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Wiener Morgenzeitung · 1927-08-16 · Heft 3039 (16.8.1927) · p. Seite 3

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
9 (1927)
Issue
Heft 3039 (16.8.1927)
Date
1927-08-16
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Nr. 3039 Wiener Morgenzeitung 16. August 1937 Seite 3 Wien, Dienstag einen glatten Verlauf zu sichern, wird es nötig sein, die parlamentarischen Formen, die sich in den früheren Kongressen herausgebildet haben und die in der Geschäftsordnung niedergelegt sind, streng einzuhalten. Die Zeit deS Kongresses soll so eingeteilt werden, daß die Redner aller Parteien zu Worte lommen können, woraus es sich naturgemäß ergibt, daß sämtliche Beteiligten sich in bezug auf die Redezeit eine gewisse Beschränkung werden auferlegen müssen. Zur Vermeidung von zeitraubenden Geschäftsordnungsdcbatten soll die Entscheidung von formellen Fragen im Sinne der Geschäftsordnung dem Präsidium überlassen werden. Einem während des letzten Kongresses vorgebrachten Antrag folgend, soll die Zcchl der Mitglieder der Kommissionen in gewissen Grenzen gehalten werden, um auf diese Weise die Leistungsfähigkeit der Kommissionen zu vergrößern. Den einzelnen Ausschi'lssen sollen ' Fristen vorgeschriebe,: fein, innerhalb deren sie mit der Arbeit fertig werden müssen. Die Exekutive hofft, daß durch eine verständnisvolle Zusammenarbeit des Kongreßpräsidiums, der Kongreßdelegierten und der Parteien dem 16. Kongreß in jeder Beziehung ein gelungener und würdiger Verlauf gesichert werden wird. Verleg««« der Büros der kxelutive «ach Basel. Die Bureaus der Exekutive werden mit dem 22. August 1027 für die Zeit der Kongreßdauer nach Basel verlegt. Alle Briefe und sonstigen Sendungen, die die Exekutive noch vor dem 22. d. M. erreichen können, sind an die gewöhnliche Adresse: 77, Great Russell Street, London, W. C. 1 (Telegrammadresse: Zioniburo, London) zu schicken. Dagegen sind, alle späteren Sendungen an die Exekutive der Zionistischen Organisation, Mustermesse, Basel, Schweiz, zu senden. Die Telegrammadresse für Basel lautet: Congrezion, Basel. Die Wahle« r«m Kongreß. Bei den Wahlen in Deutschland erhielten das liicke Zentrum 2313 Stimmen (4 Mairdate), die Misrachi 2076 (4 Mandate), die Poale Zion 1640 (3 Mandate) und die Radikalen 466 Stimmen (1 Mandat). Auf die Liste der Revisionisten entfielen 302 Stimmen, mithin kein Mandat. Wir - ersucht, richtigzustellen, daß in Westgalizien u. . esien sechs Delegierte auf die Liste der Allgemeinen Zionistenri■ (nicht- - wie mitgeteilt, des linken Zentrums) gewählt wurden. Das Resultat der in England durchgeführten Wahlen zum 16. Zionistenkongreß ist folgcnoes: Gewählt wurden zwei Misrachisten und sechs Allgemeinem Zionisten, von denen zwei auf einer besonderen Liste der „Progressiven" standen. 8v Misrachisten aus dem Kongreß. Das Jerusalemer Zentralvurc.au des Welt-Misrachi teilt mit, daß laut den Nachrichten über die Wahlresultate in den verschiedenen Ländern der Welt-Misrachi auf dem 16. Zionistenkongretz durch ru.:d6(> Delegierte vertreten sein wird. Am 23. August, -me Woche vor Eröffnung des Kongresses, wird der Welt-Misrachi eine Konferenz abhalten, um seine Stellung zu de n Ko n g re'°'' e 0 l emenzu fixieren. Lord Pl«mer. Jerusalem, 14. August., (I. T. A.) Der Oberkommissär für Palästina, Feldmarschall Lord P l u m e r, ist am 11. August mit Gemahlin wieder in Palästina eingetroffen. Da das Regierungsgebäude durch das Erdbeben unbewohnbar geworden ist, nahmen sie ihren vorläufigen Wohnsitz im St. John-Hospiz. Sie Paliiftlna ßxperteu Professor Elwoöd M e a d, der Sachverständige der amerikanischen Negierung für Bodenerschließung, und Professor Jacob G. L i p m a n, der Rektor der landwirtschaftlichen Hochschule am Rutgers College, beide Mitglieder der Expertenkommission der Jewish Agency, sind auf der Reise nach Palästina in L o n d o n eingetroffen. Die Zionistische Organisation gab ihnen zu Ehren einen Lunch, bei dem Dr. Eder den Vorsitz führte. Professor Mead führte in seiner Ansprache aus, die Sachverständigen werden sich nicht durch etwaige momentane Mißerfolge entmutigen lassen, da gegenwärtig in der ganzen Welt die Lage der Landwirtschaft ungünstig sei. Professor Lipman sprach ebenfalls von den Schwierigkeiten, die der Landwirtschaft auf der Suche nach neuen Märkten entgegenstehen. Beide Sachverständigen sagten übereinstimmend, sie ivüßten, daß sie in Palästina einem schweren und komplizierten Problem gegenüberstehen werden, da sie sich dort nicht allein mit den landwirtschaftlichen Tatsachen, sondern auch mit der Verschiedenheit der volklichen Mentalität zu befassen haben werden. Ihre Beobachtungen werden erschöpfend sein müssen, damit sie in dem späteren Bericht in aller Aufrichtigkeit ihre Schlüsse sollen ziehen können. Das amerikanische Mitglied der Jewish Agency-Kommission, Dr. Lee K. Frankel, der soeben Palästina besucht hat, ist in Berlin eingetvoffen, um mit Direktor Oskar Wassermann, der gleichfalls der genannten Kommission angehört, Beratungen zu pflegen. Sie jüdische Rscht»sch«tzko«ferenr. Richter Mack kommt nicht nach Zürich. Zürich, 15. August. Wie aus Newyork telegraphiert wird, ist Richter Julian W. Mack, der als Leiter der R e ch t s s ch u tz k o n f e r e n z in Zürich in Aussicht genom- ' nten war, wegen seiner .richterlichen .Pflichten verbinde r t, zu kommen. , Schwere antisemitische Ausschreitungen in der Bukowina. C z e r n o w i tz, 14. August. (I. T. A.) In den: Eisenbahnzuge, der zwischen den 'Kurorten Dorna Und Jakobeny verkehrt, überfielen H'akenkreuzler jüdische Reisende und mißhandelten sie schwer. Einige der Mißhandelten mußten in schwerverletztem 'Zusiarrde in das Krankenhaus überführt werden. In den: Kurort.Do rnck selbst haben 30 hier in einem . Heime untergebrachte Studenten aüs AltrüMänien die jüdischen Kurgäste einige Tage 'hirckurch terrorisiert. Mehrere verletzte Kurgäste mußten ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen. | Für Sport und Reise I \ Das neue Trikot-Jumperkleid! ■ im Spezlalhaus für Strickmoden 8 i M. HOLZER j 8 VI., Mariahilferatrafle Nr. 80 (neben Flottenkino) 8 ■ II., Taborstrafie Nr. 18 (Hotel National) ■ 8 Karlsbad, Alte Wiese i aBiiBiiiiBiiaiiiiiifliiiiiiiiiiiiiiiBii Kowerlm nicht mißhandelt. Eine zu antisemitischen Zwecken erfm:dette Lüge. Warschau, 14. August. (I. D. A.) Polnische Zeitungen brachten vor kurzem die Meldung, ein jüdischer Kommunist hätte im Gefängnishof zu Graudenz den Mörder des Sowjetgesandten Wvjkvw, Kowerda, überfallen und mit einem Eisenstabe schwer verletzt. Wie der Wilnaer I. T. A.-Vertreter erfährt, ist an der ganzen Meldung kein wahres Wort; das Gerücht wuü« von den Eltern Kowerdas zu jickenhetzevischen Zwecke» ausgestreut. Die chinesischen Nationalisten geschlagen. MangkaWek auf Der Flucht. London, 16. August. „Daily Mail" berichtet aus Schanghai, daß Tschangkaischek sich nach einem Verlust von 30.000 Mann irr voller Flucht befinde. Ans Nanking werden große Brände gemeldet. In einem Rundtelegramm „An das chinefischv Volk", worin Tschangkaischek feinen Rücktritt/vom Posten des Generalissimus des nationalistischen Heeres mitteilt, erklärt er, infolge seines physischen und, geistigen Zusammenbruches die aktive Verbindung mit der nationalistischen Revolution zu lösen. Er trete von allen seinen Posten zurück, werde jedoch auch weiterhin loyal die Partei als einfache/ Mitglied unterstützen. eine lommunlstlsche Bauenierhebung. Pari s, 16. August. (Tel.-Komp.) Einer Meldung aus Schanghai zufolge haben sich in der Gegend von Nantschang die rewolnttonären Bauern erhoben und marschieren, 20.000 Man stark, unter Führung von K o vn* munisten gegen den Osten der Provinz Kwantul^. Ser Fndiaueravsftlmd in Soliuien. L o n d o n, 16. August. Daily Mail?" berichtet auS Buenos Aires: Die letzten Meldungen aus La Pag, der Hauptstadt Boliviens, besagen, daß der Aufstand der Indianer und der eingeborenen und ausländischen kommunistischen Führer äußerst ernft' sei. 2 0 0.000 gut bewaffnete Aufständische halten jetzt die Eisenbahnlinien besetzt. Die Regierung gebe den Ernst der Lage zu. Die Weißen Ansiedler bitten um Hilfe. Hauptmann Weiß io Kasan ««gekommen. Paris, 15. August. Der französische Flieger hauwtmann Weiß ist auf feinem Rundflug nach Osteuropa in Kasanam Kaspischen Meer angekommen. Aus der Geschichte der drei Südengemeinden in Bafel. Von Dr. Theodor Nordnurnn, Basel. Anläßlich des kommenden Zionistenkvngresses werden die folgenden Ausführungen des Baseler Historikers gorviß allgemeines Interesse finden. Basel, die historische Geburtsstätte der Zionistischen Bewegung, in dessen Mauern vor nunmehr 30 Jahren die Judenheit der ganzen Welt zum ersten Male nach 1800jährigem Galuth sich wieder ihrer nationalen Zusammengehörigkeit und ihrer persönlichen Würde bewußt getvorden ist, hat schon verhältnismäßig früh eine jüdische Siedlung besessen. Tie allerersten Spuren gehen ins zwölfte Jahrhundert zurück, in eine Zeit, da die Juden Mttel- und Westdeutschlands den blutigen Verfolgungen einer sanatisierten Menge durch Auswandenmg zu entfliehen suchten und sich unter anderem auch den oberrheinischen Gegenden zuwandten. Die Geschichte der Stadt kennt drei jüdische Gemeinden, von denen zwei dein Mittelalter angehören, die dritte mit der noch heute bestehenden Genwinde identisch ist. Die erste Geineinde, mit eigener Synagoge und eigenem Friedhofe, bestand bis zrmr Jahre 1349. Die Gründung derselben ist wohl spätestens in die zweite Hälfte des zwölften Jahrhunderts (also zwischen 1150 bis 1200) zu verlegen. Eine frühere Zeit dürste für die Besiedelung wohl fruuKjn Betracht fallen, da in Basel der Kaiser und nicht der Bischof das Judenregal besaß. Die Fudienreichssteuer konnte der Kaiser aber nur da beanspruchen, tvo eine jüdische Gemeinde sich erst nach den ersten Kreuzzügen gebildet hatte. Daß aber der Kaiser, bzw. der König diese Indem steuer besaß, läßt sich z. B. für 1241 feststellen, wo die Basler Juden ihn: diese in der Höhe von 40 Mark zahlen. Des ferneren auch zum Jahre 1278, wo Köllig Rudolf von Habsburg dem Basler Bischof Heinrich von Jsny, der elf Jahre später zum Haupte des gewaltigen Erzbistums Mqinz erhoben wurde, wegen seiner und der Basler Treue in der Schlacht aus dem Marchfelde unter anderem auch <3000 Mark von den Juden der Basler und der Straßburger Diözese schenkte. Genauere Angaben über einzelne Mitglieder dieser ersten Gemeinde und über deve:: Wohnstätten (eine größere Zahl tvar Hausbesitzer), über die Lage der Synagoge, wie auch über die des Friedhofes sind m:s aus dem Jahre 1201 überliefert durch die Urbar-Älufzeichnungen der Schaffnei zu St. Leonhard. Es werden etwa anderthalb Dutzend Inders Häuser genannt, die sämttich' auf dem Areal des Stiftes zu St. Leonhard stehei: und deren Besitzer ihm grundzinspflichtig sind, darunter auch die Synagoge, zu der noch andere Gebäulichkeiten gehörter:, vermutlich ein rituelles Bad (Mikwah) und die Wvhmrng des Rabbiners. Ob der Name -des Rabbi Rasor, der in diesem Verzeichnis als Besitzer eines hölzernen Hauses genannt wird, durch Entstellung aus dem Namen Rabbi Ascher entstanden und mit Rabbi Ascher ben Jechiel, Schüler dis berühntten Rabbi Meir von Rothenburg, der in Basels Nähe, in Ensisheim, von 1286 von 1293 von Rudolf von Habsburg und seinem Nachfolger gefangen gehalteu.wurde, identisch ist, muß einstweilen dahingestellt bleiben. Die Ansichten darüber gehen bei den Fachgelehrte: auseinander. Die Juden dieser ersten Gemeinde wohnten zumeist aiuf den: sogenar:nten Rmdcrmarkt (Untere Gerbergasse) und in dessen Nähe. Ein Ghetto gab es in Basel me. Dieses nähr Boisannnenwohnen ist Wohl mehr auf die Lage der Synagoge und des nahen, wenn auch außerhalb der Stadtmauern gelegenen. Friedhofes, „des juden gartens ze Spalvn", zurückzuführen. Die Glieder der Gemeinde waren wohl ausnahmslos Kleinhändler urck Geldverleiher und dieser letzter? Beruf ist nicht zun: wenigsten mitbestimmend getvesen fiir die blutige Verfolgung in den Jahren 1348/49. Wie an anderer: Orterr, beschuldigte mair sie damals auch in Basel, die Brunnen vergiftet zu haben. Wohl versuchte der Rat, sie zu schützen, doch nmßte er den drohender: Forderrmger: der Zünfte nachgeberr, die ln ihnen die Urheber des „großen Sterbens" sahen. Sw wurden gesangengesetzt und am 16. Jänner 1349 auf eurer Rheininsel in der Nähe der Birsigmündung in.einem hölzernen Häuschen verbrannt. Die Kinder wurden den Eltern entrissen und getauft. I« uranchem der zahlreicher: Basler Fvauenklöster konnte man in den nächsten Jahrzehnte:: Nonnen finden, die jüdischen Ursprunges waren. Der in der Nähe der heutigen Gewerbeschule gelegene Friedhof nmrde zerstört und du Grabsteine zu baulichen Zwecken benützt. Obzwar Bürger rmd Rat geschworen hatten, in den nächsten hundert Jahren keine Juden nrchr in der Stadt aufzunehmen, finden sich schon 1362 wieder solche in Basel. Eine neue Gemeinde entsteht, ebenfalls mit eigener Synagoge und eigenem Friedhof. Die Ansiedelungen befinden sich wie die früheren in der Gerbergasse und deren Umgebung, so auch die Synagoge, der Friedhof dagegen in einer anderen Gegend als der frühere (zwischen Aefche,rgrabeN und Sternengäßlein). Diese Gerneinds, der auch der jüdische Stadtarzt Meister Gattleben angehörte, bestand nur rvenige Jahrzehnte. Ms 1397 neuerdings Beschuldigungen wegen Brunnenvergistungen auftauchten, flüchteten die Juden aus der Stadt und die zweite jüdische Gemeinde Basels erlosch. Von da an bis 1800 haben keine Müschen Niederlassungen niehr bestanden, wenn auch einzelner: Perfondn hier und da ein kurzer Mvfertthalt g-estattet wurde. Während man Juden 'in Basel nicht mehr zuließ, nahm auffallenderwerse der jüdische Buchdruck mtb die jüdische Sprachwissenschaft in der Stadt Basel «irre Ausdehnung loie in keiner anderer: Stadt, insbesondere mrter de« Truckerherren des Hauses Frov-en und den Hebräiften Johannes Reuchl-rn und Johannes Buxto-rs Vater, letzterer u. a. bekannt als Verfasser der Biblia rabbinioa. Di« Korrektoren dieser hebräischen TruÄverke wm«: entweder Juden oder Apostaten. Bekannt ist das BoribmnmtS doS Korrektors lAbrahan: ben Elieser Braunschßrieig, den: wühnwd s«nrs Basler Aufenthalts (1619) bei Johannes Buxtvrf ein Luaibe geboren wurde. Zur Befihneidung waren neben etrrigm Juden, die zu diesen: Zivecke in die Stadt gchnffv: ivarovt war««, auch Johannes Buxborf Wtd die DWck«h«wen ÄW-

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