Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 9 (1927)
- Issue
- Heft 3031 (7.8.1927)
- Date
- 1927-08-07
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Sette 4 Wien, Sonnta Wiener Morgenzeitung 7. August 1927 Nr. 3031 Wir müssen das Laaer räumen Levine kontra Srouhin. Sine erregte Szene ans nem zingglag. Parrs, 6. August. (Tel.-Komp.) Heute nachmittags kam eS in Le Bourget zu erregten Auftritten zwischen Levrne und seinen Pariser Bevollmächtigten einerseits,!ne mit einem Lastwagen auf dem Flugplatz erschienen waren, um den R eserve m oto r der „Miß Columbia" abzuyoten, und dem Flieger Drouhin andererseits. Einen Augenblick lang drahten die Auseinandersetzungen in Handgreiflichkeiten auszuarten. Schließlich transportierte Levine den Ersatzmotor ab, um ihn nach Le Havre zu schicken. Er mußte aber daraus verzichten, das Flugzeug aus dem Schuppen, wo es Drouhin auf fernen eigenen Namen eingestellt hatte, frei zu bekommen, da der Rechtsbeistand DrouhinS den Schuppen durch einen Gerichtsv ollzieher hatte verfiel g e l n lassen. Zer franzSstsche Szeanflug. Paris, 6. August. (Tel.-Komp.) Der „Blaue Vogel" des Fliegers Givon wird heute abends zu einem Nachtflug über Nordfrankreich und die englische Küste aufstcigen. Von dem Ausfall dieses letzten Probefluges wird die endgültige Entscheidung über den Ozeanflug Givons abhängen. wegen Umbau verkaufen daher zu noch nie dagewesenen tiefreduzierten Preisen Seftdenstfoiie: Seiden-Foulards, herrliche Dessins.S 7.80, 5.80 Seidenkleider, Alpaca genaust.S 4.80, 3.80 Crepe de Chine, alle Farben. 8 8.80, 5,80 Seiden-Georgette, viele Farben.S II —-, 7.80 Ia Shantung, 90 cm breit . . . . . . . . . S 4.80 Seiden-Wasch-Marokain, glatt u. desS., 90 cm breit S 4.50. 3.80 Japan-Pongis, alle Farben .§ öcnotten-Seidenstoffe...S 3.80 Waschwarenlager wird zur Ganze wegen Auflassung total ausverkauft. Tief unter dem eigenen Kostenpreis! Keine Kunde versäume die günstige Gelegenheit. Seidenhttuser $. wnunm Wien,Tuchlauben 8, und I., Bauernmarkt 2a Wir müssen das Lager räumen Ein Konzert ohne Musikinstrumente. Vorführung der „SphSrophonr" auf der Frankfurter Internationalen Mnfitanrftellnng. Eine epochale Erfindung, deren Bedeutung und Auswirkungen jetzt noch nicht zu übersehen sind, wurde, einer Meldung der Telegraphen-Kompagnie zufolge, vor einem Publikum von Künstlern, Intellektuellen, Fachkritikern und Fachgelehrten auf der Frankfurter Musikausstellung vorgeführt und hat großes Auffchen erregt. Der Bericht klingt wie ein Märchen aus „Tausend und eine Nacht" oder wie ein — Grubenhund. Es handelt sich um einen Apparat, der auf radioelektrischem Wege Klänge beliebiger Höhe, Dauer und Farbe erzeugt. Das „Spiel" erfordert im Gegensatz zu dem auf den traditionellen Instrumenten keinerlei mechanische Anstrengung oder Arbeit. Es wirdmittels freier Bewegung der Kunde im Raum Musik gemacht und herrliche »och dazu. „ Die Erfinder dieses Instrumentes, „S p h ä r o p h o n" genannt, ftnb der deutsche Lehrer Mager und der russische Ingenieur T h e r e m i n, der Magers Erfindung verbessert hat und praktisch verwertet, indem er einen Lautsprecher benützt und die Tonhöhe durch Einwirkung der leitenden Körper auf die Antenne regelt. Es ist tatsächlich ein Wunder: Ein vertikaler Metallstab, der als Antenne dient, entsendet elektromagnetische Wellen von bestimmter Länge und Frequenz. Je mehr sich die Hand oder einzelne Finger der Antenne nähern, desto höher wird der Ton, je weiter sie sich von der Antenne entfernen, desto tiefer wird der Ton znm Sinken gebracht. Auch die Tonstärke wird durch Handbewegungen im freien Raum leicht verändert. Es ist zu diesem Zwecke dem Apparat eine zweite ringförmige Antenne eingebaut. Bor einer Stunde schon ist der rotgoldene Ball aus dem Wasser geklettert, aber nun steht er überdem grünen Buchenwald entlang des Strandes, erwärmt nur milde, der Seewind hat seine Glut entführt. Hunderte Strandkörbe aus geflochtenem Bast stehen zwanglos umher, ein wenig vorgebeugt, mit dem Nachen dem lebendigen Meere zugewandt. Drüben winkt die vorspringende Mole, ein Leuchttuvm ragt in den Himmel, am Landungssteg spazieren erste Frühauffteher. Aufreizend rauschen die Wellen zu ihren Füßen. Einige Sttmden später. Der Strand ist belebt. Gruppen bedächtiger weißgekleideter Ehepaare, viele Kinder, wenig Jugend. Gutbüvgerliche Beziehungen werden von Strandkorb zu Strandkorb geknüpft, man hört gediegene Aussprüche über Wetter und Kinderpflege. Der Ton ist nicht gedämpft, aber beileibe nicht übermütig, nur ein wenig nüchterner und in seiner Melodik begrenzt. Es gibt viele große, blonde Frauen, Elfte deutschen Kleinadels und wenige, kleine, brünette Polinnen. Grauhaarige Militärs, auf ihren Elfenbeinstock gestützt, mustern helläugig die paradierende Welt. Aus jugendlichen, scharfgeschnittenen Gesichtern blitzen Monokels. Mittags in der Badeanstalt. Mit Jauchzen werfen sich die Körper in die anstürmenden Wogen, tauchen unter, werden nicht müde, über Kämme und Täler zu klettern. Männlein ubd Weiblein tollen ausgelassen, Lachen und Kreischen, flattert auf, man faßt sich an der Hand, bildet Reigen. Und weiter draußen, am hohen Meer, streben die Schwimmer mit wuchtigen Armöewegungen in die Weite. Hier ist das Baden die Hauptsache, Flirt und Mode Nebensache. Das Nachmittagsschläfchen am Strand gibt den müdegepeitschten Gliedern die notwendige Sammlung. Man sitzt im Korb, träumt gur Musik der Braudung. Ein würziger Seewind fächelt die Stirne. Fern, am Horizont, der Rauch eines schlankenDamPfers, der einsam, majestätisch vorüberzieht. Musik durch klingende Luft! Die Klangqualität wird ähnlich wie bei Instrumentalmusik oder bei der menschlichen Singstimme durch Vibration gewonnen. Nur mit dem Unterschied, daß ganz unerhörte Klangdifferenzen erzielt werden, wie sie bei Instrumentalmusik nicht zu erlangen sind. Durch das Verfahren Theremins ist eben die Zwischenschaltung eines Klangkörpers überflüssig geworden. Sie ermöglicht die unmittelbare Uebertragung der feinsten Schwingungen des menschlichen Klangwillens durch die vibrierenden Finger auf die klingende Luft. Da der Ton aus rein elektrischem Wege erzielt wird, ergeben sich unglaubliche Klangeffekte. Die Zuhörer waren einfach bezwungen. von Freundschaftslomitee Wien- Preßbärs. Besuche in Preßburg und Gegenbesuche in Wien. In Pießburg hat sich vor kurzem eine Versammlung Vertretern staatlicher und städtischer Behörden dasüe ausgesprochen, daß die Bevölkerung Wiens und Pveßburgs ihre Tagesbesuche im kleinen Grcnzverkehr ohne Paß machen können. Zur Förderung einer freundschaftlichen Wiederannäherung der Städte Wien und Preßburg hat sich iln Wien unter dem Vorsitz des Sektion:- rcrtes Dr. Robert Truxr a ein „Freundschaftskomitee Wien- Preßburg" gebildet. Es wurde beschlossen, daß die Wiener Sonntag, den 28. August d. I., und Sorrntag, den 18. September, je einen Tagesausflug nach Preßburg und die Preßburger einen Gegenbesuch unter Führung des Stadtoberhauples und der Stadträte Sonntag, den 11. Sep'cmbrr, nach W'en machen sollen. Die Leitung der Ausstellung „Die Frau von hrcüe" stellt dem Komitee Lhr Bureau, 8. Bezirk, Alserstraße 23, Telephon 21-1-51, als Geschäftsstelle zur Verfügung. Daselbst w.rden die Anmeldungen entgegengenommen. Kosten Hin- und Rückf.chri Wien- Preßburg, Visum (wird ohne Paß besorgt) und für die Regi-- auslagcn betragen insgesamt 9.50 Schilling. Berhastung eines ungarifchea Bankvlrettors. Budapest, 6. August. Nach einer Meldung des „Pesti Naplo" aus Miskolcz hat die Polizei gestern abends den Generaldirektor der Miskolczer Bank, Ignaz Brünn, verhaftet. Er wird der Veruntreuung, der Dokumentenfälschung und des Betruges beschuldigt. Kleine Nachrichten. Wien. Dre 65jährige Pensionistin Hermine Bittler wurde vorgestern tn ihrer Wohnung, 7. Bez., Hermanngasse 25, im Bett tot aufgesunden. Bei ihr war schon Leichenstarre eingetreten. Da die Todesursache nicht bekannt ist, wurde die sanitätspolizeiliche Oeffnung der Leiche angeordnet. MlWSrtt. Der Holzmeister der Vundesforstverivaltung Lankowitz ver Graz Hermann Münze jst ivätzrend deS Wti.gen Gewitters anr 3. August bei der Arbeit in einem Buchenwald durch einen Blitzschlag ^getötet worden. . Zu einem Theaterskandal kam es im Straßburger Eden-Theater, wo Mitglieder des Leipziger Operettentheaters ein Gastspiel gaben. B eim Beginn der Operette „Raffkes Ende" wurden die deutschen Darsteller vom Bublikum auSgepfiskeN' Vom internationalen Studentenbnnd. Ae rrttleaer 6ßuiud8»imii9e »er international eiuociit Sen»«". Die „Wiener Morgenzeitung" hat wiederholt auf die Bedeuttmg und die Arbeit der neuen internationalen studentischen Organisation „International Student Service" (I. S. S.) hingewiesen, an der auch die jüdische Studentenschaft beteiligt Ist. Diese neuartige Organisation von Hochschülern soll etn 'Mittler sein Mischen den intellektuellen Schichten 'der Nationen. Die lithrenden Per- Anlichkeiten der Exekutive sind Dr. H. C. Konrad Hoffmann und Dr. Walter Kotschnig. Der Vertreter der Juden ist Herr Leo Steinig. Zu den aktuellen Aufgaben der I. S. S. zählt insbesondere auch die Beseitigung der Gefahr, daß das Hochschulstudium ein Privileg begüterter Klassen wird. Durch entsprechende Formen der Selbsthilfe und der Fürsorge soll dieses Ziel erreicht, durch Kameradschaft sollen die Lebensvedingungen und die Arbeitsfähigkeiten des Akademikers erleichtert werden. Ae Schulungswoche, welche „International Student Service" in Dresden abhielt, nahnr einen sehr erfreulichen Verlauf. Ti'e jüdische Nation war durch zwei Delegierte, die Studenten F. R a b i n o w i t s ch (Berlin) und A. Teich (Wien), vertreten. Die Stadt Dresden hatte den Studenten das schöne Lingner-Schloß zur Verfügnntg gestellt. Ter deutsche Untergenevalsekretär des Völkerbundes, Minister Dufour-Ferance, schilderte in seinem einleitenden Referat die traurige Zeit nach dem Kriege, irr d^r das akademische Leben fast zusammenbrach Die neue internationale Studentenorganisation sei aus ähnlichen Gründen und zur nämlichen Zeit entstanden, wie der Völkerbund, der durch seine Kommission für geistige Zusammenarbeit die Bestrebungen der I. S. wiederholt unterstützt hat und ihr Wirken aufmerksam verfolgt. Die Tatsache, daß Studenten ehemals feindlicher Länder brüderlich z u s a m m e n st e h e n, hat in der ganzen Kulturwelt großen Eingruck gemacht. Immer stärker wird das Mißtrauen der Jugend gegenüber bloßen schönen Reden; sie heische die Bewährung einer Gesinnung durch! die Tat. In diesem Sinne baue die I. S. S. ihr WÄtstudentenwerk auf. „Nicht von den Beschlüssen der Parlamente oder der Konferenzen," schoß Dusour-Ferance, „hängt das Schicksal eines Volkes' ab, sondern von der Einsicht und Tatkraft der akademischen Schichten, welche die neue Generation zu führen haben wird." . Ter Vertreter der Internationalen Arbeitsamtes in Genf, Dr. Mau rette, sprach über die Notwendigkeit der Annäherung zwischen den ge istigen und manuellen Arbeitern. Es kamen seruer die schivierigen Probleme der Ueferfüllung der inte lektu-, eilen Berufe sowie des Studiums der Au sländer in den verschiedenen europäischen Ländern, deren Zahl nicht weniger als 50.000 beträgt, und unter internationalen Gesichtspunkten zur Erörterung. 'Man sprach über Studentenküchen und Merkbetriebe, Gesundheitsfürsorge und Gastdienst gegenüber ausländischen Studen'en, und über eine Reihe anderer Fürsorgefvagen. Das Verhältnis all er.DI elegierten zu den jüdischen war freundschaftlich. Der arabische Delegierte aus Syrien legte ein warmes Interesse für allx. jüdischen Fragen an den Tag. Einen Miß klang in die Harmonie trug die rumänisch: Delegation. Der jüdische Delegierte referierte wahrheitsgemäß, daß die Juden in Rumänien, denen das Hochschulstudium verfassungsmäßig gewährleistet ist, praktisch durch den Terror der antisemitischen rumänischen Studentenschaft am Besuch der Hochschulen behindert werden und gezwungen sind, ins Ausland zu gehen. Die rumänischen Vertreter erklärten diese Mitteilungen für vollkonrmen u n w a h r und behauptete, kein Jude iverde in Rumänien am Studium behindert. Eine ähnlich: Differenz gab es mit der ungarischen Delegation.' Die Sympathie der großen westlichen Na tionen waraufSeite der jüdischen Delegation. Ter Schweizer Delegierte wurde mit der Prüfung des Sachverhaltes betraut. Es ist festzuhalten, daß bei Beratung des Problems der Ueberproduktion in den geistigen Berufen der Numerus clausus als kein geeignetes Mittel befunden und als verwerflich erklärt würde, wo er aus religiösen, nationalen und rassenpolitischen Gründen geübt wird. Tie Dresdener Schulungswoche leistete ernste Arbeit. Sie war ein guter Auftakt für die Sechste Jahrestagung des International Student Service, die gestern in S ch i e r s (Schweiz) eröffnet ivnrde üud bis zum 15. August wcchrt. Wir werden über den Verlauf dieser Konferenz berichten. fc, Echte Spitzen, neu und antik, Vorhänge, Decken Atelier für Spitzenausbesseruog Spitzenindustrie hl i8cl*e hnu Me David 80i]<iers Sellergasse Nr. 14 5353480148484848530153235323484848234853485323234823485348234823484853235348022323535353484853 2348234823535348235353532323025348534853485348234802485348234853235323234853482353235348235323