Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 9 (1927)
- Issue
- Heft 3043 (20.8.1927)
- Date
- 1927-08-20
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite Men, Samstag Wiener MorgerizeiLung 20. August lS27 W Auttvorten m AsthZrmm. v — y, Wie». 20. August. Urf-Tem Lord Sk'tfy'xmecc, dessen Gerechüglertsgejichl sich -gegen den Triauv'.'.-Vertrag enrpvrt, antworten die Inden der Sicmatci und Karpathvrußlands. Sie würeli durch Kinc Aimstürznng des Friedenstraktates am schwersten betroffen und würden sofort unter die Peitsche des Tcrrvrkursts geraten; sie femtcit seine Segnungm, beiten sie benachbart sind. Gerade die Ickten T'age bringen wieder cin^ Prob^ auf die Frage, wo die staatsbürgerliche Ordnnng besser geschützt ist, in der Tschechoslvrvakci. oder itr Ungarn. Die Detektive und Gendarmen, 'die die Synagogen in den Grenzdistrikten hcimsnchen und die einheimische jüdische Bevölkeeimg drmtgsalieren, liefern ein allgemeinvrrftättdlichcs Dokument, mit dem sich, wenn es auf dies«: Welt nsit rechten Dingen zugin ge, auch der Völkerbund zu befassen hätte. Er wir>> es ja nicht Um. Wo kein Kläger-ist. ist auch kein Richter, und eine Weltprokuratnr, die zur Wahrung des Gesetzes einschreitct, existiert.nicht. Ihre Famktion Mt^ der Völkerbund. Aber er weiß das nicht. Und wenn cr's wüßte, so würde er sich die Geschichte noch einmal überschtascn, und wenn er vielleicht dann doch ,zu dem Entschlüsse körne, aus (dem Gesichtswinkel des Minoritätenrechtes zu handeln, so würden ihn die magyrischen Israeliten sacksieLegrob auf ihr patriotisches Gefühl aufmerksam machein Sie haben ja gerade dem Lord Rvthermere ihren untertänigsten Dank zu Füßen gelegt, weil er gegen das dem rot-weiß-grünen Wobus angetane Unrecht auftritt. Diese dumme 'AnbiÄierung entspringt alter Assimilantenübung uw sie wirkt, wie aüe? miß dieser politischen Hysterie, nur Wherlich. f Dies um so mehr,, als doch die Nnmerns-claavmS- Schmrde, die doch iwcki immer uneingef^ränkt besteht,, gerade jetzt wieder zur Sprache gekommen ist, und zwar vor einein wissenschaftlichen Forum. Im Rahmen des Vortragszyklus europäischer Persönlichkeiten, den das amerikanische Institut für Politik in Williamstown veranstaltet, wurde auch die ungarische Frage behandelt. Der offiziell Jurist der imgar^chen Gejairdtschast in Washington, Herr Pclenyi, verteidigte seine-Regierung.. Er . hatte alle Argumente zur: Hand, die sein Minister Graf Klebelsberg bei solchen Anlässen ailSzubreiten pflegt. Die schlechte ökonomische Lage des ungarischen Volkes ist schuld, einerseits; 'andererseits sind unter den Bolschewikerr zu viele Juden. Einem normal gerichteten Gehirn kann man den .Zusmnmenhang dieser iDmge wohl kaum verständlich machen. Mas bessert es denn an der wirtschaftlichen Lage, wenn Juden keine Asrzte oder Jngem'eure werden können?. Urw was kümmert es die 18- bis 20jährigen jüdischen Studenten, wie viele Inden Bolschewiken sind? Und da doch unter den Bolschewiken sich auch einige urechte Turan rer befunden haben, so hätte doch diese Wipkellogik eher, zu einer Schließung aller Hochschulen führen sollen. - ... Es kommt aber dem Judenhaß niemals auf Folgerü^igkeit. an,, und eine Lüge, mehr oder, weniger spielt keine Rolle. 'Die ungarischen Vertreter vor dem Äölkerbund haben es erfahren nrüssen, daß ihre .Argumentation vor einer strengen Untersuchung nicht'bestehen kann. Aber sie fanden, dort Milde, und so konnten sie daheim ihr Gewerbe ivieder fortsetzen. Trotzdem. bricht die Wunde von Zeit zu" Zeit auf. und wenn nicht der jüdische Patrrottsinus existierte, so hätte schm Wandel geschaffen werden können. Ungarns Ruf ist nicht der beste, und die mehr als kühle Aufnahme, die die Rothennere-Aktion in Europa gefunden hat, zeigt, daß die Rolle Ungarns als der ewige ^Friedensstörer nur zugut bekannt ist. Man mag sich in Budapest, wo sich bekanntlich der Nabel der Welt befindet, schr wichtig und umworben Vorkommen, Tatsächlich ist dieses System der Panduren und Landsknechte nur als Werkzeng geschätzt. Es wird bezahlt, ansonsten aber nach seinem richtigen Wert, eingeschätzt. So stark ist denn doch.schon das öffentliche Gewissen, daß cs eine richtige..Auffassung verbreitet, und man weiß, was der Nationalitäten harren würde, wenn sie wirrer an das Land der Hejjas zurückfallen müßten. Sollte dieses Wissen versagenso sorgt der chüstlichnationale Kurs durch seine Gendarmen immer dafür, daß man nicht an Ungarn vergißt. Es hat dies gerade jetzt getan und gerade zu dem richtigen Zeitpunkte getan, «m sein Wesen zu dokumentieren. KarpathoruWche 3«den an Rolhermere. egen die Mengeletze In UllMii. Ilm g war, 18. August. Die Vertreter der jüdischen Religionsgemeinden Karpathorußlands sandten an Lord R o t h e r mere ein Schreiben mit dem Ersuchen, sich der unterdrückten Juden in Ungarn atizünehmen. In dem Schreiben weisen sie Mäk allein auf den Numerus clausus hm, der in Ungarn cingcführt ist und für die mittellose jüdische Jugend geradezu eine Katastrophe bedeutet, da ditefv dadurch gezwungen ist, ihre BAdrmg im Ausland zu suchen. Die Kundgebung weift auch darauf hin, daß diese Maßregel, die eine Beleidigung der Demokratie um d der Freiheit bedeutet, in Ungarn sogar Gesetzeskraft erhielt. Das Versprechen, ben Numerus clausus aufzuheben, das vor zwei Jahren der ungarische' Unterrichtsminister G ras Klc 0 o l s berg in Genf gegeben hatte, blieb unerfüllt. MM« Md Marokko. Sine M«MAWinMika«ksn tm .Mali«". — Kommunistische PrsW-Wtz» «ud Soffen* liesrrunzev nach RorSafrika. Paris, 19. August. Der „.Matin" veröffentlicht heute eine Reihe von sensationellen Dollunenten, die den Beweis erbringen sollen, wie die Dritte Internationale durch Zusammenarbeit mit den So wj ctb o tschaft c n in Paris undDerlin eine neue Erhebung in Novdafrrka vorznbereitcn suchte. Bei diesen Vorbereitungen spielen der rnffische Botschafter in Berlin, Kre st ins kr, mtd der Militärattache in Paris, Wolkow, eine besondere Rolle.' Am. 4. Jänner 1927 schrieb die Komintern in Paris den Brief Nr. 48 an den in London weilenden Genossen Gallaher. Sr soll für die Risisoldatcn 2600 Gewehre und 1600 Karabiner ankaufen. Am 18. Jänner antwortet bereits Gallaher, daß der Ankauf bei c inc r M un it.i o n Z s a b ri'k in Dundee erfolgt ist und daß das ganze Material . mittels eines deutschen Schiffes nach dem Ms geschmuggelt svcrden soll. Dieser Pries ist an Wolkow, russische Botschaft in Paris, adresiiert. Am 16. Jänner schrieb der russische Botschafter in Berlin, Krestiinski, mr Wolkow ein in eurem diplomatischen Koffer übermitteltes Dokument,!vorin. Krestinski anründigt, daß er einigeOffizicre inDeutsch- Land ausfindig mache, die nach dem Rif gehen werden, um die dortige Armee zu reorganisieren. Der deutsche Major Jürgens und Hauptmann Engelhardt stünden an. der Spitze dieses. RcorgaiüsationSkomitees. Am 21. Jänner trifft ein 'neuer Brief GallähcrS aus London in Paris bei Wolkow ein. Gallaher bedauert darin, daß das Schiff, das Waffen und Munition nach dem Rif transportieren sollte, noch., nicht aüsfahren konnte. Außer den verlangten. Waffen hat Gallaher noch p Maschinengewehre und 300 Revolver gekauft. In einem Brief vom 29. Jänner f bestätigt Gallaher den' Empfang von 10,000 Pesetas, f die ihm die Arcos-Gcfellschaft in London übermittelt;! hatte. Dieses Geld hat es ihm ermöglicht, weitere 1 12 Kisten Munition der Waffensendnng beiznfügen. . , Am 31. Jänner schrieb Käme new aus Moskau per spanischen Komintern in Paris einen längeren Brief, jin dem der i n M o s k au ausg earbeitete Plan p er m a r r o k a n i is ch e n Politik auseinandergesetzt .wird. Nach diesem Plan mutz in Marokko in zwei Etappen vorgegangen löerden. Züwst'ist die Moräl der '.Aüfstän-' In dem Schreiben wird weiter ersucht, daß diejenigen -jüdischen Beamten und Lehrer, die im Jahre 1920 in Ungarn nur darum aus dem Dienste entlassen wurden, weil sie Juden seien, wieder in den Dienst ausgenommen 'und entschädigtewerden^ ' '! Mthlens FudemMa. Auch ln SatürM'Weltz. ..Budapest, 19. August. (Tel.-Kornp.) „Az Est" setzt seine Artikelserie über die Judettrazzien in den nordmngarischen Grenzgebieten ' fort. In Sator alja- U jhe ly dauerte die Razzia v o lli drei Lage. Dienstag erschienen Budapcster DetekttvS und Debce-?ziner Polizisten unter Führung eines Budapester Polizeihauptmannes und eines Liberpolizeirates in der Stadt ..und führten die Razzien mit Hilfe der städtischen Polizei und der Gendärmerie durch Dienstag und Mittwoch wurden jene Straßen äbigesperrt, die größtenteils von Inden bewoynt sind. Die'.Detektivs gingen in die einzelnen Häuser nnd verlangten die Dokumenro der jüdischen Eiiüvohner. Auch in den Bethausorir. 'wwrde emo Perlnstrserrmg vorgenommen rmd jene Personen, die sich nicht legftrmkeren konnten» wmÄon anff di/o Polizei gebracht. Insgesamt wurden in Satoralja-Ujhely 33 Juden perlustriert, die. sich o h n e A u f e n t h a l t S b e w i l l i g u n g in, der Stadt aufhielten. Gegen sie wurde das Ausweisungs- Verfahren eingeleitet^ Aehnliche Razzien fanden in zahlreichen Städten und Gemeinden der Komitäte Z e-mch lin, B or s-od, .Aba u j und Szabolcs statt. Die Regierung erklärt, daß sich ihre Maßnahme nur gegen den Schmuggel und gegen den Mißbrauch der kurzfristigen Grenzscheine richte. Sie bestreitet den anttsemrtischen Charakter, ohne jedoch aufklären zu können, weshalb sie durch ihre Gendarmen nur die seit langen Jahren ansässige jüdische Bevölkerung schikanieren läßt. Die Bndapefter Berhcmdlungen gescheitert. Ser MüMrrelterftrell wieder aiisgetzroSe». Budapest, 19. August. Die Verhandlungen zwischen Arbeitgebern und' Arbettnehinern der Metallindustrie sind, ioic gestern schon gemeldet wurde, gescheitert. Die Unternchmer wollten nur den Arbeiterkategorien mit l dischen zu heben. Die kommunistische Pr^p-ä g a n d a i m R i f g e b i e t und besonders in der spanischen Zone soll verstärkt werden. Zugleich sollen die Kommunisten in Madrid am Sturz der Madrider Regierung arbeiten. Während dieser ersten Zeit soll die französische Zone in Marokko vollständig in Ruhe gelassen werden. Erst wenn in Spanien mid in der spaniischen Zone alles fo weit ist, daß die spanische Negierung mürbe und die spanische Zone ganz revolutioniert smd, soll ddr Angriff auf die französische Zone in Marokko eröffnet werden. In einem Schreiben vom 18. März, das übrigens auf einem Briefbogen der russischen Botschaft in Paris zu lesen ist, teilt Wolkow dem russischen Delegierten in Marokko Arkassow die im Brief vom 3-1. Jänner von Kamenew gegebenen Instruktionen mit und fordert den Militärattache in Marokko auf, den Plan 'KamenewS gewissenhaft durchzu führen. Der „Mattn" behauptet, noch eine Reihe wichtiger Dokumente zu besitzen, die einwandfrei Nachweisen, wie eng die Dritte Internationale Mil der Moskauer Regierung und den r u s>s.-is ch c n Botschaftern an der Zerstörung der Kolonialmacht der europäischen Staaten zusammenarbeitet. «- Es ist sehr zu bezlveifeln, ob diese Dokumente echt sind. Es fällt , zunächst auf, daß der russische Delegierte in Marokko von einem Botschafter als Militärattache angesprochen wird. Dann aber entspricht der Inhalt dieser Briefe gar zu schr den politischen Anschauungen des „Matin", deckt sich aber nicht mit den Tatsachen. Die tommunistiische Propaganda wurde, wie die Reden Cachins und die Mitteilungen des französischen Kriegsministers gezeigt haben, in der spanischen und in der französischen Zone zugleich betrieben. Uebrigens waren im Jänner 1927 die Operationen im Rif-Gebiet bereits beendigt, da doch'Abd ei Krim schon im Vorjahre sich ergeben hatte.' Es' scheint also, daß einer der vielen Dokumentenfabrikanten. dem „Matin" etr gewünschtes Material geliefert 'hat. Rußland dementiert. .Ptt£ i s, 16.. August. (Havas.) . Das sowjetrussische Preßbureau in Paris erklärt, daß die. vom „Matin" ber-. öffentlichten Dokumente über ein Eingreifen sowjetistischer Agenten in Marokko apogrpph seien und daß in der Botschaft kein M i t a r b e i t c r n ’a men 8 W o l k o w Existiere'. .; - - den niedrigsten Löhnen Erhöhungen von 2, 4, 6 und 8 Prozent bieten. Dieses an sich schon, geringfügige Zugeständnis wäre nur etwa einem Drittel der Arbeiterschaft zugute gekommen, während alle andere n K a t e g o r i e n leer ausgegangen wären. . Minister Bass erklärte, daß er sich trotz'den bisher erfolglos verlaufenen Verhandlnugen weiter bemühen werde,, eine Einigung. herbeizufühpen, ■ DaS Scheitern der Berhrmidlungen hat noch gestern zum neuen Strei-ausvrnch in der Fabrik Ganz und in den Voremigtcn Glühlamponfabrikon geführt. --—t 17.M Arbeiter im Ansstand. Budapest. 19. August. (U. T. K.-B.) -Die Verhandlungen zur Beilegung des Lohnstreites in der Eisenindustrie haben auch heute zu ke-ine r Entsch«idumg geführt. Mit'Rücksicht auf die gesetzliche Arbeitsruhe am morgigen St. Stephanstag werden die Verhandlungen e r st M o n t a g fortgesetzt werden. Vollkomnten ruht derzett die Arbeit in der GanS- Dnnubius-Fabrik und der SteinSrncher Waggoufabrik, teilweise wird gestreikt bei der Bereinigten Glühlanipenfavrik, der Cfepeler Manfred' Weitzschen' Fabrik und den Schiffswerften. Schließlich haben bei der ersten ungarischen, wirtschaftlichen Maschinenfabrik,' der Waffenfabrik, der Schlick-Mcholson- Fcrbrik und der.Hofherr-Schrantz-iMaschincnfabcik kleine. Gruppe n,' die in den Streik getreten sürd, .den Betrieb gestört. Die s a m t z a h l fc»c r St ratk -c n.d« n wird in den Kreisen der Arbeiterschaft auf 17.000 geschäht. . ir.üvv Arbeiter in Kreseld ausgeiperrt. Berlin, 16. August. (Wolfs.) Da der Schlichter die von den Gewerkschaften geforderte Verbindlichkeits-Erklärung des Schiedsspruches für die Krefelder Seiden - Industrie cchgelehnt hat, geht t»«: Kampf zunächst weiter. In Krefeld ist nach dem „Vorwärts" nunmehr dto Gesamt-A«SsPerrung eingetreten, von der etwa 12.000 Textilarbeiter und Arbeiterinnen betroffen sind. Da apch die Beredlungs-Jtidnstric ausgesperrt hat, ist. damit zu rechnen, daß nunmehr auch die Samt-Jstdusirie zunt Erliegen kommt. Dadurch würden laeüteft* 8000 Arbeiter und Arbeiterinnen in Mtteidenschast gezogen. .