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Wiener Morgenzeitung · 1927-08-27 · Heft 3050 (27.8.1927) · p. Seite 3

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
9 (1927)
Issue
Heft 3050 (27.8.1927)
Date
1927-08-27
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Nr. 3050 Wien, Samstag Feuer im neuen Amtshaus der Stadt Wien. m rachftuhl nleöeroe&tQiint. Gvstern früh nach Mitternacht ist der Dachstuhl des Neuen Amtshauses der Stadt Wien in der Edendorferstraße 1 -um größten Teile abgebrannt. Das Feuer wurde erst spät bemerkt, konnte aber trotz des wütenden Sturmes in der Nacht eingedämmt werden. Das Amtshaus steht erst wenige Jcchre und ist dem Stile des neuen Rathauses angopaßt. Die Stockwerke sind durch einen Paternoster-Au^ug miteinander verbunden und über dom Auszug ist ein kleines Dach mit der Maschinerie errichtet. Gegen 2 Uhr früh lüsten sich große Balken des Dachgerüstes los und stürgten brennend auf die Straße. Während der Löfchaktion wurde der Feuerwehr- Mttrale ein Dachfeuer in der Florianigasie Nr. 2 gemeldet. Wie sich später herausstellte, tvar die Meldung eine unbeabsichtigt Irreführung. Kaum war die Feuerwehr in das Amtshaus eingedrungen, stürzte der Paternoster-Aufzug in die Tiefe. Daraus ist zu ersehen, daß das Feuer schon lange Zeit gewütet haben muß. Dem Feuer sind gegen 1000 Quadratmeter Dachstuhl zum Opfer gefallen. Der Sachschaden wird auf 30.000 Schilling geschätzt. Ein Teil der unter dem Dachftuhl liegenden Räume wurde gebrauchsunfähig gemacht. Die Elsenbetondecken und genügende Brandmauern ließen eine katastrophale Ausdchuung des Feuers nicht zu. Die in Aktion getretene Gemeindewache hat bei den Ans räum un gsarbei ten in den gefährdeten Bureaus mitgewirkt, so daß der Aktenbestand weitgehend gerettet wurde und die Schäden in der Hauptsache nur auf Durchnässung zurüchzufüihren sind. Nach den geführten Erhebungen scheint das Feuer Leim Paternoster- Aufzug ausgebrochen und möglicherweise von Arbeitern verschuldet worden zu sein, die gestern abends dort tätig waren. Der Amtsbetrieb erfährt im Gebärde keine Unterbrechung. Ile Univerfitötsschwimmeisterschasten in Rom. Der Hakoahner Nassau Dritter im Rückenschwimmen. N o m, 26. August. (Stefani.) Die heutigen Schtvimmlkonkurrenzen . der Univerfttätsweltmeisterschaften ergaben folgende Resultate: Stafette viermal 50 Meter: 1. Ungarn, 2. Italien. Dieses Schwimmen. wurde von Italien verloren, da der letzte italienische Malman, als er schon zwei Längen dem ungarischen voraus war, sieben Meter vor dem Ziel innehielt in der Meinung, die ganze Strecke bereits durchschwommen zu haben. 10V Meter Rückenschwimmen, Finale: 1. Ornero (Italien) 1 : 18,8 (neuer italienischer Rekord); 2. B it s k e y (Ungarn) 1 : 18,9; 3. N a s sau (Oesterreich, Hakoah). 60 Meter Freistil, Finale: 1. Bravon (Italien) 38,6; 2. Lugniani (Italien) 41; 3. Holstein (Italien). 200 Meter Brust, Finale: 1. Hegedüs (Ungarn) 3 : 11; , 2. Manzoni (Italien) . 3 :12 (neuer italienischer Rekord); 3. Wagner (Ungarn). Im Springen vom 1-Meter- und 3-Meter-Trampolin wurde Bill: (Oesterreich mit 178,38 Punkten E r st e r, vom 6-Meier-Trampolin Zweiter. Zfchler Mosaik. Vvn Heinrich B. Kranz. Irr Attnang fetzt man sich znrechb und macht die Ajugen. tveit auf. Blaue Berge, grüne Missen, zierliche weiße. Wölkchen am Firmament schaukelnd. Im Coupe sitzen zwei Bäuerinnen; das vermittelt Erdnähe und Geruch von frischen Feldern. Jan trifft die ersten bekannten G'.sichte r. Sie such sonnvertrannt u»ch heiter. Nackte Knie tauchen auf, grüne Lodenhüte, derbe Scherzworte flattern an das Ohr, es geht in die Berge! Dann, an einer Biegung, eben ist man durch einen finsteren Stollen hindurch, der Traunsve, des Salzkammcrguts lieblichste Schöpfung. Sein Wasser ist stahlblau, glänzend, man hat das Gefühl, eine Lackfarbe sei über ihn hingegossen worden. Stolz erheben sich am jenseittgen Ufer steil ansteigende Berge, Rrcherboote, ein Raddampfer im Sonnenlicht glänzend, wie wett das Herz wird! Weiße Vrttenhäuschen im grünen Laub versteckt gleiten vorüber, das ist Gmunden. Boi Ebenste Segelboote; wieder peitscht ein Ausflugsdampfer mtt erbtttertem Rad die glatte Soesläche. Und endlich — aber man wäre noch gerne länger träumend beim Coupefenster gesessen — Bewegung, Aufseufzen, Erleichterung, Erwärtung auf allen Gesichtern: Acht! * - Einen halben Tag lang hat sich das Herz erfreuen können: An zierlichen weißen Häuschen mtt grünen Fensterläden, an roten Dächern, an der warmen hellen Sonne. Durch schmale, altväterliche Gäßchen tvar man vorüber, überall war behagliche Rnhe, sanfte Einsamkeit. Eine Stunde lang saß man auf der Kaffeehausterrasse des Sofien- Doppelblicks upd ließ das Auge herumtvandern: Unten schoß Klvischen grünen Wiesen die gÄbirgshelle Traun vorbei und die bfaue Kuppe der Kathrine wölbt sich in einem duftend blauen Himmel. Greisiar nah zwischen dem dunklen KratH der Berge erhoben sich die schneebedeckten Grate des Dachsteins. Das war einen halben Tag lang. Da war man auch her Trann spazierM, unter den schattigen Mumm Wiener Mvrgenzeitttng 27. August 1987 Seite 3 Har Autotaü wir» uuret! Eine Enquete. Unter den Autotaxibesitzcrn besteht rer Wunsch, den Fahrtaris zu erhöhen, da sie mit den: jetzigen 50 - G r o s ch e n - T a r i f, wie sie erklären, nicht mehr das Auslangen finden. Sie verlangen, daß die Taxe 2, die jetzt als Nachttarif gilt,, auch bei Tag gelten soll. Die Nachttaxe unterscheidet sich vom Tagtarif dadurch, daß der erste Kilometer statt 75 Groschen 1 Schilling kostet. Außerdem wird ein Zuschlag von 1 Schilling für Fahrten zu Bahnhöfen und Schiffsstationen verlangt. Die Forderung nach Erhöhung hängt mit den obligatorischen und mit Kosten verbundenen Ueberprüfungen der Taxameter zusammen. Bon kompetenter Seite wird mitgeteilt, daß die beanspruchte Tariferhöhung nicht durchführbar sei, da sie die Autofahrten wesentlich verteuern würde, was mit Rücksicht auf die allgemeine Lage die Inanspruchnahme von Lohnkraftwagen Überhaupt stark einschränken würde. Mitte September wird eine Enquete zu der Frage endgültig Stellung nehmen. 10.000 Schilling aus der «Masche gestohlen. Der Griff iu den UeSerrock. In einem hiesigen Modsgefchäst wurde gestern vormittags einem Herrn, der dort als Kunde weilte, ein Betrc^ von 10.000 SchrHing gestohlen. Zu gleicher Zeit weilten in dem Geschäfte zwei Männer, die sich den Anschein von Kunden gaben. Auf sie fällt der Verdacht der Täterschaft. Der eine ist 30 bis 40 Jahre alt, mittelgroß, und hat ausgesprochen mongolischen Typus. Der Diebstahl war offerrbar von langer Hand vorbereitet. Der Bestohlene hatte gestern vormittags in einer Bank den Betrag von 10.000 Schilling behoben und das Geld lose in die Tasche des U e b e r r o ck e s gesteckt. Er hatte die Hand in der Tasche. Auf dem Wege merkte er, daß er sein Sacktuch zu Hause vergessen habe. Cr trat in das nächste Herrenkonfektionsgefchäft und verlangte ein Taschentuch. Unmittelbar hinter ihm traten bann die beiden Männer ein, und der Mann mtt dem mongolischen Typus stellte sich ganz nahe neben ihn und verlangte auch ein Tuch um einen Schilling. Er trug über den Arm geschlagen einer: U e b e r z i e h e r, der offenbar den raschen Griff in die Tasche des Nachbars maskieren sollte. Die beiden Männer entfernten sich nach dem Kauf rasch und als später der Herr nach seinem Gelbe griff, merkte er, daß es chm gestohlen worden sei. Wahrscheinlich haben sich die Täter im Kassenraume der Bank aufgehalten und die Leute, die dort Geld behoben haben, beobachtet. Auf die Ermittlung des Täters ist eine Belohnung von 20 Prozent der gestohlenen Summe ausgesetzt. UnsM der Wien—Budavefter Schnellzuges. Aus Budapest wird berichtet: Der gestern um 11 Uhr 5 Minuten vormittags abgegangene Wiener Schnellzug ist in Budapest mit einer Verspätung von 49 Minuten angekommen, weil zwischen Aes und Komorn der AchSzapfen des Speisewagens auf freier Strecke gebrochen war. Verletzt wurde niemand. Der Zug fetzte, nachdem der Speisewagen abgekopprlt war, seine.Fahrt fort. Sie »Schsten Schachereignisse. Er« russisches Schachturnier. — Ein großes internationales Turnier in London. Am 25. September wird in Moskau der a l Ih u ssifche S ch a ch k o n g r e ß eröffnet, der mit einem, allrussischen Schachturnier verbunden sein wird; im Hinblick ans die Spielstärke der russischen Meister, wie Jlsin- Genotvs'ki, Werlinffi, Löwensifch und andere, die sich in Moskau gezeigt hat, konmtt diesem Turnier erhöhte Bedeutung zu. Im Oktober wird in London ein großes internattonales Turnier stattfinden, an den: nach den bisherigen Nennungen teilnehmen werden: Niemzow lisch (Kopenhagen), Bogoljnbow (Triberg), Reti (Hamburg), D r. Vidmar (Laibach), M a r s h a l l (Brooklyn), Pa te^ (Leeds), Colle (Paris), Sir Thomas, Winter, Bucnger, Fairhurst (London), eventuell Dr. Tartakower (Paris) und Rnbinstein (Berlin). Ser elektrische Stuhl. Die Einführung der elektrischen Hinrichtung verdankt Amerika dem Konkurrenzkampf zwischen der Edison Co. und den Westinghouse- Werken. Die Wsstinghouse-Wevke bauten Wechselstromapparate und Anlagen, während die Edison Co. bis dahin nur Gleichstromanlagen errichtete. Zwei tödliche Unfälle in den Westinghouse-Werken benutzte die Edison Co., um das Wechlselstromsystem in Verruf zu bringen. Sie empfahl die Hinrichtung auf elektrischem Wege mit Wechselstrom und durch ihren Einfluß gelang es dieser Firma im Kongreß um 1880 ein entsprechendes Gesetz einzubringen, obwohl kurz vorher ein Gesetz zur Abschaffung der Todesstrafe eingebracht war. Die Edison Co. kaufte heimlich Maschinen der Wvstinghvuse-Gesilvschasi, um sie zur Hinrichtung zur Verfügung zu stellen. Westinghoufe ersichr dies und klagte auf Herausgabe. Das Gesetz wurde bald bestätigt, jedoch wurde' es illusorisch, da keine Firma die Maschinen zur Hinrichtung liefern wollte. Erft am 6. August 1890, also ungefähr vor 37 Jahren, fand die erste Hinrichtung statt. Die Hinrichtung war ein entsetzliches Schauspiel: Der Totgeglaubte begann zu atmen und zu stöhnen und Schaum trat vor seinen Mund. Nach fürchterlichen zwei Minuten war eine nochmalige Stromeinschal-tung nötig. Daraufhin trat erst der Tod ein. Die Elektroden lagen am Kopf und am unteren Teil des Rückens. Um die Qualen abzukürzen, wurden Hei den nächsten Hinrichtungen die Delinquenten mehrere Mal hintereinander ,mter Spannung gesetzt. Im Jahre 1893, bei der achten Hinrichtung, versagte die Dynamomaschine beim Metten Einschalten; der Delinquent fing an zu schreien und die Augen fürchterlich, zu verdrehen. Selbst für die anwesenden Aerzte war es ein grausiger Anblick. Man entschloß sich, um die Schmerzen zu lindern, Einspritzungen zu verabfolgen, bis nach dvedviertel Stunden die Maschine wieder in Ordnung war. Im Jahre 1900 wurde das Verfahren der Hinrichtung etwas geändert. Um die starken Verbrennungen und den Brandgeruch zu vermeiden wurde die Zeitdauer auf ■B ■■.■■■■ '!-!«».« M munmimmn ■■■»» ■ I i.n, m ji der Esplanade, die Klänge der Kurtapelle — Weisen von Lehar und Puccini — schwangen sich in eine reine, blitzende Lust, man traf wiederum Bekannte, oh wieviele, aber man war gar nicht böse darüber. Man war ja gut gelaunt und da nickte man erfreut zu Gruß und Gegengruß und wunderte sich nachher darüber. Manchmal, allerdings, war ein Lächeln nicht zu verbergen. Ein grüner Lodenrock über einem gespannten Bauch oder ein Gamsbarthut, der eine tvohlbekante rmrdliche Glatze verdeckt — gar rote Strümpfe an den Bechen der Großmutter Kommerzienrat — nun, diese karikaturistischen Eigentümlichkeiten Wiener Celebritäten lassen sich unter heiterem Himmel nur belächeln, nicht mehr. Selbst nackte Knie, zwischen fetten Schenkeln auftauchend, können einen nicht ganz verstimmen. Das ist eben Ischl, tröstet man sich-, wer will es ändern. Früher einmal war der Hof da, dev Kaiser, die Erzherzogin Valerie, und da hat man natürlich dabei sein müssen, aber es hat .eigentlich niemandem geschadet; wer sich lächerlich machen will, tue es auf eigene Rechnung, ,vas geht es mich an. Es ist schönstes Salzkammergutwetter, der Himmel spannt sich in kristallblauer Reircheit von Berg zu Berg, man hat PlÄne, wunderbare Pläne, soll ich sie verraten? Anssae, Hallstatt, St. Gilgen, den Mondsee, den Attersee, — ja, das erwartet mich alles bei schönem Wetter! * Aber dann beginnt es zu regnen! Erst tropft es zaghaft von einem grauen, schvach bewölkten Himmel; man erinnert sich, es bst Ende August — nun ja, aber nur deshalb? Man geht also am Kurpark vorbei, dessen braune Bänke ganz verlassen basischen, tritt m den Lesesaal ein, blättert ein paar alte Zeitungen durch —- und wie alte — und späht mittendurch in den Himmel, der sich gar nicht erhellen ivill. Dann wird man aber doch besorgt und eilt durch gewundene Gäßchen, schon zwischen Pfützen und spitzen Steinen balancierend, nach Hause. Regenschirm, Wahrzeichen des Salzkammerguts, dem Schöpfer sei Dank, daß man dich Ln letzter Minute nicht zn Haufe vergaß! * Und es regnet. Es regnet morgens, es reguÄ mittags» eS regnet abends. . W wird auch kM man beginnt m frieren, das Herz wird, traurig umwölkt. Auf der Straße eilende, vermummte Gestalten, verdrießliche Gesichter, Lodenmäntel, aufgespannte Schirme. Ja, wenn es hier einmal zu regnen beginnt, wer will das Ende absehen. Und es regnet Wetter, eintönig, klatschend, naßkalt. Es ist der bekannte, der berüchtigte Schnürlregen. Aber — alles hat ein Ende. Auch dieser Regen. * Ischl, das ist noch immer ein SchmückkächsteN der Natur — rvvhlverstanden: der Natur! Die blauen B.rze grüßen vvn Westen und Norden, von Osten und Süden, die grünen Wällrer blinken von allen Höhen, die Ischl und die Traun plätschern angenehm ans Ohr. Aber — * Das ist nämlich so: Man ist hier im Zentrum des schönen Oesterreich, die Seen des Salzkammerguts sind nur eine Handbvette auf der Landkarte, ein, zwei Stunden mtt der Bahn wett. Da sind Dachstein und Höllengebirge, weißschimmernd, bewaldete Kuppe,: und schatttge Wälder, sanfte Wiesen und schrosso Hänge — aber, was ist das alles für den Wiener, der nach Ischl kommt, für den Leopoldstädter und Mariahilfer? Er ist von seiner Tarokpartte gestern abends um zwölf Uhr im Cafe Siller aufgestanden, heute um halb acht Uhr ftüh hat er sich in den Sglzburger Schnellzug gesetzt und jetzt, um ein Uhr mittags, sitzt er bei der Tarokpartte — in Ischl, im Cafe Rapsauer! Cr wM vvn den Berge,: nichts wissen,> und nichts von den Seen, ihn lockt keine Aussicht und kein Spaziergang, vielleicht weiß er überhaupt nichts davon — er kommt zu seiner Kartenpartte hieher. Mag es blitzen und donnern, mag die strahlendste Sonne über Straßen und Stege, Häuser und Flüßchen blitzen, >er sitzt hier gut, das Essen ist nicht viel schlechter als zu Hause, vielleicht sogar besser, die Luft soll gut sein — so hat er iinmer gehört — genügt das picht, muß dä nicht besser spielen lassen, als irgend^po and dann trifft man alle Bekannten hier, n:an ist -fahren, beinahe sieht es so aus, es ist nur e, .Respekt rückrärls ausgestellt worden, lvie in, T-. .ioc so wie im Theater.

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