Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 9 (1927)
- Issue
- Heft 3034 (10.8.1927)
- Date
- 1927-08-10
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Kr. 6E Wien, Mittwoch Msrrer Morgerizsttvirs Gette s Der Krieg der 3ukunft. Ae Maschiae «ege« de« Measche«. Lastwagen, Laaks und Rumeage. - Wie sich die private Wirtschaft bemüht, Menschenhand durch Maschinenarbeit zu ersetzen, so zeigt auch die Kriegswirtschaft dieses Bestreben. Das Verschwinden der Millionenheere hinter dem maschinellen Material machte schon in den letzten Phasen des Weltkrieges die „Materialschlachten", deren Ausgang mit der Abnahme der deutschen Rohstoffe und der Zuncchme der gegnerischen Kräfte durch die enorme amerikanische Industrie für Deutschland und Oesterreich hoffnungslos sein mußte. Allerbestes Menschenmaterial zerrüttet sich in dem Kampf mit nur beschränkten Eigenmitteln gegen die ewig ruhig bleibenden, eisem vorwärts drängenden gigantischen Zerstörungsmaschinen des Feindes. In den Militärkreifen der früheren Entente gesteht man unumwunden, daß der Krieg durch die Alttiorten auf einer Woge von Oel, durch die Anzahl der Lastwagen, durch die frischen Her.-re von Tanks und Flug» zenge^r entschieden wurde. Gegen den Materialaufwand der alliierten Heere konnte die Ablieferung der Aluminiumkochtöpfe, der Messingtürklinken in Deutschland und Oesterreich nicht aufkommen. Und die industriellen Möglichkeiten Amerikas waren noch nicht zu einem Bruchteil ausgenützt, der geplante Materialangriff nicht zur Hälfte vorbereitet. In den Nachkriegsfahren stand die kriegsttchnifchc Entwicklung nicht still. „DerKrieg wird an d ent Konst ruktionstifchen weitergeführt." Bon bclt Erfahrungen des Weltkrieges ausgehend, ist die moderne Kriegstechnik bemüht, dem Heere neue Maschinen zu geben, die alten Maschinen auszubauen. Das Interesse konzentriert sich dabei in erster Linie auf Artillerie, Luftwaffe, chemische Waffe und'Tank. Die moderne Artillerie soll größere Geschosse auf weitere Entfernungen, bei möglichster Beweglichkeit des Geschützes und in rascher Schußfolge schleudern. Das amerikanische 432-Millimeter-Geschütz, das ein G e sch oß von ein er Tonne 60Kilomete.rweit schleudert un d Laden, Zielen und Abfe u>c,t n durch elektrischen Betrieb in kaum einer M init tebeendöt, kommt zurzeit dem modarnsten schweren Geschütz am nächsten. Die zerlegbare Feldartillerie deI französischen Heeres und die motorisierte Artillerie des englischen kommen auf anderen Wegen der erstrebten „idealen" Leistung nahe. Das Flugzeug mußte zwei neuen Aufgaben erschlossen werden. In den Vordergrund rückte das B o m b e n f l.u g z e u g als „Verlängerung der Artillerie", dem strategische Knotenpunkte uird kriegsindustrielle Anlagen im feindlichen Hinterland als Angriffsziel vor-, geschrieben sind. Daß in der milttärischlen Fachliteratur auch Über bte Bombenangriffe auf offene Großstädte mit ihren Bevölkerungsdichten geschrieben wird, frcto/Jtft ditz durch den Wettkrileg eingvtrvtene Verschärfung' der Lehre von der möglichst raschen, skrupellosen nwd völligen Nküderkämpftmg. oder Vernrchung nicht nur deö feindlichen Heeres» sondern auch des feindlichen Widerstandswillens in der Bevölkerung. Das modernste Bombenflugzeug, das zurzeit im Dienste ist, ist imstande, 5000 Kilogramm Bomben mit sich zu sichren, die schwerste Bombe wiegt 1800 ,Kilogramm» daS ist fast viermal soviel wie die schwerste Bombe d>es Weltkrieges. Eine zweite neue Aufgabe erstand der Flugwaffe durch den Tank. Das Bedürfnis wurde durch das Panzerflugzeug befriedigt. Das Panzerflugzeug ist ein stark gepanzerter Aeröplan mit verhältnismäßig kleinem Aktionsradius, dagegen geradezu unglaublicher Bestückung. Es ist ausgerüstet mit Maschinengewehrständen bis zu 30 Gewehren, 160 Kilogramm Bombenladung oder auch mit 37-Millimeter-Kanonen. In der chemischen Rüstung liegt das Schwergewicht auf der Bereitstellung von Schutzmitteln, während die eigentliche Rüstung erst in zweiter Linie in Erscheinung tritt. Diese immerhin eigentümliche Verschiebung in der Waffenrüstung erklärt sich vielleicht aus der relativen Begrenzung der Möglichkeiten, die im Weltkrieg durch das deutsche Grün-, Blau- und V u n t k r e u z und durch das amerikanische Lewisit fast erreicht wurde, und aus der moralischen Wneigung aller Völker gegen das Gift als Kampfstoff. Trotzdem versucht man auch hier das „Ideal", das Gas, dessen tödliche Wirkung in kleinsten Mengen auch bei vorhandenen Schutzmitteln sehr hoch ist, darzustellen. Der Tank, das eigentliche Kind des Weltkrieges, mutzte in verschiedenen Typen seiner vielseitigen taktischen Bedeutung angepaßt werden. Als leichter Tank soll er die Infanterie begleiten, als mittlerer Tank selbständige Operationen durchführen und als schwerer „D u r ch b r u ch st a n k" die feindliche Front überrennen. Mit der Gcschwindigkeitsleistung von 12 bis 16 Kilometer pro Stunde und einer Eigenlänge von 10 bis 11 Metern stellt der französische Tank die modernste Type. Auch für die Zukmrft bestimmen Vergrößerung der Beweglichkeit, der Schußweite, der Schußfolge für die Artillerie, der Bewaffnung und der Schnelligkeit für die Luftwaffe, der Schnelli(fleit für den Tank die Entwicklung der Waffenrüstung. Die Einführung des automatischen Jnfanteriegewehres, das bei einem Gewicht von 9 Kilogramm 30 Schuß ohne jedesmalige Ladebeiogung erlaubt, begleitet die Rüstung. Die chemische Rüstung, das unbeurannte, ferngesteuerte Flugzeug, (in Amerika konnte man dieser Tage ein solches Mit Bombenlädung 60 Kilometer weit fliegen lassen und auf ein gegebenes Ziel dirigieren!), die elektrotechnische Waffe, die Anwendung von Energiestvahlungen und unsicht- Vaven Scheinwerfern (eine englische Erfindung!) lassen sich in ihren Wirkungsmöglichkeiten kaum mutmaßen,, da sie als Anfänge und Versuche noch völlig auf den Schlachtfeldern der Konskruktionstische verborgen bleiben. Grudsätzlich mutz zur modernen Rüstung gesägt werden, daß es bei allen Kriegsmaschinen nicht nur auf die Qualität, sondern auch auf die Quantität ankommt. Die Zahlen ergehen sich in fast nnvorstellbarvn , Sphären. 5000 Flugzeuge und 3Ö00 Tanks in einem Heere (das italienische Rüstungsziel für 1930!) vereinigt auf einem Frontabschnitt (etwa der französisch-italienischen Grenze)- zusammengedrängt, lassen im wahrsten Sinne des Wortes die Sonne verdunkeln und den Erdboden erzittern. Q09<&9QQQGg99Q9QG0&9&99Q99Q9&9099QQQQ9QQ& Der neue Zustizpalast. 170-200 Milliarde«.!«!» de« Wiederausban. — Bor der Wiederaufnahme der 2er «ad 40er Linie. Wie der „Gerichtliche Pressedienst" ersäht, hat die Untersuchung der Ruinen des Justizpalastes ergeben, daß das Gemäuer, dank seiner soliden Bauart, verhältnismäßig geringen Schaden erlitten hat. Aus diesem Grunde besteht bei der Wundesgebaude -Verwaltung die Absicht, den Jnsttzpalast in feinier ursprünglichen G t* ft alt wieder artfznSauon. Ern offizieller Beschluß ist noch nicht gefaßt, doch kann die Rekonstruktion 'des Gebäudes als so gut wie feststehend betrachtet werden. Die Kosten werden sich schätzungsweise auf 170 m 200 Milliarden belaufen. Sie werden sich auf mehrere Jahre, wahrscheinlich auf 4 bis 6 Jahre verteilen und fallweise in daS Budget eingestellt werden. Am kostspieligsten wird die inner« Neugestaltung kommen, da die großen. Prunkräume, die Säle und Gänge durchwegs Marmorskulpturen aufwiesen, die zum großen Teile zerstört sind. Gegenwärtig sind bei den SicherungSaöbeiten 180 Arbeiter tätig. In den nächsten Tagen wird dort noch eine drei Meter hohe A b s ch l u ß p l a n k e errichtet werden und dann steht der Wiederaufnahme des Verkehres auf den abgelenkten Limen nichts mehr in: Wege. Donnerstag früh soll die 2 e r - L i n i e, S a m S lag der der vollständigen 46 er -Linie -rvieder ausgenommen werden. Folgenschwerer Fehltritt am Vesuv. Mt neugierige Tourist. Nea pel, 9. Llugusr. (Stefani.) Dh. Rückkehr zur normalen Eruptionstätigkeit dos B/uv hat eine unge - wöh nliche Menge von Neugierigen zum Kraterrand gelockt. Einer der Touristen drang, da er die Rauchsäule des inneren EcuptionSkogels besser beobachten wollte, all zu weit vor, machte einen Fehltritt und stürzte über den Mhar^ ungefähr 66 M«t e r in die Tiefe. Ein Kar abiNieri-Feldwebel ließ sich mit einem Geil in den Krater hinab. Während die beiden hevauisgezogen wurden, r.ih d as Seil und sie stürzten nvjchmals in btie T i e f «. Erst nach langen tMÜhen konnten der unvorsichtige Tourist nnd sein Rette« in Sicherheit gebracht werden. Reduktion des höheren Schulwesens ln Sngoslawie«. Mlallimg «kdWWer SalaOBten. Graz, 9. August. Die „Tagespost" meldet aus Belgrad: Me die „Pralvda" boeWtzt, wird im UnterrichtsminDeriM an eitM lvtzssordnwU gearbeitet, die die Reduktion der Mittelschulen und Hochschulen zmn «Zwecke hat. 10. «uMst 1627 Nach dieser Verordnung sollen zweimedizinische Fakultäten im kommenden Studienjahr ausgelassen werden. Aller Wahrscheinlichkeit nach sind dies« jene der Universitäten Lai dach und Agram. Mann oder Weib? ßüt interessanter Fall in Brünn. Vor einiger Zeit wurde in V i l l a ch ein MWchen angchalten, das bei der Sirius A.-G. als Reifevertreterin tätig ist und durch ihr männliches Gehaben den Verdacht erweckte, daß man es mit einem verkleideten Manne zu tun habe. Die Erhebungen ergaben, daß es ein Mädchen mit stark maskulinem Einschlag ist, worauf die Angehaltene selbstverständlich wiederum freigelassen wurde. Nun wird uns aus Brünn von einem ähnlichen Falle berichtet. Dieser Tage wird an einem 15jährigen Mädchen, der Tochter eines Cisenbahnbediensteten, auf der Klinik des Oberfanitätsrates Dr. F i a l a eine Operation vorgenommen werden, um den geschlechtlichen Zwiespalt, unter dem das Mädchen schon geraume Zeit hindurch zu leiden hatte, endgültigzubeseitigen. Vor einiger Zeit wurde die Gestalt des Mädchens muskulös, eckig und im Gesicht zeigte sich ein starker Bartanflug. Das bedauernswerte Geschöpf fühlte auch ganz männlich und würde am liebsten Männerkleidung getragen haben, wenn ihr dies gestattet worden wäre. Eines Tages stellte sie sich bei einer Flugverkehrs- A.-G. vor und ersuchte allen Ernstes, sie zum Piloten ausbilden zu wollen. Da sie von der D o r f j u g e n d wegen ihrer männlichen Neigungen ständig verspottet wurde, wagte sie es schließlich gar nicht mehr, sich auf der Straße blicken zu taffen. Bis sie eines Tages aus dem Elternhause durchbrannte, sich in Brünn Männerkleidung verschaffte und alsdann auf Arbeitsuche ging. Da ihre besorgten Eltern die Anzeige erstatteten, wurde sie aufgegriffen und wiederum ihren Angehörigen übergeben. Nun erst wurde das. Mädchen durch einen Vertreter des gerichtlich-medizinischen Instituts der Drünner Universität einer Untersuchung unterzogen, wobei festgestellt wurde, daß das Mädchen ihren Organen nach bis auf einige kleine Attveichungen als Weib, nach ihren seelischen Veranlagungen jedoch ganz als Mann zu bettachten sei. Um dieser Doppelveranlagung nun ein Ende zu machen, wird an dem Mädchen eine Operation vorgenommen werden, die sie alsdann vollkommen zum Manne macht, und man hofft, daß sst auch dann von den Behörden als Mann anerkannt wird, In medizinischen Fachkreisen gibt sich für diese Operation riesiges Interesse kund. Kleine Nachrichten. Die 27jährige Hilfsarbeitersgattin Josefa N. ist an den Folgen eines an ihr vovgenommenen verbotenen Eingriffes gestorben. * Der 31jährige Anftteicheryehklfe Franz Kafka, Luxenburggasse wohnhaft, hat sich wegen Familienzwistes mit Leuchtgas getötet. * Montag hat sich ein etwa 25jähriger Mann von der Reichs brücke in die Donau gestürzt. Er ging in den Wellen unter. Auf der Brücke hatte er eine Photographie zurückgelaffen, bk' einen zweijährigen weißgekleideten Knaben mit Töddybär und Hund.darstellt. * Der 17jährige Elektrotechniker Johann Hödl wollte am Sonntag am Praterspitz die Donau durchschwimmen Er ist dabei ertrunken. Die Leiche wurde noch nicht ge> borgen. Wiön, 16. August. GS wird regnen! Amtliche Wettervorhersage: Wechselnd wolkig, zeitweise regnerisch, Temveraturabnaynte, westliche Winde, vielleicht «ruck Frontgewitter. Zwei internatümale Langfinger verhaftet. In Salzburg wurden zwei internationale Langfinger verhaftet. Es sind dies der 46jährige angebliche Kaufmann Jankiel Szafür und der 37jährige angebliche Kaufmann Leo DzialoSzinsky. Beide sind Schwerverbrecher, die oft vorbestraft sind. Szafir hat im Mai 1934 «Bei der Wiener Oper einem türkischen Kaufmann, den er um eine Unterstützung anging, als dieser die Brieftasche öffnete, .um ihm 10.000 Kronen zu geben, eine Note zu 1000 Dollar gestohilen. Cr ist auch verdächtig, einer internationalen Brillante N-Mepper-Gefellscha ft anzu gehören, die den Leuten prächtig geschliffene Glassteine statt echter Brillanten anhängt. DzialoSzinsky wurde im Jänner d. ,J. auf dem Naschmarkt verhaftet, alser einer Biktual'.enhandlerin die Börse zog. Das Wiener Abenteuer eines Studenten aus Chile. Der ans Chile vor einigen Tagen nach Wien gekommene. Hochschüler Enrique Guzmann lernte Montag abends in Äner Bar einen jungen Mann kennen, mit deni er zusammen mehrere Flaschen Bier trank, die er auch bezahlte. Das Gespräch zwjjchen den beiden wickelte sich nur mühselig ab, da der Chilene nur Spanisch konnte. Als in der Bar Schluß gemacht wurde, entschlossen sich beide, wegen der drückenden Hitze noch eine Zettlang im Freien zu bleiben. Guzmann holte aus seinem in der MariahMvstraße gelegenen Hotel sein Daschonlextkon, um sich besser verständigen zu können. Dann setzten sich beide auf einer Bank im Eszerhazyvark nieder. Nach kurzer Zeit zog der S Mann aus Men dem Fremden die Brieftasche und die nit Kette und eilte mit seiner Beute davon. Guzmann rief zett", doch war von dem frechen Gauner keine Spur mehr zu finden. Der Wert der Beute übersteigt 500 Schilling. Belegung des tütkkfchen Ruhetages auf Sonntag. Aus London wird berichtet: Nach einer Meldung aus Kmrstanttnopel hat die tüEsche Regierung eins Berotzd»