Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 9 (1927)
- Issue
- Heft 3041 (18.8.1927)
- Date
- 1927-08-18
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 6 Wien, Donnerstag Wiener Morgenzettnng rs. Äirgüst!92'7 m:mst L JÜDISCHES IEBEM m Sie Wahle« rum 18. zioniftenkongreß Die I. T. A. teilt Ln« folgend«« Resultate der Wahlen mit: In Al tru Manien erhielt das Zion'stische Zentrum t560 Stimmen und 3 Mandate (Adolf Bernard, Dr. Nienl'rower, Horka Karp), die Radikalle Gruppe Renasteroa erhielt 954 Stimnirn und 2 Mandate (Dr. M. Singer, Dr. S. Stern), die Revisionisten erhielten 536 Stimmen und 1 Mandat (W. Iabotinfly), H i t a ch d n t h erhielt 518 Stimmen und 1 Mandat (I. Skwirski). In Litauen wurden 3792 gültige Stimmen aögc^ben. Davon entfielen auf die Liste der Allgemeinen Zionisten 1068, auf die der Hitachdnth 860, auf die der Zionlften-Sozialisten (vereinigt mrt Poale Zion) 800, auf die des Mismchi 601, auf die der Revisionisten 454. Stimmen. Allgemeine Zionisten, Hitachdu-th, Ziomsten-Soz-alisten und Msrachi erhielten fc ein Mandat, die Revisionisten keines. In Lettland wurden ein Revisionist und ein Vertreter der Jene iZ'on-Hitachduth gewählt: Der Revisionist erhielt die Mehrheit aller abgeg^enen Stimmen. Der Verband Poale Zion zählt bisher 15-gewähre Delegiert«, darunter 10 aus Palästina. Besinn der Vorarbeiten an Rutenbergs großem Jordan-Stauwerk. Nach einer Meldung der I. T. A. vom 14. August aus Jerusalem, haben die Vorarbe-ten für das große I o r da n- Stauwerk der Palestine Electric Corporation bereits begonnen. 66 Arbeiter sind gegenwärtig bei diesem Werk "«schästigt. Rutenberg spmch die Hoffnung aus, daß am Jordanier! gegen Ende dieses Jahres etwa 1000 b' s 15 00 Arbeiter beschäftigt sein werden. Koasereuz der Wischen Studentenschaft in England. Der Verband der jüdischen Studentenschaft der britischen Universitäten, der der Weltunion jüdischer Studenten angogliedei? ist, hielt in B a n g o r in Verbindung mit der Eröffnung der Sommerschule des Verbandes eine Beratung ab und gab zu Ehren des awvesenden Ehrenvorsitzenden, Sir 'Robert Waley Cohen, ein Diner, dem auch der Bürgermeister von Bangvr, Major John Roberts, beiwohnte. Den Vorsitz ftchrte Jacques Cohen. Der Hauptredner, H. Dagut, sagte, eines der Ziele des Verbandes - sei es, der 'Abkehr so vieler gebildeter junger Leute von der Treue zum Judentum Einhalt zu tun. Sir Robert Waley Cohen sprach über die Notwendigkeit, dem Lande Palästina in der schweren Zeit, die es jetzt durchmacht, zu Hilfe zu kommen. Das Ziel fei nicht in wenigen Jahren zu erreichen, aber der endliche Erfolg sei gewiß. Irr van der UaiversitStLbibliothek in Fernsniem. Aus Jerusalem meldet I. T. A.: Nach längerer Unterbrechung wurden in der letzten Juliwoche die Bauarbeiten an der Errichtung des Gebäudes für ine Hebräische Universitäts¬ und NätionalbiWothek und für die pHystlalsch-mathematische Fakultät wieder ausgenommen. Bei den Schachtarbeiten für die Regung der Fundamente der beiden genannten Gebäude ft mb lwa 70 Arbeiter beschäftigt. Sie Zukunft von Asuleh Wie aus Jerusalem berichtet wird, fand in Nfu- -eh am 14. Juli eine Beratung von Fachleuten statt, in welcher die ' Zukunft der Stadt festgelegt werden sollte. Es handelte fich darum, den bevorstehenden Zisnistenkongreß zu veranlassen, die RettttNg der »Stadt Asuleh /durch einen eigenen Beschluß zu sichren. Don deir 178 jüdischen Familien in dieser Stadt erklärten sich 63 bereit, sich ausschließlich der Landwirtschaft zu wünnen und ein £TeiI hat die Umschichtung bereits vorgeiwnnnen. Sie sind im Besitze eigener' Hauser oder Baracken und Bauplätze und auch sonstigen Inventars. Sie haben sich organisiert und fordern nun, haß der Nationalfonds ihnen landwirtschaftlichen Boden zur Verfügung stelle. Sie sind bereit, einen Teil her Kosten aus eigenen Mitteln zu decken. Die übrigen jüdischen Familien hingegen vertreten den Standpunkt, daß Asuleh zum Handelszentrum der umliegenden 18 arabischen Dörfer ausgeflaltet werde. Sie führen hierfür die Tatsache an, daß die Mühlen und die Eisfabrik sich bereits pin regelmäßiges Absatzgebiet geschaffen haben und daß Asuleh allmählich ein Zentrum des Getreidehandels geworden ist. Im abgelaufenen Jahre war Asuleh nächst Haifa das größte Zentrum dieser Art. Zum Schlüsse kam Man darin überein, Mährend des Kongresses eine Konferenz der an der Entwicklung von Asiüch interessierten Kongreßdelegierien <chzuhalten. Promotionsseler i« Lei Awiw. Aus Tel Awiw meldet die I. T. A.: Der stellvertretende Oberkommissär Colonel Symes wohnte der Promotionsfeier des Gymnasiums 'zu Tel Alviw bei und verteilte Diplome unter den Promovierten. In seiner Ansprache rühmte er das jüdische Erziehungs- «ert M Palästina und sagte, nur Geldmangel hindere die Negierung, ihren Beitrag für dieses Werk zu erhöben. Wichtige archöc' Mche Entdeckungen bei Lei Awiw. Bei Ausgrabungen am Napoleonsbarg in 8er Nähe von Tel Awiw wurden Reste einer alten Stadtmauer und eines Tores sowie uralte Gesäße, die aus verschiedenen Perioden stammen, einige sogar aus der Zeit Abrahams, entdeckt. (Der Napoleonsberg wurde vor kurzem von I. L. Goldberg in Tel Mviw Drecks archäologischer Forschung von der Regierung erworben. Seinen Namen hat der:Berg aus dem Jahre 1799, da er den napoloontschen Truppen in Palästina als Feldlager diente.) Sie Sebirgsiuden i« Saghefta«. Aus Moskau berichtet die I T. M.: Herr S. O st r o iviscki, der vom Zentralexeckntivkomitee mit der Erforschung der Lage der Gebirgsjuden in der Sowjetrepublik Daghio» sta-n betraut worden war, veröffentlicht im russischijüdifchm Journal „Tribuna" das. Ergebnis seiner an Ort und Stelle gemachten Beobachtungen. Man erfährt aus seinem Bericht, daß Juden feil1 unvordenklichen Zeiten in Daghestan leben. Sie zählten vor der Revolution etwa 15.000 Seelen; die Mehrzahl besthäftigte sich mit Landwirtschaft, Weingävtnerei und Viehzucht, etwa 30 Prozent waren im Handwerk und im Handel tätig. Ihre wirtschaftliche Lage war ziemlich «stabil. Der auf den Weltkrieg folgende Bürgerkrieg hat aber den Wohlstand der jüdisch«! Bevölkerung in Daghestan vollkommen vernichtet. Im Kriege haben Teile der türkischen Armee in Daghestan umfangreiche Zerstörungen jangerichtet und es dabei besonders auf die jüdische Bevölkerung ajbgesehen. In der Zeit des Bürgerkrieges beherrschten die Banden des Generals Denikin die kaukasischen Lander, sie raubte.n die gesamte jüdische Bevölkerung aus an& dezimierten sie durch unbarmherzige Massakers. Die Juden flüchteten vom Lande in die Großstädte, um ihr nacktes Leben zu retten. Diese Flüchtlinge blieben zum »großen Teil in den Städten, da ihre früheren Heime in einem Zustand volllvmmener .Verwüstung waren. Nur wenige hundert Familien kehrten auf ihrer^ Boden wieder zurück, haben aber bis heute materiell sehr schwer zu kanrpfen. Es fehlen ihnen Kapital, Inventar und alles Notwendige zu einer gesunden Landbewirtschaflung. Unsagbar schlecht sind die Wohnung sverhältniss«. Sie müssen nichtsdeftotoemger hohe Stauern zahlen. Gegenwärtig gibt es unter den Gebirgsjuden von Daghestan 494 Arbeiter und Angestellte, die den Gewerkschaften angehören.. Nur sehr wenige Von ihnen sind in Regierungsämtern und. in dar Staatsindustrvo tätig. 274 von ihnen sind Kauflente. Der Kulturssand der Gebirgsjuden von Daghestan ist ein außergewähnlich tiefer. In der großen Mehrzahl verstehen sie nur ihre eigene Sprache, von - der keinerlei Literatur besteht. Das jüdische Viertel der Hauptstadt, wo 2000 Gebirgsjuden wohnen, ist zum Teil nach Art von Katakomben angelegt und macht auf alle Beschauer einen iriederdrückenden Eindruck. In Verfolg der vom Zentralexekutivkoiniter angeordneten Erforschung der Lage der Gebirgsjuden haben die Regierung der Republik Daghestan und die Zentralregierung eine Reihe Maßnahmen zur Verbesserung der ökonomischen, kulturellen und rechtlichen Verhältnisse der Gebirgsjuden von Daghestan ergriffen. Es wurde Staatsboden unter 500 Familien der Gebirgsjuden verteilt, von denen mehr als 300 den ihnen zugetoilten Boden bereits bebauen. Die Weingärtner und iHeimarberter erhalten eine gewisse Förderung. Doch reicht das alles nicht aus, um die Trümmer der Judenschaft von Daghestan, die einst in Wohlstand lebte, auch nur zum Teil wieder auftjurichten; hier tut eine umfangreiche soziale Aktion der jüdischen Verbände not. | Set Mtualmord Mödfin». In der Sommerfrische P o l e m i c in der nächsten Nähe von Warschau kam es im Zusammenhang mit einem Ritualmordgerücht zu einem Tumult, der gefährliche Formen hätte annehmen können. Das zweijährige Söhnchen des Villenbesitzers Marelewski war plötzlich verschwunden. Die Eltern des Kindes behaupteten, das Kind wäre von ihrem jüdischen Nachbarn, Leiser Nanezko, dem Sohne des Rabbiners von Polemik, gestohlen und vielleicht schon zu Rilualzwecken getötet worden. Die christliche Einwohnerschaft des Ortes, die den sogenannten gebildetenKrersen angehört, versammelte sich und beschloß, nach der Rede eines wütenden Agitators, gegen die Judenschaft des Ortes vorzugehen und sie zur Herausgabe des lebenden oder toten Kindes zu zwingen. Man veranstaltete Haussuchungen und Grabungen in den Villen und Gärten der jüdischen Einwohner, und fast wäre es schon zu tätlichen Angriffen gekommen, als im letzten Augenblick ein entfernt wohnender Villenbesttzer das Kind zurückbrachte, das sich -iS zu ihm verirrt hatte. Ser 42. Friedhof zerstört. Das .Kölner Jüdische Wochenblatt" meldet aus Essen, daß auf dem dortigen alten jüdischen Friedhof von bisher unbekannten Tätern eine unglaubliche Verwüstung angerichtet worden ist. Grabsteine sind nmgeworseu und Umfriedungen zerstört worden. Die jüdische Gemeinde hat eine Belohnung von 500 Mark für die Ergreifung der Täter ausgesetzt. Es 'st dies seit 2lA Jahren die 42, Friedhofsschändung «i-n Deutschland. Eine Misch-wiffenschaftliche Gesellschaft in Rumänien. AuS Bukarest wird uns geschrieben: Rach längeren Vorbereitungen wurde in den letzten Tagen auf Initiative des Senators Oberrabbincr Dr. Niemirower und Dr. M. A. Ha levy nach dem Muster der Deutschen Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft des Judentums ebne jüdisch-wissenschaftlich.' Gesellschaft in Rumänien ins Leben gerufen. Die Gesellschaft stellt sich zur Aufgabe, durch Vorträge und Herausgabe von einschlägigen Werleu die Pflege der jüdischen Archäologie, Philo fophie, Sprachwissenschaft, Geschichte und Bibliographie zu pflegen. Besonderes Gewicht wird die Gesellschaft auf das Studium der Geschichte und Folklore der Juden in Rumänien legen. Die Ausgaben der Gesellschaft werden in hebräischer und rumänischer Sprache erscheinen. In der vor kurzem nbgehaltenen konstituierenden. Sitzung Wirbelt gewählt: Zum Präsidenten Senator Obcrrabbiner Doktor Niemirower, Bukarest, zu Vizepräsidririen Redakteur Dr. M. Schwarz und der ehemalige Senator Karl Klüger, zum Generalsekretär wurde Dr. M. M. Hakevy bestellt. Der Gesellschaft haben sich auch viele jüdische Gelehrte aus den neurumäniM» Gebieten angeschlossen. , Sie «öchfte« Aufgaben der „Hins" in Kuropa. Ueber die nächsten Pläne der amerikanisch-jüdischen Einwanderungshilfsgesellschaft „Hias" in Europa wird uns anläßlich der Europareise des Präsidenten Abraham H e r m a n n vom New Aorker Zentralbureau unter anderem berichtet: Es wird zu den wichtigsten Arbeiten des Präsidenten Hermann gehören, in den europäischen Auswanderungsländern das für die Fortsetzung der Arbeit der „Hias" in Amerika und Europa wichtige Material zu sammeln. Es gibt noch einzelne Länder, in welche jüdische Einwanderer dirigiert werden können, doch ist es Pflicht der jüdischen Auswanderungsorganisatianen, diese Wanderung entsprechend den Bedürfnissen der Einwänderungsländer und der gewerblichen Berufe der Auswanderer zu regulieren. Es handelt sich unl Tausende von jüdischen Auswanderern, die nicht ihrem eigenen Schicksal oder den Ausbeutungen von Auswanderungsagenten überlassen bleiben dürfen. Die „Hias" wird daher in allen in Betracht komnienden Hafenstädten jüdische Wanderer hei me errichten und in den Einwanderungsländern durch die dortigen verantwortlichen Komitees für sofortige Arbeit für die Einwanderer zu sorgen haben. Die ganze Aktion muß auf den Gedanken der fruchtbaren positiven Arbeit ausgebaut werden und jede unftuchtüare Philanthropie von vornherein ausschlicßen. Aus diesem Grunde werden in den in Betracht kommenden Auswanderungsländern bestimmte sprachliche und gewerbliche Vorbereitungskurse für Auswanderer ins Loben gerufen werden. Ar. Wilhelm. (3ei$el ADVOKAT IN HAIFA, PALÄSTINA (früher Rechtsanwalt in Wien, I., Helfersdorferstr. 5) hat sich in Haifa als Advokat niedergelassen Jf«fresse; Maifes, (fatOstina. &.€.£%. *3* Bühne und Kunst. „Re darf keine« Sohn haben." Kammerspiole. Es war gestern schon recht angenehm kühl, Ass gutes Wetter für den Besuch, schlechtes für >d''e Beurteilung einer SommerpvemiVve. Kräftiger Wind nach erfrischendem Regen blies mit den Hundstagen die Matbig-keit aus dem Hirn, was für Robert Blums Ge- und iBerarbeitung eines Lou-'s B er nie ul abträglich ist. Man me-rkt es zu stark, daß der gewisse Pariser Lnstspivlwirbel trotz aller Anstrengung nicht wirbeln will, sondern recht mühsam vorwärtskeucht und auf die Nadelstiche Glumschen Zeit- und Lockalwitzes-absollu-t Nicht reagiert. Willig und dankbar gibt sich das Zwerchfell dem winMbeu Anlaß hin — man lacht aus Wohlerzogercheit. Pobdi Müller spcolt eine leibenslusdige Diva, die — so etwas war in der Lustspiel- und Komödien-Literatnr noch nicht da — einen heivatssähigen Sohn >hat. Sie steht fabelhast gut erhalten aus, ist sehr aufgeräumt, aber, Verzeihung, em wenig matt setzt sie ihre Pointen. Das junge Fräullein Hertha Pauli gibt ein Mädel von honte imb ist recht laut und spielfreudig. Wir wollen hoffen, daß mit der Zeit auch ihr Spiel Freude macht. Zwei ausgezeichnete Lustfpielfiguren, überragend das Stück, das Ensemble, die Regie: der windig«, scheinheilige Rone des Herrn Lackner und Peter Lorres grotesker, insbesondere rvas die Maske anlangt, ganz ausgezeichneter Schmarotzer. Es gibt auch ein Zwischenspiel, wobei die HauPtEeuve vorn Parterre und den Logen aus Herrn Blum, der nicht nur Regisserlr ^des Abends ist, sondern auch vor dem B-orhmlg einen Regisseur spielt, das Stichwort bringen. Uird außerdem hat er den neuen, doppelrsihigen Smoking zu kreieren. Am Theaterzettel steht: Dvr SmMng deS Herrn Robert ©Hunt (er ist Schriftsteller, Dramatiker, Theaterfachmann und hat seine Mer'.te j) stammi von dieser und dieser Firma. Schwere Zeiten! * -O. A, An« den Lheater«. Deutsches B o >l k s t h e a t e r. Fre'taa sinket hk Nahmen des von Haus Kuhnert geleiteten Berliner Gastspieles mit Mix Ada l bc r t die Erstaufführung des Lustspieles „K l u bleute" von Fritz Friedmann-Frederich statt.