Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 9 (1927)
- Issue
- Heft 3038 (14.8.1927)
- Date
- 1927-08-14
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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| preis ES g j Redaktion, Administration: Wien, U., Taborstr. 1 Telephon 44-0-38, 43-3-19 Telephon ab 6 Ohr abends 31-0-86 Serie, ab */a9 Uhr abends 38-5-83. Druckerei: Lerohenfelderstraße 1 („lnva") Preise: Wien and Des 1erreich durch Post oder Verschleißstellen monati. 5 Schilling. Bezugsbedingungen für das Ausland im Innern des Blattes. Wiener Monmmitmm BESUCHET mn litMP RattiaiishillBr KSWstm* Aüfwflialtsort. Die Gemütlichkeit der guten alten Zeit. Wer kommt, wird wieder Stammgast! BMLQUI.-MÜ!ip!l. Volkstümliche Preise 1 Mittags - Menüs ä S 1'60 Direktion: OTTO KASERER Kr. 3038 Me«, Sonntag, 14. August 1927 S. Fahrgang RechtsputfÄ in Portugal. Sine Wriersrevotte. — karmona und Samara. Paris, 18. August. (Tel.-Komp.) Ueber die Militärrevolte in Portugal liegen jetzt weitere Einzelheiten vor. Danach wurde die Bewegung durch den Beschluß des Generals Karmona, der gleichzeitig die Präsidentschaft und die Ministerpräsidentschaft bekleidet, hervorgerufen, den Kriegsminister Passos Susa zum Vizepräsidenten zu machen. Die Ernennung Susas, der als linksgerichtet und b erfassungsfreundlich gilt, wurde von den monarchistischen Mitgliedern des Kabinetts mißbilligt, und es bildete sich unter den ihnen ergebenen Offizieren eine Verschwörung. Eine Gruppe diieser Derfchwöreroffizrere drang unter Führrmg des Leutnants S arm 0 irt e in die Raume des Präsidenten der Republik ein und forderte ihn unter Vorhaltung von Revolvern ans, die Ernennung Susas zu widerrufen rmd ein rechtsgerichtetes Kabinett zu bilden. Da der^Krkegsminister jede Diskussion ablehnte und die Offiziere für verhaftet erklärte, gab Sarmento mehrere Revolverschüsse auf die Kabiuettsmitglieder ab, wobei der Sekretär des Fiuauzminisiers verletzt wurde. Geneval Carmona warf sich auf die Eindringlinge und Leutnant Sarmento wurde verhaftet. Kurze Zeit später drangen andere Offiziere in die' R e g i e r u n g s d r u d e r e i ein und versuchten deren Direktor zu zwingen, im Amtsblatt einen Erlaß gu. veröffentlichen, worin die Regierung ihren Rücktritt a nkündigt und den Führer der Rebellion, Kommandanten Eämara, zum Diktator und Inhaber smntlicher Portefeuilles ernennt. Verschiedene Versuche der Verschwörer, die Truppen zur Meuterei zu bewegen, schlugen fehl. Die R e gi e r u n g zog sich nach dem Flugplatz A m a d o r a zurück, wo sie die Truppen korHentriert. General Earmona erklärt in einem Aufruf, er beherrsche die Lage vollständig. Der eigentliche Anstifter der Verschwörung, Kommandant Samara, wurde festgenommen. Im ganzen Lande herrscht Ruhe. Die Verbindung mit O p o r t o, wo es e b e n f a l l s zu einer Rebellion gekommen sein soll, ist unterbrochen. Die Putschisten gefangen. London, 13. August. (Tel.-Komp.) Werteren Meldungerr aus Lissabon zufolge wurde der verhaftete Führer der Militärberschtvörung, Kommandant C am a r a, an Bord des Kreuzers;,D o n Fernando" gebracht, während die übrigen Verschwörer in der Festrmg San Julian gefangen gesetzt wurden. Das Blatt „Diario Noticias" will wissen, daß die Zusammensetzung der Regierung nicht geändert werden wird. Das royalistische Organ „Correro Manha" teilt mit, die Royalisten hätten mit dem Putschversuch nichts zu tum Der. Kommandant der GarnifoneOporto piötesiiect öffentlich dagegen, daß Pie Rebellen seinen Namen auf ihre Ministerliste gesetzt hätten: Er sei ein Anhänger des Generals Earmona. Der Szeanflug - verschoben. Zer Termin noch unbestimmt. — Ser Sturm uns dem Meere. Startbereitfchaft. D e f s a u, 13. Augrrst. Die Flugleitnng von Junkers hat sich gegen 11 Uhr entschlossen, den für heute abends vorgesehenen Start der Ozeanflugzeuge vorläufig zu verschieben. Wann der Start nun stattfindcn wird, ist noch nicht bestimmt. Dieser Entschluß wurde veranlaßt durch die heute vormittags aus Hamburg von der Deutschen Seewarte eingelaufenen meteorologischen Meldungen, die besagen, daß zur Zeit auf allen v! e r in Aussicht genommenen Ozeanflugrouten das schlechteste Wetter herrscht. Die Tiefdruckrinne, die gestern über den Nordatlantik lag, hat sich weiter nach Norden verschoben. Die Ozeanflugmaschinen stehen aber startbereit auf dem Platze. ' v Koennecke stiegt! . rlin, 13. August. (Wolfs.) Um 1« Uhr 28 Minrrteu ist K ö ttiitnj ck e vom Flughafen Tempelhof zum Flug nach Kö ln gestartet. Koenneste in Köln. B«r k i n, 13. August (Tel.-Komp-) Der TraNÄ^eanslstger K ö n n c ck e ist mit seinem Begleiter Grafen Solms um halb 8 Uhr, also nach dreistündiger Flugdauer, in Köln glatt gelandet, wo die Flieger u. «. auch Vom amsrikanische,^ und französischen Konsul empfangen wurden. Start Sonntag abends! '.De s sa u, 13.' August. (Wolfs. 1 Nach den.'im Laufe des spätabends eingelaufenen Meldungen. ist das Tief weiter herübergewaudert, so daß die Bessvrnngl>er Wetterlage erhebliche Fortschritte gemacht hat. Auf Grund dieser Nachrichten rechnet die Leitung der JUukerwsrke nunmehr dainit, ^daß der'S t a fi'<& o n ifi a o ab c u*5 s erfolge,» knm», Levines Flugzeug beschädigt. Paris, 13. August. (Tel.-Komp.) Bei einer häute vorgenommenen Besichtigung der „Columbia" stellte Drouhin fest ,vaß ein Flügel des Propellers verbogen war. Er mußte abmonticrt werden. Man vermutet, daß es sich um einen Sabotageakt handelt. Der „BlaueVogel" und der »T a n g o V o g e l" unternahmen weitere Probeflüge. Trotzdem ist, in Anbetracht der dauernd ungünstigen Witterung, mit einem Start heute Nach nicht zu rechnen. Ae Funkersmaschinen. Dessau, 13. August. (Wolff.) Wie die Ozeanflieger erklären, tverden sie, ohne die übliche Start- und A bschiedsrunde sofort zum Streckenflug übergehen, um Betriebsstoff zu sparen. Die beiden Maschinen werden, llvenn auch jede in erster Linie sehen muß, wie sie selbst durchkommt, nach Möglichkeit Fühlung miteinander behalten. Zwischen den Besatzungen sind Signale durch Winken und Lichter verabredet. Sollte eine der Maschinen gezwungen sein, auf dem Ozean n i ed e rzugehen, würde die andere versuchen, auf ihrem Weg einen Dampfer aufzufinden, dem sie durch Beutelabwurf Lage und Situation der Schwestermaschine mitteilt. Außerdem such die Maschinen so eingerichtet, daß sie »licht nur schwimmen, sondern sich auch langte Zeit über Wasser halten können. Thea Rasches Absturz. P o u g h k e e r s i e (New York). 18: August. (Wolfs.) Das verunglückte Flugzeug Thea Rasches ist von den T a u ch e r n, die in der Nähe beschäftigt waren, an die Oberfläche gezogen worden. Es wies durch das Wasser hervorgernfene Beschädigungen und einen Bruch der linken Tragfläche auf. - Im redaktionellen Teil enthaltene erttgeltl'che Mitteilungen sind durch ein vorangesetztes E gekennzeichnet. Kongresse und SnungSste. —y, Wien, 14. August. In diesem Monat beginnt eine Kongreßsaison.;, si? reicht in den September hinein und wirft wieder politische Fragen von großer Bedeutung vor die Oeffentlichk^it. In Zürich tritt eine jüdische Rechtsschutzkonferenz zusammen, au sie schließt sich der Nattonalitätenkongreß, der 35 verschieden" Minoritätsgruppen mit zusammen 40 Millionen. Menschen vertritt. Ihm folgt der fünfzehnte Ziomstenkongreß uno die Septembersession des Böllerbundrai^s. All» diese Tagungen stehen miteinander in einem starken geistigen Zusammel^ Hang. Sie dienen der demokratischen Entwicklung und sind darauf angelegt, störnlde und tiefsitzendtz Probleme im vollen Tageslicht zu besprechen. Auf deu Rat d^s Völkerbundes trifft das nicht ganz zu und seine gewichtigsten Entscheidungen fallen hinter verschlossenen Türen. Aber er ist doch schon durch seine Existenz ein Zugeständnis cm die Forderung der Oeffentlichkeit und n^nngleichl seine Beschlüsse in vertraulicher Beratung reifen, so ist doch ein Fortschritt, daß er besteht und als sichtbare JnstaW in den Gang der Politik eiuzugreifen sich bemüht. Er hat bislang nicht viel an positiven Werten hervorgebracht, aber er hat für die .Austragung von Konflikten einen sichtbaren Ort geschaffen. Genf ist eine Hauptstadt, der Böller geworden und alle Enttäuschungen treten doch, vor der erueN Tatsache rück, daß ein moralisches Forum aufgerichitet W und daß'es der kriegerischeste Staat sich doch überlegen wird, eing Mobilmachung anzuordnen. , . Es ist ArMch sogar von ein^Archtnugl des Kr^es^Wsprochen worden. Damtt hat es noch seine Schwierigkeiten . Und der Weg nach Tipperarh ist lang. Aber das Wort ist ) gefallen und vielleicht erlebt es noch einmal die Welt, daß \ wirklich ein Gerichtshof eingesetzt wird, der d-i^. Schuld cai i Blutvergießen als ehrloses Verbrechen mit der Acht bestraft.! Bis dahin mag es noch weit fein, aber der nächste. Schritt wäre leichter zu tun: die Versehmung ber Hetze und der! Hetzer, der mit Straffanktion unchpgte Schutz.' der Wehrlosen, der nach „Rasse und Sprache" Unterschiedenen, an denen j der Janhagel seine politischen Gelüste abreagiert. Älnchj da-! für, dies öffentlich zu sagen, besteht eine Tribüne, die sich ■ die Minoritäten erbaut haben, und es wäre nur nötig, daß ihre Beschlüsse auf den Völkerbund ^wirten. Sig komMeN aus der Tiefe der Vollsseele, sie stellen das Unrecht auf die Straße. Der Nationalitatenkongneß ist seWeiUejJnstitution - des Rechtes, auch wenn er kein völkerrechtliches Subjekt ist; er schöpft sein Recht aus ficTJ selbst und er wird dadurch auch auf die Gesetzgebung wirken. Er wird dies Umso erreichen können, wenn die ihm angeschsofsenen Gruppe für sich selbst zu dem Entschlüsse kommen, jedwed^ Intoleranz zu verwerfen und dort, wo sie 'in der Mehrheit stehen, all^n Unterdrückungsbestrebungen zu entsagen. . c' ' Es gibt keine unter diesen Gruppen, big sich nicht r^uig aus die Brust Magen müßte, unds gerade auf diesem Ratio-' nalitätenkongreh muh diese Erkenntnis reifen, iveil chm die Nation angetzört, die die älteste ist an Geschichte uud> Kultur, die jüngste an polittscher Wertung. Es ist die jüdische Nation. Sie hofft, daß ihre Beschwerden als ^in Teil des großen Minoritätenpwblems aufgefaßt und der Lösung nähergeführt werden. Dazu gehört nicht viel, nur etwas Menschlichkeit, Gerechtigkeitssinn rmd Ökonomisches Gtzwisse.u.- lDas ist der '$nttcF der W>ischen 'Rechtsschutzkynfereuz 'in Zürich. : Sie hat bei den G'schrmlgerr, denen das Judentum ein. gelber Fleck ist, Unmut erregt. Eine Reihe von Vereim-/ glmgen bleibt fern und,sie haben alle die hübsch^Und glatte Formel gefunden, daß sie ihre Unabhängigkeit wahren mä». sich keiner neuen Institution untevordnen wollen. Das ist' die antisemitische Maxime von der Bodenständigkeit, ' die dümmste Erfindung des Hasses, auf das Objekt des Hasses übertragen. Die jüdische Oeffentlichkeit empfindet heute ihre Lage mit einem weitaus tieferen Verständnis, sie erkennt sie als einen politischen Marrgel und k^shülb wird die Züricher Konferenz das Bertmuen der jüdischen ^sfen besitzen und über die Mstiueuzler zur Tagesordnung übergehen. Das jüdische Volk will sein Recht für die ebrzelnen und für die Gesamtheit. Kein Jude ftlll verfolgt Norden, weil er Jude ist. Das ist eine Forderung, dici jeder tonte*- schreiben muß und die ihm nichts von seinem mvgezüchtebeu Patriotislnus niumrt. t > Die jüdische Gesamtheit hat einerr Noch weiteren A8kg zu -gcheu, sie hat eim;, neu« i