Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 9 (1927)
- Issue
- Heft 3055 (1.9.1927)
- Date
- 1927-09-01
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2979076-2981905-2982143--31148-3019438- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
[ Polen r 25 gfoszy | Wien: Zum Abholen mdet Expedition, II., Taboistr. 1*8 oder in einerVerschleißstelle (Trafik) monatl.5 Schilling Straßenverkauf in Wien durch die Kolporteure der Firma Goldschmied, I., Wolleeile 11 Mit Postrersand für Wien und Oeatr reich monatlich l Schilling T sehe oho - Slowakei: Mon. K 22. Jugoslawien: Mon.Din.60. Polen:Mon. 6 Zloty Deutschland: Mon. Gm.4.Frankr eich, Belgien: Mon. Frcs. 85 NMt Pi«la* trhQh*ngei> T#*beh»lten. Rr. 3055 Mnndreßqiisüflbc Wiener | preis 20 g ( Englan d:Mon.-ISchilling Italien: Mouatl. 20 Dire LumLnien: Mon. 170Dc B ul gar i e n: Mon. 100 Lewa Schwoiz und das übrige Ausland monatlich Free. 5 Redaktion, Administration: Wien, II.* Taborstr. 1 Telephon: 44-0-38, 43-3-19 Ab 6 Ohr abends Telephon Nr. 31-0-86 Vll., Lerchenfelderstraße 1 (Druckerei „Inva“) Oesterreichischea Postspar - kassenkonto Nr. 150.693 Wien. Donnerstag» 1. September 1927 9. Zatzrgang Wchmams Rechenschaftsbericht. Re 8ewif-'Ase«ld'KommMon wird erst nächstes Fahr berichten. - Abbau des Defizits und Äuleibe. — Die Arbeitslofigkeit in PalMua — Beginn der Generaldebatte. (Von unserem Berichterstatter.) Wenn nicht die bewundernswerte Disziplin, tch uncr- Jm redÄtioneüen Teil enthalte« mnmtgeltüche Mttteümtgen sind durch ein vorangesetztes P gekennzeichnet. Hütung mm WHUijaii. —y, Wien, 1. September. ,Man war in der Welt von jeher schlecht über uns unterrichtet", heißt es in der Rede, mit der Hevzl den erste» Zionistenkongreh einleitete. Er hat dies vor dreißig Jahren gesagt und wenn man sich heute das besieht, was dem mchtjiidischen Publikum an Kenntnis jüdischen Volkstums unb jüdischen Wesens vermittelt wird, so merkt man, daß sich eigentlich hierin wenig geändert hat. In Büchern, in Zeitungen, in Versammlungen ist sehr viel vom Juden und vorn Judentum die Rede und es gibt auch Perioden, in denen sich die Theaterdichtnng mit diesem Thema lebhaft beschäftigt. Mer nirgends wird ein richtiges Bild gegeben, und es will oftmals scheinen, als ob die nicht-, jüdische Geistigkeit gar nicht imstande ist, zu einer unbefangenen und .objektiven. Auffassung zu gelangen. Immer rvird das Wesen jüdischer Art verzevct dargestäkt und das ist die Folge einer systematisch betriebenen und sehr tief angelegten Fälschungsarbeit. Sie hat sich festgesetzt und sie wirkt so stark, in die Massen, daß ihre haßerfüllte Detailnalerei sogar unbewußt und von sonst gerechter denkenden Personen weitergetragen wird. Man; frage doch einmal irgendeinen höher gebildeten Menschen um seine.Ansicht, ob er an den Ritnalmord glaubt oder an den, Reichtum der Judihr Weltherrschafts streben und man wird mit SSett’' .LMkA-ter allerlei Mentalreservationen, hinter alb .<v -We^zM^oDezichungÄVeise die antisemitisch. >Man merkt sehr oft, daß der Pichtjude von uns Wethaupt nichts weiß, daß, ihm das. jüdische Leben, der jüdische Brauch, die Art eines Volkes, rrttfc dem er seit Jahrhunderten beisammen istfremder steht als irgendein exotischer oder arktischer Stamm. Man merkt dies allerdings auch bei Juden, aber das ist ein anderes Kapitel. Für manchen Juden ist es eine Ehre, in bezug auf Geschichte und Kultur seines Volkes mit Ignoranz zu paradieren. Man frage ein solches Individuum,/das gewöhnlich radikal rechts oder radikal links orientiert ist, nach Moses oder dem Talmud und es wird sich entrüstet abkehren. Welche Zumutung an einen Menschen, der die Ilias auswendig kennt und mit Gautama Buddha auf dem Du-Fuß steht! . Diese Unkenntnis des Judentums in der nichtjüdischen Welt war immerhin verständlich, solange im Judentum ein Assimilationswille bestand. Wozu soll ich dich kennen lernen wollen, wenn du mir gleichen willst? Wenn deine Btutver-- bindung dir so wenig gilt, daß du. sie von dir werfen willst^ so ist mir das Urteil genug. Diese Argumentation ist in die Politik ^»gegangen und sie ist die Essenz des antijüdischeu Treibens, m dem neben .Angst vor der jüdischen Tüchtigkeit auch die Verachtung des Mischen Selbstmoröwillens mitschwingt. Aber die Fremdheit wird unbegreiflich angesichts der dreißig Jahre jüdischer Erneuerungsarbeit. Das jüdische Volk verlangt die nationale Emanzipation, es stade rt sein Recht überall Hort, wo es lebt und an Staat, Gesellschaft, Wirtschaft, an geistiger und technischer Kultur mitarbeitet, es fordert sein Land und! seine Autonomie. Das müßte doch für alle Parteien, ftir alle politischen und allgemeinen Verbände ein Anlaß sein, die Äellung des Judentums Und die Berechtigung seiner Ansprüche! in öffentlicher .Aussprache zu überprüfen. Wenn eini so agiles und so aklwes Element wie das jüdische Volk darangeht, sich f/lne eigene Kultur und Zivilisation aus seinem eigenen Boden zu schaffen, so .ist das doch eine Angelegenheit, die die Politik und Wirtschaft aller Völker sehr lebhaft interessieren nruß. Mter auch Mer begegnen wir 'der merkwürdigen Tatsache, daß die Allgemeinheit im besten Falle kühl bleibt. Es ist eine sehr wichtige Frage! der Demokratie und' der modernen Soziologie, wie sich das staatsbildende Experiment der Zionisten in Palästina entwickelt. Aber w-elche demokratische Partei Europas hat sich jemals mit einer jüdischen Frage oder mit dem Zionismus beschäftigt? Sicherlich ist heute dank der jüdischen Presse die Kenntnis dieser Fragen schon viel weiter gedrungen und schließlich haben die Balfour-Deklaration, das Mandat und' daun die Errichtung der Universität in Jerusalem viel Anfsehrn erregt. Wer die Massen erfahren nichts von diest v Bett»egnng lind wir haben ja hier in Oesterreich einen lebendigen Beweis. Hier wiÄ> diese Bewegung geistig »egligiert uyld hier o. a., Basel, 31. August. Die erste Arbeitssitzung des Kongresses begann heute vormittags mit dem Bericht des Kongreßanwaltes Gronemann über die Kongreßwahlen. Er teilte mit, daß das Kongreßgericht Don beit 67 amerikanischen Mandaten nur 53 anerkannt hybe. Dann erstattete unter ungeheurer.'Spannung des Kongresses der Präsident der Organisation, Dr. Weizmann, seinen Rechenschaftsbericht. Er sagte unter anderem: ,Man muß stststelven, daß dst PalästmaoegÄrung in brr letzten Zeit alteren Anteil an dom Ausbau genommen hat. Bezüglich der Staat s l ä n d e reien zeigt sie größeres Entgegenkommen: als wie bisher. Was. die vom Wiener Kongreß beschlossene - E r weitern n g d er Iewish Agency anlangt, so könne sich Redner kurz.fassen, .denn die Oeffentlichkeit sei , darüber besser infornriert als er. (Heiterkeit. Baifall.) v--' : Mm ist noch nicht soweit, daß die Agency organisatorisch aufgebaut wird, aber jetzt ist die Basis für den Aufbau geschaffen. Wann die entsendete Kommission aus Palästina zurückkehren und mann sie berichten wird, ist schwer zu sagen; frühestens wird die? im Februar oder März geschehe«. Das traurigste Kapitel ist die Finanzlage. In diesem Jahre haben wir ein Defizit von 151.000 Pfund. Das kann die palästinensische Wirtschaft nicht weiter . ertragen. Man müsse Vorschlägen, im nächsten Jahr 70.000 Pfund vom Budget zur teilweisen Deckung der Schulden abzuschreiben. Man erwartet einen Jahreseingang >des Keren Hajessod von 400.000 Pfund. Da man aber davon bloß über die Hälfte wird verfügen können, ist eine langfristige Anvsrhe notwendig; aber auch aus dem Woge zur Erlangung der Anleihe ist eine Abschreibung der Schullien die unumgängliche Voraussetzung, auch die Voraussetzung dafür, daß die Exekutive rrchig, wenn auch bescheidm wirtschaften kann. Ju dser Landwirtschaft wird man sich auf die Erhaltung des Bestehenden beschränken müssen. Als eine große Tatsache anzuerkennen, ist die teilweise Absorbierung., der städtischen Bevölkern n g d u rch d ie La ndw irts ch as t. Die Verträge zwischen den Siedlern und den Fonds müssen in Zukunft direkt kontrahiert werden, ohne Intervention einer dritten Partei. Man muß der Exekutive die Mittel zur Verfügung stellen, damit sie sofort an den Abbau der Arbeitslosikeit schreiten kann. besteht sine sozialdemokratische Partei, die dem Proletariat jede Information über lerne der gewaltigsten Neuschöpfungen der politischen Kultur absichtlich verweigert. Freilich ist auch hier der jüdische Antisemitismus, den es . ja gibt, mit am Werk, und in seinem feigen Streben, ja nicht an die eigens Herkunft zu erinnern, betreibt er eine Methodik des Totschweigens, die, auf die Politik angewendet, zur Fälschung der Tatsachen wird. Freilich, wo dev Zionismus selbst spricht, dort verschafft er sich auch Gehör. Man hat es in Wien bei dem Zionistenkongreh beobachten können. Hörle Geduld der Arbeitslosen in Palästina wäre, so befänden wir uns physisch und moralisch heute in einem viÄ schlechteren Zustand. Die Spekulation aus den Opfermut der Arbeiter in Palästina ist geradezu schon ein Bestandteil unseres Vermögens geworden. D i e s e S p e k u l a t i o n mutz aufh 5 ren, das kann nicht so weitergehen. Weizmann spricht sodann über den Vertrag der Exekutive mit , der amerikanischen sanitären Organisation adassa h", und empfiehlt die Ratifizierung durch den Kongreß. Der Notlage entsprechend m-ch der administrative Apparat vereinfacht und reduziert werden. Weizmann widmet warme Worte der Beamtenschaft, die man ,jetzt..vielfach zum Sündenbock macht. Biele Beamte führen das Leben der Chaluzirä. . Er schließt mit den Worten: Mas wir erreicht haben, ist stark genug, mN M'Krist: siberstehdn, wenn Äe>r Kongreß und wenn Äre Zwnlstjm ihre Pflicht tun." Sodann ergreift ' , Sokolow zu einer politischen Rede als Präsident der Exekutive das Wort. Er sagt: Innerhalb der letzten zwei Jah-re ist ein Siegeslauf des Zionismus als Idee sestzustellen. Der Zionismus ist ein politischer Faktor geworden. Wir haben in allen Ländern, in denen unser Gedanke früher fast unbekannt war, jetzt prozionische Freunde und wir haben unter ihnen Männer, wie Dctedes unb den Präsidenten Masaryk (Stürmischer Beifall), die man nicht mehr Zionisten« freunde, sondern Zionisten nennen muß. Dritte Sitzung» 31. August nachmittags. Die Sitzung begann mit einer Geschäft sw r dnungsdebatte. Das Präsidium hatte den Beschluß gefaßt, den kleineren Gruppen nur die halbe Redezeit der großen. zu gewähren. Dies rief stürmischen Protest hevvor. Nahum Gold mann, Dr. Margulies und Jabotinsky erklärten: Wenn dieser Beschluß bestehen bleibt, so würde sich die Opposition an der Generaldebatte nicht beteilig e n. , Die Sitzung wurde unterbrochen und das Präsidium beschloß ein Amendement, mit welchem sich die Opposition zufrieden erklärte. Es wurde der Antrag G r ü n b a u m angenommen, daß für Sonderverbände die Redezeit mit einer Stunde festgesetzt werde und daß auch die programmatischen Redner der Fraktionen eine Stunde Redezeit erhalten. Hierach begann . die Genor,M,ebatte, oingelkektet durch RaM Meier Berlin, den Führer der Mlisvachi: , (Fortpetzung Ms SÄte 4.) wie die anfänglich -fveuMi-chis Stimmung abflaute, je mehr der Mann auf der Straße von dm Debatten erftrhr. Und das ist ja der eigentliche nach außen wirkmde Sinn der Kongresse, Kmntnis über die im Judentum nach Ausdruck und Form ringenden Kräfte zu verbreiten und der Wahrheit zu dienen. Die Aufllärnng ist ungemein wichtig und je intensiver sie betrieben wird, um so leichter enthüllt sie die Lächerlichkeit und Hysterie der Assimilation, um so mehr führt sie zum Verständnis nnd zur Berlläudionng v-'n KN oq°oo{xxxxxx)qoooooooqoooooocxxxoooooooooocxxx)ooqcxx)oooqooooooooooocxxx5ooooc3oooo