Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 9 (1927)
- Issue
- Heft 3055 (1.9.1927)
- Date
- 1927-09-01
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Men, Donnerstag Wiener MorgeuMLimg 1. Gepkimöer 1827 Nr. 3885 Seii * . f. p i *i* ■> >;• ' ■ > <&ys€jfortn versichern, wird eine Biertel-Mllion jüdischer Agenten der übrigen Asfeknrartzen entlassen, und Gott behüte uns vor dieser fünften Alijah! Grünbaum und Jabotinsky antworten auch mit einer Gegenfrage: „Womit seid ihr sicher — daß der Weite Partner in der Jewish Agency Geld geben wird." Antwort: Selbst rvenn die großen Herren, die Marshalls, die Brandeis', die Macks, die Untermeyers, die Rosenwalds, die Marburgs, die Strauß' und wie sonst unsere Multimillionäre heißen, kein Geld geben sollten, dann wird ihr persönliches Mittun in der Jowifh Agency den ungeheuren moralischen Erfolg haben, daß auch die auf den Zionismus nicht eingeschworenen Massen an die Solidität des Aufbaues glauben und Geld geben werden. Man kennt d i e Psyche unserer Balbatjm, die mittun, tvenn große Namen dabei sind, und auch — Zionisten werden gebefreudiger sein, toenn sie sehen, daß Schwung in das Aufbauwerk kommt. Ich bin aber auch fest überzeugt, daß die amerikanischen Multimillionäre mit gutem Beispiel vorangehen und größere Beträge geben werden. Im übrigen: Der Vorschlag Weizmanns ist die ultima ratio. Me gemischte JeSvish Agency ist die letzte Hoffnung, die l e tz t e a r t e, die wir ausspielen. Es ist entsetzlich, dies sagen zu müssen, aber es ist die bitterste Wahrheit. Palästina ist ein schweres Land, und der Wiederaufbau ist ein schiveres und kostspieliges Problem. Mit den bisherigen Mitteln werden wir auch in fünfzig Jahren nicht fertig werden und die Hoffnung auf eine „jüdische Mehrheit" werden wir begraben müssen, und mit ihr die stolzen Königsträume der erwachenden jüdischen Nation. Uns kann nur eine großzügige Mion retten. Das nationale Heim muß rasch gebaut werden, sonst Derdorrt auch der Enthusiasmns. Man kann noch für Zion sterben, aber für Zion hungern kann auch der entsagungsvolle Chaluz nicht. Unsere Linken sehen dies ein, und sie stehen zu Weizmann, weil sie am besten wissen, daß — wenn überhaupt — nur sein Weg zum Ziele führt. Wir haben also die Wahl zwischen Aufschwung oder Zusammenbruch. Wer offene Augen hat für die Realität der Dinge, der zögert nicht einen Augenblick und entscheidet sich für den Aufschwung, das ist für die Politik Weizmanns. Ich fürchte absolut nicht, die Assimilanten könnten ein Zion ausbauen, das nicht national wäre. Erstens denke gil.pj_fiiiM.iiL.iiii. ■■■! in» ii it m... i m. n.i in m »■■„i ■ w Festung, in dem Hause der Schechinah. „Die anderen sind schon alle weg. Die Schönheit des neuen Lebens hat sie mit sich gerissen. Ich allein, der letzte, bin unter 'den Flügeln der Schechinah geblieben." Und es scheint ihn:, daß er hört, wie die Schechinah in ihm schon ihren letzten Ben Jochid sieht und - fürchtet, auch er werde gehen, und wie sie es fühlt, jedesmal, wenn es ihn znm Fenster zieht/ und wie sie ihn Mit ihren gebrochenen Flügeln verteidigen uttfo schützen will unb flüstert: „Alle sind schon 'weggegangen. Willst jetzt auch du mich verlassen?" Und der Ächter hat die alte Festung 'der Schechinah mit Men Kameraden verlassen. Hier, an der Wende des 19. und 20. Jahrhunderts, beginnt eine neue Epoche. Es ist das Ende der Müdigkeit und der Anbruch einer neuen Zeit, der sich in Rußland klar ausgeprägt hat in der Kette der russischen; Revolutionen, deren letzte die des Jahres 1917 war. Auch für das Judentum ist dies eine Zeit, die neue Kräfte bringt: Herzl und die erste Begeisterung des politischen Zionismus, und die jüdischnationale Beivegung in revolutirntärer Hinsicht, den berühmten Bund. Also .Frühling. Aufstand! lÄusstand der Juden auf Men Gebieten. Und zusaurmen mit dieser Aendorung sehen wir einen Wechsel im Don der Gedichte Bialiks. Bialiks Torr ist der Ton des Aufstandes. Es ist kein politischer iAufstcmd, es ist mich nicht Aufstand in rein zionistischem Sinne, weil seine Gedichte dieser Art aus dieser Epoche mcht die besten sind. Es ist Ausstand in einem anderen Sinne. Er ist dein alten, verzerrten Ghetto entwachsen und gegen jedes Verbot dieses Ghettos steht er auf und ruft zum Kämpfe und kämpft selbst. Das erste 'Verbot dieses iGhettos war das Verbot der Natur. Me Schönheit der Natur ivar verschlossen,.aber nicht nur von Feinden, sondern auch in der Seele des allen Ghettojnden. Sie hatten eine gervifse Verachtung ftir die Dinge, d.'e schön sind, die man mit den Augen sieht, und die nach ihrer Meinung nichts bedeuten. Malis erklärt: Aufstand. Geht und rnst die Natur. >Und es ist nicht bald in einer Dichtung eine so heidnische Vergötterung des Lichte' zn finden wie in den Ge- AchWuMaliks aus jener Periode. In einem Gedichte, Zohar,. 1 ich über die Assimilanten unserer Generation nicht so schlimm, als der zionistische Katechismus uns lehrt. Die Zionisten in England, Frankreich, Italien und Amerika sind in der Regel Assimilationsjuden, und auch jene, die nicht Zionisten sind, haben «viel lebendigen Sinn mrd Liebe fürs Judentum^ 'Man kann und -darf sie nicht geringschätzcnd abtun. Ich könnte viel über dieses Thema schreiben, und ich denke, daß viele Affimilanten in ihrem dunklen Drange sich des rechten Weges doch bewußt werden. Auch die Assimilanten wollen keinen deutschen oder englischen Jischuw, sondern einen hebräisichen und auch . in einer gemischten Jowifh Ikgeney werden wir für ein nationales E r e z z u m i n d-ost dbe haben. Mir bangt nicht vor der hinreißenden Kraftmrfferer Uwe. Im übrigen habe ich vor zwei Jahren das System von zwei Kammern vorgefchlagen, um der Gefahr der Majorffierung zu begegnen, eine Gefahr, vor der sich — glaube ich — gerade der andere Partner schützen müßte, denn w i r werden immer die Aktiveren und die Stärkeren imd die bei Sitzungen Anwesenden sein. Der Kongreß wäre das Unterhaus, die anderen bilden -das - .Oberhaus, und der Schwerpunkt liegt — wo? Im Unter- ' Haus. Wir haben nichts mehr zu verlieren, und wir haben alles zu gewinnen. 'Selbst eine Einschränkung unserer-' Souveränität und unseres Budgetrechtes, was bedeutet siegegenüber dem, was auf dem Spiele steht, gegenKber bw Hoffnung auf vollen Erfolg? Weizmaims Rechenschaftsvenchl. (Fortsetzung von Seite 1.) Me Krise ist nicht in Palästina, sondern in 'der zionistischen Bewegung. Das Unheil kommt nicht' vom Mangel an Geld, sondern vom Mangel an Mut. Das Eingeständnis, daß wir am Ende unserer Mittel stehen, bedeutet einen Mangel an Vertrauen zum Volk. Redner führt dies darauf zurück, daß man die religiöse Richtung im Judentum nicht genügend berücksichtige. Als zweiter Redner spricht namens der Hitachduth Dr. Arlosoross: Er beginnt mit einem vollen Bekenntnis zu WeiMann. Wer aufmerksam zugehürt hat, der hat aus dem politischen Bericht des Präsidenten den Ton der Würde vernommen und die Behauptung der politischen Methode gehört, die wir hier als die politische Tradition der zionistischen Organisation kennen. Redner wendet sich MMN die lmnerikanischm separatistischen Tendenzen und insbesondere gegen den Vertrag mit der Hadassah, dessen Annahme Präsident Weizmann so warm empfohlen hat. Durch diesen Vertrag wird die Hadassah nicht mehr als ein Organ des Jischuw bestehen, sondern ste wird eine K a n o ne der amerikanischen Z i o-mi st e n s «e t n. Dem Kongreß wohnen u. a. bei die Gattin Sir Alfred Monds, welche dem Präsidium der WiM-Konferenz angehörte, ferner Fräulein Maxa Norden, die Tochter des verstorbenen Führers. Morgen findet keine Plenarsitzung statt. Im Stadtkasino werden sich die Teilnehmer des erstenr..Kongresses zu einer Jubiläumssitzung versammeln. Re 46. Session de» BHHerbundrate» G c Jt %, 31. August. Der Völkerbund tritt morgen um 11 Uhr vormittags zu seiner 46. Session zusammen; den Vorsitz tttkd der -chilesffchc Delegierte V i l I e g a s führen. Die mafften Ratsmitglieder sind bereits in Genf eingetroffen. Die ersten Sitzungen des Rates werden nicht öff cn EiÄhs rmd internen Fragen gewidmet sein; die Tagosw v-d-m-u ng der öffentlichen Sitzungen umfaßt 28 Pm'wTÄe. Bon Chlodwig vis Foch. P-a-villS^ ZI. August. Zu Ehren des britischen Auhenwimsters EhttMberlain, der auf der Reffe nach Genf in Pa-- rBEurzen Aasimthalt genommen hat, veranstaltete die Stadt Paris einen Empfang im Rcvthause, bei dem dem Gast ein von der französischen Nation gewidmetes „Goldenes Buch" überreicht wurde, das Darstellungen aus der französischen GeWchte sowie Porträts berühmter Franzosen von Chlodwig bis Marschall Joch enthält. Die Ueberreichmrg war von edreviRede Bricrnds begleitet. Dieses „Goldene Buch"' ist ein Gegengeschenk für eine ähnliche Widmung, welche die Stadt London im Ja^e 1916 Pvincare gemacht Hut. 2« Trsppeuvermkuderuug km Rheinland. Berli-m. 31. Alllgnst. (Wolff.) Die v ffizielle Beuachvichtigung des ArMvartigen Amtes von dem Beschluß der alllierten Regierungen über die bevorstehende Truppenreduzierung nw besetzten Gebiet ist nunmehr ^auf dem üblichen diplomatischen;Wege erfolgt. Die offizielle Mitteilung be- -Tbitigt, daß sich Me Zahl der zurückznzähenden 'Truppelt auf 'AOKOOM-amM'. belaufen soll. 2er Hasen kn Haifa. J?avuOlLberm> 29. lAugust. (I. T. M-XWei die Jüdffche » TcleMaphen-Agrmtur erfährt, lvird im April 1928 mit dem Bau des Hafens von Haifa begonnen werden. Bon der PoLästina-.Anleihe in Höhe von 4.2 Millionen Pfund, die laut Beschluß des britischen Parlaments von Großbritannien garantiert wird, sind 1,115.999 Pfund für Hafenarbeiten bestimmt. Davon soll 1 Million Pfund für beit Bau des Hafens von Haifa bestimmt, die restlichen 116.000 Pfund sollen für die Erweiterung des Hafens von Jaffa verwendet werden. Die Arbeiten am Jaffaer Hafen sollen schon in kurzer Zeit durchgeführt werden. ProbemMWerrmg in Rußland. Berlin, 31. August. Wie die „Vosisische Zeitmig"" aus Moskau berichtet, wurde in Leningrad und in der Krim eine Prob emobili-sie-oung der Jahr-, gänge 1896 bis 1903 angcordnet. In Aufrufen wild dte Bevölkerung darüber beruhigt, daß es sich nicht um kriegerische Maßnahmen handell, sondern lediglich um b l i n d-em Alarm, um die Mobilmachungsorgcmisatian zu prüfen. Trotzdem ist unter der Bevölkerung von Leningrad starke Nervosität entstanden, denn in den Bekanntmachungen werden die schärfsten Maßnahmen gegen alle Personell angedroht, welche die Bedeutung dieser Mobilmachung falsch darstellen und sie durch Agrbcrtöom und Propaganda in ihrer planmäßigen Durchsicht rtmg zu stören versuchen. Klara Zetkin wieder in Berlin. Berlin, 31. August. (Wolsf.) Die KomMnistervfüHverÄ Klara Zetkin ist heute nachmittags nach zweijährigem Aus» enthalt in Moskau nach Berlin Mirückgekchri. erzählt er eie Erlebnisse eines Kindes, eines Taugenichtses, der mit den ersten Sonnenstrahlen erwacht, toeil seine kleinen Freunde ans Fenster klopfen, und von zu Haufe megläuft Und in die Felder verschwindet. Dort findet er die Keinen Freunde und spielt und badet mit ihnen und läuft fingt und sie erzählen einander. Und erst am Ende verrät er: „Diese Kinder sind gar keine Kinder, sondern ZapMlim, Sonnenstrahlen." Er geht in das Feld und dann wirft er sich ilw'iKorn auf die Erde und hört, was die reife Frucht zu chm spjricht, und siihll die Säfte.der Erde iw seine Wern strömen^ In keiner Literatur vielleicht ftndet man eine so starke, hungernde Sehnsucht nach Freiheit und Natur wie hier. Eine andere Seite des Aufstandes gilt der Leiderrsichaft, der Liebe und der Jugend, drei Dingen, gegen die sich das Ghetto versperrt hat. Liebe war ausgeschlossen. Heule sagt man: Jugend hat ihre Rechte! Jugend ist eine wichtige Periode im Leben. Damals war sie nur Borberechnng für das reifere Mer, Gelegenheit zu solcher Borbererlmng. Jugend war ein negativer Zustcnrd, ein junger Mann war nicht der Jütrgling, sondern der noch nicht Fertige. MaEk proklamiert Aufstand wld ist der erste in der ueueven Hebräischen Literatur, der Töne einer vollblütigen,'tiefen LeÄen- .schaft erklingen läßt. Interessant sind in dieser Periode die inneren Mio* uanzen des Dichters. Wenn er auf eirunal ffagt: „Welleicht ist alles gar nidjlt wahr, aber 'ich habe es erdichtet^' In dein schönsten ^Gedichte dieser Zeit spricht er zu einem «Mädchen, das nicht seine Geliebte ist. Er sagt: „Nimm nüch in den Schutz deiner Flügel und ich werde dir die Mchrhell erzählen. Man sagt, es gebe eine Jugend in der Webt- Wo ist tneine Jugend? Meine Seele ist irr ihrent eigenen Feiter verbrannt. Mart sägt, es gebe Liebe. Was ist das, Siebe? Trättme habe ich gehabt, die haben inich betrogen. Ich hatte einen Stern, der verschwand. Jetzt stehe ich hier rmd nichts niehr in der Welt ist mir geblieberr." In dieser Zeit schrieb er ein autobiographisches Gedicht: „Sollte mich der .Engel fragen." Er erzählt dayin « # einem Engel die Geschichte seiner Dichterseele. Es war emnral ein Städtchert und' vor dem Städtchetr ein kleines Feld. ITarauf saß ein Nnd, das blickte itach oben und sah eine weiße Wolke, und zu dieser Wolle ist die Seele des Kindes hincmfgesioßen. sind sie flog mit ihr.um die ganze Well, und sie hat alles gesehen und mit den goldenen Strahlen der Sonne gespiell, bis sie wieder einMäll zu jenem Städtchen kam sind das kleine Kind sah. Dal ging die Seele in tdas Kind zurück. Und hat sich dann twt dem Kinde über ein alles Buch gebeugt, über ein alles, von Stäub bedecktes^ Buch, in dem ein ewiges Lied erzitterte. Die Seele begaim W singen, von all dem, was sie gesehen hatte: Von den fSonnenftvahken und vom Buch. Nur einen MsaM kmrnte diese Seele nicht, den von Jugend und Liebe. Ütid fett jenem Tage wandert meine Seele durch die Welt und findet nicht, waÄ sie braucht. An den Neumondnächben ftieW sie sich zu den Toren des Paradieses der Liebe. Sie hat Dicken Mut, einzutveten, aber sie sitzt leise an den Toren und betet zu Gott um Liebe. Trotz dieser Klagen hat er rms Lieder geschenkt, die für best Geist des Ghettos so klingen wie die BoecaceioS zur Zeit det Nenafffanoe. Die Höchste Stufe des .Aufstandes aber i|t oie Vergötterung der männlichen Kraft, also Aufstand im wirMchen Simw des Wortes. Denn für diese Tinge hatte'das Ghetto überhaupt kein Verstehen, mtr Verachtung. Bialiks berühnttestes Gedicht und sein bestes üüechwlpt gehört zu dieser Epoche: Tie Toten der Miste. Es ist auf einer Legende aufgebaut, die teilweise aus dem Midrasch, teilloeise aus der Bibel rlihrt. Ein halblegendärer Wanderer hat ihit in die Wüste geführt und ihm die Leichen der Judeit gezeigt, die ernst gegen Gottes Verbot den Berg bestiegelt, um sich mit dm Amalekitern zu schlagen. Gott und Moses halieit verboten. Aber trotz dieses Verbotes hatte eilt Teil der sJltdm gekäntpst und war voit den Auinlekitern getötet worden. Der Wanderer zeigt ihm die Doteit,der Wüste. Sie liegen alle vlisgestreckt und siitd so groß, daß unter ihrenr gebogmelt Knie eirr roite>tder Wann hiMtrch könnte. 'Ms /