Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 9 (1927)
- Issue
- Heft 3031 (7.8.1927)
- Date
- 1927-08-07
- Page
- Seite 11 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 3031 Wien, Sonntao Wiener Morgeirzettmrg 7. August 1927 Seite 11 indisches leben Der Rabbinische Rat i» Palästina. Ae Bestimmungen »er neue« ©etncinbeocDnuna. Mr haben gestern die Bestimmungen der für Palästina bestätigten jüdischen Gemeindeordnung mitgeteilt, insoweit sie sich auf das politische Gebiet beziehen. Wir lassen hier die Verordnung über die Organisation der religiösen Vertretung folgen: u Rabbinische Rat hat die Aufsicht über die lokalen rnavoiuerämter und die Rabbiner. Der Rat setzt sich aus zwei Oberrabbinern (einem Sepharden und einem Aschkenasen) und sechs Mitgliedern (drei Sephardim und drei Aschkenasim) zusammen; seine Konstitution kann aber durch Beschluß einer Sonderversammlung gemäß § 9, Abs. 2, geändert werden. Jode lokale Gemeinde hat einen Rabbiner oder ein rabbinisches Bureau; die Zahl der Mitglieder jedes raübi- Nischen Bureaus wird durch das Komitee der lokalen Gemeinde bestimmt. Jedes rabbinische Bureau fungiert als ein rabbimisches Gericht erster Instanz und übt die Rechtsprechung unb die Rechtsgoivalt, die den jüdischen Gerichten in Palästina durch Kabinettsovder oder durch Gesetzgebung der Regierung in Palästina übertragen wird, aus; es hat die Befugnis, Eigentumszueignungen zu charitativen Zwecken gemäß dem jüdischen Gesetz zu registrieren. Jedes solche Gericht hat die Befugnis, in gemeinsamer Beratung mit dem Komitee der lokalen Gemeinde Sachwalter des Eigentums minderjähriger Waisen und vom Lande abwesender Gemeindemitglieder zu ernennen. Der Rabbinische Rat fungiert als Berufungsgericht in allen Angelegenheiten, in-denen die rabbMschen Gerichte Rechtsgewalt haben; * der Rat ist die anerkannte religiöse Bcrtretmrg der Gemeinde gegenüber der Regierung; der lokale Rabbiner oder das lokale rabbinische Bureau sind anerkannte religiöse Vertreter gegenüber der Distriktsverluattung. Bei Inkrafttreten der Gemoindeordrmng sollen der Rabbinische Rat und der Generalrat (Waad Leumi) ein Reglement entwerfen, betreffend das Wahlsystem oder die Ernennung des Rabbinischen Rates, des lokalen Rabbineramtes und der Rabbiner der lokalen Gemeinden. Sollten der Rabbinische Rat und der Generalrat innerhalb sechs Monaten seit Veröffentlichung der Gemeindeordnung zu keinem Einvernehmen gelangen können, so sollen die in Erörterung stehenden Fragen einem Ausschuß überwiesen werden, der sich aus einem von der Jewify Agency ernannten P'r'ä s i d e n t e n, einem vom WaadLeumi und einem v o m R a b b i n i s ch e n R a t ernannten Mitglied zusammensetzt. Der Ausschriß entscheidet mit Stimmenmehrheit. Dieses Reglement soll Bestimmurrgen enthalten über die Einberufung einer Sonderversammlung, die die Befugnis haben soll, die Konstitution des Rabbinischen Rates zu ändern. Das Reglement unterliegt der Billigung der Eleeted AssenMy; ist es von diesem verabschiedet, so soll es im Wege durch den Generalrat (Waad Leumi) dem Oberkommissär vorgelegt wevden, nach dessen Billigung es in Kraft tritt. Der Rabbinische Rat, die rabbinischen Bureaus und die Rabbiner der lokalen Gemeinden sind binnen sechs Monaten vom Dalum der Veröffentlichung des Reglements zu wählen, oder zu ernennen. Der Rabbinische Rat und die Bureaus können Manifeste gemäß dem jüdischen Gesetz abfassen; sie haben die Kontrolle über jüdische 'charitative Stiftungen auszuüben, die sich einer solchen Ko'n'trolle unterwerfen, und sie ernennen zu diesem Zweck Komitees, die zum Teil oder ganz aus Nicht-Rabbinern bestehen können; sie. haben in allen Streitfällen zwischen Juden schiedsrichterlich zu entscheiden, in denen sich die Parteien vorher durch schriftliche Erklärung dem Schiedsspruch unterworfen haben. Das Budget des Rabbinischen Rates soll von dem Generalrat und dem Rabbinischen Rat gemeinsam festgesetzt Werden. Pflicht des GeneralrateS ist es, für die budgetären Ausgaben des Rabbinischen Rates aufznkommen. Die vom Rabbinschen Rat in seiner richterlichen Kapazität entgegenzunehmenden Gebühren sollen an den Generalrat abgeführt werden, der sie als ein separates Konto neben.den Beiträgen der lokalen Genwinden aus den Gebühren für rituelle Schächtung ustv. verwaltet und zur Deckung des Budgets des Nabbmischen Rates verwendet. Ist zum Schluß des Finanzjahres ein Ueberschuß vorhanden, so wird die eine Hälfte für das nächste Jahr vorgetragen unfb die andere Hälfte zu allgemeinen Zwecken d'e's Generalrates (Waad Leumi) verlye-ndet. Ist zu Jayresschlutz ein Defizit vorhanden, so ist die Elected Assembly ermächtigt, eine besandcre Steuer zur Deckung dieses Defizites einzuführen. Ae Wahle« rum zlouisteukougreb .Aus Warschau wird uns geschrieben: In Weftgalizien haben die allgemeinen Zionisten auf ihre Liste 4880 Stimmen, die Misrachi 2046, Hitachduth 1231, Poale Zion 905, Revisionisten!5^4 Stimmen, vereinigt: Auf Grund dieser Resultate fallen der: allgemeinen Zionisten 4 Mandate, Misrachi 1 Mandat, Hitachduth 4 Mandat zu. — Klung re ßp o len: Misrachi 6 .Mandate, Eth Liwnvth 4 Mandate, Al Hamischmar (Radikale) 3 Mandate, Poale Zion 2 .Mandate, Hitachduth 2 Mandate. Das 18. Mandat dürfte den Revisionisten zufallen. Nach den bisherigen Wahlergebnissen inOstgalizien erhalten die allgemeinen Zionisten 4 Mandate, Hitachduth 4, Misrachi 2. In der Tschechoslowakei steht das Ergebnis noch nicht endgültig fest. Doch dürften auf das linke Zentrum 6, auf die Misrachi 1, auf die Radikalen 4 oder 2 Mandate entfallen. Palästina-Delegierte auf dem Internationalen Gewerkschaftskongreß. Dem in Paris tagenden Internationalen Gewerkschaftskongreß (Amsterdamer Internationale) wohnen als Delegierte der palästinensischen allgemeinen Arbeiter- Organisation (Histadruth Malith) Dr. A r l o s o r o f f, Ben Gurion und B e n Z w i 'bei. G'.ner der palästinensischen Delegierten erstattete einen Bericht Mer die Gewerkschaftslage in Palästina. — Die drei palästinensischen Arbeiter-Vertreter werden die Histadmth Klalith auch auf dem am 16. August in Stockholm 'beginnenden Kongreß d^r Internationalen Berussgenosisenschaften vertreten. Mische Bertretuug auf dem interuationalen Arbelterinuenlougreß. . Im Zusammenhang mit der Pariser Tagung der Gewerkschaftsinternationale findet dort ein linternaittonaler Arbeüerinnenkongreß statt. Palästina ist durch Frau Rachel Janait und Frl. Ada Fi sh man Non der allgemeinen jüdischen: Arbeiterföderation (Histadruth Klalith) vertreten. Die jüdisch-svziailistische Partei „Bund" ist durch die Warschauer Stadträtin Frau Schwab er vertreten. ^Außerdem sind aus mehreren Ländern jüdische Ärbeitervertroterinnen erschienen. * Kongreß der südafrikanischen gudeuschaft. Am 1. August ist in Johannisburg der Kongreß des südafrikanischen Jewish Board vf DeputieS (Jüdischer Deputierten., rat) eröffnet worden. Der Bürgermeister von Johannisburg, Palmer, begrüßte persönlich die Wersaminlmig. Dr. Leo B ra mrs o n, der Präsident des Verbandes' Ort, Hielt eine Ansprache über die Juden in Osteuropa und das jüdische Aufbauwerk in den osteuropäischen Ländern. Dem Kongreß wurde eine Resolution voi> geschlagen, in welcher die südafrikanische Regierung aufgefordort wird, statistische Erhebungen über die Zahl der Inden in Südafrika anzustellen und ein jüdisches statistisches Bureau zu errichten. Einstein und Willftütter Ehrenmitglieder der der Royal Society in Edinburgh. Aus London wird gemeldet: Die Royal.Society in Edinburgh hat die Professoren Albert Einstein in Berlin und Richard Millstätter in München gu Vhrenmiigliedern gewählt. Ser Wellverband christlicher Studenten informiert über jüdische Fragen. Die August-Nummer der Monatsschrift „Die Studententvell", Organs des Weltvorbandes christlicher Studenten, der seinen Hauptsitz in Genf hat, ist ganz Informationen über jüdisch: Fragen gewidmet. Das Heft enthält eine größere Zahl Aufsätze über Beziehungen zwischen Juden und Christen, Über die Juden in Amerika, die zionistische Bewegung, Palästina, die hebräische Universität in Jerusalem, die jüdischen larrdwirtschasttichen Kolonien in Rußland, über Judentum und Völkerbund u. a. m. Die Artikel haben Christen wie Juden zu Verfassern und sind rein objektiv und informativ gehalten. Der »weite Münzen-Tranrdort l« Palüstlua eingetroffeu. Aus Jerusalem, 4. August, meldet I. T. A.r Ein zweiter Transport von Münzen der neuen Palästina- Währung im Werte von 400.000 Pfund Sterling ist soeben aus London eingetroffen. Die Müilzen wurden im Königlichen Münzamt geprägt. Die erste Lieferung im Werte von 430.000 Pfund Sterling ist bekartutlich Anfang Juli eingetroffen. Die neuen Münzen werden am 1. Oktober d. I. in Umlauf gesetzt werden. Die Prägung der Münzen und die Inschriften der Scheine sind in den drei. Landessprachen (englisch, hebräisch und arabisch) gehalten. 9er neue Palüstinenstsche Volkreiches. Jerusalem, 3. August. (I. T. A.) Wie „Doar Hajom" mitteilt, wird der jetzige Generalinspektor des Polizei- und GefängniSwestnS in Palästina, Colonel Mavrogordato, einen anderen Posten erhalten. An seine Stelle wird Colonel 2t. I. Mac Nei ll, Kommandant der aufgelösten britischen Gendarmerie in Palästina, zum Chef der Landespolizei ernannt Werden. 150.000 Lollar für eine jüdische Schule in Shanghai. Der vor kurzem in Shanghai verstorbene I. S. Pcrrhinterließ 150.000 Dollar für den Bau einer jüdische^ Schule in Shanghai und stellte in seinem Testament die Be» dingung, daß mindestens die gleiche Summe von Mitglied: rn der jüdischen Gemeinde an Shanghai aufgebracht werden solle. Der Verstorbene hinterließ auch größere Summen für jüdische Unterrichtszwecke in Palästina und in Bagdad. Sachftuhlbrand im Berliner jüdischen Siecheahaas. Im Berliner jüdischen Siechenhaus, das unmittelbar nebnr der großen Synagoge in der Ovanienburgerftvaße 21 steh:, ist Mittwoch morgens ein Brand ausgebrochen, der einen große». Teil des Dachstuhles vernichtete. Es bestand keiire Gefahr für die Insassen des Siechenhauses. Die alten Leute, die durch den Feueralarm iu begreifliche Aufregung versetzt waren, wurden balv beruhigt. Das Feuer war nach zweistün-Mr Arbeit der Feuerwehr gelöscht. Ei« jüdischer Studeut — Meister des deutsche» Schachbuuder- &ie BreSlauer ,Jüdische Zeitung" teilt mit: An dem anläßlich des JubiläumSkongresies des Deutschen Schachbundes in Magdeburg vevanstMeten Hauptturnier nahm u. a. auch der 16jährige Breslauer Schachmeister find. jur. Heinz Foevder teil. Es gelang ihm bald, in die Siegergruppe zu gelangen. In den um die Meisterwürde geführten St'.chkämpsen siegten zwei Breslauer, die dadurch Meister des Deutschen Schachbundes geworden sind. Der eine von ihnen ist Heinz Foerder. Ern LreVesdramv. Aus L-emberg wird berichtet: In der Ortschaft Strzyzow hat der Lehrer an der dortigen jüdischen Schule namens Hoch die Tochter des OrtÄuufmannes Salzm ann durch mehrere Rcvolver- ®e m'edergestreckt und sodann die Waffe gegen sich gerichtet. Mit schweren Verletzungen wurde er ins Krankenhaus geschafft. Es handelt sich um ein Liebesdrama. Anftlärung eines Ritualmordmärchens. Unter dieser Spitzmarke berichtet das „Posener Tageblatt" aus dem ehemals deutschen Städtchen Wronbe: Vor einiger Zeit tauchten wieder einnijät die Gerüchte von einem Ritualmord auf, die natürlich von denen, die nie alle werden, eifrig weiterverbreitet wurden. Eheleute aus einem benachbarten Dorfe hatten sich mit ihrer Tochter verabredet, die inzwischen bei dem Kaufmann Bernhard Tvei-- tel Schuhe kaufen wollte. Diese hatte ihren Einkauf erledigt und war, ohne auf die Eltern zu warten, nach Hanse gelaufen. Nun rvarteten sie vergebens auf die ^Tochter und ^sofort beschuldigten sie die Familie Tveitel daß sre ihre Tochter versteckt und avgeschlachtet hätte. Nur dem Schutz der Polizei ist es zu verdanken, daß Ausschreitungen trotz der sogleich entfachten Hetze unterblieben. Inzwischen hatte sich ein Ungläubiger aufs Rad geschumngen und festgestellt, daß die junge Damp bereits am häuslichen Herd ftisch und froh sitze. Trotzdem blieb der Vorgang lange Gesprächsstoff in der gesamten Umgevrmg und hat dem Treitelschen Geschäft merÄich Abbruch getan. Ern Kahalgownttizek vom atterr Schlag. Herr I. H. Elias, Zemun, schreibt uns: Me in der ganzen Welt wurde auch von den Juden Jugoslawiens überall der Herzl-Tag feierlich begangen. Nur in Pancsova ergaben sich unüberwindliche Hindernisse. Eine Abordnung der Belgrader Zionisten reiste nach Pancsova, wo sich eine große Judengemeinde befindet, um dort eine Herzl-Feier vorzubereiten. Der Allmächtige dieser Judengemeinde aber Herr Vizepräsident A. Fischgrund, verweigerte dre Freigabe d es Tempels für die Gedenkfeier, so daß sie nicht abgohalten werden konnte. Es ist bezeichnend, daß Pancsova die einzige Stadt mit einer größeren Judengemeinde ist, in welcher keine Feier anläßlich der Eröffnung der hebräischen Universität stattfand. Man muß nickt erst erwähnen, daß auch diese Unterlassung sowie die Nicktavhaltung von Herzl-Fctern in früheren Jahren auf den nämlichen Herrn Fischgrund zurückzu führen ist. E M neue Problem: ein teures Telegramm oder ein billiger nnoMrllcher «nltbnftbrleir Ein Telegramm nach Pole» kostet für zehn Worte 3.70 Schilling, ein Expreßbrief 1.10 Schilling; der Luftpostbrief, der in einigen Stunden nach Aufgabe iu Wien dein polnischen 'Adressaten zugestellt wird, nur —.60 Schilling. Aufgabe. bei allen Postämtern; am Abflugstage bis 7 Uhr 20 Min. morgenbeim Hauptpostamt.