Vatra gegen die.Juden vorgingen, voy ' den Juden überfallen worden wären. Die Bvvölkermtg der Uingcb-ung wird in diesen Ansrnfen eiugeladen, sich zu rächen. Begveiflichertoelse bemächtigte sich der jüdischell Bevölkerung große Unruhe, da »mic neuerliche Ansschreitungell befürchten mußte. Die Befürchtungen erwiesen sich diesmal als llllbegründet, ^»eil der Kongreß wegen Mangels an Deilnehlnern überhallp't ilicht ab geh alt eil, lver-den konnte. Außer den Mitgliedern der engeren Parteüeitnllg lvar zur Landesionserenz nie»nand erschierlen. -