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Wiener Morgenzeitung · 1927-08-21 · Heft 3044 (21.8.1927) · p. Seite 11

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
9 (1927)
Issue
Heft 3044 (21.8.1927)
Date
1927-08-21
Page
Seite 11 (sequence 11)
Language
German
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Nr. 3044 Wien, Sonntag Wiener MorgenzeiLung 21. August 1927 Seite 11 geringste Verschulden, für das leiseste Zeichen von Subordination — Stockstreiche. Tausende von Soldaten wurden durch Swckstreiche buchstäblich zu Tode geprügelt. In der Erinnerung des russischen Volkes lÄte denn auch« Väterchen Nikolaj unter dem Namen „PaMn" (von palka, das ist Knüppel, Prügxlstock) fort." (B. Lfonanowski.) Die Juden waren bis zum Jahve 1827 vom persönlichen Militärdienst befreit, den Gemeinden wurde eine bestimmte Anzahl von Rekruten abgefordert, aber nur in Gestalt von Rekruterigeldern, 500 Rubel für den Kopf. Wie Nur gesehen haben, war der Militärdienst in Rußland nicht gerade beliebt und geachtet. Mau mißgönnte also auf nichtjüdischer Seite den Juden ihr Privilegium und führte häufig Klage darüber. Nikolaus I. beschloß daher, die. Juden zum Militärdienst heranzuziehen und zwar gleich sehr gründlich. Sein Ukas vom 26. August 1827 befahl, daß die jüdischen Gemeinden fortab nicht mehr Rekrutengeld zahlen, sondern Soldaten stellen sollten, und zwar galt für die Juden die Pflicht, zehn pro Mille der Bevölkerung zwischen dem dienst abzuliesern (getvöhrlch wurden aber Juden vom dienst abzuliesern (gewöhnlich wuvdenaber Juden vom 8. bis 36. Lebensjahre genommen), wahrend die nichtjüdische Bevölkerung nur sieben pro Mille der Bevölkerung zwischen dem 18. und 21. Lebensjahre zu stellen hatte. Unter den Juden wurde jedes Jahr Musterung gehalben, unter den Christen jedes zweite Jahr. Das Maß der Anforderungen an körperlicher Tüchtigkeit wurde für die jüdischen Rekruten stark herabgemindert, so daß nur ganz Kranke oder mit ekelerregenden Gebrechen Behaftete zurückgestellt wurden. Was nicht zum Frontdienst geeignet war, wurde zu niederen, stumpfsinnigen Dienstleistungen verwendet. Für rückständige Steuern wurde ein 'Mitglied der Familie zum Militärdienst genommen und zwar galten 2000 Rubel für den Kopf. Gleich von der Einreihung ab begann die Arbeit, den Rekruten „ihren jüdischen Fanatismus" auszutreiben und sie zur Taufe zu bewegen. Die jungen Knaben vom 12. oder 8. Lebensjahre ab wurden in große Bauernwagen geworfen, die Widerspenstigen mit Stricken angebunden und weit weg in die entferntesten Gouvernements, wo es keine Juden gab, transportiert. Weite Strecken mußten sie zu Fuß zurücklegen. Unterwegs wurden sie auf dem Marsch streng von den christlichen Soldaten ferngehalten, um nicht an ihren Vergünstigungen teilzunehmen, aber während der Rast wurden sie zusammengebracht, um von ihnen in christlichem Sinne beeinflußt zu werden. Sie durften in den Städten, die sie passierten, nie bei Juden einguartiert werden. Unterwegs gingen ihrer viele zugrunde, manchen gelang es, zu entkommen, dann wurde die ganze Schar hart gezüchtigt, weil sie den Glücklichen entwischen ließ. Am Bestimmungsort angelangt, wurden die kleinen Rekruten in sogenannte Kantonistcn-Erziehungsinstitute gesteckt, wo sie unter Aufsicht von Unteroffizieren abgerichtet und erzogen wurden. Manche wurden auf die Dörfer unter die Bau.ern verteilt, die ihnen gegen kärgliche Belohnung Kost und Quartier gewährten und sie zur Aushilfe bei der Feldarbeit benutzten. Diese Rekruten mußten sich jeden Tag vor ihrem Bataillonschef versammeln, der sie abrichtete. Mit ihren Eltern zu korrespondieren, war diesen Kindern unter den damaligen russischen Verkehrsverhältnissen unmöglich, es war ihnen, verboten, untereinander Jüdisch zu reden, ein jüdisches Gebet zu sprechen; das Zuwiderhandeln, ebenso wie die Weigerung, Schweinefleisch zu essen, jeden Morgen und Abend vor dem Kruzifix oder dem Bilde der Mutter Gottes ein Gebetlein zu sprechen, Imirbc mit zehn bis dreißig Knutenhieben auf den nackten Leib, durch Anbinden, Einzelhaft, Entziehung der Mahlzeiten bestraft. Auch wurden den Renitenten schwere Exerzierübungen, demütigende Arbeit u. dgl. zudiktiert. Die militärischen Lehrmeister zerrissen die von den Knaben mitgebrachten Gebetbücher, Thephilin, Zizith, traten sie mit den, Füßen und bespuckten, sie, schimpften über die jüdische Religion und das jüdische Volk, versuchten durch Drohungen und gütliche Ueberredung die kleinen Kantonisten zur Taufe zu bewegen. Sobald einer, was aber zu den größten Seltenheiten gehörte, seine Bereitschaft dazu erklärte, wurde seine Lage in jeder Hinsicht von Grund aus verbessert. Bei der Beförderung und Auszeichnung der Offiziere fiel die Zahl der durch sie der Kirche zugeführten Kantonisten sehr ins Gewicht. So verbrachten diese Rekruten die Zeit bis zu ihrem 18. Lebensjahre, die ihnen nicht als Dienstjahre angerechnet wurde. Nachher nahm man ihnen den Fahneneid ab, indem sie schwören mußten, so treu dem Kaiser Nikolaus zu dienen, wie wenn sie unter Anführung des Königs von Israel Jerusalem zu verteidigen hätten. Daraus begann ihre Dienstzeit, die 25 Jahre dauerte, natürlich ohne jede Aussicht auf Avancement oder gar Invaliden- und Altersversorgung durch den Staat. Zweierlei muß betont werden: Die Zahl der getauften Kantonisten war verschwindend ge ring, und sie haben sich trotz allem im Dienst mannigfach ausgezeichnet, so daß 1832 die Erlaubnis gegeben wurde, sie zu Unteroffizieven zu ernennen.. (Diese Begünstigung wurde ün Jahve 1850 wieder aufgehoben, vermutlich, weil sie ihren Nebenzweck, die Unteroffiziere zur Taufe zu bewegen, nicht erfüllte.) 1836 wurden sie sogar zu Auszeichnungen zugelassen. Andererseits regnete es Beschränkungen und Verbote auf sie nieder. 1829 wurde ihnen verboten, als OffizierSüurfchen zu dienen, da aber die Offiziere die Intelligenz und die .Anstelligkeit der Juden nicht entbehren mochten, wurde dieses Verbot regelmäßig übertreten, bis eS schließlich aufgehoben werden mußte. 1837 wurde ihnen verboten, als Sanitäter zu dienen, ebenso in die Regimenter für Schwächliche und Kranke einzutveten. 1844 tvurden sie aus allen Waffengattungen, mit-Ausnahme der Futztruppe, ausgeschWm. Bühne und KM. .Kl«ble«te." Deutsches BollSthoater. Der olle Berliner M a-x Ad albe rtzs ist urgelungen. Ein ebenso grantiger wie gehauter Schmarotzer, in der penetranten Art, sämtlichen Mitgliedern seiner weitverzweigten Sippe auf die Krchpe zu gehen, das ausgesprochene Familienekel; aber wohlgelitten, weil er amüsant und im Grunde ein guter Kerl ist. Nur ... Ja, es melden sich diesmal Ernwände, die man nicht zur Gänze dem Lustspiellteferanten des vortrefflichen Komikers- Herrn Fritz Fr.ie dm a nn - Fr ed e ui ch ankreiden darf. Es wäre gewiß wünschenswert, daß er Adalbert tauglichen Anlaß gäbe, seine Humore zu enffalten. So aber mutz sich der Berliner Gast immer wieder an die nämlichen Spasse halten, mit dem über seinem Kopfe baumelnden Lampenbchang karambolieren, Fremdwörter malträtieren, Sätze verwursteln. Darin ist er nun einfach unermüdlich. Mer der Zuhörer ermüdet. Neben dem Star ein sehr tüchtiges Ensemble, von Hans Kuhnert bemerkenswert gut geleitet. Die Herren S t a r n b e r g, P i t s ch a u, S p r r a, T u r i, K e r st en und ganz besonders Alts Hul voll Verdienst, Renate Müll-ev erfrischend einfach und echt. Colette Co-rde-r bereitet mit ihrem Berliner Madel, das ein tapferes Herz und ein unerhörtes Mundwerk hat, sehr viel Freude. Max Landa verfügt bekanntlich über mancherlei Qualitäten. Maß. das Wienenssche ist nicht sein Fall. Das Publikum war in Sester Stimmung. Fast alle Akteure kriegten ihren Separatapplaus. A. Aus de« Theater«. THeater an der Wien..Allabendlich, K8 Uhr, „Die ZPrluspri-nzefisin" in der neuen Besetzung. Die Vorstellungen beginnen täglich präzise ^6 Uhr abend§. Deutsches Boikstheater. Am 1. September setzt die Herbstspielzeit mit der Erstaufführung des dreiaktigen Schauspieles „Der Pfarrer von Mainz" von Wilhelm Schmidtbonn ei-n. Regie Dr. Herbert Furreg. Die Titelrolle spielt Ferdinand Onno. Theater in der Josesstadt. Die Komödie ,ßiz sagen sich alles" von Paul Kalbeck wurde zur Aufführung in der kommenden Spielzeit angenommen. Kammerspiele. Ab morgen Montag, täglich 8 Uhr, ,Zwölf Mädel.lernen heiraten". Volksoper. Morgen Montag 125. Aufführung des Singspieles ,Z-ch Hab' mein Herz in-Heidelberg verloren". Rolandbühn«. Me Revuekomödie „Der Roman eines Girls" gelangt vorläufig nur bis 31. d. M. zur Aufführung, da Karl Miksch mit seinem EnsemMe am 1. Swtember mit Felix Fischers „Ccffe Electrik", „Die weiße Sklavin" und „Der Roman «nes Gi-vls" eine längere Tournee beginnt. Nur v»er Wiener Sprechtheater in der kommenden Spielzeit. Die Krise im Theamrbetrie'b steigt andauernd. Mch dem gegenwärtigen Stand der Dinge werden im September nur das Burgtheater (samt Akadem'ietheater), das Deutsche BolkstheabEik, .die Reinhardt-Bühne (Theater in der Josesstadt), die Kammerspie le und die Renaissancebühne Ae Herbstsaison beginnen. Geschlossen bleiben das M oderne Theater, die Neue Wiener Bühne und das Lustspreltheater, welches, wie wir bereits berichtet haben, in ein Kinotheater umgewandelt wird. - Das Moderne Theater, ein ganz entzückendes. Kam'mersptekhaus, wird, wie verlautet, von der Ra vag WevnoMmen, welche die Bühne zur Erweiterung ihrer Aufnahmoanlagen benützen und im Zuschauerraum ein Studio einrichten will. Zählt man das Naimundtheater hinzu, die Robort-Stolz-Bühne, das Schönbrunner Schloßtheater sowie die Sprechtheaterabende in den Redoutenfälen, dann ergibt sich daS traurige Resultat, daß in Wien nicht weniger als sieben S P r e ch b ü h n e n in kurzer Zeit verloren gingen, wobei die Rolandbühne nicht berücksichtigt ist, weil sie im Genre wechselte und nach Sprechtheateraufführungen immer auch eine Serie von Singspiel- und Operettenavenden brachte. Diese Zusammenstellung wirst ein Licht auf die wirtschaftliche Situation des Publikums und auf die Not der Bühnenkünstler und Bühnenangesteltten. Hiezu ko mint der Untergang von zwei Operettenbüynen und der schwere Existenzkanipf der Volksoper. Sascha Schneider stavb durch einen unglücklichen Zufalk. Der Maler Sascha Schneider, dessen Ableben wlit vorgestern meldeten, ist, wie aus Swinemünde gemeldet wird, einer tragischen Verwechslung zum Opfer gefallen. Schneider befand sich an Bord der Schonerjacht „Edith", die von Neustadt nach Swinemünde fuhr. In der Nacht hatte Schneider, der seit Jahren an schwerer Zuckerkrankheit litt, ein heftiges DurMefühl, griff nach einer neben ihm Wenden Flasche und trank davon. Die Flasche enthielt Fleckenwasser. Der sofort hinzingezogene Arzt des Schulschiffes „Niobe" konnte nur noch den bald eingetretenen Tod feststellen. Die britische Gemäldeausstellung in Wien. Für die im September in Wien stattfindende Ausstellung ist, wie aus London berichtet wird, bereits eine schöne Sammlung britischer Kunstwerke in Aussicht gestellt. Darunter befinden sich Bilder von Raeburn. Lawrence, Gainsborough, Ronney, Turner und Bilder der Novwich-Schnle. Johannes Bttchms-Gedenkfewr in Baden. Kürzlich veranstaltete Musikdirektor Karl Wiesmann, der r# rige Leiter des Badener Kurorchesters, niit seiner Künstlerschar im Rahmen der klassischen Donnerstagkonzjette eine Johannes BrahmS-Gedenkfeier, die tiefen Eindruck hinterließ. Zur Aufführung kam die Akademische Festouvertttre und die D-Dur-Sinfonie Nr. 2. Frenetischer Beifall lohnte die künstlerisch vollendete Leistung WkeSmanns und seiner bewähtten Mitarbeiter. Eine Fanny Ettzler-AuSstelüMg in Eisenstadt. Der Eisenstädter Heimatschutzverein bereitet eine (siedächtniSaiuSstellung für die große Tänzerin Fanny Elßler vor,, Elche ihre Kinderjahve in Eisenstadt verlebte. Eine Gnmdlage für diese interessante Ausstellung, in der eine ganz« Zeit lebendig werden wird, bilden die vortrefflichen Sammlungen int Museum der Familie Wolf, das sich fort berühmten Eifenstädter Ghetto befindet. Der kunstsinnige , Etgerrttimer. oieseSMuseyrnS' hat ein eigene^,,FannhMUey-Äl Zimmer" eingerichtet, in irelchcm sich kostbare Eriinn' rungsstücke an die Künstlerin, ihre Familie sowie die Dichter, Denker und hervorragenden Persönlichkeiten befinden, nrelche Zeitgenossen der Fanny Elßler waren und ihr huldigten. Auszeichnungen für SfterreiWche Künstler. Der Bundes- Präsident hat dem Hosrot Prof. Ma ud y czew sk-i sowie dem Obmann der Philharmoniker, Prof. Wunderer, das goldene Ehrenzeichen, dem Tondichter und Professor Franz S ch m i d t das große silberne Ehrenzeichen, den Mulsikprofesioren Bux - bäum und StiegIct sowie den Professoren an der Akademie für Musik und darstellende Kunst Mai-recker und Durgschaufpieler SeydeImwnn den T.tel eines Regierungsraies vevk^mr.^ nächtlicher Besuch beim Bruder sei. neS Schöpfers. Zu den populärsten Theaterstücken Schalom Asch' gehört wohl die Diebstragödie „Motke Gaues", in welcher der Dichter einen Typus aus der Warschauer Unterwelt meisterhaft dramatisiert hat. Bor einiger Zeit mm stattete ein solcher „Motke Ganef", der übrigens, Me die meisten seiner Zunft, auch nicht ohne Humor zu sein scheint, dem in Warschau lebenden Bruder des Dichters Jakob Asch einen Geschäftsbesuch ab, bei welchem er gute Beute gemacht hat. Schmuck, Wäsche, Kleider und auch Bargeld wurde gestohlen. Der Dkeb hatte noch Zeit, bevor er das gastliche Haus verließ, folgendes Briefteiu Mvückzulassen: „Mein teurer Bruder von Schalom Asch! Ich bitte entschuldigen Sie dieses „Stückchen Arbeit". Ich Muh ja schließlich auch leben. Einen herzlichen Gruß Mrem Bruder Schalom Asch, der mich so fiut kennt und vermögt hat. Motte Ganef." Gerichtssaal. We ersten Verhandlungen gegen die 3«li-Iemonstmnten. Keine Delegierung von Provinzgerichten. Wie wir erfahren, sind alle Kombinationen Der eine ' eventuelle Delegierung der Verhandlungen 'Wen die Juli- Demionstranten an Gerichte in der Provinz Hinfällig. Dm betreffenden Verhandlungen werden auZ.nahmSlvs in Wien siättfinden und bereits am 3. Septem bar dieses Jahres, unter Beobachtung der gebvtenenj Sicherheits- Vorkehrungen zum Zwecke einer ruhigen Durchführung der Prozesse, beginnen. An diesem Tage MecheN sich zwei Schöffengerichte unter dem Vorsitze der Hosräte Doktor Czerny und Dr. Wüsiinger zum ersten!Male mit den Juli-Demonstranten zu befassen ^haben. Ms Verteidiger werben die Anwälte Dr. Valentin Rvsen feld, Dr. Oswald Richter und Dr. Egon S ch ö n. f fungieren. Die ersten Schwurgerichtsverh andlungen , nach den Sommerferien finden am 12. und am 13. September gegen die zwei des Verbrechens des Dotschlagjiejs angeklagten Hiflsarbeiter Robert Prrkr^lund Johann.Cv-e^rg! statt. Eoczig hat, wie erinnerlich, im Frühjahr seina Gattin in einer Badewanne erwürgt. Bald darauf wird« Vor Prozeß gegen die Bepienerin Karoltne Ku disich stattfinden, die beschuldigt wird, die Milchhändlerin lustig in der Liechtenstjeiustraße ermordet zu haben. Der wrtr für den Montagnach dem 15. $ufii aNgeftHt^ mrtß.te tÄi* weg^» des Generalstreiks verschoben Welchen. An Hakevkrevzftudent. Der Techniker Wilhelm Ruf, Mitglied des Mth^be» hördlich sistierten hakenkr-eu -l^rischon Vereines „Blücherbund", entwendete irtr Cast Palmhof einen lMantel. Er wäre nie erwsscht worden, w^eNn er nicht die Streckenkarte eines Herrn P o ch w a livw s k y, die ssichj im Mantel befand, benützt hätte, um damit verschiedene unerlaubte Streiche zu begehen. Zrtnächst entlieh er Lei einer Kostümverleih anstatt drei s.amtone Studentenflausrö cke für Chargierte und eine schtvarze Hose auf den Namen Pochwalowsky. Die Leihgebühr blieb er teilweise schuldig, die Kleidungsstücke erstattete er nicht zurück. Bei einer anderen Leih anstatt borgte er drei Schläger aus, die er gleichfalls behielt. >Mit demantlieheneN Dingen stattete er den „Mücherbund" aus. Eines Tages erhielt jedochj Herr Pochwalowsiy zu seiner größten Ueberraschung eine sehr energische Mahnung über Dinge, mit denen er in seinem Leben nie etwas zu tun gchabt hatte. So stellte sich alles heraus und Ruf hatte sich vor dem Bezirksgerichit Fünshaus (Lartdesgerichtsrat Dr. Ro ck) wegen Diebstahls und Betruges zu verantworten. Unmittelbar nach der Anzeige hatte er den gesamten Schwaden gutgemacht. Des Tatsächlichen war er gestäMg. Der Richter verutteilte ihn zu 14 Tagen Arrest, indem er eine Vorstrafe und den verhältnismäßig hohen Wert der fraglichen Gegenstände als erschwerend, die Schadensgutmachung und die Reue al' mildernd anuahm. Eil« Gericht, das sich selbst delogieren muß. (Siiu. juristische Groteske hat sich in Warasdin in Jugoslawien ereignet. Das dortige Gericht (Bezirksgericht, Staatsanwaltschaft, Grundbuchsamt und Kreisgericht) war bisher in einem Privatbau, der Eigentum des Grafen Beroldingen ist, untevgebracht. Ms auf Grund des neuen Wohnungsgesehes die Erhöhung dos Mietzinses füir zulässig erklätt wurde, begehrte auch Graf Beroldingen vom Gericht einen höheren Mietzins. Der Staat verweigerte ihnr jedoch jede Erhöhung und so brachte der Hausbesitzer beiur Warasdiner Bezirksgericht, also seinem eigenen Mieter, eine Räumungsklage ein. Das Bezirksgericht entschied, daß die Warasdfover Gerichte im Falle, daß sich der Staat auch weiterhin weigerrr sollte, den echvhten Mietziirs zu bezahlen, ant 1. August das Geväud ezu räumen haben. Die Baualtafel bestätigte dieses Urteil und da das Gericht bisher nicht ausgezogen ist, hat der Hausbesitzer um die Delogierung angesucht. Nach dem Gesetz wird diesem Ansuchen stattgegeben werden müssen. Die Warasdiner Behörden zerbrechen sich nun den Kopf, wo sie nach der Delogierung, die das Gericht Wer! sich selbst verhangen wird, die obdachlosen Gerichtsstellen unterbrin-

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