Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 9 (1927)
- Issue
- Heft 3049 (26.8.1927)
- Date
- 1927-08-26
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 3049 Gien, Fveitag Wiener Morgen-ettrms 26.. August 1SS7 Seite 5 jchränkung, und durch diese gelang es, bis Ende Mai 1926 den Umlauf auf zirka 700 Millionen zurückzujchrauben. Seither aber läuft die Linie fast ununterbrochen nach oben; am 1. Juli 1926 betrug fccr Umlauf 728 Millionen, am 1. Oktober 957 Millionen, am 1. Jänner d. I. 866, am 1. April 857, am 1. Juli 920 Millionen und hat am 16. August die eingangs angeführte Höhe erreicht. Das Deckungsverhältnis (gesetzliche Mndestdcckung 85 Prozent) ist vom 1. Juli 1926 bis heute um fast drei Prozent von 31.3 auf 23.4 Prozent zurückgegangen. Der offizielle Kurs beträgt wohl unverändert 1.94)4 Rubel für einen Dollar, doch sind im sogenannten Sch'warzverLehr in der letzten Zeit bereits Preise bis S Rubel für einen Dollar bozahlt worden. Dieses Disagio ivar auch schon im Borjahr zu konstatieren und hatte damals die Mvkung, daß Tschevwonetz-Noten außer Land gingen und vom Ausland 'her zum Jnikasso gegen offiziellen Kurs gebracht wurden. Dächer erfolgte damals das bekannte Nvtenausfulhrverbot in Rußland und die Weigerung der Staatsbank, begw. ihrer ausländischen Korrespondenten, Tschevwonetz-Noten zum Jnlkaffo entgegenzunehmen. Heute ist das Vertrauen zur russischen Note im Inland abermals erschüttert, zumal der Ernteertrag diesmal unter mittel bleibt, was für den Getreidee^port und demzufolge für den Dcviseneingang in der nächsten Zeit nicht ohne Wirkung ist. Die Versicherung der Rrparaturkvedite tu Wien« Me dre Direktion der Compaßbank nritteilt, stehen die Verhandlungen mit der Zentralsparkasse der Stadt Wien und der Ersten Oesterreichischen Sparkasse wegen der Versicherung der Reparaturkredite unmittelbar vor dem Abschluß. Die Erste österreichische Sparkasse wird voraussichtlich schon in den nächsten Tagen in der Lage sein, die Kreditgewährung wieder aufzunehmen. Um die Durchführung dtrr DarlehenSgemährung zu vereinfachen, wurde von leiten des Schutzvetbandes der Grundbuchsinteiessenten mit der Compaßbank ein Uebereinkommen getroffen, im NiedeVösterreichischen Gemerbeverein eine EinreichungSstelle für derartige Gesuche einzurichten. Diese EinreichungSstelle wird unverzüglich eröffnet. Tie Ermäßigung der Kraftwagenabggbe, die der Wiener Landtag vor einigen Wochen beschlössen hat, tritt mit 1. September d. I. an Kraft. Deutsche Jndustriegrürrdun-gen in Polen? Me aus Warschau gemeldet wird, haben rheinisch^westfälische Industrielle die Absicht, in Polen Filialfavriken zu errichten, käe hauptsächlich der Belieferung der Märkte in Osteuropa dienen sollen. Greifbare Formen scheinen jedoch diese Pläne noch nicht angenommen zu haben. Neue 5-Pengö-Noten in Ungarn. Aus Budapest wird berichten Da viele falsche 6-Pengö-Noten in UM» lauf gesetzt wurden, hat die Leitung der Ungarischen Nationawank beschlossen, neue 5-Venaö-Noten herauSzugeben und die gegenwärtig im' Verkehr befindlichen Noten eind ^>re Bewegung der Großhandels-Weise« Das Bundesamt für Statistik veröffentlicht in der soeben erschienenen Nummer der „Statistischen Nachrichten" (Verwaltung Wien, 1. Bez., Hohenstaufengasse 7) eine internationale Wirtschaftsstatistir, aus der hervorgcht, daß der GroWandelsindiex in den meisten europäischen Staaten innerhalb der ersten fünf Monate des laufenden Jahres steigende Tendenz aufwies. In O e st e r re i,ch betrug der Großhandelsindex in Gold Ende Jänner 130, Ende Mai 137. Die steigsende Tendenz hat'in Oesterreich auch in den Monaten Juni und Julr angehalten (142 und 140). Im August zeigte sich eine Senkung auf 133. In Deutschland betrug der Großhandelsindex Ende Mai 137 (Ende Jänner 136), in der Tschechoslowakei 145 (142), in Ungarn 133 (127), in Polen 121 (113), in Frankreich IR (137) und in der Schweiz 147 (146). In Großbritannien und den Vereinigten Staaten zeigt der Index eine rückläufige Bewegung, und zwar von 144 auf 141 VKw. Von 147 auf 143. Aushebung des Einfuhrzolles auf landwirtschaftliche Geräte und Düngemittek in Jugoslawien. Aus Belgrad wird berichtet: Laut einer Verordnung des Landwirtschafts- Ministeriums wurde der Einfuhrzoll auf alle Arten von landwirtschaftlichen Geräten und auf kleinere landwirtschaftliche Maschinen sowie auf Superphosphat uitb andere Düngmittel zur Steigerung der landwirtschaftlichen Produktion des Landes aufgehoben. Vor eknek Monopolisierung des pvlnisch-ltaltcnlsch-ür Kotzkengeschäfte». Die offiziöse Delegraphenagentur Agencja Wschoduia berichtet auS Kattowitz, daß italienische Unterhändler, hinter denen die Banca Commerciale d'Jtalia steht, neue LieftrungSkontrakte mit den Grubenkonzernen in Polnisch-Schlesien eingegangen seien; das Konsortium wolle die gesamt« volnisch-schlesistli« KohlenauSsuhr nach Italien in seiner Hand vereinigen und habe sich, um die kleineren Lieferanten auszuschließen, bereits mir den Etsenbahnvenraltungen Italiens, Oesterreichs und der Tschechoslowakei in Verbindung gesetzt und erreicht, daß die Frachtermäßigung, die bisher bereits bei einer Quote von 780 Tonnen monatlich zugestanden wurde» nun erst bei einem monatlichen Quantum von 5000 Tonnen angewendet werde. Die polnische Presse Nimmt gegen diese Meldung lebhaft Stellung und weist darauf hin, daß dieser Versuch ein HaNdelSwonop ol darstnlle, welchepraktisch dazu sichren würde, den Export polnischschlesischer Kohle nach Italien einzuschränken. KurteMemngSverhandlungen ln der landwirtschaftlichen Maschinenindustrie Polens. In Warschau Haben, wie von dort gemeldet wird, in den letzten Wochen Verl>andlungen stattgeftlnden, die eine Kartellierung der polnischen landwirtschaftlichen Maschinenindustrie bezwecken. Die Konzentration soll dazu bienen, die Produktion solcher land- WuHchastlicher Maschinen zu ermöglichen, die bisher in Polen nicht erzeugt werden konnten, also aus dem Ausland eingeführt werden mußten, wie Milchzentrifugen, Saat- und Erntemaschinen u. dal. ZÜntcholzinrst — Solo. Me auS Prag berichtet wird hat der schwedisch-amerikanische Zündholztrist mit der tschechoslowakischen Solo A. G. Verhandlungen üb'er Ankauf ihrer Unternehmungen eingjeleitet. Wie es heißt, sollen diese Verhandlungen, denen ein sehr günstiges Angebot des Zündholztrustes zugrunde liegen soll, günstig stehen. Insolvenzen. Der Ko n-Lu-r s wurde eröffnet über: Sch-rambacher SieiukohÄen-Gewerkichaft in SchraMbach; Dr. Wer-tnik L Co^, ViehverwertungLgesellgasse 16 — Das Ausgleichsverfahren wurde eröffn über: ,>Wck", mechanische Spielwaveirfabrik Johann G r i n - seifen & Co., WieL. 16. Bezirk, Fröbelgoffe 21 (Aktiven z.rka 25.000 S., Passiven zirka 42,000 S., Anbot 36 Prozent in 18 Monatsraten); Heinrich Reichel, Kaufmann, Men, 20. Bezirk, DeniSgasse 18; FraW Mlazowskv, Kunst- und Möbeltischlerei, Men, 10. Bezirk, Quellenftratze 141. Die Tevifenkurft wiesen gestern keine nennenSwevtpn Veränderungen auf. Der Schilling konnte seinen DienstaAurS von 73.07Vs Parität Zürich wieder erreichen. Einige Nachfrage ergab sich nach dem Leu, der auch vorübergehend über den Mittwochkurs von 3K0 hinauskam, jedoch dann bei diesen: Kurs schloß. Sonst war keine nennenswerte Kursbewegung zu verzeichnen. MenerUfe. B-s-stigt. Die Herabsetzung der Barckvate übte auf die Bövsentendeuz günstige Wirkung, ohne daß jedoch das Geschäft sich in größerem Umfange entwickelte. Größeres Interesse bestand zunächst nur für tschechoslowakische Jndustriepapiöve zufolge Mitteilungen über den günstigen Verlauf der Äreditvevhandlungen tschechischer Unternehmungen in Amerika. Im weiteren Verlaufe ergab sich eine, wenn auch schwache Nachfrage nach ungarischen Papieren, deren Kursevhöhungen sich in engeren Grenzen als die der tschechischen Werte hielten. Bon den letzteren hatten bis zu Bovseüschluß Prager Eisen und Berg und Hütten lebhafte Nachfrage und ansehnliche Kurssteigerungen. In den übrigen führenden Kulissepapieren gab es bei ganz geringer Nachfrage nur kleine Kursveränderungen nach aufwärts. Auch der Schranken war gestern besser gestimmt, obwohl das Geschäft gering war. Renten lagen still. Juli- und Aprilrenten wurden vereinzelt verlangt. Mrs dem Anlagemarkte notierten Rndolfsbahn-Schuld 2.36, Rudolfsbahn-Prioritäten 10, Oesterreichische Essenbahnanl-ihe 4.90, Wiener Vcrkehrsanleche 2.09. Auf dem Geldmarkt hat die Ermäßigung der Bankrate keine stärkere Mrkung gehabt. Der Privatdiskont ermäßigte sich bloß von 67/io auf 63/s Prozent. Dieser Satz war zumeist nur nominell, weil kein Geldbedarf vorhanden war. Kassakurse: Bodenkreüit 126.10, Oesterr. Kredit 65.25, Oefterr. Kredit Anteilfch. 7.60, Anglobank 6.10, Ungar, allgem. Sparkasse 112, Nordbahn Genuß 601, Wien-Pottendorfer 35, Korkstein 16, Aussig chem. 205.60, A. E. G. Union 41.60, Brown-Moveri 19.80, Elin 38.10, Steweag 27, West'böhm. Bergbau 91.80, Salgo 105, Flesch 10.80, Alpine Montan 46, Astra 27, Grazer Waggon 2.56, Simmeringer Mafch. 16, Heid Masch. 6.30, Rima 161, Waffen 30, Ungar. Wagg. 73.50, Neusiedler Papier 175, Leykam 12.26, Karpathen 29.50, Etti Berge! 9. Wiener Dichmärkte. Junavi«'hmarkt. Auftrieb: Kälber, lebend 626, Weidener 1119, Schweine, Weidener 196, Schafe, Weidener 4. ES notierten: Kälber, lebend 2-2.60, Weidener 3.20-3, Fleischtzhwievte 2.60-3.20, Fetdschwekne 2.60—2.75, Schafe ohne Wl 1.V0—3.M das Kilo. Ber ruhigem Verkehr wurden lMttde Kälber minderer und mittlerer Qualität um 10 Endchen sowie Fleischschweine um 10 bis 20 Groschen vMger, Fettfchweine um 10 Groschen teurer. Wiener Börse für lnndwirtMifMhe Produkte. UEr dem Eindruck der starken Ermäßigung der Auslandsnotierungen kam es auf dem Wiener Markt nun zu geringfügigen Geschäften. Die Tendenz ist ruhig, die Preise haben sich nicht geändert. Gehandelt umrdenr Ung. Theiß, 81 Kilo, zrl 42.25 S. ab Grenze, 80 Kilo, Theiß pro September mit 201.60 Kc. ex Men, Marchfeldcr Korn mit 39 S. ab Station und russisches Korn mit 38.90 S. ab österreichischer Mühlenstation. Hafer und Mais sind unverändert. Die amtlichen Notierilngen ölieben ebenfalls unverändert. Budapefter Getreideterminmarkt. Im E'.Manae mit den amerikanÄhen PreiSrückfätten erlitten die Kurse nicht unerhebliche Einbußen. Die Notierungen lauten >'.n Pengö: Okiaberweizen 31.64, Märzwe'.zen 33.80, Oktoberroggen 29.56, Märzroggcn 29.76. Auswärtige Börsen. Berlin. Der kurzfristige Geldmarkt zeigt wieder e'.n vechältnismäßig flüssiges Aussehen, well es üe-merkenswert erscheint, daß die Zahlung der 165 Mllionen Zinsen aus der Jnoiustriebelastuna an den ReparatiouZagenten erfolgt ist. Dies trug zur freundlichen Veranlagung der Börse bei, obgleich sich das Geschäft bei der allgemein bekannten Zurückhaltung nicht in den gewohnten Grenzen bewegte. Es erfolgte eine Waltere leichte Erhöhung des.Kursstandes Cm Ausmaße von durchschnittlich 1—2 und vereinzelt auch 3 Prozent, welch letztere namentlich am Elektro- und chemischen Markte zu bemerken waren. Lebhafteres Geschäft 'hatte der Farbenmarkt im Zusammenhänge mit den aus englischen Quellen stammenden Nachrichten über den günstigen Gang der deutschenglischen Verhandlungen aufzuweistn. Sonst sind noch zu erwähnen Elektro-, Bank*, Saiz-, Detfurth- und Ostwerke mit Gewinnen von 4 Prozent und Glanzstoff mit solchen von 6 Prozent. Stollberge-r Zink aber wurden um 4 Prozent '.m Kurse herabgesetzt. Besondere Veränderungen sind wÄterhin Ä festzufteuen gewesen. Etwas mehr Jrrterelse zeigte sich für einzelne Großbanken und später für verschiedene Elektrowerte, wie A. E. G., Ges. J. elektr. Unternehmungen, Lohmaher, Siemens & Halste und Schuckert. Der Rentenmarkt zeigte das uns schon gewohnte V'.ld bei nahezu vollständiger -Verödung Die <Mk« sütze find unverändert -geblieben, ebenso auch der P r i v at< oi s k o nt, was dazu beitrug, ibic Börse widerstandsfähig zu erhalten. — P r a g. Nach der Ä-bschwächung >der vomngegangenen Tage eröffnet« di« Börse in ausgesprochen zuversichtlicher Stimmung, Äe von der Kub'.sse ausging. Die ersten getätigten Kurse dieses Gebietes wiesen durchwegs Besserungen aus- Von hier ausgehend. Übertrug sich >die feste Haltung auch auf den Schranken. Nach Erledigung der ersten Aufträge stagnierte das Geschäft und es kam im Verlaufe bei den noch gehandelten Papieren auf Realisationen zu' Abbröckelungen Ein Teil -der Werte vermochte sich dagegen bu behaupten und vereinzelt konnten sich sogar kleinere Besserungen durchsetzen- Die- Verschiebungen nach oben und unten waren aber gerirrg -und gingen (1. Fortsetzung.) Mm ¥crsdil©§sctie laue %n Leo ooioensieiD. Wollte sie den Versuch wagen, auf irgendeine andere Llrt zu verdienen, so würde sie überall verschlossene 'Türen finden und wäre bitterster Armut preisgegeben. Sie Mußte aber sparen, sparen! Was blieb ihr da anderes übrig, als in dem trüben Strom weiterzuschwimmen, bis eS ihr gelang, das schöne,^ lockende, glückbergende Ufer zu erreichen! Nach solchen Stuitden ivar sie eine Zeitlang von einem galligen.Hümor Mld einer gegen sich selbistj gerichtetem^ Ironie. Aber ihre- Energw, ihr praktischer Sinn und ihr ehelicher -Wille, sich nicht unterkrlegen zu lassen, taten ihre Schuldigkeit. Jeden Tag kam sie uM ein Stück ihrem Ziele näher. Sie rechnete, geizte, sparte. Wie ein Arbeiter, dev xin« lange Straße zu bauen hat und Stein an Stein fügt, so trug sie allwöchentlich den erübrigten Betrag zur Sparkasse und war jedesnial dem ersehnten Lmrdo um ein. Stück nähergerückt. Indessen blieb die Zwiespältigkeit ihrer Stimmung bestehen. Droh äußerlichen Erfolges konnte sie darüber nützt hnüveg, daß sie noch immer den fürchterlichen Weg ging. Ihr änfacher Sinn wußte nichts vom großen verstehenden Berzeöhen. Wie weit sie selbst und wie weit die Ungunst der Pochältnisse schuld waren, vermochte sie nicht auseinander zu halten. Sie fühlte nur, daß trotz allem Streben die Schuld sich nicht verringerte rmd sehnte den Tag herbei, an welchenr sie mit ihrem jungen endlich die Mise würde antreten können. Nach vier Jahren hatte sie die nötige.Gvldfunune beisaumren. Froh war sie und — nun mit einem Male — ruhig und zuversichtlich. M die Jahre der Arbeit mid <8HnmmW,.allsMäne und KoffnuMen.-Me Tage, nur: waren sie froher Erfüllung nahe. Ein bißchen nur wollte sie jetzt die Hände feiernd in den Schoß legen, für die^ nächste Zeit Kräfte zu sanmreln. Nun konnte ihr wohl wchtS mehr passieren; es sei denn, daß sie erkranke und!starb. _ Man möchte^ Mvvsien hinter den Mechvnismus des Geschickes einen Mick tun, um für den BerlMf mancher Geschehnisse, her uns oft sinnlos und wider jedes Empfinden anprutet, eine Ebktärung zu! finden. -Dresle .Frau hatte sich einer Aufgabe ergeben, die ohne iZwoislel schön rmd erstrebenswert ivar, an ihrem >Geist und fom Verhältnissen, in welchen sie lobte, 'gemessen, aber Noch' höher gewertet tverden nnißie. Trotzdenr scheiterte sie. Schotterte au der .Genieinheit menschlicher Natur, die von außen her in ihr Dasein drang. Oder war es nur die eigene Unzulänglichkeit? Mas war ddr Sinn.dos Ganzen? Wozu ein Auffchwung, dem ein zufälliger Umstand zum unheilvollen Schicksal ward? In letzter Zeit war sie mit einem Manne zusammengekommen, der sie stark beunruhigte. Schon die eine Tialsache gcw ihr zu denken, daß sie ihm gegenüber nicht jene aus Grauen, .Haß und Widerwillen gemischte Empfindung hatte, die sie gegenüber alleic anderen Märmern beherrschte. Eine fremde, bMge Stimnmng nahm von ihr Besitz, so oft sie ihn sah. Er war ein ruhiger, ernster Mensch, Mitte der Vierzig, einfach, aber sehr sauber gekleidet uird von stets sich gleichbkeibertter, gelassener Freundlichkeit. Mt kirappelc Worten hatte er ihr erzählt, daß er seit einem Jahre Witwer sei und in einer kleinen galizischen Stadt einen Laden hatte, den er aber wegen ungünstigen Geschäftsganges veräußern nrußte. Nun wolle t» sich hier eine neue Existenz zu gründen vesfuchen. Mer Unter diesenr Manne, hinter feinem vertrauenerweckenden Wesen lauerte tückisch das Verderben. Mne leise innere Stimrne sagte es ihr. Und doch beschäftigten sich ihre Gedanken mit ihm nnd sie war stets wm einer seltsamen und nervösen Freude «füllt, so oft "* ■ bpsuchtp. Und je mehr:ihve mehr warnten sie die dunklen Stimmen und Ahnungen, die sich zuwellen zur peinigenden Angst steigerten. Ms sie sich eines Tages entschloß, schleunigst ahzureifen. Schon am nächsten Morgen Wollte sie nach Suczawa, um von dort .aus mit ihrem Jmrgen die Reift nach Palästina an- Mreten. - Da jfam er zw Besuch. Nach einigen verlegenen Redensarten Machte er ihr, nmni-erlich und freundlich, wie immer, in aller Form einen Heivatsantvag. Sie wies ihn ab; er wisse ja, antwortete sie, daß sie nach Palästina zu reifen! gedenke. Da lächelte er überlegen und meinte in einenr scherzhaften Tone, den er zum e^n Male ihr gegenüber anschvug, -sie könnten sich Wohl auch hier das gelobte Land schaffen.- Er entn-ahm seiner Brieftasche das Schreiben irgend- «einer .Firma und setzte ihr auseinander, daß er die beste Gelegenheit .habe, von einer alten, ang-eseherren Gesellschaft in Lemberg ein Mschäft zu erwerben, das sie irr Zukunft aller materiellen Sorgen errtheben würde. Sie habe nichts zu tun, als ihr Kind zu nehrrren und mit ihm; nach Lemberg zu reisen. Dort kenne sie rüenrand und sie würde eine geachtete .Ehefrau Und gutsituierte Geschäfts Inhaberin sein.'Lfn zwei oder drei Jahren könne sie ja wohl eine Reise nach Palästina Mternehrnen, urn das Grab der Eltern zu besuchen. Einen Teil des Kaufschislings habe.er schon; den Rest -müsse sie ihm geben, vorausgesetzt, daß sie Vertrauen in M setze, wozu er sie freilich nicht zwingen rönne.,'Schon übermorgen wolle er Nach Lemberg, um.das Geschäft o&- zuschiKeßen. -Daun würde er zurückkonnnen, sie heiraten und in die neue Heimat ziehen. ' Selbstverstäirdlichkeit und Klarheit, mit denen er sesi« iMsichten auseinandersetzte, überzeugten sie. Es Muhte aVitÄ so .feilt, wm» er es sagte! Sie fühlt« erschWrrt, daß' kein Leben ohne chn wav, daß er chr bedeutete. ■