Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 9 (1927)
- Issue
- Heft 3034 (10.8.1927)
- Date
- 1927-08-10
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Ne. 3034 Wien, Mittwoch wtettcv wiOfgCRsCiniRg 10. Augnst 1927 Seite 7 Bühne und Kunst. „Palästinensische Mnstkfragen." Wir erhalten aus Tel Amirv unter dem 3. August das nachstehende Schreiben, das wir vollinhaltlich wiedergeben: ,„Jm Namen des „Palcstine Symphonie Orchestra", dessen Präsident ich die Ehre zn sein habe, fühle ich mich Vepftrvchtet, einiges richtigznstellen, was der Einsender des in Ihrem w. Blatte vom Freitags den 24. Juni l. I., unter dem Titel „Palästinensische! «Mnftkfragen" den Tatsachen widersprechend gebracht hat. Das Pa estina Symphonie Orches ra Hai s ine Entstehung nicht dem Impuls eines einzelnen zu verdanken, sondern es entsprang dem Bedürfnis der hier lebenden B^rufsmusiker, die wahre Kunst zu pflegen, da sie durch die Verhältnisse gezwungen sind, künstlerisch unbefriedigender Beschäftigung nachzugehcn. Die Tatsache, daß Herr Max Lampl bis zum 4. Juni d. I. vom Dirigieren ausgeschaltet war, ist, wie ausdrücklichst bemerkt tverdxn muß, nicht auf irgendwelche Parteilichkeit zurückzufühven, sondern findet seine Erklärung in dem Umstande, daß Herr Lampl, welcher ein Orchester für «-igene Zwecke zur Verfügung! hab^n wollte, gegen das kooperative Orchester kämpfte. Wenn der Einsender getvisse Vorgänge, die sich anläßlich der Proben und Ausführuirg des von Herrn Lampl geleiteten Konzertes abspielten urck welche er als Disziplinlosigkeit bezeichnet, aus!dem Dmckel in die OeffeNtlichkeü hervorgezogen haben rvünschi, so genüge ihm der Hinweis auf das reibungslose Zusammenarbeiten des tÜrchechers mit seinem Dirigenten Ford aus als Bekräftigung, daß das Orchester bereit ist, Autoritäten anznerkenneu, die verstehen, dein Orchester, welches aus reinstem. Idealismus arbeitet, ein künstlerisches Aequivalent zu bieten. Dies diene zur Klärung der Schlage. Mit' der Bitte um gefällige Veröffentlichung dieser Zeilen in Ihren: w. Blatte, wofür ich Ihnen im Namen des Palästine Symphonie Orchestre besten Dank sage. Friediiich Saphir. » Der Veröffentlichung vom 24. Juni d. I., auf welche sich dieses Schreiben bezieht, haben wir folgende redaktionelle .Bemerkung vorausgeschickt: Wir erhalten von besonderer Seihe bie inlachstehend'e Zuschrift, d^renl Veröffentlichung uns zweckinäßig erscheint, wenn wir auch nicht in der Lage sind, die in den Ausführungen des geschätzten Einseiwers enthaltene Stellungnahme von hier aus auf ihre Stichhältigkeit zu prüfen. Chaplin «brr sich selbst. „Man kann nur darstellen, was man ist." Henry Poulaälle veröffentlicht in seinem ChaplürfJucfjf folgendes interessante «ÄlbstbekenrÄnis des großen Filmdarstellers. M tat" diese Aeußerungen üuter Freunden, als inan über!Gield und Habsucht sprach!, kurz vor seinem sensationellen Scheidungsprozeß. „Wollen Sie micks glauben? In gewissen Dingen kommt bei mn der Me n sch, ve r ich früher gewesen, immer wieder. deutlich zum, Vorschein. Sie haben mich in ^Goldrausch" als Millionär in Zylinder, Pelz und Lackschuhen gesehen. So auf dem Dampfer urnhierspazirrend, bücke ich mich einmal, um einen Zigarrenstummel aufzulangen, den ich nicht liegen lassen will. Das «in sujbjektiiver Chavakterzug. Das bin ganz Ich, .ich habe die alten Tage irn Gedächtnis bewahrt, die Zeit, in der ich mit Pennys rechnen mußte. Ich gehe sparsanr um mit der Wollkrepp, ans dem meine Schnurrbärte gemacht. werden, und muß ich null eür Stück davon wegwecfen, weil es wirtlich. zu schmutzjig. Aewordru ist, dann möchte ich weinen. Und dahgi kostet davon das Meter nun vier Sous. Dagegen kommt es vor, daß ich urich «inen ganzen Tag lang nicht im Studio sehen lasse, Weil ich mich nicht aufgelegt fühle, zu spielen und das Spiel zu leiten, und das kostet mich tausend Dollars. Sir sehen, der Mensch, der ich bin, und der Hel d meiner Filmest im menmite in anderübere i n. Ich glaube, mau konrmt zu' nichts Rechtem, tdenn man nicht das. darsteM, was man selbst ist." Ehrendoktor Furtwängler. Der Kapellmeister Furttvängler wurde von der Universität Heidelberg zum Ehrendoktor ernannt; tags daraus hängt an seiner Wohnung ein neues Namensschild: „Dr. Wilhelm Fnvtwängler" und darunter: „Keine Krmrkenkafsenpraxis." „Mirakel".ohne Reinhardt. In Prag findet dieser Tage die Verhandlung über die Klage eines Konzertunternehnrers gegen Professor Max Reinhardt auf Zahlung einer Konvontionalstrafe von 3000 Dollar, statt, lveil Reinhardt entgegen der kontraktlichen Verpflichtung, die Generalprobe persönlich zn leiten und kn Vorstellungen selbst beiznwohnen, zur Aufführung nicht nach Prag gekommen ist. Der Konzertuntevnvhmer begründet feine Klage damit, daß er durch. das. Nichterscheinen Reinhardts an Renommee eingebüßt habe und daß den A-trffühvmrgen jener „letzte Glanz" fehlte, den ihnen Reinhardt verliehen hätte. Eine kräftige Kundgebung Bermrd ShiawiS. Aus Anlass der.Sammlung, ivelche die anlerika nische Shak.e- Cp e a r e - G e s e l1 f eft a f t eiuleitet, um das Verbrarurte Shakespeare-Theater in: Geburtsort des Dichters wieder hevzustellen, hat Vernarb Shaw an diese Gesellschaft das nachstehende Telegramm gerichtet: „Ich enlpfinde ein Gefühl llnfagbarer Erniedrigung, da ich sehe, wie sich England bemüht, ln Anrerika Geld für Shakespeare zu sam>- , mein, statt ihm aus eigener: Mitteln ein seiner würdiges | Denkmal anfznstellen. Aber da bei uns in England die armen Leute kein Geld haben und unsere Reichen den ganzen Nachlaß Shakespeares «m ftinf Cents verkaufen würden, wenn ste jemand dafür gäbe, bin ich gezwungen, an das englischsprechende Amerika zu appellieren, damit Amerika uns davor bewahre, uirs um Geld an die Deutschen wenden zu müssen/' Margarete Bach, die Wiener Sprechkünstlerin, gab in Karlsbad, wie uns von. dort geschrieben wird, einen schr erfolgreichen.' Rezitatiocksabend. Sie sprach Dichtungen von Poe, Wildgans, Rilke und Nüchtern und fand starken Beifklb Madame Cahwr stiftet ein Heim für betagte« Künstler. Madame Charles Cahier, die berühmte schwedische Sängerin, hat gemeinsam mit ihrem Gatten testamentarisch bestimmt, daß ihr Schloß Helgerum bei Kalmar nach den: Tode der Ehegatten als Heim für betagte Künstler, besonders Mustkeri dienen soll. In dem großen Park, der das wundervoll gelegene Schloß umgibt, soll eine Garten- und Haushamchule errichtet werden, deren Ertrag für den Unterhalt des Schlosses verwendet werden soll. Rachahmenslmert. Dem Zentralinstitut für Erziehung und Unterricht in Berlin ist eine Musikberatungsstelle angegliedert. Ueber den engeren Rahmen der musikalischen Berufsberatung hinaus soll die Musikberatungsstelle eine Zentrale für alle mit Musikerziehung und Mnsikpflege in Zusammenhang stehenden Fragen werden und durch Hinweis auf öffentliche Einrichtungen (Bibliotheken, Chöre, Sammlungen usw.) und Veranstaltungen (Fortbildungskurse, Tagungen, Mgrsikfeste) das allgemeine Interesse zu fördern und anzuvegen suchen. August deutsche ftt ist mein Am de« rheatek«. Wiener K a m m e r s p i e >1 e. Am 16. Uraufführung des Lustspieles „Mein Sah Vater" (Mademoiselle Wüte) von Louis Verne «44, deutsche Bearbeitung und Inszenierung Robert Blum. Für die weibliche Hauptrolle wurde P o l d t Müller verpflichtet. Theater in der Josef st ad t. Heute, 6 Uhr, zum ersten Male, „Der schlafende Gatte" von Be«la SzeaeS. R o la nd b üh n e. Gestern fand die 60. Aufführung des Sensationsstückes „Die weiße Sklavi n" statt. Freitag Erstaufführung des neuesten Bühnenwerkes von Felix Fischer, der Revuekomödie „Der Roman eines Girls". Johann-Strauß-Theater. Uebermorgen (Freitag) ErstaufführuW der Revue-Operette „Die Lady vom Lido" von Otto Florian und Robert Kätscher, Musik von Robert Kaffcher. Vereine. BortrSge und Versammlmigen.' Zionistische JugelMorgamfatton Brigittenau, 30. Bezirk, wstraße 3019. Heute, 8 Uhr abends, Referat über „Wege Die erste Artist« nvrüfung nach den Sommerferien findet am Samstag, den 27. August, um 3 Uhr nachmittags im Johann-Strauß-Theater statt. cXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXreXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXX Gerichtssaal Stadtrat Breitner geden dm „Tribunal". Der Vorstands des Strasbezirksgerichtes I, Hofrat Dr. Höflmayer, hatte gestern über eine Preffeklage zu verhandeln, die der Finanzrefereni der' Gemeinde Wien, Stadtrat Hugo Breitner, gegen den verantwortlichen Redakteur der Zeitschrift „Das Tribunal", Walter Deutsch, wegen Vernachlässigung der pflichtgemäßen Obsorge erhoben hatte. „Das Tribunal" hatte am 21. April einen Artikel veröffentlicht, in welchem gegen Stadtrat Breitner der Vorwurf erhoben wurde, er habe sein fimfköpfrges Dienstpersonal nur in seiner Kritzendorfer Villa angemeldet, um der von ihm selbst geschaffenen Hausgehilfinnen st euer zu entgehen. Stadtrat Breitner war nur in der Lage, die Preßstlage gegen den verantwortlichen Redakteur beim.Strafbezirksgericht I zu erheben, da der Verfasser des Artikels nicht feststellbar war. In der ersten, vor längerer Zeit urtd vor demselben Richter stattgefundenen Verhandlung wurde von seiten des Angeklagten d-er Antrag gestellt, eine Anfrage anden WienerMagistrat zu richten, ob Stadtrat Breitner für sein Hauspersonal seit Inkrafttreten der Hausgehilfinnenabgabe bis zum Erscheinen des inkrimtnierten Artikels eine Abgabe entrichtet habe. In per gestrigen Verhandlung wurde die Antwort des Magistrats vorgelegt. Der Wiener Stadttnagistrat hatte mitgeteilt, daß Breitner vom Jahre 1919 bis 1927 jeweils, sein weibliches Hilfspersonal in Wien angemeldet und stets fristgerecht die Hauspersonalabgabe entrichtet habe. Das Gemeindeamt in Kritzendorf bestätigt, daß Breitner dort niemals weibliches Dienstpersonal cmgemeldet hatte. Walter Deutsch wurde wegen Uebertretung nach § 30 des Preßgesetzes'Mit Rücksicht auf eine inzwischen erfolgte Verurteilmrg zu einer Zusatzstrafe von 50 Schilling v e r-< urteilt. düng wurde hervorgehoben, es wäre begreiflich, daß ein unehelicher Vater. bei seiner Heirat feine Vaterschaft zu dem Kinde anerkennt, um es als eheliches emtragen zu lassen. Für einen ehelichen Vater jedoch, als welcher der Kläger bezeichnet tm-rde, wäre kein Anlaß Vorgelegen, die eheliche Vaterschaft ausdrücklich in einem Protokoll anzuerkennen. Bestrnsung der Münchener SynagogenrSnber. Aus München, 5. August, wird gemeldet: Im Jänner dieses Jahres brachen der 5^aufmam: Zucker und der Holzhändler Stockmann wiederholt in die hiesige «Synagoge ein und raubten Aliargegenstände von hohem Werte, die sie zertriimmerten und verkauften. Das Schöffengericht München verurteilte nun Zucker zu. zluei Jahren und vier Monaten Gefm:gnis, Stockmann zu neun Monaten Gefängnis. Pava wider Wille». Der Privatbeamte Hans L. klagte den minderjährigen, als sein ehelicher Sohn eingetragenen Oskar L. beim Zivillandesgericht auf Feststel- X u n &, daß ern: cht sein ehelicher Sohn fei. Zur Begründung führte der Kläger an, die uneheliche Mutter habe, als der Kläger heiratete, beim Pfarrer erwirkt, daß ihm> ein Protokoll vorgelegt wurde, in dem er sich als den ehelichen Vater des Kindes anerkannte, das infolgedessen in die Ehe geschrieben worden fei. Er habe dieses Protokoll, das er für eine der vorgeschriebenen Formalitäten hielt, unterfertigt, ohne es gelesen zu haben. * In Wirklichkeit sei er nicht einmal der uneheliche Vater des Kilwes, er habe die KindeÄnutter erst fünf Jahre, nachdem das Kind geboren war, kennen gelernt. Gegen das Urteil des Zwillandesgerichtes, welches dem Klagchegehren Folge gab, brachte der Kurator des Minderjährigen die Berufung an das Oberlandesgericht ein. Der Kurator führte an, das Kind passe dem Kläger, der zum zweitenmal geheiratet habe, nicht in seine junge Ehe, deshalh wollte er es abschütteln. Wenn lvirllich dmch einen ^trügerischen Vorgang der Kindesmutter das Kind als sein eheliches eingetragen worden wäre, so hätte er die Anzeige erstatten müssen, es fei nicht glaubwürdig, daß er nicht gelesen habe, was er unterschrieb. Der Klagevertreter wies darauf hin, daß es dem Linckber:, der in einer Erziehungsanstalt in Wels untergebracht sei, schr gut gehe. Es könnte ihm als eheliches Kind gejvi.ß nicht besser gehen als jetzt als uneheliches. Die Kinder, in Oesterreich seien zu einem fehr.großen Prozentsatz uneheliche, es sei nicht einzufohen, w e l ch e n Borteil-der kleine Oskar davon hätte, wem: er als der Sohn des Klagers averkannt wäre. . Der Benlfungssenat (Vorsitzender Hofrat Dr. K r a ssel) gab der Berufung des Kurators keine Folge mid.. bestätigte da§ erstricht erliche Urteil. In der Sie rekuriert wegen zu geringer Strafbemessung. Nach zweitägiger Dauer wurde gestern nachnnttags die am Montag früh begonnene Schöffenverhandlung gegen die. Mitglieder jener Diebsbande und deren Hehler zn Ende geführt, die in fast allen größeren Wiener Kaufhäusern bedeutende Ladendiebstähle verübt und davon ihren Lebensunterhalt bestritten haben. Der Gerichtshof unter dem Vovsitze des Hofrates D r. W ü st: n g e r verurteilte sämtliche Angeklagte — es waren zumeist Frauen.— zu Kerkerst rase n in der Dauer von 2 y2 Jahren bis zu sechs Monaten. Einer der Hehler echielt eine Woche Arrest, zwei Frauen wurden wegen Uebertretung der Hehlerei zu Geldstrafen verurteilt. Auf Befragen des Vorsitzenden an die Verurteilte Anna Kamniker, ob sie die Strafe annchme, entgegnete diese: ,^Ja, ich nehme, die Strafe an, rekuriere aber wegen zu geringer Strafbemessung." — Bors.: „Das geht allerdings nicht." — Staatsanw.: „Mer ich melde wegen zu geringer Strafbemessung >die Beruftmg an." ' l;.,' TrermMerer Mit GeKnglnis vrs Kl sechs Monaten destraft. Bis jetzt war bekanntlich die Tierquälerei nur von der politischen Behörde nach dem Verwaltungsbvrsahtrensgeseh zu ahnden, und zwar mit recht geringfügigen Strafen. Nunmehr ist aber das Delikt der Tierquäkestei als Vergehen in den neuen StrafgeMentwurf ausgenommen worden und ist damit eine jahrzehntelange Forderung des Trerfchutzvereines erfüllt, der bishsr einen vergeblichen Kamps für d:e strafgerichtliche Ahndung der Tierquälere: geführt hat. Nach den: neuen StrafZrfetzenltwurf W:rd, „wer ein Tier absichtlich quält oder roh mißhandelt", wegen Vergehens mit Gefängnis bis zu sechs Monaten' oder mit Geldstrafe belegt. Jns fttdtsdke Maus das tddisdke {Blatt Wik bitten unsere Leser und Freunde, in Kurorten u. Sommerfrischen in allen Restamants und Kaffeehäusernsowie in Lesehallen stets unser Blatt zu vechMm!