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Wiener Morgenzeitung · 1927-09-01 · Heft 3055 (1.9.1927) · p. Seite 2

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
9 (1927)
Issue
Heft 3055 (1.9.1927)
Date
1927-09-01
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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Leite 2 Wien, Donnerstag Wiener Morgenzeitung 1. S-chtemHer 1937 Nr. 3066 Per XV. MoBiteiciiiioiiilrcfi. wmmmm ,. «I- **• M. 0. 11 n, nltu #l-.„„«t {%* :H r r r H4». «- fl-H**-*- 1—fflL Mm \maar, wahrem, gefnndm Realismus, höchstmögliche Objektivität und Sachlichkeit. Die Zionistische Organisation, die in den dreißig Jahren ihres Bestehens nicht tot gerodet und nicht tot geschrieben werden konnte, beginnt in treuer Erinnerung Wer Vergangenheit mit frischem Mut eine ne ne Pe-riod e. Sie tritt in diese Periode ein mit sieghaftem Bewußtsein innerer Erstarkung, mit selbstbewußter Germgtuung über errungene und in sicherer Hoffnung zukünftiger Erfolge, mit dem erhabenen Gefühl maßgebenden Einflußes auf das jüdische Volk und auf weite, edeldenkende Kreise der Menschheit und mit dem festen Entschluß, diesen Einfluß für den Aufbau Erez Israels gelterch zu machen. 1 PE1ZWAREN Die Baseler Mustermesse, in deren Gebäuden der 15. Zionfstenkongreß tagt. BBBBBBaNSBMniil IBBBUI Sokolows ßröffnungsrede. Irei Perioden zionistischer GMichle. J $ u Ä M jeder Art in feinster Ausführung billigst bei Qebrfider BralraSm Wien, II., Glockengasse 8 Tel. 45-4*33 SBiir geben im nachso'lgenderl. die bedeutsame Aussprache wieder, die Nah u m Sokokow, der Präsident der Zionistischen Executive, in der Eröffnungssitzung des 15. Zionistenkongresses an -d:e Delegierten richtete. Hochverehrter Kongreß! Ein Stück unserer Geschichte blickt uns aus dieser Stadt an. Sie erzählt von den Anfängen unserer Bewegung. Wir treten hier wie über die Schwelle des Vaterhauses. Von Hier war das Leben ausgegangen, unser Leben. Die schlummernde Volkskraft wurde geweckt und zu lebendiger <Älbsthilfe eingespannt. &on hier flatterten die geflügelten Worte unter das Volk heraus, als ob aus Stahl und Stein Funken auszuckten. Die Inkunabeln des modernen Zionismus tragen den Druckstempel Basel, Baseler Programm. Das war eine Tat. Denn Wort ist Kraft und Kraft ist Tat. Nach zweitausendjährigem Schweigen hat das jüdische Volt, welches gelitten hat und leidet wie kein einziges in der Welt, zum erstenmal zu der großen Oeffentlichkeit gesprochen. Das jüdische Volk verkündete feierlich sein Me n s ch e n r e ch t, sein Vokksrecht, sein Recht auf d-a s Land I s r a e l. Das war ein Aufschrei der in ihm beleidigten Menschheit. Die Idee der Freiheit bildete den dunklen, treibenden Untergrund für die neue Bewegung. Denn der nach Befreiung seines Volkstums strebende Jude ist auch ein Glied in jener Kette der Freiheitskämpfer, die die Schätze und Güter der Freiheit heben und verteilen wollen. Theodor Herzt hat die Kraft besessen, den Schleier der kommenden Tage zu lüften, er schwang die Leuchtende Fackel eines Propheten. Die lieveratmende und geiistzündönde Kraft semL-r Persönlichkeit wirkte wie Offenbarung. Aller Herzen schlugen einen einzigen Schlag, aller Augen waren ain einziger Strahl. So war der 1. Zionistwnkongrsß in Basel 1897. Aber nicht nur nach außen machte der 1. Kongreß einen mächtigen Eindruck, seine Bedeutung war noch viel großer nach innen. Unser Kamps gegen die Assimilation, jetzt schon ein dreißigjähriger Krieg, den der Zionismus geführt hat und führen muß, hat hier begonnen. Einer der grüßten Geäster, die das moderne Judentum ievoorgebr/acht hat, einjrr der fpmchgewaltlgsten Menschen, d8e je gesprochen und geschrieben haben, Max N o r Ä,a u, hat hier diesen Krieg »erklärt. Die scharfen Sendenzen von der m o r a l i s ch e n I u d e nn o t, von dem ,^8auch- und Auchjudentum", die Max Nordau geprägt und mit grandioser Wucht in die Oeffentlichkeit geschleudert hat, waren wie der Zionismus selbst, uralte Wahrheiten in neuem Gewände. Die Assimilation herrschte damals fast noch unbeschränkt Ein Judentum, das für sich denkt, für sich lebt, für sich will und für sich handelt, war in den Augen der Assimilation eine Chimäre. Deshalb mußte Nordau seine Geißel gegen die Assimilation schwingen. Man darf sagen, daß der Siegeslauf Herzlscher Gedanken nicht so leicht gewesen wäre ohne die kongeniale Mitarbeit Nordaus. Selbstverständlich Handelte es sich beim ersten Kongreß einzig und allein um das Palladium des nationaljüdischen Zukunstsbegriffes, an dem alle jüdischen Generationen seit ältester Zeit hingen, der unbewußt und unverrückbar im tiefsten Grunde der Millionen jüdischer Herzen lebt und der sich nicht hat verkümmern lassen vollen. Selbstverständlich war Erez Israel, und nur Erez JsttiÄ, di/e Wietze unserer Nationalität und der Ursprung unserer Stawmesart, als der einzig mögliche und der einzig würdige Mittelpunkt unserer ,! sterischen Einheit gedacht. Dieser Grundsatz wurde mrBajeüer Programm formuliert. (Das ist der kat.eg, arische JmperaLüwunsererwieD-ttausendjährigen Geschichte. An diesem granitenen FM? werden alle Angriffe, alle Ablenkungsversuche, alle ZweifiK - zerschellen. Die größte Leistung dies 1. Kongresses war der Kongreß selbst. i Die Juden aller Länder, Kulturstufen, Stande, Parteien,^ Sekten, Fraktionen, verschiedenen Lebensalters und Ge-» schlechtes stellten das Bild eines Volkes en miniature dar. Denkwürdig ist die Verbrüderungsszene, der Freudentaumel am Sankt. Jakobstago, als während des 2. Kongresses das Volk von Basel uns zuvkef: Es leben die Juden! Man konnte schon damals einsehen, daß wir uns gerade durch den Zionismus mit den anderen Völkern in den ttefften Grundlagen und den höchsten Spitzen berührten. Nur als Volk kann man die wach re Emanzipation erreichen. Seit der Begründung der Zionistischen Organisation, durch -den 1. Kongreß ist ein Zeitraum von dreißig Jahren verstrichen. Dieser Zeitraum zerfällt in drei Perioden:. L die Herzl-Periode, 2. die Periode Wolffohn-Köln und-? Warburg-Berlin und 3. -Me jetzige Periode. ] Die Periode, in der -wir uns nunmehr befinden,! dio Periode der Anerkennung und der Perwrrkkichung dos Nationalheims für das jüdische Volk mttM düm Mmrdat Großbritanniens und dom Schutz des Völkerbundes auf der Grundlage internatiomüer Trakttrte, I hat uns vor ganz neue und epochemachende Aufgaben ge-! stellt. Das entscheidende Moment ist die Entfte^rng des '. Nationalheims de jure, der, dessen Aufbau'de sa-c-do folgen muß. Der Zionismus hat die erste EntwickluugS-! Phase bereits überschritten, ja, der Kampf ist schon so weit vorgedrungen, daß man zur Entscheidung antreten mußte. Der Zionismus wird aus diesem Endkampfe s ieg reich hervor gehen. Wer um diesen Sieg p ermöglichen und zu beschleunigen, muß viel Großes, Tüchtiges und Lebenskräftiges in Erez Israel geleistet werden. Es geht nicht mit einem: Es werde! Man muß temporäre Mißerfolge mit in den Kauf nehmen. Die qualvollen Wehen sind nicht TodeAvehen; sie-sind Wehen des Werdens. Hochverehrter Kongreß! Zwei schwere Jcchre liegen hinter uns. Das Teuerste, was wir besitzen, -das Mel unserer Hoffnungen, der Hort unserer -Einheit, das Herz unseres Volkes: Erez Ifrael leidet fchwer e Not. Tausende unserer tüchtigsten Arbeiter nagen am Hungertuch, sie hungern mit Würde, mit dem Pslichtbowußtsein ernster Männer und mit der beharrlichen, unermüdlichen Ausdauer begeisterter Pioniere. Unsere Organisation hat übermenschliche Anstrengungen gemacht. Mer da haben wir den tragischen Kampf zwischen dem glühenden Stein der Bedürfnisse und dem Wassertropfen der * Mittel. Was soll nun ich Botschaft des jetzigen Kongreßes sein? Pflicht, Ehre, Opfer, Ernhieit, Ansdanvr, Zuversicht! Das jüdische Volk hat gerade im Unglück immer seine stärksten Kräfte zu erlangen vermocht. Es wird sich auch jetzt zu einer größeren Aktion aufraffen. Die Zeiten sind gegangen, die Formen haben sich geändert, doch der Inhalt ist geblieben. Was wir gewesen sind, das sind wir auch heute. Man sagte, das große Ideal H e r z l s sei in Vergessenheit geraten. Aber das ist ein Wahn der Kurzsichtigkeit und der Ungeduld. Man sagte, uns fehlte eine vorgeschriebene Marschroute, ein Programm. Nicht Programme fehlen uns, sondern Kapital. Die Kunst, ein Land ohne genügendes Kapital anfzubauen, ist noch nicht erfunden worden. Was wir wollen, wissen wir ganz genau. Mp wollen und ersehnen eiwe BewiniMMg von höchst«» Jdöaltznms und Aue Rede Weizmanns an die Presse. -Am« Dienskrg fand in Basel citt..Enrpfang der zum Kongreß angemrlbeten Vertreter der Presse statt.. Präsident Wechzmawn begrüßte die Journalifteln mit einer Ansprache, iu der er u. a. sagte: ,,©W 30 Jahren fand in dieser gastfreien Stadt-der 1>zKvngreß statt, und ich kann! mich erinnern, daß damals mc wenige Pressevertreter zur Stelle warm. Die Tatsache, daß Sie, meine Herren, in so großer Anzahl erschienen sind, ist xin sichtbares Zeichen dafür, daß dar ZTvmchKMus gewachsen ist und honte in dar * Re-LH-e der großem, däe gesamte Welt int-ere^W-erentdem Fragen steht. Daß diese Entwicklung vor sich gehen konnte, daß der Zionismus 20 Jahre 'mach der Pvmmllgiermrg seines Programms die Pal- Deklarabiiv n zu erlangen vermochte, daß dev höchste moriMscheiAervpagder «Menschheit, derjVölkerbund, der Schutzherr dieser Deklaration und des aus ihr hervorgegangenen Palästrna-M andates ist, ist nicht zuletzt der Unterstützung der öffentlichen Meinung der ziviliflerten lMensMeit zu verdanken, deren Vertreter- Sie, meine H-erveu, »in unserer iMitte weilen. Ich habe immer toföebec den von Theodor Herzl ausgesprochenen Grundsich betont, daß wir Inden, deren einzige und Haupttotoffm ethische Forderungen sind, in vielleicht höherem Matze als die anderen Völker eine Atmosphäre des Wohlwollens benötigen, denn nur im Geiste des Medens und in der Atmosphäre! des Wohhviollens kann MirkKche Freiheit gedeihen, und diese -ist der tiefste Sinn dEen, was -mau >ZioniÄnns und sein« Bestrebrmgen Ich betrachte Sie, meine Herren, aM'Me-ü-e MiH« itßvb iMicka r b aickar. Ich bin überzeugt, daß Sie wie bisher bei ällenj Tagungen Ihr Bestes dreinsetzen werdenum den 'Zionismus, der nach> dem Urteile der erleuchtetsten, zeitgenöWchen Geister zu den Bewegungen ge^rt, dLv dem all-geme-imen m^rvstch- Wchen FL-rckschrickt dienert, in seinem Mngen um dß BMvÄlWcng seiner Ziele zn unterstützen." We Hattuug der amerikanischen Megafon, B-afeL, 30. August. Aus Kreisen -der anterikcmischeil KrMgvoß-Delegation erfährt der I. T. A.-Vertveter: Me.amerrka-msche Delegation wird auf dem Kongresse auf der DmHWrung der Reformen der MrtschastsmÄ^den beharren, well davon die Verwirklichung der großen Pläne der Jswifh Agency abhängig ist. Die Amerikaner glauben, daß Weizmann die gleiche Polittk verfolgt. Die amerikanische Delegation wünschtdaß dieser Kongreß nur die Vorbedingungen zur DurchsichaMng der Plane der Jewish Agency-Kommission schaffen solle,. EadgültiW EntschMmg-en sollen jedenfalls dem nächsten Kongvetz vortzchalten blotben. Die ^wrerikmchche Delegation ist entschlossen, der gegew wkttckqgen Leitung der zronistischen Bewegung Fair Play zu gechen und mitzuarbetten au der Durchführung des JewW Agench-Planes. Sollte dip ÄngpfchlaMne Jewish Agency-Poltttt mtt eßnchn Mßerfolg enden, dann werde aWrdings tiin WyM in d»r Leitung djer Bewegung mnwrmieMich sein. Der jeKg« Kongreß soll Me Behandlung der Fragen, die sich auf "neue Unternehmungen in Palästina beziehen, vens chi eLb-em, bis der von der Jewish Agency-Kvmmisfton ansKumbeNende große Koloni-sationsplan fertiggeftellt fft. We amerikanische Delegation verfügt Wer 84 Delegierte, auf ihre Politik haben sich wettere 16 Delegierte ans anderen Ländern verpflichtet. Diese Gruppe sihließt^denmach eim Dvi<t>tD,l aller Kongr^t-eDnehmer «in.

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