Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 9 (1927)
- Issue
- Heft 3044 (21.8.1927)
- Date
- 1927-08-21
- Page
- Seite 12 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 12 Men, Sonntag Wiener Morgenzettnng Sefterrelchs Handelsbeziehungen zum naheu Srient. .V o«! - Fvkms Stern» KmnmercmttMreÄor der Qsstenn^iMsch^OrieEWchen HMcheWKammer. Die rmrtfthafttichen Beziehungen OeftMreichS zum Orrent vmMn auf.Jahrhunderte zurück. Der Orient hat fttt: L^e Erzeugnisse der österreichischen Industrie stets großes Verständnis und Interesse bekundet, nxe andererseits die österreichische Industrie angesichts des geivaltigen Reichtums an Produkten, über welche die Länder des Orient verfügen, der fortschreitenden Ausgestaltung des HcmdM und des Verkehrs mit diesen Ländern den größten Wert beilegte. Die engen Beziehungen, die auf wirtschaftlichem Gebiete zwischen Oesterreich und dem Orient bis jitm Ausbruch des Weltkrieges bestanden hatten, schienen nach dem für die zerrtraleuvopäischen Mächte unglücklichen Ansgang des Krieges nahezu in Vergessenheit geraten zu sein. Innerhalb eines engbegrenzten Gebietes, lediglich ans sich angewiesen, hatte das klein gewordene Oesterreich, bedrängt von außen und drrrch seine innere Not, nicht die Fähigkeit und vielleicht auch nicht den Milt, sich beim Eintritt des politischen Umsturzes seiner Traditionen zu entsinnen und die alten Beziehungen zum Orient wieder aufzunehmen. Die wirtschaftlichen Verbindungen Oesterreichs mit diesem, waren jäh zerrissen und an Stelle des österreichischen Industriellen und Kaufmannes traten neue Elemente auf den Plan. Diese Trennung war. aber eine künstliche und dadurch toar das Bedürfnis der beiderseitigen Wirtschaftsgebiete! nach Wiederherstellung des früheren Verhältnisses nicht beseitigt. Sowohl Oesterreich als auch der Orient wurden sich bald darüber llar, daß sie auf gegenseitige toirtfchaftliche Unterstützung nicht verzichten können und die baldige Wiederaufnahme des gegenseitigen Handels und Verkehrs in ihrer beider Interesse liege. Der österreichische Export versuchte denn auch bald, sich den Orient von neuem zu erobem, und auch die orientalischen Handelskreise ließen es an entsprechenden Bemühungen nicht fehlen. Die Schwierigkeiten, die sich aus den Wirren der Nachkriegszeit und der Desorganisation der Weltwirtschaft unmittelbar nach dem Kriege ergaben, brachten es mit sich, daß diesen Bestrebungen im Anfang nur vereinzelte Erfolge beschieden waren. Dazu kam, daß eine Oesterreich mißgünstige Propaganda dem vrientalischrn Kaufmann ' vorzuspiegeln suchte, die gesamte Industrie und alle Bodenschiätze der alten Donaumonarchie seiest an die Nachfolgestaaten übergegangen und das neue Oesterreich sei aller natürlichen und industriellen Hilfsquellen verlustig geworden.' Aber Notwendigkeiten, die sich aus natürlichen Verhältnissen ergaben, ließen sich dauernd nicht unterdrücken. Allen widrigen'Umständen zum Trotz haben sich Oesterreich, und der Orient heute wirtschaftlich wiedergesunden, die alte Beziehungen allenthalben wiswr angeknüpft und! außerdem auch neue geschaffen. Hiebei kam ein ganz wesentliches Moment Oesterreich zu Hilfe. Es ist zwar etwas überraschend, aber doch Tatsache, daß in den meisten Ländern Europas, einschließlich des Westensder Kenntnis der orientalischen Wirtschaft nur eine geringe Bedeutung beigemessen wird und daher eine ziemliche Unkenntnis hierüber herrscht. Im Gegensatz hiezu haben sich Oesterreich, früher ein unmittelbarer Nachbar eines orientalischen Staates, und Oesterreichs Wirtschastskreise vielfach mit dem Orient befaßt und dessen Kenntnis ist daher in Oesterreich ziemlich vertieft und spezialisiert. Es ist demnach nicht zu verwundern, daß Oesterreich rmd in erster Linie Wien schon vor dem Weltkrieg eine besonders Bedeutung für dsn internationalen Handel, soweit er sich mit dem nahen Orient besaßt, gewonnen hat und daß diese Bedeutung, da Kenntnisse und persönliche Beziehungen auch durch tief einschneidende Zwangsverträge nicht aus der Welt geschafft werden können, auch in der Nachkriegszeit wieder fast ungemindert in Erscheinung getreten ist. ‘ -; Wesentlich beigetragen hiezu hat das Sprachenmvsaik in den Ländern östlich Oesterreichs auf einem verhältnismäßig kleinem Gebiet und der große Unterschied, der diese Länder in bezug auf den Lebensstandard der breiten Massen, auf Geschäftsusancen und Zahlungsbedingungen von der: ivesteuropäischen Verhältnissen trennt, sowie die Tatsache, daß die Benützung der markt- und sprachen kundiges Vermittlertätigkeit des östereichischen Hand els bedeutende Bortelle birgt. Dieser Umstand hat wohl auch hauptsächlich dazu beigetragen, daß, wie die Statistik zeigt, Oesterreich unter den auf denr ehemaligen Gebiete der österreichisch-ungarischen Monarchie entstandenen Nachfolgestaaten in bezug aus seiner! absoluten Anteil am Welthandel nur hinter der Tschechosstwakei zurücksteht, relativ jedoch, das heißt, wenn man die Bevölkerungszcchlen ebenfalls zum Vergleich heranzieht und die Kopfquote berechinet, in dieser Hinsicht in Mitteleuropa den ersten Rang ernnimmt. In bezug auf die Kopfquote der Ein- und Ausfuhr steht OeMxpeich nicht nur unter den Nachfolgestaaten urrbestrrttcrr au erster Stelle, sondern ÜVertrM auch das Deutsche Reich, und Italien, von Rußlmtt» felvfwerständlich ganz zu schweigen. Dazu kommt noch!, daß di? Hauptstadt Oesterreichs, Men, in ihrer ganzen Art und Weife den Orientaleft äußerst anspricht, ihm den Aufenthalt anheimelnd macht und es ihn stets wieder nach dieser Stadt zurückzieht. Es ist daher nicht zu vcrnmndern, daß der Orientale, dessen ganze geschäftliche Einstellung mehr oder weniger immer seinen persörllichen Gefühlen Rechnung trägt, mit Oesterreich und Wien, bezw. über Oesterreich und Wien lieber Geschäfte tätigt, als mit irgendeinem. anderen Gebiete der Erde. Die Wirtschastsv ezichnngen im Weiteston Sinne des Wortes auszubauen und zu iutensivieren, bezw. wieder auzuknüpfen, soweit sie durch die Kriegs- und Nachkriegszeit verloren gegangen sind, hat sich die O e st e rreichisch » Orientalische Handels» k a m m e r zur Aufgabe gestellt und war feit ihrem Bestände bestrebt, ihren Zielen Schritt für Schritt näherzukormnen. Gegründet Mitte des Jahres 1923, hat fie zuerst die Türkei in ihr Tätigkeitsgebiet eingezogen, der in kurzer Zeit Syrien und Palästina folgten. Srwann faßte die Oesterveichifch-Orientalische Handelskammer in Aegypten Fuß und konnte in weiterer Arbeit Griechenland und Albanien sowie zuletzt Bulgarien, sich anglredern Durch ein reich ausgestattetes Vertreter- Und Korrespondentennetz in jedem wichtigen Punkte dieses Gebietes konnte die Oesterveichisch-Orimtalische Handelskammer ihren Mitgliedern fortlaufend Informationen allgemeiner und besonderer Natur in allen, die vorgenannten Länder betreffenden wirtschaftlichen Fragen zukommen lassen, sowie durch Erteilung von Rat und Hilfe bei Ein- und Ausfuhr sowie Ein- Und Ausreise die Wirtschaftsbezichungen fördern. Durch die ihrr ständig und in reichem Maße zukommenden Berichte sowie durch die ihr zur Verfügung stehenden amtlichen und privaten Veröffentlichungen war und ist sie in der Lage, über Zoll-, Verkehrs- und Marktfragen eingehend zu unterpichten, Auskünfte aller Art zu beschaffen und ständig Berichte über? die Wirtschaftslage in den Ländern ihres Interessengebietes zu besorgen. Die gut organisierten Einrichtungen Und zahlreichen Beziehungen verschten die Oesterreichisch-Orientalischc Handelskammer mit Erfolg in die Lage,, ihre Mitglieder im speziellen - auf Bedärfs.fqlla aufmerffam zu .machen und ihnen diese zu .vermitteln, ebenso, wie sie Angeb ote weiterleitet. Sie trachtet aber auch, ihre Mitglieder - durch Abfatzanregung und Gewinnung von Bezugsquellen zu unterstützenbesorgt Vertretungen und ist diesen nach jeder Richtung behilflich, interveniert bei Differenzen in Zoll- und sonstigen Angelegenheiten und erteilt auch Rechtsäuskünfte bezüglich einiger der vorgenannten Länder. Um Mißverständnissen vorzubeugen, sei im besonderen hervorgehoben, daß die Kammer keineswegs für sich selbst die Vertretung von Unternehmungen anstrebt, sowie daß sie weder auf eigene Rechnung noch kommissionsweise Geschäfte unternimmt.. Die Tätigkeit der Oesterreichisch- Orientalischen Handelskammer ist daher für alle Firmen wertvoll, sowohl für solche, welche bereits Beziehungen zum Orient besitzen als auch für jene. Welche sich diese schaff en wollen, zumal sich die Oesterreichischp-Orientalische Handelskammer bei ihrer Arbeit und ihrem Vorgehen stets ihrer Funktion als eines Treuh änders bewußt ist und daher in allen Spezialfällcn mit ihrer Verschwiegenheitspflicht unbedingt gerechnet werden kann. Die von der Oesterreichisch-Orientalischen Handelskammer 14tägig herausgegebenen „Offiziellen Mitteilungen" zeigen einerseits das weitumfassende Arbeitsgebiet dieser Institution und sind andererseits ein Instrument, um sich den am Wirtschaftsverkehr mit dem Orient interessierten Kreisen mitzuteilen, sie über alles Wissenswerte zu unterrichten und den Zusammenhalt mit ihnen zu vertiefen. Hat die Oesterveich-isch-Orientalische Handelskammer während der Zeit ihres vierjährigen Bestandes auf allen ihren Gebieten Bedeutendes geleistet und haben ihr» Bestrebungen wesentlich, dazu beigetragen, die Kenntnis des Wirtschaftslebens des Orients zu vermehren und sie den tvestlich vom Orient gelegenen Ländern zu vermitteln, und hat sie damit werktättg mitgewirkt zur Erfüllung jener Aufgabe, die Oesterreich im Welthandel hauptsächlich zukommt, so rvar sie im speciellen in der Lage, vielen Firmen in Oesterreich, sowohl als auch in dm Orient gebieten konkrete Geschästsfälle zu zeigen, sie in deren Anknüpfung und Durchführung zu unterstützen und damit auch praktisch: Wirtschaftsarbeit zu leisten. Zum Schlüsse, jedoch nicht in letzter Hinsicht sei im besonderen eines Gebietes dessen Bedeutung für den Orienthandel Oesterreichs immer;: mehr zunehmen wird. [ m . «vWft rmr atm Es ist dies P a l ä st i n> a. An der Bcrtthrnngsstcll» zweier Weltteile gelegen, in der Nähe einer der wichtigsten Verkehrsstraßen zwischen dem Westen und dem fernen Osten situiert» von Europa leicht zu erreichen, wird dieses Land nicht bloß als Absatzgebiet österreichischer Erzeugnisse immer mehr zu beachten sein und nicht bloß als Bezugsquelle für wichtige BodenproMiktc stets an Bedeutung gewinnen, sondern auch durch seine fleißige, Handels - tüchtige Bevölkerung ein wichtiges Glied in deur Zwischenhandel zwischerr dem Westen und dein Osten werden. Dazu kommt, noch, daß fast alle großen Religionen mir diesem Lande besondere historische und gefühlsmäßige Beziehungen verbinden, ein Moment, das auch in der heutigen nüchternen Zeit nicht ohne Einfluß! auf den Wirtschaftsverkehr sein kann. Die Oesterreichischi-Oricntalisch? Handelskammer hat daher diesem Lande eine besondere Beachtung geschenkt und war bestrebt, gerade diesbezüglich mit allen Faktoren in Verbindung zu treten, deren Aufgabe es ist, bezw. die hiezu in der Lage sind, die B eziehungen mit Palä stina und d ie Kenntnis dieses Landes zu heben und zu förd er n, um in gemeinsamer Arbeit den gesteckten Zielen Näherzustreben. Zur Intensivierung und Spezialisierung der darauf gerichteten Bestrebungen hat die Oesterreicki-'h Orientalisch: Handelskammer vor kurzem eine eigene palästinensische Sektion gegründet und hofft, daß diese Sektion in naher Zukunft einerseits die Sammelstelle aller am Wirtschaftsverkehr, mit Palästina interessierten Kräfte bildet, andererseits der Ansgangspunkt und das stets belebende Zentrum. wird, von dem der Wirtschaftsverkehrr nach, aus und über dieses Land stets neue Impulse erhält. Es wäre sehr zn begrüßen, wenn die Oesterrcichisch- Orientalische Handelskammer in dieser: ihren Bestrebungen der gern gesehenen Unterstützung und Mitarbeit aller maßgebenden und wertvollen Kräfte teilhaft wird. kinMrung der Maislerminhandrls in Lesterreich. Die Vorarbeiten der Börse für landwirtschaftlicht Produkte zur Einführung des Maisterminhandels sind beendet. Die Arbeiten umfassen die Feststellung des Regulativs und Bestimmungen über die Ausschaltung spekulativer Arbeiten. Die Verhandlungen über die Donaukontrakte, die zwischen den mitteleuropäischen landwirtschaftlichen Börsen stattgefun'den haben und' für Weizen und Mais gelten, sind bis auf ganz geringe'Difsi renzen gediehen, die im Herbst bereinigt werden. Das kisenlartell. Wie bereits gemeldet, finden hier in der kommenden Woche Beratungen über die Modalitäten der! Erneuerung des zentraleuropäischen Eisenkartells statt, das bekanntlich die tschechoslowakischen, ungarischen und rumänischen Eisenwerke in sich vereinigt. Die Kartellabrnachungen laufen im Oktober ab. Die Alpine M o nt a n g esellsch a ft ist der Ansicht, daß das Kartell erneuert werden müsse. In dieser Hinsicht wird sie auch von den W i t k o w i h e r Eisenwerken unterstützt. Die Kartellabmachungen sollen nicht nur prolongiert, sondern abgeändert werden. Man erwartet daß die neuen Abmachungen zwischen den Unter nehmungen leicht zu Ende gebracht werden. Polens Forderungen an die Fnternolionnle Rohstahlgemeinschast. In' den Verhandlungen der polnischen Eisenindustrie mit den Mitgliedern der Internationalen Rohstahlgemeinschaft sind, wie gemeldet wird, von Pole n folgende Forderungen gestellt worden: Es wird ein Einsuhrkontin?-. gent für Eisen nach Deutschland in Höhe von jährlich 260.000 Tonnen gefordert. Vor dom Zollkrieg wurden jährlich etwa 300.000 Tonnen in Deutschland abgesetzt. Bei den bevorstehenden Verhandlungen mit der tschechoslowakischen, österreichischen und ungarischen Eisenindustrie über eine Regelung des gegenseitigen Verhältnisses nach Aufhören der Verträge über den sogenanntön'Territorialschutz wird Polen etwa 60.000 Tonnen als. Kontingent nach diesen Staaten verlangen. In dieser Höhe hielten sich die Lieferungen nach den genannten'Staaten, die auch nach dem Vertragsabschluß noch auf Grund der alten Abkommen stattfanden. Weiters muß mit den Nachfolgestaaten eine Vereinbarung über den Absatz auf dem Balkan erfolgen. Polen möchte hier ein Gesamtkontingent von 126.000 Tonnen.erreichen. . Der AuAwers der Oesterrvjchifchen Nationalbaur vom 16. August zeigt eine Vermehrung des Metallschatzes um : 159 aus 471 Millionen und eine Verminderung' des Wechseleskornpts nur 12 Millionen auf 113 Millionen Schilling. Der Notenumlauf ist uin 27.9 auf 881 Millionen Schilling zurückgeaangen, die Giroverbindlichkeiten sind um 18.5 auf 83.2 Millionen Schilling gestiegen. — Beim Wiener : Saldierungsverein würben in der zweiten Augustwoche 53 Millionen Schilling an Wechseln. Schecks Anweisungen eingeliefert. Die österreichische Postsparkasse, Im Juli dieses Ichres ist der Spavvetkehr um 0.8 auf 43.36 Millionen Schilttng und der, Scheckverkehr um 2.1 auf 182 Millionen ■ Schilling gestiegen- Vom Umsatz wurden 67.22 Prozent bargeldlos beglichen und 8 Millionen Schilling ins Ausland überwiesen. Der PrivAtvevkchr.. Im Wiener PrivatvvrMr zeigte ftch einige Nachfrage für ungarische Werte, insbesondere Satao und Rima, die höher als gestern, bewertet wurden. Auch für mehrere tschechische Papiere soivie für Alpine - und Kredit war Interesse vorhanden.