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Wiener Morgenzeitung · 1927-08-26 · Heft 3049 (26.8.1927) · p. Seite 2

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
9 (1927)
Issue
Heft 3049 (26.8.1927)
Date
1927-08-26
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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^ite? Wiener MorsenHettn«s Wien, Freitag SS. August 1827 Nr. 3&4Ä -,u Lcanspruc! .'.'l, sondern mit <w:r BesttttiMlycit iijuc Rcch.c geltend macht und darauf bcncy,'. die Führung ihrer Angelegenheiten selbst tu die Hano 51t nehmen. Wenn in den lebten Jahren Völler, die anci) nach nicht über die leiseste Erfahrung aus dem Gebiete der Selbstverwaltung verfugten, eigene Staaten geschaffen haben und den Aufgabelt der Selbstverwaltung g. recht werden, dann tann wohl auch ein noch uncrvrobtes imö schwaches Volistum den Versuch machen, die sehr viel bescheidenere Aufgabe des eigenen öÄllturlebens zu übernehmeli und ihr gerecht zu werden. Geben wir aber grundsätzlich zu, daß in diese Verwaltung des Kulturwesens auch der Staat hineinb-ezogen lverden kann, da»m bleiben wir dauernd auf der unerträglichen Position des Almosenempfängers und machen jede klare Scheidung der Rcchisbegriffe unmöglich. Daß der Staat verpflichtet ist, die für oiese Verwaltung notlvendigcn Mittet zur Verfügung zu stellen, scheint mir bei den Einwendungen ge^n die Kulturautonomie immer wieder übersehen zu werden. Wenn durch die Abgrenzung der Beftlgnisbereiche von Staat und Volkstum eine Lösung herbeigesührt wird, die dem Nationalitätenproblem seinen den Frieden bedrohenden Charakter nimmt und dem national gemischten Staate seine Sicherung gibt, so wird damit gleichzeitig auch eine Situation geschaffen, welche dem gegenwärtigen Zustand des nationalen Hasses ein Ende macht. Kein Zweifel, daß. der nationale Haß aus der wetteifernden Arbeit der Völker auf kulturellem Gebiete nicht entstanden ist. Seine Qnel-!nt ließen vielmehr alle in den Gebieten des Gegensatzes imotlicher Interessen. Die nicht nationalstaatlich zusamm.ngcfaßten Gruppe t müssen deshalb, von vornherein au' e - halb des nationalen Hasses der Welt stehen.. Der Hast der Völker, der aus Gründen staatlicher Gegensätze entstanden ist, sollte für uns in keiner Weise zugänglich sein. Und deshalb dürfen diejenigen nationalen Minderheiten, denen die tatsächliche politische Situation cs nicht möglich macht, sich mit der Politik der eigenen Staaten zu identifizieren oder auch nur an ihr sich zu beteiligen, überhaupt auf jede staatspolitische Betätigung im internationalen Sinne verzichten. Je entschiedener wir aber eine Beteiligung an dem politischen Leben unserer Mutterstaaten ablehnen, mit um so reinerem Gewissen können wir die Bindungen pflegen, welch: uns als Volksgemeinschaft über alle staatlichen Grenzen hinweg verbinden. Wenn sich über ganz Europa Bindungen Herstellen, welche gelöst sind von allen wirtschaftlichen und Interessengegensätzen, und diese Gemeinschaften, die über keinerlei Machtmittel verfügen, das Gewicht ihrer rein kulturellen Erwägungen und Interessen in die Wagschale werfen, so muh dadurch nicht nur eine Liquidation der nationalen, sondern gleichzeitig eine sehr erhebliche Abschwächung der staatlichen Gegensätze erzielt werden. In solchem Sinne halten wir die Arbeit au -Htacr Festigung der kulturellen Volksgemeinschaft für eine r-esmtlichir Aufgabe zur Erlangung des europäischen Friedens. ,'/'t Schaffung des Weltfriedens. Ae Leichenfeier für Salto und Banzett!. Bsrbereilunsen für das Begräbnis der Hingerichteten. — Rene Demonstrationen in Frankreich Md Holland. B o ft 0 n, 25. August. Das Komitee zur Verteidigung Saccos und Vanzettis hielt gestern eine Sitzung ab, nach der Präsident Jackson erklärte, daß das Programm der Begräbnisfeierlichkeiten endgültig festgelegt sei. Der Plan, die beiden Leichen einzubalsamieren und in den Städten der Vereinigten Staaten auszustellen, wurde fallengclassen. Die Leichname werden aus der Leichenhalle, nach dom Gebäude der italienischen Kolonie überführt und am Sonntag unter feierlichem Zeremoniell verbrannt werden. Der. Einäscherung - wir) eine gewaltige Brauer- Parade vorangehen. Am Montag wird ‘ die Urne mit der Asche Vanzettis in New Nork ausgestellt werden. Die Urnen werden der Gatt'n Saccos und der Schwester Vanzettis auSgefo'lgr werden. Am Tage der Verbrennung werden in allen größeren Städten der Bereinigten Staaten Traucrsclcrlichkciten stattsinden. Am Sonntag findet in New Dort eine gemeinsame Konferenz, aller Organisationen, statt, die für Sacco und Vanzetti gearbeitet haben. Die Organisationen sind entschlossen, die Wiederaufnahme des Prozesses zu erwirken. Zugunsten der Hinterbliebenen nach Sacco und Vänzettl soll eine Sammlung veranstaltet werden. Meder blutige 3usammenstSbe in Paris. Paris, 25. August. Gestern abends haben sich die Ruhestörungen auf dem - Boulevard Sebastopol erneuert.' Etwa zweitausend ,M a n i f e st a n t e n versammelten sich an der Ecke der großen Boulevards und des Boulevards Sebastopol, so daß der Straßenverkehr unterbrochen werden mußte. In Autos trafen rasch nacheinander mehrere hundert Polizisten ein, die versuchten, die Straßen zu säubern. Es kam zu blutigen Zusammenstößen, in deren Verlauf!nieder zahlreiche Schüsse abgefeuert wurden. Das, Eintreffen von zwei Abteilungen berittener Polizisten machte endlich der Demonstration ein Ende, Die Manifestanten.wurden iu die SeUengassm gedrängt und zerstreut. Infolge des gegen 12 Uhr nachts beginnenden Regens kam es' zu keinen neuen Zwischenfällen. Das Innenministerium hat verfügt, daß gegen alle veithafteten Ausländer.nach verbüßter Strafe der sofortige ,A u s w e i s b e f e.h l ergehe. Nur die Verhafteten mit Famisie werden einen oder mehrere Tage Aufschub erhalten. 3n net IranziiMen Provinz. In der Provinz kam es mehrfach zu blutigen Manifestationen. In Nancy hatte im Gewerkschaftshause eine Versammlung stattgesunden, nach welcher sich ein Demonstrationszug. bildete. Die Manifestanten stießen bald auf starke Polizeiaufgebote, die versuchten, die Menge zu zerstreuen. Es kam zu Schlägereien, in deren Verlaus aus dem Marktplatze zahlreiche Gcs chH ftsa u s lagen j.n, T.r ü mm er ge sch lagen wurden. Mehrere Polizisten und zahlreiche Manifestanten, wurden dabei verletzt. Aehnlich hatte in Lyon der französische Gewerkschaftsbund im Gewerkschaftshause eine Protestversammlung veranstaltet. Als man nachher versuchte, einen Zug durch die Straßen zu bilden, tourde> er von den Kommunisten angefällen. Es entstand eine wüste Schlägerei, in deren Verlauf zahlreiche Demonstranten auf beiden Seiten verletzt wurden. Weitere StrasmatznaWen gegen die Pariser Demonstranten. Paris, 25. August. Die Strafkammer hat heute ettoa 20 Teilnehmer an den Dienstagansschreitungen zu Gefängnisstrafen zwischen 14 Tagen und 10 M 0natcn verurteilt.;; SkAfte ZwkschenfSlle in Rotterdam. H a a g, 25. August. Wie an den Abenden der letzten Tage, haben auch gestern abends im Zusammenhang mit der Sacco-Vanzetti-Äfsäre wiederum Straßenkundgebungen in A m st e r d a m, Haag und N 0 t t e r d a m stattgesimden. Die Polizei Ivar verschiedentlich gezwungen, von der Waffe Gebrauch zu machen. Besonders in Rotterdam waren die Demonstrationen erüsthaft, ein Polizist und z a h l r e i ch e P e r s 0 n e n wurden dort verwundet. Schwere Exzesse in Hamburg. Hamburg,. 25. August. Demonstrationen haben in der Stacht zu größeren Unruhen geführt und,auch Menschenleben gefordert. Der. nicht im Dienst befindliche 21jährige Polizciuuterwachtmeistcc Christian G 0 d b e r s e n wurde im Scheunenviertel, wo die Kommunisten. Barrikaden errichtet hatten, aus einem Straßenbahnwagen geholt und schwer mißhandelt. Als er in den Anlagen beim Holftenjvall zusamnienbrach, wurde er von einer Rotte von 60 bis 60 Menschen buchstäblich niedergetrampclt und durch einen Messerstich getötet. Der Mörder entkam im Dunkel der Nacht. Erst um 2 Uhr nachts gelang es der Polizei, die Demonstrantentruppe endgültig von der Straße zu verdrängen. ‘ Jrn Scheunenviertel und in der Wexstraße wurden die Polizeibeantten aus den Häusern mit schweren Gegenständen beworfen und so hart bedrängt, daß sie. schließlich von der Schußwaffe Gebrauch machen mußten. Sämtliche Straßenlaternen gingen wie aus Kommando aus. Ein Polizeiüeamter und mehrere unbeteiligte Personen wurden durch -Flaschenwüvfe schwer verletzt. Ein Demonstrant erhielt ' einen K i n n - schuß. Es gelang der Polizei, zahlreichePersonen f e st z u u e h m e i'i und die Ruhe wieder herzustellen. Neuerliche Ansammlungen in Warschau. Warschau, 25. August. Gestern abends erneuerten die Warschauer K 0 m m u n i st e u die Demoustrationen gegen die Hinrichtung Saccos und Vanzettis. Ein Teil, der Demonstranten wollte vor das Gebäudeder amerikanischen Gesandtschaft ziehen, wurde aber bou einem starken Polizeiaufgebot zurückgedrängt. Hiebei kam es zu Zusammenst ö ß e n mit der Polizei. Ein Detektiv wpllte den Anführer einer kommunistischen Gruppe verhaften. Dieser setzte sich zur Wehr, worauf der Detektiv gegen ihn einige Revolver sch ü s s e abfeuerie und ihn schwer verletzte. Generalstreik,la SRftifo. Mexiko, 25. August. Hier wurde heute mittags zum Protest gegen die Hinrichtung Saccos und Vanzettis der Generalstreik ausgerufen. Ter Telephdn-. Stkw stenbahn- und Autoverkehr war bald vollständig unterbrochen und auch in den Misten Fabriken wurde die Arbeit nicdrrgelcgti Re Solidarität der Minderheits- Die Aesolitttonen ves Die Aesolitttonen ves Genf, 24. August. In seiner letzten Plenarsitzung beschäftigte sich der Nadionalitäten'kongrciz mit einem der wichtigsten Probleme, über das unter den Mnderheiten selbst noch vielfach Unklarheit up'd Uneinigkeit, besteht. Darauf sind üllch die verschiedenen . Schvüerigkeiten des Mndevheitenkongresses und fein bis jetzt geringer Einfluß zurückFuführen. Der deutsche Abgeordnete in Dänrmarr, Schmidt- Woder, referierte Über die Frag« derinnen- und Kwiischenstaatlichett Zusammenarbeit der ’ Minderheitengruppen und trat für die Notwendigkeit ein, daß den Mnderheiten in stärkevem Matze die Möglichkeit gegeben werde, gemeinsam zu arbeiten. Auch der Präsident der Kommission, Motzkin, trat für eine stärkere Solidarität unter den Minderheitengruppen ein und brachte drei in diesem Sinne - gehaltene Resolutionen ein, .die von der Versammlung eimstimmig angenommen mirben., Die erste Resolution bezeichnet es,als eine Pflicht 'der nationalen Minderheiten, sich untereinander zu verständigen und sich gegenseitig zu unterstützen in allen Fragen der Minder- Heitenfordernngon und insbesondere bei solchen, die auf die Mitarbeit in den gesetzgebenden Körperschaften der einzelnen Staaten Hinzielen. Me -weite Resolution tritt dafürein, daß die nationalen Minderheiten in allen internationalen Körperschaften und Kongressen, die Minderheitenfragen 'behandeln, solidarisch für die Wahrung von Minderhoiteninteressen eintreten. Die dritte Resolution gibt dem Wunsche Ausdruck, daß die Leitung der nationalen Minderheiten in bezug auf Rechtsforderungen offizielle Pretzorgane schaffe», Re im Geiste der Minder^ttenkongvesse redigiert werden und zur Ann äherung und Äe rständig.ung unter den. Bölikern 'beitragen sollen. Der Vertreter der polniischen Mnderheiten in Deutschland, Ka tzm a rek, 'und der Vertreter -für, allr deutschen Gruppen,^ D r. P a n t, setzten M energisch Mx die«Räsvlütiönen'. ein. Boson!>er's^^-der' Mdjter'^xklarte, haß die deutschen Gruppen stets im Sinne -der Resolutionen Handeln würden. Die Minderheiten düpften keine Rücksicht auf die Politik ihrer'Mutterländer nehmech sondern - ein Unrecht überall dort sehen, wo ein solcheS»begangen werbe.. Ueber die Sprachenfragc referierte sodann der Vertreter der jüdischen Minderheit in Polen, Mbg. G r ü-irb a u m. Ms PalMm-Manda!. Die angebliche Abtretung an Italien. London, 23. August. H. T. A.) Der Genfer Korrefsrondentt des „Sunday Expreß^ berichtetes .seien Anzeichen vorhanden, daß die britische Regierung jetzt mehr als früher geneigt sei, das, von ihr verwaltete Palästina-Mandat an Italien abzutrvten. In den letzten zwei Monaten, schreibt er weiter, fand zwischen dem italienischen Regierungschef, Mn ss 0 l i ü i, und dem deutschen Außenminister, S t r es e m a n n, ein -Gedanketzäustausch in Sachen der Mandate statt. Seitens des Bölkerüundsekretariats werde nun inoffiziell erklärt, daß die Frage der Mandate vor der Versammlung des Völkerbundes im kommenden, September zur Erörterung gelangt und Deutschland die BereiWaft erklärt Habe,' ' Italiens Wünsche bezüglich Nordafrilkas, Abessiniens und insbes,ander «.Palästinas zu unterstütze^. Die britische Regierung habe von den Verhandlungen Kenntnis, und sei geneigt, das Palästina-Mandat an Italien abzutreten.' Deutschland tverde — so schließt der ^Sunday, Expreß"- Korrespondent — laut einem Ueberein^kom men mit Italien die Unterstützung der italienischen Regierung bei seiner Forderung nach Rückgabe seines früheren kolonialen Besitztums in Ostafrilka erhalten. " - ‘t' ' .. Es sei /hier nochmals -darauf verwiesen, daß die Behauptung sowohl von England wie von Italien strikte dementiert worden ist. Das schließt seWverständlich nicht aus, daß Wer die Mandat? Verhandlungen laufen, obwohl darüber bisher nichts verlautete. Es ist schon möglich, daß das Palästina-Mandat als ein Schachevobjökt behandelt wird, wenngleich die Entscheidung nicht ohne die Zionistische Organisationdie , in dieser Frage unbestritten als Sachwalter der gesamten jüdischen Oeffentltchkeit zu fragen istgeifällt werden kann. Mer. daß dicse Frage überhau.pt auflaufcn 'kann, ist eip schr bedenkliches Symptom für den schon seit langem zu beobachtenden Prostigoverlust 000100010102020131

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