Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 9 (1927)
- Issue
- Heft 3044 (21.8.1927)
- Date
- 1927-08-21
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
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-seit« 4 Wien, Gonnta-, Wiener Morgerrzeitung 21. August 1937 Nr. 3044 Die Antwort liegt klar zutage. Ein umstürzlerischis Beginnen der angedeuteten Art konnte eventuell, falls sich künftig dies und jenes in Len Voraussetzungen der europäischen Politik ände.n sollte, als vorteilhaft erweisen für die territorialen Minderheiten, das heißt für solche völkische Gruppen, welche zwar innerhalb der Greifen des betre-ssinden Staates eine Minderheit, aus ihrem engeren Heiu»atbode»i aber eine räumlich geschlossene Mehrheit bilden. Boi solchen Minderheiten, zumal wenn sie unmittelbar an einen stammverwandten Staat grenze«, mag di« Hoffnung auf leine Loslösung aus dom bestehenden! Staatsverband und eine Angliederung an einen stammverwandten Staat vielleicht unpraktisch und aussichtslos sein, aber sie ist jeden falls nicht gänzlich absurd. Nehinen wir ein Beispiel: Jen« rund 800.000 Ungarn, die in kompakter Masse, nur tfo.i ganz wenigen Slowaken durchsetzt, da§ linke Donauufer unterhalb Brati flava beloohncn und tschechoslowakische Staatsbürger sind. Inner halb de.- heutigen weltpolitischen Konstellation erscheint freilich die Aktion Lord Rothermeres, der das Wohngebiet dieser Magya.e". für den ungarischen Staat znrückgewinnctn möchte, an den realou Möglichkeiten vorbei >uschicß?n; aber weltpolitische Konstellationen dauern nicht ewig und der Fall, daß sich unter geänderten Verhältnissen der tschechoslowakische Staat zu einer Abtretung dieses Gebietes entschließen könnte, mag zwar unwahrscheinlich fein, aber, er ist jedenfalls nicht grundsätzlich undenkbar. Und jedenfalls könnte nach ei»em solchen Verzicht der tschechoslowakische Staat alle seine wesentlichen Funktionen ruhig weiser aueuben und ein kräftiger, blühender Staat bleiben. Gefetzt den Fall also, die Karte, auf welche ein Ungar von her Insel Schütt seine Hoffnung setzt, sei keine andere als eine veränderte S'taatenkarte Europas, so ist der Mann vielleicht kein aktueller Politiker, aber man kann ihm nicht beweisen, daß vr am Narr sei. Gang und gar anders steht die Sachs für die zerstreut WocharL»wden Minderheiten, deren klassisches Beispiel in Europa die Juden darstellen. Nicht umsonst spielt in der jüdische» Literatur das Wort „Golus" eins so große Nolle. Die- Juden Europas wohnen eben alle in der Diaspora. Von den judenarmen Staaten des Westens ganz zu schweigen, gibt es we'er in der Tschechoslowakei noch in Litauen, weder in Ungarn noch in Polen auch nur einen einzigen Bezirk, wo die Juden die Mehrheit hätte«. jErue Aussonderung einer au'.onomen jüdischen Provinz innerhalb irgendeines der genannten Staaten wäre nur aufvent bolschewistischen Wege der zwangsweisen Umsiedlung ganzer Valksmasseu möglich; und diese Möglichkeit' ist cine glatte Unmöglichkeit, da eben diese Staaten Krx»c Bürger besitzen, nicht aber Untertanen im absolutistischen Sinne, die. man zu HunderttauferÄe» bbkiebig hin und her schieben könnte, unter Ignorierung ihrer wirtschaftlichen Lebensinteresfen, oder auch nur ihrer Anhänglichkeit an d« angestammte Scholle. Die zionistischen Bestrebungen stehe» freilich auf einem ganz anderen Blatt. Aber das Ziel de^ Zionismus liegt außerhalb Europas und die Ziomslenführor behaupte» selbst nicht, daß dieses Ziel schon, zu Lebzeiiten - der heutige» Generation für die große Mehrheit der Juden erreichbar sei. Mit Ausnahme eines für die Zukunft bedeutungsvollen, vorläufig alter numerisch schr kleine» .Prozentsatzes von Palästinafahpern sind also die Juden Europas darauf angewiesen, jedenfalls noch durch, Generationen in .ihren heutigen Sitzen, gruppenweise zwischen christliche Wirtsvölker ei «gesprengt, wohnen zu bleiben. Ist dem aber so, dann Regt es im Interesse der jüdischen Minderheiten (wie übrigens auch aller anderen zerstreut wohnenden Minderheiten), alles zu vermeiden, was eine Verschärfung der Beziehungen Epischen ihnen und sihron sie in vielfacher U eberzähl ringS umgebenden 'christlichen Nachbarn Hervorrufen könnte. Es handelt sich 'da ü’tt erster Linse nicht um'die Gesetzgebung Liberale Gesetze, Welche den Juden Gleichberechtigung. Reijewagen anspannen und nachm Mschied von der Frau und den Schülern. Einige Stunden war ep-Mterwegs, da blieb der Wagen — es war gerade Ln der dumpfen.Regenzeit — im Schlamme stecken. Hüang Li setzte fich auf das beste Pferds und kehrte zurück. Mit Sehnsucht dachte er an sein Weib. Es war um die erste Nachtwache, als er vor dem .Hause anlarrgte. Im Frauengemach war eine brennende Laterne, wie es d^r Sitte gemäß bei jungen Eheleuten ist. Er trat beim hinteren Tore ein und blickte durchs Fenster. Da sah er seine Frau Ln der Umarmung des schönen Jünglings. Bei diesem Anblick überkam ihn bitteres Lord. -Dann verließ er sein Haus und Machte sich auf den Weg in die Einsamkeit der Berge. Aber er war sucht lange auf der Wanderung, so kam ihm der Mjagier Lu dest Sinn, der ihm den JasPiLfPiegel gegeben hatte. Eiligst kehrte er um und waMe sich nach Westen. Unterwegs kehrte er oft ein und betrank sich. Eine Meile vor der Landsteppe von Bio Lang fand er den Zmrberer nnt der Flöte auf der Strohmatte sitzen. Cr fufjt ihn erbost an: „We konntest du mir Hilfe zusagM? Nun hat rmch dem Spiegel in tiefstes Unglück gMrzt, da -ich ihm vertraut habe." Und er erzählte ihm alles. ' Da-Mgeguets der Zauberer: „Bescheide dich ünd safte Mut. DÜ hast ein besseres Los erwählt, da du nun der Fmuerr. ledig bist. Warum hat es 'dich auch gelüstet, deine (Astsamkeit und dein Streben nach' Wissenschaft aufzugeben? Und ^der Siegel —? Nun, an dem, was dir'widerfahren rst, MaW dw eickennsn, daß an der ,geheimnisvollen Wacht der ArMlen sell^ ünsere höheren Mnste vergehe» ncksstn \“ Hucmtz Lr verließ ihn beschämt und ließ sich in einer n^jM HMe nieder. Der Jüngling verließ aber;Frau Au fchpn nach einigen Morsten. Sie nahm sich dies so sehr zu HeWen, daß sie häßlich wurde und in keinen Spiegel mehr Wmen konnte. 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Beschluß deS Mnderheitenkorrgresses ihnen anbefchlen würde, fich mit ihren nationalst und sonstigen Beschwerden über die Köpfe der französischeir Mnister hinweg an eine internationale Instanz zu tuenden, hinter welcher die erregte öffentlich: -Meinung Frankreichs sofort Deutschland als treibenden Faktor vermuten würde. Irr ihrem eigensten. Interesse müssen also dis Polen in D?usich- Land, Frankreich und anderen michtpolnischen Staaten unbedingt -daraus dringen, daß ihnen der Minderheitskongreß volle Loyalität gegenüber den Mchcheitsswatrn ansdrücklich zur Pflicht mack-t. ES ist also klar, daß die jüdischen und die polnischen Minderhcitsgruppen auf dem Genfer Kongreß ein und dasselbe Interesse haben, also natürliche Bund'rsgeiwssen sind. Je früher die jüdischen Delegierten dieser Einsicht Raum geben, und je rasche« diese Einsicht zu den entsprechenden taktischen Maßnahmen führt, desto segensreicher werden die -Folgen sowohl für das polni-ck' als auch vor allem fik das jüdische Volks tu in sein. Wien, I., Tuchlauben 8, und I., Bauernmarkt 2 a ||)fe ißWchx RechtSfMWNNMß in . zufichecn und von Beamten und Richtern befolgt werden, mögen den: Staat zur Ehre gereichm, aber sie genügen mch , um dir faktische Lage der Juden zu einer wirklich günstigen zu machen. Denn man kann schließlich nicht jeden antisemflißh oesinnten Staatsbürger ständig von einem Polizisten begleiten lassen, der ihn von Unfreundlichkeiten gegen die Juden abhält. Es gilt, den verjährte»» Judenhaß in den Herzen der Völker zu entwurzeln. Dies ist aber nur daun möglich, Wen,: die christliche Bevölkerung aufhört, in dem Inden sei es einen gefährliche»: Feind ihrer eigenen Nation, sei es auch nur eilten Staatsbürger rvn zweifelhaftem Patriciisrnus zu erblicken. Es muß communis opinio werden, daß die Ostjuden den Staaten gegenüber, tvelch? sie, bewohnen, dieselbe Haltung einnehmen, wie etwa die französischen. Juden gegenüber Frankreich oder die deutschen Juden gegenüber Deutschland; das heißt, daß sie nicht nur als loyale, sondern auch als dem Staat von Herzen anhänglich?, patriotisch» und opferwillige Staatsbürger anerkannt wwdeir. Soll also das Ziel erreicht werden, dann können die Minderheitskongvesse es unmcg, lich den Juden als Pflicht auferlegen, eine solch? staatsrechtliche Sonderstellung anzustreben, welch? mit der Selbständigkeit und Unabhängigkeit des betreffenden Staates uilvereinbar ist oder . allgemein als unvereinbar gilt. Die Staatsrogierung kann, von Humanitären Erwägungen geleitet, derartige!» staat-rechlich-separatistischen Bestrebungen, gegenüber RqchsM. .bezeigen; aber s'e kastin - die- -Bevölkerung nicht gwiügeü, derartigen .Vorgängen, gleichgültig zuzusehen. Man muß in Betracht ziehen, daß es sich groß - tenteils um Böller handelt, die ihre staatlichr - Unabhängigkeic nach Zeiten drückender. Knechtschaft eben erst erlangt oder, wiedererlangt haben. Solche Völker haben ein Äecht, in.' bezug.aus nationale Unabhängigkeit überempfindlich zu .sein, .und sie sind es auch. In dieser psychologischen Situation aber kann die Ausstreuung, cine über alle Städte des Landes zerstreute nationale Minderheit beabsichtige, einen Staat - im Staate zu bilden,' und zwar einen auswärtigen, vielleicht feindlichen Einflüssen zugänglichen' Staat im Staate, nicht anders als erbitternd wirken. Und es ist! schließlich nicht, anders zu denken, als daß sich eine soLH' Er- -bitterung in Worten »und auch in Täten Luft'macht. Die Nogarung, die ihren internationalen Verpflichtungen getreu nach leben!will, kan« freilich die Täter, sofern sie das Gesetz verletzt haben, hinterher - streng bestrafen; das äst aber für die Geschädigten ein schwacher Trost, und zudem sind die strasrüchclich nicht erfaßbaren Formen solcher Feindseligkeit (gesellschaftlicher Boykott üsw.) vielfach noch Weit empfindlicher lals die strafbaren. Im eigensten Interesse der Juden liegt cs also, daß die Minderhritskongresse den nationalen Minderheiten Loyalität, und zwar nicht, bloß formelle Loyalität den Mehrheitsstaaten gegenüber zur leitenden Pflicht machen. Was -zu erreichen ist, soll und muß erreicht werden durch aufrichtig freundschaftlich? Armähcruilg an die Mehr- .heitsvölker und ihre Staaten. Auf dem entgegengesetzten Wpge kann nichts eiweicht werden; und wenn jcttüfaS erreicht wstrde, dann würde eine solche wcrgiftetr Gabe den Juden sicher zum Unheil ausschlagen. Sv paradox es aber auf den ersten Blick auSsieht, so ist es doch volle Wahrheit, daß die polnischen Minderheitsgruppen' in dieser Frage genau das gleiche Interesse haben wie die jüdischen. Wäre die Spr.achenkarte allein maßgebend, dann wäre es freilich ein Leichtes, von Deutsch-Oberschlcsien noch ganze Kreise mit überwiegend polnischer Bevölkerung abzutrennen. lAber die Sprachenkarte ist eben nicht allein maßgebend, und in politischer Hinssöcht liegt eine weitere Verschiebung der Staatsgvenzr in Ober- 'jchlesieu außerhalb des Bereiches der praktischen Möglichkeit. Was für die Polen in Deutsch-Oberschlesien erreicht werden soll, das .muß auf dem Boden loyaler und aufrichtiger Respektierung der Integrität des derzeitigen deutschen Staatsgebietes etvreicht w^vden. Ganz ähnlich Regt die Sache mit den Po en in Tschechisch- Schlesien. Polen vergißt ihrer nicht, respektiert aber ihre staatliche Zugehörigkeit zu der 'befreundeten tschechoslowakische»» Republik und glaubt, nur auf diesem Wege dis Lago dieser seiner Volksgenossen günstig beeinflussen zu können, Sehen wir aber ab .von den schlesischen Grenzgebieten und höchstens noich von den südlichen Grenzbezirken Ostpreußens, deren düNngvsä'.e Einwohner zwar polnisch sprechen, aber nur zu einem sehr kleinen - Teil polnisch gesinnt sind, so bilden die Polen außerhalb des polnischen Staates fast kauter zerstreute Minderheiten, für welche eine Angkiederung an das polnisch: Staatsgebiet nicht in Betracht kommt. Die Polen in Berlin und Leipzig, in Hamburg und in Nheiuland-Westfalen, die Polen in Paris und in den nordfranzosifchen Kohlengruben können ihrenationalen Minderheitsrochte Mich. Zürich, 20. August. Am Donnerstag begannen um 9 Uhr vormittags die Beratirngen im Plenum, in dem, wie bereits berichtet, zunächst eine Reihe von äußerst instrilktiven und bedeutungsvollen Referaten erstattet nn»rden; Dubnows Bortrag über die „Alte»: und neue»» Formen des Kampfes nur die jüdische Erwanzipation" Motzkins über das Thema „Wie wett sind die in den internationale»: Verträgen niedergelogten Abmachungen bis'-- tzer verwirklicht worden?", Äbersons „Die Anrufung des Völkerbundes" und Dr. Ma rgulies' über „Ditz Beziehungen der jüdischen Minderheiten zu den internationalen Organisationen", werden in: Kampf un: die Rechte der jüdischen Minderh'eiten noch unschätzbare Dienste leisten. Besonders hervorgehoben sei die temperamciitdDlle Rede MotzkrnS, der sich »nit den Gegirern der Konferenz auseinandersetzte. Auch Stephen W: s e wandte sich gegen die Intrigen, die gegen die Konferenz eingesetzt .haben. „Die Gegner der Konferenz in London, Newhork, Paris ustv. bedienen sich der Sprache der. Antisemiten; sie haben nicht das Recht, gegen die anrüchigen ^Protokolle der Weisen von Zio»:" zu prbtestieren, wenn ' sie sich selbst die Arguinente des „Dearbyrn Independent" zu eigen machen. Der Zweck der Kort-vrenz ist es, das Komitee der Mischen Delegationen zu veorMnisieren und zu reto»u> strmeren, drnnit es als Verkretjer der jüdischen Min« derheiten legitkniiert erscheint." Der Redner rief zum Schluß alle jüdischen Richtungen zur Verteidigung der jüdischen Rechttz aus.. An die Referate schloß.sich eine sehr eingehende Diskussion, die in der von 9 Uhr abends bis gegen 1 Uhr nachts dauernden Plenarsitzung fortgesstzt würbe. - Emen nicht geringen Raum in der Debatte forderte die nicht vor die Konferenz gehörende Frage „JWsch oder Hebräisch", die speziell von dem „folkistischen" Delegierten T s ch e r n t ich o w aufgeroorsen worden ist. In einer von »ninutenlangem Beifall begletteten Rede wieS Ufs:schkin alle seine A»:grifse gch-en die HebräisierNngSbestrebungen zurück, insbeso»:dere feine Berh'errki chnNg des Bokschewism ns, indem er erkkärte, daß es »bohl die vomchi»:ste Aufgabe der Konferenz ist, gegen den Terror der SvMj^tregremng fpezrek! dien Inden gegenüber, und zwar sowohr was den Zionismus, das HebPäische und die Mische Rekgion betrifft, Mit aller Macht zu protestieren. Zum Dank wurde Ussischkin "von Dr. Stephen Wi s e- Jndge Hartmann, Sam und Anttta Cohen ins GoV deue Buch eingetragen. Die vier Kommissionen für Organisation, StaatsangehSr^keit und Staatenlosigkett, MÄschasilWagen, Schul- und Bildungskoßfen Laven in den ersten Nachnnttggs- "stunden ihre Wettert auIgenomMe»!.. um bet am' 19. d. M. um halbl 11 Uhr vormittags stattfindenden 'Plenarsitzung die Resolutionen vorlegen zu können. In der Kommission für Organisatton saßen alle drei Delegierten aus Oesterreich, Prof. Dr. Chajes, Doktor Leo Goldhammer und Dr. Oskar Karbach Es steht fest, - daß die zu wÄhtende Gxeknttve der ,Mrtjtzrenz für den Kampf nnd die Reichte der MMm MinderMter:" in Genf , den Sitz haben wird. Der Council wird auL 36 .MKMedern bestehen, welche anB ihrer Mtte die Eselkutöve iwfthlen vrerden. Der Legittmationsausschnß hat die Verifizierung der 67 Delegtertenmjandate aus 13 Ländern beantragt. An, stärksten ist AMeviVa vertreten, an zweiter Stelle ist Polen, an dritter PaläftinÄ. Ins iüdisdke Maus das jüdisdke fflait