Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 9 (1927)
- Issue
- Heft 3042 (19.8.1927)
- Date
- 1927-08-19
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
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Sekte 2 Wien, Wiener Morgenzeitung 19. August 1927 Kr. 3042 Wse Mzykttka gegm des ArMmitisums. >. * -y, Wien. 19. August- DiAE^WNsigMU'dM Antisimittsmus luirö uu;it er- HMmn, Aus Rom nnrb dementiert, nick-t ojftLi.i!, aber doch so, daßman die Haltlosigkeit der Mittt'ilungeu d»s Kaplans Roesel erkennt. Wir iwrru-zu keiner Zsik genÄHt, das Gerüchtt siriös zu behandeln, da die -Herausgaöe einc-k ErMMng djrs Papstes gegen alle TraLAionen der Kurie vrrstoßrn würde. En«. AeußcrnUtz NttveErdWer Mrt scheint allrMngs Gsalleir zu stich deM der MinDnev Pfarrer Hätte cs kaum gewagt, tite GrWmng in so bestimmter :K,rm aWMMgeN. Sie soll in einer Audienz erfolgt'sein, dvedor-Papst den Prvporlcnten der^G-rMschaft der Fremde JsraÄs gewährt hat und in der die WLoH Hffer Meerniguug erörtert tvurden. Sic bchhränktDH^ sicherem^Vcrnehmew.nach auf die röntLsch^kachbllsche «-GWlichLeit-in den lcttrMschen Ländern, nnll indessen auchEm< übDlgerpltzmropa mit^der Tätigkeit beginnen, eine AwvHe-- ' rimg zwischen Juden und Katholiken herbcizusühren. Es-ist' also Mnächst-.tvohl an das religiöse Gebiet gedacht, aber-- dg dieOrganffatton der katholischen >Kirche einen sehr starken poMWMZstchalvbefitzt,-WcS^im Berciche-berEöglichkott, dah dasÄ^perrmcnt über den kvnfesiiomlllen Rahmen hinausgreM' Wte-csin Angriff. gcnomMen^vcrd und wäves verläuft^dÄftinßchlM-atte Archaltspnnkte und-darum ist-die Zusage einer MrzyNka nur eine zu nichts verpfircht-endc Redensart gewesen, vorausgesetzt, daß sic erfolgt ist. Nun. .hat aber Ke aus Rom kommende Mitteilung, .!»«', nne nochmals bciMtt fei, nur privat, keineswegs offiDll^ ist, ernenn inerkwürdige Fassung. Die Veröffentlichung einrr'EtWWa nLkrde,sv Heißt es dort, Ivedcr der Rsheritzen HMung,'deZ^MauslMgenüber dem Judentum^ntsprechen, noch serÄmjetzägen Augenblick ein Anlaß, dazu vorhanden. „Die HcckttMUch^ckatholischen Kirche dem'Judentum gegenüber ist gerechtfertigt durch die allgemeine Toleranz gegen Nrchtchrrstm, aber ein spezieller Schritt in der Fudenfrage oder irgendettw-ähnkiche'Maßnahme Erde nur die Situation zwischenEhrtstcnnnd Juden unangenehm verschärfen, woran niemand ein Jnterefst hat." Das heißt also, daß dersVatikan^Wekch daß-wstine Autorität vergeblich;-ernsetzen wüide, um^denHaß^zu bekämpfen. Das heißt weiter, daß maniu Rom weiß, rvie sehr die antrjüdifchr Bewegung sichp-von ihrermrsprünglichreftgiöseN Basiss entfernt hat und die.Mache rricht imstande ist, eine letzten Endes gegen ihre eigene Herkunft gerichtete Feindschaft abzuschwächen. Ob sie den WAlen Kr einer Mtion besitzt, bleibe uuerörtert. De^NotwenÄMit einer solchen könnte auch «sie sich nÄst entFSchem.dachochsdie neuen Formen der antijüdischeu Agitation auch den KathMhismns angreffen. Das mag aber fügsiWdrm Vatikan Werlasjeu bleiben. Mei'Schuld, die die Kurie am der Ausbreitung dev anti- Seuche trägt, fit aber nicht zu übersehen.. Für Rom Mmnd>Lleibt das Jndcntuml eine mit einem Erbsiuch bÄW^k5-Gm«»nsthast^gen die der Haß immer lebeMg erHaftrn wixd. Der Mische. Konvertit muß eidlich bekrästigor, daßrcrder Religion der Erzväter einen Fußtritt gibt. AltzährW M Ostern wandern auf der ganzen WUt die GWuLigen zu dem..in jeder Kirche errichteten Grab Christi und Hören dort, daß die Juden den Stifter der Religion gekreuMt haben. In so und so vielen katholischen GotteshausernErden angeWch: Opfer des jüdischen! Ritualmordes vevchrt, .und d-ie von dem römischer^ Glauben dem Judentum entlchutrLÄbe äußertsich darin, daß der Katholik täglich für dre MstigcMLosrMgundErleuchtung der Juden beten soll. Er wird-dazu erzogen, den Juden und das Judentum als minderwertige, bestenfalls bedeuernswerte Gmneinschast zu betrachten. Es D eine bis zur Verachtung äbgestnfte Mneiguug, die von der Kirche mit aller Macht ihrer bewundernswert eingerichteten Organisation aufrechterhalten wird. Es versteht sich von selbst, daß dies auch politische Folgen haben mußte und daß der AnttsemitisMus auch wirtschaftlichen, und nationalen Charakter erhielt. Das Anglück, das über die Objekte dieser Bewegung gemacht wurde, kann niemand in Worte fassen und kein Buch reicht aus, um die Schicksale darzustellen, für die diest GeistesriGung im schlimmsten Sinne bestimmend yewordon ist. Bvaq den mittAalierlichen Autodafes bis zu den blutigsten Pogromen, von den Ghettostürmen bis zu den Ueberfällen auf Mische Friedhöfezieht fichLine einMe lLfnie der schwersten Schuld. Sie ist so weit gediehen, dcrßäer Vatikan henk^mne Gegenmaßnahme, selbst wenn-er Mten WUcns--wäre, nicht veriuW».'kann. Ser «Mkifche RuMrus clausus. Sine Debatte Im atnecitanlUOen guMat fit Politik. W i bl»i am s t o w n (Massachusetts), £5. August. W. T. AI Auf der hier abgehaltenen Beratung des arm ez4'ft anis ch eu Institu t s für P o l i t^k, der mehr als 2l)0 Mitglieder des Instituts, zumeist UniversLätsprofessoren sowie Beauftragte cmswärttger Regrerm^en beiwohnten, wurde sehr eingehend übelk den Antisemitismus in Urrgarn Kskutrert. Unter den Anwesenden bemerkte man als Vertreter Englands Sir Arthur Will e rt, als Vertreter Italiens Graf Sforza und als Vertreter Deutschlands Dr. R e i n h o l d. Profeffor Spencer beschäftigte sich in seiner Vorlesung über „Diktatur gegen Demokratie in Europa" sehr eingehend mit der Frage des Antisemitismus in Ungarn. 2hm folgte auf der Nednertvibüne der Wechtovorlvetier der ungariscl-en Legation m Wasüiuat—»ohann Pelenhi, der aue-führte. der Hauptgrund zum Antisemitismus in Ungarn sei erstens die schlechte ökonomische Lage des ungarischen Volkes, welches, gegen denjenigen, der mehr zu essen hat, N c i d c m pfinde t, und Avcitcirs die g r o s; e -Zahl v-om Juden in den bo-I s che v ist i s ch e n Rerhon. Polen Ni kam Mkch auf den iU Ungarn gesetzlich cingcfi'chrten Numerus clausus zu sprechen und zitierte die Genfer Erktärnngeil des ungarischeir Ministerpräsidenetir Grafen V echh l e-rr und des UnterrrchtsministevZ Grafeir Kleb e-lHbewg, daß-der Numerus clmrsuZ abgeschabt werden wird, sobald fich die ökonomischen Bcdrn- .Mpcir des Landes bis zu einem gotvisten PuE ge- ,- 'ÜeMrt Wben lverden. j Durch das Festhalten am Numeros csaus«S»beMe dßo Negvernng di!o Jrldeu vor noch schlimmeren Mngm. -^Der Antisemitismus inUngarn fei -eine Zeiterscheknü-ngZ Mttd tverde mit der«Mtt verschwinden. Z 3K WMWMWMMWk Harzbmg. SHwere MMischr ßmffe. BrcÄJittviU', V8. August. Ueber dre (gestern''tzeMMGiiO' Strahenkratvalle in B ad Harz bu r-g liegen jetzt genauere NachrMen vor, welche die SkrrfMe als einen ausgesprochen ankiMrschen Exzeß erscheinen lassen. Eine Gruppe voir 22 NationalsozialisteU des Gaues H a-n n o-v e r, die sämtlich mit einer Hakenkreuz - binde geschmückt waren, zog, von Wolfenbüttel kommend, unter Führung ihres GauvorstandcS.E i ch h o r n unter dein dlbsingen antisemitischer Lieder in Harzburg ein. Sie versuchten, an die Passmltc» Flugblätter zu verteilen und gingen gegen diese, als die Annahme verweigert wurde, sofort tätlich Vor. MaumäAs wurden jübifchc Einwohner urrd Kurgäste des Bades überWlen MV mißhandelt. Bor bcm Kaufhaus ve^uchten die Rvwdies eine Beri famKlirug auf offener Straße nvzuhalten und ludcir 1A PaWtteu ein, eine Ansprache ihres Gauführcrs Manzuhören. Sie fanden aber weder bei dm Kurgästm noch bei den Einwohnern der Stadt Zuhörer, mW alS sich der Kaufmann Salomon die Znfammmrottung vor feinem Geschäft energisch verbat, fielen sie Wer ihn her und mWandettm ihn schwer. HL8e ScharchMstttscheibm seims GaschSstshauses wurden SKQ7rtt'rBan-m a^rtt. Ms die Polizei auf der Mldfläche erftchrvn, n<vh-me*i bi-e R-uhastörar sofort Reitz- Mms, und erst nach längerer Jagd geldng es, den Gau- ^sichrer und vier seiner Mitschuldigen festzunehmen. Die PvVzMerwMAg des Bades hat im Verein mA sfcetn 5^nVjSgerpostm MaßckaihM^en getroffen, damit sNh derartigc Verfalle, die sowohl in den Kreisen der Kuv» . gaste wie auch bei der ESnwohnerschaft größte ErveKwhervorgerusen haben, nicht wiederholen können. A Sad M MlfchM Pralenvemm. Sie Letter des syrM'dMkaeM^» Mmtttee». Der Jerusalemer M.^Korvespondent der ,ßle ich s-p oft" seichet seinem Blatt die folgende EhiarakterrM der Emire Lutfallah, die ficy :m »orderen Orient mn irgendein Thvönchen bewerben. Bon Interesse ist ,m dieser Darstellung der Hinweis auf ihre Junktim! im syvksch-palästinensischen Komitee. Man aräehi daraus, w-e beschaffen die Personen sind, die da vorgeben, daS arabösche Bott 'gegen trie MachtgelMe der Zionisten zu verteidiigen. Daß diese Prätendenten auch gemeinsam mit Herrn Borlassina opevrerten, ist eine Pckcm-tevie, die allerdings in der ^llerchSpost" rächt nMgeteÄt wird. Die Erklärung des französischen Oüerkommissärs in Beirut, M. Pouso-t, in der Frankreich den Mlkevn von Syrien und Libanon das Recht, ihre Staatsform und ihre Verfassungen selbst cmszuarbeiten, zuerkemrt, hat sogleich das syrische Hcmptdrlemma „RepubW oder Monarchie" cmfleben lassen. Es beginnen von neuem die verschiedenen Prätendent«! auf den, eventuellen. Thron Syriens . ihre .Propaganda. Unter diesen Bewerbern mn die Knigliche Macht in Damaskus stehen heute in erster Reihe die Emire Lutfallah. Es fit interessant, ihre Geschichte kennen, zu lernen^ Sie tvare paffend für «inen Operetten st off. Der Vater Lutfallah, Halbi'b, stammte aus einer armen syrischen-Familie. In Aegypten sammelte.«: u n ermeßliche Glücksgüter, die er bei seinem Tode drei Söhnen hinterließ. Diese gedachten sofort, sich eine Stellung in der Politik zu machen und so traten die drei „neuen Neichen" in die Nattonalparter des ägyptischen „Wafd" ein. Doch, als dche englische m-rli't'aris-che Behö.-r^c - sich deutlich gegen Äe^-Wafd^BeweMM erkMic, chrelstm die drei es für sicherer, den ägyptffchen Nationalismus zu verlaffen und den Schauplatz ihrer Tätigkeit auf die arabische Halbinsel zu verlogen. Sie konnten um einen hohen Preis von Hussein, dem damaligen Sheriff in.Mekka, >den Emirtite'l erwerben. Das war ober alles. Darauf begannen die drei jungen Emire sich mit den politischen Streitigkeiten Syriens zu befassen. Der 'Äsnvs^sternch >d«e>r D r use n bot ihnen gute Gelpgenhett. Mit ihren Hilfsgeldern wurden sie sosort dre-wrrkMhen und einzigen Leiter des berühmten syrrfch-pakästmensischen Ausschusses in Kairo, der die Aufstandsbeweguug im Hauran unterstützte. Aber als die Erhebung der Drusen medergeworfen Umrdch, wechselten die Emire Lutfallah abermals rhve Stcklung. S8 wurden Freunde Frankreichs, und der Erstgeborene, Michael, reiste schon vor einigen Monaten nach Paris, um dort seine Sache' als PrNendent für -den syrischen Thwn zu führen. Da er stark kwEp-ub-m-Ld--» t-iert ist, wird jetzt wieder sein Bruder Geopg-a^ Kay-, didat vorgeschoben. Die Emire Lutfallah sind Gtt<Wfch-Orchvboxe,'Äbeu'He haben sich verött erklärt, Mohammedaner zu werden, wenn dies nötig fei, um den Thron, von DamaAuS -» besteigen. Allenfalls feieu sie auch mit einem.^ Fürstewtmn von Libanon, das man für sie erschaffen Mir, zusri^en. Auch der Orient hat seine Menteuer. MmNal-Etven es romantische Räuberhäuptlmge, heute -{M>. es Spekulanten. Mtofek aus DlSöMwMk «Wgewiesen. WMMMvWche Matzmchmen. G ua.z, 18. August. Die „Tagespost" meldet aus Belgrad : Die Belgrader Polizei hat auf .indirektem Wege den HräD>enten der TschechchbMxckischen Aga gegen den weißen Terror, Dr. B axiotfurt, der schon mehrere Tage in Bugrad weilte und wegen des verhafteten Kommunisten Vuse>v ic intervenierte, ams-g>ewi-e.ßsrn. Dr-. Bar-. tosek wollte einen Vortrag haften, der -jedochvon der Polizei verboten wurde. Bartoseks Ausweisung erfolgte, weil er -sichw die inneren Angelegenheiten Jugoslawiens emgemvngt habe. Er ist gestem abends aus Belgrad Lvgereist. Heber die Affäre D u jeb i c veröffentlicht die Poliger ein Cormmmicstle, worin es heißt, daß VLyevrc eurer der Hauptfuhrer der Kommunisten Jugoslawiens sei. Er habe direkte Verbindungen mit Moskau mrterhatten und fei mit der Moskauer Regierung und der Kommunfftifchen Partei Moskausm Korrespondenz Emden. Jugoslawien habe er Wogake komrmmLstffche Organi- ''strkkonen iws Leben gerußM. In K asr^ftst-a-d-t hat die Polizei gestern' und heute 'to&e&«4)e>e K-»M'Mavnmshe n, die. emw'WWfte-AWWdn, bÄrrdben.haben, ÖIjMtvIWJItfllfqwWlf Aus B urLch-r-eksf wird gemeldet: Nm b>e^«Mem^ n-i g t e r Zug wLr-'ch K-o n sba n z^r ist im BcchrHaf von Fm n d u l e a mtt Mem P«echr o l e u m z-ng.zusamMengestoßen, wobei eine Mrson den Tod fand und zehn andere vepletztickourden. Aue BestechmlgsbeschukUgum gegen Korfanth. Ser Aövosittlmsftmvs der deutsSeu Schwsrndustrle. W a-uschj mn, 18. August. Lebhaftes Aufsehen erregen in PplrrW-Oberschlesicn die Errthülluiugien dtzs BlrüW „PoMa 'Zachjodycka^ über die finanziellen BeziehuugM des Abgeordneten Kv>rchawtch zur deuLWen Schwerindustrie tzr ObevWPeu. Das Matt behauptet unter anderem, daß Korfanty vor-kurzem vom Berg-- arnd> Hüttenverein ans dem DiSpichüiVNLfonds dieses Beveineis' auf sein sogenanntess Conto separabo-denBxtrag Jwpx; LMWonen lWoty zur Sud" velMmvLrmrg seirwr'Watter-erhatten Hab«. Die UeberfchreibuinU bes> Betrages folgte unter dem Vorwärts, daß AbgömLUewr MHauch M4en BerguNLi HÜtteuvereirr Aktien der pckrDhiM Druckerei in Kaftowitz, in der das Blatt ,WoblmLa" godrn'ckt wird, angekauft habe. „Pjolska Za- Hodn^ behauptet ferner, daß Kochmty aM simsti von den deuLWen GroWnLustvieften größere Beträge erhallen habe. Äarfanty hat in allen natwnattstMen und a n ti s emMMheMi ,Mionen in jObeMlMyeine<füh»ende Rolle 'MM. , ' Ser Mgarssche Metallarbetterftrett. Sie Berhruidlungeu vor dm SSettem. Varda.pe.st, 18. Augstst. Nach stundenlangen Ver- HanWvUgm zwffchm den Vertretern der Arbettarfchast und der ArMgebev m der EisermLststris wurden hüute abends He VerhaMnngen im VottsMWsWMnttvstxtimn fortgesetzt. lehnten den Antrag dqr Wbeitgeber^ bjew skch^cmf die am niedrigsten entlohnten Ar- Merkdteyavüm beKeht, abnyld erklär;», daß sie cm ihvvr k'^FvrdcrmVEM-a^^ HMÜ«.