Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 9 (1927)
- Issue
- Heft 3043 (20.8.1927)
- Date
- 1927-08-20
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Ne. 3048 Wien, Samstag Wiener Morgenzeitung 20. August 1927 Seite 8 Ue BeU«hk»ko«miffion de» BAker'aundrr. Ge^f, 19. August. (Schweiz. Dep.-Ag.) Heute vormittags trat die Verkehrs- und Tran-sitkommission des Völkerbundes zu ihrer 11. Sitzung zusammen. Außer den ordentlichen Kockmissionsmitgliedern nahmen <m Len Derhmcklmigen teil: der Generalsekretär der internationalen Lustfahrkommission N o p e r t, der GencvÄsokretär der Rheinkommission Hostie und das Mitglied der Direktion des Memeker Hafens Kjelftrup. Die Kommission behandelte die Frage der Gtrichtimg einer Raldwtekegmphenstotion am Sitze des Völkerbundes jsz VrrLefferung der telegraphischen Verbindungen mit den verschiedenen Hauptstädten Europas, ferner mit der Frage der Schaffung eines Flugplatzes am Bölkerbundsitz. Die Kommission hieß die von dem Sachverständigenausschuß geleisteten Arbeiten gut. Dieser Ausschuß war beauftragt, die Frage der Verbindung mit Genf in kritischen Zeiten zu prüfen. Es wurde beschlossen, diese Studien fortzusetzen. Deutschland in der Mandatskommisiion. Paris, 19. August. „Petit Puristen" erfährt ans politischen Kreisen in Rom> daß Italien sich der Ernennung eines deutschen Vertreters in der'Mandatskommissivn wohl kaum widersetzen werde, falls diese Frage im Völkerbund nach Wiederaufnahme der Arbeiten im September aufgerollt werden sollte. Was hingegen die Möglichkeit der Abtretung einer der ehem aligen deutschen Kolonien an das Deutsche Mich betreffe, so sei Italien der Ansicht, daß zuvor die kolonialen Wünsche Italiens berücksichtigt werden müßten. Me Umzüge in Brerlim verboten. Breslau, 19. August. (Wolfs.) Der Magistrat hat Am Verfügung erlassen, wonach bis auf weiteres alle Versammlungen unter freiem Himmel, ferner alle Umzüge des Roten Froutkämpferbundes, seiner Jugendorganisationen und seiner Frauen- und Mädchengruppen sowie seiner Musikkapellen und Trommlerkorps verboten sind. (In Breslau haben am 14. August blutige Zusammenstöße zwischen dem kommunistischen Roten Frontampferbund Und der Polizei siattgesunidcn.) ~ Ile Zhmn mb Taxir-SRer in Krotoschln a« Pole« Lbergegansen. Warschau, 19. August. (Tsch P.-BZ Die Staatliche Lmrdwirtschastliche Bank hat den -Großgrundbesitz der deutschen Fürstenfamilie Thurn und Taxis in Krotoschin in das Eigentum des polnischen Staates übernommen und den früheren Besitzern einen Kaufpreis in der Höhe Aon 17 Millionen Zloty ausbezahlt. Die Güter sind auf Grund des Vers aille slF r i rdcn s v'ertrag e s an Polen gefallen. Ein heftige» Erdbeben verzeichnet. Faenza, 19. August. (Stefani.) Die Er'obeüeuivarte Bendandi meldet ein außerordentlich heftiges Erdbeben in nordöstlicher Richtung in einer Entfernung von 9000 Kilometern. Ier internationale Genoffenschaftrkongreß. Stockholm, 19. August. (Wolfs.) In der heutigen letzten Sitzung des internationalen Genossenschaftskongresses wurde auf Antrag Dr. Karl Nenners beschlossen, den nächsten Kongreß in Wien abzuhalten. Nach der Schlußrede des Vorsitzenden verlangten einige russische Delegierte das Wort, das ihnen der Vorsitzende jedoch verweigerte mit dem Hinweis, daß die Tagesordnung erledigt sei. Als die Orgel des Konzerthauses darauf zu einem Schlußwrtrag ansetzte, erhoben sich die russischen Delegierten und sangen einstimmig die Internationale. Die Verhandlungen zwischen Pole« «ad Rnßlmb. Berlin, 10. August. (Tel.-Komp.) Wie das «Berliner Tageblatt" aus Warschau meldet, wird der polnische Gesandte in Moskau, Patek, der sich seit drei Wochen in W avschau aushielt, morgen die Rückreise nach Moskau an- 'reten. In Waüschauer politischen Kreisen nimmt man an, daß der -Gesandte sich die größte Mühe nehmen -wird, die Verhandlungen über den Abschluß eines Sicherheitsvertrages sowie eines Handelsabkommens rtt die Wege zu leiten, obwohl man die Schwierigkeiten, die dabei bestehen, nicht verhehlt. Flugverkehr »udapeft—London. Budapest, 19. August. (U. T.-K.-B.) Der regelmäßige Flugverkehr B u d a P t st—L ondon wird demnächst täglich abgewickelt werden. Die dieser Tage in Basel abgehaltene Jahresversammlung des Jnternationalen LuftverkehrÄierbandes hat eine derartige Aenderung der internationalen Flugordnung vorgenommen, daß man die Strecke B u d a p e st—P a r i s—L ondon oder zurück vom Morgen bis zum Abend wird zurücklegen können-. Ae kleltrische wird teurer. Der neue Kolleftivvertrag der Straßenbahner. Am 1. Oktober d. I. tritt für die im Handels- und Transportarbeiterverband organisierten Bediensteten und Arbeiter der städtischen Straßenbahnen der neue Kollektivvertrag in Kraft, den der Gemeinderat am 29. Juli d. I. gemäß dem Antrag der Direktion der Straßenbahnen genehmigt hat. Die Erfordernisse für die in bi:p'- ' rag vorgesehenen Gehalte und Löhne machen sechs Millionen Schilling aus. Die finanzielle Besserstellung erstreckt sich auf die B e d i e n st e t e n und Arbeiter, hingegen nicht auf die Beamten der Straßenbahnen, da diese eine gemeinsame Dienstordnung mit den anderen MagistratZbeamten besitzen und in der Gewerkschaft der öffentlichen Angestellten ihre Vertretung Haben. Insgesamt stehen rund 17.000 Personen im Dienste der städtischen Straß eubahnen. Hievon sind etwa 900 Beamte und im Beamtenschema stehende Angestellte. Daher wird sich die Lohnaufbesserung auf etwas mehr als 1 6.0 00 Personen ab 1. Oktober auswirken. Das Mehrerfordernis wird, wie im Gemeinderat bereits ausgesprochen worden ist, durch eine Erhöhung der Straßenbahnfahrpreise hereingebracht werden. Im Herbst wird ein Antvag auf Fahrpreiserhöhung dem Geiivemdevat zivgehen. Ob die erhöhten Fahrpreise schon am 1. Oktober oder zu einem etwas späteren Zeitpunkt in Kvast treten, steht zurzeit noch nicht fest. Auch über das Ausmaß der Erhöhung haben die verantwortlichen Stellen des Rathauses noch keine Mitteilungen gemacht. Doch würde eine Erhöhung des normalen Fahrscheines von 24 auf 26 Groschen nach den vorgenommenen Berechnungen vollauf genügen, die aus dem neuen Kollektivvertrag erwachsenden Mehrausgaben und deu Abgang der laufenden Rechnung zu decken. Straßenbshnzvsammenstoß aus dem Franzgosess-Kai. Bier Personen verletzt. An der Ecke der Roienturmstraße und des Fraoz-Jostss-Kai stieß gestern gegen 3/45 Uhr nachmittags ein Straßenbahnzug der Linie „L", der gegen den Schottenring fuhr, mit einem Zug der Linie „N" zusammen. Angeblich soll die Bremse versagt haben. Die Fahrgäste beider Züge wurden heftig durcheinandergerüttelt und vier Fahrgäste des Zuge? der Linie „N" erlitten Verletzungen, und zwar: der 49jährige Pensionist Johann Marek, Klosterneuburgerstraße 115 wohnhaft (Rißwunde an der Nase, Prellung des Nasenbeines und der rechten Wange), der 29jährige Vertreter Johann P l e s k o t, 5. Bezirk,^ Zentagasse 8 (Rißwunde am linkm Handgelenk), die 30jährige Beamtin Rosa Bukowie, Klosterneubnrgerstraße 48 Wohnhaft (Prellung der rechten Hüfte) und die 44jährige Private Charlotte Roch, Dampfgasse 5 wohnhaft (Nervenci-slbü^erung).. D'e Rettnnngsgesellschaft leistete ihnen Hilfe. Zn ven Bergen verschwunden. Todessturz einer Hamburgerin. Zürich, 19. August. (Tel.-Kmnp.) Wie die „Neu: Züricher Zeitung" ans Pontresitur meldet, wird seit einer Woche ei ne. deutsche Touristin, Fräulein Hertha Bahl aus Hamburg, vermißt., Die junge Dame hat Freitag, den 12. A u g u st, von der Tschierva-Hütte aus eine Hschwur angetraten, die sie über den Pizzo Bianca und die Bernina-Scharw auf den Piz Bernina führen sollte. Dieser Anstieg auf den höchsten Gipfel der Berninagruppc zählt zu den schwierigsten Eis- und Felstouren der Alpen. Fräulein Bahl wurde von der Tschierva-Hütte letztmals am 12. August gegen 7 Uhr abends unmittelbar unter der Spitze des Pizza Bianca beobachtet. Bis zur Erreichung d'eses Borgipfels des Piz Bernina hatte sie fünfzehn Stunden gebraucht. Dagn siel Nebel ein und man hat die deutsche Touristin nicht mehr gesehen. Zweifellos ist sie bei dem Versuch, in der Nach", oder am folgenden Morgen den Aufstieg zum Bernina durch die Scharte zu vollenden, durch die schauerliche Oshrand des Berges gegen den Bovalgletscher zu abgestürzt. Ihre Leiche wurde bisher nicht gefunden. Iem Andenken Salv Hauptmauus. Man schreibt uns von besonderer Seite: „In der „Wiener Morgenzeitung" war bereits das ungewöhnlich inenfchenfreundliche Wirken, die edle, ans reinster Siefoe für den Nächsten geübte Wohltätigkeit 'des lecker so früh dahingeschiedenen Herrn Direktors Salv Hauptmann gewürdigt. Zu den Institutionen, die den Hingang des teuren jüdischen Mannes tief betrauern, zählt auch die „Frauenhilfsaktion für Kranke und Wöchnerinnen" (2. Bez., Untere Augartenstraße 35, Vorsitzende Frau Großvabbiner Sarah Friedmann aus Husyatin), die sich durch den Verlust dieses väterlichen Freundes und Beraters, dieses großzügigen Förderers ihres Fürsvrgetoerkes geradezu verwaist fühlt. Direktor Salv Hauptlmnn hat mit einer Opferfreude, die ihresgleichen sucht, und mit seltener Vornehmheit unserer Fvaumhilfsaktion.immer wieder große Beträge gespendet. Biele Hunderte Kranke sirck dank seiner Mittat der Spitalspflege übergeben, geheilt und fortdauernd unterstützt worden. Und er ließ es nicht nur bei, den Opfergaben bewenden, sondern kümmerte sich um das Befinden, die Unterbringung, das weitere Schicksal unserer Pfleglinge wie ein Vater. Wir werden diesen reinen, «deit Menschen nie vergessen., iDie Erinnerung an Direktor Salv Hauptmann, dieses teufende Vorbild h-er Nächstenliebe, wird nns in unserem Wirken für die Kranken und Bedürftigen stärken. Sein ^ndenken sei gesegnet!" Segen die SvkeMnb» in Devtschland. Wie Berliner Blätter melden, haben die Leiter der Berliner Spielklubs heute nachts in einer Versammlung die Lage infolge des neuen Ministermlerlassek beraten, durch den bekanntlich die energische Bekämpfung der imerkauvten Splolbetriebe verfügt wurde. Cs ist anzunehmen, daß die ministerielle Verfügung ü u ch in anderen Städten strenge durchgeführt wird und daß namentlich in den Badeorte u und besonders an der Ostsee die Spielbetriebe einer strengen Kontrolle unterworfen werden und man sich auch die s o genannte Strandroulette und ähnliche Unter» nehnmngen ansieht. Automobilnnglück bei Frkfach. Aus Graz wird uns gemeldet: Gestern nachts fuhren Stadtrat Obiltschnig und der Direktor des Grazer Gaswerkes Schobert mit ihren Gattinnen in einem Gräf u. Stift-Auto von Kärnten nach Steiermark. Bei Friesach führ dem Wagen ein französischer OOpferdekräftiger Wagen vor und streifte mit den Hinterrädern den Kühler des Gräf und Stift-Wagens, dessen In-, fassen herausgeschleudert wurden. Beide Wagen wurden stark beschädigt. Von den Insassen wurden fünf Personen verletzt und mittels Bahn nach Graz gebracht Frau Schobert brach sich die Fußknöchel und erlit? eine klaffende Rißquetschwunde am Kopf, Frau Obiltschnig erlitt Kontusionen am Brustkorb, Stadtrat Obiltschnig und zwei andere Personen trugen nur Hautabschürfungen davon. Ile Waldbrsinde ln Frankreich lokalisiert. Toulon, 19. August, Nach den Nachrichten, die heute über die Waldbrände im Vas-Departement hier eintrafen, scheint es gelungen zu sein, das Feuer au den meisten Stellen zu lokalisieren. Die Untersuchung zur Ausforschung etwaiger Brand-sti ft e r dauert an. WaMrand bei Gottschee. Graz, 19. August. Die „Tagespost" meldet aus Laibach: Gestern nachmittags ist infolge einer Unvorsichtigkeit der Waldarbeiter in dem Waldbesitz des Grafen Auersperg bei Gottschee ein Brand ausgebrochen, der sich infolge der herrschenden Dürre rasch ausbreitete und einen Waldkomplex im Ausmaß von mehreren Hektar vernichtete. Der Brand konnte trotz rnik it ä ri-s ch e r Hilfe noch nicht eingedämmt werden. Ein nnbekannte» Gebirge kn zentral-Asieu entdeckt. Auf dem Pmnir-Placheau. Aus Leningrad wird gemeldet: Die Expedition des geologischen Komitees, die das Pamir-Hochland durchforscht hat, ist nach Leningrad zurückgekehrt. Sie hat ein riesiges Schneegebirge, das bisher der Wissenschaft völlig unbekannt war, entdeck und aus der Landkarte verzeichnet. In Nord-Pamir sind bedeutende Eistnarzsewrü festgestellt worden. Ein reichhaltiges.wissenschaftliches Material, das ein ganz neues Bild von der Struktrrr und dem Charakter des Saalai-Gebirges ergibt, ist. gesammelt worden. Insgesamt hat die Expedition eine Strecke von 3000 Kilometer in Gegenden zurückgelegt, die bisher von Reisenden noch nie» mals betreten wurden. Selbstmord einer zum Tode BerurteUten. Aus Frankfurt a. M. wird gemeldet: Der vor einiger Zeit zum Tode verurteilte Mädchemnörder Robert Krämer, der sich im Zuchthaus Freiendietz schon einmal einen Dienstrevolver verschafft hatte, hat sich nachts in seiner Zelle erschossen. Wie Krämer zum zweitenmal eine Waffe bekommen konnte, ist noch nicht aufgeklärt. Eine Untersuchung ist im Gange. Nack einer anderen Darstellung soll Krämer im Kampf« von einem G e sang ui Sb eam ten erschösse' worden sein. Ile H»saren>Rauserei I« Ragh-Perkata. Budapest, 19. August. (U. T.-K.-B.) Das Budapester Honvedgericht hat heute das Urteil im Prozeß gegen die drei Husaren gefällt, die vor einigen Wochen in Nagy-Perkata bei einer Rauferei in einem Gasthaus einen Gendarmen getötet hatten. Das Gericht hat wegen vorsätzlicher Tötung schwerer Körperverletzung und Disziplinarvergehen der: Husaren Julius M e z e h zum Tode durch Erschießen, einen anderen Husaren außer Degradierung zu drei Jahren schweren Kerkers und den dritten Husaren zu drei Jahren sechs Monaten schweren Kerkers verurteilt.