Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 9 (1927)
- Issue
- Heft 3036 (12.8.1927)
- Date
- 1927-08-12
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 85% known words query
- IRI
…/2979076-2981905-2982124--30946-3019217- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
6036 Wien, Freitag Wiener Morgenzettmrg 12. August 1927. Seite, S Mordversuch an der ttattin. ein KifersachtsatNnttt. 1**9 «Gestern Mchts hat der A7jährige Maurergeh ttfe Franz i jDiemste hc rmtzei?vYsxL.wa-r,tmt Kt' KsttMsLr-rE inÄerHLohnung, 10. Bezirk, Quellenstraße 101, | begann wieder den allen SkveÄ wegen ihrer Stellung, seine Gattin, die32jährige Ludmilla Kasparek, Überfallen sund durch Messerstiche in die Arnte und in den Oberem Mid' schenket schwer verletzt. -Ter Mann wurde verhaftet und Von dm erbitterten Hausleuten fast gelyncht. Die SicherheitÄvache wußte ihn vor der Wut der Menge schützen. /Me Tat erregte nicht nur im Hanfe, «sönvern inj der ganzen UmtzÄmrg größtes Aufsehen. Veber die Vorgeschichte und die Äusfühtnng erfahren wchyr . Frau Kasparek war seit fünf Jahren verheiratet. jAjns «ihrer ersten Ehe hatte sie drei Kinder im Atter vrm neun bis fünfzehn Jahren. In der Wohnung hielt sich aber jetzt nur ihr altefter Sohn, der 15jährige AWlerlehrling Franz Bizan, auf. ' « Kasparek kam amMittwoch abends bezecht nach ' Wprsse.l Es war erst Ti Uhr, die Frau war nicht daheim. , Kasparek legte'sich im Zimmer auf dent Fußboden Mder^ Als 'er um! Mitternacht erwachte, wollte er das Bett Wie Kaspcwek behauptet, hat ihm die Ivan in hochfahrendem Tone zugerufen, sie könne machen, was sie wolle. -Diese Aenßerung hat nun, behauptet der Mann, ihn derart in W" t versetzt, daß er in großer Aufregung in die Küche lief und aus der Kvhlenkifte das gwße Messer holte, mit dem er auf seine Frau blindlings losstach. Die Frau, die den Tod vor Augen sah, rief laut um Hilfe. jDüs hörte ihr Sohn-, der im Bette lag. Er; sprang auf, sah, was seiner Mutter drohte, lief zu ihrem Bette Und riß dm Stiefvater, der sich wie wahnsinnig gebärdete, von hintm vom Bette los. Dadurch tvurde das Aergste verhütet; denn die Frau gewann so Zeit, daß sie mit lauten Hilferufen flüchten kmrnte. Als die Parteien davon hörten, wollten sie den Mann lynchen. Er wurde auch! verletzt. Sicherheitswache nahm ihn fest und brachte ihn zum Pottzeikommissariate Favoriten, Die Strafamtshandlung ist eingeleitet. des Desuvs, und die Flucht ergriff. Das Gebüudck wurde Volkständig zerstört. Aus dem Trümmerhaufen tvurden vier Lerchen ge/ boryLN. Fünf Personen wurden verwundet. Ler BleWndlerssohn aus Stekuamauger. Mi« wir berichtet haben, hat der 25jLhrige Ernö LowiNiger, der Sohn eines «Viehhändlers in Sbeinamanger, einer hiesigen Firma «inen Vorschuß von 7000 Schilling entlockt und sich uoH Brasilien eingeschifft. Laut einer Radiodepesche wurde tr nnmnchr bei seiner Landung in Rio festgenommerr. Man fau'1 bei ihm noch den. allergrößter Teil der Summe. Löchrnger wird rrach Europa zurückgebracht Werden. Aas dem Weg rum LekchenbegSagnk« der Gattin verunglückt. Der 59jährige Kaufmann Dtaxx Straffer, Pratecstvaße Nr. 38 wohnhaft, fuhr gestern nachmittags mit einem Auto zum Leichenbegängnis fehlet Frau auf den Zentvalfriedhof. An der Ecke der Svidlgafse und Kegelgasse stieß sein Auto mit einem zweiten zusammen. Straffer wurde aus dem Wagen geschleudert, und erlitt eine erhebliche Wunde am Scheitel. Dem stäubten leistete die Rettungsgesellschrft Hilfe und brachte ihn ins Rudo^^s-Spital. Kleine Nachrichten. Die Private Selma Lechkowitz, Stroheckgasse wohnhaft, tvurde in der Taborstraße, als sie einen Straßenbahuzng besteigen wollte, von dem Privrtbeamten Rvsenthal, der mit seinem Motorrad« fuhr, niedergjestoßen und «verletzt. jchMWem Er. ssah, baß dre Frau irr der Zwischenzeit vom Wurmpulver. Natron und Beton. Sine dunkle Berstcherungsgeschichte. Der 31jährige Chemiker-Pharmazeut Dr. Bernhard Hollinger, zu Ropcze in Polen geboren, in Wien Belvederegasse wohnhaft, tvurde gestern hier unter dem Verdachte des Versicherungsbetruges verhaftet. Mitte Oktober v. I. beauftragte Dr. Hollinger einen hichrgen Spediteur, eine Este, die angeblich 25 Kilogramm Santonin (Wurmpulver) enthallen sollte, aus seiner Wohnung abholen zu lassen und nach Czernow i tz zu transportieren. Santonin ist ein teures Präparat und hat pro Kilogramm einen Wert von 60 e n glifch en Pfun de n. Dr. Hollinger gab den Auftrag, das Santonin gegen Transportschäden ans 1500 Pfund Sterling versichern , zu lassen. Eine Versicherungsgesellschaft lehnte wegen mangelhafter Verpackung ab; die A ng l o - E l e m e n ta r v erst ch e r u n g s g e s e l l f ch a f t, Schwarzenbergplatz 4, nahm den Antrag an, unter der Bedingung, dass die Sendung in eine verlötbare B l e ch k i st e verpackt werde. Am 29. Oktober v. I. wurde nun die. entsprechend adjustierte Kiste beim Gütermagazin des Hauptzollamtes in der Marxergasse aufgegeben und am 30.. via Nordbahn an die Adresse Leon Treff er, Czernolmtz, instradiert. Das Bruttogewicht betrug 50 Kilogramm. Für die Versicherungssumme von 1500 Pfund war eine Prämie von zw ölf Pfund zu bezahlen. In Czernowltz wurde die Sendung vom Adressaten nicht bezogen. Am 7. Dezember erschien Dr. Hollinger bei der Versicherungsgesellschaft und teilte mit, daß die Sendung nach Wien z u r ü ck g e h e n müsse. .Cr schloß auch für den Rücktransport eine Versicherung unter den gleichen Bedingungen ab. Als die Kiste längere Zeit hindurch nicht in Wien eintraf, wurde u r g i e r t, endlich langte sie am 111. Februar beim Hauptzollamt in Wien ein. Die Plomben waren unverletzt und das Bruttogewicht betrug genau wieder 60 Kilogramm. Bei der Oeffnmrg der Kiste im Zollamt ltnttbc jedoch festgestellt, daß sie statt der 25 Kilogramm Santonin Mw 5 K i l o eines Präparates enthielt, dann ein aufgerissenes Paket mit etwa 4.8 Kilogramm der gleichen Beschaffenheit, etwa eineinhalb Kilo in der Kiste versweutcs Santonin, dann mehrere rumänische Zeitungen, ein Stück Beton inr Gewichte von 10 Kilogramm und ein eifernes Gewicht von 5 K i l o g r a m m, an dem die Eichpunze mit einer Feile unkenntlich gemacht war. Dr. Hollinger machte den Schadenersatzanspruch geltend und erhielt von der Gesellschaft schließlich 940 e n g l i s ch e P f u n d ausbezahlt. Hinterher aber erschien die ganze Sache verdächtig. Die chemische Untersuchung ergab, daß die Neste des angeblichen Santonin in der Kiste nichts anderes als Soda b i c a r b o n i c a waren. Es wurde auch festgestellt, daß der Adressat Leon Treffer, der Halbbruder des Dr. Hollinger ist und eine Gastwirtschaft betreibt, somit zum Handel mit Mcdikamenten gar nicht befugt ist. Auch fonst erwiesen sich mehrere Angaben des Dr. Hollinger bezüglich der Angelegenheit als u n st i chh ä l t i g. In seinem Arbeitsraume war im Dezember 1923 ein Brand ausgebrochen, wofür Dr. Hollinger von einer Versicherungsgesellschaft als Entschädigung 5700 Schilling a u s b e z a h l t erhielt. Im August v. I. ist ihm auf der Reise nach Leipzig seiner Behauptung nach, ein Handkoffer gestohlen worden, der mit 10.000 Schilling versichert war. Er hatte sich damals mit einer Abfindungssumme von 2100 Schilling zufrieden erklärt. Dr. Hollinger hat seit 1923 im Hause Annagasse 18 ein Vertriebsgeschäft für V e r b a n d st o f f e innegehabt und ist damit Ende 1923 ins Ausgleichsverfahren geraten. Mehrfache Verdachtsmomente sprachen dafür, daß in der Kiste schon bei der Absendung in Wien kein Santonin enthalten ivar. Dr. Hollinger!" ".-de daher unter B etrugsv er dacht verhaftet und dem Landesgerichte eingeliefert. Von der erhaltenen Versicherungssumme von 940 Pfund wurden noch 4000 Schilling zustande gebracht. ■ OOOaoOOOOQQOOOQQOOOOQOQQOOOCX&OOaQQQOOOQOOQOQOaaaOOOOOOOQaOOOQOOOOOOQaQOOOOQOQ Furchtbare Bluttat eines Försters. Seine Dlenstgeöer und sich selbst erschossen. Be r li n, 10. August. (Tcl.-Komp.) In En s k t r ch e n Mhemland) spielte sich heute vormittags, wie die Blätter berichten, eine aufsehenerregende und vorderhand noch unaufgeklärte Tragödie ab. Der Rittergutsbesitzer von Mallinckrodt imb' dessen Gattin wurden ihn Automobil vor dem Wachen- Dörfer Schloß des Ehepaares von einem Förster ans dem Hinterhalt erschossen. Herr nnd Frau von Mallinckrodt jerlagen in wenigen Minuten ihren Schußvrrlotzuugon. Der Förster Verübte nach vollbrachter Tat Selbstmord. Die Gründe per Muitat liegen vorläufig im Dunkeln. Absturz vom Hochkönig. Sal zburg, 11. August. Der 27jährige Wiener iStudent Leo Ascher unteriraHm am 7. d. von Bischvfshtof'en aus eine Tour auf den Hvchkönig. Da das lSWützhatts überfüllt war, wollte er nach Mühlbtzäjch «cchsteigen, verirrte sich in der Dunkelheit, stürzte «Lb ünd komlte erst ailt anberen Tage auf seine Hilferufe vM Einheimischen nach Mühlbach gebracht tverden. .Seine Verletzrmgen sind schwerer Natur. * Salzburg, 11. August. Der 17jährige Realschüler Mrdolf Rittinger aus Wien, der, wie bereits gemeldet, dnt.’ß. b. int Svnnblickgebiet abstürzte, ist im Spital vi-m-.S.t. .Jvlcha>Mt i P. seinen Verletzungen erlegen. Arbeltslüsenuliruhen ln Zglerz. Kattowitz, 11. August. (Wolfs.) Nach einer Meldung auS Lodz ist es gestern in Zgierz zu blutigen Ausschreitungen der Arbeitslosen gekommen, die wegen der Ablehnung ihrer Forderungen durch den Magistrat vor das RathauS zogen und die Polizei mit Pflastersteinen beüuaTfc». Mehrere Polizei beamte and einige Arbeitslose haben ^cywr-.'c Verletzungen erlitten. Vierzig Personen wurden verhaftet. Indianerausstand in Bolivien. Mehrere MM «ttStü. London, 11. August. (Tel.Momp.) Nach einer Meldung aus La Pazldohnt sich-ein Aufstand der bolivianischen Indianer weiter aus. Mehrere Weiße sind bereits von den AuMndischeu getötet worden. Die RegierungsttMon haben 37 Stammeshäuptlinge gefangen genommen. Meder eine Feuerwerkssabrik ervloviert. Bei Neapel, vier rote. Rom, 11. August. -iMefan:.) In Tor re de Groee bei Neapel explodierte eim große Feuerwe^rksfabrik. Die Explosion war derart stark, daß die Bevölkerung in der' Meinung war< eS handle sich um einen neuen Ausbruch Die 55jährige Johanna Lamm ei lund ihr 18jÄhriger Sohn Hermann, Beheimgasse 35, soiwie die 73jähvige Marie C h y t i n, Triesterstvaßc 116, wurden wegen Vergiftungserscheinungen nach den: Genuß von Schwämmen lins Spital gebracht.. ■ Der 30jährige Kaufmann ^Alois S. wurde in ferner Wohnung in der. Nordbahirstraße mtt Erscheinungen einer Vergiftung bewußtlos aufgesanden. Wegen schlechten Geschäftsganges Nahm igesterir die viLrzig-- jährige Paula P. in ihrer Wohnung >rn der Geologengasse 30 Tabletten B e r ä m o n. Die Rtzttungsgtzfellschaft ilersttto ihr.Hilfe.- Bei Hainburg wurde gestern die Lerche leines eüvü .25-. jährigen Mannes ans der Donau gezogen.. Der Tote, der erst vier bis fünf Tage im Wsrssyrz gÄegW sÄn. diirrftel, 'trug nur schwarze Badehose. ' ' . ' ' ■ . Witrrr, 12. AiMtz lGc'mittrcrregen in Wien. , Gestern gegen 10 Uhr abends ging Wer Men ein kurzes Gewitter nieder, das zunächst einen heftigen Guß brachte, der dann rn Dauerregen überging. Die Voraussage ineldct warmes Wetter mit lokiMr G.eWftshrMeiWNÄ. >Zwer Tote am Torkenerjoch, Die seit Sonntag vernnßten GeMfen S^char-rn'giew: und Schwaitl aus Morzg bei Salzvurg wurden gestern am Torrenerjoch. Ver Golling tot auWfundien. Si^ sind ver einer Wanlntetterung.39 Mieter rief abtzestüW, Vcrtnussstunden aut Montag. . Montag ist, wie die KauftnAnnische Kvrrdspvnder^ UM teilt, weder ein gesetzlicher noch ein rouEDVertzNagsmäßigey Ruhetag. — Bezüglich der TabaArasKen wird uns von der Finanzlandesdiremon mitgetE, daß ein Perschleiß über 10 Uhr. vormittags hinaus unzulässig ist. ' '•*■'! Eröffnung erner AdvowturslanFei in Haifa. >! Unser geschätzter Freund, Herr Dr. Bleigel, der seinerzeit Rechtsanwalt in Men und Leiter der österreichischen NattonalfondssamUrelstelle war und seit einigen Jahren in Haifa lebt, hat dortselbs" eine AdvobckttiWanzlei Eröffnet. In schlwerer Notlage. . , In unserer NedaMon erschien ein Wiettev jüdisches Schneidcrnteister, der nach einer schweren NierölroperatroN aus dem Spital entlassen wurde, auf ettteml Auge erblindet ist und überdies an akuter Furunkulose leidet. Dev bedauernswerte Marrn, Vater von vier halbwüchsigen Kindern, bedarf dringer Hilfeleistung, bis er wieder ettoorbss'ähig ist. Die Adresse ist uns bekannt. Spenden für diesen überaus Bedürftigen und Würdigen nehmen wir gerne entgegen, werden sie ihrer Bestimichung zuMften und ausweisen. Todestäler. Inr Innern Javas gibt es Gegenden, in dmren 'denv Boden reme KoUensäure entftröntt, die sich in! engen Talernfchnitten manchmal so dicht ansammett, daß jeder, der zufällig in die Mhe dieser Stellen gelangt, fast augenvlrckltch erstickt. Die Gefahr ist uM so größer, als wählensäure bekanntlich gämlich geruchlos und daher vorher nicht wuhrzuneymen rst. Einen dieser höchst gefährlichen Plätze haben nun die Javaner „Todestal" genannt, und zwar mtt Recht ,va wirklich schon viele Menschen durch die unhernvttche Ausströnlung den Tod fanden. — Ein anderes Todestal lrcgt im Südosten Kaliforniens und wird so genannt, weil es an keiner Stelle der Erde so heiß und trocken ist wie hier. So hat ijwm z. B. int Jahre 1914 ernmal eine Hitzetemperatur Von 56.70 Grad Celsius gemessen, während die durchschnittliche Juliwärnre Wer Die M-genmenge des aanzcn ^Jahres beläuft sich im Todestal auf 7.6 Mtllitineker. Der höchste Turm der Weilt wird in Berlin gebaut. Gegenwärtig werden die Vorbereitungen für die große deutsche B a u a u s st e I l u n g in Angriff genommen, welche im Jahre 1930 in Berlin eröffmt werden soll. Man plant, wie Berliner Mütter mittvilen, im Rahmen dieser Ausstellung die Errichtung eines neuen F u n k t u r m e s als weithin sichtbares Wahrzeichen der Leistungen deutscher Technik, der an Höhe und Einrichtung alle bisherigen Turmbauten übertreffen soll. D:eler neue Berliner Turm wird nach 'den Plänen der Architekten den Eiffelturm an Höhe um 200 Meter ü bertreLjem.