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Wiener Morgenzeitung · 1927-09-01 · Heft 3055 (1.9.1927) · p. Seite 5

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
9 (1927)
Issue
Heft 3055 (1.9.1927)
Date
1927-09-01
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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«& Ms Men, DimnekMy Wiener Mvrgenzeitmrg 1. September E Seite S Die Randstaatenvolitik. WNwlaMc z»ll«nl»n zwWcn Litauen «»I Lettlani r Marsche u, 81. August. (Tsch. Pr. B.) Das Krakauer Blatt '„Kurjer Kodzienny" berichtet aus Riga, daß Mische«! denr lettischen Außenminister und dein litauischen Min isterpr ei sidenteu ,die Frage des polnisch-litauischen Verhältnisses erörtert wurde. Dem litauischen Ministerpräsidenten sei es gelungen, den Außenminister Lettlands für seine Politik gegenüber Polen zu gewinnen und die Versicherung zu erhalten,'daß Lettland in Zukunft in allen Polen betreffenden Angelegenheiten m vollem Einvernehmen mit Litauen Vorgehen werde. Der litauische Ministerpräsident habe sich für diese Konzession auf dern lGcbiet« der Außenpolitik zu weitgehende«! Konzessionen auf wirtschaftlichem Gebiete, u. zw. eventuell zum Abschluß einer Zollunion zwischen Litauen und Lettland, bereit erklärt. Die yolnislh-russlschen Pakwertzandlungen. Moskau, ZI. August. Das Außenkornmissariat veröffentlicht folgende Mitteilung: Nach Moskau zurückgekehrt, besuchte :deq polnische Gesandte Patek mn 26. d. M. Dschitscher in, n«it dem er eine längere Unterredung hatte. Angesichts dessen, daß die strittigen Fragen, die im Zusammenhänge pnt der Ermordung Woskows entstanden waren, für beide -Teile befriedigend beigelegt sind, erachtet,das Außenkommissarrat -sonnt den Zwischenfall als erledigt. Im Hinblick darauf «verden die Verhandlungen über ,einen Nichtangriffspakt und einen Handels vertra-g Zwischen den beiden Ländern in diesen Da gen Wieder ausge-nommen werden. Englische Spionage in Rußland. Moskau, 30. August. Die Organe der staatlichrn politischen Verwaltung haben in Leningrad eine Gruppe von 26 Personell die zugunsten Englands Spionage trieben, verhaftet. Die Gruppe wurde bereits im Jahre 1921 vom englischen Kapitän Boyce organisiert und unterhielt von Leningrad, Moskau und Odessa aus ein iAgenteimeh. Sie verkehrte .mit Boyce durch das englische Generalkonsulat in Leningrad und stand mit dem früheren englischen Konsul in Leningrad, P re st-e-n, in Verbindung. Zum unmittelbaren Leiter 'der Gruppe war ein in Finnland lebender ehemaliger Zarenoffizier namens Svkolow evnannt worden. Auf dem Boden der Sowjetunion stand an der Spitze der Gruppe ein gewisser Hoger, der gestand, mit Boyce seit dem Jahre 1916 Bezichnngen unterhalten zu haben und in seinem Aufträge tätig gewesen zu sein, als letzterer im Jahre 1910 zur Organisierung des Spionagedienstes in die skandinavischen und baltischen Staaten entsendet wurde. Die Gerichtsverhrndlung beginnt b:reiP am 2. September. Die englische Besatzung in Schanghai. Um die Miste verringert. Sch-an-gh-ai, 31. August. (Meuter.) Amtlich wind mitgcteilt: Bier ßr-ittf ch e Bataillone in der Stärke von ungefähr 3200 Mann und eine Artiller iebriga-de werden demnächst aus Schanghai zurückgezogen werden. Die zurückb'leibenden Truppenbestände werden 'fünf Bataillone mit ungefähr 400 0 M ann nach eine Kompagnie Panzerautos umfassen. dieser kleinen Erzählung macht Bialik eine Vision von ungeheurer Gewalt. Er schildert die Toten dieser Wüste, gigantische Mensche««. ^Granit, Marmor, Stahl sind ihre Weder. Sch bewegen sich nicht, aber 'die ganze Natur fühlt, daß das ein Herrschergeschlecht ist. Wenn chin Adler kornmt, die Brust des einen von ihnen %u zerreißen, dann! fühlt er keine Menschenbrust, sondern Stahl. Niemand darf sie wecken. N««r einmal «mch Jahrhunderten kommt das Gewitter dek Wüste, «vo altes iin Orkan tanzt' und durcheinaudertreibt. Dann stehen mich sie aus und sagen: „Wir wissen wohl, daß Gott es verboten hat, urrd wir wissen, daß Moses, der göttliche Führer, nicht an unserer Spitze «var. Aber wir «verden zum Kampfe gehen trotz Gott und trotz Moses. Und sic stehen auf u««d gehen zu«n Kampf. Dann ^beruhigt sich das Gewitter. 'Alles «vird still und sie schlafen wieder auf lange Jahre. * Nie«,«and weiß, wo sie liegen. Nur manchmal zieht eine Karawane von Arabern vorüber Md einer der Beduinen, vielleicht dev jüngste, der keine ,Erfahrung hat, spornt fein Pferd an, weit in die Wüste, jund sieht sich dam: plötzlich vor diese««« Lager von IGiganten. ^Er wird von einem heiligen Schreck erfaßt, galoppiert Zurück und erzählt altes dein alten Scheck. Dieser sagt chm: „Du hast die Voten der Wüste gesehen. Einmal ««rar es;eht Volk, so groß, so stark, daß es seinem Gott!trotze«r wollte jund feinem Führer den Gehörsa«n «veigerte; dafür wurden sie gestraft. Aber sie «varen ein großes Volk und haben fetzt auch Müder in der Welt gelasseir, und «««an nennt diese jGeueration das Volk des Buches." Dieses Gedicht ist im Jahre 1902 geschrieben. Werm Dichter überhaupt Absichten haben, dann «var es die Msicht Bialiks, de«n Volke des Buches ins Gedächtnis zu rrrsei«, wer seine Väter waren. Ein Jahr später geschah ellvas, das den deutlichen Unterschied zwischen den Vorväter«! und uns, den Epigonen, aufzeigte. Das Ereignis ist in unserer Geschichte als Pogroin von Kischinerv bekannt. Durch zwanzig Jahre hatte man vergessen, was Pogroms seien. Als man daun hörte, «vas geschehen «var, da verbreitete sich in der ganzen Welt ein stlscnnes Gefühl. Es war nur teilweise ein Gefühl des Grauens imb des Mitleides. Warum inan nicht Feueralarm bei der Faterparlameatarische« Konferenz. Die Schlußsitzung. Paris, 31. August. Während der gestrigem Schlußsitzung der Interparlamentarischen Union entstand im Luxembourg- Palast falscher Feueralarm. Ein französischer Senator, -der das Telephon benützte, hatte sich aus Zerstreutheit an den Feuermeldeapparat ongelehnt und dessen Scheibe zertrümmert. Einige Minuten daraus erschien die Feuerwehr «mt Spritzen und Leitern vor dem Senat, wo sich der -Zwischenfall ausklärte. Die Konferenz hat Baron Adelswär-d abermals zu ihrem Präsidenten gewählt und zu neuen Ralsdelegierten für Oesterreich Natiomrlrat Dr. Wa i ß und den Präsidenten der österreichischen Gruppe, Odehnal, bestimrnt. Mit einer Schlußrede des Präsidenten, in der er für die Errichtung eines Instituts für Parlament ar i sch e Z u s a m m e n ar b e -i t eintrat, nmrde die Konferenz ge - sch losf e n Die Herbstsession der Nationalrates. Das Suvget. — Keine neue LoWewe»««» »er Beamten. Sie Sillenaueten. — Ier Kam»« um die zolltnrlsnovelle. Der Nationalrat wird erst in der zweiten September- Hälfte zusammentreten. Für diese Herbsttagung werden in den Ministerien bereits die Vorbereitungen getroffen. Das Finanzministerium ist vollauf mit der Zufam«ncustellnng des Vundesvoranschlages für 1928 beschäftigt. Die meisten Ministerien streben eine Erhöhung ihres Budgets an. Soweit diese Anforderungen eine Deckung in Mehreinnahmen finden, wird auch mit entsprechenden höheren Ansätzen im Voranschlag für 1928 M rechnen sein. In den letzten Wochen waren wiederholt Meldungen über ein neues ForderungAprogramm der Bundesangestellten in Umlauf gesetzt worden. Der Reichsverband der öffentlichen Angestellten stellt ausdrüMch fest, daß es sich hier mti, keine neuen Forderungen handelt, sondern um das bereits vor einem Jahre beschlossene Forderungsprogparnm. Eine neue Lohnbewegung wird von der überwiegenden Mehrheit der Bundesangestellten derzeit nicht intendiert, zumal die österreichischen'Unterhändler in-'Genf m der allernächsten Zeit wegen des Abschlusses einer nerven Anleihe mitten Wöllerbundinstanzen in Verhandlungen treten wer- -dcn. Der Unterausschuß des Zollernsls chuss-es hat gestern nur die Enquete über die Erhöhung des Zementzolles beendet. Die Vertreter der Händlerschaft erhoben Bedenken gegen die Zollerhöhung, ebenso die sozialdemokratisch orientierten Teilnehmer der Enquete, die letzteren mit der Begründung, daß die Lage der Zementindustrie nicht ungünstig sei und diese somit eines besonderen Zollschutzes entbehren könne. Die Vertreter der Zementindustrie betonten, daß der Zementzoll geschaffen werden müsse, soll nicht die Gefahr der Abwanderung der Zementindustrie in besser zollgeschützte Lander erfolgen. Sie gaben bestimmte Zusagen, daß im Falle der Hinaufsetzung des Zementzolles derJnlandspreis nicht erhöht werdenwird. Konsumenten- und Händ^ervertreter verlangten diesbezüglich bestimmte Garantien. nur weinte, sondern auch noch an etwas anderes dachte, war schwer zu sagen, bis es Bialik sagt«. Er schleuderte Uns seine Pogromlieder in das Gesicht und gab eine Antwort darauf in den ztvei berühmten Zeilen dieses Gedichtes: „Groß ist das Weh, und groß ist die Schande, doch was von den beiden größer ist, errate du selbst, oh Mensch!" Diese Pogrome «varen eine Kette der furchtbarsten Schändungen und Schandtateu gewesen. Bialiks Verachtung für denCrnrordeten war größer als die gegen den Mörder. „Gott will kerne schwächlichen Menschen," schrieb er, „ihr seih zu schwach-, Verbrecher zu sein. Kann denn dev Staub der Erde Sünde tun? Ich «El keine sichenden Hände, ich will eine Faust, die gegen den Himmel sich wendet." Die Wirkung dieses Gedichtes auf Rußland, sein Einfluß aus die ganze revolutionäre Literatur, war ungeheuer und die «virllichen Gru Magen der Selbstwehrbetoegung stammen aus dem Geiste dieser Zellen. Dieses Gedicht bedeutete den höchste«! Punkt in der Parabel des iAufstandes bei Bialik. Bialiks Aufstand übte -auch auf uns, auf die Jugend, seine Wirkung. In -demselben Sinne, wie Herzl, -Achad Haam, alles, «vas «vir gehört haben, die ganze «rationale Erziehung zu Ende des letzten Jahrhunderts, eine Wirkung gehabt hat und im Judentum, in der jüdischen Jugend, seine Ergebnisse produzierte. Wir, die einfach-en Beobachter der Straße, erkennen, daß vieles sich geändert hat. Bor vierzig Jahren «var die herrschende Ideologie des Judentums Assimilation. Heute, im lAnfang dieses neuen Jahrhunderts, ist die Assimilation im Osten ideologisch besiegt. Die Leitung des jüdische«! Lebens ist in den Händen nationaler Menschen. In Palästina hat sich inzwischen ein hebräisch sprechendes Geschlecht entwickelt. Schulen «vurden gebaut. Wir, die wir <auf der Erde gingen, registrierte«! das und «oaren zufrieden. Aber tvahrscheinlich gibt es ei«!en großen Unterschied zwischen dem Standpunkt von u««s, die «vir auf der Erde leben, u«!d dem Dichter, der auf einer großen Höhe wohnt, und das, «vas «vir Licht nennen, einen ffodnm Fleck heißt in einer tiefen Nachi Kinder-Westen.S 8 50 Kinder-Pullover.S 8 50 Jumper-Kleider.S 35—, 49*—, 65 — Spezialhaus für Sfridcmodert Dl. Holzer VI., Mariahilferstraße 89 (neben Flottenkino) IL, Taborstraße 18 (Hotel National) Karlsbad, Alte Wiese Die Enquete Wer die Zölle für Ma rgarin e, Fette ufw. wird heute fortgesetzt und voraussichtlich beendet werden. Die nächste Sitzung des Plenums des Zollausschusses ist für Dienstag den 6. September in Aussicht genommen. Die Beratungen des Unterausschusses und die Enqueten -haben bereits ein ziemlich klares Bild von der Auffassung der Wirtschaftstreise Wer die neuen Zölle gegeben. Im Zollausschuß selbst werden sich dann die politischen Känwfe um die Zolltarifnovelle abspielen. Ir. Iinghofer — ZMzminister. Sitznrrg des Hauptausschuffes. Der Hauptausschuß des Nationalrates hat gestern den Minister Dr. Ding Hofer provisorisch mit der Leitung des Justizministeriums betraut. Auf der Tagesordnung stand ferner das Uebereinkommen mit Sowjetrußland betreffend die Liquidierung des österreichisch-ungaristch'en Botschaftsg-ebaudes in Leningrad. Äe BerhaMung über diesen Punkt wurde vertagt. ewa - - bei >■» Die Vorgänge dom 15. Fnli eine Anzeige Wege» »er EcWetzung »er guweliers SreM». Wir l)aben berichtet, daß am 16. Juli auch der Juioelier Arthur Kreisky während der Unruhen auf -dem Getreidemarkt durch einige Schüsse schwer verwundet worden war. Cr «vurde ins Wiedener Krankenhaus gebracht und ist dort am 18. Juli gestorben. Er wurde auf dem jüdischen Friedhof begraben, und der Präsident der Kultusgemeinde erlrnes ihm die Ehre des letzten Geleites. Bei der Trauerfeier war weder ein Vertreter der Regierung, noch der Stadt Wien mrtvesend. Nunmehr hat die Mutter des Erschossenen durch dchr Rechtsanwalt Dr. Pveßburger bei der Wiener Swatsanwaltfchaft eine Anzeige gegen unbekannte Täter tvegcn des Verdachtes des Mordes oder der Gefiihrdimg der öffentlichen Sicherhievt erstatten lassen. Gs wird also zu einer gerüWichen Aufrollung dev -WMgen Vorfälle kommen. Die Gewerkschast der Wachebeamten. Unter den Wachebeamton, die, wie bekannt, die Auflösung und Neuwahl der Personäldertreturrg durchgesetzt haben, macht sich eine Bewegung geltend, Lmrch ernen Masseneintritt in die Freie Gewe^rcksch-aM der Polizeibeamten deren Majorisrermvg und lün- «vandlung in eine unpolitische O r g-a-wMadiom zu eiZwm>gen. Eine diesbezügliche Agitation ist Mt errkigen Tagen von Wachstube zu Wachstube im Gange. Falsche Fäus^chlllrug-Roteu. Seit Monaten tauchen in kurzen Zeiträumen istw-b»- sch e Noten zu 6 Schilling auf, die sehr dilettantisch, einzeln mit der Hand hergestellt sind. Obzwar die Noten bei genauerer Betrachtung zur Täuschung nicht geeignet find, müssen doch immer wieder deartige Falsifikate aus dem Verkehr gezogen werden. Das Publikum schenkt den kleineren Noten viel zu wenig Aufmerksmnkeit. Cs scheint deshalb dringend geboten, Lei Entgegennahme von Fünf-SchMn g-Noten Vorsicht zu üben. Levine M den Szeanfwg auf? London, 31. August. Wie Levine erklärte, wird er, falls der eben begonnene Fing Minchins von London nach skaarada gelingt, seine Pläne ändern und yn Stelle des Transozeauflnges den Versuch machen, am f ein e-nr Flug im östlicher Richtung dem Dauer * rekord und Langstreckenr>vbo^rd zu brechen. Sie Wettflieger. Kou sta>n-ti<n o p e l, 31. August. Die ameriikcmischen WelMeger Brock und S ch l e e sind mit dem ^Stolz von Detroit"' um 6 Uhr 30 Minuten früh in B elg rmd aufgestiegen und um 11 Uhr 60 Minu-ten vovrmttagS in Konstantinopel eingetroffon. Der Amerila-Flug. MM MMI« In MM««» Iw PrlnMla SttUelm »Manet. Lou d V'N, S1. August. Von Erbgiand aus «vurde heute der dritte Versuch unternommen, 'den Allantik in ost-üvestlicher Richtung zu überqueren. Vom Flugplatz in Upavon in der Grafschaft Wiltshire ans sind heute morgens mn 7, Uhr 30 Minuten die beiden Flieger Oberst Mlrvch-im mch Kapitän Ha mäl t-v^n zum nach-Ottawa in Kanada-gestartet. S i i i

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