Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 9 (1927)
- Issue
- Heft 3031 (7.8.1927)
- Date
- 1927-08-07
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
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Seite 6 'ien, Sonntag Wiener Morgerrzeitung 7. Äucyk'st ifftr'fftfifi Mehr als die Hälfte, aller in Amerika hergestellten Drucksachen besteht aus Anzeigen. Bei den Zeitungen nehmen die Anzeigen etwa 40 bis 75 Prozent des gesamten Umfanges ein. Die „New Uork Times" erreichen ständig diese letzte Ziffer. Von den in Amerika jährlich verbrauchten 2,600.000 Tonnen Papierstoff wenden mehr rls 4,500.000 Tonnen für Anzeigen verwendet. Mehr als 2000 Morgen Waldgelände Iverden daher jährlich von einer einzigen Newnorker Zeitung verbraucht. Es ist ausgerechnet worden, das; 80 Prozent aller einkaufenden Post aus Reklamesachen bestehen. Die Zahl dieser Drucksachen, die ungelesen in den Papierkorb wandern, mutz gang beträchtlich sein. Ein Unternehmen veranschlagte 12 Millioneil Dollar für Propagandakosten im Jahre 1923. Jur gleichen Jahre gab die Investment Bankers Association für diesen Zweck 40 Millionen Dollar aus. Dabei ist zu berücksichtigen, daß eine Anzeigenscitc in der „Saturday Evening Post" 11.000 Dollar kostet. Das elektrische Reklamezeichen für Wrigley-Kaugunmli auf dem Times Square in Nclvhork verbraucht jährlich für 108.000 Dollar elektrischen Strom. Am Dache der Clcvelaud Discount Company ist zu lesen: „Dieses Plakat braucht mehr Strom als die ganze Stadt Elyria." Elyria hat eine Bevölkerung von 30.000 Köpfen. Anläßlich einer Debatte über die Besteuerung von Zeitungsannoncen wurlde dieser Tage im englischen Unterhaus festgestellt, daß nach vorläufigen Daten 1924 42 Millionen Pfund Sterling (6700 Millioilcn Kronen) für Inserate in Zeitungen und Zeitschriften aufgewendct worden sind 8in waghalsiger versuch. Bevorstehende Ueberwintcrung eines dänischen Forschers im Grönlandeis. Die amerikanisch-dänische Expedition, welche sich unter dev Führung des Professors Hvbbs nach Grönland begaben hat, um dort meteorologische Stationen zu errichten, ist nunmehr iu Südgrönland eingetroffen, und cs iverden Vorbereitungen zur lieber- Winterung einiger der Expeditionsmitglieder in der Eiswüftc des Rieseneilandes gemacht. Einer der dänischen Expedition^-- teilnehmer, der bekannte arktische Forscher Helge Bangste d, leitet diejenige Abteilung der Expedition, welche sich in der nächsten Zeit von Hol stcnborg bis zur Randzone des Inlandseises begeben wird, um auf dieser 350 Kilometer langen Strecke die erforderlichen Depots auszulegen. /Im Spätherbst wird Bangsted mit zwei Begleitern, von denen per eine ein Polareskimo ist, mit Hundeschlitten nach dem Rande des JnlandöeifeS fahren und von dort sich etwa 4M Kilometer in die Eiswüste des grönländischen Inlandes -hinein-- arbeiten. Am Ende dieser Strecke angelangt, wird Bangsted eine Meteorologische Winterstation errichten. Bangsted hofft, seine Wirksamkeit als „grönländischer Inlandsmeteorvloge" etwa um die Weihnachtszeit beginnen zu können^ Bangsted hat sich dem ExpcditionSleiter Prof. Hobbs gegen- » über verpflichtet, die meteorologische Station in der EiSwüsw jj wcni gstenS achtzig Tage hindurch aufrecht zu erhalten, also bis in den März hinein, das heißt während der allerkälte ft en Zeit. Man iift lauf eine Winter tempevatur von 50 bis 60 Kältegraden gefaßt. Bangsted wird mit seinen Begleitern während des grönländischen Mn terauftntha lies in Schnee-toder EiShüttOn, die er zu dem in Frage stehenden Zwecke bauen will, Unterkunft suchen. Er hofft, in diesen Hütten selbst während der grimmigften Kälte einigermaßen das Leben stiften zu können. Die Aufgabe BangstedS wird darin bestehen, Material zur weiteren Bearbeitung zu sammeln. Dieses Material wird von der größten Bedeutung sein, da bisl)er eine feste Station in der grönländischen Eiswüste im Inland »roch nicht unterhalten worden ist. Man darf sehr gespannt sein, wie dieser, tvie es scheint, etwas Ivaghalsige .Versuch ausfallen tvird. elf Jahre anf der Ztttfelsinfel. Aus Paris wird gemeldet: Ein Aequivalent von 25.000 Francs war alles, was das ApPxNationsgericht einem Manne als Schadenersatz gewährt hat, der im Jahre 1916 zu Unrecht zu lebenslänglicher Deportation verurteilt worden war und der seitdem' elf Jahre auf der Teufelsinscl zugebracht hat. Sein Name ist Bellon. Er hielt sich zu Beginn des Krieges in der Schlveiz auf und lernte dort einen Amerikaner kennen, der für Frankreich als Spion tätig war. Diesem lieh er anf seine Bitte eine Summe Geldes. Da der Spion das Geld nicht zurückbezahlte, verklagte ihn Bellon. Um sich dafür zu rächen, berichtete der Amerikaner den französischen Behörden, Bellon habe ihn als französischer.Spion denunziert. Als Bellon im Jahre 1916 nach Frankreich znrückgekehrt war, wurde er von einem Kriegsgericht dafür, daß er einen französischen Geheimagenten einer fremden Regierung verraten habe, zur Verbannung auf die Teufelsinsel verurteilt. Seine Freunde in Frankreich setzten jedoch durch, daß das Verfahren wieder ausgenommen wurde. Jetzt hat das Kassationsgericht endlich das Urteil aufgehoben. Für den tragischen Irrtum und für die entsetzliche Zeit, die der Unschuldige auf der Teufelsinsel verbringen mußte, halten aber die französischen Richter eine Entschädigung in der Höhe von 25.000 Francs für ausreichend. Ein sterbendes Boik. Die Urbevölkerung Australien-.. Die sich unaufhaltsam vollziehende Zersetzung der Eingeborenen Australiens unter dem Einfluß des modernen Lebens hat die australische Regierung veranlaßt, besondere Maßregeln zu ergreifen, um die wenigen Stämme, die heute noch von der Urbevölkerung vorhanden sind, nach Möglichkeit zu erhalten. Wenn auch die Ansiedelungen der Australneger in der Umgebung der großen Städte, wie in der Nähe englischer Ansiedelungen überhaupt, längst ausgerottet sind, so haben sich doch noch im Innern zahlreiche Negerniederlassungen erholten, die aber angesichts der fortschreitenden Entwicklung des Landes ebenfalls vom Untergänge bedroht sind. Von den 150.000 Eingeborenen, die gegen Ende des 18. Jahrhunderts noch gezählt wurden, sind heute nur noch 60.000 vorhanden, und auch diese sind den Einstüsien der heutigen Zeit so wenig gewachsen, daß es nach dem Urteil von Kennern des Landes nur noch Jahrzehnte dauern wird, bis der letzte Eingeborene verschwunden ist. Um nun die Urbevölkerung nicht ganz aussterben zu lasten, will die australische Regierung den noch vorhandenen Eingeborenen weit ausgedehnte Gebiete in dem nur schwach besiedelten Nordwesten Australiens anweisen und sie vor allem von jedem Verkehr mit der Außenwelt abschneiden. Auf diese Weise hofft man, daß -sich die körperlich außerordentlich geschwächten Stämme wieder erholen und auch die Zahl der Eingeborenen wieder zunimmt, zumal wenn sie vonjeder Durchseuchung mit A l k o h o l und an st eckenden K ra nkhe iten geschützt wenden, was durch die strengen Wbsperrungsmaßregeln m erster Linie bezweckt wivd. «am» fttt acht Milliarden Menschen aus der Erde. Auf dem ersten internationalen Kongreß füF* Bod»en « junde, der kürzlich in Washington abgehälten wurde, führte der Berliner Geograph Professor Mlbrechi Penck aus, daß die Erde acht Milliarden Menschen ernähr«: könnte, wenn alles Land voll auSgenLtzi würde. Peirck hat unter Berücksichtigung der Bevölkerung der Erde und der möglichen ErtragsfähMit der Aecker, die noch aus Wäldern und Wüsten zu gewinnen sind, eine viel höhere mögliche Bevölkerung sziffer errechnet als Malthus, der als erreichbare Grenze der Bevölkerung detr Grde 21/2 Milliarde!: Menschen annahm. Wenn diese Schätzung richtig wäre, dann würde das wirtschaftspolitische Problem sehr akut, den«: diese ül/z-Milliardengvenze werden wir in einem halben Jahrhundert erreicht haben. > ' Vor hundert Jahren, als Malthus zuerst seine Befürchtung über die Weltverelendung infolge Uebervölkerung aussprach und zu deren Vermeidung die Geburtenbeschränkung propagierte, hatte die Erde eine Bevölkerung von 900 Millionen- Ein Jahrhundert nach seiner düsteren Vorhersage, 1920, war die Bevöllerungszahl auf das Doppelte gestiegen und gleichzeitig war bei viele,: Menschenrassen der Lebens standcnL sehr gehoben. Daß die Prophezeiung von MalthuS sich nicht verwirklichte, führt Po,ick einesteils darauf zurück, daß wir durch die AnSrvdung von Waldg.ob ieten in gemäßigt«» Zonen neues Ackerland gewonnen haben, teils auch darauf, daß die alten Aecker mit besseren Methoden in «Kultur genommen werden. Könnte man ähnliche Erfolge in den noch unberührten Tropcngebieten erreichen, so würde die 13/^-Billianen-Devölkerung unseres Planeten erst beginnen, ihr« biblische Aufgabe zu füteiider ftftiffmann II., ‘Ta&orstraße Jlv. ^wS räumi um feden Preis ilas Sommerlager Der vollständige Umbau and die Vergröfterung unseres Warenhauses zwing* uns zn einer Neuordnung der Lagernestände. Wir «toften daher insbesondere siftimiliclae Sommerwaren zu unglaulDlicln billigem Preisen ab. Einige ferienieispiele unseres sensationellen loinmer>l}äumun^s- 14er Hanfes: c i Voile, modernste Bordüren, 80 cm breit, per Meter S Serie 1: j Marocains, modernste Bordüren, Ia-Qualität . . 8 o . n f Dirndl-Cottone, gute Qualität, per Meter . . .8 Serie U: | Wäsche-Batiste, ln allen Farben, per Meter . . 8 Serie III: . Modernst dessinierte Volle, per Meter . . .8 -05 -90 125 Serie V: Serie VI f Pepita-Stoffe, für Schoßen u. Composets 1 dopp. br., |>AO \ Kleiderstoffe, modernste Dessinierung J p. 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