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Wiener Morgenzeitung · 1927-08-14 · Heft 3038 (14.8.1927) · p. Seite 3

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
9 (1927)
Issue
Heft 3038 (14.8.1927)
Date
1927-08-14
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Nr. 3038 Wien. Sonntag LL-tütter Morgs«^ertttNg .4. August 1927 Se8»S 80.000 Indianer auf dem Kriegsvsad. mit modernsten fflnffen.—mieeiaeWelste ileiee»emestelt. La Paz, 13. August. (Tel-llomp.) Der Jnbianerausstand in Bolivien nimmt immer größere Ausdehnung an. 80.000 Jndianerkrieger, die Mit den modernsten Waffen ausgerüstet sind, nehmen bereits daran IM. Bei einem Zusammenstoß mit Regierungstruppen wurden 350 Indianer getötet und eine noch größere Anzahl verwundet. Der Ausstand soll durch die Agrarpolitik der Negierung verursacht worden sein, wodurch sich die Indianer benachteiligt fühlen. Me Aufständischen haben in den von ihnen ^setzten Gegenden zahlreiche Weiße niedergemetzelt, bereu Häuser geplündert und oingeäschert. Der Kamps um das Auto. Sott« Itttlfdje Vlafe. London, >13. August. Wie Daily NewS" aus Newyovk kerichteik, .hat der große Kampf in der amerikanischen Automobilindu stri« jetzt seine kritische Phase erreicht. Fords neuer Wagen macht auf abgelegenen anreridänischen Straßen seine letzten Probefahrten, wobei >ihn spionierende Photographen vorgeblich verfolgen. Der neue Ford- Wagen soll 75 Meilen (über 125 Kilometer in der Stunde) zurücklogen und, was den geringen Bo nziin vor brauch betrifft, einen Rekord darstellen. Die Tatsache, daß die OeneraskqMotors nur eine Vierteil- -WrMvidende ausgeschüttet hat, Wird dahin gedeutet, daß die Ä^ellschaft ihre Reserven für den Kampf mit Ford bereit hält, koolidge bleibt fest. New York, 13. August. (Tol.«Komp.) Co o l i d ge erklärte jdor Mitgliedern des republikanischen nationalen Ausschusses, die jihn in Rapid City aufsuchten, auf das nachdrücklichste, er beabfMrge/'unter keinen Ilm ständen, für die Präsident- WM MMahle-n des Jahres 1928 yu kandidieren, und LLOYD RIESTIMO Rascheste Verbindung zwischen Europa und Palästina über Aegypten mit den Expreßdampfern ..Vienna“ und „Unionen“ FAHRTREKORDE» Trieat (Venedig)—Alexdndf len . . 3 Tage Brindisi—Alexandrien.2 Tage Ferners Eil« und Postdampferverbindnngen nach Griechenland, der Türkei, den Schwarzen Meer-H&fen. Syrien, Palästina, Indien und dem fernen Osten. Herrliche and dabei billige Erholungsreisen snr See I Auskünfte: B M g g g g ® g PfUiMgebur.au de. Lloyd Trie.tlno, Wien. I . ESratneirfaic 6. Telephon 8S-0-68 IW ®g|glg]glgl®glSglg]®glg|glg]glg]® gestatte auch nicht, däß feine 'KmchPatur von' anderer Seite ausgestellt werde. Aussperrung ln der Seidenindustrie. MI Arbeiter I» Keeleld. Krefeld, 13. August. (Wolfs.) Wie wirr erfahren, hat der Arbeitgeberverband der rheinischen SisLdvni Industrie Wegen des bekannten Streitfalls heute Vormittags sämtlichen Arbeitern in den Betrieben der NerodlusNgsindustrie in seinem Werbandsbereich gekündigt. , 1 Bon dieser erweiterten!Aussperrung, die heute abends in Kraft tritt, tvierdon rimd 4000 Arbeiter betroffen, so daß sich'die Gesamtzahl der arrsgespervwn Arbeiter Ms rund 8000 stellt. Bon einem kisenbahnzng ersaßt. Ci« gräßlicher Unfall. Gestern abends hat sich an der Grenze des Polizeigebietes ein Unfall ereignet. Der 54jährige Chauffeur Markus Hurba, 3. Bez^ Ste'.ngasse 34, wohnhaft, fuhr mit feinem Auto über die F a v o r i t e n st r a ß e gegen Wien. Als er in der Nähe des Hauses Nr. 864 beim Liniemnm Roth-Neusiedl zum Bahnschranken kam und >'.hn durchfahren wollte, -fand er den schlecht beleuchteten Schranbm geschloffen, durchfuhr i-hn aber. In diesem Augenbücke Im ei« Zug daher. Die Lokomotive erfaßte das Auto und schleuderte es den Bahndamm hinunter, wo es ganz zertrümmert liegen blieb. Hurban hat einen Bruch des Schädelgrundes und einer Bruch des Stirnbeines erlitten. Die Rettungsgesellschaft wurde berufen und brachte den Mann, der kaum mit dem Leben davoirkommen dürfte, >'.n das Wiedener Krankenhaus. Db Untersuchung bezüglich der Schnldfvage ist eingelerbet. zwei Wiener Studenten im Mertai abgestSrzt. Aus Mayrhofen im Zillertal wird unter dem 13.d^M gemeldet: Der Bergführer Friedrich We stelberger hat gestern aor Fkoitenkses in einer Spalte zWeiTouristenleichen gesichtet. Eino Bergungsmannschast, bestcheyd aus GendarmerieUnd Bergführern, stieg auf das Fkoitenkses und hatte auch eine Brieftaube bei sich. Diese brachte heute um 1/29 Uhr vormittags die Nachricht zum Gendarmerioposten! Mayrhofen, daß die Leichen der zwei Touristen Kurt Effenbergor und Stephan Kohn, beide Studenten wrs Wien, geborgen wurden» Di« beiden Studenten haben bereits am 25. Juli Wie,: verlasse», um eine Bergtour zu unternehmen. Sic haben den Watzmann bestiegen, gingen dann ins Steinerne Meer und schließlich ins Zillertal. Die letzte Nachricht kam von dev Berliner Hütte und trug das Datum des 3. August. Selbstmordversuch oder Verbrechen. Sine geheimnisvolle Bluttat ans der Schmelz. Borgestern abends wurde der 60jährige Straßen-!ärbeiter Ferdinand Korsinek in seiner Wohnung, 14. Bezirk, Flachgasse 42, mit gräßlichen Ver - Vl'int g ctt aufgefunden. Er hatte mehrfache Stiche an der linken Schläfe und am Bauche. Durch die Bauchwunden drangen Eingewestdeschlingen heraus. Der Mann war bewußtlos und wurde von der .Rettungsgesellschaft auf die Klinik Eiselsberg gebracht, wo et jetzt zwischen T o d und Leben schwebt. Er ist noch immer bewußtlos und kann nicht einvernommen werden. Da behauptet wurde, daß der Mann wegen e h e- Mche-n Zwistes lebensüberdrüssig gewesen fei, nahm man ursprünglich an, daß Korsinek sich auf so 'gräßliche Weise das Leben nehmen wollte. Im Laufe des 'gestrigen Tages wurden aber im Hause Stimmen laut, die nicht an einenSelb st Mordversuch glaub-em. ' Das Polizeikommissariat Schmelz befaßte sich seit hvm frühen Morgen mit der Aufklärung der Tat, und Regierungsrat Dr. Payer hat die Erhebungen im Hause 'geleitet. Auch durch sie konnte der Fall nicht endgültig geklart werden. Mannigfache Umstände lassen die Tat als bedenklich erscheinen, und dazu gehört in erster Linie die Tatsache, daß der Marm^ Stichwunden an der Schläfe hatte, und daß in d e r Art sich wohl kaum jemand ums Leben zu bringen versucht haben dürfte. Ser Tatort. Korsinek bewohnt mit seiner Familie im dritten Stock Zimmer und Küche. In diesen Räumen schlafen Korsinek und seine Frau, vier kleine Kinder aus der Ehe, der uneheliche Sohn d e s M a n n e §; und dessen Braut Her m ine H. Um 6 Uhr abends war Frau Korsinek Milch jyolen gegangen und hat zw ei Kinder mitgenommen. Bald darauf hat sie den 14jährigen Sohn Raimund auf die Straße gerufen. Den Vater hatte er noch beim Fenster stehen gesehen. Nach etwa > zwanzig Minuten kehrte die Frau mit der j Braut des Stiefsohnes ins Haus zurück, und schon im zweiten Stock nahmen sie V l u t s p u r e n wahr. Sie erschraken, folgten den Spuren, die in den dritten Stock bis zu ihrer eigenen Tür führten. Eintretend fanden sie den Korsinek im Zimmer an das Bett gelehnt in tiefster Bewußtlosigkeit. Im Zimme« ivar Blut und im Bette sickerte das Blut durch die Matratze. Die Familie verständigte die Sicherheitswache, die die Rettungsgesellschaft berief. Die Waffe, mit der die Tat ausgeführt worden ist, ist ein Schnappmesser, das in dev Küche in einem Waschbecken gefunden wurde. Es zeigt Blutspuren, ist aber von der Familie weder als das Messer des Verletzten noch als das eines der Familienmitglieder erkannt svorden. In den zwanzig Minuten, in denen Korsinek allein in der Wohnung war, hat eine Nachbarin erregte Stimmen ans der Wohnung des Korsinek gehört. Sie will auch Plötzlich den Ruf: „Messer. . vernommen haben. Der UvbekWnte. Sie sah durch die Tür, wie aus dem dritten Stock erst ein Mann kam und diesem dann vermutlich der schon schwer - verletzte Korsinek folgte. Die Partei erblickte den Korsinek, wie er die Tür der Wohnung im zweiten Stock zu öffnen versuchte. Es scheint, daß Korsinek, auf den Tod getroffen, im zweiten Stock Hilfe suchen wollte und dann, als er keinen Einlaß finden konnte,, wieder in die eigene Wohnung ging, wo er z u f a m m e n b r a ch. Daß ein Kampf vorangegangen sein konnte, wird deshalb vermutet, weil ein Teller zerbrochen gefunden Ivurde und ein Zinnteller zerdrückt war. Sollte fremde Schuld vorlivgen, so fiele der Verdacht auf chim Mann, der sich um Frau Korsinek beworben hat. Der Mann konnte noch nicht ausgeforscht werden. Nachts wird berichtet: Regrungsrat Dr. Payer hat am späten Mend noch den Partieführer Korsineks einvernommen. Korsinek ist zu ihm in tief st er Betrübnis gekommen und hat ihm erzählt, daß seine Frau tags vorher weggegangen sei und Wäsche mitgenommen habe. Et erbat sich den Freitag-Nachmittag dienstfrei, um nach seiner Frau suchen zukönnen, und fügte melancholisch hinzu: „Wenn ich morgen vormittags nicht komme, ist etwas geschehen . . .!" Der Partieführer rief dem Manne noch nach, er sollte nicht unvernünftig sein. Ohne Antwort ging dann Korsinek fort. Selbstmord eines ungarWen - Sonnmliste». Gmmetid) Purjesz vom „A Mag". Budapest, 13. 'August. (Tel.-Kmnp.) Heute um 12 Uhr mittags Hat sich der ehemalige Redakteur des eingestellten Blattes „A Bi lag", der SöjäHrige Emmerich PurjeSz, ein» Revolverkugel in den iKiopf gejagt. «Purjose begründet in einem zurückgelassenen Briefe seine Tat mit dem Breitem seiner Pläne- Emmerich PurjeSz Mar dev Bruder deS ehemaligen Chefredakteurs und Gründers des Blattes „A Bllag", LuWg PurjqSlz. M MhenrÄord Berlin, 13. August. (SBotff.) Das GkiWltzMg „Rohrbach Roland" ist gestern abends unter Führung Steindorfs zu einem Höhenflug gestartet, bei dem laut amtlicher Feststellung eine HHthe von 6850 Metern erzielt wurde. Damit ist der von der „Ereguet 19" (Frankreich) ausgestellte Weltrekord von 6640 Meter um 310 Meter überboten. krdbeben in Et. Moritz. Pan» unter den Gästen. . Basel, 13. August. In mehreren Orten de^ Schweiz Wurde heule ein Heftiges Erdbeben verspürt. In S!ar(kt Moritz wurden die Kurgäste gegen.' 1/23 Uhr nachts durch eine minutenlange Erschütterung ihrer 'Häuser auS dem Schlaf gerissen. Es entstand große Aufregung!.; Gruppen von aufgeregten jundj nur Notdürftig bekleLdaten Menschen liefen auf den Straßen Herum'.- Diele Familien fuhren noch in der Nacht trt iiHven Autos pH. ■; Wie gegen Morgen festgiestrllb 'werden konnte, äst! durch dat Erdbeben keinerlei Schaden jangevichtet Worden. | Auch im Kurort S'ils-Maria Müden deutlich dre Merschütterungen verspürt. . , f ' ®lit 40.000 Schilling dllrchgegangen. Ein im 7. Bezirke wohnhafter Kaufmann zeigte vorgestern der Polizeibehörde an> daß sein Buchhalter Gustav Risnar, Neusttftgasse, nach Unterschlagung vom etwa 40.000 Schilling durchgegangen ist- Risnar hat die Summe nach und nach vemntreut. Er ist mittelgroß, schmächttg, hat schmales, längliches Gesicht mit gelblichem Teint, kastanienbraunes, .zurückgekämmtes Haar, braune Augen, schwarzen, englisch gestutzten Schnurrbart und trug bei seiner Flucht blauen -Anzug, blau-weiß-gestreiste Krawatte, grauen, weichen Hut und schwarze Schnürschuhe. Seine Verfolgung ist erngeleitet. Raffiniert angelegter Derstchernngsbettng. Die Täter verhaftet. In der Nacht zum 8. d. wurde das in N Lü-Uk irche n, Steggasse 18, etMierte KlauftnjanNsgdschM des Peter Bürger erbrochen, daraus Kleidungsstücke. Und Lebensmittel im Werte von 636 Schilling gestohlen -und hernach das Lokal vvn jden EäterN in Brand gesetzt. Die sofort vvn der Gendarmerie im Einvernehnien mit der Sicherheitswache in Neunkttchen tzingeleiteken Erhebungen ließen es mit Rücksicht auf den .am Tatorte vvrlMsdenen Benzingeruch wahrscheinlich erscheinen, daß sich die Täter zur Inbrandsetzung Geschäftes einer solchen Flüssigkeit bedienten; es ließen aber auch BlNtfpUrett und eine zerbrochene Fensterscheibe int Geschäfte bien Schluß zu, daß bei' den Entzündung durch! die vermutlich eittstandene Explosion die Täter Verletzungen daLVNgetvagen Wen Mußten. Die wetteren Erhebungen verdichteten sich inüntzr mehr zur lAnnahnre eines fingierten Einbruches Und selbstgelegten Brandes zNm Zwecke der Erlangung der am Geschäfte liegmden Versicherungssunnne vvn 6000 Schilling. Da die wetteren Erhebungen den dringenden Verdacht zeüigten, daß Bürger 'sich Mittelspersonen bedient habe, rrnterzvg die ^Gendarmerie alle mit ihm näher ',in Verbindung flehenden Leute einem eingeherchen Verlor. Hierbei stieß sie auf den Hilfsarbeiter Fosef Nenhvld Nus Neun- Vrchen und den Käselieferanten Bürgers, den Mfsarbotter Bruno Mfeile, der am linken Unterarme eine schwere Schnittwunde und am Kopfe Und an der rechten IHand Brandwunden anfwies. A!nf Grund dieser Indizien wurde Mifele eingehend einvenrmwNeN und legt« nach anfänglichem hartnäckigen Leugnen unter dem Drucke 'des schwerwiegenden Verdachtsuraterials ein umfassendes GvMnduis ab. Er wurde vor zirka Tagen vvn dem Inhaber des Eefchäftes, Peter Bürger, bewogen, das Geschäfts lokal anzuzündeu, um ihn dadurch in den Besitz ^MmMnWewnwg^uNrme tzui Men.

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