Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 9 (1927)
- Issue
- Heft 3044 (21.8.1927)
- Date
- 1927-08-21
- Page
- Seite 9 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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üt. 3044 Men, Sonntag Wiener Morftsnzeitttttg 21. August 1927 Geile s s I JißOlSCHES LEBEN W Professor Lew Stemberg gestorben. In Dudechjof in der Nähe von Leningrad vererb am 18. August im Wter ivvui 68 jFayven der Direktor deS Eihnogra» phisch^Anchrppo'kotzrschen Museums von Lelüngräd, Prof. Lew Sternberg, (ehn Mi über MMnV Maus bekannter jüdischer Gelehrter, . - j i Prof. Siernbcvg wurde 1869 in Zytomir geboren und genoß «ine gut jüdische Erziehung. Er Itvsar Zögling des RabbirrerseminarS von Zydamir, lvaridte Pch aber später weltlichen Studie« zu und studierte!cm den Universitäten Ddesfa und Petersburg. Er nahm hervorragenden Aut-eil an dar revolutionären Bewegung und war einer 'der Organisatoren der historischen Konferenz der Narodvwolzes (Volkstümler) des Jahres 1885. Er wurde nach der Konferenz verhaftet und «für zehn Jahre nach der Insel Sachalin verbannt. Dort widmete (er sich der Erforschung der primitiven Völker des Nordens. In lantzen Fußwanderungen lernte er Land, Leute, Sprachen, Sitten und Religionen. der primitiven Völker von Sachalin, Amur usw. kennen und vcröffentlichtc später aufsehenerregende Werke über sie. 1897 durste er nach Zentralrußland znrückkehven. 1991 wurde er Leiter des Ethnographisch-Anthropologischen «Museums. In der Folge unternahm er toeitere Forschungsreisen, die tviffenschastlich sehr ectvagreich ivuvden. Seine Werke wurden ins Deutsche, Englische und än andere Kultursprachen übersetzt. Nach der Revolution (organisierte er in Gemeinschaft mit Professor Rad low das Ethuographisch-Anthropologische Museuni bei ddr «Akademie der Mssenschasten in Leningrad und wirkte bis zuletzt an diesem Institut. Sein Leichnam wurde nach Leningrad gebracht, wo Mitglieder der Akademie her Mi s:ns'>.f'en an 'wnem Sarge die Ehrenwache halten. Ehrung Proseffor Mirrork. Der Rat der Bolkswmmissare der Sowjeiuniorr hat in feiner letzten (Sitzung beschlossen, dem bekannten jüdischen Gelehrten Professor Lew Solomonowitsch Mino r den Titel ^Verdienstvoller wissenschaftlicher Arbeiter".gu verleihen. Prof. Minor ist einer der anerkanntesten Spezialisten für. Nervenkrankheiten in Europa «und war auch der Arzt Lenins. Er ist «ein Sohn des früheren Moskauer Oberrabbiirers und «?!« Dckrder des SoMalreVolutionars Ossip Minor. Lar Ergebnis der Manuah-Erpedttkou. Wie . vor kurzem.mitgeteilt «wurde, begab sich im.Aufträge der Hebräischen Universität^ zu Jerusalem eine «aus den: Tfiveltor <be£ Hntomvkogischen• Instituts Dr. F. Bvdenheimer, De. Ca'rmin und Dr. 'Th!eo'dvv'e 'vom'''WkröbioK»gischen In-' Mut der Universität . bestehende Expedition nach der Sinai- Halbinsel, um beit Ch a rakter des Man ua h, das in der Bibel als die Nahrung der (Kinder Israel wiähirend.ihrer Wanderung durch die Wüshe bezeichnet wird, zu untersuchen. Die Expedition ist jetzt zurückgekchvt. SiL untersuchte den Charakter der Tamariske, eines immergrünen Strauches der .Mtielmeerregion, der in der Bibel häufig unter denr Namen Eschol erwähnt wird. Während der Monate Juni, Juli und August sondert «er eine Substanz ab, die Eigenschaften hat, wie sie iu der Bibel dem Marrnah zugeschriebeu werde». Eine alte hebräische Md arabische Legende besagt, daß die Tamariske Bestandteile '«enthält, die nach zahlreichen Fruchtarten, schmecken. Der-' Strauch sist in mehreren Tälern der Mittleren Mnqijvegi'on' häufig artzutreffen. In gewissen Jahren, besonders in Zeiten der Mißernte, bringt die Tamariske jedoch' nicht jene unerklärbavon Substanzen hervor. Die Expedition hat nun festgasöellt, daß das «Mannah eine. Exkretion der Coccid.isi, die auf dem .Strauch lebt, ist, -nicht eine Absondierung. der TsaMärWe selbst, wie man bis jetzt «glaubte.. f ■ : Die Mannahextraktion wurde Von den. Mitgliedern, der Expedition. wähvender ganjM Zeit dev Mtersuchung beobachtet.^ Dije.Expedition jist'Nun jhn Besitze Von schrj weichem Mrteriql! gur ErklämMdldÄ.L^mWWibL^ ' ' ij-’ «/' - ' Sie Silben in Rumänien. Der Außenminister Rumän'ens, T «i t ul e s c u, vichiete an den Sekretär des Joint Forein Committees (veveinig-tes jüdisches Komitee für Rechtsschutz der Juden, im Ä«usla-nde), Simen W otf f, das folgende Schieben: ,^Fch .bestätige Ihr Schreiben «vom 6. Juni und nehme auch Bezug auf Ihre vorangegangene Korrespondenz mit dem Miniisterium «für auswärtige Aitgelegerrheiten ühd möchte Sie zunächst darüber informieren, daß Ihre Dackleigungen, wiealle früheren Mtteiiungen, e i n e r n u «f m e r k f a -m e n P r ü f n ng u n t e rzogen werden sollen. Ich möchte fev dieser Gelegenheit Ihre Anfmerksämleit' auf.das Abkommen lenken, welches die Regierung m«i>t den Vertretern der jüdischen Gevötkerüng Rumäniens getroffen hat (gemeint ist. das Wahlabkorf-nen Mischen der liberalen Regierungspartei und der «Union rmnä-rrischer Juden. Die Red.) und welches der beste Beweiis für den aufrichtigen Wunsch «der Regierung ist, den moralischen Frieden zwischen allen Bürgern des ^'n.des zur Wi-rKichkeit w-svde-n zu lassen.". Für das Mische Kind?n Erer ü....... In Frankfurt a. Mt«, hat sich auf Anregung vo.i Frau Pro stssor Fraenlel-Marburg ein Damenikomitee gebildet, welches unter dem Motto-„Für das -jüdisch: Kind in Erez Israel" an dir jüdische Frauenmlt Europas appelliert, für die Speisung dar jüdischen Schulkinder iu Crez Israel eine, großzügige Aktion zu unternehmen. Jede jüdische Frau wird anfgefordert, wöchentlich 20 Pfennig diesem Meck zuzuführm,' die zunächst dazu ver- - ivendet «werden, um eine Suppenküchje "in Jerusalem und Haifa und die Mche der Bne Zion-Schulen in Jerusalem zu subventionieren. Zweigkomitees bestehen bereits in Amsterdam, Frankfurt a. M., Münchm uvd Marburg. ' ' :-? - Südliche Lehrerversammlnng in Stuttgart. Vor kurzem tagte .in den fft&pmen dar israelitischen Gemeinde Stuttgart die Mitgliederversammlung des Vereines Israelitischer Lehrer in Württemberg. Der Vorsitzende des Ve> «eines, Oberlehrer Rothschild-Eßlingen, betonte, daß die jüdischen Lehrer bereit sind, zur Hebung «des jüdischen Lebens iu den Gemeinden beiMragen. Die Ausbildung der Religioirslehrer sollte auch in Württemberg an der Hochschule erfolgen, wenn auch bis jetzt die württembergische R'egierünng diesen Forderungen der Rmchsverfassuug noch nicht nachgegebeu hat. - SMsche Wandersürsorge. Ein Vorschlag zur Lösung eitles brennenden Problems. Oesterreich ist von jeher «das Durchzugsland von Oft nach West geivesmr. Für Pole,:, das trotz seiner großen räumlichen Ausdehnung infolge der ungünstigen wirtschaftlichen Lage für einen. Großteil der ausgebildeten jüdischen Handwerker keine Erwerbsmöglichkeit bietet, für Ungarn, wo infolge der antisemitischen Einstellung der Landbevölkerung in den kleineren Ortschaften am flachen Lande sogar landwirtschaftlich praktisch geschulte. Menschen und wegen des Numerus clausuZ an den Hochschulen vielfach Intelligenzler zur Auswanderung, gezwungen werden. Eme ungeheure Vermchrung dürfte diese Wanderung . noch nach Qeffnung der Grenzen von Sowjetrußlmrd erfahren, wo ‘ eine fast vollständige Proletarisierung des jüdischen Mittelstandes sich vollzogen hat. Diese Wanderung dürfte Oesterreich nur insoweit berühren, als die dazwischen liegenden Staaten die -Durchwanderung gestatten werden. Hingegen müßte Deutschland darauf gefaßt fein, diesen W a'n d e rst r o m z u regel'n, um von ihm n i ch t ü b e r f l u t e t z.u w e r d e n. Nur ein Z u s a m m e n s ch l u'ß der jüdischen Wanderfürsorgeorganisationen kann hier Abhilfe bringen; es müßte durch diese Zentralorgani s a t i o n in Durchzugsländern, wo keine Wandcrfürsorgeorganisation-besteht, eine solche geschaffen werden. Ein Beitrag zur' teilweisen Lösung des Wan-derproblems sei durch , nachfolgende Anregung gegeben: Durch die Industrialisierung der Staaten und Anwachsen der Städt-e in den letzten fünfzig Jahren und die bessere Verdienstmöglichkeit für Kaufleute und Handiverker in den Städten, ferner durch die Vergenossenschaftung der Bauern- (Raiffeisenkassen) zur gemeinsamen Verwertung der Bodenprodukte hat die ergiebige Geschäftstätigkeit für die jüdischen Kaufleute am flachen Lande fast aufgehört. Wo früher große Mische Gemeinden bestanden, wohnen heute nur noch vereinzelt ein paar jüdische Fmnilien.' Da wäre der Hebel anzufetzen. Man müßte in diesen kleinen Gemeinden erheben, .-für welche Handwerker, bezw. (ROMAN DER ZEIT EINE SERIE MODERNER ERZÄHLER IN HERRLI¬ CHEN HALBLE DERBAN- DEN, JEDER BAND;IN GESCHENKKARTON 84.- ,'MAX BROD: Tycho Brahes Weg zu Gott, Roman KNUT HAMSUN: Unter Herbst. Sternen, Roman MAXIM GORKI: Drei Menöien, Roman WELLS: Die Geheimkammern des Herzens, Roman FRANZ WERFEL: Nicht der Mörder, der Ermordete ist; schuldiß. Roman EMILE ZOLA: Der Totschläger, Roman Nur mehr ganz kleine Vorräte! BUCH HANDLUNG R. LÖ WIT / WIEN I ROTENTURMSTRASSE 22 Familien daselbst Vcrdicustnwglichkciicn bestehen und ob seitens der ansässigen Inden die Geneigtheit vorhanden ist, jüdische Familien und Handiverker anzusiedeln. Es müßte eben, die umgekehrte Entlvicklung vor sich gehen, und zwar die A b w a n d e r u n g d e r ü b c r s ch ü s s i g e n jüdis ch e n Stadt bevölkern ng aufs flache Land und deren teiltvcise Bcrufsumschichtung, das; man diejenigen Elemente der Wandcrarmen, die zur Landwirtschaft tauglich sind, auf E r b P a ch t g r ü n d e n, die durch Parzellierung großer Güter gclvonnen werden könnten, ansiedclt, Handwerkern hingegen nur so viel Boden zuteilt, als sie zur Fechftn^ des eigenen Bedarfes an Bodenprodukten nötig haben, darüber hinaus den weiteren LebeirSunterhalt durch Ausübung ihres Handwerkes dazu erwerben (jüdische Kolonien in der Heimat). Hiezu tväre die Schaffung eines Bureaus in Wien notwendig, welches die Erhebungen und Vorarbeiten in dieser Richtung zu leisten hätte. Es ist wohl trotz der Absperrungsmaßnahmen der hiefür in Betracht kommenden Staaten möglich, im Verhandlungswege zu erreichen, daß die Eürlvanderung pro' duktiver Elemente in dieser Weise zugelassen lvürde. Rabbiner Bela Fischer. Ein jüliffcher Landeskongretz in Ungarn. Wie uns aus Budapest berichtet wird, wurde die Leitung der Jsraelitiscl-en Landeskanzlci nach dem Ablebeir ihres Prä,identeu Frarrz Mez-ry einem viergliedrigen Kuratorium unter dem Vorsitz des .Hofrates Dr. Salumon Euleuberg übertragen. Diesem Kuratorium «mrrdr auch die Vorbereitung eines jüdischen Landeskongresses in Budapest überlvieseu, der nach Fertigstellung der neuen Statistik und der Wahl cittcC neuen Präsidenten voraussichtlich noch im Spät he r b st dieses Jahres einberufen üverden soll. Der 15. Zionistenkongreß in Basel. Das linke Zentrum hAt am Äioutag, -den 29. August, uackMilttags 4 Uhr, eine FwktlonIsitzung m Basel ab. Delegierte und Mitglieder des Koingresses (lGritist^m) werden höftsthlst gebeten, Beitrittserklämugen, Anmeldungen und Anfragen an Herrn Dr. Hugo Herrmaun, Brünn, Lehmstätte 17, >oder an Herrn Dr. .Martin Rostnblüth. Berlin W. 15, Fasan-?nstmße 59, zu richleu. Die jüdischen LederMsanteri.earhciter in Brüssel. Es dürste wenig bekannt sein, «daß nahezu 80 Prozent der jüdtschen Bevölkerung von Br-üffel den Lebensunterhalt von der Arbeit in der LedergalaMrie fristet. Brüssel ist bekanntlich das Zentrum dieser Fabrikation Und es ist jedenfalls bezeichnend, daß sich die Juden, sowohl die Männer als auch die Frauen in diesem Gsmevbe einen auf dein ArbeirSmarkt gutklingenden Namen erworben Häven. Es sind nicht mir größere und kleinere. Fabrikanten und Erzeuger, sondern hauptsächlich die Arbjeiter Juden, die von den Fabrikanten vor allen bevorzugt rcfet* den. Allerdings lebt der jüdische L^dergalantlerieaEeiter in Brüssel, wre ein Mitarbeiter der „Brüsseler Jüdischen Presse" Bet einem Rundgang irrt! jüdischen Arbeiterviertel sestgestellt hat, in ziemlich dürftigen Verhaltntfsen und muß oft nicht rmr allein, sondern auch mit etnenr Teil seiner Familie von frühmorgens bis in die Nacht hinein arbeiten, um sich erhalten zu können. -Die Arbeit ist eine mühselige, oa gerade in Ledergalanterie- «waren auf feine, präzise und saubere Arbeit das Hauptgewicht gelegt wird. V. -C «v für den aufstrebenden Kausmamr ist das stete .AlMl.chfen/ seine- «Kundenkreises. Dauernder Kundenzjulvachs ist aber nur. d^ nr zu erzielen, wenn für die Zufriedenheit der Käufer mit Qualität und Preis der gekauften ^7aren gesorgt Wird. Dann, aber nur dann, kmnmen sie immer ioieder und bringen, ihr?- Freunde mit. Die aufsteigende Linie in der erstaunlich rascheil und großartigen Entwicklung des populären Loopoldstädter Wareuhäufes Brüder Schiffmaiin, 2. Bezirk, Taborstraße -Nr. 48, basiert auf der außerordentlichen Zufriedenheit seiner. Kunde«.- Jn den letzten zwei Jahren mußten Brüder Schiffmann -in rascher Aufeiuandersolge viermal die Verkaufsräume erweitern und vergrößern, Mm den gesteigerteu Ansordxrulige.l einer euc»?- men Kundeiizehl entsprecheil zu können. Jir den letzten Wochen ivurden nach Eröffnung der neuen, große«l Veriaufslckalitäteu. im SMtcrraiu auch das Portal und die Zioeiftraßenfcont der «Schaufenster nach modernsten, Mnstlcrischeu. Eirlwürsiu neu renoviert uild der Eingang wesentlich vergrößert. Das Kaufhaus präsentiert sich nun auch äußerlich als das tonaiigebrnde, moderne Großstadtwar-euhäus, für dessen ungewöhnliche Leistungsfähigkeit die große Popularität cineu sprechenden Beweis liefert- Die durch den Umbau und die «Vergrößerung der Verkaufs- und Lagcr-- vliuma lg-eschaffeue Situation zwingt Brüder Schiffmauu, ihr Ricseulager, insbesondere in Sommer-waren jeder Art, um jederr Preis zu räumen. Während des Scmmrr-3'iäuinnngsvertdijfcS von Montag, den 15., bis Samstag, fce:i 20. August, überbieten ' Brüder Schifsmann ihre stadtbelaimte Billiglcit durch unerhörte Angebote. Nachstehend einige Beispiel: der Serienverküilse: Waschseide, guie Qualität, entzückende Tessins, 70 breit,, per.Meter S. 1.50, Mar oc ai irs, fabelhaste Ausmusterung, S. 1.50, Voile und Marocains, modernste Bordüren, per Meter S. —.85, Dirndl-Cottone, gute Qualität, per Meter S. —.98, W ä sche - B a tt i st e, alle Farben, per Meter. S. —.98, modernft defsirrierte Voile, per Meder S. 1.25, Pepita fto f fc für Schüße und Composers doppelbreit, per Meter S. 1.98, Kleiderstoffe, modernste Dessinrernitg, dopprlSreit, per Meter S. 1.98, Satin de chine und Atlas-Dirndl per Meter S. 2.75. Gleichzeitig in allen Abteilung^ S a i s o n s ch l u ß v e r k a u f zu tief re düpierte» Preisen. 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