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Wiener Morgenzeitung · 1927-08-31 · Heft 3054 (31.8.1927) · p. Seite 5

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
9 (1927)
Issue
Heft 3054 (31.8.1927)
Date
1927-08-31
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 3054 Wien, Mittwoch Wiener Morgenzettnng 31. August 1987 Sekte 8 W Fahre fett dem Kifchinewer Pogrom. Sine Sevenkseler geplant. Warum Levine nach London Nos. Er will in vre! ragen na« Amerika MiiSfliegen. London, 30. August. Levine, der gestern mit seinem Flugzeug „Miß Columbia" so überraschend in London angekommen ist, wird von Journalisten umlagert, die ihn alle über die Gründe seines fluchtartigen Abfluges von Paris befragen. Er antwortete, daß sein Pilot D r o uh i n ihn nicht nach London bringen wollte, weshalb er sich entschlossen habe, selbst zu fliegen. „Ich sah" — erklärt Levine - - „(bitte Aussicht, von Paris wegzukommen. Jmnier, wenn die Berichte, die ich von britischen oder amerikanischen meteorologischen Stationen erhielt, gute Flugbedingungen zeigten, schlug ich Drouhin vor, zu starten; er lehnte dies jedoch mit der Begründung ab, daß nach den Berichten der französischen Wetterbureaus die Wetterlage ungünstig sei. Während ich in Frankreich war, wurden mir alle möglichen Hindernisse in den Weg gezeigt, alles was ich unternahm, wurde kritisiert. Ich sah, daß mein Flug aus Paris so gut wie unter französischer Kontrolle stehen würde, und dies schien mir nicht gerecht zu sein. Als ich schließlich keinen anderen Ausweg sah, beschloß ich, das Flugzeug nach England zn bringen und von hier aus zu starten. In London werde ich bis zum Rückflrtg rrach Amprika bleiben. Diesen zweiten Flug über den Ozean beabsichtige ich in lmn gsiens drei Tagen anzutreten." Levine erklärte auch, er werde seinem früheren Piloten Drouhin gegenüber alle vertraglich vorgesehenen Verpflichtungen erfüllen. Tatsächlich hat, wie aus Paris gemeldet wird, dir Fmu Devmss an Drmchin die Abfindungssumme von 100.000 Francs zur Auszahlung gebracht. Sie hat überdies dem Monteur M a t h i s ein Geldgeschenk von 10.000 Francs gemacht. Daher dürfte wohl Drouhin die Weisungen auf Beschlagnahme der „Miß Columbia", die er nach London ergehen ließ, mit der Motivierung, daß Levine den Pariser Flughafen verlassen habe, ohne die Z o l lf o r m a l i t ä t e n zu erledigen, zurückziehen. Uober seinen Flug erzählte Levine den Presievertretern, er habe Montag zum erftvmnal in deinem Leben eirrim Apparat selbstständig gesenkt; er habe keine Karte an Bord gehabt und sei auf gut Glück losgeflogen. Nichtsdestoweniger hat Levine die Absicht, wenn er keinen geeigneten englischen oder amerikanischen Piloten in London findet, allein den Rückflug über den Ozean zu unternehmen. Der neue Pilot Levines. Londw'N, 30. August. Meuter.) Levine hat den Flieger Hinchlife ausgswählt, die „Miß Columbia" auf-dem Transozeanslug London—New Port zu steuern. Der „Stolz von Dvtrvit" in Belgrad gMuktrt. Der Bettflus. Zer „Stolz von Zetrolt" ln Belgrad gelandet. Belgrad, 30. August. Die Flieger Schloe und Brock sind um 6 Uhr 35 Minuten früh mit ihven Eindecker „Der Stolz von Detroit" in München aufgestiegen und mittags in Belgrad glatt gelandet. Sie haben entgegen ihrer ursprünglichen Absicht Wien nicht passiert, sondern haben ihren Kurs weiter südlich genommen. Morgen um 4 Uhr 30 Minuten früh fliegen die Piloten nach Koustantinopel weiter, wo ein Aufenthalt von wenigen Stunden beabsichtigt ist. Me Waldbrlln^in Elldsrankeich. Ans Marseille wird gemeldet: Die wiederrnfgeflammt-n. Dalddrände wüten, ans der ganzen Kette des E st ere l mit solcher Heftigkeit, daß die Vegetation ans den Hügeln der ganzen Gegend der Bernichtung PreisgeAchen zu fein scheint. An einer Stelle sind 20 Hektar von Ol t v«nha ump flauzu.itgem in Brand ger lateu. Auch diese neuen Brände dürsten pe-berg t sein. De« Vater vergiftet. Wie aus Stainz berichtet wird, wurden gestern die 508* /itzeröeheleuts Alois und WLaria Krenn sin Grassudors bei' Stainz unter den: Verdachte des Giftmordes an ihrem Bat er, bzw- Schwiegervater Anton Krenn verhaftet. Dev im AuSgediing lebende Anton Kvenn ist am 16. Mai d. I. nach hesi tigern Erbrechen, ohne ärztliche Hilfeleistung plötzlich gestorben. Bei dirr Totenbeschau wurde Harzlähmung konstatiert und die Leiche zur Beerdigung fveigegobe«. Bald darauf wurden jedoch Gerüchte laut, daß der Vater des Krenn keines naäärlichen Todes gestorben sei, weshalb die Staatsanwaltschaft Graz die Exhum ierung der ^Leiche anordnvte. Bei der chemische Untersuchuidg der inneren Körperteile stellte sich nutMtehr einwandfrei heraus, daß der Tod des Krenn durch übermäßigen Genuß von Arsenik hnvorgerufen worden war. Unter den: schweren Verdacht, dieses Arsenik drm Verstorbenen bei der Beraln.-eichnug von Speisen eingogeben zu haben, Mrrden Alois und Maria Krenn dein Landrögericht in Graz eingeliefe''* Anr 6., 7. und 8. April 19S8 werden 25 Jahre vergangen sein, seitdem der Judenpogrom in Kischin e w, der von der Hefe der christlichen Bevölkerung von Kischinew und Umgebung, den sogenannten „Barfüßler n", mit Erlaubnis, ja unter direkter Mitwirkung der Behörden, stattgefnndcn hat und zahlreichen jüdischen Bürgern von Kischinew das Leben kostete. Dieser Pogrom hat eine Reihe ähnlicher, zum Teil noch grauenvollere Pogrome in ganz Rußland eingeleitet. Zur Abhaltung einer Gedenkfeier für die Opfer der Pogrome hat sich in Kischinew ein Komitee gebildet, dem Dr. I. Mu t s ch n ik als Präsident, sowie N. R o i tman und Z. Rosenthal angchören. Das Komitee bereitet auch die Herausgabe eines Werkes vor, das alle auf den Kischinewer Pogrom bezüglichen Materialien enthalten wird. Der Kischinetocc Pogrom fand in der Osterwoche des Jahres 1003 statt. S. Dubnow gibt in seiner Geschichte der Juden eine Darstellung des Pogroms, der zu entnehmen ist: Von irgendwelcher Seite «wurden in Kischinew Gerüchte in ltontceirf gebracht, daß ein bei einem Juden bedicnstet gewesenes christliches Mädchen dorr Juden ermordet worden sei. In Wirklichkeit war der Fall so, daß das Mädchen j in selbstmörderischer Absicht Gift genommen hatte und trotz der Bemühungen des jüdischen. Dienstherrn, es am Leben zu erhalten, verstorben war. In der Stadt wuvden Flugblätter verteilt, in denen gesagt wurde, ein kaiserlicher Ukas gäbe es der Bevölkerung frei» im Verlauf der drei Tage des christlichen Osterfestes die Juden „blutig zu bestrafen". Die Polizei von Kischinew, die, wie später erwiesen tvurde, an der antijüdischen Verschwörung beteiligt war, machte keinerlei Versuche, diese gefährlichen Zirkuläre zu unterdrücken. In den christlichen Salons sprach man offen von ,den im Organisationsstadium befindlichen Pogrom. Die "jüdischen Bürger der Stadt sahen schweren Tagen entgegen, niemand aber erwartete, daß es zu einer regelrechten Metzelei kommen würde. Am Sonntag, den 6. April, dem ersten Tage des ^christlichen Osterfestes-, und dem siebenten Tagedes jüdischen Passah, begannen zur Mittagszeit alle Kirchenglocken zu läutrn. Dies tvar das Signal für die beoeils organisierten Pogrom - banden, ihr blutiges Werk beginnen. Gruppen von Hmrdwerkern und Barfüßlern fielen an mehreren Stellen der Stadt über die jüdischen Bürger her. Wohnungen und Läden wurden gestürmt und demoliert. Nirgends machte die Polizei den. Versuch, dem Wüten Einhält zu gebieten. Irr den Abendsttlnden begann das Morden. Die Huligans ermordete^ jeden Juden, dessen sie habhaft werden konnten. Jüdische Bürger wurden aus den Straßenbahnwagen hcrausgeholt und auf der Straße ermordet. Man drang in die geplünderten Häuser ein, suchte sie von den Dachkammern bis in die Keller ditrch und tötete die Einwohner unter fürchterlichen Martern. Polizei und Militär verharrten untätig. Aber als eine Gruppe junger Juden, ran mit Stöcken bewaffnet, sich den Mördern, die mm feige zurückwichen, entgegenstellte, griff die Polizei ein und entwaffnet« die Verteidiger, so daß die Huligans wieder freien Spielraum hatten. Am 7. April war Kischinew von Tagesanbruch bis zum - Abend der Schauplatz bestialischer Taten, wie sie in den barbarischesten Zeitepochen nicht zu verzeichnen waren. Jüdische Bürger in der Stadt tvurden fürchterlichen Martern unterzogen und langsam getötet. Ewigen wurden Nägel in die Köpfe geschlagen, anderen die Augen heraus gerissen. Kleine Kinder wurden aus Dachgeschossen aufs Pflaster geschleudert. Frauen wurden die Leiber aufgeschlitzt oder die Brüste ab-- geschnitten, nachdem sie vorher vergewaltigt worden waren. Betrunkene Horden brachen in die Synagogen ein, zerrissen die Thorarollen, besudelten sie und trampelten auf ihnen herum. In einer Synagoge hüllte sich dey alte „Scha-mmes" (Tempeldiener) in seinen Gebetschal und stellte sich schützend vor die Dhoralcvdc. Er wuvde grausam hingemordet. Das Resultat des zweitägigen Wutens toar: 45 Tote, 86 Schwervevwundete oder Verkrüppelte, 500 Leichtverwundete. 1500 Häuser und Lä< den wurden demoliert - und geMndert. VeMrsMmisen im Herr«. An Birttar der Prosesioer WesSebach. Aus der am Dienstag in Wien erüslfueten Tagung der deutschen Vahnärzte hielt Professor Dr. K. F. Wenckebach, der Voriband der ersten Medizinischen Klinik, einen ehr interessanten Vortag über Verkichrstorungen im Herzen. Er sagte u. a., er wolle durch einen Vergleich der Störungen auf der großen VerTehrsstra.ße des großen Kveislauf- 'avparales mit den Störungen stn Essenb-Mi- Ioeien die UuMerksaMerr feiner .Zrchorev wecken. Der Vortragende besprach die tzesetzmäßigeN Folgen örtlicher mch allgemeiner Kreislaufhindernisse, so wie sie durch Klappenfehler und durch die ungenügende Leistungsfähigkeit der einzelnen Herzabteilmigen hervorgerufeu werden. Diese Folgegustände sind denen der Betriebs störnUgon an dem Zentralstellen und auf dorStrocke des Eis-enbahn Netzes vollkommen analog. Auch dio Mittel, welche in beiden Fällen zur Behebung angÄvendet werden, sind znm Teil gleichartig. Nichtsdestoweniger hat die Natur auch für Vollständig automatischeKorrektio-n (Kompensation) ausgetretener Unzukömmlichkeiten gesorgt. Der Vergleich der natürlichen Regulierungsvorrlchtmrgen im menschlichen Organismus mit den Mitteln, welche zn diesem Zweck den Cisenbahndirekttonen. zur Verfügung stehen, fällt weitaus zugunsten der Natur aus. Diese verfügt nämlich über Mittel, welche sich technisch kaum vollständig von uns nachahmen lassen, jedoch gewisse Möglichkeiten nahelegen könnten. Die zweite Form der Verkehrsstörungen im Herzen, tvelche zur Sprache kam, betrifft die Reizle-itnng t!m Herzmuskel. Hiev handelt es sich um die Fortpflanzung eines physikochemischen Erregüngsprozessos, der sichrer vergleichen ließe mit d«-m Abbrennen ein^r Lunte, bei lvelcher sich der -Borbrennnngsprozeß je nach der Beschaffenheit der Lunte schneller oder langsamer fortpflanzt, jedoch immer entlaingj dev vorgeschriebenen Bahn erfolgt. Der Vorttlagende schilderte fodcnm die Berlangsamung der Reizleitung im Herzen bat übermäßiger Benützung der Bahn und bei den verschiedensten krankhaften Prozessen und demmrstrirrte darrn di« Herztätigkeit bei lbeiteren Störungen der Reizleitungsbahn. Er lvies auf die Art hin, in welcher bei so schlveren Störungen trotzdem «in« hlakbtvegs gerrügende Hievztätigkett aufrecht erhalten wird. Die amerikanischen gonraaliften in Wien. Die in Wien weilenderr Teilnehmer an. der von der Carnegie- Stiftung veranstalteten Europareise amerikanischer Journalisten würden gestern, vom Bundespväsidenten Dr. H a i n i s ch und hiorau.f vonr Bundeskanzler Dr. Seipel empfangen. Me>tds waren sie Gäste des Bürgermeisters dev Stadt Wien auf dem Kobenzl. Heute fiudet zn Ehren dev amerilanischeu Gäste ein Fußball in a t ch statt. Andrea» Wen gestorben. Aus Zü. r i ch wird gemeldet: 85 Jahre alt, ist hie: an jdien Folgen eines Treppsnstjurges Andreas Scheu, «in Veteran der sozialdemokratischen Beüvogung in Oesterreich, geftorben. Scheu, der in Wien gebürtig war, hat bereits in den Siechzigerjahren des vorigen Jahrhunderts an der Organisierunig dev österreichischen Arbeiterbewegung teilgenommen. Im Jahre 1870 wurde er deshalb wegen Hochverrats verurteilt, jedoch späten: begnadigt, und wunderte Üm Jahre 1875 nach England aus. Auch dort stand er im Vordergrund der Arbeiterbewegung. Scheu hat bis in seine letzten Lebensjahre, in denen ihn Krankheit daran hinderte, eine starke publizistische und organisatovische Dättgwit für die MrbttterbewlegMlg entfaltet. J,r Wen, wo er seinerIttt zusammen mit seinen Brüdern tvrrtte, gehört einer seiner Neffen, Dr. Gustav Schein, dleM^Gememderat an. Kn Dorf, da» zum gudeutum übertrete» will. Das Organ Äer JswfÄzie ,/Emes" in Moskau erzählt eine intereffante Geschichte über den Üövovstehenden UoLertrttt eines ganzen Dorfes zum Judentum. Hiernach kam dieser Tage zum Rabbiner von T s ch i t s ch e r s k ein Bauer aus einem Dorf der Umgebung und stellte sich als Abgesandter der Bauern seines Dorfes vor, die ihn geschickt hätten, sich mit dem Rabbiner über die Formalitäten des U eher tritt es zum Judentum zu beraten. Sämtliche Bauern des Dorfes haben beschlossen, Juden zu werden und in einer geschlossenen Gruppe nach Palästina auszuwandern. Die Regierungsbeamten legen ihnen die größten Schwierigkeiten in den Weg, doch seien die Bauern bereit, alle Bevsolgungen über sich ergehen zu lassen, aber ihr Vorhaben auszuführen. Srwin von Arnstet« und die volle« Brüste Mariannens. Aus «Uten! Haksnkreuzroman. In der „Lit. Welt" lesen wir: In Heinz vom Hägens erfolgreichen Hakenkreuzroman „Hans Steiniß" (Straßfurt, 10*24) ist im Kapitel „Ein Dolchstoß in dunkler Nacht" geschildert, wie der deutsch-völkische Schriftsteller Erwin von Arnstein nächtlich im Park im Aufträge jüdischer- Widersacher überfallen wird. Seine heimliche Braut, blonde Tochter eines deutschen Richters, keusch, aber nichtsdestotrotz mit von der nächtlichen Partie, fängt den meuchlings geführten Dolchstoß (!) auf, indem sie sich vor den geliebten Helden stellt. Darauf auf Seite 88 folgende Szene: „@ie betastete ihre Arme, Schultern und Busen. Nirgends fühlte sie einen Schmerz. Sie öffnete den Mantel und die Bluse. Die weißen Spitzen ihrer Leibwäsche leuchteten ans, Ettoin versuchte zu helfen und tastete mit seinen ungeschickten Händen auf die vollen Brüste Maviararenö, die dem «Korsett (10245) enchuotten waren.. Doch kaum hatte ern ste

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