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Wiener Morgenzeitung · 1927-08-19 · Heft 3042 (19.8.1927) · p. Seite 5

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
9 (1927)
Issue
Heft 3042 (19.8.1927)
Date
1927-08-19
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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(MITTEILUNGEN DES ZIONISTISCHEN LANDESKOMITEES FÜR ÖSTERREICH) ERSCHEINT JEDEN FREITAG IN DER „WIENER MORGENZEITUNG“ W. AUGUST 1927 NUMMER 9 21. AB 5687 Diesen MIlen, für Vesten DevtEttchrmg Äe Zisn-Mche Orglurssation veronUvorttich ist, wird sie nur dann völlig ssum Ausdruck bringen, wenn sie ihr Vertrauen in sich wisderssndeL Das ärmere Vertrauen erst bringt das Vertrauen von außen. In den letzten Ia h re rehaben wir das umgekehrte Berühren eingchhlageu und haben das. innere Vertrauen verloren, das äußere nicht gewonnen. Geht escucf diesem Wege weiter, so nufo ein Momen^ kommen, der die „ewige KrHe der Organ.« Man* «rfch abkürzt: der Wlle des V-Ees wird Über uns hänwvgschretten, wenn wir eS nicht verstehen, die Verbi-r.dung •mk diesem Willen zu erhalten. Darum ist ine erste Aufgrbe im kommenden neuen Abschnitt unserer Arbeit: den OrganisationsdoMiswuS überwinden and den Or-gantsationSgedanken wieder richtig erfassen. Man vergesse nicht, daß wir, was wir an uns sündigen, am jüdischen Volke sündigen; und ivir haben lange genug an uns gesündigt. Vor den» Baseler KongreO Was wird der 18. zionifteulongretz Um U»«t Strdk«. Srganifationsdefaitismus. Dem Daheiler Kongreß, der -in werrigen Tagen zusammen« treten wird, obliegen Entscheidungen über fundamentale Fragen des zionistischen^ Werkes. Die zionistische -OesfentUchkeit hat. im Laufe der eben abgeschlossenen Wahlpropaganda diese Fragen genau dnrchd'.Autiovt, und wo nicht, wie es m Amerika leider iwfchehen ist, das demokratische Grundprinzip der. freien Wahl ron parlarnen-tartfchen Vertretern durch eine von der Landes« pavteti-nstanz Vorgenom mene Emennung von Kongreßdolegierten verletzt wurde, hat die Mahlzeit diesmal in stärkerem Maße als früher die Stellung des einzellnen Zionisten zu den.wichtigen Grundlagerrder Bewegung klarlegen können. Es ist nim symptomatisch, daß in diesen Diskustianen die ovgcnrisatovischen Fragen, viel weniger häufig erörtert wurden als alle übrigen. Dies ist Symptom jenes verringerten Bor« tva-ueivs in die Organisation, das seit einigen Jahren in den zionistischen Neiherr sich immer' mehr verbreitet; dieser organisatorische Defaitismus, der genährt ist vonder materialistischen Grundtendenz, welche in der letzten Zeit einen.breiten Raum einnimmt, geht von der Annahme aus, ' daß die Zionistische Organisation allein zu schrvach ist, um die großen, materiellen Angaben des Palastnla-Aufhaues durchzuiführen. Organisations- Defaiitismus istmit die Triebfeder jener Kooperation mit den Nichtzionisten um jeden Preis, die heute cils ,Erweiterung der Jewish Agency" den /Meinungskampf der zionistischen Oessent-- lichte it beherrscht; die st Angelegenheit muß heute' sozusagen als res.iudicata geltest^ einerseits, da sie bereits durch frühere Beschlüsse der Kongresse sesigelegt ist, andererseits aber,' weil bereits jetzt die an sie geknüpften Illusionen hinfällig geworden find, als erledigt angesehen werdeit. Soll nun diese in doppeltem Sinne erledigte Sache nicht wie. eine schwärende. Wunde am Gefüge der Zionistischen Organisation nagen, so.-mutz sofort der .in den letzten Jahren so arg vernachlässigte Qrganisattonsbou neu und stark, doppelt stark befestigt werde». In diesem Blatte wurde vor kurzem von einem Nicht« zionisten) der nicht'zur gewöhnlichen Spielart der Paradejuden gehört, sondern beim Anfbcm des neuen geistigen Lebens der Jndenheit in vorderster Reihe steht, von Dr. Schs-tloffky, dargelegt, daß'der Aufbau Palästinas heute'bereits im Willen der gesamten Judenhcit der Welt liegt; diesen Willen zu erfassen und zu nützen — fügt Dr. Schrbloffly hinzu hat die Zionistische Organisation in -ihrer ^heutigen Form uicht verstanden Damit ist äusgedruckt, daß die Zionistische Organisation weit mehr bedeutet, als ihr die Gegner in oder außer dem Jewish- 3lgeney-Läger und auch die Defaitisten im eigenen Lager zugestehen: sie ist heute nicht eine bloße Gruppierung, die sin bestimmtes Ziel, den Aufbau Palästinas als jüdische Heimstätte, erveichen will, sondern sie ist der manifeste Ausdruck des jüdischen GesamlwiiNens,. Palästina als jüdisches Land aufzubcmen zum Zwecke der Erhaltung des gesamten Judentmns. Dies bedeutet, daß heute die Verantwortung für alle positiven Erhaltungstendenzen im Judentum auf der Zionistischen Organisation Legt. Me Verantwortung istschwor, schwer auch, aber auch schön, die Pflichten zu erfüllen, hie solche Verantwortung artferlegt. Faßt man aber den Ovganisationsgedanken in den zionistischen Reihen so auf, wie es eben ^rgelegt wurde, so tvird er zum Krönungsgedanken, nicht bloß zum nebensächlichen Ausdruck von materiellen Leistungsziffern, wie es jetzt so oft geschieht. Hier ist anzusetzon: Der Sinn .für den Wert und die Wichtigkeit der Organisation, der den Zionisten, abhanden, gekommen zu fein scheint, muß. .wieder neu belebt werden; damr ergibt sich wieder jene durchgreifende Schlagkraft, jener . Elan, welcher imstande ist, sich weit über die eigenen Grenzen durchzusetzcn. Man hat zu rasch vergesierr, daß dieser zionistische. Elan in der Judenheit der ganzen Welt den Paläst'ma-WWen geformt hat, der früher höchstens latent war; man hat zu rasch vergeffen, daß dieser zionistische Elan die politischen Möglichkeiten für die VerwiMchung dieses jüdischen Willens im richtigen Moment erfaßt und — mögen auch ängstliche. Naturen über den Ausdruck, der nun folgt, erschrecken —' an sich gevissen hat. Wir brauchen dieseit Man, um jenen Tiefpunkt zu überwinden,. der wie in jeder Abeit auch in der zionistischen unvermeidlich oingetveten ist. Nur durch, jene Kraft der Organisation wird dies möglich fein, welche aus dem Bevtrailtzn in sich selbst stammt. Das Zufrmmenarbeiten mit den oder jenen jüdischen Gruppen, die wchtziorvistisch sirrd, >kann vielleicht (selbst dieses „vielleicht" ist durch die bisherigen. Ergebnisse und. die bisher geforderten Voraussetzungen solcher Zusammenarbeit schon; zu stark) dem Ausbau Palästinas Mittel zuführen. Wird es ihm aber Müschen bringen, Menschen, die Dauerndes schaffen? Der jüdische Mlle aber, der sich auf Palästina konzentr.ert hat, . fordert DarrevndeS, denn ihm ist der Palästina-Aufbau en Mittel zur Schaltung der Judercheit. Erhalten heißt nicht bloß Gold erhaAsn . ' Es gibt Zionisten, welche erwarten, daß der bevor- ' stehende Kongreß eine Aenderung im Geiste, in. der Führung und in den Methoden-der Zionistischen Organisation bringen wird. Sie worden eine schwere Enttäuschung erfahren. Die Berichte über den Ausfall der Kongveßwahlen in den einzelnen Ländern, lassen erkennen, daß die jetzige Leitung zirka neunzig Prozent der Stimmen für sich und ihr System hat. Der Umstand, daß die rechten und linken Sonderverbände, Misrachi, Paale Zion und Hitachduth, stark vertreten fein werden, darf nicht beirren. Diese Gruppen werden wohl im Laufe der Verhandlungen oppositionelle Allüren, an den. Tag legen, werden der Leitung unangenehme Stunden bereiten, aber schließlich, wenn ihre speziellen Personal- und Budgetfragen ' erledigt seür werden, in den Hauptsachen Ja und Amen sagen.. Eines Wird der Kongreß bringen: Die Erkenntnis, daß in ' der Zionistischen Organisation ein Fäulnisprozeß eingesetzt, daß der Wille zur Selbstvernichtung überhand genommen hat. Präsident- Weizmann hat vor wenigen Wochen öffentlich erklärt-, daß alle . Entscheidungen über den Aufbau des' Nationalheimes durch das Urteil der nichtzionistischen Agency -Kommission bedingt sind, daß alles andere dilettantisches und k^inbürgerliches Gerede ist. Das Erfließen dieses Urteils hat er fürs nächste Jahr in Aussicht gestellt. Was ist demnach ein Kongreß, der vorher tagt? Eine leere Formalität, einededeutungSlose.Konzeffion an die Buchstaben des Ovganisationsstatutes. Nun höben neunzig Prozent der zionistischenWähler für Weizmann und seine Auffassung gestimmt, das heißt dafür, daß ihr Kongreß nichts Entscheidendes sagpn darf und kann. Neunzig Prozent der Delegierten werden für-Weizmann sein.und damit seine Auffassung bekräftigen, daß . die.. Zionistische Organisation ohnmächtig und wertlos ist und das Heil nur - von den.Nichtjuden kommen kann. Das ist Fäulnis. Neunzig Prozent sind für die Leitung. Welches sind die Gründe für diese überwältigende Zufriedenheit, für diese fast restlose Hingabe? Die Zuwanderung nach Palästina hat aufgehört, die Abwanderung erschreckende Dimensionen angenommen. Unsere Finanz- und Wirtschastsinstttute find zerrüttet und ohnmächtig, sie können — und dazu wurden sie ja geschaffen, die Erhaltung ihrer Beamten ist doch mdjf* ihr Zweck — das Aufbaüwerck nicht fördern, sie hängen wie Bleigewichte an uns. In den Ländern, der Diaspora, im jüdischen Leben, hat die Zionistische Organisation an Ansehen und Bedeutung eingebüßt, sie hat aufgehört, der bestimmende Faktor zu sein, die Ziffer der -Schekelzahler ist auf einen Bruchteil gesunken. Das Verhältnis zur Palästinaregierung ist nach wie vor ein herzliches — nach den Berichten der Leitung und ihrer Presse. Die vor einigen Tagen erfolgte rreuerliche Berufung des Antisemiten und Antizionisten Richmoird nach Palästina ^lätzt diese Herzlichkeit in einem eigentümlichen aber jedenfalls hellerem Lichte , erscheinen. Im jüdischen Palästina eine immer stärker' werdende' Tendenz, vonder Zionistischen Organisation abzurücken. Die Milliarden der amerikanischen Nichtzionisten, in deren Erlvartung man sich nun vier Jahre lang brechtselig aller Attribute einer nationalen Freiheitsbewegung stückweise entledigt hat, in nebelhafter Ferne und auf dem Weg nach der Krim.' Und dafür ' neunzig Prozent Zustimmung, Zufriedenheit und Dankbarkeit. Auf alle Vorhalte hat die zionistische Buveaukratie eine Antwort: Die herrliche Leitung und ihr Präsident Weizmann sind nicht schuldig, schuldig sind die faulen, bösen Zionisten. Nach dieserst einzigartigen System ist es Beruf und Aufgabe der Leitung, immer unschuldig zu sein. Nach zwei Jahren lilienweißer Unschuld tritt dann die Leitung vor den Kongreß, spricht aus, daß die Zionistische Organisation eine mifevcSle Sache ist und bekommt daftir neunzig Prozent Dank und Vertrauen. Das ist Fäulnis. # Der Kongreß, der unter solchen Umständen und in solcher Zusammensetzung Zusammentritt, wird kläglich verlaufen. Noch ist die Opposition $u schwach, um Strmmenerfolge zu erzielen. Noch hält, der mechanische Apparat der Leitung notdürftig zusammen, noch reichen Schönrednerei und Budgettechnik aus, um feierliche Schlußsitzungen zuwege, zu bringen. Aber dieser in Leerheit und Trostlosigkeit dahinsiechende Kongreß wird, das ist meine Zuversicht, furchtbaren Eindruck machen. Er wird sich dem ehrlichen Zionisten wie ein böser Traum auf die Brust logen. Er wird ihn reif machen für die. Entscheidung. Gr wird der Idee von der Rückkehr zum alten Zionismus, zur radKccken, nationalen Freihettsbewsgung freie Bahn schaDm.. Die WeltwahMsten. Nachstehend veröffentlichen wir die bei der Weltwahlkommission .zum 16. Zionistenkongreß eingereichten Weltwahllisten. Bei der Errechnung der auf die WEwahlliste entfallenden Reststimmen werden nur die Länder (Wahlgebretö) berücksichtigt werden, deren Wahlergebnisse bis längstens 16. August bei der Exekutive in London angemeldet warerr. Später erntreff ende Meldungen üb er Wahlergebnrsse bleib en b ei der Berechnung der auf die Weltwahlliste entfallenden Reststiwrn en urr«d Mandate a u ß e r B e t r a ch t. Die Namen der Kandidaten sind nach der Rechenfolge chrer Nummern auf der betreffenden Liste geordnet. Die zuerst genannten Namen kommen fiir Kongreßmandate auf Grund der ReMmmen zunächst in Betracht. WettwahMste der Allgenremen Zionisten. Dr. H. P. Chajes (Wen) , Louis Lipskh (Newyork>» Dr. Schmarja Levin (Tel Awüv'), Leib Jaffe (J«usalem), Harry Sacher (Jerusalem), Dr. Van Vrieslcmd (Scheveningen), Josef Heftmann (Warschau), Ing. Naftalr Landau (Lemberg), Felix RosenbMth (London), Prof. Dr. S. Brodetsky . (Leeds) , Dr. I. Niemirower (Bukarest), Moscheh Kahan (Kowno), Dr. Fritz Eckstein (Tetschen), Joachim Neiger (Tarnow)', Dr. Heinz Herrmann (Erez Israel), Jzchcck L. Goldberg (Erez Israel), Adv. Jean Schrameck (Strasbourg), Dr. Noah Davidfohn (Warschau), Dr. Fffchel Röttenstreich (Lemberg), Dr. Alfred Klee (Berlin), Philip Guedalla (London), Heinrich Schein (Bukarest), De. Lapin (Kowno), Anton Gläser (Prag),Frau S. Pevsitz (Tel Awiw), Ktchanoff (Erez Israel), Jrmathan Thursz (Easablwrea), Samuel Schiyif (Warschau), Sen. Jakob BodÄ (Lemberg), R. A. Max Jaeobsohn (Breslau), Joseph Cowen (London), Dr. Mibashan (Bukarest), Dr. Sakheim (Wilkowsk), Dr. Mialter Pollak (Olmütz), Kalvarisky (Jerusalem), Boris Lubmann (Rffchon), Dr. Werrrer Bloch (London), Jizchak Kcchanow (Warschau), Dr. Anselm Landau (Lemberg), Dr. Meinhold Nuhbamn (Nürnberg), Morris Myer (London), Noel Bring (Bukarest), Dr. Meschulam Wolf (Kowno), Prof. Artur Freud (Prag>, Josef MejüchaS (Jerusalem), Dr. Joseph Klausner (Jerusalem), Dr. Emst Marion (Cluj). Wottwahttiste der MSrÄchi-Orgimrstrtionen. Chief Rabbi Dr. Hertz (London) , Robb. M. «. Ami«! ^(Aniwerpen), Rabb. De Bries .ftHolland). M. De. Grvtz . ,\ f t i

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