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Wiener Morgenzeitung · 1927-08-14 · Heft 3038 (14.8.1927) · p. Seite 2

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
9 (1927)
Issue
Heft 3038 (14.8.1927)
Date
1927-08-14
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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Sette 2 Wien, Sonntag Wiener Morgenzeitung 14.'August 192? Nr. 3Ö38 Weite»! gJiHifesaii 'Das ist das Ziel der zionistischen Organisation, di? ihre.? Kongreß der Rechrtsschuhkouferenz folgen lässt. Beiecn ge meinsain ist die Ueber^cngung. das; die jüdische Frage an:' der Geheimniskrämerei heransgehoben und auf das natür^ Rche Recht gestellt werden must. Die jüdische Minorität will nicht mehr, aber auch nicht weniger als die anderen Mind-erheiten anstreben, und sie will es offen und rmgescheut in der Aussprache von Volk zu Vvlk erreichen. Sie wird sich darin tveder in der Zerstreuung noch in Palästina .stören lassen. Diejenigen, die fcrnbleiben, fönttcit bicfe Arb-ci' höchstens verzögern, aber nicht verhindern. Aber sie machen sich selbst vor der nichtjüdischen Oefsentlichkeit lächerlich. Rückgang der englischen Ausfuhr. Pefsimlsmus der britischen Presse. London, 13. August. Die Ausfuhr Englands'hat sich!m Juli auf 93,362.350 Pfund Sterling belaufen, lvas gegenüber Juli 1926 einen Rückgang von fast stoben Millionen bedeutet, Bei der Ausfuhr, die einen Wert von über 66 Millionen ausmacht, beträgt der Rückgang 1,142.676, ivahrend bei der Wiederausfuhr von 9,682.734 eine Steigerung von* 232.828 Pfund Sterling vorliegt. Die britische Presse betrachtet die aus diesen Ziffern sich ergebende Lage mit einigem Pessimismus, weil der Abbau des Passivums der Handelsbilanz mehr auf einen Rückgang der Einfuhr als auf eme Steigerung der Ausfuhr zurückzuführen fcr. Ein endgültiges Zeichen einer Wendung sei noch nicht vorhanden, die Belebung in der Kohlenindustrie habe ztvar eine erhöhte Eisen- und Stahlausfuhr mit sich gebracht, hingegen herrsche in der Baumwollindustrie noch immer Stagnation. Der allmähliche Rückgang der P r e i s e sei jedoch mit Befriedigung zu konstatieren. sinck ckio unglaublich fabelhaft billigen Preise in den Seldenhiinsern $. WIIMflM Wien,Tuchlauben 8, und I., Bauernmarkt 2 a Nur mehr kurze Zeltl Franzos. Seiden-Foulards, herrliche Muster . . 8 7.80, 5.80 Mode Crepe de Chine, prachtvolle Dessins . . 8 12.—, 9.— Seiden-Georgette, viele Farben ....... S 11.—, 7.80 Honan Shantung, 90 CIN breit ..S 4.90 Japan Pongis, 30 cm breit.. S 8.50 Seiden-Wasch-Marokain.. . 8 4.80, 8.90 Hut-Samte, die neuesten Modefarben.S 4.80, 3.90 50 Farben Ia Wasch-Schnürl-Samte ..S 3.90 Alle Waschwaren werden total ausverkauft. Tief unter dem eigenen Kostenpreis! Beachten Sie unser Angebot und überzeugen Sie sich von der enormen Billigkeit. indem die Spannung im Vergleich mit den Preisen auf dem Kontinent nunmehr weniger ausgeprägt ist. Die „Times" meint, die britische Industrie müsse mehr Kopfarbeit leisten, um sich Vorteile zu sichern, besonders auf dem Gebiete der w i f f e n f ch a f t l i ch e n Forschung. In diesem Zusammenhang begrüßt die „Times" pie in Birmingham erfolgte Gründung einer Junioren-Handelskammer, die mit der bereits bestehenden Zusammenarbeiten werde. „Daily Ehronicle" beurteilt die gesamte Lage des Handels als sehr düster. Das schmerzliche fei, daß sich England nicht erhole, ivährend sich die gesamte Welt erholt. Je früher dieS die öffentliche Meinung begreife, desto besser sei es. ^906509098098609068660900698080099890885658090089585089689006069690088860069056 Tumultschadengesetz und Berficherungshaftung. Abweisung aller Feuer-, Glas- und UufallfchSdeu durch die Berllcherungssesellfchasten. Aus Kreisen der Versicherungsgesellschaften wird der „Corr. Herzog" mitgeteilt: Wie berichtet, hat der Bundeskanzler anläßlich einer Vorsprache des Präsidiums des Detaillistenverbandes der Wiener Kaufleute die Erklärung abgegeben, daß sich die maßgebenden Stellen mit der Schaffung eines Tumultschadengesetzes befassen, welches die Haftung des Staates und der öffentlichen Körperschaften für Schäden zum Gegenstand haben soll, die infolge Unzulänglichkeit der ölfsentlichen K" i'chc rh ei t,soi nri ch tun gc n, infolge eines Aufruhres oder Aufstandes entstanden sind. Diese Absicht der Regierung wird von -den 'interessierten Kreisen mit umso größerer Befriedigung ausgenommen und deren Verwirklichung für notwendig gehalten, als bekanntlich für sogenannte Tumultschäden von den Versicherungsgesellschaften im Sinne des Versicherungsvertragsgesetzes keine Entschädigung geleistet wird. Anläßlich der Ereignisse vom 15. und 16. Juli ist trotzdem eine Anzahl von Feuer-, Glas- und Unfallschäden bei den Versicherungsgesellschaften zur Anmeldung gelangt. Die betreffenden Gesellschaften haben nunmehr einhellig beschlossen, daß sie — ganz abgesehen von den gesetzlichen Bestimmungen — nicht in der Lage sind, für diese Schäden Vergütung zu leisten, da der Einschluß Tmnultrisikos in die normale Versicherung nirgends erfolgt ist und nmngels Ersatzbarkeit oersicherungstechnisch auch gar nicht erfolgen könnte. Die offizielle Staatskorrespondenz versendet folgende Feststellung. In -den Zeitungen vom 9. d. M. ist eine amtliche Verlautbarung über eiire Vorsprache des D e t a l I i st e n v e r - bandes beim Bundeskanzler in Angelegenheit der Schaffung eines T-u multgesetzes und der Vergütung von Sachschäden, die bei den Unruhen vom 15. und 16. Juli angerichte: wurdeit, erschienen. Um I r r e f ü h ru n g e n und M i ß v e r st ä n d n i s s e über die Absichten und Aeußerungen des Bundeskanzlers zu vermeiden, wird fest-gestellt,?daß nur d-iesc amtliche Verlautbarung authentisch ist. * Das heißt also, daß der Bundeskanzler dem Detarll-i-ftenverband nichts über die Einzelheiten deS Gesetzes bekanntgegeben und nur von der Schaffung eines Tumultschadengesetzes gesprochen hat. xxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxroxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxrexxxxxxxxxxxxxxxxxxx» ßine montenegrinische geanne dark. Abenteuerliche Flucht aus dem Gefängnis. Belgrad, IS. August. (Avala.) Stoja Markovic, die Schwester des bekannten, nicht unterworfenen montenegrinischen Arztes Dukasthin Markovic, der sich gegenwärtig auf der Flucht nach Rußland befindet, wurde von einem montenegrinischen Gerichte wegen zweifachen Mordes und Vergehens gegen das Staatsschutzgesetz verurteilt. Es gelang ihr, mit ihrem jüngeren Bruder, de-r sic besuchen kam, die Gefängni-swache zu täuschen und zu entkommen. Die Flüchtigen bestiegen ein Automob'. l, das -sie ans der anderen Seite des Bahngelelses erwartete. Die Verfolgung der Polizei blieb ergebnislos. Zu der Flucht der Stoja Markovic wird aus Belgrad gemeldet: Stoja Markovit, die an der Spitze einer montenegrinischen Bande lange Zeit hindurch mit der Gendarmerie im Kampfe stand und wegen Gefährdung der staatlichen Ordnung zu 20 Jahren schweren Kerkers verurteilt worden war, ist gestern aus dem Agramer Gefängnis entwichen. Sie wurde von ihrem Bruder besucht. Als die Aufseherin erschien, um den Bruder aus der Zelle hinauszulassen, umarmte sie ihn, um scheinbar von ihm Abschied zu nehmen. Im letzten Augenblick stieß sie die Aufseherin in die Zelle zurück, sprailg mit ihrem Bruder hinaus und, nachdem sie die s Türe zugeschlagen hatte, stürzten die beiden aus die Straße und liefen über den in der Nähe befindlichen Bahndamm. Die Wache wurde alarmiert, doch konnte sic die Flüchtigen nicht ergreifen, da ein gerade vor-überfahrendcr Zug sie an der sofortigen Verfolgung hinderte. Haftbefehl gegen General zagorstl. Warschau, 18. August. Gestern Ijat baS Kriegsministerium der Presse ein Communique über das Verschwinden des Generals Z a g o r s k i übermittelt. Dapach Ivurde der General letzten Samstag von Wilna, ivo er urrter der Anklage des Mißbrauches des Amtes gefangen gesetzt war, nach Warschau gebracht, un: auf Antrag des Militäranlvaltes in Freiheit gesetzt zu wevderr mit der Verpflichtung, sich Samstag beim Kriegsmini ft er zum Rapport zu melden. Der Termin für den Rapport wurde auf Montag oder Dienstag verschoben. Da General Zagorski weder am 8. noch am 9. d. zum Rapport erschien und weder in feiner Wohnung noch sonst irgendwo, wo er sich möglicherweise anfhaltm könnte, auffindbar ist, ist der Militäranlvalt der Ansicht, daß Zagorski sich verborgen halte und nicht vor den» Kriegsminifter erscheinen wolle. Infolgedessen ivttrde die Allgelegenheit dem Untersuchungsrichter überantwortet und ein Haftbefehl erlassen. Webern UmBtaii Ne Anleiheverhimdlunsen der öfterreichischea Regierung. 8cft im fittottr «erhlmvllingsrels. Der „Politischen Korrespondenz" wird von maßgebender Sette mitgeteilt: Die immer wieder auftauchcnden Gerüchte von Anleiheverhandlungen der österreichischen Regierung gehen darauf zurück, daß selbstverständlich zur rechten Zeit für die Fortsetzung der im Zuge befindlichen Investitionen, die bisher tutä den Ersparnissen der Bölkecbnndanleihe bestritten worden sind, wird vorgesorgt werden müssen. Bevor in diesbezügliche Verhandlungen eingegangen werden kann, ist die Fühlungnahme mit dem Kmrtrollkomitee, das auf Grund der Genfer Vereinbarungen vom Jahre 1922 bestecht, erforderlich. Die Völkerbundinstanzen selbst, etwa derRat oder das Finanzkomitee, befassen sich mit normalen Anleiheverhandlungen nicht. Soweit bisher bekannt ist, wird daö Kvntwllkomitee im Oktober in London zufammentrcten. Kne folgenschwere Entscheidung. 24 Kündigungstermine für HMvelsangestellte. Bekanntlich sind laut An-gcstelltengesetz in Lestcrrcich vier Kündi gungsterminc gesetzlich festgvlügt. Die Kündigung kann nach § 20 des Gesetzes mit Mlauf jeden Kalendervier l c l s erfolgen un-d beträgt die Kündigungsfrist je nach der Dauer des Dienstverhältnisses sechs Wochen bis vier Monate. Nachdem jedoch im Gesetz auch die Möglichkeit freigegeben wurde, durch Vereinbarung mit den Angestellten auch andere Kündigungsfristen festzulegen, wuroe von dieser Möglichkeit oft Gebrauch gemacht. - - Das Gewerbegericht in Wen und auch das Landcsgericht in ZivUrechtssacheu als Berufungsinstanz haben jd>och solche Vereinbarungen zumeist nicht anerkann-t. Nun hat der Oberste Gerichtshof über diese Frage dadurch eine Klarheit geschaffen,, daß er durchs, einen Plvimrbeschluß einen Rechtssatz anfstellte, dhr nunmehr auch in das Judikatenbuch ausgenommen wurde und.in welchem erklärt wird, daß die Kündigung am 15. oder Letzten eines Kalendermonates, unter Einhaltung der Kündigungsfrist, ohne jede lveitere -Voraussetzung, zulässig ist. In Oesterreich wird man infolgedessen in Zukunft nicht nur bei den Kalender-Bierieljahrsterminen, sondern auch am 15. oder Letzten eines jeden Monats die HandelSangestellten kündigen können. Diese Entscheidung ändert natürlich nichts, wenn in den einzelnen Branchen Frischen der Gruppe der Arbeitnehmer und der der Arbeitgeber sein Kolloktivve-rtrag besteht. Ebenso knn rrusrr dann alle vierzehn Tage gekündigt werden, wenn dieser Passus ausdrücklich bei der Aust nahm« deS Angestellten vertraglich sestgelegt wurde. Re Armee des Reformverbandes. General Statt an der Spitze des vorbereitenden Komitees Seitens des Refo.rrnverban.dcs der österreichischen .Hausbesitzer geht der „Korrespondenz Herzog" folgendes Communique zu: Der Reformverband österreichischer Hausbesitzer setzt sein« Bemühungen zur Schaffung einer Bürgergarde (Wrgerschütz) fort. Die massenhaften Aumeldungen, welche von einzelnen Personen und Organisationen einlaufen, haben den: Reform verkxurd veranlaßt, zunächst eine Sitzung der Delegierten aller Verbände einzubeLufen, welche 'sich für diese Aktion zur Verfügung gestellt haben. In der in den Bäckersälen stattgefuudenen Delegiert? nkoust renz waren 47 Organisationen und .Verbände vertreten. Von seiten des Roformverbandes ivurden durch Major Bretter, Vizepräsidenten Tichy und den Präsidenten Dr. Stark nochmals di« Gründe erörtert, welche die Notwendigkeit des Bürgevschutzes beinhalten. Es wurde beschlossen, unter Leitung des Reform verbarwes ein vorbereitendes Komitee zu schaffen, das die notwendigen Maßnahmen zu treffen haben wird. Denkmalsfchöndung in Berlin. SSureltttentale. Berlin, 13. August. Irr den letzten Tagen wurden von unbekannter Seite zahlreiche Attentate auf Denkmäler der Wilhelminischen Aera verübt. So sind mehrere Denkmäler in der Siegesällee beschädigt worden. Heute nachts hat sich ein besonders krasser Fall ereignet, indem ant Platz der Republik das Denkmal Moltkes über und über mit einer ätzenden roten Säure bespritzt wurde. Die Wiederherstellung des Standbildes wird auf größte Schwierigkeiten stoßen, da die Säure tief in den Marmor eittgefreffen ist. Bis jetzt fehlt von den Tätern, die eine organisierte Baird:' zu fein scheinen, jede Spur.

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