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Wiener Morgenzeitung · 1927-08-09 · Heft 3033 (9.8.1927) · p. Seite 5

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
9 (1927)
Issue
Heft 3033 (9.8.1927)
Date
1927-08-09
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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(•. üoan Wien, Dienstag Wiener Morgettzeilung 9. August 1927 Geste 8 tmam txa JÜDISCHES LEBEN mmamm V Sie Wahlen zum zronlstenlongrek. Aus C z c r n o w i tz Ivird uns gemeldet: Am 5. August fanden hier die Wahlen zum 16. Zionistenkongrcß statt. Sie ergaben das folgende Resultat: Allgemeine Zionisten 394, Block der Linken 160, Revisionisten 123, Risrachi 93, Radikale 16 Stimmen. Jer Ban des HebrSischsn Gymnasiums in Setufnlem. Aus Iernsale m wird uns geschrieben: Dieser Tage wurde der Vau des Hebräischen Gymnasiums in Jerusalem, nachdem das Angebot des Solel Boneh nicht in Frage kam, einer Privatfirma übertragen. Der Bau des Gymnasiums, für den die Zionistische Palästina- Exekutive ein Darlehen zur Verfügung stellt, gehört zu den Arbeiten, die seinerzeit zum Zwecke der Beschäftigung der Avbeitslosen beschlossen wurden und ivird, wie man annimrnt, in Kürze beginnen. Mische Studenten auf den preußischen . llniversitsiten. Auf ÖJrimb der preußischen Hochschulslntisrn über die konftssionellc Zusannucnsetzung der Studentenschaft iusormicrt Herbert Phili pp st hat im „Israelitischen Fantilienblatt" (Nummer 31) über die Zahl der jüdischen Studenten an den preußischen Universitäten. Im letztem Winter befanden sich unter 34.613 Studierenden 1673 Juden (1,5o/o) — eilte Zc>hl, die meint sie auch die Prozentnorm der Juden in Preußen (1,060 im Jahre 1925) übersteigt, sich doch erheblich unter der B o r k r i e g sziffer bctvegt. So waren unter 100 auf preußischen Universitäten studierenden Rcichsaiigehörigcu im Jahre 1809 8,11, 1902 7,11, 1005 6,97, 1908 6,82 Inden. Die überwiegende Mehrzahl jüdischer Studierender besuchte die Universität Berlin, und zwar 54o/o (663), während von den nichljüdischeu. Akademikern-nur 21 o/o (8405) Berlin als Studienort erwählte»!. An zweiter Stelle sicht Frankfurt mit 216 Juden (13 Prozent jüdischer Studierender) und 2712 Andersgläubigen (7,9o/o); BrcZlau wies im Winter 169 und Köln 119 Juden auf. In Greifswald man nur zwei Israeliten unter 860 Studierende,t. An den juridischen Fakultäten studierten unter 6117 Studierenden. 529 (8,2o/g). Juden; an den recht-:- und staut ttv-ssenschaftlichen Fakultäten mtier 8110 Studierenden 277 (3,4o/o) Inden, an den medizinischen Fakultäten, unter 5211 Studierenöctt '478 (9,1'p/ö) Juden; an den philosophischen Falnltäten unter 14.911 Studierenden 735 (4,9o/o) Juden. Die au ständischen jüdischen Studenten sind im Vergleich zu den insgesamt studierenden Aus Andern zwar ^zahlreich vertreten, wenn es sich auch, absolut genommen, hier ersichtlich nur um unerheblichere Ziffern Handel:, als gemein^ hin geglaubt wird. Auch über die Technischen Hochschulen informiert die preußische Hochschnlstatistik. In den vier Fakultäten (Allgemeine Wissenschaften, Bauwesen, Maschinenwirtschast und Stoff- Wirtschaft) waren int letzten Winter unter 8076 Hörern (8005 männlichen und 73 weiblicherr Geschlechts) 295 Juden (292 und 3) vertreten, so daß also auf 100 Studierende 3,6 Juden kamen; 210 von ihncu waren in der maschineMvirtschaftlichen Fakultät eingetragen. An Ausländern gählte man unter den 295 Juden 120 (40 Prozent), unter den Studierenden insgesamt 11 Prozent. windliche Liebe zum Leben und der Glaube an die Zukunft belvundert. Kurz, das kraftvolle Tentperamcnt, das sich gleich entschieden in Gut und Böse äußert. Vor kurzem noch wären diese Eigenheiten, hätte man den Juden überhaupt so viel Aufmerksamkeit geschenkt, mit Unwillen gesehen und nachteilig beurteilt worden, ivie es heute übrigens noch bei den Tharauds geschieht. Mangel an Seßhaftigkeit, Gier, Genußsucht, Herrschsucht u. a. m. wären.ihre Namen und alles zusammen gäbe das Bild einer pariahaften Unvoriichmheit., Heute aber, da das Leben Europas seine Vvrnehnten Masken immer mehr lüftet und den Grad von Ungeborgenheit und ständiger Gefahr erreicht hat, an dom unser Leben schon immer litt, heute, da die Schnelligkeit des Lebcusrhythinus auf allen Gebieten die Mittelstufen ausmerzt, da alle Stabilität aufhört und jeder es am eigenen Leibe erfährt, daß man sich nur durch intensive eigene Tätigkeit davor retten kann, Objekt fremder unliebsamer Tat zu werden und dann nur nicht in die letzten Reihen gelangt, lvenn man in die ersten zu kommen strebt — heute, da die neue Zeit schon angebrochen ist, aber der neue Mensch, der ihr gewachsen wäre, erst in Schmerzett geboren wird, erscheint der Typus Jude als Vorbild und mit dem Verständnis für sein Wesen ist auch sein Ansehen gew-achsen. Zulveilett so weit, daß er znm Symbol des Lebens erhoben wird. So hält z. B. Sotir, ein Nichtjude, der in Panait I st r a t i s letzten Roman „F a m i l i o P e r l m u t t e r" die typisch sein sollende Geschichte einer ebenso typischen jüdischen Fantilie mit Freundschaft und nachdenklichen Glossen begleitet, gelegentlich folgende Rede: „Die Geschichte Jzal Perlmntters ist im Grunde die Geschichte eines ieden Juden. Es gibt zwei Arten von Menschen. Das menschliche Gewürm, in seiner Erstarrung verharrend, vollendet < seine Existenz ohne allzu große Pein. Aber zum Glück für den ©lau;, des Lebens gibt es itoch eilten anderen Menschenschlag: den Meitschen, der nie und nirgends ganz zufrieden ist- Er tut nicht gerne das, was er oft getanhat, und bleibt 10«« Mund für PalSftlnarwecke Aus Jerusalem tvird uns geschrieüett: Durch einen Akt großzügiger Freigebigkeit des bekannten Zionisten Maricc F i n k e l st e i n in Antwerpen hat Erez Israel vor kurzem eine ansehnliche Summe erhalten. Herr Finkelstein hatte in einer geschäftlichen Differenz mit einem Geschäftsfreund vor einem Schiedsgericht den Sieg davongetragen und hat daraufhin die gesamte Streitsumme für Palästina gespendet, und zwar je 760 Pfmtd für beit Keren Hajessod und für den Keren Kajemcth, den Rest von 260 Pfund für die Hebräische Realschule in Haifa. Fsir eine sepdardische Kolonie. Eitrige angesehene sephardische Juden Aegyptens und Englands, die am letzten Passahfest Palästina besuchten, haben jetzt einen Beitrag von 140 Pfund zur Förderung einer bestehenden landtvirtschaftlichen Kolonie sephardifcher Juden im Emek Jesreel nach Palästina überwiesen. klnstellmm einer wichtigen ßisenbahnnerbindung zwischen dem kmek und Haifa. Nach dem neuen palästinensischen Fahrplan soll dev Zug, der bisher um Mitternacht von Zemach aüging und friih morgens in Haifa eintraf, und der seinerzeit auf besondere Anordnung Sir Herbert Samuels eingelegt Ivorden war, um die Produkte der landwirtschaftlichen Siedlungen des Emek (Milch und Gemüse) rechtzeitig auf den Markt von Haifa zu bringen, mit dem Inkrafttreten des Fahrplanes am 9. August in Wegfall kommen. Auf den Protest der Siedler des Emek ist die Zionistische Palästina-Exekutive mit der palästinensischen Negierung in Verbindung getreten, um ein Arrangement zu treffen. Eine Feier am Grabe siamenhosr. 250 Teilnehmer des Interuaiiottaleit Espe raittofongreffet, der bis zum 4. August in Danzig tagte, sind'nach Warschau gekommen, um am Grabe des Erfinders der Esperantosprache, Dr. Zainen Hof, eine Kundgebung zu seinen Ehren zu veranstalten. Die Kongreßteilnehmer, die 30 verschiedenen Nationen angehören, begaben sich heute n. a. zum jüdischen Friedhof von Warschau: wo ein Australier, ein Japaner, ein Engländer, ein Franzose und ein Holländer Ansprachen hieben. Somme! Lublmrr 50 Jahre alt. In diesn Tagen beging Herr Samuel L u b l i tt c r, der führende deutsche Tabakittdustriclle und Besitzer der großen Zigarettenfabrik „Matkch", feinen 50. Geburtstag. Lublinec ist bekanntlich der erste europäische Tabakindnstrielle, der es unternommen hat, den Tabakbau in Palästina in großem MaßstaÜ eitMfühven. Herr Samuel Luölttier hat bekanntlich auch in Newyor? eine Zigaretwnfabric begründet, die palästinensische Tabake verarbeitet. Fach-Fortbildungskurse in Tel Anmv. In der hebräischen Fachschule in Tel Awiw werden gegenwärtig durch die Lehrerorganisation polytechnische,Fortbildungsknrfe veranstaltet. Won ihnen beschäftigt sich der eine mit dem ElektrizitätÄvgsen, der andere mit dem Bauwesen. Telephonverbindung zwischen Haifa und Nahalal. Aus Jer u s a l e m Ivird uits geschrieben: Gemäß Verordnung der Postvetivaltung von Palästina wurde soeben mit der Anlage einer telephonischen Verbindung zwischen Haifa und Nahal a l begonnen. Bei den Arbeiten sind etwa 30 'Arbeiter beschäftigt. nicht gerne dort, tvo er schon länge geblieben ist. Eher zurück-weichen als stillesteh cn. Und lieber vor Schmerzen heulen, als nichts empfinden . . . Alle Rassen haben verschiedene Exemplare dieser Gattung, aber eine ist daran zmn Platzen reich: die jüdische! Daher kommt für sie die Unmöglichkeit, nach dem Gesetz anderer Nassen zu leben, das da heißt: den Gipfelpunkt erreichen, dann stagnieren und jählings herunterstürzen. Deshalb zählt jeder Jude für zwei andere Menschen desselben Ranges. Den Juden lieben oder hassen — es bleibt sich gleich, denn er entschlüpft der Liebe sotvohl lvie dem Haß. Der Jude — das i st das Leben im Gange!" — „Nachdem einmal das Christentum entstanden ist. besteht das Judentum weiter, aber als verdorrter Stumpf neben einem saftvollen Ast. Das Leben hat es seither vollkommen verlassen." Diese Worte Renans bergen alles in sich, tvas Jahrhunderte dem Judentum gegenüber an Verachtung und Haß geft'chlt haben. Es galt als Volk, das seine historische Mission bereits erfüllte und nun ein überflüssiges Dasein fristet, ohne jeden Schein der Lebensberechtigung, an dem grauenhaften Unglück leidend, nicht sterben zu können. Nicht anders denn als Fluch komtte solch eine Existenz aufgefaßt werden, und nicht unverständlich ist die Angst und das Mißtrauen, die der Ewige Jude — die poetische Variante jener Renanschen Auffassung — einflößte, wo er erschien. „Und doch leben sie!" ist demgegenüber konseqmmterweise der springende Punkt des Umschwunges in der Stimmung, der jetzt im Lande der Philosophie des Lebens zugunsten des Judentums erfolgt ist. Und seine Folge ist die Dementierung und Tlbbrvcklung der Legende votn fluchbeladenen Juden, der läitgft dem Tode verfallen, sein Scheinlebett von Ort zu Ort schleppt, überall Unheil stiftend und Zersetzung fordernd. Statt ihrer — ist ihr Gegenpol im Werden. Die Sage vom Juden, der von lebendigen Kräften getrieben, sein tvechselvolles Schicksal formt und trotz Unglück und Schmerzen das Leben segnet, ein zuversichtlicher Optimist, heute wie damals, als er die Geschichte der: WetzentsteHrmg #ae&. Bühne und Kunst. Las 8nde de» Luftspieltheaters. Die alte Praterbühne, die eine gute Wiener Bergangenheit hat, liegt in den letzte,t Zügen. Es wurde dem Lustspielthenter im Prater bereits die Baukewilligung zur Umwandlung in ein Kino erteilt. Ein Stück Theatergeschich'e findet ihren Abschluß. Das einstige „Fürst-Theater", wie das spätere „Jantsch- Theater". Damt kant Jarno, der es seit Jahrzehnten ausgezeichnet führt. Jarno pflegte hier das wienerische Singspiel, die Loiatpossc und das leichie französische Lustspiel Er wußte um sich und Hans, Ricsc siets ein vortreffliches Ensemble zu scharen In der Vorlriegszeit gab cs literarische Abende mit abettdfuii :ibcn Stücken und sorgsam gewählten Einaktern, di: o,t den Jnielligenzkreisen ft e r! besucht waren. Bedeutende Künstler, von Jarno entdeckt, haben vo.n Lustspieltheat.r aus ihre Bühr.en« karriere gemacht. Eine vcchndcre Darrkesschnld ist Jarno dafür zu zollen, daß er sein Theater auch der ostjüdiscken Bühnenkuuft zur Bersiigung stellte. Die „Freie jüdisch- Bollsbühnr", die in Wien zunächst in einem adapiiertcn Magazin in der Augarteuftraße spielte, hat monatelang im Lustspielchsitcr ihre Vorstellungen gegeben. Jarno erkannte ihren künstlerischen Wert und öffnete ihr seine Praterbühne. — Nun muß auch dieses Altwjener Theater daran glauben, daß für eine limitier geringere Zahl von Bühnen die Eriste-.tz'nögtt c.' - in Wien gegeben ist, und weicht dent .Kino. Die Salzburger Festspiele im mitteleuropäischen Rundfunk. Es werden vovläusig folgende Salzburger Aufführungen durch Nundßm'k der meisten Sender Mitteleuropas übertragen: Sonntag, den 14. August, 11 Uhr vormittags: Philharmonisches Konzert; Freitag, den 19. August, 22 Uhr 3V Minuten: Serenade von Mozart, ausgesührt von-.den PhikharmonAern; Montag, den 22. August, 19 Uhr: „D o u Juan", unter der Leitung Franz Schalks; Sonntag, den 28. August, 19 Uhr: „Fi de No", unter der Leitung Franz Schalks. PilichowskS Gemälde von der ErSffnuug der Jerusalamer llrriversität in Basel ausgestellt. Das Kolossal ge mätde des bekannten Malers Leopold Pilichcwsk:, das den feierlichen Akt der Eröffnung der Hebräischen Nnivevsrtät Jerusalem darstellt und von dessen Ausstellung in London wir berichteten, wird während des 15. Zioniftenkongresses in Base! zur Aus^ stellurig gelangen. Aus den Lheatem. V o l k s o p e r. Heute und täglich: „I ch h a b' me i n Herz in Heidelberg verloren." Theater in^er Josef sst ad t. Morgen das Lustspiel „Der schlafende Gat te" von Bela E ze'n es zum ersten Male. In der Rolle der Vilma tritt Frau Steinsieck nach längerer Pause wieder auf. Herr Nomberg ist von seinem Urlaub zurückgelehrt und nimmt in dieser Vorstellung seine Tätigkeit wieder auf. Die Mizzi spielt Frau W o i w o b e, die Tante Olga Frau Rosa r, den Baron Baozy Herr Del ins, den Oedön Herr Lovric. Szenische Entwürfe: Alfred Kunz. Regie: Iwan S ch m i t h. Beginn 8 Uhr. Theater an der Wien. Donnerstag, 6 Uhr abends, 200. Aussührung der Oskar Straußschen Operette „Die Königin". Jeder weibliche Besucher erhAt ein Erinuemngsgeschenk des Bristol<-«Verlages. Johann-Strauß-Theater. Freitag Uraufführung. der Revue-Operette „Die Lady vom Lido" von Florian und Robert Kätscher, Musil von Robert Kätscher. Wiener K a m m e r s p: e l e. Oberregisseur Ernst Ludwig M a t t h y, welcher durch seine Inszenierung von mehreren Uraufführungen, darunter „Die Nackten kleiden", ,Lönig der Schnorrer" und „Amoureuse". in Wien bekannt geworden ist, wurde für ba§ kommende Jahr wieder für diese Bühne verpflichtet. . s 0 s Hl 0 0 |b| 0 0 0 0 0 0 0 0 0 DlC vornehme Klassiker - Ansgaite auf holzfreiem Papier, in elegantem Seidenleinenband mit reicher Goldprägung I»r€9> lü^sumcl rattir $ T-— iBDeSSBeaoaiSBBaEBBUBaHilHHHSHBHlBiBBffia Büchner, herausgegeben und eingeleitet von Arnold Zweig in einem Band Cervantes, herausgegeben von Max Krell in drei Bänden Hauff, herausgegeben von C. 0. v. Maassen in fünf Bänden Heine, herausgegeben von Rudolf Frank in zehn Bänden Hoffmann, E. T. A., herausgegeben von Rudolf Frank in elf Bänden Kleist, herausgegeben von Arnold Zweig in vier Bänden Novalis, herausgegeben von Ernst Kamnitzer in vier Bänden Schiller, herausgegeben von Alexander Oleichen- Rußwurm ln vierzehn Bänden a ii ‘üastfsfissmfl’iivBg Ich frw ■I 0 0 0 ii LI B K JC&wpü, Wiest, 1. (ftatemtunctstvafie Z2. 000001 ö'0!ö!0!aö!ö!Oai0!öö!ö!D mmm ammm

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