Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 9 (1927)
- Issue
- Heft 3047 (24.8.1927)
- Date
- 1927-08-24
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 8047 Wiens» Morgen-stttms <uMlf nwtoMy peraliSmss $*fer fich^ «vH heute noch wie früher im Kampfe um die RohmatertaKen. ME <9t{a9t ent« senegt» ruae Mtmer imyer AM ver wachsenden Auflehnung der foffttgen Rassen gegen d?e imperialistischm Mächte. Zum Schluffe versicherte der Redner die farbigen unterdrückten Völker der Solidarität der britischen Arbeiterschaft. Nach Ede F i m m e n, dem Generalsekretär der Transportarbeiter-Internationale, ergriffen noch ein Vertreter der chinesischen Kiromingtang und ein Inder das Wort. Der Kongreß des gnternationalen Studenten« verbände». Rom, 23. August. (Stefani.) Sämtliche in- und ausländischen llniverfitätsdelegierten, die am 9. Kongreß des Internationalen Gtudentenverband e s teilnehmen werden, sind bereits in R o m eingetroffen. Zu dieser Internationalen Studentenzusammenkunft gehören 1. der neue Rat des Internationalen Studentenverbandes, der morgen eingesetzt werden wird, 2. die Universitätsausstellung,' die bereits vorigen Samstag im Ausstellungspälast eröffnet wurde, 3. die studentischen Weltmeisterschaften, die morgen mit den Schwimmkonkurrenzen beginnen werden. An dm folgenden Tagm werden leichtathletische«- Kämpfe und die Fußballspiele ausgetragen werden. Unruhen ln Delhi. Delhis 23. August. Während der Begräbnisfeier eines Inders der in einem Eisenbahnzug von eineur Mohammedaner getötet worden sein soll, wache« Inder Steine tu mohanmredantsche Läden, waZ einen Zusammenstoß zwischen Indem und Mohamm-edanern veruchachte. Acht Inder wurden von der Poliizei verhaftet. Sechs Polizisten, neun Mohammedaner und ein Inder wurden verletzt. Die Ordnung wurde wieder hergestellt. Die Lädöu sind geschloffen. P oligei-puatr ourlle-n durchziehen die Stadt. Anamtten gegen Ehinesen. Blutige Schlägereien. Hatphong (Tontin), 26. August. (Reuter.) Infolge eines Streites zwischen einer Anamitin und einer Chinesin kam es am 17. ds. zu chinesenfeindlichen KumdgÄamgen und zu Schlägereien, die vier Tage andauert«». Schließlich gelang es der Polizei, die Ruhe wieder herMrstcÄen. Im Verlaufe der Unruhen wurden f->e-chs Personen, ldavunter fünf Chinesen, getötet und etwa hundert Personen, meistens Chinesen, verletzt. Etwa dreißig Häuser wurden geplündert und acht eingeäschert, darunter eine Fabrik. 150 Personen wurden verhaftet, jedoch zmn größten Teil alsbald wieder freigelaffen. Die Rädelsführer wurden unmittelbar vor Gericht gestellt und zu Gefängnisstrafen in der Dmrer von drei bis sechs Monaten verurteilt. Reue Verhaftungen von Weißruffen in Polen. Die kommunistische „Hromada". Warschau, 23. August. (Dsch. P. B.) Die Organe der politischen Polizei haben in der Wilnaer. und der Now» goroder Woiwodschaft eine Kontrolle der Mitglieder der kürzlich aufgelösten weiß russischen „Hromada" vorgenommen und dabei festgestellt, daß diese ihre umstürz l e ri s ch e Aktion fortsetzen und dabei durch weißrussische Emiffäre aus Minsk instruiert werden. Die Polizei verhaftete bis jetzt 30 M i t g li e d e r der „Hromada", meistenteils Kommunisten. Die Verhaftungen werden. fortgesetzt. Der russische Alltag. Fuhr einer durch Svwjetrußland — aber auch nürkttch durch: über Minsk «ach Moskau; die Ukraine durchqrlereud nach dem Kaukasus; über die grusinische Heerstraße nach Georgien, Adsharistan, Aserbeidscha; längs dev Küste des Schwarzen Meeres nach Abchasien und zurück über die polnisch-russische Grenze — und notierte ein paar Kleinigkeiten.*) Etwa: daß in Moskau die Straßenstände mit Sonuenblmnenkornen fortgewischt sind, well das Ausspucken der sogenannten „SemnttfchLi"-Schalen verboten ist, wie es dazu kam und was sich daraus ergab. Oder: Was die Kinder in Moskau statt „Schneiderlein, leih' mir die Scher'" und „Sarchkuchenbacken" für Spiele treiben (nämlich „Volksversammlung^ oder „Auf die Straßenbahn arlfsprirrgon und vom >Mllizionär erwischt werden" oder „Pvopufk"). Oder: Wie auf einem Bauplatz, allwo noch mit der attägyptischen Methode unter Anwendung der ganzm primitiven schrägen Holzrampen gearbeitet wttd, plötzlich der Lastwagen mtt modernster Kippvorrichtung austaucht. „Vor einer halben Stunde war man hier noch bei Cheops und jetzt ist man mitten im Zeitatter der Autokippwagen von Ford. . ." Oder: Winziges NotiMatt über die Moskauer „Fabrik zur Erzeugung gelben Dynamits", nämlich die Universität des arbeitenden China. *) F. C. Woißkopf: ,MOei^ntt« A. Episoden von einer Reise durch die GowsttuNkon. MaKk-BevIag, Berlin. Wlev« ei« Fememord. Berlin, 23. August. Am Samstagnachmittags wurde bei Ludwigslust auf der Strecke Hamburg—Berlin ein ungefähr 23 Jahre alter Mann mit einem Sivick tun den HalS müd SttmtguütttonSmvrk« mctkn am Hälfe in Mem Däkche ormvrdst aufgjefußtden. Die näheren Umstände dieses Fundes lassen die Möglichkeit zu, daß es sich um ein politisches Verbrechen handelt. Der Tote war bekleidet mit einem Hemd, wie es in völkischen Verbindungen getragen wird, und Lrug bei sich eine Generalstabskarte, auf der der Name Köhne eingezeichnet war. Er war im Laufe des vergangenen Freitags in Begleitung von zwei anderen.Männern, die jeßt auS der Gegend verschwunden sind, in oer Nähe der Fundstelle gesehen worden. f Nach der Obduktion scheint es fefltzustehen, baß der ,Mann am Freitag abends gegen 9 Uhr ermordet ünd nach bereits eingetretenem Tode in den Teich geworfen worden! ist. Die Polizei vermutet, daß es sich tun den in Brennen sehr bekannten völkiWm Agitator Köhne handelt. Die Staatsanwaltschaft von Schwerin, die unter Leitmrg des Oberstaatsanwaltes am Tatorte wellt, ist bemüht, die Tat woller aufzuklären und die Spuren der Täter znsiuden. Ae BanknoteuWscher von SlasMka- Salomo« Friedländer iu Freiheit gesetzt. MuS Debreegim wird gemÄDett Der in 8er OlaWWaer Banknotenfälschungsaffäre zu Aweieirchaib Jahren Zuchthaus vemriellte Salomon Friedländer wurde nach Verbüßung von einem Jahr sieben Monaten seiner Strafe vom Debrecziner Gerichtshof b e d i n gl in Freiheit g e se tz t. Nürnberg, 23. August. Am Sonntag fand Per der seit Monaten als die große Heerschau der Nationalsozialisten angeLündigte nationalsozialistische Kongreß statt. Die Veranstalter rechneten mit einer Derknehmer-cchl von mitrdestens 50.000, es waren aber nur etwa 20.000 Anhänger aus allen Teilen Deutschlands erschiene. An dem Vorbeimarsch an Hitler, der morgens aus dem Hauptmarkt stattfand, nahmen höchstens 12.000 Nationalsozialisten teil. Me Nürnberger Bürgerschaft nahm von der Veranstaltung nur schr wenig Notiz, nur wenige Häuser waren beflaggt. Etwa 60 Prozent der Teilnehmer waren Jugendliche. Ms Redner traten Landtagsabg. Julius Streicher und Reichstagsabg. D.r. Frick auf. Hitler verlas eine „Botschaft an das erwachende Deutschland", es Heißt darin: „Indem wir den Blick zurücklenken auf die wechselvollen Schicksale unseres Volkes, vermögen wir me daran zu glauben, daß das Muttervolk der europäischen Kultur, ja, der weißen Zivilisation, überhaupt, nach einer Geschichte von fast zweitausend Jahren dem Untergang bestimmt sein soll, nur durch die Existenz einer Organisation jüdisch-internationaler Verbrecher, ohne eigene Schuld. Diesem inneren Ein paar Kleinigkeiten. Aber dsr Blick, der sie auflas, war so ftisch und drang so tief, die Hand, die sie zu Papier brachte, war so.unbekümmert, so hemmungslos aufrichtig, daß dieses kleine Buch unendlich viel über das Märchen „Sowjetrußland" mitte-ilt. Jchenfalls mehr ab? dickbändige Berichte und umständliche Referate. Es sind Federzeichnungen eines herzhafte« Künstlers. Das wäre schon sehr viel. Aber man fühlt den Geist eines Mannes am Werke, der auf der Höhe der Situation steht, mit dem Lande und seinen Menschen selbst vertraut ist und dadurch unser Vertrauen gewinnt. Was hiev in kurzen, überaus lebendigen, überaus prägnanten Kapiteln niedergelegt wurde, ist vom stimmungsvollen, inhaltsleeren Prosalyrismus des unerfahrenen Schwärmers ebenso wett entfert, wie von der klugen, vorsichtig lavierenden Methode gewisser, ihren Mangel an Kerrntnis und Erkenntnis dimh fixe, glatte Losschreiöerei geschickt kaschierender Journalisten. Das Buch enthält ein Vorwort von Wieland Herzfelde. Nicht häufig darf man sich auf derartige Einbvgleitungen verlassen. Diesmal ist es der Fall. Wenn es der Platz gestattete, würden wirs am liebsten an Stelle dieser Anzeige abdrucken. So begnügen wir uns, zu versichern, daß Weißkopfs Reisebuch tatsächlich Antwort auf die Frage gibt, die in der envähnten Einleitung gestellt wird: „Wie sieht der russische Mtag auf dem Lande und in der Stadt aus, was tut, was spricht, verschweigt, hofft, denkt und fürchtet der Durchschnittsbürger der Union, — ihre Bauern und Arbeiter, ihre Frauen und Kinder/ die Lehrer, Händler/ Kutscher, Popen und Bettler?" O. % \ Die Streikbewegung in Ungarn. Ae SchMtimWNMWilie» afdglM. Vudapest, 28. August. Die Metallarbeiter haben in einer gestern nachts abgehaittenen Versammlung die Lohiverchöhungsvorfchläge der Arbeitgeber abgelehnt und beschlossen, in jenen Betrieben, wo die Arbeiter sich im Ausstand befinden, auch weiter zu streiken. Die Verhandlungen mit den Arbeitgebern weüden indessen fortgesetzt. Die Bäckereiarbeiter fordern gleichfalls eine Itzprozentige Lohnerhöhung. Die gestern unter dem Vorsitz des Oberstadchauptmann-Stellvertreiers Andrej ka geführten Schlichtungsverhandlungen sind erfolglos geblieben. d» sich unüSorVrückSave Gegensätze zwMön den Forderungen der Arbiter und den ZuMtä-wdinssttr der Arbeitgeber zeigen. Es wurde beschlossen, zur Prüfung der Lage einen Ausschuß, bestehend auS je zwei Vertretern der Arbeitgeber und Arbeitnehmer, zu bilden, der innerhalb von vierzehn Tagen die aufgetauchten Streitpurrkte bereinigen soll. „Esti Kuvi^ meldet,daß in der Fabrik Hofherr u. Schr antz mit Ausnahme einer einzigen Mteilung hellte alle Arbeiter die Arb eit niedergelegt haben, so dich sich die Zahl der Streikenden in der Eifemndüflne von 17:000 mrf M600 erh öhte. LesterrelchW-deutsche Rechtsabkommen. Berlin, 23. August. (WoM.) Fm Auswärtigen Amte Hat heute der Austausch der R«tMattonsuvkunLen zu den zwffchsn dem Dsutsthen Reiche und der Rci^ublik Oesterreich am 5. Februar 1927 in Men abgeschlossenen ARommen, Nachlaßabkomme« und Vormunds chastsabkommen, sta^gefundsn. Beide Abkommen werden am 24. Oik'tobe.'r 1627 in Kvast treten. Fände in all feinen Forme« w&v de« Kampf an, von Trotz erfüllt Rs zum Letzte« und sind dabei mrr von zwei GeWhle« beherrscht: Haß ««d tanfendmal Haß gegen die Feinde unseres Volkes und Vaterlandes/' Zum Schluß sprach Hitler von der „Größe des einstigen natvomÄsogialistischen deutschen Staates". Von Nüvnberg aus traten die Teilnehmer in wchreven Ersenbahmzügen die Heimreise an. Unterwegs verübten sie in Erlangen schwere Exzesse. Es wurden Paffaitten überfallen und Vlutig geschlagen. Ein Sonderzug, in dem sich die Berüner Halenkreuzler befanden, wurde Montag früh («wie bereits kurz berichtet) in Teltow angehalten. 400 Paffagiere wurden verhaftet und in 36 Lastaatto in das Berliner Polizeiprästdium gebracht. Es handelt sich um eine Mion gegen die aufgelöste Berliner Ortsgruppe der uattonaLsoziallstischen Arbetterpartei. Die Berliner Rationalsogialisten waren in Umform und führte« zahlreiche Hieb- und Stichwaffen mtt sich. Nach einer bis heute -Mittags andauernden Vernehmung wurden die 4M Nationalsoziakisteu sreigelaffen; es wurde ihnen im Falle eines neuen verbotenen! Zustmkmenschlrlffes schävffte polizeiliche Verfolgung cmgedrrcht. 8m palästinenstscher 3«ümstsroman. »LWlschvWm vsv Bsris Matz. Boris Schatz, Profeffor und Leiter des von ihm begründeten Jerusalemer Kunstmstttutes Bezalel, hat seine Kriegserinnerungen und sein künstlerisches, soziales und politisches Glaubensbekenntnis in einem erzählenden Werke, in seinem fesselnden Zukunftsroman ^Feruschulajim habmijah" uiedergelegt. (Bezalel-Verlag, Jerusalenu.) An Hand einer einfachen Fabel su.cht Schatz den dichten Schleier, der die Zukunft hüllt, zu lüfttn, und zeigt uns das Jerufalenr der kommenden Jlchrhundertwende. Das phantastische Buch erinnert an die utopistischen Zukunftsromane. Traurig und verlassen sitzt Schatz, fot beginnt dieser zium Test auch autobiographische Roman, auf dem Dachie des Bezalel. Es ist.Freitag und von fern her vollen die Donner der schweren Geschütze. Kvieg und Hungersnot hemmen die weitere Entwicklung. Oede und verlassen liegen die Räume da, verlassen von den emsigen künstlerischen Händen, die hier eine neue nationale Kunst schufen. Da geschieht etwas Wunderbares. . . Bmr der Menorah am Fond des Daches löst sich ein« Gestatt. In dem Näherkommenden erkennt Schatz Bezalel, den ersten großen jMschen Mnstler, der den Tempel iw der Wüste erbaute. Und Bezalel geleitet ihn in das Jerusalem der Zukunft. Krieg, Schrecken, Unruhen und Hungersnot gehören endgAttg der Vergangenhott an. Eine tiefe Wandlung tvar im verflossenen zwanzigsten Jahrhundert mtt der 'Menschheit vor sich gegangen. Uud das Mische Volk hat sein-ReM wieder erbaut. Emen Jdealstaat in einer idealeren WM An Hakenkreuzlerzug in Nürnberg. Aue Botschaft Hitlers. — Schwere Ausfchreitungeu in Erlangen. — Sie Berhaftnngs» in Berlin.