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Wiener Morgenzeitung · 1927-08-16 · Heft 3039 (16.8.1927) · p. Seite 2

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
9 (1927)
Issue
Heft 3039 (16.8.1927)
Date
1927-08-16
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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‘Seite. - Wien, Dienstag Wiener Morgenzeitung 16. August 1927 *it. 3939 Erdbeben und Politik. B0» Sk. ESliralM WMItz <S»Is«. Man iwar es früher allgemein gewoy::t, Palästina mit/ Religion in engsten Zusammenhang zu bringen. Diese ' beiden Begriffe wurden fast zur Idiosynkrasie und bildeten bei manchem eine sehr ernste psychische Hemmung in dem Bestreben, nach Palästina auszmrandern. Genaue Kenner' des Galuthjndentums werden zugeben 'müssen, daß auch' noch heute drve/Angst vor gebotener Religiosität und strengem Ritus, die' man in Palästina als selbstverständlich voraussetzt, so manchen entschlossenen Juden von der Ausrvanderung nach Palästina zurückhält. Der durchschnittliche Tourist, der cs für eine Notwendigkeit erachtet, in Palästina von seinen sonstigen Lebensgewohnheiten abzusehen, wird rituell zu leben, ist sicherlich der schlagendste Beweis für diese unrvMürliche Verknüpfung von Erez Jreal und Ritus. Wie in so manches andere, Hai.' auch in diese Auffassung dev Dinge der Weltkrieg eine große Lücke gerissen. Sx.it der Balfour-Dcllaratton ist der Begriff Palästina mit Politik strenge verknüpft morden, daß man fast von einer Sällllarifternng Palästinas zu sprechen berechtigt ist. Kein Wunder, daß die Einwohner des Landes, welcher. Nation und welchem Glauben immer sie angehören mögen, cs langsam gekernt haben, sich den Ereignissen gegenüber, politisch einznstellen. Das kleinste Geschehnis wird zum. Politikum aufgebauscht und Konsequenzen werden daraus gezogen, die den regierenden Kreisen oft Verlegenheiten bereiten. Freilich muß ohne peiteres zugegeben tverden, daß solche Komplikationen der palästinensischen Regierung hie und da nicht ungelegen kommen und als Vorwand für Regierungsmaßnahmen gebraucht werden. Daß aber ein Naturereignis, rvelches zur Katastrophe wird, sich politisch auswirkt und unerwartete Konsequenzen für die Gestaltung der internationalen Verhältnisse Haber: kann, dürste wohl ein Unikum sein. Und doch ist es so geschehen im Monate Juli 1927, als Palästina von einem Erdbeben heimgesucht worden, war. Schon die zufällige Tatsache allein, daß d ie vonJuden bewohnten Ortschaften merklich weniger litten und daß kein einziger Jude unter den Todesopfern war, bracht« die gläubigen und abergläubischen Araber , (und das sind sie ja samt und sonders) auf den Gedanken, daß da eine Strafe Gottes vorliegc, die sich gegen einen bestimmten Teil der Landesbevölkerung richte und offenkundig ein« Buße ist für begangene Sünden. Die Tatsache, daß gerade die St<ü>t Nablus, die nur von Arabern bewohnt ist und keinen Juden in ihren Mauern duldet, am härtesten mitgenommen wurde, war für die verschiedenen Scheichs ein Fingerzeig, dafür, wo der Grund, des göttlichen Zornes zu suchen sei. Daß derartige Gedankengänge eine klein« Revision des Verhältnisses zu den Juden herbeizuführen geeignet sind, liegt auf der Hand. Dazu kam aber noch ein anderes: das Benehmen dxr Juden nach der Katastrophe. <Der zum Fatalismus neigende Moslem stand ccm Naturereignis ganz apathisch gegenüber. Keine Spur von Selbsthilfe oder von charitatiper Hilfeleistung an arrdere. „ES ist von Allah!" Wir anderbenahmen sich die Juden! . Um 3 Uhr nachmittags war daS Erdbeben. Am selben Mend trafen in Nablus schurre Lastautos unter Bedeckung jüdischer Polizeimannschrften von Tel-Awtw ein, die Tausende von Brotlaiben für die von der Katastrophe Heimgesnchten mitbrachten. Dieses ersitz Zeichen Menschlichen Mitgefühls, welchem rtstbedeutende Gabe» arabischer Kreise und kleine Hilfsmaßnahmen der Regierung nachhnmpelten, wirkte mehr als jahrelange AnSgleichSversuche des jüdischarabischen Gegensatzes. Und als vollends am nächsten Tage 26.000 Dollar von Nathan Strauß telegraphisch eintrafen, eine Summe, die alle bisherigen Geld^ingänge der Sammlung für die Erdbcbenopfer übertrifft, waren die arabischn Kreise ganz außer sich vor Staunen und Bewunderung. Dessen war kein Araber fähig, — das mußten sie ohne weiteres zngeben. Die Folge davon tvar, daß die arabische Oeffentlichkeit und die gesamte arabische Presse die Hilfeleistung d^r JudxN gebührend würdigten und daß sogar die extrem-judenfeindlichen Blätter ihre Hetze für einige- Zeit einstgllt^n. Hatte die große jüdische Einwanderung und die damtt verbundenen Dodenkänfe die arabischen politisch^-einflußreichen Latifundi e nbesitz er von der Erwünschtheit der jüdischen Immigration überzeugt, so wirkten die letzten mit dem Erdbeben zusammenhängenden Ereignisse auf die intransigeiüe arabische Intelligenz in llärender Weise. Man würde wohl in der Annahme fchlgehen, daß eine dauernde Besserung der jüdisch-arabischen Beziehungen cintteten dürfte. M^r unleugbar hat sich der Zeiger nach der jüdischen Seite verschoben. Auch auf das Verhältnis der palästinensischen Regierung zum jüdisch-arabischen Problem fiel beit dieser Gelegenheit ein sehr interessantes Streiflicht. Während big Araber jede Hilfeleistung von jüdischer Seite mit Verwunderung, aber auch mit'herzlichem Dank entgegennahmtzn, glaubte die Regierung ein bereits von der Gemeinde Nablus angenommenes ‘Angebot der Stadt Tel-,Awiw, eine: jüdische Hilfsrnannschaft für Rettungs- und Auftäumungsarbeiten zu entsenden, erst anfhalten, dann aber verhindert: zu müssen. War es Verkennung der tatsächlichen Verhältnisse, und Angst vor Zusammenstößen oder Svar es die Scheu vor einer allzu weitgehenden arabisch-jüdischen Verbrüderung? Wer die ' Methoden der englischen Verwaltung aus jahrelanger Beobachtung kennt, wird wohl das letztere annehmen. So war denn dieses Erdbeben lehrreich für die Gege^ 'wart Palästinas und kann folgenreich werden» für seine politische Zukunft. Der fünfzehnte Ronistenkongreß in Basel. Bom SO. August bis s. September 1827. Ae autsotimm. Die Exekutive der Zionistischen Organisation verlautbart die Tagesordnung für den 15. Kongreß, der in Basel in der Zeit von Dienstag den 30. August bis Freitag den -9. September stattfindet. Das Verhandlungsprogramm lautet: . 1. Sitzung. Dienstag, den 30. August, 8 Ühr abends. 1. Eröffnung des Kongresses durch den Präsidenten der Zionistischen Organisation, Dr. Ch. Weizmann. . 2. Eröffnungsansprache des Präsidenten der Zionistischen Exekutive, Herrn N. Sokolow. 3. Begrüßungen. 4. Wahl des Präsidiums. 5. Gedenkrede auf Achad Haam von Dr. Martin BnB-er. Um Jfcll Uhr abends tritt d e r P e r m a n e n z a u Sssch u ß zu seiner konstituierenden Sitzung zusammen. 2. S i tz n it g. Mittwoch, den 31. August, y210 vormittagvis fäS Uhr nachmittags. 6. Entgegennahme des Berichtes des Kongreßgerichtes über die Kongreßwahlen, Berichterstatter: Vorsitzender des Kongreßgerichtes, Rechtsanwalt S. Gronemann. 7. Unterbreitung des Berichtes der Exekutive und Darlegung der zukünftigen Politik durch die Herren Dr. Ch. W-eü z m a n n und N. S o k o l o w. 8. Eröffnung der Generaldebatte. 3. Sitzung. Mittwoch, den 31. August, 3 bis Uhr nachmittags. S. Nachruf zu Ehren der Zionisten, die in der letzten Kongreßperiode verschieden sind. 10, Fortsetzung der Generaldebatte. . 4. Ditzung. Mttwoch, ben 31. August, f29 Uhr bis Hl2 abends. 11. Vorschläge deS PermanenzauSschusses für die KvN^chgetrder Ausschüsse: a) Politische Kommission; b) Kolonisations-Kommission;; c) Budget-Kommission; d) Organisations-Kommission; e) Erziehungs-Kommission; f) Immigrations-Kommission; - g) Finanzpolitische Kommission; h) Resolutionsausschutz. 12 Fortsetzung der Generaldebatte. Donnerstag, den 1. September, findet keine Plenarsitzung des Kongresses statt. Vormittags um H11 Uhr findet im Kasinosaal eine Feier des 1. Kongresses statt. Um 3 Uhr nachmittags werden die Kongreßausschüsse durch-Erstattung folgender Referate eröffnet: a) Politische Kommission: Referenten: Col. Kisch,. Dr. M. D. Eder, Dr. V. Jacobs o n. b) Kolonisations - Kommission: Referenten: Herr Josef Sprinzak, IM. S. Kaplansky. c) Budget - Kommission: Referenten: Col. Kisch, Dr. A. K a st e l i a n s k y. d) Organisations-Kommission: Referent: Herr R o s e n b l ü t h. e) Erziehungs-Kommission: Referent: Dr. I. Lourie. f) Jmmigratio i:s - Kommission: Referent Prof. Dr. H. P i ck. g) Finanzpolitische Kommission: Referenten: .Mitglieder des Finanz- und Wirt schaftsrate s. 5. Sitzung. Freitag, den 2. September, H10 Uhr vormittags vis 1 Uhr nachmtttags. 13. Fortsetzung der Generaldebatte. ü. S i tz u n g. Freitag, dm: 2. September, 3 bis 7 Uhr nachmittags. 14. Fortsetzung und Schluß der Generaldebatte. 7. S i tz u n g. Samstag, den 3. September, 9 Uhr abends. 15. Vorschläge des Permanenzausschusses betreffe»w die Wahl einer neuen Exekutive. Sonntag, den 4. September, werden keine Plenarsitzungen deS KoilgresicS stattfinden. Der Tag soll Sitzungen der Kommissionen, und Beratungen der Kongreßgruppen gewidmet sein. Morttag, den 6. September, finden vormittags und nachmtttags Sitzungen der Kommissionen statt. 8. S i tz » n g. Montag, den 5. September, 8 bis y212 Uhr abends. ' 16. Grundproblemc des Aufbaues Palästinas. Referat von Dr. A. R u p p : n. 17. Berichte über die Aufgaben des KK>L. und KH.. erstattet von den Herren M. M. U f f i s ch k i n und Dr. A. Hantke. 18. Vorschläge der Budget-Kommission. Dienstag, den 6. September, finden vormittags irb nachmittags Sitzungen der Kommissionen statt. 9. Sitzung. Dienstag, den 6. September, 8 bis 1/212 Uhr abends. 19. Bericht der politischen Kommission. 10. Sitzung. Mittwoch, den 7. September, ^10 Uhr vormittags vis 1 Uhr nachmittags. 20. Bericht der K0l0 ni sa ti0 ns - Kommission. : 11. Sitzung. Mittwoch, den 7. September, 3 vis H7 Uhr nachmittags 21. Bericht der Immigrations-Kommission. 12. Sitzung. Mittwoch, den 7. September, y29 bis y212 Uhr abendS. 22. Der Zionismus und die jüdische Gegenwart. Referent: Kurt Blumenfeld. 23. Bericht der Erziehungs-Kommission. Donnerstag, den 8. September, vormittags, finden Sitzungen der Kongvehgruppen statt. 13. S i tz u n g. Donnerstag, den 8. September, 3 Vis 6 Uhr; nachmittags. 24. Bericht der Organisations-Kommission. 14. Sitzung. Donnerstag, den 8. September, y29 vis y212 Uhr abends. 25. Bericht der Finanzpolitischen Ko.m- Mission. 15. Sitzung. Freitag, den 9. September, ^10 Uhr vormittags bi- - 1 Uhr nachmittags 26. Berichte der anderen Kommissionen. 16. Sitzung. Freitag, den V. SePtenEer, 3 bis 7 Uhr nachmittags. 27.. Berichte von Kommissionen. . 28. Wahl des Aktions-Komitees, des Kongreßgcrichtes, Ehrengerichtes, des Kongreßanwalts und der Revisoren. 2.0. Schluß'des Kongresses. * Die Exekutive fügt dieser Tagesordnung die folgenden erklärmiden Bemerkungen hinzu: Es wird beabsichtigt, deu Kongreß innerhalb von elf Tagen zum Abschluß zu bringen und die zur Verfügung stehende Zeit.in ausgedehntem Maße für die Plenarsitzungen dys Kongresses und die > Tagungen der Kommissionen auszunützen. Ueberdies soll auf Grund der Erfahrungen der früheren Kongresse den verschiedenen Kongreßgruppen (Landsmannschaften, Sonderverbandsdelegationen und Fraktionen) ein genügender Zeitraum für die interne Beratung der Kongreßfragen zur Verfügung gestellt werden. Die Beratung der Spezialfragen - des Kongresses soll zuerst in den Kommissionen durchgeführt worden, bevor sie vor das Kongreßplenum gebracht werden. Die Kommissionen werden demgemäß schon am dritten Kongretztag zufammentreten und die Vorschläge der Exekutive entgegennehmen. Um eine doppelte Beratung derselben Gegenstände im Plenum zu vermeiden, wird von <£? p e 3 {a X1e f c c a t c 11 über die einzelnen Fragen abgesehen und es soll anläßlich der Berichte der einzelnen Kommissionen der Exekutive oie Möglichkeit gegeben werden, durch ihre Vertreter den Stand' Punkt der Exekutive dem Plenum vorzutragen. Es wird beabsichtigt, die Kongreßverhandlunger' chronologisch in zwei Teile zerfallen zu lassen, und zwar in den ersten Teil, der sich b i s zum Schluffe de' Generaldebatte erstreckt und die Grundlagen der zionistischen Politik und Arbeit klären soll, und in den zweiten Teil, der Einzelheiten der zukünfttgen Arbeit beraten und festlegen soll. Es wird borgeschlagen, die Wahl der Exekutive auf Grund der Vorschläge des Permanenzausschuffes möglichst nicht, wie bisher, am Ende» sonder»: in der Mitte des Kongresses stattfiuden zu lasse::, damit bei der Beratung der Anträge, die sich auf die künftige Tätigkeitsperiode beziehe::, bereits eine nn» gewählte Leitung vorhanden ist, die zu den einzelnen Anträge:: autoritativ Stellung nehmen kann. Um die Arbeit des Kongresses in der zur Berfügmui stehenden Zeit botvälttgen zu können und um dem Kongreß

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