Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 9 (1927)
- Issue
- Heft 3038 (14.8.1927)
- Date
- 1927-08-14
- Page
- Seite 8 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Wien, Sonntag Wiener Morgenzettung Nr. 3038 Sei! C o •gfSäk „Palästina“ JKonatssdktift füv die £ntn>idktun& Pafüstinas;Redaktion : Adolf Böhm Herausgeber: Zion. Landeskomitee für Oesterreich X. Jahrgang Das einzig wissenschaftliche und objektive Organ für die Aufbauprobleme Erez Israels. Authentische Berichte der offiziellen Institutionen in Erez Israel. Rundschau: Politik. — Jewish Agency. — Landwirtschaft. — Geistiges Leben. — Arbeiterbewegung. Nachrichten und Daten; Politik. — Oeffentliche Verwaltung. — Außenhandel. — Verkehr. — Wanderung. — Landwirtschaft und Kolonisation. — Städte. — Kreditwesen. ~ Arbeiterschaft. — Bevölkerung. — Kulturelles Leben. — Sanität. —;Fonds und Institutionen. — Bücher und Zeitschriften. Abonnement: _ Oesterreich: Jährlich S 8'—, halbjährlich 8 4*50 Ausland: Jährlich 8 10'—, halbjährlich 8 6‘— Bestellungen: I. Bezirk, Kärntnerstraße Nr.28 Erfolgreichstes und billigstes Insertionsorgan. NSSVSSsKSE Bühne und Kunst. „Die Ladv vom Lido? JoHmm-Strauß-Theater. ' Die Kärtousch kommt als SchustevLnb, Meisterdedektiv, Bajazzo und Dollarprinzessin, sie smgt^und tanzt, sie imitiert und parodiert, sie sprüht von köstlicher Frische und rassigem Humor. Und ist eine große Freude. Die kultivierteste Soubrette, hat sie, soweit das Auge reicht, nicht ihresgleichen in Stadt und Land. Das L a t a b o r- Trio tzwei Tanzbrüder und ihre pikante Partnerin ErdeIyi) überbieten einander im Tanz-Variete, sind , spitzig-witzig, haben nicht nur unerhörte Technik,' sondern auch Geist und bringen groteske Satiren, denen, glaube ich, das entzückte Publikum nicht durchaus gewachsen ist. E m elyn Nobelly, mit nichts bekleidet denn mit schwarzen ^Handschuhen, windet herrlich ihren schönen Körper, der von . ihren Armen, zwei lieben, bösen Schlangen, süß gemartert wird . . . Ernst Tautenhayn kommt immer wieder , und ist niemals unwillkommen. Dieser Operettenkomiker /massiert zunächst jeder „Nummer" das Schmalz weg, lost den fatalen Schmelz cch, biegt sich die Lieder und Couplets zurecht und gibt chnen seine Note. ' Anlaß zu Liesen sehr angenehmen Begegnungen bietet * eine sogenannte Operetten-Revue, von Florian und Kat sch e r rasch und ohne Prätentionen, aber — bis auf das Bild „Bei Menschenfressern" — gar nicht übel zusammengestellt. Die Musik von Robert Kätscher geht ins Ohr, sofern sie es noch nötig hat, klingt gut und gefällig. Die Beifallskundgebungen für die genannten Haupt»! akteu're, ferner für Herrn K o e m p e l und Fräulein N a tz l c r waren mitunter stürmisch, und bei den Akt- ■ Müssen konnten mit dem ganzen Ensemble der Komponist, die Autoren, sowie Herr Straßberg, der mit bescheidenen technischen Mitteln die Revue geschmackvoll inszenierte, für einen großen Publikumserfolg danken. . O. A. „Irr Roman eines Girls". Nolandbühne. -- Der Hausdichter der Praterstraßen-Bichne Felix Fischer nähert sich mit seiner neuen Arbeit tatsächlich dem Volksstück, ein Lob, das man dem bescheidenen" und ernsten Dramatiker nreudig spendet. In knappen Szenen, deren Technik FischeMjetzt schon brillant beherrscht, wird in der Art einer Remw das Leben eines Girls berichtet. Kitty, ein junges, frisches Geschöpf, hat einen älteren gesetzteren Schriftsteller geheiratet. Der Zuschauer bangt, daß die Ehe in Brüche geht und Kitty auf die schiefe Ebene kommt, auf der sich die federleichten Girls leider sehr rasch abwärts bewegen. Ein junger Eintänzer wird ihr recht gefährlich. Man freut sich, daß die Sache gut ausgeht. Ein Freund bannt alle Gefahren und bringt die Eheleute wieder zusammen. Das Ensemble setzte sich tapfer und erfolgreich für seinen Autor ein. Sonderlob für Karl M i k s ch, dem Darsteller und Regisseur, und der herzhaften, anmutigen Hella Berg. Voll Verdienst Herr Sadovskh sowie die Damen Danba'cher, Musil, Nastya und Wald. Das Premierenpublikum bereitete der Novität, die sich lange behaupten dürfte, einen ungewöhnlich starken Erfolg. * Ans den Malern. Theater in der Jofefstadt. Täglich 8 Uhr „Ter schlafende Gatte".. Nur Mittwoch, „Die Kameliendame". Deutsches Volkstheater. Das Berliner femble mit Max Adalbert setzt das 19. d. Mt, mit „KlubMte" fort. Bis da abendlich 8 Uhr „Müllers" mit Max Adalbert. Wiener Ka«mmerspiele. Heute und morgen letzten Aufführungen von „Zwölf Mädel lernien Heiraten" mit Harald Pauls en. Theater an der Wien. In Borber.eitung die Operette „Die goldene Meisterin"' von EdmUnd Ehsler. NravMchMg am! 9. September. ■' '•'' U "'/'iS»"* ' abends 8 Uhr, En- Gastspiel ^veita^, die Sonja Amlbach vom! Deutschen Volkstheater, welche äm 23. Juli 1927 unter betitl Verdacht verhaftet worden war, die aut 15. Juli 1927 vor dem Deutschen Volks- Mater stehenden Demonstranten gegen die Wache aufgehe hi zu haben, wurde, wie die PolizeidireMon dev ^Direktion des Volkstheaters durch einen Bescheid bestMgtnoch an demselben Tage wieder auf freien Fuß gestellt, da der gegen sie gerichtete Verdacht unbegründet war. ' Salzburger Tagung der Kritiker. Zu der vom! 21. bis 24. August in Salzbum stattfindenden Tagung des internationalen Verbandes der The ater- und Musikkritiker haben sich bereits Mer 60 Kritiker aus allen Ländern angemeldet. Unter anderen^ werden ein feierlicher Empfang im Weißen Saal der Residenz durch den Landeshauptmann und Bürgermeister von Salzburg sowie Autorundfahrten und Sonderausflüge veranstaltet werden. Chinesische Musiker gegen den Rundfunk. Int Nahmen des Frankfurter Sammlers der Musik findet heute, wie wir berichtet haben, ein Originalkonzert chrne fisch er Musiker statt, das durch den Rundfunk ' hätte verbreitet werden sollen. Nun Hatzen die chinesischen Tonkünstler gegen die Radioübertragung aus relraiösen und weltanschaulichen Gründen protestiert und weigern sich, in Konzftrten zu sprelen, welche durch Radio übertragen werden. Die österreichische Radio-DerHchrs A. G. verständigt uns dadaß die angekündigte Uevjertragung „Konzert klasstcher chinesischer Musik" aus der Frankfurter Musikaus- " klung entfällt und durch die Operetstenaufführung „Brüderkern fein" mit anschließendem! volkstümlichen Konzert der Kapelle GanglberÄer ersetzt wird. . ■*! >;. i ' fe stell. Nröslingsbehandlung. >- Za Stein ein Auge verloren. Äer Heizer Franz Schuhmacher hat gegen den österreichischen Bundesschatz beim Oberlandesgerächt Wien einen Prozeß angestrengt in dem er für den V e r l u st eines Auges und für das geschwächte Sehvermögen des zweiten Auges einen Schadenersatz von 30.000 Schilling begehrt. Diese schwere Schädigung seiner Erwerbsfähigkeit sei durch Verschulden verschiedener Bundesorgane, insbesondere durch das des Kreisgerichtes Krems an der, Donau, ent- ..standen. Das Klagebegehren führt 'aus: Am 19.- Dezember 1924 wurde Schuhmacher wegen Diebstahls dem Kreisgerichtsgefangenhaus in Krems an der Donau eingeliefert. Er befand sich damals im Vollbesitz seiner Sehkraft. Im Juli 1926 wurde das Gerichtsgebäude renoviert und bei dieser Gelegenheit im Hofe Kalk gelöscht. Eine der dort beschäftigten Personen warf aus Mutwillen ein Stück ungelöschten Kalkes gegen das v^ergitterteFenster jener Zelle, in welcher Schuhmacher mit vier anderen Häftlingen gefangen gehalten wurde. Das Kalkstück zersplitterte an dem Gitter, zahlreiche . feine Splitter blieben aber auf dem Fenstergesimse liegen. Als die Zelle zufällig geöffnet wurde, entstand ein Luftzug, der K a l k f r a g m e n t e in die Zelle wehte, die dem knapp unterhalb des Fensters auf der Pritsche liegenden Schuhmacher in die A u g e n d r a n g e n. Von den heftigsten Schmerzen gequält, fährt die Klage fort, meldete Schuhmacher dm Vorfall sofort dem diensthabenden Wa'chebeamten P a ß b ö ck und ersuchte um Heranziehung eines Arztes. Er sei aber crst-^48 Stunden »M dem Unfall an das Spital der Strafanstalt Stein überstellt worden, wo ihm, da kein Arzt zur Stelle war, der Spitals« aufseher nnd ein als Wärter verwerteter Strafgefangener die Kalkfragmente aus den Angm zogen. A ch t T a g e sei er in dem Spital der Strafanstalt geblieben, ohne daß sich sein Zustand gebessert hätte. Dann sei er neuerdings dem Kreisgerichte Krems überstellt worden, wo ein Amtsarzt, Hofrat Dr. Bische r, erklärt haben soll, er könne die V erantwortungkeineStunde übernehmen,- Schuhmacher müsse einem Spezialarzt vorgeführt werden. Dieser Spezialarzt habe die sofortige N e b e'r st e l l u n g an die Augenabteilung des Allgemeinen , Wiener Krankenhauses. beantragt. Oberlandesgerichtsrat Dr. Seytz, der als Untersuchungsrichter fungierte, habe dem Antrag nicht stattgegeben, sondern Schuhmacher acht Tage lang ohne ärztliche Hilfe im Kreisgefangenhaus liegen lassen. Der Häftling habe einen Hungerstreik inszeniert, aus welchem Grunde ein Protokoll mit ihm ausgenommen wurde, Las dem Kreisgerichtspräsidium Krems vorgelegt wurde. Diese Stelle veranlaßte nun die Ueberstellung Schuhmachers an das Jnquisitenspital des Landesgcrichtes I in Wien, von wo der Häftling auf die Augenklinik des Allgemeinen Krankenhauses gebracht wurde, um dort zirka vier Monate in Behandlung zu bleiben. Als die Ausheilung eingetreten war, habe sich ergeben, daß das linke Auge vollkommen erblindet, das Sehvermögen des rechten herabgesetzt war. Die Klage macht als Hauptschuldige den Justiztvachebeamten P a ß b ö ck, den Kreisgerichtsarzt Obermediginalrat Dr. Tan gl und den Untersuchungsrichter des Kreisgerichtes Krems, Oberlandesgerichtsrat Dr. S e y tz namhaft und <M der Auffassung Ausdruck, datz der Staat nach §1 und 4 des Syndikatsgesehes vom 12. Juli 1872, A. B. G., solidarisch für Verschulden seiner Beamten hafte. Die 30.000 Schilling werden als Ersah für verminderte Evwerbsfähixsteit und als Schmerzensgeld begehrt.; : „3m Interesse der rechlsnchMh"" Publikums". i! Mit einer Verfügung des Prüsidenten des Avillandesgerich-- icS Wurde nunwehr m 'allen Bernf-ungsatzteilnn.gen, Puch in den gÄverdeger ichtlichen, (bi'c Tät^gke it i n Vollein Umfang wieder aufgenommvu. ' " '! In der Verfügung heißt eS wörtlich: „Wenn ich auch die Schwierigkeiten nicht verkenne, Jbji« einer Wiederaufnahme der Vollen-geordneten Tätigkeit entgegenstehen (die mästen Berufung senatSmitglieder «haben noch kein eigenes Amtszimmer, auch die Möglichkeit, Sitzungen labzuhalteu, ist beschränkt ufw.), so halte ich diese Verfügung im Internssse dev recht-» fluchenden BevSkkerung und deshalb für notwendig, um ein 'größeres Anwachsen von Rückständen! zn vermeiden." Die Tätig» keit der Berufungssenate wird 'sich im August voraussichtlich nur auf die Erledigung von Rekursen und die Durchführung von dringenden Verhandlungen (Ferialsachen) erstrecken »und sind Kvvi Räume für dieselben provisorisch adaptiert wor'.'eN. Für tember werden vorläufig npch keine Verhandlungen ausgeschrieben, Ler Lberste Gerichtshof kann keine Strafver- Handlungen Matten. ( fJn den erster^Tagen des Monates September hätien die ersten Verhandlungen über Nichtchtigkeitsbeschwe-» Pen, Pie bereits vor dem Brande tps Jnshizpalaftes ausgeschrieben worden, waren, vor dem O.hersten Gerichtshof stattfindea sollen. { i i . - . Sämtliche Verhandlungen mußten jedoch äbgesetzt werden, da die hiefür 'erforderlichen Strafakten der ersten Instanz nicht auf fr ndbär sind. Ueber das Schicksal dieser Akten ist bis jetzt noch nichts ^Bestimmtes bekannt;, man Weiß nicht, ob sie im .Justizpalast verbrannt 'oder i.sonst irgendwie abhanden gekommen «sind. Möglicherweise dürfte 'ein Keil bl-s; vorübergehend »nicht a^uffindhar sein,. l ' Faule gier. ■ Auf einen recht originellen Schwindel verfiel Marie Sei* hold, um sich auf leichte Art Und Weise Gold zu verschaffen. Sir VerkleihLI:« sich als BäUtzrrn, lernte sich länd^ pichen Dialekt fein; kaufte fcjamt cjimgje hundert verdarben» Kalkeier, die sie jttm sehr HWgjqs Geld erhielt, und ging Idamr -Vor: Geschäft 'zu Geschäft, diese Wer Verkaufen. Ueberaill bot sie diese als frisch« Sandeier an und erklärte, mit ihnen gerade vom Land gekommen zu fein, i ' i Den Kaufleuten, die diese „frischen Sandeier" kauften, siel es auf, daß ausgerechnet diese Eier immer als verdorben von den Kunden zurückgebracht wurden. Nach und nach liefen beim Marktamt Anzeigen gegen Maris Leipold vin, gegen die dann auch di« Anklage wegen Uebertvetung des Betruges erhaben wurde. Sie hatte sich vor dem Favoritner Strafrichter Dr. Appel zu verantworten. Die Beschuldigte stellte in Abrede, sich zur Täuschung der Leute verkleidet vdor sich ländlichm Diüek.'es bedient zu haben^ Ihre Verantwortung wurde jedoch von mehreren Zeugen in einwandfreier Weis« widerlegt,. i , . ' Der Richter erkannte sie schuldig.und verupieilte sie zu vier Muchen Arrest.! Beretne, BortrSge «uv Bersmnmlunge». UM 3 Uhr. . 80. Bezirk, den Bisamberg. Zusammenkunft Vom Raübimrte der ssr-relitsscheu KnltuSgemoinde Wien wird bekanntgegebeu, daß dt« Meischbank -bei: Frau Szerene Klapper, 20. Bez., Hemzelmanngasse 4, nicht mehr unter Aussicht des Rabbinates der isvaeMfchen Kultusgemeinde steht uivd daß daher für das Kaschruth dieser Fleischbank die Verantwortung nicht übernommen werden kann. ' Verband der jüdischen Kausleute und Gewerbetreibenden, Wien. Montag, Dienstag und Mittwoch, stets um 6 Uhr abends, im Klublokal des Wiener Bürger-Cafe, 2. Bez., Pmterst-raße 11, Zusammenkünfte lbohufs Einteilung in die einzelnen Fachfektionen nach Branchen sowie in die Wirtschaftlichen Kreditausschüsse. Aussteller bei der Wienor Messe erhalten kostenlos gswerbeberechtigte, brauchen- und sprachenkundige HandelAvertr/^r. Es wird eine Kollektiv- Musterausstellumg hei der Wlemer Messe vor» bexestet.